gicks,
gickes,
lautmalend für einen hellen, schrillen schrei, s. auch gick,
kicks,
nur in der schreibung weichen ab giggs, giks, gix. 11)
als interjektion bei den verschiedensten anlässen, kinderspielen, als neckruf u. s. w., ausführliche belege s. bei Staub-Tobler 2, 569, Jos. Müller
rhein. 2, 1231;
als ausruf der schadenfreude, vgl. Tobler
appenzell. 221: gicks, herr boader, dasz ihr mer nicht ne sât Wander
sprichw. 1, 1685;
redensartlich gix sagen
mutire: er darf nit gix sagen
canis mutus Staub-Tobler 2, 569,
vgl. den entsprechenden gebrauch von gicken, gickern
und gicksen.
anders: wer einmal gix sagt, der muesz nacher gax auch sagn J. J. Schwabe
tintenfäszl (1745) 31; wer gix gesagt hat, kann auch gax sagen Rother
schles. sprichw. 173
b; hausväter, welchen die weiber nicht gix nachsagen wollen, wenn sie gax vorgesagt Gotthelf
ges. schr. (1856) 3, 210;
ein andres gicks
und gacks sagen
sieh unten 4 b.
substantiviert für einen schrei, einen schrillen, scharfen ton, s. Staub-Tobler 2, 569, Seiler
Basler 137, Hertel
Thür. 106: am herde ... fühlte es (
Vreneli) plötzlich was kaltes in der hand, erschrocken und mit einem kleinen gix drehte es sich um Gotthelf
Uli d. pächter (1850) 336.
vereinzelt für die gans: schickt man eine gigs über den Rhein, so kommt sie als gigag wieder heim
bei Fischer
schwäb. 3, 657,
vgl. dasselbe sprichwort unter gickgack 2. 22) gicks
als '
schriller, miszlungener ton'
in der musik, beim geigenspiel Unger-Khull 292
a;
als feststehender terminus beim billardspiel für einen '
fehlstosz'
nach dem hellen ton des abglitschens der queue vom billardball, vgl. Adelung (1775) 2, 1569
u. kicks
teil 5, 662;
mundartlich weit verbreitet, z. b. Schmeller-Fr. 1, 884; Autenrieth
pfälz. 54; Müller-Fraureuth 1, 419; Jos. Müller
rhein. 2, 1219;
auch als '
fehlschusz': verdorbne jägergixe
bei Henrici
ernst-scherzh. ged. 3 (1732) 357.
übertragen als '
verstosz, fehltritt, fehler',
vgl. Staub-Tobler 2, 569: wie die erde ihre finstern mittelalter hatte, so haben oft kinder finstere mitteltage voll lauter kapuzinaden und gikse Jean Paul
s. w. 15, 65
Hempel. 33)
in den maa. ist gicks,
auch in formvarianten wie gickes, gigges
u. a. noch in einer fülle von sonstigen bedeutungen verbreitet, bei denen z. t. mannigfache contaminationen vorliegen mögen; das lautmalende element tritt häufig zurück gegenüber begriffen wie '
dünkel, stolz, einbildung',
vgl. auch gickel,
z. b. gickes Christa
Trier 97
b, gicks Jos. Müller
rhein. 2, 1219, gück(e)s
stolz Fischer
schwäb. 3, 899;
häufig auch auf personen bezogen '
eitles weib' Jos. Müller
rhein. 2, 1218;
zu gicken 2
stellt sich gikes
einer, der über eine sache fortwährend lachen kann ebda 2, 1230,
vgl. gicks
tölpel Loritza
id. vien. 51; gigs
kleiner mensch Schön
Saarbrücken (1928) 82;
dazu giggesli
schwächliches kind, schmächtige person Staub-Tobler 2, 176. 44)
älter bezeugt und besonders verbreitet ist gickes, gicks
im ablautspiel mit gackes, gacks,
auch in composition als gickesgackes, gicksgacks ähnlich wie gickgack (
s. d. sp. 7318);
vgl. auch gickelgackel.
seit dem frühnhd. nachweisbar, vor allem alem. und sonst obd.; als gickes gackes,
auch gickes geckes
in älterer zeit, seit beginn des 17.
jh. in den kurzformen gicks gacks, gix gax,
die vom 18.
