göttlich,
adj. ,
divinus. ahd. gotlîh, gotelîh,
mhd. gotelich, götelich, göttelich, gotlich, götlich (
md. godelich),
mnl. godelijc, goddelijc,
nl. goddelijk,
an. guðligr,
dän. gudelig,
schwed. gudlig,
engl. (
seit dem 14.
jh.) godly.
zur älteren geschichte des wortes, seiner vorgänger und synonyma in den germanischen sprachen vgl. M. Cahen
l'adjectif divin en germanique in: publications de la faculté des lettres de l'université Strasbourg 21 (1924) 97
ff. zur wiedergabe des lat. (
kirchenlat.)
divinus bedienten sich die meisten germanischen sprachen des kompositums *guda- kunda- (
ahd. *gudakunþa-
und *gudakunþja-,
s. W. Schulze
kl. schr. 70
anm. 2;
für das got., dem bildungen auf -kunds
an sich geläufig sind, ist nur gudisks
nachweisbar, got. bibel 2. Tim. 3, 16;
skeir. 1, 10; 16),
dessen ursprüngliche bedeutung von den göttern stammend' und '
an der natur der götter teilhabend',
wie in ähnlich gebildetem gr. θεογενής,
wenigstens für an. goðkundr
heidnisch noch bezeugt ist. die anpassung dieses wortes an das als adjektiv der zugehörigkeit im weitesten sinne ganz anders geartete christliche adj. divinus erfolgte am intensivsten in ags. godcund,
das erst im 14.
jh. durch die gleichzeitig auftretenden und synonym gebrauchten adjektiva devyne (
engl. divine)
und godly
abgelöst wird. ahd. gotkund (
alemann. umschrift eines bair. originals im gl. K., rhfrk. im 8.
jh., alem. und ofrk. im 9.
jh.)
steht als -kund-
bildung innerhalb des ahd. isoliert und hat wohl aus diesem grunde kürzere lebensdauer als seine ags. parallelbildung, mit der es im übrigen die vielfältige anpassung an divinus teilt, soweit die nicht sehr umfangreiche bezeugung dies erkennen läszt. bereits im späten 8.
jh. erscheint in der rheinfränkischen quellengruppe des Isidor und der Monseer fragm. als konkurrierende bildung das adj. gotlîh (
die glosse prescia diuina cotlih forauuizo
in Ra des Keron. gl., ohne entsprechung bei K und Pa, ahd. gl. 1, 226, 32
St.-S. gehört dem anfang des 9.
jhs. an, s. Baesecke
d. dt. abrogans [1933] 17).
im 10.
jh. verdrängt diese neubildung das ältere gotkund,
das, in der erweiterten form gotkundlîh,
nur in der glossographischen [] tradition noch bis ins 12.
jh. mitgeschleppt wird, vgl. ahd. gl. 1, 747, 59
St.-S.; seit Notker
herrscht gotlîh
ausschlieszlich. näheres über die z. t. recht komplizierte auseinandersetzung der bereits genannten und weiterer synonymer bildungen im engl. und nord., hier bis in jüngere und junge zeit hinein, bei Cahen
a. a. o. formen mit bindevokal (
meist -e-,
vereinzelt -o-,
vgl. Notker 3, 83, 23
P., in dialektischer färbung -i-)
scheinen erst seit Notker
aufzutreten, der sie ausschlieszlich verwendet, vgl. 1, 227, 6
P.; 284, 9; 285, 20
u. ö. im mhd. behaupten sie sich durchgehend neben den fugenlosen formen, erst im 15.
jh. sterben sie aus, vgl. noch gottilich (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 629
b.
formen ohne bezeichnung des im mhd. zuerst auftretenden umlauts herrschen im 15.
jh. vor und sind auch im 16.
jh. noch sehr zahlreich. schreibung mit -tt-
scheint zuerst in den hss. des 14.
jhs. gelegentlich aufzukommen, ist aber im 15.
jh. noch seltener als die mit einfachem dental. erst im 16.
jh. kehrt sich das verhältnis um, doch begegnet götlich (
ausdrücklich gefordert bei Gueintz
d. dt. rechtschr. [1666] 11; 74)
noch im 17.
jh. häufig genug und erscheint vereinzelt noch um die mitte des 18.
jhs.: götlich (1747)
österr. weist. 4, 180; (1752) Klopstock
oden 1, 10, 32
M.-P. (
neben göttlich 1, 10, 24
und sonst immer).
besonders das 14.
und 15.
jh. weisen sonderformen auf, entrundung in gettelich Nicolaus v. Basel 102; 104; 107
Schmidt; getlych (1492) Röhricht
pilgerreisen 257,
diphthongiertes suffix in bair.-österr. götleich
österr. chron. v. d. 95
herrsch. 129
Seem.; (15.
jh.)
sprachbuch 39, 27
Brenner; gotleich (1502) Diefenbach
nov. gl. 254
b.
mnd. sind formen wie gotlic (
nd. 1420) Diefenbach
gl. 171
a; gotlik (
nd. 1417)
nov. gl. 82
b; 325
b; godlic J. Veghe 348
Jostes. —
eine nasalierte form göttling
findet sich in älternhd. bair. quellen, z. b.: nach seim göttling willen Hans Sachs 12, 112
lit. ver.; vgl. 6, 151; laut seim göttling wort
N. Herman
sonntagsevang. 216
Wolkan; vgl. dazu Weinhold
bair. gr. § 168. AA.
in christlichem gebrauch. A@11)
in der eigentlichen bezeichnung dessen, was gott zukommt und zugehört, als bestimmung seines wesens, seiner eigenschaften und ihrer äuszerungen. A@1@aa)
als qualitäts- und substanzbegriff. A@1@a@aα)
in der anwendung auf die wesenheit oder die personen der trinität: untazs hear nu aughidom uuir dhazs gheistliihhe chiruni dhera himiliscun chiburdi in Christe endi dhera gotliihhun dhrinissa (
diuine trinitatis) bauhnunga
Isidor 21, 21
H.; umbi dhazs selba quhad auh in Jobes boohhum: 'spahida dhes gotliihhin fater huuanan findis?' (
hinc est et illud in libro Job: '
sapientiam dei patris unde inuenies?')
ebda 2, 14; und alsus hat der vatter sich uzgegossen an dem usgange der götlichen personen Tauler
pred. 8
V.; zum dritten gleube ich an den heiligen geist, der mit vater und son ein warhafftiger gott ist und vom vater und son ewiglich kompt, doch ynn einem göttlichen wesen und natur ein unterschiedliche person Luther 26, 505
W.; die lehre von den drei göttlichen personen Scherer
litteraturgesch. 733.
in dichterischer substantivierung für gott selbst: erd und himmel vergehn; deine verheiszungen, göttlicher, nicht! Klopstock
oden 1, 127
M.-P. A@1@a@bβ)
speziell als attribut Christi, besonders im rahmen der christologischen zweinaturenlehre: (
ich) gloubo daz diu sîn gotelicha natura geinsamot wart der menisclichun in der magidlichun wamba (12.
jh.)
Bamberger glaube u. beichte in: kl. ahd. sprachdenkm. 136
Steinm.; das der himelsche vater gebirt seinen eingebornen sun in gOetlicher wesenlicheit Tauler
pred. 7
V.; und es solt mir ein schlechter Christus bleiben, der nicht mehr denn an einem eintzelen ort zu gleich eine göttliche und menschliche person were Luther 26, 333
W.; nachdem sie das göttliche kind gesehen Scherer
litteraturgesch. 749.
vereinzelt der göttliche sohn
für der sohn gottes: dass des Adam
s. (
d. i. sünde) im paradies mit dem x des göttlichen sohnes ist bezahlt worden Abr. a
s. Clara
w. 2, 9
Strigl; Klopstock
Messias (1780) 1.
substantiviert: [] heil mir, dasz mein auge dich (
Christus), du göttlicher, schaute! Klopstock
s. w. (1854) 1, 120;
vgl. 121; J. H. Voss
s. ged. (1802) 1, 45.
adverbial: ir gêt in Galyleam, dâ sêt ir Cristen rîche irstanden godelîcho (1120—30)
denkmäler 1, 106
Müllenhoff-Scherer; man darf sagen, dasz die christliche religion, da sie einmal erschienen ist, nicht wieder verschwinden kann, da sie sich einmal göttlich verkörpert hat, nicht wieder aufgelöst werden mag Göthe I 24, 244
W. A@1@a@gγ)
in der bezeichnung bestimmter höherer wesen im rahmen christlicher rangordnung: und (
als sie) bey der göttlichen (
Maria), die da wohl sonst so manch gebet erhört, so manches wunder verrichtet habe, mich beschwor Lessing 3, 165
L.-M.; Schiller 14, 55
G.; der heilige Georg an der spitze einer legion weiszgeharnischter göttlicher reiter Binding
Angelucia (1937) 58. A@1@a@dδ)
umschreibung für gott selbst in der verbindung mit bestimmten abstrakten aus dem bereich b: zu lob göttlicher mayestat, die all ding wol geordnet hat Hans Sachs 1, 81
lit. ver.; wenn diese strafe ... durch die gesetze den majestätsverbrechern bestimmt sei, wie viel mehr müsse sie diejenigen treffen, welche die göttliche majestät beleidigen Ranke
s. w. (1867) 8, 130; derogestalt die göttliche versehung ihre geheime weissagungen ... entziffern wolte Lohenstein
Ibrahim Sultan (1701)
zuschrifft a 4
b; die göttlich vorsehung läszt von zeit zu zeit was schlimmes zu O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 53. A@1@a@eε)
in biblisch-christlicher übertragung auf das wesen des menschen als eines teilhabers an der art und dem wesen gottes: got so ir erist mannan chifrumida mit dhem hohistom salidhom odagan endi mit scuonin dhera gotliihhun chiliihnissa chieredan (
diuine imaginis decore honoratum)
Isidor 28, 19
H.; so wir denn göttlichs geschlechts sind (
γένος οὖν ὑπάρχοντες τοῦ θεοῦ)
apostelg. 17, 29; jedem, auch dem lasterhaftesten ist gewissermaszen der stempel des göttlichen ebenbildes aufgedrükt Schiller 2, 11
G. auch in besonderem, auf bestimmte menschen eingeschränktem sinne: in disem wirt die sele alzemole gotvar, gotlich, gottig Tauler
pred. 146
V.; vgl. 10; das jr durch dasselbige teilhafftig werdet der göttlichen natur, so jr fliehet die vergengliche lust der welt (
ἵνα διὰ τούτων γένησθε θείας κοινωνοὶ φύσεως) 2.
