gezeichnet ,
participiales adjectiv zu zeichnen (
s. d.)
mit älteren und jüngeren formen eines selbständigen gebrauches. 11)
die älteren verwendungen, von denen ausläufer noch in der neuesten sprache zu fassen sind, stehen unter dem einflusz antiker vorbilder, im besonderen lateinischer prägung. 1@aa)
die gotische bibel, die das verbum, wie das subst., von dem es abgeleitet ist, vielfach beobachten läszt, lehnt sich an griechische formen an und zwar mit vorliebe an das stammverwandte δείκνυμι. 1@a@aα) jah sa iʒwis taikneiþ kelikn mikilata (
ὑμῖν δείξει) Ulfilas
Marc. 14, 15 (
er zaigt euch ein michel esslauben
cod. Tepl.; ähnl. Luther);
desgl. 1 Timoth. 5, 16;
Römer 9, 22 ustaiknjan,
ἐνδείξασθαι.
die bedeutungsrichtung, der dieses verbum mit seinen zusammensetzungen folgt und die es auf abstractem gebiet weiter entwickelt (
vgl. 1 Kor. 4, 9 ustaiknida,
ἀπέδειξεν; vgl. andererseits den reflexivgebrauch Lucas 20, 20;
Galater 2, 18;
2 Kor. 6, 4),
wird auf deutschem boden von dem stammverwandten zeigen (
s. u.; vgl. gezeigt)
aufgenommen; immerhin sind gerade in abstracten verwendungen berührungen leicht gegeben, vgl. hvas gataiknida iʒwis þliuhan faura þamma
Lucas 3, 7 (
ὑπέδειξεν ὑμῖν φυγεῖν, zaiget euch zu empflichen
cod. Tepl.; wer hat euch denn geweiset? Luther);
gegen: wer gizeichonota iu zi fliohanne (
demonstravit)
Tatian 13, 13. 1@a@bβ)
einmal greift auch das got. verbum —
mit dem präfix us- —
in das gebiet ein, das vom deutschen verbum beherrscht wird: ustaiknida frauja jah anþarans sibuntehund jah insandida ins Ulfilas
Lucas 10, 1,
ἀνέδειξεν ὁ κύριος, der herre bezaichent auch ander 72 [!]
cod. Tepl.; darnach sondert der herr ander siebentzig aus und sandte sie Luther;
vgl. dazu aus dem Tatian: after thiu gizeihonota truhtin andere zuene (
designavit) 67, 1; then thie fater zeihhonota got 82, 4 (
hunc enim signavit deus Joh. 6, 28; wan got der vater, hat disen gezaichent
cod. Tepl.; denselbigen hat gott der vater versiegelt Luther. 1@bb)
der deutsche gebrauch des verbums und damit auch der participialformen geht im wesentlichen von der verbindung mit objecten aus. absolute verwendungen sind zunächst für eine bedeutungsrichtung beobachtet, die am frühesten abstirbt: er hat auch nach seinem tod grösleich geczaichent (zeichen, wunder getan)
österr. chronik von den 4
herrschaften 195
Seemüller. die verbindung mit einem object —
in obigen bibl. belegen persönlicher, in andern sächlicher art (
concret und abstract) —
läszt sich aus der sinnlichen grundbedeutung, eines factitivums zu zeichen,
nicht unmittelbar erklären. näher führt schon die zusammensetzung mit präpositionen (
präfixen),
die aber ebenfalls den zusammenhang mit entsprechenden formen des lat. signare
erkennen lassen. andererseits sind von dem lat. sigillum
für das substantiv wie für das verbum deutsche concurrenzbildungen ausgegangen, wie sie gelegentlich schon bei Ulfilas
für griech. prägungen beobachtet sind: jah sigljande uns jah gibans wadi ahman in hairtona unsara
σφραγισάμενος ἡμᾶς Ulfilas
2 Kor. 1, 22 (und der uns hat gezaigent
cod. Tepl.; gezeuchnet
Augsburger bibel v. 1487; versiegelt Luther). 1@b@aα)
der wettbewerb zwischen dem lehnwort und dem deut schen verbum, dessen zurücktreten bei Luther
wohl im zusammenhang mit dem vordringen des römischen rechts um diese zeit steht, zeigt sich auch in anderen —
von der vorlage abweichenden —
zeugnissen in der bibelübersetzung für siegeln,
aus denen immer wieder deutlich wird, dasz der ursprung der verzweigten verwendungen in beglaubigungsformeln zu suchen ist, letzten grundes also auf das rechtsgebiet führt: 1@b@a@11))
so stehen sich die beiden formen in der bibelübersetzung gegenüber vgl. signatum, pisigilit, insigilit
glossen zu Jeremias 32, 11 Steinmeyer-Sievers 1, 632
vgl.: und schrieb einen brieff und versiegelt jn, und nam zeugen dazu ... und nam zu mir den versiegelten kauffbrieff, nach dem recht und gewonheit Luther;
ebenso Dietenberger (1534);
dagegen vgl.: und bezaichet es ... und ich nam daʒ buch der besitzung bezeichent ausswendig Koberger;
desgl. Straszburger bibel, Eck
u. a. 1@b@a@22))
eine andere richtung des gebrauches kennzeichnet: obsignavit, pisigalta, pisigilti
glossen zu Daniel 6, 17 Steinmeyer-Sievers 1, 622; annulo, insigile
ebenda; und sie brachten einen stein, den legten sie fur die thür am graben, den versiegelt der könig mit seinem eigen ringe ... auff das sonst niemand an Daniel mutwillens ubet Luther;
desgl. Dietenberger (1534).
