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Granāt

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Granāt

Bd. 8, Sp. 221
Granāt, Mineral aus der Ordnung der Silikate (Granatgruppe), kristallisiert regulär, meist in Rhombendodekaedern oder Granatoedern und in Leucitoedern, und findet sich sehr häufig in ringsum ausgebildeten Kristallen, aber auch aufgewachsen und derb in körnigen bis dichten Aggregaten, ferner auf sekundärer Lagerstätte in Form von Geschieben. Er ist selten farblos, meist grün, gelb, rot, braun, schwarz, glas- bis fettglänzend, durchsichtig bis undurchsichtig, Härte 6,5–7,5, spez. Gew. 3,4–4,3. Die Zusammensetzung ist sehr schwankend, entspricht aber stets derselben Formel. Man unterscheidet als Grundverbindungen Ton-, Eisen- und Chromgranat, je nachdem in der Formel R3(R2)Si3O12 die Atomgruppe R2 aus Aluminium, Eisen oder Chrom besteht, und ferner Kalk-, Magnesia-, Eisen-, Mangangranat, je nachdem R3 Calcium, Magnesium, Eisen oder Mangan ist. Die meisten Granate, zumal der in den kristallinischen Schiefern so verbreitete gemeine G., sind isomorphe Mischungen der einzelnen Glieder untereinander, und zwar mischen sich am häufigsten Ton- und Eisengranate, bisweilen auch Ton- und Chromgranate. G. schmilzt bei hoher Temperatur und verwandelt sich in andre Mineralien, besonders Olivin und Anorthit; unter Zusatz von Schmelzmitteln, die den Schmelzpunkt herabsetzen, kann G. aus seinen Bestandteilen dargestellt werden. In der Natur ist er aber teilweise auch aus Lösungsmitteln bei hohem Druck entstanden. Der G. findet sich eingewachsen und auf Klüften in verschiedenen massigen und schieferigen Gesteinen, am häufigsten in kristallinischen Schiefern (Glimmerschiefer, Gneis, Granulit, Eklogit) und in Kontaktgesteinen (Kalksilikathornfelsen etc.), seltener in Granit, Porphyr, Phonolith und auf Erzgängen. über sein massenhaftes Auftreten als Fels s. Granatfels. Man unterscheidet mineralogisch: Kalktongranat Ca3Al2Si3O12, farblos weiß (Leukogranat, weißer G.) von Auerbach, Jordansmühl in Schlesien etc., hellgrün (Grossular) vom Wilui in Ostsibirien, von Rezbanya und Cziklowa, vom Monzoni, rosa von Rancho de San Juan in Mexiko, honiggelb (Vermeille) bis hyazinthrot (Kaneelstein, Hessonit) von der Dominsel in Breslau, Mussaalp im Alatal, vom Vesuv, von Ceylon. Hessonit (s. Tafel »Edelsteine«, Fig. 16) wird als Edelstein benutzt und wegen seiner Farbe häufig mit Hyazinth verwechselt, so der Hyazinth oder Hyazinthgranat von Dissentis in Graubünden und von Ala in Piemont. Hierher gehört auch der Romanzowit im körnigen Kalk Finnlands. Magnesiatongranat (Pyrop, böhmischer G., okzidentalischer G.) Mg3Al2Si3O12 enthält meist auch etwas Chrom, ist dunkel hyazinthrot bis blutrot, vom spez. Gew. 3,7–3,8 und findet sich als akzessorischer Gemengteil meist in Form von kaum erbsengroßen abgerundeten Körnern in manchen Serpentinen, so zu Meronitz, Podsedlitz u. a. O. in Böhmen, auch zu Zöblitz und Greisendorf in Sachsen; in Diamantseifen Brasiliens, bei Santa Fé in New Mexico, in Arizona. Pyrop dient als Edelstein, er war früher sehr geschätzt, während jetzt nur größere Steine höhern Wert besitzen. Zum Pyrop gehört auch der Kaprubin von den Diamantfeldern Südafrikas, die wertvollste Granatvarietät, vom Rubin oft schwer zu unterscheiden; er ist oft rubinrot, oft mehr blutrot mit Stich ins Blaue, spez. Gew. 4,16. Mangantongranat (Spessartin) Mn3Al2Si3O12 enthält stets etwas Eisen, ist gelb- oder rotbraun, findet sich hauptsächlich im Granit, so zu Aschaffenburg im