Petr. 1, 4; gewisz waren es männer göttlicher natur, die diesz (
gegen schuldige gelind zu verfahren) zuerst lehrten Göthe I 24, 66
W. A@1@bb)
namentlich in der vertretung des gen. subj. oder poss. gottes,
als '
gott zugehörig, in gottes wesen begründet',
im vornhd. noch mit einer gewissen zurückhaltung, dann in der ganzen breite der unter gott I C 1
nachgewiesenen anwendung, wenn auch nicht mit gleicher prägungskraft. A@1@b@aα)
in der kennzeichnung gott zugesprochener eigenschaften und wesenszüge: igitur si possemus habere iuditium diuinę mentis uti sumus participes rationis ube uuir des koteliches sinnes chiesunga haben mahtin also uuir redohafte birn Notker 1, 346, 4
P.; der göteliche schin, des glanz die sunnen blendet Konrad v. Würzburg
goldene schmiede 1270
Schr.; aber die stet vnsers heiligthums, nemlich, der thron göttlicher ehre, ist alle zeit fest blieben
Jer. 17, 12; ich sehe es als ein werk an, welches nur göttliche allmacht, nur göttliche allwissenheit ausführen können Schiller 1, 13
G. in der verbindung göttliche wahrheit
als berufungsformel (
anders s. u. 3 d
α): davon ich dann bey der göttlichen wahrheit nit weisz zu sagen Götz v. Berlichingen
lebensbeschr. 93
Bieling und mit der bei göttlich
so sonst nicht üblichen bedeutung bloszer verstärkung, s. dazu unter D 2
und gott I H 1: ist ein götliche warheit
[] (
dasz eine gräfin Henneberg in einem kindbett 364
kinder geboren), daran nit zu zweifln
Zimmer. chron. 24, 4
Barack. A@1@b@bβ)
in der bestimmung dynamischer äuszerungen und wirkungsweisen gottes: do der gewaltige got sin werch het uerendot mit sinen reinen handen an allerslahte wandil in gotlichen gebæren, wand si uil guot waren
genesis 8, 24
Diemer; do wurt der mensche berovbet sin selbes in rechter worer gelossenheit und versincket in den grunt des göttelichen willen Tauler
pred. 108
V.; wenn göttlichem willen nach einige gewitterung oder regenwetter einfallen sollte (1655)
bei Schmoller
Straszburger tucherzunft (1879) 314; der knappe frâgte fürbaz 'du nennest ritter: waz ist daz? hâstu niht gotlîcher kraft, sô sage mir, wer gît ritterschaft?' Wolfram v. Eschenbach
Parzival 123, 5; demnach durch gotliche craft und macht ... das ware liecht und glanz gottlichs sonnenscheins und morgenröt allenthalben mit macht uffpricht (1525)
d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 199
Franz; hab alsdann dich (ich achte ausz göttlichem zuschicken und versehung) funden Hutten
opera 1, 448
Böcking; sagen wir nicht lieber: 'durch göttliche schickung (
statt '
divinitus')?' das publicum versteht es doch besser Rodenberg
an C. F. Meyer in: br. 177
Langm.; dass sie jederzeit in allem ihrem ... handel und wandel die göttliche gegenwart vor augen haben Grimmelshausen 4, 505
Keller; es ist also der weisheit gottes entgegen, sich so zu offenbaren, und uns nicht möglich, eine solche ... göttliche offenbarung zu gedenken Lessing 12, 321
L.-M.; da er einen göttlichen befelh empfieng (
χρηματισθείς)
Ebr. 11, 7; nachdem aus gottlicher guete in vnserer herrschaft ... sich ein berckhwergk ... ereuget (1540) Lori
bair. bergr. (1764) 242; von allgegenwart göttlicher liebe getragen Göthe I 25, 235
W.; ich wil sehen, ob ichs mit göttlicher hülff an dein statt biss zum ende ... bringen werde Kirchhof
wendunmuth 2, 394
Ö.; in der hoffnung einer unmittelbaren göttlichen hülfe Göthe I 23, 170
W. besonders göttliche gnade,
aber mehr in dem allgemein christlichen, als in dem besonderen dogmatisch-theologischen sinne: waz unser herre suzekeit hatte an daz magedin geleit, di ez befunden hade an godelicher gnade
leben d. hl. Elisabeth 984
R.; haben christcatholische unterthanen die son- und feurtag zu erbittung göttlicher gnad und seegens fleissig zu halten (18.
jh.)
österr. weist. 3, 362; und alle singen: lieder, in denen die erlösung gepriesen wird, psalmen der befreiung, anrufungen der göttlichen gnade und des heilands A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 205.
auf ein feindliches verhalten gottes bezogen: iustitiae (
dei) ce gotlihumu urteile (2.
Makk. 8, 13) (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 296, 49
St.-S.; darumb si nun göttlichen zorn und rach ... fürchte (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 6; die protestanten erkannten in dem ereignisz gleichsam ein sichtbares göttliches gericht Ranke
s. w. (1867) 8, 139.
in der verbindung mit bestimmten beziehungswörtern tritt deutlicher das bedeutungsmoment '
von gott herrührend, von gott gewirkt'
hinzu: rühmt sich die eine (
religion) göttliches eingebens, gesichte und träume, die andern auch Lessing 12, 320
L.-M.; es hat einer ... es als einen sichtbaren beweis der wirklichen göttlichen inspiration dieses buches angegeben Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 10.
hier namentlich neben begriffen, die der verdinglichung fähig sind: durch den selbigen (
d. hl. geist) als eine lebendig, ewige, göttliche gabe und geschencke Luther 26, 505
W.; dagegen war dem jäger das göttliche geschenk (
die sprache) ... ganz zwischen die lippen und vorderzähne gelegt worden Immermann 1, 152
Hempel; den man einst ... unter der stückweisen erwägung göttlicher wohlthaten ... gott auch dafür danken gehört, dasz ... Lessing 8, 9
L.-M. [] A@1@cc)
bei vorgesetztem possessivpronomen wird dem nah verwandten gebrauch b
gegenüber neben dem gesichtspunkt bloszer zugehörigkeit auch eine art von qualifizierung fühlbar; vorwiegend in älterem gebrauch: er (
gott) gab deme sigehafteme degene (
Jakob) sinen gotelichen segen unde einen namen uil hêr: er wart genennet Israel
dt. ged. d. 11.-12.
jhs. 28, 16
Diemer; nach dem allerley seiner göttlichen krafft (was zum leben vnd göttlichem wandel dienet) vns geschenckt ist (
τὰ πάντα ... τῆς θείας δυνάμεως αὐτοῦ) 2.
Petr. 1, 3; sin göttlicher will geschehe (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 263; der almechtig woll sein gotliche gnad und vernunft verlihen (1521) v.
d. Planitz
berichte 35
Wülcker. in christlicher sterbeformel: gott der allmechtig e. e. lieben ... ehegemahel ... zu seinen göttlichen genaden genommen K. Scheit
heimfahrt 3
Strauch; Zimmer. chron. 23, 76
Barack. im rahmen anthropomorpher vorstellungen: der aller leben stât unverwant in dîner gotelîchen hant (
Gottfried v. Straszburgs)
lobgesang 2, 28; du erfrewst in mit freuden ietz vor deinem göttlichen antlitz Hans Sachs 18, 98
lit. ver.; denn gott hat uns nach seinem bilde geschaffen und uns seinen göttlichen odem eingeblasen G. Keller
ges. w. (1889) 4, 248.
gern in der anwendung auf Christus: specie tua et pulchritudine tua daz duo mit dinemo menniscinen bilde unde mit dinero gotelichun sconi (
von Christus gesagt) Notker 2, 169, 6
P. (
ps. 44, 5);
vgl. 95, 14 (
ps. 29, 13); Jesus ... verlyh vns sein göttlichen segen
manuale curatorum (1516) 59
a; trewer heyland Jesu Christ, ... dein göttlich gnad uns sende Mittler
dt. volkslieder (1865) 761. A@1@dd)
unter der voraussetzung des gebrauchs b
gelegentlich auch in adverbialer beziehung auf verben, soviel wie '
in der gott eigenen, ihm zukommenden weise': alsus (
durch eine astrologische prophezeihung) ist frowe Elizabet den luden sunder allen wan ouch godeliche kunt gedan
leben d. hl. Elisabeth 306
R.; (
gott) der auch im menschlichen körper und in den kräften der menschlichen seele alles so wunderbar und göttlich überdacht hat Herder 13, 7
S. A@22)
seltener an stelle des gen. obj., entsprechend gott I D 1
in verbindungen, die ein verhalten des menschen gott gegenüber umschreiben. der im mhd. und älternhd. einigermaszen geläufige gebrauch klingt in junger sprache gelegentlich nach. besonders in festen bindungen: di reine (
Elisabeth) was iesa zu stunt von godelicher minne wunt
leben d. hl. Elisabeth 962
R.; Tauler
pred. 192
V.; der ordenszman sprach: götliche liebe ist dot in disem dorff, mir ist kein almuosen hie worden Pauli
schimpf u. ernst 279
Ö.; dise wege flúhet die götteliche vorhte, wanne sú ist ein beginnen der wisheit Tauler
pred. 106
V.; götliche forcht ist ... bey vns erloschen Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 2
R.; das götlichs lob da werdt verbracht, Maria der jungfrawen auch gedacht
Zimmer. chron. 21, 299
Barack; item des morgens synt wyr (
die pilger) gegangen zo dem bergh Syon, dan geschach eyn herlyche getlyche dyenst (1492)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 257; dasz sie fortfahre gott nach vermögen nachzuahmen, und der göttlichen erkantnisz würdig werde G. Arnold
d. erste liebe (1722) 142
a.
jünger in gelegentlichen fällen, die präpositional aufzulösen wären: wer zwischen göttlicher und menschlicher liebe schwankt, kann im gral nicht könig bleiben (1823) Lachmann in:
briefw. 1, 396
Leitzm. [] A@33)
als '
von gott stammend'
oder '
gott betreffend',
oft schwer trennbar und unter beiden gesichtspunkten zugleich, zu komplexer gebrauchsweise neigend; von bestimmten erscheinungsformen, offenbarungsweisen und kundgebungen gottes als objektiven gegebenheiten. auch hier vorwiegend in der vertretung des genitivs, z. t. in übereinstimmung mit dem gebrauch gott I E 3. A@3@aa)
in terminologisch festen verbindungen, denen vornehmlich die vorstellung des ursprungs aus gott zugrundeliegt. A@3@a@aα) der göttliche geist
als von seinem träger ablösbar gedacht: der milde goteliche geist was in im (
Stephanus) mit voller gift, als uns von im saget die schrift
passional 37, 84
Köpke; er meinte wohl, der göttliche geist sei nicht auf Palästina beschränkt gewesen, auch Plato habe aus dem göttlichen born getrunken Ranke
s. w. (1867) 3, 42. A@3@a@bβ) das göttliche wort,
älter auch göttliches wort
für das wort gottes
in seinen verschiedenen bedeutungsnuancen (
s.wort I C,
teil 14, 2,
sp. 1492
ff. und gott I E 3 a
δ),
wenn auch in der häufigkeit des gebrauchs zurückstehend. meist von der in der bibel niedergelegten botschaft gottes und von der bibel selbst, insbesondere sofern sie gegenstand der christlichen verkündigung sind: so denn von uch lesendn in gemelter schuol, ouch vmbteilern göttlichs worts an der cantzel, vilualtig artickel süsser kunst ... vssgeflossen Riederer
rhetoric (1493) a 2
a; dasz sie (
die fürsten) wolten an diesem orth, anhören das göttliche wort, von einem, welcher zugethon, ihrem glauben und religion (
d. h. von einem protestanten, nicht von einem katholiken) Sandrub
kurzweil 55
ndr.; als welche, nächst dem göttlichen worte ... die beste labung reichen Butschky
Pathmos (1677)
einf. ):( 3
b; je tiefer ich in den geist des göttlichen wortes eindrang, desto klarer ward es mir: inbegriff seiner weisheit ist die liebe
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 76.
in engerem sinne die botschaft Christi, das evangelium: nachdem das göttlich wort ... von Christo unserm heyland, seinen aposteln beuolhen ist, sollichs in der gantzen welt zuouerkünden
d. fürstenth. Wirtemberg newe landsordn. (1536) A 2
b.
so wohl auch: Marcus ... ein sun Petri des 12. botten in der tauff vnd auch ein iunger in der götlichen rede
erste dt. bibel 1, 117
lit. ver. prägnant für das anliegen der reformation: die ufrichtung und pflanzung gottlichs worts zu Freibergk Luther
br. 8, 126
W. selten von einem einzelnen wort gottes: so sind nu die schlussel nichts anders, denn ein gottlicher befehl odder gottlich wort Luther 30, 2
W.; 456.
in gleicher bedeutung: wenn denn nu eyn priester diszem gottlichen spruch (
1. Tim. 3, 2) wolt folgen Luther 10, 2, 151
W. A@3@a@gγ) (die) göttliche schrift
für die bibel, bis ins 17.,
vereinzelt ins 18.
jh. neben den geläufigeren bezeichnungen (die) heilige schrift, die schrift.
vornhd. selten: goteliche scrifte
divinę scripturę Notker 2, 415, 20
gl. P. (
ps. 99, 3); bruder Albrecht, der was ain hoher maister der götleichen geschrift und was vor ze Regenspurg bischof gewesen (
wenn nicht im sinne von '
theologie'
zu unt. d
α)
österr. chron. v. d. 95
herrschaften 129, 23
Seem.; was die gottliche schrifft nitt setzt, ist keyn nott, fur artickell des glawbens tzuhabn Luther 10, 1, 1, 564
W.; eines moralischen satzes, welchen man durch eine kette von beweisen bündig, und durch die zeugnisse berühmter männer, oder gar der göttlichen schrift ansehnlich machen will Rabener
s. w. (1777) 2, 25.