dagegen vgl.: den bezeichent der kunig Koberger,
desgl. Straszburger bibel; Eck
u. a. vgl.: legten sie hin uf daʒ hol einen stein gezeichent wol mit des kunges vingerlin.
poet. bearb. d. buchs Daniel 5396
Hübner. 1@b@a@33))
das siegel
als beglaubigungsmarke (zeichen)
wird hier concreten gegenständen aufgedrückt, die damit als gesiegelt, besiegelt, versiegelt, gezeichnet, bezeichnet
u. a. erscheinen, je nachdem die beglaubigung oder die ausnahmestellung, die das beglaubigte im guten wie im bösen gewinnt, im vordergrunde steht. von hier aus wird die weitere entwicklung leicht verständlich, für die auch der folgende gebrauch kennzeichend erscheint; du bist wole sloʒhafter garte, swester mîn gemahela, garto sloʒhafter, brunno besigelter ... der brunno ist besigelet,
quia scientia verbi mei reseranda est mundis et studiosis Willirams
hohes lied 67, 2 (
fons signatus, ein verschlossen quelle, ein versiegelter born Luther
hohes lied 4, 12;
desgl. Dietenberger 1534); bezeichnender brunn Eggesteyn
u. a.; du bist ain beschlossern garte und ain gezaichenter brunne, min gemahel
sogen. Georger prediger 46, 32
Rieder; du bist der gezeichent brunne dar in schein diu lebendiu sunne. Eberh. v. Sax
s. minnes. v. d. Hagen I, 70
a. 1@b@bβ)
der weiteren entwicklung steht das lehnwort spröder gegenüber; dem deutschen verbum entspringen auszer der vorstellung einer beglaubigung die begriffe der vertretung, des ersatzes und der verdeutlichung, während aus der ausnahmestellung, die der gezeichnete einnimmt, die auszeichnung ebenso gut hervorgeht wie die brandmarkung, das Kainszeichen. 1@b@b@11))
das einfache verbum ohne praef. (
vgl. signat, zeihnit
Keronische glossen [
neben expremit, pithunkit] Steinmeyer-Sievers 1, 247;
adsignat zaihnit 1, 42)
läszt die beiden hauptrichtungen dieser entwicklung in zwei bemerkenswerthen zeugnissen überblicken; in der ersten gruppe mit sächlichem, in der zweiten gruppe mit persönlichem object. 1@b@b@1@aa)) hwasz andres zeihnit dhar dhea dhri sanctus chiquhedan, nibu dhera selbun almahtigun dhrinissa guotliihhin ist araughit (
quid ter sanctus indicat) Isidor 4, 11
Hench s. 22. 1@b@b@1@bb)) daʒ man sie under ougôn zeichendi unde sô gezeichende vertribe (
insigniti notas frontibus pellerentur) Notker
Boethius (
Hattemer 3, 30
a). 1@b@b@22))
in der ersten der beiden bedeutungsgruppen, die ein abstractes object begünstigt, stehen sich die beiden zusammensetzungen gezeichnen
und bezeichnen
gegenüber: 1@b@b@2@aa)) cazaihnit
significat Keronische glossen s. Graff 5, 595; ther gizeihhonota thaʒ got war ist (
signavit, quia deus verax est)
Tatian 21, 7 (
Joh. 3, 33 der bezaichent daz got ist gewer
cod. Tepl.; der versigelts Luther); thaʒ trohtines wort giffullit wurdi, thaʒ er quad gizeihhononti welihhemo tode was sterbenti 194, 3 (
Joh. 18, 32 bezaichent, welchʒ todtʒ er were ze sterben
cod. Tepl.; bedeutendt
Augsburger bibel; deutet Luther);
desgl. 238, 5; diffinitio sezzet taʒ ting . unde geouget iʒ uns . also wir iʒ ana sehen .
descriptio gezeichenet iʒ echert Notker
Boethius s. Hattemer 3, 148
b. 1@b@b@2@bb))
schon in der mittelhochd. dichtung wird gezeichnen
hier ganz durch bezeichnen
verdrängt, vgl. mhd. wb. 3, 865
a: der tou bezêichinet den sweiʒ.
Diemer dtsch. ged. 320, 11; swel man ain guot wîp hât unde zeiner ander gât, der bezeichent daʒ swî
n. Spervogel
s. minnes. frühl. 29, 29;
vgl. die anmerkung hierzu. 1@b@b@2@cc))
zäher hält sich gezeichnen
in der für die zweite der obigen bedeutungsgruppen festgestellten sinnlichen verwendung, wo es mit dem einfachen zeichnen
im wettbewerb steht: dem briester ist blatte gescaffen, dâ mit zeichent man in zeinem pfaffen
spec. eccles. 149; dirre bobest fuor in Frangrich zuo künig Ludewig ... und zeichente den mit dem crüze über mer zuo farende Königshofer
dtsch. städtechr. 9, 565; nach deme sach der werde einen engel her wunnen. er hatte gotis zeichen ... 'nicht schadet den boumen nu, erden, mere ouch darzu, biʒ wir in witzen virnen gezeichen an den stirnen unsereʒ gotes knechte im dienende zu rechte'.
