gicksen,
vb. ,
mit den hier vereinigten verwandten gickezen, gickzen, gixen, gigsen
und der langvokalischen variante giegsen, gieksen.
lautmalendes wort wie das mit ihm wechselnde kickezen (
teil 5, 662), kicksen (
ebda s. v. kicks);
intensivbildung von 1gicken
mit dentalsuffixen (
vgl. Wilmanns 2, 106
u. 109),
die teils ahd. *giccazen, -ezen-, -izen
unmittelbar fortführt, teils jüngere mundartliche steigerung von gicken
oder neue ableitung aus gicks, gick
darstellt; vgl. zur bildung mucksen
und piepsen.
trotz gewisser unterschiede im gebrauch läszt sich eine trennung dieser schallwörter nicht durchführen, weil sie einander vertreten können. schriftsprachlich nur in älterer zeit verwendet, in neuerer bei dialektdichtern oder der mundart entnommen. 11) gickezen, gickzen, gicksen
vom ton der menschlichen stimme seit alters im sinne '
leise, kleinlaut reden',
dann auch '
stottern',
vgl.gackzen (
teil 4, 1, 1, 1131);
so schon ahd. irgiccazan
mutire (12.
jh.)
ahd. gloss. 1, 379, 5
St.-S.; in den älteren wbb. häufig: gikatzen
titubare, balbere, balbescere stamlen
voc. incip. teut. (1471) i 7
b, gigtzen Dasypodius
dict. 2 (1536) 335
a, gibtzen, gigtzen
heimlich reden Schöpper
syn. (1550) c 6
c, gickzen,
chucheter, mussitare Duez (1664) 201
a, er darff nicht einmal gigzen Aler
dict. (1727) 1, 946;
in bair. maa. erhalten, vgl. gicketzen
mit der zunge beim reden anstoszen Unger-Khull 292, giggazn
unartikulierte töne hervorbringen, stottern Lexer
kärnt. 114, Schöpf
tirol. 190, gihezzn
stottern (
baier. Wald)
Bayerns maa. 1, 255, gigken, gigkezen
töne beim erschrecken, stottern, verhaltenem lachen Schmeller-Fr. 1, 884: du-u-u thuest ja a giiigatzen, ha a scham di-i dert (
doch) Franz Stelzhammer
ausgew. dicht. 1, 27
Rosegger; no fing der a stund zum gigazen und gagezen an Anzengruber
ges. w. (1890) 6, 293.
als gicksen,
vgl.gagsen,
gigsen gracchiare, gracidare, balbettare, stammeln, anstoszen Kramer
teutsch-ital. (1700) 446
a;
sich nicht zu mucksen wagen, nicht einmal gicks (
s. gicks 1)
zu sagen sich unterstehn, vgl. gicksen, gichsen ... er darf nicht gicksen,
hy mag niet kikken, den mond open doen Kramer-Moerbeck (1768) 135
a: dadurch die bürger ... erschreckt, sich nicht eräugnen noch giggsen dörfften H. Halverius
Jovii warh. beschreib. (1570) 2, 120. 22)
aus dem redensartlichen weder gicks noch gacks sagen, wissen
entwickelt weder gicksen noch gacksen '
nichts sagen' Fischer
schwäb. 3, 12: was sie (
Avicenna und Galen) pfeifen, das tanzen ihr (
die derzeitigen ärzte) und wissen weder gicksen noch gacksen darin Paracelsus
op. (1616) 1, 1000
Huser; in anderer bedeutung: wenn du gegikst hast, so gakse auch
hast du a gesagt, so sage auch b Weinhold
schles. 104. 33)
das stoszweise hervorbringen von hohen, hohlen tönen, vornehmlich von kranken personen, vgl. gicksen,
gickzen abgestoszen und schwach mit einem eigenthümlichen laut husten Kehrein
Nassau 1, 164;
im stickhusten gîksen
und gêksen
die kinder, ebenso bei der häutigen bräune Vilmar
kurhess. 126; gicksen
schlucksen Askenasy
Frankf. 217;
daher er gickst und gackst alle tage
ist kränklich (
Niederlausitz) Wander 1, 1686,
dazu gickshusten
keuchhusten Jos. Müller
rhein. 2, 1220, Askenasy
Frankf. 158.
hierher wohl auch gixen
dahinsiechen, bes. von pflanzen Staub-Tobler 2, 570. 44) '
einen hellen laut, ton geben'
; namentlich von kleineren tieren '
einen feinen schrei ausstoszen',
vgl. gicksen
gackern von hühnern Lenz
Handschuhsh. 28;
schreien von der gans, eule Jungandreas
schles. zeitwortbild. 36;
schrill schreien, z. b. von jungen vögeln Jos. Müller
rhein. 2, 1220: sich, es ist die fleiszige, ämsige, sitzende giksende, gaksende, kratzende, kritzende gickel, gackel, gallina nicht mehr Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 82;
vgl. auch gigitzen
zwitschern von vögeln Fischer
schwäb. 3, 657;
mit langem vokal besonders alem. und rheinisch, z. t. neben kürze, vgl. gyksen '
einen kleinen laut geben, wie eine maus oder sonst ein kleines vieh' Spreng
bei Seiler
Basl. 138, gigse
sibilare ut mures Schmidt
id. bern. 31, die maus gixt (
v. j. 1678)
bei Staub-Tobler 2, 570,
auch von menschen '
feine, unartikulierte töne aus der kehle ausstoszen, einen schrei ausstoszen' Seiler
Basl. 137: das bauerntöchterchen gixt: herr jeses, pfi tusig
bei Staub-Tobler 2, 570;
vom knarren der räder, der türe, der schuhe Schmidt
Straszb. 42, Müller
rhein. 2, 1220;
von dem ton beim sägefeilen Staub-Tobler 2, 570;
das knirschen bei der käsebereitung Martiny
milchwirtsch. (1907) 45: neben an der ufen und neben an der abe gigst der wage J. P. Hebel
s. w. (1838) 1, 31; die gespenster, die in dem trüben licht der verregneten, im winde giegsenden dachlucke erschienen, waren ... schwere kisten E. Strausz
freund Hein 246.
das von einem hellen geräusch begleitete abrutschen beim billardstosz, vom billardballen abgleiten H. Jakob
Wien. 69
b,
vgl. gicks 2. 55)
häufig für einen falschen, quicksenden, schrillen ton erzeugen, bes. auf einem blasinstrument; so gixn Castelli
Österr. 140; Ruckert
unterfränk. 61;
auf das singen übertragen, vom überschlagen der stimme Unger-Khull
steir. 293
a, Jakob
Wien. 69
b;
mit heiserer stimme singen Staub-Tobler 2, 570; gigsen
schlecht, falsch singen Fischer
schwäb. 3, 657: stimme hatte der keine zum singen, sie gixte Rosegger
schr. (1895) III 8, 177,
vgl. gicks 2.