oft als heilige göttliche schrift: die heilig götlich geschrifft, die bibel Nazarei
v. alten u. neuen gott 58
ndr.; die heilig göttlich schrifft, die lehr der heiligen propheten vnd apostel, findt man bey jhnen (
den Türken) in arabischer sprach Schweigger
reyszbeschr. (1619) 179.
vereinzelt für einen bestimmten teil des alten testamentes, die hagiographa der vulgata: 22 búcher der altten ee: das ist v. Moysi, acht der propheten vnd ix. der götlichen schrifft
erste dt. bibel 5, 5
lit. ver. daneben [] weniger fest: hie hebet an die epistel des heiligen priesters sant Jheronimi zu Paulinum von allen götlichen büchern der hystori (
varr. OOa: von den büchern der göttlichen hystori)
erste dt. bibel 3, 462
lit. ver.; es wird also ein cirkel im beweisen, wenn die göttlichen bücher durch ihr zeugnisz die wahre kirche, und hinwiederum die kirche durch ihr untrügliches zeugnisz die wahren göttlichen bücher bestimmen soll Crusius
kurzer begr. d. moraltheol. 1 (1772) 572. A@3@a@dδ) das göttliche gesetz, gebot.
selten auf einzelgebote zielend: geschriben steet, übertretung goetlicher gesetz bleibt nit vnerrochen Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 5
R. meist zusammenfassend für den in der summe der gebote objektivierten willen gottes, pluralisch seltener als singularisch: die sünd sey ain übertretung des götlichen gesatzes Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) A 2
a; damit sie (
die soldaten) möchten der göttlichen gebot eingedenk sein Abr. a
s. Clara
w. 2, 190
Strigl; alle todsünden, besonders öffentliche, und andere dem göttlichen gesetze entgegenlaufende dinge
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 133.
speziell das mosaische gesetz: wie es ... dem heiligen göttlichen gesetz gemes war 2.
Makk. 6, 23.
älternhd. auch im rechtssprachlichen sinne von ε: als noch allen gotlichen natürlichen gesatzen gemeynen rechtin mogelich vnde bilchen ist (1430)
bei Haltaus
gloss. 737;
vgl. Luther
br. 8, 517
W. A@3@a@eε)
besonders ausgeprägt das göttliche recht
d. i. das natürliche im unterschied zum positiven recht, s. gottes recht
unter gott I E a
θ ββ u. gottesrecht 3,
in älterem fachsprachlichem gebrauch, vgl. schon: doch sollen die eigen zins, als erb vnd manlehn, auch erblehnungen, hierinnen nicht begriffen, sondern als ein goettlicher vnd rechtmässiger zins, usgeschlossen sin (
de iure diuino et humano concessus) (
ca. 1322)
bei Haltaus
gloss. 737; nu ist die gegenwher (
gegen d. unchristl. obrigkeit) ein stuck desselbigen naturlichen vnd gottlichen rechtens Luther
br. 8, 517
W.; vgl. w. 18, 301; 303; wann ainem geredt wirdet an sein treu und ehr, doch mit lugworten, ... so soll er solches in dreien tagen clagen und sein clag setzen, alsdann geschützt und geschirmbt werden bei dem göttlichen rechten (1671)
österr. weist. 1, 94, 33.
in ausdrücklicher abgrenzung: nicht allein wider das päbstlich vnd kayserlich, sondern auch das goettlich vnd natürlich recht (1462)
bei Haltaus
gloss. 737; du (
der papst) hast ... si (
die bischöfe) mit ... scharpffen schmähungen wider göttliche und menschliche recht ... umbtriben (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 25.
historisch referierend: (
die Sachsen sollten) zwar aus menschlichem recht dem kaiser keinen tribut, aber aus göttlichem recht den bischöfen die zehenden entrichten Herder 5, 690
S.; vgl. 16, 146; Ranke
s. w. (1867) 9, 8.
gelegentlich identisch mit geistliches recht:
canon geistlich, geistlichs recht (15.
jh., 1515), gotlich recht (15.
jh. md.;
anf. 15.
jh. obd.) Diefenbach
gl. 95
c.
aber auch davon unterschieden: jus divinum das göttliche recht,
jus sacrum das geistliche recht
nomencl. lat.-germ. (1634) 514; wiewoln die greilich und abscheichliche loster des gottslöstern, fluechens und schwörens ... sowol in götlichen, geust- und weltlichen rechten ... verpoten (17.
jh.)
österr. weist. 1, 132, 6.
am ehesten an diesen rechtsgebrauch schlieszt sich ein verselbständigtes göttlich '
gerecht, billig'
an, das in formeln des 15.
und 16.
jhs. begegnet: dass wir das ändern mugend, wie uns bedunkt das göttlich und billich sye (1467)
schweiz. id. 2, 523; so nun recht, billich vnd gottlich ist, wo eyner mit gott vnd recht restituiret vnd ingesetzt wirt (1510)
bei Haltaus
gloss. 737.
im übrigen ist hier die abgrenzung gegen das teil 4, 1, 1,
sp. 1491
s. v. gätlich 2 c, d
abgehandelte göttlich, gotlich
schwierig, dessen dort verzeichnete nachweise vielleicht z. t. doch hierher gehören. A@3@a@zζ)
und sonst von stiftungen und ordnungen, auch hier mit der neigung zu festem gebrauch: das er die czwey iungen menschen zuo der götlichen ee gefüget vnd geben het Arigo
decameron 101
lit. ver.; 659; das die tauffe an yhr selbs eine göttliche ordnung ist Luther 26, 506
W.; vgl. 505; nicht allein wider die göttliche ordnung in der
[] natur, sondern auch wider die gesunde vernunft Göchhausen
notab. venatoris (1741) 71.
jung in der verbindung die göttliche weltordnung: überdies glaubte die mutter, dasz ich durch den besitz eines sonntagskleides eher im zusammenhange mit der göttlichen weltordnung leben würde G. Keller
ges. w. (1889) 2, 125; H. Mann
d. untertan (1949) 241. A@3@bb)
als '
gottgewirkt, gottgestiftet, gottverliehen, gottgewollt'
im eigentlichsten sinne und in verschiedener sachbeziehung: aefter dhiu dhazs almahtiga gotes chiruni dhera gotliihhun Christes chiburdi chimarit uuard (
Christi diuinę natiuitatis mysterium)
Isidor 4, 5
H.; götlich geburt o. götliche berhaftikeit (
anf. 15.
jh. obd.) Diefenbach
nov. gl. 190
b (
s. v. generare); nummermehir an zcu langin nach keyne ansprache dorane zcu habin, es geschege denne von gotlichenn adir tolichem angefelle (1479)
bei Haltaus
gloss. 736; nehmet die so genannte göttliche, erste sprache, die hebräische, von der der gröste theil der welt die buchstaben geerbet Herder 5, 13
S. u. ö.; was gehörte dazu, ... leiden und tod als göttlich anzuerkennen, ja sünde selbst und verbrechen nicht als hindernisse, sondern als fördernisse des heiligen zu verehren (
wie es i. d. christl. religion geschieht) Göthe I 24, 243
W. in negativ wertendem zusammenhang: das jahr (=
die zeit) übt eine heiligende kraft, was grau für alter ist, das ist ihm göttlich (
das '
ewig gestrige') Schiller 12, 217
G. A@3@cc)
selten neben persönlichem beziehungswort, im sinne von '
gottgesandt': der göttlich legat kompt, spricht Hans Sachs 6, 143
lit. ver.; ein dichter, der zugleich held wäre, ist schon ein göttlicher gesandter, aber seiner darstellung ist unsere poesie nicht gewachsen Novalis
schr. 4, 172
Minor. A@3@dd)
anderen, z. t. festgewordenen verbindungen liegt mehr die allgemeine vorstellung '
was mit gott zu tun hat, was sich auf gott bezieht'
zugrunde, die sich dann verschieden nuanciert. A@3@d@aα)
soviel wie '
gottbezogen',
sofern gott inhalt und gegenstand ist, in verbindungen, die auch als vertretung eines gen. obj. aufgefaszt werden können, namentlich in festen prägungen älterer sprache. die göttliche kunst '
das wissen, die wissenschaft von gott, theologie': der edel und der klâre zuo der schuole wart geleit und hæte in sîner kintheit enpfangen schiere die vernunst daz er von götlicher kunst wart vil unmâzen wîse Konrad v. Würzburg
Alexius 134
G.; nach der mess ... predigott ain maister göttlicher kunst Ulrich v. Richental
chron. d. Constanzer concils 83
lit. ver.; theologia ein gotliche kunst Brack
vocab. rer. (1491) 33
b.
synonym (
s. dazu den beleg aus österr. chron. ob. a
γ),
aber anscheinend kaum in lebendigem sprachgebrauch: theologica gotlichi (14.
jh.), gotliche schrift (15.
jh. md., anf. 15.
jh. obd.) Diefenbach
gl. 578
b;
theologia die göttliche lehr ...
philosophia die weltliche lehr Orsäus
nomencl. meth. (1623) 1; göttliche weysheit
theologia Stieler
stammb. (1691) 687.
in der unterscheidung theologischer und weltlicher disziplinen: man hellt es dofur, das man ynn hohen schulen alle gottliche und menschliche künste lerne Luther 8, 558
W.; eine fähige wissenschafft, darinnen die göttliche und weltliche weiszheit mit nachdruck können vorgetragen werden Neukirch
anfangsgründe (1724) 2. göttliche wahrheit '
die wahrheit über gott, die in der christlichen lehre liegende wahrheit' (
anders s. ob. 1 b
α): vnd mit solichen vnd der gelichen widerstand wöllen sie abwisen die frommen Teütschen von göttlicher warheit Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 84
ndr.; vnd (
die philosophen) waren nun vom heydenthumb bekehrt zum christenglauben frumb, mischten vnder die göttlich worheit ir eitel philosophisch thorheit Fischart
s. dicht. 2, 341
Kurz; [] so müssen die göttlichen wahrheiten eben eine solche verknüpffung mit einander haben, die aus ihren begriffen erhellet, wie die anderen Chr. Wolff
vern. ged. v. d. kräften d. menschl. verstandes 4190.
auch speziell auf die reformatorische lehre bezogen, s. dazu s. v. wahrheit II 6 c,
teil 13,
sp. 878
f.: vor etlichen jahren ungefehr ward ein frommer prediger in Böhmen umb göttlicher warheit willen ins gefängniss geleget J. Prätorius
glückstopf (1669)
vorr. 4.
hierher im sinne von '
auf gott gerichtet, bezogen': die drige göttelichen tugende, also geloube, zuoversiht und minne Tauler
pred. 96
V,; vgl. 106.
auch in mehr gelegentlichen verbindungen, um auszudrücken, dasz eine sache gott zum gegenstand hat; bis in jungen gebrauch: ez bringet zweiger hande fruht daz man die wârheit mit genuht von götlichen mæren saget Konrad v. Würzburg
Silvester 3;
vgl. 11; 97; da jr empfienget von vns das wort göttlicher predigt, namet jrs auff (
λόγος ἀκοῆς παῤ ἡμῶν τοῦ θεοῦ)
1. Thess. 2, 13; jetzt schwillt des dichters geist zu göttlichen gesängen, lasz strömen sie, o herr, aus höherem gefühl, ... den abend und des abends schöpfer loben Schiller 1, 27
G. A@3@d@bβ)
speziell in der alten und bis heute durchstehenden verbindung göttliche dinge,
neben der älter die synonymen formeln göttliche sachen, geschäfte, händel
stehen; durchweg im rahmen des gegensatzes zur weltlichen, irdischen sphäre (
s. u.D 1).
allgemein für das, was gott und die religion betrifft, besonders sofern es gegenstand menschlichen suchens und erkennens ist: diuina excedunt humanam rationen, intellectu enim capiuntur tiu gotelichin ding uuerdent keistlicho uernomen ane disa meisterskaft Notker 1, 620, 3
P.; (
singularisch) 284, 9; 356, 7; weil ich an statt, göttliche und himmlische ding zu betrachten, mich die begierde, die welt auch zu beschauen, überherrschen liesse Grimmelshausen
Simpl. 37
Scholte; der gedanke, vor der welt als thöricht zu erscheinen und dadurch in gott und göttliche dinge sich erst recht zu versenken und zu üben, war sein andauerndes bestreben (
des hl. Philipp Neri) Göthe I, 32, 193
W.; denn sie besasz warmes religiöses gefühl, aber sie war in hinsicht auf göttliche dinge viel zu neugierig und indiskret G. Keller
ges. w. (1889) 5, 285.