poet. bearb. d. buchs Daniel 2160
Hübner. 1@cc)
aus alledem ergeben sich für die participialform gezeichnet
zahlreiche möglichkeiten der verwendung, und es wird im besondern verständlich, dasz sie auch dem eindringen zusammengesetzter bildungen wie bezeichnen
widerstand entgegensetzt: sô hât der sun gezeichent ein unsprechlich wort in der sêle — sô hât der heilige geist gezeichent di sêle mit einer unnennelichen sûʒekeit
myst. 125, 22. 1@c@aα)
die beziehung auf einen unpersönlichen träger 1@c@a@11))
schlieszt sich in mehrfachen formen enger an die parallele mit siegeln
an, vgl.: und ich sach in der zeswen hant des sitzenden imme throne ein buch geschriben schone, enbuʒen und enbinnen gezeichenet mit sinnen, mit siben ingesigelen, als da man mit rigelen eine tur berigelet, also waʒ iʒ besigelet. Heinrich v. Hesler
apokalypse 9048;
desgl. 9055. 1@c@a@1@aa))
ein ergiebiger gebrauch zweigt von der verwendung der notariatszeichen (
siegel)
zur beglaubigung von unterschriften in verträgen, vor allem in testamenten ab, vgl.: das ich die vorgenanten reht und urtell mit miner hand und mit min gewonlichen tzeichen tzu eime offen brieffe und instrument schriebe und machte
weisth. 3, 421; han wir ... unser ... ingesigel ... bi des nochgeschreben notarien ... gewonlich zeichen an dieses ... instrument han thun henckenn 3, 434.
die lateinische formel, die die deutschen wendungen anregte, hat ein ziemlich gleichmäsziges gepräge: solito et consueto signo signavi weisth. 3, 453;
vgl. auch 438; 335; 422; 334
u. a. mannigfaltiger sind die deutschen entsprechungen. 1@c@a@1@a@aα))
im engern anschlusz an die lat. formel, bei der das rechtsinstrument als object erscheint, wechseln wie in der bibelübersetzung (
s. o.),
so auch sonst zusammensetzungen der participialformen von zeichnen
und siegeln,
welch letzteres immer wieder die oberhand gewinnt. bei zeichnen
stehen sich die formen ge-, ver-, underzeichnen
gegenüber: han ich dit gegenwortig uffinbar instrument her ober gemacht unde beschrieben unde mit mime gewontlichen zeihen gezegent in ein gezuchnisse
weisthum v. Limburg (1372)
s. Limburger chronik s. 124;
desgl. gezegent (
testament v. 1371) 122; (
testament v. 1373)
s. 127 gezechent 132; so han ich ... diss uffen instrument mit miner eigen hant geschreben ... unde met mime gewonlichen merkzeichen, name unde zunamen gezeichent unde vormergket zu gezugnisse der warheit aller vorgeschrieben puncte
weisth. zu Breidenbach (1467)
s. weisth. 3, 357; mit miner eigen hant underschriben und in diese offen form bracht, han es mit mime gewohnlichen tzeichen getzeichent
weisth. 3, 424;
vgl. 3, 406. 357;
desgl. 1, 602. 630;
vgl. urkunde v. Alpirsbach (1488),
s. oben sp. 6603
u. a. han ich diess uffenbar instrument gemacht ... unde mit mime merkzeichen name und zuname vormerket unde vorzeichent
weisth. v. Wallshausen (1467)
s. weisth. 3, 339; uff bevelhe des ersamen Johansze Holdermans der ... nit gelert was zuo schriben, hab ich ... disz sein testament und bestellung seins erbens mit meiner eigen handt geschriben und bezeichnet (Heinrich Gessler)
formular und teutsch rhetorica (1506) O 1
b; mit meinun eigen bitschir ... betzeichnet
ebenda; mit meiner eignen hand geschriben und bezeichnet
notariatbuch (1533) 90
b; underschriben und gewonlichen sigeln bezeichnet
rhetoric und teutsch notariat (1556) 26
a u. a.; vgl. auch: daʒ ir kein ... mit eins andern zeichen sein instrument zeichne
rhetoric und teutsch notariat (1556) 24
b; mit meinem tauff- und zunamen und gewonlichen notariatzeichen underzeichnet
weisth. 4, 235 (1585
Chapitre de St. Diez)
u. a. zu siegeln
vgl. vor allem die formelsammlung des Menantes (
Hamburg 1723),
die durchweg andere verba als zeichnen
gebraucht: urkund disz brieffs unser eigen insigel heran hängend, versigelt geben
notariatbuch (1533) 41
a; zu uhrkund dessen wir uns beiderseits unterschrieben und mit unserem gewöhnlichen pittschaft versiegelt Menantes 656; habe diese quittung eigenhändig unterschrieben und besiegelt 633; mit menem notariat und andern signet besiegelt 660; unterschrieben und besiegelt 653;
vgl. auch: zu urkund dessen habe ich dieses durch meine hand gewöhnliches notariat signet ... bekräfftiget 767
u. a. 1@c@a@1@a@bβ))
selten nur ist gezeichnet
in den wendungen beobachtet, die als object das erkennungszeichen anfügen: so hab ich disz offen instrument ... mit meiner eigen hand namen und nachnamen underschriben, und mein notariat signet gezeichnet, zu gezeugnuss aller obgemelten dingen
schluszformel eines testaments im notariatbuch (1533) 90
b.
dagegen vgl.: habe ichs ... eigenhändig unterschrieben und besiegelt, auch mein notariat-signet vorgedrucket Menantes
neue briefe und allerhand ausbündige ... obligationes (
Hamburg 1723, 3); mein gewöhnliches pittschaft nachgedruckt 632. 1@c@a@1@a@gγ))
in formelhafter erstarrung hat sich die participialform als mittel der beglaubigung von unterschriften, die nicht im autogramm vorgelegt werden, bis in die neueste zeit erhalten, den ausgangspunkt bildet wiederum das lat. signatum,
abgekürzt sign.