Spessart, Elba, Broddbo bei Falun, Miask, Haddam in Connecticut, St. Marcel in Piemont, auch im Porphyrit von Ilfeld. Eisentongranat (Almandin, edler G., orientalischer G., s. Tafel »Edelsteine«, Fig. 11) Fe3Al2Si3O12, rot, braun, bräunlichrot ins gelbe (Vermeille-G.), seltener schwarz, eingewachsen in kristallinischen Schiefern, so im Riesengebirge, Erzgebirge, in den Geschieben Norddeutschlands, bei Falun, in den Alpen, am Ural. Durchsichtiger Almandin von blutroter Farbe, ähnlich dem Rubin, oder karmin- bis kolombinrot, stets mit merklichem Stich ins Braunrot oder Violett, spez. Gew. 4,1–4,3, wird als Edelstein benutzt. Fundorte: Pegu bei Sirian (sirianischer oder sirischer, fälschlich syrischer G.), Ceylon, Rio de Janeiro, Provinz Bahia, Uruguay, Böhmen (Kolin, [Koliner G.], Auhrar, Petschau, Radborg im Serpentin), im St. Gotthardgebiet, Rheinwaldtal, Zillertal (Tiroler G.), im Tauerngebirge etc. Diese Steine werden jetzt hauptsächlich nach Böhmen geschickt, dort geschliffen und als böhmische Granaten oder Pyrope verkauft. Kalkeisengranat (Aplom) Ca3Fe2Si3O12, gewöhnlich braun oder braungrün, öfters schwarz (dann titanhaltig: Melanit), zuweilen hellgrün und durchsichtig. Der Melanit findet sich in jüngern Eruptivgesteinen, wie Phonolith, Nephelin- und Leucitbasalt, so im Kaiserstuhl, in der Eifel, am Vesuv, im Albaner Gebirge, ferner in kristallinischen Schiefern (Pfitsch- und Zillertal) und auf Magneteisenlagerstätten (Arendal). Hierher gehören auch der gelbe durchsichtige Topazolith von der Mussaalp im Alatal und der Demantoid, ein schön grüner G. aus den Goldseifen von Syssersk im Ural, oft dem Smaragd ähnlich (uralischer Smaragd, Chrysolith), aber vom spez. Gew. 3,8, in Rußland viel als Edelstein benutzt; ferner der Kolophonit, derbe, körnige Aggregate von kolophoniumbrauner oder schwarzer Farbe, von Arendal, Allochroit, ein dichter grünlicher oder gelblicher, manganhaltiger G., sehr verbreitet in kristallinischen Schiefern, sowie auf Gängen und Erzlagern, unter andern bei Drammen in Norwegen. Kalkchromgranat (Chromgranat, Uwarowit) Ca3Cr2Si3O12, dunkel smaragdgrün, glasglänzend, findet sich auf Klüften von derbem Chromeisenstein bei Bissersk und Kyschtimsk im Ural, auch in Texas und Kalifornien. Die durchsichtigen edlen Granate benutzt man als Schmucksteine, von den undurchsichtigen oder unedlen nur den Melanit ausnahmsweise zu Trauerschmuck. Sitze der Granatschleiferei sind insbes. Böhmen (Turnau, Rovensko, Prag), dann Warmbrunn in Schlesien, Waldkirch bei Freiburg i. Br., der Jura. Man benutzt den G. insbes. zu Ring- und Busennadelsteinen, die, wenn sie groß sind, teuer bezahlt werden. Im französischen Kronschatz findet sich eine 85 mm lange Schale aus G. von 12,000 Fr. Wert. Die blutroten böhmischen Pyropen sind die billigsten und wurden in großen Mengen verarbeitet. Seitdem aber die Kaprubine (s. oben) in den südafrikanischen Diamantwäschereien in großer Menge als Nebenprodukt gewonnen werden, ist die Granatgewinnung in Böhmen fast ganz eingestellt worden. In Schweden findet G. ausgedehnte Anwendung als Zuschlag beim Eisenschmelzen. Künstlicher G. ist ein durch Gold gefärbter Glasfluß, der sich durch seine geringere Härte leicht vom echten unterscheiden läßt.
6707 Zeichen · 79 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GRÂNÂTstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    GRÂNÂT stm. granat, mlat. granatus von grana. 1. eine frucht. vîgen boum grânât öle wîn und ander rât Parz. 508,11. 2. e…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹granât

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    1 + granât s. garnât; granâtappel Granatapfel , wîngarnât, granâtȫlye, garnâtesȫl.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Granāt

    Adelung (1793–1801) · +12 Parallelbelege

    1. Der Granāt , eine Art Krebse, S. Adelung Garnele .

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Granat

    Goethe-Wörterbuch

    Granat Pl -en, vereinzelt -e den (Halb-)Edelsteinen zugerechnetes Mineral; oft von Form u Größe eines “Korns” u/od (der …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Granat

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Granat , Mineral, regulär u. meistens im Rautendodekaëder krystallisirend; Härte von 6,5 bis 7,5, spec. Gewicht von 3,4 …

  6. modern
    Dialekt
    Granātm.

    Westfälisches Wb.

    Granāt m. [verstr.] hartes, glänzendes Mineral; Edelstein. ¶ Vgl. NDSWB 5,667: Granāt² .

  7. Spezial
    granat

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    granat [gra·nạt] m. (-ac) (mineral) Granat m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit granat

220 Bildungen · 217 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von granat 2 Komponenten

gra+nat

granat setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

granat‑ als Erstglied (30 von 217)

Granātanbaum

Adelung

granata·n·baum

Der Granātanbaum , des -es, plur. die -bäume, ein Baum, welcher in den Morgenländern und den wärmern Gegenden Europens wächset, und dessen F…

granatapfel

DWB

granat·apfel

granatapfel , m. , für die apfelartige frucht von punica granatum ( s. 1 granat), seit dem mhd. ( hier neben malagranâtapfel, margramapfel u…

granatapfelbaum

DWB

granat·apfelbaum

granatapfelbaum , m. , bezeichnung für punica granatum L., wie häufigeres granatbaum, s. auch 1 granat 1. älter auch als granaphel bavm ( md…

granatapfelblüt(e)

DWB

granatapfel·bluete

granatapfelblüt(e) , f. , älter auch granatapfelblust, m., dasselbe wie granatblüte ( s. d. ). in formen wie granatopffel blüget H. Braunsch…

granatapfelblume

DWB

granatapfel·blume

granatapfelblume , f. , was granatapfelblüte ( s. d. ): item dem kind felt auch zu daz im der affterdarm uszget ..., so nym ... granatöpffel…

granatapfelmuster

DWB

granatapfel·muster

granatapfelmuster , n. , zu granatapfel 2 a: am anfang des 16. jahrhunderts steht die ( italienische ) seidenweberei noch vollständig unter …

granatapfelsirup

DWB

granatapfel·sirup

granatapfelsirup , m. : item ist der stulgang des kindes geel, so sol man im geben rosen sirupen, ... oder granatöpffelsirupen mit ein wenig…

granatapfelwein

DWB

granat·apfelwein

granatapfelwein , m. : ein müszlin von weissem meel, mit granatöpffel wein vnd zucker gekocht Dryander d. ganzen arzenei gemeiner inhalt (15…

granatapfelzweig

DWB

granatapfel·zweig

granatapfelzweig , m. , granatapfel 4 entsprechend soviel wie ' zweig des granatbaumes ': weil nun die götter an diesem baume so grosses bel…

grânâtapful

EWA

granat·apful

*grânâtapful m. a-/i-St., in Gl. des 12., 14. und 15. Jh.s: ‚Granatapfel; malum grana- tum, malum punicum‘ (mhd. grânâtapfel, grânâtepfel, n…