vereinzelt wie göttliche kunst, lehre
unter α:
theologia gotlick handel of spraick Diefenbach
gl. 578
b.
geradezu '
fragen der religion, glaubensdinge': ich han vernomen wie du (
der jude Melchisedek) in götlichen gescheften ein weise vnd wissen man seyest Arigo
decameron 33
Keller; ausser vnd ohn das wort in göttlichen sachen vnd dem glauben kompt anders nichts, denn ergerniss Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) A 3
b; D 5
b; D 7
a u. ö.; da bemerkt er denn gar bald in unserer denkweise in absicht auf die göttlichen dinge etwas schwankendes. die religiösen ausdrücke waren uns trivial geworden Göthe I 25, 1, 239
W. daneben mehr vom gesichtspunkt praktischer oder erbaulicher frömmigkeit aus: n tuont mir eine stille durch eines guoten liedis willen, so wil ich ivch uon einen gotelichen dingen eine uil suze rede uuore bringen
Trierer Silvester 3
Kraus. der bedeutung '
fromm' (
s. unt. 5 b)
nahe: werden wir dan ernstlich das reych gottes suchen ... es wil aber in solichem gotlichem handel ... ernst angehalten seyn (1527)
bei Fischer
schwäb. 3, 773; bis er (
der mensch) mit allen kräften, gebildet und gewöhnt zu göttlichen geschäften ... nach ihr (
der seligkeit) allein sich sehnt Cramer
s. ged. (1781) 1, 177. A@3@d@gγ)
anders mit dem bedeutungsgehalt '
gottgemäsz, gott angemessen und entsprechend'.
in verschiedener sachbeziehung, älter und jünger: das ist auff ebreisch geredt, wilche seer ein göttliche freundliche sprach ist Luther
[] 24, 366
W.; (
wir) nehmen dieselben (
artikel) also vor göttlich, christlich und recht an Luther
br. 8, 5
W.; ein solcher aber ist nicht unser (
christlicher) gott dem hauptcharakter nach (
ein donnerer); und eine solche kunstvorstellung nicht göttlich Herder 3, 254
S. der steigerung fähig: du hältst das evangelium wie es steht für die göttlichste wahrheit (1782) Göthe IV 6, 36
W. die verbindungen göttliche religion
und die synonyme göttliche lehre (
anders ob. α)
schlieszen den gesichtspunkt '
von gott stammend, gottgestiftet' (
s. ob. a, b)
ein: dasz die religion, welche Jesus gelehrt, wirklich eine göttliche und die einzige sey, nach deren gesetzen wir gott anständig verehren sollen Lessing 7, 3
L.-M.; 'ach, wo ist jene goldene zeit hin, da mein junger Wieland den vorbericht zu unsern gemeinsamen gesängen schrieb und die worte hinzusetzte: man hat es vornehmlich unserer göttlichen religion zuzuschreiben, wenn wir in der moralischen güte unserer gedichte etwas mehr als Homere sind?' G. Keller
ges. w. (1889) 6, 184; denn göttlich musz eine lehre seyn, für die so freudig gestorben werden kann Schiller 7, 11
G.; vgl. 4, 35. A@3@d@dδ)
gelegentlich tritt, in etwas anderer wendung, das bedeutungsmoment '
gotthaltig'
hervor, das auch in steigerungsformen erscheint: glorwürdig herrliche natur! ... ja, die selbst göttlich, da, in ihr, der gottheit wesen selbst zu sehn Brockes
ird. vergnügen (1748) 8, 4; Herder 5, 50
S.; forsch ihm nach, dem göttlichsten gedanken, den du zu denken vermagst, o die du näher stets des leibes grabe, aber ewig bist (
die seele) Klopstock
oden 1, 129
M.-P.; Ric. Huch
herbstfeuer (1947) 34; mir ist das gleichnisz vom ungerechten haushalter, vom verlohrnen sohn, vom saemann, von der perle, vom groschen ppp. göttlicher (wenn ja was göttlichs da seyn soll) als die sieben bischoffe leuchter, hörner siegel sterne und wehe (
der offenbarung Johannis) Göthe IV 4, 112
W. A@44)
wie schon divinus innerhalb seiner weitgespannten bedeutung, so kann auch göttlich
den unmittelbaren bezug auf gott preisgeben, um statt dessen den bereich der kirche, den bezirk des kultisch-sakralen und der religiösen praxis zu bezeichnen. diese wendung zeigt jedoch in dieser richtung, soweit sie auf praktisch-dingliches zielt, im deutschen nur geringe stoszkraft (
s. dagegen unt. 5)
und bleibt bereits im 16.
jh. stecken. ansätze zu terminologischer verfestigung sind kaum erkennbar: nihein heilic ding noh christinlich noh gotelich hab ich so gêret, sos ich mit rehte scolta
Bamberger glaube u. beichte in: kl. ahd. sprachdenkm. 143
Steinm.; interdictum verbietung göttlicher ding (
md. 1440) Diefenbach
gl. 303
c; du möchtest wissen die götlichen sacrament vnd den wege den man geet in die himel Niclas v. Wyle
translat. 98
Keller; es soll auch iemandz ... an dem sonntag ... vor den gotlichen aemptern nit ... jagen (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 3, 773; damit nit ein jeder sein bracht, hochmut unnd stoltz in dem götlichen beethausz herfürziehe
teutscher nation nodturfft (1523) A 3
a.
hierher das mhd. gotlîcher ruom '
kirchliches gepränge, kirchlicher aufzug': sî (
d. röm. bürger) fuoren gegen im (
papst Gregorius) sâ engegen Equitânjâ die drîe tageweide. sî hâten über heide einen gotlîchen ruom: sî truogen ir heiltuom wüllîn unde barfuoz Hartmann v. Aue
Gregorius 3767; Konrad v. Würzburg
Alexius 1353
G.; passional 44, 74
K.; dazu Gottfried v. Straszburg
Tristan 1965
R. A@55)
als stärker und in seiner wirkung nachhaltiger erweist sich der in 4
wurzelnde, aber ins persönliche und innerliche und damit ganz auf den menschen gerichtete gebrauch, der zur bedeutung '
fromm, gottesfürchtig, gottselig, gottgefällig'
führt, mit welchen wörtern göttlich
eine zeitlang ernsthaft konkurrieren kann. göttlich
übernimmt damit eine funktion, [] auf die sich engl. godly seit dem 16.
jh. und dän. gudelig, schwed. gudleg unter preisgabe ihrer übrigen bedeutungen einschränken, vgl. dazu M. Cahen
l'adjectif divin 92; 104
ff. ansätze zu dieser bedeutung zeigt schon das ahd., im mhd., hier namentlich mystisch, wird der gebrauch geläufig und bleibt es bis ins 16.
jh., dann klingt er rasch ab. die sachlich nah verwandte jüngere anwendung C 1 a
entspringt wohl neuem, anders bestimmtem ansatz. A@5@aa)
von bestimmten inneren haltungen und äuszerungen persönlicher frömmigkeit, '
andächtig'
oder '
gottselig': ir andaht diu was gotelich Gottfried v. Straszburg
Tristan 15 655
R.; (
er seinem sohn) nit anders vorsaget vnd leret dann heylige götliche gebete Arigo
decameron 243
Keller; andechtigt, götleich
deuoto Brenner
sprachbuch 39, 27; denn die göttliche trawrigkeit wircket zur seligkeit eine rewe, die niemand gerewet, die trawrigkeit aber der welt wircket den tod (
ἡ γὰρ καιὰ θεὸν λύπη)
2. Kor. 7, 10.
wohl noch in dieser tradition: mit göttlicher gelassenheit G. Arnold
s. geistl. lieder (1856)
nr. 141
Ehmann. hierher wohl auch: keyser Karl gotlicher gedeuchtnüsz (
gottseligen angedenkens) (
Nürnberg 1440)
städtechron. 3, 376. A@5@bb)
objektiver, mehr auf das praktische verhalten des gläubigen im ganzen und im einzelnen bezogen, '
heilig, gottgefällig': also bezide iz (
d. hl. Elisabeth) ane vinc ein leben, des iz sich beginc nach gar godelicher e (
art und weise)
leben d. hl. Elisabeth 705
Rieger; 7234; ir (
der frommen) gelesse, ir tuon, ir wise ist zuomole gOettelich Tauler
pred. 102
V.; das heyst den rechten sabath feyren, rugen von unszern wercken und voll seyn gotlicher werck Luther 8, 25
W.; das schweren verbeut Christus und kan doch wol eyn göttlich eyd geschehen
ebda 19, 212; wenn nu eyn narr da auffstund und leret, das ein schmid hette nicht eyn gottlich handwerck, der mecht das gewissen yrre und schwecht yhm seynen glawben (1522)
ebda 10, 1, 2, 78. göttliches leben
in fester formel: der dinge der uns not ist zuo eime woren gOettelichen lebende Tauler
pred. 75
V.; vgl. 80; 102
u. ö.; wie er (
der mönch) ein streng und götlich leben füret Arigo
decameron 258
Keller; 73; Noah war ein from man vnd on wandel, vnd füret ein göttlich leben zu seinen zeiten
1. Mose 6, 9; 5, 24; der jenigen todt vnd absterben ist nicht für bösz zu halten, welche zuvor ein göttliches leben geführet haben Lehman
floril. polit. (1662) 3, 335. A@5@cc)
häufig adverbial, besonders in der entsprechung zu b: da zeigent si in daz sie goteliche gelebent hant alse si, unde da umbe gotis riche wert sint
Lucidarius 69, 36
Heidlauf; und die münch sein von Chriechen ... und essen chain fleysch und leben gar göttlich und vasten allweg Schiltberger
reisebuch 70, 21
lit. ver.; so aber eine widwe kinder oder neffen hat, solche las zuuor lernen jre eigene heuser göttlich regieren (
τὸν ἴδιον οἶκον εὐσεβεῖν)
1. Tim. 5, 4; gib mir armen kinde einen fromen man ... mit dem ich göttlichen ... im ehstand leben mag Luther 17, 1, 19
W.; vgl. 10, 3, 407; 32, 443.
noch hierher, wenn nicht zu C 1 a: aber der zorn (
gottes) erschöpft vor einem gerechten (
Noah) sich legte, den er mit seiner hand an die neuen gestade geleitet; dasz er da göttlicher lebt Bodmer
Noah (1752) 3. A@5@dd)
auch in den prädikativen verbindungen etwas ist göttlich
und es ist göttlich, etwas zu tun: sie sprechen, unnser priester sünden tötlich, das sie den part lassen abscheren; es sei nicht göttlich, sie thun es den frauen zu ainem wolgevallen Schiltberger
reisebuch 49, 37
lit. ver.; so nun die lieb in (
zu) gott von gantzem hertzen gehen soll, so musz da weichen von der seel alle widerwertigkeit gottes, vnd was nicht göttlich ist, das musz hinweg, damit dasz die seel gar rein sey Paracelsus
opera 2, 434
Huser. steigerungsfähig: gotlicher wer es,
[] solche fultag abthon und ... das wort gottes zu horen (1527)
bei Fischer
schwäb. 3, 773.