vgl.: sign. Rickelsbach zur zeit wie eingangs gemeldet Menantes 634;
desgl. 759
u. a. signatum u. a. vgl.: signatum ... aufgezeichnet, bezeichnet, gegeben oder besiegelt Zedler
a. a. o. 1@c@a@1@bb))
weniger dagegen tritt die participialform in einem gebrauche hervor, den die handelssprache neu belebt hat und der ebenfalls aus der beziehung des verbums auf unterschriften hervorgeht: 1@c@a@1@b@aα))
eng mit dem vorhergehenden steht die zeichnung einer handelsfirma im zusammenhang: ermächtigung unter der firma des principals zu zeichnen
protokolle d. comm. f. d. allgem. handelsgesetzbuch (1858) 951,
anders unterzeichnen
s. 72; dass nämlich der procurist ausschliesslich die berechtigung haben solle per procura die firma zu zeichnen
s. 951
u. a.; der kaufmann Peter Held ... erklärte, dass er in folge des verlustes beider hände ausser stande sei, seine firma und seine persönliche unterschrift zu zeichnen
formular bei Const. Weber
anmeldung der firmen, zeichen und muster zum handelsregister (1879) 62
u. a. participialformen sind bei dieser ungemein verbreiteten verwendung des verbums wenig beliebt: die thatsache ... dass der zeichnende als procurist die firma gezeichnet hat
entscheid. d. reichsoberhandelsgerichts 18 (1876), 101; die firma der gesellschaft wird gezeichnet: von Joseph Broil: Broil & Elven
formular bei Const. Weber
s. 62 (
sonst übliche formel: herr Joseph Broil wird zeichnen.
vgl.er hat seine firma zur aufbewahrung bei dem gerichte zu zeichnen
dtsch. handelsgesb. [1897] § 29
desgl. 35. 53. 108. 148. 296,
vgl. auch 51. 57. 233).
participialformen —
zumal in attributiver verbindung —
führen aus diesem zusammenhange heraus: die von einem kaufmanne gezeichneten schuldscheine gelten als im betriebe seines handelsgewerbes gezeichnet § 344; ein pfandrecht wegen der ... mit rücksicht auf das gut gezeichneten wechsel § 397. 1@c@a@1@b@bβ))
eine andere von der beziehung auf unterschriften getragene verwendung des verbums kommt der participialform viel mehr entgegen, trotz der anlehnung an lat. subscribere
und die hieraus gebildeten lehnformen subscribent, subscription, subscribieren.
denn schon ende des 17.
jahrh. begegnen neben dem infinitiv auch participialformen in attribut. function vgl. A. Schirmer
wb. d. dtsch. kaufmannssprache 213;
neben: dasz etzliche tausend menschen ... gleichfals mit in dieser (
ostindischen handels) compagnie werden zeichnen und setzen
denkschr. d. admirals Gijsels 1647
s. Schück
Brandenburg-Preuszens kolonialpolitik 2, 7; seine gezeichnete summe ... einliefern
octroi f. brandenb. amerik. comp. (1688) 333
ebenda; das gezeichnete capital J. C. Sinapius
fragm. a. d. geb. d. handelsw. 668.
vgl. andererseits: dass das grundcapital vollständig gezeichnet und die erforderliche einzahlung geschehen sei H. Thöl
handelsrecht6 441 (§ 134)
desgl. 445
u. a. hier ist auch jetzt noch das bedürfnisz nach attributiven verbindungen rege: nach dem statut sollten die ersten zehn procent auf die gezeichneten beträge sechs wochen nach eintragung der gesellschaft ... eingezahlt werden
entscheidungen des reichsoberhandelsgerichts 20 (1877), 271; das gezeichnete capital 281; 10% des von jedem actionär gezeichneten betrags C. Weber 87; indem ausdrücklich gesagt sei, dass die zeichnung nicht nur den betrag sondern auch die gattung der gezeichneten aktien anzugeben habe
materialien zum handelsgesetzbuch f. d. dtsch. reich (1897)
s. 238; bei der zeichnung ist auf verlangen der zeichnungsstelle eine kaution von 5% des gezeichneten betrags zu hinterlegen
ausschreibung der fürstl. Fürstenbergischen anleihe von 1913
u. a. 1@c@a@1@cc))
die vorstellung des symbols, der begriff der vertretung, des ersatzes wird auszerhalb der beziehung auf eine unterschrift, namentlich bei der beziehung auf gebrauchsgegenstände und organische bildungen herausgearbeitet: do die dumherren ... us der stat furent, do noment sü mit in waʒ sü in baren pfennigen hettent. aber waʒ sü anders hettent, es were win oder korn ... oder ander habe, daʒ lieszent sü in der stat und zeichetent daʒ und beschribent es ... hoffetent, es solt in alles vergolten werden Closener
dtsch. städtechron. 8, 74. 1@c@a@1@c@aα)) was metzen, halbmetzen, vierling, achtel ... beslagen und nicht mit der stat zeichen gezeichent sind ... ist die pusz 20 pfund
alt Nürnberger polizeiordnungen 185
Baader; (wasz gewichts ungezeichent oder nicht mit der stat zeichen gemerckt
ebenda); wasz gezeichneten gewichts aber unter einem pfunde zu gering funden wirt
ebenda; auch soll einicher wein, der ... zu marckt bracht werdet, nit ... verkaufft werden, er sei dann vor von den geschwornen versuchern versucht, gerechtvertigt und für tauglich gezaichnet worden ... und so ... einicher geschauter und gezeichenter wein unverkaufft auff dem marckt plibe, so mag derselb wein nachfolgendt am nehsten freitag verkoufft werden 244; (
vgl. unversigelti tuch
tuchpolizei zu Freiburg 1476
s. ztschr. gesch. Oberrh. 9, 146); die wirt und alle weinschenk süllen haben kandl, die durch den richter mit der stat mas gephächt sein und mit des haubtmans zaichen gezaichent, und welcher das überfür und nitt gemerkt kandl aufsetzet ... dem sol der richter die kandl nemen
Bruneck 15/16.