jh. an schriftsprachlich vorherrschen, während gickes gackes
der volkssprache verbleibt; vgl. auch kicks 2
sowie kickskacks (
teil 5, 663);
gelegentlich mit langem vokal, z. b. giegesgages Nestroy
ges. w. (1890) 2, 231. 4@aa)
dummes, stumpfsinniges geschwätz: das weiszt man in den schuolen wol ... des rappens gschrey ist man do voll, und lerend dannacht nüt dest mer gickes geckes ist unser ler Seb. Brant
narrenschiff 29
Zarncke; auch weist niemandts, seinds experiment oder canones oder gickis oder geckis Paracelsus
op. (1590) 7, 421; darüber er inwendig im geschmier oder lappenbrief ... ein besonders gickes geckes und auszdeutung hergaiffert Sartorius
schneider widerlegung (
um 1610) 8;
beliebt als spottende einleitung: gickes geckes, pfuch an galgen mit den hohen schulen Paracelsus
op. (1616) 1, 148
Huser; wa bleibt daz warhafftig wort gottes, das es euch alles zuofellt? ja gickes gackes, man blent die leut nit so mit augenscheinlichen lugen J. Nas
nasenesel (1571) 52
b; ja gickes gacks, was hast viel meusz, hörts wol, dasz ich solchs thu mit fleisz? Mauritius
comoedia v. Haman (1607) b 3.
häufig in scherzhaft steigernder zusammenstellung wie gickes gackes ofenloch
und andere: ja gickes geckes ofenloch, die gänsz gehn barfuosz Joh. Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 2, 199
b; sieben lächerliche geschnältz oder gickesgackes ofenloch
titel eines fliegenden blattes um 1620; gickes gackes ofenloch, wo bleibt so lang der kellner doch
tafelconfect (
Augsburg 1746) 1, 6; gickes gackes eiermusz, gänse laufen barfusz Simrock
dtsch. kinderbuch (1848) 159; gickes gackes bloderzung rede dannoch einmal bescheid. sag, sterben müssen alt und jung, sterben müssen alle leut Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1670) 13;
als obscöne umschreibung: hie vergagens (
verjagen) ein ander die floe, dort gickes geckes awe gnoe ein ander schlahens auf der trumpen
fastnachtsp. 1, 383
Keller; mundartlich obd. und z. t. auch md. geläufig: ds is las nix, ds is lauta gigasggas Castelli
Österr. 139; giggesgagges
albernes geschwätz Albrecht
Leipz. 123, die welt gaht gickes gäckes
bald so, bald anders Fischer
schwäb. 3, 12;
in verbaler verbindung gickes gackes machen
viele worte machen und nichts vernünftiges damit sagen 651;
vereinzelt giegesgages
für wirrwarr von tönen: erhabne melodien habn gar ein schönen klang, ... drum darf bei diesen stellen kein giegesgages sein Joh. Nestroy
ges. w. (1890) 2, 321. 4@bb)
alt in der redensart weder gickes noch gackes sagen, wissen
als verstärkte negation, vgl. weder gick noch gack wissen
oben sp. 7314, kicks noch kacks sagen, wissen
teil 5, 663: es ist mit ihnen gleich als mit der nonnen psallieren, dieselbigen nonnen brauchen des psalters weis (
melodie) und treiben gesang und wissen weiter weder gykes noch gagkes Paracelsus
op. (1589) 2, 80;
dann in der kurzform: der complementen und desz auffschneidens ist so viel, dasz keiner mehr weisz, ob es gix oder gax
teutscher sprachverderber (1643) 6; sechshundert tausend eitelkeiten, die weder gicks noch gacks bedeuten Chr. Weise
grün. jugend 124
ndr.; du weyst weder gigs noch gags darvon
hanc rem non capis, non intellegis Stieler (1691) 594; er kan weder gigs noch gags davon Kramer
teutsch-ital. 1 (1700) 446
b; ich, wie ihr wiszt, weisz weder giks noch gaks davon, das weisz ich nur, ich hatt es von den feen. Wieland
s. w. (1796) 18, 150; schulmeister ... in einer stadt und in etwas, von dem man im dorf weder gigs noch gags versteht Pestalozzi
s. schr. 3, 121; er (
in verlegenheit) sagt net gicks und net gax W. Weigand
die ewige scholle (1927) 176;
mundartlich weit verbreitet: der macht nit gicks noch gacks '
tut keinen zug', jetzt weisz ich weder gicks noch gacks Fischer
schwäb. 3, 12;
s. ferner Seiler
Basler 137, Jos. Müller
rhein. 2, 1219, Spiesz
henneberg. 79, Anton
Oberlausitz 18, 12, Frischbier
preusz. 1, 232;
vgl. auch gix sagen
und gax sagen
oben 1. 4@cc) gicksgacks
eigentlich gänsegeschrei, vgl. gickgack,
vereinzelt für hühnergegacker: wie haben wir müssen laufen, ... um zu lernen die kabbala, gicks gacks und kikriki, die grosze alektryomantie, bis wir endlich den spruch auf dem grabstein in der burg gockels verstehen konnten Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 62. — gicksgacks
für die gans selbst wie das einfache gicks (
s. oben): gicksgacks übers meer, gicksgacks wieder her (
Oberaargau) Wander
sprichw. 1, 1686. giggesgagges
für den wiedehopf (
Inntal) Schöpf
tir. 190.