formelhaft mit verwandten begriffen aus dem sittlich-rechtlichen bereich gekoppelt: daz wær nâch reht und gotelich Ottokar
österr. reimchron. 23 794
Seem.; ist dann das billig, göttlich unnd recht, ein inn voller, doller, trunckner weisz unverschulter sachen schlagen Montanus
schwankb. 40
lit. ver. A@5@ee)
als persönliches beiwort im ganzen seltener, soviel wie '
fromm, heilig'. A@5@e@aα)
allgemein, vgl. schon in Notker
s Boëthius: est alius cunctis uirtutibus absolutus sanctusque ac deo proximus ... so ist etelicher allero tugede foller, heiliger ioh kotelicher 1, 285, 20
P.; iezu di godelichen man (
pilger) schiften unde vuren an
leben d. hl. Elisabeth 4605
Rieger; vgl. 8071; ein guoter und heiliger götlicher mensche (
er) von yederman gehaltn was Arigo
decameron 55
lit. ver. als bezeichnung auszerordentlicher frömmigkeit auch jünger noch: dasz diese so genante kleine propheten ebenfals ... wahrhafte propheten gewesen, ist unleugbar: indem solches zur genüge durch die häufige anführung ihrer schriften sowol von götlichen männern überhaupt, als auch insonderheit von Christo selbst im
n. t. bestätiget wird Chr. Starke
synopsis in XII
prophetas minores (
21760)
vorr. 1; jetzo dachte der göttliche mann (
Nicodemus) voll gedanken der ehrfurcht an die heilige nacht, wo allein mit ihm der Messias von der ewigkeit sprach Klopstock
s. w. (1854) 1, 119;
vgl. 123. A@5@e@bβ)
in spezieller benennung der mönche und nonnen, offenbar nicht über das 15.
jh. hinaus und später in den gleichen verbindungen durch fromm, heilig
ersetzt: götlicheu frouwan (
nonnen) (1306)
bei Lexer 1, 1054; si und ander arme und gOetlich swester (1348)
bei Fischer
schwäb. 3, 773; doch über die (
mönchsorden) alle ist ein edle, köstliche, wol versehene karthaus mit götlichen vettern besetzt (
Nürnberg 2.
hälfte d. 15.
jhs.)
städtechron. 3, 75. A@66)
in gelegentlichen, voneinander unabhängigen anwendungen drückt göttlich,
besonders in verkürzender ausdrucksweise, eine ganz freie beziehung auf gott aus: das (
die aufnahme des Matthias in die zahl der '
zwölfe') do geschach mit gebetten der XII botten vnd mit götlichem losz (=
los)
erste dt. bibel 1, 194
lit. ver. (
vorr. zu Luc.); im wirtshaus beginnt, wenn alle gäste vereinigt sind, der 'göttliche tanz', der brautführer tanzt mit der braut 3 mal um die runde, wobei die musik und der tanz 3 mal zum gedenken der hl. dreifaltigkeit unterbrochen wird A. John
sitte, brauch u. volksgl. im dt. Westböhmen (1905) 146.
mundartlich: all
e göttliche täg
e '
alle tage, die gott gibt' Fischer
schwäb. 3, 773; i
ch dank-e
ch göttlich =
in gottes namen, dankformel der bettler schweiz. id. 2, 523. BB.
in der seit dem 16.
jh. begegnenden beziehung auf gottheiten der auszerchristlichen religionen differenziert sich der gebrauch von göttlich
weniger als unter A. B@11)
als art- und gattungsbegriff. B@1@aa)
als das bestimmte götter bezeichnende, ihnen zukommende prädikat: das bild der göttlichen Zytehren (
Venus) verfärbte sich ob dem altar (
des tempels) Stieler
geharnschte Venus 58
ndr.; einen mann, der tag und nacht mit den göttlichen musen umgeht, einen schneider zu heiszen? das ist unerträglich! Lessing 3, 218
L.-M.; in der rīgsþula der edda ... setzt Mōðir dem göttlichen gast auf weiszgedecktem tisch dünnes weiszbrot aus weizenmehl ... vor Hoops
waldbäume u. kulturpfl. (1905) 631.
im mhd. vereinzelt wie ein steigerungsfähiger eigenschaftsbegriff behandelt: dâ bî kan mit gewalte phlegen ein vil gotlîcher degen der wazzer krefteclîchen sus, der ist genant Neptûnus Rudolf v. Ems
Barlaam 246, 28.
[] auf körperliche merkmale der götter bezogen: sein (
Jupiters) göttlich haupt vnd gelbes haar Spreng
Ilias (1610) 11
b;
vgl. Äneis 1
a; Jupiter senket die göttliche stirn, und Juno erhebt sie Göthe I 1, 246
W. neben kosmischen gröszen, die als gottheiten gedacht sind: unterdesz stieg schon die göttliche sonne dem heiszen mittag zu Wieland
Hermann 38
lit.-denkm. innerhalb mythologisierender personifizierung: die göttliche freiheit, von meiner geliebten borgte sie die gestalt Göthe I 8, 304
W.; Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 184.
substantiviert soviel wie '
der gott', '
die göttin': sie lindert geschäftig geheuchelte leiden. der göttliche lächelt (
der gott in: der gott und die bajadere) Göthe I 1, 228
W. und du kamst mit lieblichem lächeln göttliche (
Aphrodite)! Grillparzer
s. w. 4, 154
Sauer; Hölderlin
s. w. 1, 91
Hell. B@1@bb)
zur kennzeichnung dessen, was nach artung oder herkunft in den bereich der götter gehört: dasz du ein Diomedes, das ist: dasz du aus göttlichem blute entsprungen, göttliches geistes und tapffern feuers seyest Stieler
geharnschte Venus 3
ndr.; er (
Alexander d. Gr.) zog unsinnig fort, gab sich für göttlich aus Neukirch
ged. (1744) 171; aber ... was vermag die liebe über uns arme sterbliche nicht? diese göttliche naturkraft hat mich ... über den tölpel gestoszen Tieck
ges. nov. (1853) 9, 316.
in der entsprechung zu A 3 d
β: man hat ... ihre (
der Griechen) kunst vielmehr für wohlberechnetes vergnügen gehalten, als für eine heilige schicklichkeit, womit sie in göttlichen dingen verfahren müszten Hölderlin
s. w. 3, 467
Hell. formelhaft göttliche ehre, verehrung erweisen
u. ä., d. h. die den göttern als göttern zukommende: er pot im also götliche êr Aventin
bayer. chron. 1, 70
Lexer; auf einer dieser inseln ... ankerte er in einem meerbusen, und wurde von den einwohnern fast göttlich verehrt Lichtenberg
verm. schr. (1800) 4, 92.
übertragen: Lafayettes und Mirabeaus büste sah ich hier (
in Düsseldorf) göttlich verehrt Göthe I 33, 201
W. B@22)
neben eigenschaften oder handlungen, die den göttern zugeschrieben werden: also hat das kind ausz etwas göttlicher fürsichtigkeit vnd angepornem glück den selben angelacht, dem das zum ersten vbergeben ward Boner
Herodot (1535) 75
b; einem göttlichen ausspruch oder orakel A. Buchner
dt. poeterey (1665) 16; die menschliche gestalt ging in den Olympus und bekleidete sich mit göttlicher schönheit Herder 13, 226
S. verdinglicht und objektiviert als göttliches gesetz, recht: die ritualbücher ..., welche ... alle einrichtungen des kriegs und friedens als göttliches gesetz vorschrieben Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 95.
hier auch unmittelbar nach antikem vorbild zur bestimmung des naturrechts im unterschied zum positiven recht, der christlichen anwendung A 3 a
ε entsprechend: aber disz klagten sie, das der könig Philippus, der die Römer auszlender vnd vnmytsam barbaros genent hett, also alle göttliche vnnd menschliche recht beflecket Carbach
Livius (1551) 212
b; Frisius
dict. (1556) 545
a s. v. fas. adverbialer gebrauch meint '
nach der weise der götter, in der art eines gottes': darauf der Flora wunderhand des frühlings grösten schatz verwandt und es recht göttlich ausgeschmücket Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 50; seit alten jahren konnt ich (
der gott) göttlich ruhn, doch trieb michs an den besten wohlzuthun Göthe I 15, 158
W. vereinzelt soviel wie '
von den göttern'
innerhalb einer passivischen wendung (
s. unt. komposita wie göttlichgebaut, -geboren): mit aller weihe angestammter und göttlich verordneter herrschaft Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 342.
[] CC.
der in jüngerer sprache stark entwickelte uneigentliche gebrauch des wortes göttlich
wurzelt in der vergleichenden vorstellung '
gottähnlich, gottgleich',
entfernt sich aber vielfach von diesem ausgang, so dasz göttlich
zum selbständigen prädikat wird. die anwendung, in der überall eine irgendwie auszeichnende bedeutung mitklingt oder vorherrscht, erstreckt sich auf das, was nicht gott ist und nicht in die eigentliche sphäre gottes oder der götter gehört, auf den menschen, auf menschliches und auf diesseitig-innerweltliche erscheinungen und werte. die anfänge dieses vielfach gestuften gebrauchs liegen in der literatur des humanismus und der renaissance, spürbarer im barock und seinen mythologisierenden tendenzen. den stärksten impuls aber gibt die begegnung und auseinandersetzung mit der antike seit Klopstock, Wieland
und Herder,
während der geniezeit und der klassik, sowohl durch direkte übernahme griech.-lat. sprach- und formelgutes wie durch die innere aneignung oder umdeutung antiken geistes in idealisierender, aber auch in profanierender form. noch vor der mitte des 19.
jhs. zieht sich göttlich
aus den meisten dieser anwendungen wieder zurück. diese verwendung von göttlich
ist nur teil einer allgemeineren sprachbewegung, die an anderen stellen des wortbereichs gott (
vgl.gott III E 3, göttin 3, gottheit B 4)
und besonders in den götter-
zusammensetzungen (
s. kompositionstypen gott IV 5)
deutlich wird, darüber hinaus aber mit gleicher stärke auch andere teile des religiösen oder metaphysischen wortschatzes, insbesondere die adjektiva himmlisch, unsterblich, ewig, heilig
erfaszt. der religiöse hintergrund dieses gebrauchs von göttlich,
soweit ein solcher überhaupt noch auszumachen ist, wird vornehmlich durch die antike, modern anempfundene götterlehre bestimmt, doch ist auch christlicher einflusz mitgegeben und mehr noch die zu gott II
gehörende unbestimmtere gottesvorstellung, so dasz das religiöse bild im ganzen etwas zwielichtiges hat. C@11)
mit noch eigentlich religiösem oder mythologischem bezug. C@1@aa)
auf seelische kräfte, innere regungen und bestimmte handlungen, etwa im sinne von '
fromm, heilig'.
der anteil christlicher vorstellungen im engeren oder namentlich im weiteren sinne überwiegt hier noch, doch liegt er nicht auf der linie des sachlich nah verwandten, aber anders verwurzelten gebrauchs A 5;
er verwirklicht sich vielmehr im zuge der allgemeinen erweiterung und übertragung des wortgebrauchs unter C: vor allen andern gaben musz vorausz der tugend liecht, ... dasz so göttlich ausz jhr bricht, seinen ruhm vnd vorzug haben (
von einer schönen, die mit der göttin Venus verglichen wird)
Königsb. dichterkreis 92
ndr.; poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 136
Weichmann; so oft man edel denkt, so oft man göttlich liebt Hagedorn
poet. w. (1800) 1, 63; durch weise zögerung des blutvergusses, durch weisere meidung, durch göttliche schonung Klopstock
oden 2, 20
M.-P.; nie werde ich sie (
eine verstorbene jugendfreundin) vergessen, nie ihren festen sinn und ihre göttliche duldung Göthe I 19, 13
W.; wer die zerknickte ähre gerne hebt und gern die mücke aus dem netz befreite, der spinne schonend, die es sinnreich webt, dess herz ist voll von göttlichem mitleide Brentano
ges. schr. (1852) 2, 446; allerdings ist der uneigennützige trieb im menschen ein göttlicher trieb W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 300
akad. anders nuanciert, etwa '
unmittelbar, echt, im ursprung rein': nur die gröszesten geister retten diesen instinkt über die kindheit hinaus, diese göttliche naivetät, in welcher zuletzt doch alles grosze wurzelt W. Raabe
s. w. I 6, 44
Klemm. hier nur vereinzelt substantiviert, von einem ganzen menschen: er soll erfahren, was er dieser göttlichen schuldig ist (
von Makarie, die kurz vorher heilige
genannt wird) Göthe I 25, 268
W. etwas ist göttlich
[] auf ein bestimmtes verhalten bezogen: ein diadem erkämpfen ist gros. es wegwerfen ist göttlich Schiller 3, 80
G. (
Fiesco II 19); es ist erfreulich, wenn gleiches sich zu gleichem gesellt, aber es ist göttlich, wenn ein groszer mensch die kleineren zu sich aufzieht Hölderlin
s. w. 2, 96
Hell.; vgl. 4, 3.