jahrh. s. öst. weisth. 5, 496;
desgl. (sol ... gezaichnet sein) 5, 476; 496; ein neues masz ... mit unsers haubtmans markeisen verzeichnet, die selben masz z' aichen 764, 31; das bier, so man ins lager bringt, soll von den stätten oder flecken, dannenher es kompt, gezeichnet sein, dan es gerecht sei Laz. von Schwendi
kriegsdiscurs 70. 1@c@a@1@c@bβ)) so mag er daʒ holz zeichen ... würd ime das holz abgehauen durch meinen hern den apt ... so sol man dem man, der das holz gezeichnet hat, durch ein recht widergeben
weisth. zu Imsheim (
bei Zabern) 1559
s. weisth. 1, 752;
vgl. auch 3, 754. 856;
vgl.: dasz er vermeiden solle alle ihre ... verzeichnet bäumb
rechte der zeidler (1308)
weisth. 3, 897.
petrae notatae, gezaichnete stain, gemerckte stein,
in confinibus pro terminis habentur ... quas in Suevia vocant lochen, weil man solche bäum mit eingehauenen löchern mercket oder bezaichenet Besoldus
thesaur. practicus (1641) 626
b; der ander donnerstein schlug gegenüber im churfürstl. wald zwei gezeichnete starcke schindelbäume zu lauter schiefer Chr. Lehmann
schauplatz der merckwürdigkeiten 349; und die wagen gezaichent mit fenlein und doran gemalt, waʒ auf einem itlichen wagen leit
Nürnberger kriegsordnungen (1449)
s. dtsch. städtechron. 2, 255; durch fuhrma Kunstmanns geschirr sende ich ihnen hier unten verzeichnetes gut, wovon sie ... zwei thaler fracht zu bezahlen ... belieben W. B. z. W. gezeichnet eine kiste smerwasser
formular eines frachtbriefes bei F. Bauer
handbuch der schriftl. geschäftsführung (1829)
s. 167. 1@c@a@1@c@gγ))
in diesen zusammenhang gehören auch die waarenzeichen, in bezug auf die aber gezeichnet
kaum neben bezeichnet
aufkommt; vgl.: sol nu hinfur nimandes mer fremde klingen ... feil haben denne under seinem zeichen
innungsartikel der messerschmiede (14/15.
jahrh.) 6.
zusatz zum Freiberger recht s. 282
Ermisch; vgl.: das recht, waaren oder deren verpackung mit einem ... zeichen zu versehen oder auf solche art bezeichnete waaren in verkehr zu bringen
gesetz über markenschutz (30.
nov. 1874) § 8 (
bei Const. Weber
s. 117 gezeichnete); die so bezeichneten waaren
gesetz von 1894 § 12; gekennzeichneten § 14. 15. 1@c@a@1@c@dδ))
diese verwendung lehnt sich bei der beziehung auf werke der bildenden kunst wieder enger an die unterschriftsformeln an: vgl.: auch bezeichnet sich A. Bloettling mit diesen also verzogenen buchstaben J.
F. Christen
anzeiger und auslegung der monogrammatisten (1747) 75.
gegen: er zeichnet sich auch wohl auf etwas andere art
s. 70; uns fiel besonders ein mit David de Trevigi gezeichnetes Marienbild auf O. J. Bierbaum
empfindsame reise im automobil 82.
vgl.: es giebt hiesige familienporträte hier, welche mit J. S.
M. bezeichnet sind P. v. Stetten
kunstgesch. 2 (1788) 194. 1@c@a@1@dd))
bemerkenswerth ist die zähigkeit, mit der sich die participialform in der verbindung mit zahlbegriffen hier gegen das vordringen von bezeichnen
wehrt, vgl.: dis sint etteliche ... bredien ... Johans Tauwelers ... mit einre vorgonden tofeln in der die meinunge und der sin einer iegelichen bredien ... genennet sint und mit der zale gezeichent, dieselbe zale darnoch an alle bletter einer iegelichen bredien sunderliche geschrîben stot
einl. zu d. predigten Taulers s. 7, 5
Vetter; wer betrachtet, was die figur so mit no 2 gezeichnet in handen halte Sandrart
teutsche academie 2, 3, 24
b; die erste figur zeiget die wurzel, so ... in zwei mit den verkehrten buchstaben gezeichneten spröszlein abgetheilt ist
Simplicissimus (
Galgenmännlein) 3 (1713) 641. 1@c@a@22))
dieser hauptgruppe der sinnlichen verwendungen des particips in der beziehung auf ein unpersönliches object, stehen in der älteren sprache ganz vereinzelt auch allgemeinere formen gegenüber. sie fordern insofern beachtung, als gerade auf diesem boden der neuere hauptgebrauch des verbums wie des particips vorbereitet wird. 1@c@a@2@aa))
der ausgangspunkt läszt sich in der gleichsetzung mit lat. celare
suchen, celatum (mit zeichen überdeckt): scôwotun sie fore in eina speram ... ûfen einemo stuole ligenda in manigfalta wîs kezeichenda (
celatam varietate multiplici) Notker
Marcianus Capella s. Hattemer 3, 301
c; das pferd ist wol gezeichnet,
optimis, elegantibus notis praeditus est equus Stieler 2611;
vgl. eine jener so überaus schön gezeichneten kreuzspinnen Detlev v. Liliencron (
aus marsch u. geest) 2, 117;
vgl. rôter hervane, gezeichnet nâch dem heil. crûce
altdtsch. predigten 71
Roth; in der kreuzung mit dem begriffe des symbols, der stellvertretung wendet sich gerade dieser gebrauch der neuen bedeutung von zeichnen
zu: seht ir dort daʒ lembelîn, gezeichent in dem vanen lieht? wir mugen in gestrîten nieht. Seifried Helbling 7, 1061
Seemüller s. 272; dar an si got hât nâch ime selben gezeichenet unde gebildet
myst. 2, 211
u. a. 1@c@a@2@bb))
in älteren zeugnissen scheint diese entwicklung jedoch noch wenig gefördert, sie wendet sich hauptsächlich einem gebrauche zu, der später von compositis wie einzeichnen, aufzeichnen
übernommen wird: in Actibus dem buche stet gezeichen Gotis wort daʒ er zu Ananya dort sprach lieblichen ane haʒ.