Granatappel

MeckWB

granat·appel

Granatappel Granatenappel m. wie Granat 1 1: malum punicum vel granatum 'Granatenappel' Chytr. 477; abweisend auf die Frage wat gifft 't tau…

granataria

MLW

granat·aria

* granataria (-net-, -teria, -netteria), -ae f. ( fort. per contam. ex granatus et granarium) horreum – Kornspeicher, Scheune : Dipl. Consta…

granatarius

MLW

granat·arius

* granatarius (-ne(c)t-, -ter-), -i m. ( fort. per contam. ex granatus et granarium) ? script. -tor-: MLW l. 9. administrator, magister horr…

granatartig

GWB

granat·artig

granatartig G-es [Granat artiges Hs-Neulesung FfA I 15 2 ,810,11 ] Gestein im Fluß Orete [ NW-Sizilien ] N13,384,28 MinGeol Plp Gert Liebich…

granatbäumlein

DWB

granat·baeumlein

granatbäumlein , n. : das ... wundkreütlein würt fingers lang, wie die bletlin von den granaten bäumlin Bock kreutterb. (1539) 1, 93 . sinnb…

granatbaum

DWB

granat·baum

granatbaum , granatenbaum , m. , name für punica granatum L. wie granatapfelbaum ( s. d. ), 1 granat 1, der durch seine blüten wie seine frü…

granatbeerbaum

DWB

granatbeerbaum , m. , wacholder; umgedeutet aus kranat als einer älteren form von krammet ' wacholder ', s. teil 5, 2004: granatbeer H. Brau…

granatbeere

DWB

granat·beere

granatbeere , f. , s. das vorige: juniperus communis L. granatbeer ( vgl. ahd. khrana-witu Graff 4, 612 ) Pritzel-Jessen volksnamen d. pfl. …

Granātbêrg

Adelung

granat·berg

Der Granātbêrg , des -es, plur. die -e, ein aus Granatstein bestehender Berg, dergleichen es in Schweden gibt; S. Adelung Granatstein .

granatbiszchen

DWB

granat·biszchen

granatbiszchen , n. , dimin. zum folgenden und in gleicher bedeutung: ( gerichtsschreiber: ) ich könnte ihn zu granatbiszchen hauen Iffland …

Granatblütfarbe

Campe

Die Granatblütfarbe , o. Mz . die hochrothe Farbe der Granatblüte; dann eine rothe Farbe, welche derselben gleichet.

granatblütfarben

DWB

granatblütfarben , adj. : besagtes töchterlein hat nun granatblüthfarbene, korallenrothe rosenlippen Gaudy s. w. (1844) 12, 151 .

granatblume

DWB

granat·blume

-blume ( was granatblüte) Gersdorff wundarzney (1517) 23 b ; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 7, 508 , —

granat als Zweitglied (2 von 2)

goldgranat

DWB

gold·granat

goldgranat , m. , eine art des minerals granat, die gold enthalten soll, vgl. Voigtel wb. (1793) 2, 112 a ; Adelung 2, 743 . —

Ableitungen von granat (1 von 1)

granate

DWB

granate , f. , ' sprengkugel, streugeschosz '. nach ausweis der wortform geht das seit 1616 belegbare granate ( s. u. 1 a) auf ital. granata…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „granat". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/granat/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „granat". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/granat/meyers. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „granat". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/granat/meyers.
BibTeX
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