im rahmen einer begriffsbestimmung: göttlich ist, was aus der liebe zum reinen ewigen seyn und werden quillt, die höher ist als alle poesie und philosophie
Athenäum 1, 2, 130
Fr. Schlegel. C@1@bb)
religiös unbestimmter, in der kennzeichnung gewisser im menschen angelegter vollkommenheiten. im blick auf seine höheren kräfte allgemein oder in spezieller kennzeichnung des schöpferischen, des genialen: aus dem göttlichen theil unsers wesens, aus dem ewig reinen äther idealischer menschheit strömt der lautere quell der schönheit herab Schiller
br. 3, 338
Jonas; darunter litten nicht allein die leiber, auch der göttliche teil des menschen kam zu kurz Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 242; mit ausnahme weniger beschränkten köpfe, einiger freunde seltsamen widerspruchs, wer hat jemals das göttliche genie, die grossmüthige seele dem ersten der Cäsaren streitig gemacht? Göthe I 41, 1, 6
W. besonders in der bildhaften umschreibung göttlicher funke, göttliche flamme: und zwar war er (
der ein werk des geistes oder der kunst aus sich hervorbrachte) genius im augenblick des erschaffens, als (so sagt die begeisterte sprache) der göttliche funke in ihm schlug Herder 22, 204
S.; Schubart
s. ged. (1825) 2, 289; die göttliche flamme, die in allen weht Wackenroder
herzenserg. (1797) 78;
vgl. 28. C@1@cc)
als '
edel, heilig'
objektiver und in einem nur ganz allgemein religiösen sinne, idealen oder sittlichen werten, humanen und humanitären bestrebungen zugeordnet; namentlich im sprachgebrauch der aufklärung: drauf drükten lüge, pracht, erscheinung, falsche wunder der weiszheit göttlich licht und ware freyheit under Haller
ged. 308
Hirzel; ja du, göttliche tugend, du bist unser glück S. Gessner
schr. (1777) 1, 139; das grosse, göttliche werk, menschheit zu bilden Herder 5, 545
S.; könnt ich dein vergessen, o land der göttlichen freiheit (
v. d. Schweiz) Hölderlin
s. w. 1, 133
Hell.; aber auf treuerem pfad der gefühle wandelt die frau zu dem göttlichen ziele, ... strebt, auf der schönheit geflügeltem wagen zu den sternen die menschheit zu tragen Schiller 11, 35
G. C@1@dd)
von a, b
oder c
aus mit einer wendung ins psychologische, die statt der kräfte, werte und handlungen selbst das sie begleitende gefühl als göttlich
bezeichnet, weil es eigentlich gott oder den göttern zukommt, hier also deutlicher in vergleichendem sinne: die tugend und das göttliche vergnügen, welches sie über die seele ergieszt (1750) Lessing 4, 191
L.-M.: Wieland
Agathon (1766) 2, 67; der lobgesang der menschheit, dem die gottheit so gerne zuhören mag, ist niemals verstummt, und wir selbst fühlen ein göttliches glück, wenn wir die durch alle zeiten und gegenden vertheilten harmonischen ausströmungen ... vernehmen Göthe II 3, 132
W.; Emanuel hatte die göttliche oder mütterliche freude, die ein freund über die tugend und veredlung des freundes empfindet Jean Paul
w. 7-10, 190
Hempel. von hier aus auch als persönliches attribut: der mensch kann grosz, ein held, im leiden sein, doch göttlich ist er, wenn er selig ist! (
d. h. wenn er glücklich ist) H. v. Kleist
w. 2, 100
E. Schmidt. C@1@ee)
in objektiver wertbestimmung gemäsz dem Winckelmannschen kunstideal der klassik, hinter dem ein antikes religiöses grundgefühl steht: er communicirte uns einen kleinen aufsatz über Laokoon, den sie vielleicht schon früher kennen und der das verdienst hat, dasz er den kunstwerken auch das charakteristische und leidenschaftliche als stoff zuschreibt, welches durch den miszverstand
[] des begriffs von schönheit und göttlicher ruhe allzusehr verdrängt worden war Göthe IV 12, 190
W.; das andre (
gemälde), nachbild, mehr werk des kampfs, dem zufall des gerathens unterworfen, verlohren alle göttliche, erhabne einfalt maler Müller
w. (1811) 1, 76. C@1@ff)
in vergleichend übertragenem anschlusz an orgiastische und rauschhafte elemente der mythologie, zur kennzeichnung extremer affekte oder zustände: dasz er aus heiliger fülle wie der weingott, thörig göttlich und gesezlos sie die sprache der reinesten giebt verständlich den guten Hölderlin
s. w. 4, 177
Hell.; (
Brentanos) weltauslachen und sogenannte grobheit bis zum göttlichen wahnsinn Eichendorff
w. 11, 255
Kosch-Sauer. mit dem gebrauch unt. 5 a
gekreuzt: das liebliche nectar hat Damon getruncken, bis dasz er im tummel zu boden gesuncken; und fühlet noch ietzo den göttlichen rausch (
in der liebe) Prasch
in: barocklyrik 2, 220
Cysarz; die göttlichste betrunkenheit die mich entzückt und plagt Göthe I 6, 210
W. C@22)
in unmittelbarer übernahme und weitergabe antiken sprachgebrauchs, im anschlusz an gr. θεῖος,
δῖος und ihre synonyma, seltener an lat. divinus, divus, dius. C@2@aa)
als epitheton neben personen. zum griech. gebrauch dieser art vgl. L. Bieler
θεῖος ἀνήρ (1935) 9
ff. in auszeichnendem sinne formelhaft auf weise, dichter und sänger bezogen. besonders: alle philosophi vnd sonderlich der göttliche Plato Schaidenreisser
Odyssea vorr. 6
Weidling; in der schule des göttlichen Platon Schopenhauer
w. 1, 13
Gr. daneben: deren wegen er (
Homer) von Platone der aller beste göttlichste poet ... wirdt gehayssen Schaidenreisser
Odyssea vorr. 6
Weidling; die wirckung des götlichen Ipocras H. Braunschweig
chirurg. (1539) 40
b; als der göttliche sänger (
Orpheus) sie also um mitleid fleht maler Müller
w. (1811) 1, 151.
speziell bei Homer, dessen ältere, namentlich aber dessen jüngere übersetzungen durch Bürger, J. H. Voss
u. a. die literarische verbreitung und beliebtheit des wortes göttlich
fühlbar begünstigen. in einer besonderen anwendung auf könige, helden, herolde und sänger, für die trotz aller formelblässe religiös-magischer ursprung vorauszusetzen ist, vgl. dazu Bieler
a. a. o.: (
der traum) hett allermassen ein figur, wie Nestor der göttliche mann Spreng
Ilias (1610) 2, 14
b; denn um den göttlichen könig (
Odysseus) die bittersten thränen vergieszend, siz ich hier (
ἀντιθέου γὰρ ἄνακτος) J. H. Voss
Odyssee 250
Bernays; Herwegh
ged. e. lebendigen (1841) 10; (
soll ich) nicht der Homer des göttlichen Achilles werden Lessing 8, 39
L.-M.; Hebbel
w. 3, 242
Werner. darüber hinaus bei Homer allgemein in der bezeichnung jedes in irgendeinem sinne ausgezeichneten, vortrefflichen menschen: dieser ... wuszte eine Kalypso und Circe, Alcinous hof und den göttlichen schweinehirt zu schätzen (
Odyssee 16, 1:
δῖος ὑφορβός; J. H. Voss: der treffliche sauhirt) Herder 23, 95
S.; denn schmausend verminderten diese (
eber) die göttlichen freier (
ἀντίθεοι μνηστῆρες) J. H. Voss
Odyssee 249
Bernays. in der deutschen epik homerischen stils wird göttlich
stehendes epitheton, vgl. etwa: singe mir, muse, den helden, den enkel des göttlichen Hermanns Wieland
Hermann 1
lit.-denkm. u. ö.; ein sclave lief mit geflygelten schritten voran, der göttlichen Sarah ihre ryckkunft zu melden
ders., w. I 2, 161
akad. [] C@2@bb)
die im hellenismus, besonders aber in der römischen kaiserzeit wurzelnde anwendung religiöser prädikate auf den herrscher, auf den während seines lebens göttergleichen (
divinus),
nach seinem tode vergötterten (
divus)
imperator hinterläszt deutliche spuren, zumal in panegyrischer rhetorik, vgl. der herrlichste und tapferste kaiser und ein göttlicher heros (
Friedrich II.) (
übersetzung aus einer spätmittelalterl. lat. quelle)
bei Nitzsch
dt. studien (1879) 1;
doch bleibt in der ganzen anwendung auch die möglichkeit christlichen einflusses gegeben, s. gott III E 2 b
β: du götlicher hochgelopter furst (
herzog Siegmund von Bayern) (15.
jh.) Joh. Hartlieb in:
Euphorion 25 (1924) 238; der Schweden und Gotten götlichen Kristinen Ph. Zesen
rosenmând (1651) A 2
a; Byzanz, erkenn anjezt den werth von Rudolphs göttlichem geblüte J. Chr. Günther
s. w. 4, 132
Kräner; von welcher groszen bedeutung die söhne der könige und kaiser sind, und in was für einem göttlichen glanz sie erscheinen Göthe I 44, 11
W.; es war nur eine seiner (
des Tiberius) göttlichen taten Colerus
Tiberius auf Capri (1927) 169. C@2@cc)
gelegentlich hat göttlich
geradezu den charakter eines kennwortes für bestimmte erscheinungen der antiken welt oder für die antike überhaupt: ihr kennt der Römer grösze doch. es schmiegt die ganze welt sich in ihr göttlich joch Lessing 3, 245
L.-M.; Rom war grosz, es war das unsterbliche und göttliche Rom, als es seine Furier, Decier und Fabricier hatte E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 2, 55; der maler Franz Ralff, der aus Italien zurückkehrend, voll der göttlichen welt des altertums und voll der groszen gedanken einer ebenso göttlichen jüngeren zeit, den freund umarmt W. Raabe
s. w. I 1, 15
Klemm. C@33)
in besonderem masze kommt das prädikat göttlich
der kunst und dem künstler zu, wobei religiöse vorstellungen der gottbegeisterung und gottbegnadung und blosz auszeichnende bedeutung einander durchdringen; weniger anscheinend in unmittelbarer anlehnung an antike redeweise, als in der wiederbelebung antiker wertordnung und ihrer mythologischen ausdrucksformen; gelegentlich liegt der ansatzpunkt auch im christlichen bereich. C@3@aa)
als '
heilig, edel'
von der kunst schlechthin oder von bestimmten künsten, auf ihren ursprung, ihren rang und ihren gehalt zielend. im ersten beleg christlich empfunden: das er vnter allen kurtzweilen ... kein götlicher, ehrlicher vnd schönere wist, dann die edel music Forster
fr. teutsche liedlein 3
ndr.; die ewge harmonie des göttlichen gesangs (
bei Horaz) Pyra-Lange
freundschaftl. lieder 17
lit.-denkm.; in der tonkunst hatt ich gar keinen miteiferer; war also ohne übung in dieser göttlichen kunst Schubart
leben 1 (1791) 23; o göttliche kunst, wie bist du hoch, dasz kaum ein sterblicher in 1000 jahren an deinen gipfel klimmt (1853) Stifter
briefw. 2 (1918) 154.
mythologisierend: wie oft (
ist) diese hohe göttliche Thalia eine spaszmacherin des pöbels Schiller 3, 512
G. C@3@bb)
als beiwort groszer künstler in dem hoch auszeichnenden sinne von '
unsterblich, gottbegnadet',
eher im zuge der stetig wachsenden übertragung des wortes und des gebrauchs a,
als in direktem rückgriff auf den antiken gebrauch 2 a: der (
gönner) wird in dieses buch (
der musen) getragen, und wenn der göttliche poet der weiszheit hohes fest begeht, mit ehr und ruhme nachgeschlagen J. Chr. Günther
s. w. 3, 48
Krämer. häufig seit der mitte des 18.
jhs., besonders in den frühen oden Klopstock
s: niemals sah dich mein blick, göttlicher Addison 1, 82 (
var.)