poet. bearb. d. buchs Daniel 2253
Hübner; der wart gemacht zo eime bannerheren ind sin waepen wurden verbessert as hernae gezeichet steit
Koelhoffsche chron. s. dtsch. städtechron. 13, 325. 1@c@a@33))
für übertragungen und verallgemeinerungen des begriffs des symbols leistet die participialform dem eindringenden bezeichnet
um so weniger widerstand je ferner sie von der gruppe der beglaubigungsformen rücken: an demo tagedinge ist kezeichenet daʒ zît dero ûfwertigun burg diû danne chumftig ist Notker
psalm 147, 1
s. Hattemer 2, 495;
vgl. auch (44, 8) 2, 158; (291
b) 2, 98.
dagegen vgl.: daʒ sint die vogel ... bi den sint bezaichent die hailgen engel
sog. St. Georgener prediger 47, 21; doch ist da bi bezeichent jar zale die da reichent.
poet. bearb. d. buchs Daniel 6515
Hübner u. a. 1@c@bβ)
die beziehung auf einen persönlichen träger läszt das particip an den eben besprochenen entwicklungsformen zwar auch antheil nehmen, doch fällt das hauptgewicht auf sonderprägungen, die nur an ihr ergiebig werden. 1@c@b@11))
abstracte verwendungen, wie sie jetzt von bezeichnen
ganz übernommen sind, finden sich in der alten übersetzerprosa auch für gezeichnet,
ohne unmittelbare anlehnung an lat. vorbilder: firnim dhanne dhazs dhar ist Christ chizeihnit (
intellige Christum) Isidor 3, 2
Hench s. 6; fone helfentpeîninen hiuseren. daʒ chit fone sanctis virginibus ... die ... mit helfent peîne gezeichenet werdent Notker
zu psalm 44, 9
s. Hattemer 2, 159;
das gleiche 161. 291.
dagegen vgl. schon: mit cedar sint filii tenebrarum bezeîchenet Williram
hohes lied 9, 6
Seemüller; desgl. 52, 38; 93, 4; 94, 6. 8.
in einem falle (104)
hat die handschrift A
noch gezeichenet 1@c@b@22))
nachhaltige entwicklung geht hier jedoch von der sinnlichen verwendung aus: Jacobes zwelf sün, ze lob sint sie ûʒ erweltiu kint: islîchem zwelf tûsent sint gezeichent in daʒ himelrîch von sîm geslehte saeliclîch. Seifried Helbling 7, 871
Seemüller s. 266;
desgl. Elisab. 4320. 4677
u. a. dazu vgl. mit wechsel der präfixe je nach der verbalform: gottes knechte zeichen ... recht an irn stirnen vorne bezeichenen des gelouben des sie niemant kan berouben. unde ich horte in Gotes sale der gezeicheneten zale; der waren hundert tusent. Heinrich v. Hesler
apokalypse 12493
Helm. vereinzelt ist hier vielleicht auch ein sächlicher träger zu beobachten: diʒ brot waʒ gezechent in manna daʒ aller hande smachen und suʒʒicheit hatte
altdeutsche predigten 1, 24
Schönbach; doch vgl.: engelo brôt aʒ mennisco ... er âʒ manna daʒ Christum bezêichenet Notker
zu psalm 77, 25 (
Hattemer 2, 275).
die verbreitung solcher verwendung des particips und ihr fortleben bis in die neueste zeit beruht jedoch weniger in der wendung zum guten als in der zum bösen, und diese gebrauchsrichtung ist über das engere deutsche gebiet hinaus nachzuweisen; vgl. altes teikent
für verhext (
im besondern von unfruchtbaren kühen)
s. Lessiak
zsch. d. a. 53, 146.
