Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gesten swV.
2 ‘sich feindlich verhalten’ (zu gast 2 ‘Feind’ )
3 ‘sich (auf einen Besuch, ein Fest o.ä.) vorbereiten’ (teils mit gegen, ûf ; zu gast 3 ‘Hausgast, Besucher’ )
4 ‘schmücken, ausstatten (mit etw.)’
4.1 refl. (teils mit gegen, ûf, ze )
4.2 tr.
4.3 als Part.-Adj.
5 ‘rühmen, preisen’ (teils mit Gen.d.S.)
5.1 tr.
5.2 refl.
6 refl. ‘sich freuen, erfreuen’ (mit Gen.d.S.)
7 ‘vergleichend beigesellen, messen’
1 ‘jmdn./ sich zum Fremden machen, Abstand nehmen’ (mit ane oder Gen.d.S.; zu gast 1 ‘Fremder’): die sich helent under in, / sît daz si sich enbârent [nachdem sie einander ihre Gefühle offenbart haben] / und danne ir schame vârent / und gestent sich an liebe, / die sint ir selber diebe Tr 12383; ich kan mich freuden gesten / und sorge, die mich nit verbirt MinneR503 220 2 ‘sich feindlich verhalten’ (zu gast 2 ‘Feind’): ze jungist tribent sis daran / baidenthalp ir baide man / das si sich ze allen stunden / gasten, swa si kunden, / uf an ander gastecliche ze aller zit / in allen wis en widerstrit RvEWh 290. – mit Dat. ‘sich jmdm. feindlich zuwenden’ vurbaz wirt er sich gesten / den werdirn [Inseln, Dn 11,18 ] in dem mere Daniel 7026 3 ‘sich (auf einen Besuch, ein Fest o.ä.) vorbereiten’ (teils mit gegen, ûf; zu gast 3 ‘Hausgast, Besucher’): waͮ ain waibel benahtet by ainem armen man, da sol sich der arm man nützit vff jn gesten, er sol im des geben, sô er hât ze ezzen und ze trinken ungevaͮrlich WeistGr 4,497 (wohl a. 1315); si [die Artusritter] tâten daz der künec gebôt. / er muoste sîn an fröiden tôt, / swer sich niht gaste dar gegen [Hoffest Lanzelets] . / [...] / von allen landen wîte / kam volc ze der hôchgezîte UvZLanz 8951. 9134; alle die des wâren wert / die bat ich durch den willen mîn / alle gelîche bî mir sîn. / die gelobten ez gemeine gar / und gasten sich mit vlîze dar RvEGer 3434. 3420; RvEWh 5585 u.ö. – übertr.: man sol sich gen dem tage gesten / swâ liep bî liebe tougen lît: / ich sihe in durch diu wolken glesten KLD:BvL 2:1,1 4 ‘schmücken, ausstatten (mit etw.)’ 4.1 refl. (teils mit gegen, ûf, ze): sist ein wunneberndez bilde, / sô si sich mit bluomen gestet: / swer si siht, demst trûren wilde KLD:BvH 11: 5,3; [da] warent [...] / der aventúre vroͮwan komen / hainlich an hainlich gemach, / da man si sich engesten sach / ir raiseclaiden und da si sich / mit richen claiden wunneclich / ze hoͮf gesten woldent RvEWh 13257. 13265; gegen im [den Geliebten] müezet ir iuch gesten / mit allen iuren sachen LvRegSyon 3818; si sich gelich / wappen kostlich wolten. / [...] / so ieder man sich gast / uf den andern vast, / wie er daz best braht, / so daz man sin gedaht / vor andern sinen genozzen WhvÖst 17431; SHort 757; KvWTroj 4181; WolfdD 875,2. – übertr. auf das Wiedererwachen der Natur im Frühling: willekomen sî diu zît / vil wünneclich, / diu mit gelfen cleiden hât / geziert anger unde plân! / heide in liehter varwe lît; / si gestet sich / mit rîlicher sumerwât KvWLd 22,6; mit grüenem loube stêt der walt / bekleidet wol, / recht als er sol / gên der wunne gesten sich, / in manger hande varwe rîch SM:Tu 6: 1,12 4.2 tr.: du sælden keiserinne, / din crone luter glestet, / got der hat dich gegestet / mit einem liehten cranze: / zwelf sternen mit ir glanze / din houbet zierent schone KvWGS 1833; KvWTroj 1187; die sternen spehe / die so schone glestent / und den himel gestent Martina 112,96; da von du dich zuͦ got habe! / mit im din hertz geste! / er ist der aller beste SHort 2351. 6974; mit fröden ward geziertt / vil menig hoch edel wib, / die hayden gasten och iren lib GTroj 908. 13676. – mit Ersparung des Obj.: ob allen tugenden hôhe treit / vro Triuwe die krône: si ist daz alre beste kleit, / daz man an sich gesnîden kan, si gestet wol vor aller edelen wæte SM:JvR 1:1,3. – mit worten ~ ‘schmücken’ im Übergang zu 5 ‘rühmen, preisen’ sprich frou ‘est der wille mîn, / kanstu mich mit worten gesten.’ / für die schœnsten und die besten / lobe ich dich KLD:BvH 17: 2,8 4.3 als Part.-Adj.: ouch het Helêne ir bestiu cleit / des mâles an ir lîp geleit / und was gezieret alsô wol, / daz man gesehen niemer sol / ein wîp, diu baz gegestet sî KvWTroj 23029 u.ö.; nû ist sumer so wol gegest, daz er êre hât SM:Had 19: 1,1; nû liezen sich hie schouwen / mit süezer minneclîcher schar / von der stat die herren gar, / mit solher rîcheit gegast / daz in nihtes gebrast / an rîcher gastunge dort RvEGer 5733; darzuͦ ist si [die Stadt Basel] gevestit, / gewehit und gegestet / mit maneger burc vil schone RvEWchr 2269; RvEWh 3487 u.ö.; wan ez [das Götzenbild] ist gegestet / uon edilem gesteine Martina 156,34; zer predien gan / gegestet als an ainen tantz SHort 5267; GTroj 2937; UvZLanz 601 5 ‘rühmen, preisen’ (teils mit Gen.d.S.) 5.1 tr.: da von [wegen ihrer Pflege des Knaben Paris] man daz raine wib [die Hirtin Lixa] / sol gesten und rümen, / mitt zartten wortten blümen / umb ir rechten wibhaitt GTroj 1429. 2459; ze stade kâmen si zehant / und stiezen an des meres sant / vor einer schœner veste, / die prîse ich unde geste / vor manger hôher werden stift [Bau] KvWTroj 7230; KvWEngelh 5237; ich wil die burg des gesten / daz man mit kainen dingen / besitzent noch betwingen / si mag SHort 6450. 6803; kan ich [der Dichter] die wol gegesten / die mir diu schrift vor bestet / und zuo den besten gestet RvEAlex 100; HBirne 10; Virg 222,9. – man hôrte manic zungen / sîn lop in wirde gesten / man zalt in für den besten Reinfr 2051; man hôrt sîn êre gesten / wît in allen landen ebd. 4352 5.2 refl.: mitt rechter helffe usserlessen / bin ich dir, kaysser, ie gewessen / nach by den besten, / des mag ich wol mich gesten GTroj 23188; got ist ain, ainig, ewig, guͦt, / [...] / si [die Seele] sol sich gesten siner namen SHort 1466; ob sî [die Wörter Ja und Nein] ein ander niht mit valsche dringent ûz ir veste, / daz sich daz ein des andern überstrîtes iemer geste, / sô mac in beiden wonen bî / gewaltes kraft an wîte und an der enge KLD: WvBreis 1:7,6. 1:5,4; Boppe 1:9,15 6 refl. ‘sich freuen, erfreuen’ (mit Gen.d.S.): Paulus, da bi alle / junger gar mit schalle / gasten sich der wünniklichen mære [Christi Auferstehung] AveMaria10 19; ûf esten gestent sich nit mê / vogellîn als ê SM:AvR 2: 1,1. 3:1,9; do wart ich alles laides vri / und lie das ungemuͤte nider / und wuͦhs in hohem muͦte sider / und gaste in minem herzen mich / der saͤlden das dú saͤld an dich / nach wunsche in richer werdekait / hat aller saͤlde vlis an dich gelait RvEWh 7583; ich [ Dietherich ] wais kaines [Schwertes] me so guͦt. / [...] / davon so gestet sich min muͦt, / swie [obgleich] ich es hab mit laide / gewunnen EckenlE2 222,9; war umbe húget manige sele abe dir [verlangt nach Dir] , war umbe gestet sich din [erfreut sich an Dir] maniger muͦt? Seuse 498,27 u.ö. 7 ‘vergleichend beigesellen, messen’ – refl. mit gegen: ich hân gehabet êr unde guot, / ich truoc sô hôhe ie mînen muot, / daz sich mit lobe die besten / gên mir ie muosten gesten RvEBarl 8626; hierher?: liehter varwe kan si glesten, / daz ir minneclîcher lîp / schaffet daz sich müezen gesten [Hs. muos engesten ] / gein ir schœne alliu wîp KLD:BvH 4: 1,7. – tr. mit ze: gewære, milte und kiusche / was er mit keiserlîcher tugent / in daz alter von der jugent / alsô lobelîchen komen / daz er ie was ûz genomen, / swâ man an lob die besten / ze den besten solte gesten RvEGer 98; die studen [den brennenden, aber unversehrten Dornbusch] [...] sol man, vrouwe, gesten / zuo dime magetuome KvWGS 456; si [Maria] worchte was sú wolte, / inallerhande wise / mit loblichem prise, / das man ir werk zembesten / mocht allenthalben gesten WernhMl 5516
MWB 2 596,42; Bearbeiter: Richter