M.-P.; also bleibt ein besungenes mädchen, (ein göttlicher dichter brachte sie der nachwelt und den unsterblichen zu)
ebda 1, 37
M.-P.; [] eitel (
vergeblich) ringt das göttlichste genie (
im joch der Venus) Schiller 1, 191
G.; den verwundernswürdigen David des göttlichen Michelagnolo Buonarroti Göthe I 44, 244
W.; worte zum preise des göttlichen Mozart O. Jahn
Mozart (1856) 4, 390. C@3@cc)
in der übertragung auf einzelwerke der kunst und bestimmte künstlerische leistungen, soviel wie '
vollkommen, vortrefflich, herrlich': verewige den groszen tag, an welchem vater Friederich sein volk errettete, durch göttlichen gesang!
bei Lessing 8, 34
L.-M.; für den sänger, der göttliche lieder erfand Ramler
lyr. ged. (1772) 273; der treffliche Leonard da Vinci hatte ein treffen der reiterei unternommen, dabei einige fahnen erobert werden, so göttlich gemacht, als man sichs nur vorstellen kann Göthe I 43, 37
W.; so liesz ich mir den vorhang von dem göttlichen Tizian wegziehen Heinse
s. w. 4, 47
Sch.; dasz es gleichgültig war, wie man sie (
diese töne Mozartscher musik) benannte. ob man sie überirdische oder göttliche töne nannte. weil man ja damit nur sagen wollte, dasz sie die erde und die zeit schon verlassen hatten E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 525.
in diesem anwendungsbereich macht sich die neigung zu modesprachlichem wortgebrauch geltend, wie sie mit der hyperbolischen anwendung des wortes als eines blosz noch auszeichnenden prädikats auch an anderen stellen (
s. u. 4 b; 5 b)
hervortritt: sie stammelte (
beim hören eines liedes) nur dazwischen: 'göttlich!' und nie hatte sie das wort so gefühlt Heinse
s. w. 6, 128
Sch.; vgl. 5, 120; 245; fragst du nach deinem lied? unvergleichlich göttlich, meisterhaft! maler Müller
w. (1811) 1, 177.
den modegebrauch ironisierend: sacre dieu sagt der friseur, welche göttliche simfonie! da führen die Deutsche hunde dagegen! Schiller 2, 6
G. selbstironisch: und des abends in gesellschaft, ... deklamiert er vor den damen meine göttlichen gedichte Heine
s. w. 1, 124
E. C@44)
dem eigentlichen vergleich näher steht ein gebrauch, der den menschen am bilde der götter miszt, ganz auszerhalb des christlichen bereichs, antiker göttervorstellung entsprechend, die aber mit einer übertragung auf den menschen hier kaum vorangegangen war. zum einspruch Adelung
s und Campe
s gegen diese anwendung s. u. 5. C@4@aa)
von der vorstellung der schönen, körperlich vollkommenen götter aus (
s.gott III E 1),
im 17.
jh. schon recht häufig, aber oft noch durch vergleichspartikeln oder adverbien eingeschränkt: ist dann die gegenwart dieses jünglings (
eines schön gewachsenen dieners) oder vielmehr dieses göttlichen bildes eine uhrsache
schausp. engl. comödianten 113
Creizenach; es ist nichts irdisches ... an ihr als der hinfällige leib, welcher doch nichts däs zu weniger seiner schöhnheit und ahrtigen bewägung halben auch fast götlich scheinet ... (
es) würd si ... di schöhnheit dises götlichen mänschen-kindes verzükken Zesen
adriat. Rosemund 4
ndr.; Stieler
geharnschte Venus 32
ndr.; ihr (
der schönen braut) ansehn, das fast göttlich scheint, trägt glück und tugend fest vereint Stoppe
Parnasz (1735) 22; es (
die häupter und führer von jeglichem geschwader der seefahrer) waren göttliche gestalten und bildungen, über die menschlichen erhoben Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 22; da kam mit leicht gehobnen schritten ein göttlich frauenbild heran Mörike
ges. schr. (1905) 1, 50.
im barock gelegentlich mit einer rückwendung aus dem antiken vorstellungsbereich in den christlichen: [] die weib und jungfrau ist und göttlich anzuschauen, die drükket an den mund und leget an die brust der menschen liebes heil, der engel süsse lust Klaj
in: barocklyrik 2, 129
Cysarz. von einzelnen körperlichen merkmalen: ach solt ich sehen nur jhr göttliches gesichte Opitz
teutsche poemata 50
ndr.; Zinkgref
auserles. ged. 27
ndr.; das letzte liebster Mellefont aus diesem göttlichen munde (
Sara Sampsons), und dann ewig nicht mehr! Lessing 2, 344
L.-M.; den glänzenden schein ihrer göttlichen gestalt (
der geliebten) Heinse
s. w. 5, 338
Sch.; ich dringe nicht auf den besitz dieses göttlichen leibes (
der geliebten) Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 289. C@4@bb)
in der eigentlichen liebessprache, besonders als attribut von frauen, aber hier auf den ganzen menschen zielend, seine äuszere und innere vollkommenheit; einer anschauung entsprechend, nach der die liebenden (
wie die künstler)
ein höheres menschentum verkörpern: verzeih mir diesen fehl, du götlichs menschenkind (
die geliebte) P. Fleming
dt. ged. 507
lit. ver.; vgl. 108; was war das vor ein göttlich paar? (
zwei liebende) J. Chr. Günther
s. w. 1, 109
Krämer. namentlich seit Klopstock,
gegen den Lessing
hier ausdrücklich polemisiert (
vgl. auch 5 b),
ohne übrigens ähnlichen '
miszbrauch'
des wortes seinerseits völlig zu meiden (
s. ob. a):
ich: aber göttlich ist es (
das testament d. Johannes) mir denn doch.
er: etwa, wie sie auch wohl ihre schöne göttlich-nennen würden.
ich: ich habe nie eine schöne göttlich genannt, und bin nicht gewohnt, dieses wort so zu miszbrauchen Lessing 13, 14
L.-M.; göttlichste Selma, du stürbest nach mir? du fühltest die schmerzen, dasz du sterbend mich sähst? Klopstock
oden 1, 59 (
var.)
M.-P.; vgl. 76; 80; ich weis es göttliche Julia, dasz ich nur ehrfurcht gegen sie fühlen sollte Schiller 3, 17
G.; vgl. 464; sie sei das weib der weiber, die göttliche frau, die immer nur ein mal in der welt sei, schön und hell und heiter, wie der stern der Venus, klug und gütig und nur sich selber gleich G. Keller
ges. w. (1889) 2, 223.
substantiviert: o geseegnet sey mir, zwölfter may, schönster tag, da ich die göttliche sah! Klopstock
oden 1, 56
M.-P.; vgl. 32; 68.
auch hier empfängt, besonders in späterem gebrauch, das wort den nebenton des geziert-schwärmerischen: (
Gustchen:) o göttlicher Romeo! Lenz
ges. schr. 1, 29
Tieck; wenige wochen nachher sasz die frau hofräthin Heerbrand ... und schaute lächelnd auf die elegants hinab, die vorübergehend und hinauflorgnettierend sprachen: 'es ist doch eine göttliche frau die hofräthin Heerbrand!' E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 247
Gr.; vgl. 11, 71; die göttliche gestattete mir auch, meine perrücke aufzusetzen W. Raabe
s. w. I 6, 386
Klemm. C@4@cc)
seltener erweiternd von vortrefflichen, ausgezeichneten menschen allgemein, vielleicht nicht ohne einflusz des homerischen gebrauchs unter 2 a: wer ist der göttliche mann, der unter beschattenden flügeln die musen versammlet, die weisen erwärmt? Dusch
verm. w. (1754)
titelbl. I 3a; du bist ein a zt, o göttlicher kunstreicher mann, lindre diese qualen! Göthe I 12, 169
W. jünger auch mit spottender anspielung auf den modegebrauch des wortes: er wird es ihnen niemals verzeihen, dasz sie diejenige waren, welche den berühmten Wolfgang Turnau, den göttlichen Wolfgang Turnau aus dem hause geworfen hat H. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 40. C@55)
allgemein im sinne von '
herrlich, ausgezeichnet, sehr schön, vortrefflich'
in sachlicher anwendung verschiedenster art, wie sie bis zu einem gewissen grade schon dem lat. divinus erschlossen war. ähnlichen gebrauchs wie himmlich
und, nachdem sein ausdruckswert auf höherer sprachebene rasch verbraucht war, wie dieses zum modewort [] absinkend, als welches es in der gegenwärtigen umgangssprache noch lebt. ansätze dieser ausgesprochen profanen anwendung zeigt schon das 16.
jh., aber erst in der zweiten hälfte des 18.
jhs. kann sie als gängig gelten, so dasz der scharfe einspruch Adelung
s in: vers. 2 (1775) 759,
der bereits gemilderte Campe
s in: wb. 2 (1808) 434
a (
s. auch Lessing
ob. unt. 4 b)
hinter der lebendigen sprachpraxis zurückbleibt. C@5@aa)
für sich steht ein gebrauch, der deutlicher im sinne eines eigentlichen vergleichs auf lebensformen und umwelt der götter anspielt: überall finde ich Venedig aufs herrlichste gezieret. die häuser sind den tempeln gleich erbauet, ..., es scheinet alles göttlich zu seyn
schausp. engl. comödianten 110
Creizenach; köstliches mahl! göttliche speisz! himmlisches geträncke! (
der liebesgenusz) Zinkgref
auserl. ged. 40
ndr.; (
marquis:) ein unvergleichliches glas wein! (
Frik:) göttlich! Klinger
w. (1809) 1, 141. C@5@bb)
allgemein als blosz auszeichnendes prädikat auf gegenständliches und begriffliches, konkretes und abstraktes bezogen: ach glückseliger brieff (
der geliebten), gantz göttlich vnd wunderbarlich bistu gefunden
Amadis 1, 105
Keller; Mirabeau hat in seinem kerker die göttlichsten dinge auf stückchen papier geschrieben (1792) Caroline
br. 1, 91
Waitz-Schmidt; wir leben hier (
auf dem land) in göttlicher einsamkeit W. v. Humboldt
br. an Welcker 35
Haym. in salopper redeweise: Onobulus fand den einfall göttlich Wieland
s. w. 19 (1796) 340; endlich rauschte die rede in so fessellosen strömen, dasz man nachher wenig mehr davon wuszte, als dasz man sich göttlich amüsiert habe W. Hauff
s. w. (1890) 2, 8; eine verlassene reiche alte, die dem messer Giarettino jetzt die ohren vollschreien will. das wird eine göttliche komödie abgeben Gaudy
s. w. (1844) 13, 142; man muszte erst ganz umgeschaltet haben, um sich wieder darauf zu besinnen, dasz es männlein und weiblein gab, und was für göttliche erfindungen die frauen waren A. Zweig
einsetz. e. königs (1950) 267.
ironisch: 'ich glaube nicht zu irren, wenn ich den moralischen charakter gewisser nationen und gewisser zeiten auf den münzen suche, und entdecke'. o ganz göttlich! weisz hr. Kl. (
Klotz), was eine nation ... sei Herder 3, 432
S. den modegebrauch karikierend: Hamburg, ob es gleich ihr unvergleichliches göttliches einziges Hamburg ist, würde mich allein nicht gehalten haben Lessing 17, 320
L.-M.; alles was uns (
Deutschen) von jenseit dem Rheine kömmt, ist schön, reitzend, allerliebst, göttlich Lessing 10, 213
L.-M.; 18, 314. C@5@cc)
nur in der anwendung auf naturhafte erscheinungen, landschaftliche stimmungen und eindrücke bleibt das prädikat göttlich
bis heute voll literaturfähig, '
herrlich, wundervoll, himmlisch': von hier ist von allen seiten eine göttliche aussicht Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 3, 110; der mondschein war so göttlich Göthe IV 3, 84
W.; ich habe den göttlichen herbst hindurch den sonnigen farbenwechsel auf kreuz- und querzügen eingesogen G. Keller
br. u. tageb. 2, 464
Ermat.; es war göttliches wetter, lauwarm, heller mondschein Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 78; gedankenerlöst vereint ... mit dem göttlichen rauschen, das der abend durch die offenen fenster sandte Zillich
d. weizenstrausz (1938) 38. C@66)
von 5
zu trennen, wenn auch letztlich wohl dort verwurzelt ist ein gebrauch, in dem göttlich
zu negativ betonten begriffen tritt, um sie zu steigern, z. t. auch um ihnen zugleich im sinne von '
unbekümmert, schrankenlos'
einen positiven akzent zu geben, vgl. ähnliches bei herrlich, himmlisch
u. a., s. auch gottgefällig 2
ende. ein gebrauch dieser art ist erst um 1800
zu belegen, vielleicht aber schon älter, vgl. la divine ânerie de mes ennemis
in einem brief Friedrichs d. Gr. vom 5. 9. 1759
in: oeuvres de Frédéric le Grand (1846) 26, 543,
ohne dasz sich, wenigstens für diese zeit, ein entsprechender gebrauch im frz. nachweisen liesze: solchen geistern wie herrn E(
Engel) ist das platte so gefährlich, wenn sie wahr und naiv seyn wollen. aber die
[] göttliche platitude: das ist eben der empfehlungsbrief (
für Engels roman Lorenz Stark) (1795) Schiller
br. 4, 360
Jonas. in anlehnung an ital. dolce far niente: bey der bibliothekseinrichtung steht mir die art der Jenenser, die sich nahezu mit der Italiäner göttlichem nichtsthun vergleicht, auf eine verdrieszliche weise entgegen (1802) Göthe IV 16, 76
W.; unter der göttlichen faulheit und behaglichkeit gedeiht das mädchenfleisch vortrefflich Laube
ges. schr. (1875) 8, 95.