für den deutschen gebrauch einige litterarische anhaltspunkte: also sölt man sollichen gesellen ach zaichen anhencken (
var.: alsower ach gut, dasz ein ieder zeichnet wer) Nic. Thoman
Weiszenhorner historie 137
Baumann; gezeichneten vom hencker nicht zu trawen
register zu theil 3 (Weidners
nachtrag)
von Zinkgräfs
apophtegm.: ist er an der stirn unnd auff dem rücken gebrandmarckt, des ... sie jhm jr gelt nicht solten vertrawt haben
s. 76;
vgl.: zeichnet als mit eim brenneisen Cholinus-Frisius (1540) 187
c u. a. (
s. sp. 6927); menschen, die von natur verunstaltet sind, gelten fast allgemein als 'von gott gezeichnet', also dass man sich vor ihrer bosheit zu hüten hat so besonders bucklige und rothhaarige A. Wuttke
der deutsche volksaberglaube3 218;
vgl.: verflucht sei, wer die hand für ihn hebt, er ist gezeichnet und verdammt; weicht zurück ihr christenleute Gustav Freytag (
brüder v. deutschen hause 12) 10, 312; er begegnete einst einer frau, unverkennbar gezeichnet von dürftigkeit, gram und mangel Matthisson (
er. 2) 3, 138.
diese bedeutung macht die wendung verständlich, mit der Wieland
das wortspiel in Falstaffs recrutierungsscene ('
prick him'! '
I was pricked well enough'
Heinrich IV 2, II, 4)
wiedergiebt: 'zeichnet ihn auf'! 'ich bin gezeichnet genug'
Shakespeare 5, 345;
vgl.: 'streicht ihn an'! 'damit macht ihr mir einen strich durch die rechnung' A. W. v. Schlegel. 1@c@b@2@aa))
attributive verbindungen lassen sich hier weniger nachweisen: wenn ihr ihn für nichts besseres achtet, als einen vollkommenen landfahrer und von gott gezeichneten strolchen Paul Heyse (
Siechentrost) II, 6, 254.
sie nehmen auch die richtung auf unpersönliche träger: ich ging durch ihre mitte, mit leeren händen und gezeichneter stirne und — weinte bitterlich Heinrich Lilienfein
Modernus2 s. 207;
vgl. auch: wer sollte es diesem menschen, der selbst im wahnsinn eine so friedliche und ungezeichnete stirn behalten hat, zutrauen, dass seine hände einst von blut trieften Arndt
reisen 4, 288; jetzt steht dieser altar unter einer rosette, die seltsame bunte lichter über diesen vom verhängnisz gezeichneten raum ausstreut Mundt
Paris unter Louis Napoleon 1, 229. 1@c@b@2@bb))
dagegen zweigen hier früh formen der substantivierung ab; vgl. auszer Hesler
apokalypse 11494
und Weidner
zu Zinkgräf: daher das sprichwort entsprungen, man solle vor den gezeichneten sich hüten Kirchhof
wendunmuth (2, 212)
s. 259
Österley; so sagt man auch im gemeinen sprichwort, man soll sich vor den gezeichneten hüten
Simplicissimus satyr. pilgram 3 (1713) 42; vor den gezeichneten musz man sich in acht nehmen,
il faut se garder des gens marqués au B. i. e. des borgnes, bossus, boiteux nouveau dict. allemand-franc. (
Strasbourg 1762) 1,
s. 1119; halb aus mitleid, halb aus schadenfreude bemerkte fast jeder, wenn von ihm die rede war, es sei eben doch eine 'gezeichnete', denn es hatte den kurzen fuss von der mutter geerbt. mit dem ausdruck 'gezeichnet' verbindet sich ein schlimmer nebenbegriff; man nennt die roten, buckligen, einäugigen, hinkenden so und will damit sagen, dass gott sie gezeichnet habe, weil sie gewöhnlich gefährliche und ungutmütige menschen seien Auerbach (
Vefele) dorfgesch. 1, 42; da wendet er sich ... an persönlichkeiten, welche um solcher geheimen künste willen im rufe stehen. das ist eine nachtseite im gemüthsleben des volkes, dass diese 'gezeichneten' häufiger als vermittler der rache denn der liebe verwendet werden
volkssitte der Oberpfalz s. Bavaria 2, 272; kann ihm ... anstatt des verscherzten geraden rückens der krumme des gezeichneten aufgeladen werden, den der volksmund so unhöflich commentiert Hebbel (
Shakespeares zeitgenossen und ihr werk 3) 12, 292
Werner; durch eine wundersame gewalt haben sich das weisz und rot (
der schminke) ... in mein gesicht eingegraben, dass ich sie nun nicht mehr wegzuwaschen vermag und als eine von gott gezeichnete bis an meines lebens ende herumgehen muss Paul Heyse (
mönch v. Montaudon) II, 5, 221. 22)
die wörterbücher lassen der participialform lange noch besondere beachtung zukommen und legen das hauptgewicht auf die eben besprochenen älteren verwendungen. mit dem 18.
jahrh. tritt das particip aber in den rahmen des verbums zurück, und hier drängen sich dessen neue gebrauchsformen vor, vgl. gezeichnet,
signatus, notatus ... ungezeichnet
non notatus Steinbach 1077; zeichnen,
notare signare ... etwas unrechtes ... zeichnen, reissen, bilder abzeichnen,
delineare ... Frisch 2, 468
b. 2@aa)
signatus, gesiglet, gezeichnet Cholinus-Frisius (1540) 797
a;
signatus, gesiglet, gezeichnet, verbitschiert Dasypodius
lat.-deutsch. theil L l 2
a;
insignitus gezeichnet
ebenda; vgl. ungezeichnet
deutsch-lat. theil T 1
b. 2@a@aα) gezeichnet
insignitus, signatus Maaler 181
a;
desgl. Henisch 1611; A. Reyer
g 4
a;
vgl. G.
M. König
gazoph. lat. 326; 601; 761; gezeichnet
marqué, notatus, signatus Duez
dict. germ. lat. B b 4
b; gezeichnet oder marckiert,
lat. signatus
franz. marqué, wird von dingen gesagt, die mit einem gewissen zeichen bedruckt und dadurch von andern unterschieden werden Chomel 4, 1071; gezeichnet, bezeichnet peteekent, geteekent Kramer 97;
insignis ... mit einem zeichen von anderen underscheiden gezeichneter Cholinus-Frisius (1540) 469
a;
ähnl. Maaler 181
c (
s. auch oben sp. 6926);
stigmatus ... mit einem brantmal, gezeichnet, verlümbdet 812
a; gezeichnet ...
stigmatus Kirsch 2, 152;
desgl. Matth.; von der natur gezeichnet,
qui a un défaut de la nature Schwan 1 (1783), 751
b;
vgl. auch gezeichnet sein,
faenum habere in cornu Kirsch;
desgl. Matth. 2@a@bβ) gezeichnet eisen Chomel 4, 1071. 2@bb)
compunctus gezeichnet G.
M. König
gazoph. lat. 238; gezeichnet,
marque ... it. gezeichnet, entworfen,
dessiné Schwan 1 (1783), 751
b;
vgl.(
s. o.) Frisch. 33)
der neuere hauptgebrauch des particips ist —
wie oben dargelegt —
in der älteren sprache schon vorbereitet, aber wenig entwickelt; vgl. dagegen: massen hiervon ... die meiste von seiner eigenen hand aufs allervollkommenste gezeichnete modelle annoch zu ersehen geben, was dieser für ein ungemeiner meister gewest Joach. v. Sandrart
teutsche academie 2, 3, 69
a (1679); dasz die zeichenkunst, als die bei den alten reissen genandt war, die rechte und einige mutter und nährerin unserer dreier künsten ist
einl.; vgl. dessigner ... ab reissen, einen entwurff, abreisz machen,
delineare, nouveau dict. (1683) 512. 3@aa)
weniger bemerkenswerthes zeigen die nächstliegenden attributiven verbindungen: 3@a@aα) Albrecht Flamen, von welchem man gar wohl gezeichnete vögel in sauberen kupferstichen hat J.
F. Christen
anzeige und auslegung der monogrammat. (1747) 77; mit einem drein gezeichneten R. 72; ein gotthisches A ... ist erstlich zu sehen auf gar alten sehr wohl gezeichneten titullblättern in holtzschnitt 16; inzwischen waren wir beim letzten der gezeichneten blätter angelangt, auf welche noch einige leere folgten G. Keller (
grüner Heinrich 2, 11) 3, 154; ein seltsam gezeichnetes kärtchen von Deutschland Mörike (
maler Nolten 1) 4, 59
Krausz u. a. 3@a@bβ) den schwarzen see, die auf den bleichen himmel gezeichneten silhouetten der berge H. Hesse
Peter Camenzind s. 83. 3@a@gγ)
am häufigsten ist hier die beziehung auf menschliche gesichtszüge beobachtet, bei der sich der gegensatz zwischen neuerer und älterer (
s. o.)
gebrauchsrichtung des particips sowohl in dem, was beide trennt, als auch in den übergangspunkten vom einen zum andern anschaulich fassen läszt: ein junger mann mit dem richtigst gezeichneten angesichte, was ich je sah Stifter
studien (feldblumen) 2, 83
Sauer; braune, wohlgeöffnete augen und sehr gut gezeichnete augenbraunen bei den weibern; dagegen blonde und breite augenbraunen bei den männern Göthe
ital. reise (8. 9. 1786) 27, 24; mit ... scharf und in leichten bogen gezeichneten brauen
briefe von und an Herwegh
s. 59; zwischen den scharf gezeichneten augenbrauen stand eine leise falte Paul Heyse (
rächerin) 2, 14, 109;
desgl. (gerade gez. augenbr.) 2, 17, 19; es fehle ihr (
der nase) ... an einem plastisch scharf gezeichneten rücken (
die beiden schwestern) 2, 3, 10; und mit seinem durch einen hammerstreich gezeichneten mund, dem spitze, schiefgestellte zähne etwas kleinwenig wölfisches geben, hat er ihr gesagt E. v. Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria 1
4, 295; auf dem schwungvoll gezeichneten halse
F. Th. Vischer
auch einer 1, 253. 3@bb)
beim übertragenen gebrauch verwischen sich gelegentlich die abgrenzungsmerkmale zwischen älteren und neueren wendungen: 3@b@aα) der fürst in einem venetianischen mantel in seiner loge, begierde und hoffnung in seinen augen gezeichnet, klatschte fröhlich die hände zusammen Sophie von La Roche
gesch. d. frl. v. Sternheim 175
neudr.; hier ist das wort 'feuriger' ein wort, welches schon an und für sich mehr einen gezeichneten ausdruck fordert Göthe (
theater und schauspielkunst) 40, 149
Weimar. 3@b@bβ)
anders: auch Zarinens antrag ... ihr zu geben, was liebe wünscht, möcht mancher zu frech gezeichnet ... finden Gerstenberg (
über Dusch, Aedon u. Themire)
s. litt. denkm. 128, 133; Seelust, einen landsitz ... wovon Hirschfelds theorie der gartenkunst eine treu und wahr gezeichnete schilderung lieferte Matthisson (
er. 2) 3, 216. 3@cc)
als vereinzeltes zeugnisz für die substantivierung vgl.: ihr sollt auch dann wieder was gezeichnetes sehn Göthe
br. 2, 56.