fest geworden und geblieben in der verbindung göttliche grobheit,
deren vorform bis zur grobheit göttlich
auf Fr. Schlegel
s Lucinde (1799)
zurückgeht, vgl. teil 4, 1, 6,
sp. 416
und zs. f. dt. wortf. 3, 176
f.; Ladendorf
schlagwörterb. 108
f. zu den an diesen stellen (
seit 1801)
nachgewiesenen belegen und synonymen wendungen vgl. noch: soll man nach den von ihnen (
den romantikern) beliebten gesetzen der göttlichen grobheit mit koth zurückwerfen? (1822) Spaun in:
Goethe-gegner 6
lit.-denkm.; Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 9.
mit stärker negativem akzent: zu solch göttlicher bestialität (
völliger gleichmacherei) wollen uns die französischen communisten und socialisten erziehen W. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 122.
variierend: mit dem satyros hast du mir viel freude gemacht. dieses document der göttlichen frechheit unserer jugendjahre hielt ich für ganz verloren (1808) Göthe IV 20, 6
W. seltener neben rein sachlichem beziehungswort: nur wenn in Rom eine so göttliche anarchie und um Rom eine so himmlische wüstenei ist, bleibt für die schatten platz Göthe I 46, 39
W.; die rosen nebst dem jasmin wuchern in göttlicher unordnung und überfülle G. Keller
ges. w. (1889) 1, 12.
vergleichbar, aber mit wortspielerischem doppelsinn: und bei solcher nachtluft frieren auch wir, wir ewigen götter, und kriegen wir leicht den göttlichsten schnupfen H. Heine
s. w. 1, 168
E. DD.
besonderheiten des gebrauchs. D@11)
in der typischen gegenüberstellung zu gegensätzlichen begriffen, besonders zu menschlich,
vgl.gott I G 3; III D 2.
in christlichen und auszerchristlichen gebrauchsweisen des wortes namentlich zur bezeichnung eines echten gegensatzes: heb dich satan von mir, du bist mir ergerlich, denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist (
οὖ φρονεῖς τᾶ τοῦ θεοῦ ἀλλὰ τὰ τῶν ἀνθρώπων)
Matth. 16, 23; kein vnderscheid vnder göttlichen vnnd menschlichen, oder vnder geistlichen vnd wältlichen dingen haben Frisius
dict. (1556) 1072
b; ein sonst zu göttlich herz wird menschlich durch die liebe
dt. schaubühne (1740) 4, 15
Gottsched. daneben zusammenschlieszend, um in bestimmtem sinne den begriff des umfassenden, totalen auszudrücken: wann der tötlichen menschen vernunft zuaignet ir selbs sovil und grosz, das sie abschneit mit der zungen und gemüet den götlichen und menschlichen sachen (
Nürnberg 1488)
städtechron. 3, 32; disz ist die liebe zeit; was gött- und menschlich ist, das wird durch sie erfreut P. Fleming
dt. ged. 1, 59
lit. ver. variierende wendungen z. t. schon in frühem gebrauch: so si dia irdiskun uuizentheit irspeh, so uuard iro diu gotelicha gegeben Notker 1, 810, 2
P.; die rw ist zweyerley: die ein ist zitlich oder sinnlich, die ander ist gOetlich und ubernattürlich (
vor 1298) meister Eckhart
reden d. unterscheidung 21
Died. in bedeutungsmäszig schillernder antithese: der entwurf ist (
moralisch) teuflisch, aber wahrlich — (
wegen seines scharfsinns) göttlich Schiller 5, 2, 429
G. D@22) göttlich
in der adverbialen bestimmung eines folgenden adjektivs, als vorstufe vielfacher kompositionsbildung (
s. u. die zusammensetzungen).
innerhalb des christlichen gebrauchs A,
um eine eigenschaft, einen zustand als zu gott gehörig zu kennzeichnen: das Christus vnd
[] sein mutter seynd junckfrawen beliben, ist vber menschlich, ya gantz götlich wunderlich Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 24
ndr.; wie gott den groszen bau der land- und wasserwelt in göttlich starken flngern hält Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 14.
vereinzelt hier als blosze verstärkung, s. göttliche wahrheit
ob. A 1 b
α: o mentsch, bedenk disz kleglich geschicht! ist götlich, war und nit erdicht
Zimmer. chron. 21, 299
Barack. auch in einer mehr nach A 5 '
fromm, gottselig'
weisenden anwendung: in göttlich reiner liebesglut Tersteegen
geistl. blumengärtl. (
141841) 397.
in auszerchristlichem gebrauch B: welch göttlich hohes angesicht (
des Satyros) Göthe I 16, 85
W. vorwiegend, und hier besonders in der verbindung mit schön,
in den übertragenen anwendungen von C,
wobei die vorstellungsgrenzen zwischen zugrundeliegendem vergleich und daraus abgeleiteter verstärkender bedeutung verflieszen. entsprechend C 3 c: das ganze göttlich schöne stück Mörike
ges. schr. (1905) 3, 134.
zu C 4 a: ihr anblick schien ihn stumm zu machen: denn freylich, war sie göttlich schön
anmuth. gelehrsamk. 4 (1754) 47
Gottsched. besonders wie C 5: o göttlich schöne einsamkeit! nichts ist um mich, als du (
der freund) und Doris Pyra-Lange
freundschaftl. lieder 48
lit.-denkm.; mit Wielanden hab ich göttlich reine stunden Göthe IV 3, 83
W.; das wetter ist so göttlich schön Beethoven
s. br. 1, 221
Kal.; der kerl (
der feldwebel) ist, wie ein berühmter autor sagt, göttlich grob Grabbe
s. w. 3, 108
Gr.; vgl. H. Heine
s. w. 3, 247
E. D@33)
als substantiviertes neutrum. in den groszen anwendungsbereichen des wortes, aber weithin in einem durch diese ausdrucksform bedingten unscharfen gebrauch. D@3@aa)
in determinierender beziehung. D@3@a@aα) etwas göttliches
in bestimmter qualifizierender beziehung auf sachliches oder persönliches: etwas göttliches hette die teutsche sprache in sich Schottel
haubtspr. (1663) 20; deines (
der sonne) lichtes lebensschein scheint was göttliches zu sein Brockes
ged. 278
Brüggemann; geschöpfe hoher kunst haben ... schon für ihre schöpfer leben und macht, also etwas göttliches Wilamowitz-Möllendorff
glaube d. Hellenen (1931) 1, 26. D@3@a@bβ) das göttliche
mit abhängigem genitiv: das göttliche unsers wesens Herder 5, 290
S.; doch scheint er die grazie des kleinen leichter zu bemerken, als das göttliche des groszen Schubart
leben 2 (1793) 21.
auch in umgekehrter syntaktischer beziehung: in den werken, welchen nicht ein ... genie den stempel des göttlichen aufgedrückt hat O. Jahn
Mozart (1856) 1, 456. D@3@a@gγ) das göttliche in uns
oder im menschen
als feste, zu C 1 b
gehörende wendung: das göttliche in uns wird mit uns gebohren Herder 15, 43
S.; das göttliche im menschen musz einmal zu seinem recht kommen Karl Holl
urchristentum (1927) 19.
steigerungsfähig: ach! gerade was das göttlichste an ihr war, die ruhe, diese himmlische genügsamkeit Hölderlin
s. w. 2, 67
Hell. D@3@bb) das göttliche
in selbständiger, von einer determinierenden beziehung losgelöster verwendung. D@3@b@aα)
christlich in allgemeiner umschreibung für das gott zugehörige oder das gott gemäsze; schon mhd. mystisch belegbar, im ganzen aber unhäufigen gebrauchs: also wo du dich des gOettelichen annimmest, do machest du daz götteliche creaturlichen und verfinsterst es Tauler
pred. 64
V.; dann sy (
Maria) wol wuszt, so ers (
Christus es) nit thät (
trotz ihrer bitte nicht zu ihr käme), dasz er nüt
[] desz minder das allerwysest und göttlichest thät Zwingli
dt. schr. 1, 101
Sch.-Sch.; man weisz recht gut, dasz der mensch alles, gott selbst und das göttliche an sich heranziehen, sich zueignen musz Göthe IV 37, 135
W.; vgl. I 32, 202. D@3@b@bβ)
dogmatisch unbestimmter, als bezeichnung für den wertbezirk des religiösen überhaupt, gelegentlich der umschreibung eines unbestimmt gehaltenen gottesbegriffs nahe, vgl. etwa gott III C 3: der mensch, der nach dem göttlichen strebt, vermag nichts als unverrückt gegen alle hindernisse zu kämpfen Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 126; das höchste irdische gut ist die kunst, die darstellung des göttlichen im kleide des reizes Stifter
s. w. 14 (1901) 12; denn die ideen, durch welche menschliche zustände begründet werden, enthalten das göttliche und ewige, aus dem sie quellen, doch niemals vollständig in sich Ranke
s. w. (1867) 1, 55; ewig ist attribut einzig des göttlichen; was ich ewig nenne, erhebe ich in die sphäre des religiösen Klemperer
l. t. i. (1949) 120; in jeder gestalt hat Goethe das auf erden erschienene göttliche angebetet, und er machte keinen unterschied zwischen der jüdischen, der christlichen, der griechischen und der islamischen religion Korff
geist. d. Goethezeit 4 (1953) 374. D@3@b@gγ)
im bereich auszerchristlicher religionen: sie (
die volksklassen der Polynesier) zerfallen in solche, welche anteil am göttlichen haben, und in davon völlig ausgeschlossene Ratzel
völkerkunde (1885) 2, 193; wird die götterdämmrung kommen und das göttliche verdämmern Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 348 D@3@b@dδ)
als kennwort für die objektive, dem menschen erreichbare wertwelt des überirdischen und überzeitlichen, des unvergänglichen und idealischen, im ganzen nach C
weisend, aber von β nicht immer scharf zu trennen: an das göttliche glauben die allein, die es selber sind Hölderlin
s. w. 3, 45
Hell. in synonymer reihung: der geister, die ... im anschauen des wesentlichen schönen, des unvergänglichen, ewigen und göttlichen jahrtausende durchleben Wieland
Agathon (1766) 2, 58; Phidias, stifter des hohen styls, veredelte und erhöhete die bildnerei bis zum erhabenen, göttlichen H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 1, 271. D@3@cc)
seltener artikellos und als ganz allgemeiner gattungsbegriff: läg nicht in uns des gottes eigne kraft, wie könnt uns göttliches entzücken? Göthe I 3, 279
W.; und zuletzt schuf er (
gott) den menschen, sein gleichnisz, und blies ihm seinen athem ein, dasz er göttliches begehrete E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 1, 253.
negiert: waz ists nun wunder, daz die welt nichts gOetlichs findt oder versteht, sie suchets weder zuo rechter zeyt noch an rechter stat Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 100
b.