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gesellig

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GWB
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Eintrag · Goethe-Wörterbuch

gesellig

Bd. 4, Sp. 67
geselligvereinzelt: synkopierte Formen (zB ‘gesell’ger’ GWBFaust II 9097), attr unflekt (s Pkt 1c), Großschr (s Pkt 4b). Mehrf subst (s Pkt 4). Häufung der Belege in autobiogr Schr, allein in ‘Dichtung u Wahrheit’ u ‘Tag- u Jahreshefte’ fast ein Fünftel von rund 430. Angelegt als spezifisch menschliche Eigenschaft (Pkt 2a), erscheint ‘gesellig’ (u ‘Geselligkeit’, sd) bes in drei Richtungen entwickelt: als sozialethischer u -ästhetischer Begriff entspr den Geselligkeitskonzepten der Zeit (Reflexe bes in Pkt 2c), als Moment des Kooperativen u Kommunikativen entspr der Sozietätsbewegung des 18. Jh (aber auch anschließend an ‘Geselle’ 2), vor allem aber - wohl unter Herders Einfluß - als Ferment der Bildung u Kultur (Pkt 4). Der Bedeutungsradius von ‘gesellig’ umfaßt den der aufkommenden Konkurrenten ‘gesellschaftlich’ u ‘sozial’ (ca 70 bzw 30 Belege) noch fast vollständig (s Pkt 5).  1 mit einem od mehreren zusammen, in Gesellschaft mit anderen, gemeinsam   a das Pluralische, das Miteinander akzentuierend; meist adv; mehrf in ausdrücklichem Gegensatz zu ‘allein, einsam, einzeln’  α bezogen auf Menschen, auch allegor Figuren  [Hoffnung, gekettet, wie Furcht:] Werden wir in heitern Tagen, | Ganz nach unserm eignen Willen, | Bald g., bald alleine | Frei durch schöne Fluren wandeln GWBFaust II 5432  ich fand darunter [unter den Gedichten des ‘Divan’] nichts Singbares, besonders für die Liedertafel wofür doch eigentlich zu sorgen ist. Denn was nicht g. gesungen werden kann, ist wirklich kein Gesang, wie ein Monolog kein Drama GWBB25,330,12 Zelter [17.5.15]  berathen Sie Sich mit Hofr. Vogel neben Huschke; die Ärtzte gewöhnen sich jetzt wechselsweise g. consultirt zu werden GWBB44,97,3 Meyer 16.5.28 GWBFaust II 7379 GWB3,95 Urworte 11 personifizierend bezogen auf ein dekoratives Ensemble  [Epimetheus:] Mir blickt’ es [Pandoras Diadem] nur g. aus dem Kranz hervor | Aufblühnder Blumen GWBPand 615  β mit erot Nuance; auch iSv paarweise  Das eilige jüngste Paar, Knabe und Mädchen, so jung und schon g. umschlungen, läuft .. voraus GWB491,372,7 Üb:Zeichngn zuCharon [G/ Meyer]1) GWB14,242 Zu Faust I Zwei Teufelchen 18 GWB16,193 Maskenz Aufz dWinters 64  γ bezogen auf Tiere (bzw ihre Tätigkeit) u Pflanzen, iSv scharen-, gruppenweise  Nun wiegt sich der Raben | G-er Flug GWB1,89 Was zieht 10 GWBFaust II 9097 GWB251,110,11 Wj III 5   b gemeinschaftlich (wirkend), kooperativ, zuarbeitend  α im Hinblick auf (gleichgerichtete) Tätigkeiten bes im wiss u künstlerisch-literar Bereich  Persönliche Bekanntschaft und ein wechselseitiger Versuch, g. zu arbeiten, ist wohl der schönste Zweck der Versammlung [‘Versammlung der Naturforscher und Ärzte’] GWBB44,353,8 Nees [2.4.28] K  wenigstens kann der geringere Mahler immer für sich operiren, anstatt daß der mindere Musiker sich mit andern sociiren muß, um durch g-e Leistung einigen Effect zu thun GWB48,194,17 MuR(491)  wie Riemer, von seiner Seite, durch g-e Berichtigung, Reinigung, Revision und Abschluß der Manuscripte, so wie der Druckbogen mir Arbeit und Leben erleichtert GWBB48,42,18 Zelter 14.12.30  [Fertigstellung eines Gebäudes] das zuletzt Sticker und Wirker als behagliche Wohnung zu vollenden g. bemüht sind GWB492,128,1 Anz:Vorbilder fFabrikant uHandwerker GWB22,23,6 Lj IV 2 GWB411,90, 10 ÜbFestspIffland GWB20,36,3 Wv I 3  β von Formen dialogischer Kommunikation iSv wechselseitig, interpersonal  Gewöhnt am liebsten seine Zeit in Gesellschaft zuzubringen, verwandelte er [G] auch das einsame Denken zur g-en Unterhaltung [mit einer vorgestellten Person, in Analogie zum Briefwechsel] GWB28,207,12 DuW 13 GWB36,218,23 TuJ 1822 ‘g-e Unterhaltung in die Ferne’ für briefl Verständigung GWBB42,32,4 Streckfuß 23.1.27 K in konversationskritischem Zshg  Man merke nur auf ein g-es Gespräch! Gelangt das Wort nicht schon todt zu dem Hörer, so ermordet er [der Hörer] es alsogleich durch Widerspruch, Bestimmen, Bedingen, Ablenken, Abspringen, und wie die tausendfältigen Unarten des Unterhaltens auch heißen mögen GWB422,224,6 MuR(891)   c bezogen auf (relativ) feste, organisierte Bünde, Vereinigungen, Zirkel (bzw das Leben, Wirken darin), einmal auf einen geschäftlichen Zusammenschluß  [Saal der frommen Bruderschaft] Man fühlte hier der Andacht sich ergeben, | Und Lebensruh und ein g. Leben GWB16,181 Geheimnisse 272  [Teegesellschaften] Bey Frau Hofrath Schopenhauer sind der Donnerstag und der Sonntag jeder auf seine Art interessant .. in kurzem wird unser g-es Wesen eine Art von Kunstform kriegen GWBB20,224,4 Knebel 25.11.082) GWBB47,124,24 Boisserée 3.7.30 GWB251,103,20 Wj III 4 GWB23,237,17 Lj VIII 7   2 als menschl Eigenschaft u Verhaltensweise: die Gemeinschaft, den Umgang, Verkehr, Austausch mit anderen suchend u pflegend   a als Spezifikum des Menschen sowie analog best Tierarten  Der Mensch ist ein g-es, gesprächiges Wesen; seine Lust ist groß, wenn er Fähigkeiten ausübt, die ihm gegeben sind, und wenn auch weiter nichts dabei herauskäme GWB24,113,18 Wj I 6  wie der g. geborne Mensch sich öfters den süßen Trug vorbilden kann als lebe er besser, bequemer, froher in der Abgesondertheit GWB36,336,20 Zu brüderlAndenkWielands 1813  [‘Philosophie de l’univers’ v Dupont de Nemours] Enthält zwar anthropomorphistische aber artige Bemerkungen über das g-e Leben der Thiere, der Wölfe, Füchse, Hunde — der Bienen, Ameisen GWBTgb 9.6.07 GWBN7,296 InfusTiere   b (menschen)freundlich, entgegenkommend, umgänglich, aufgeschlossen, kommunikativ; in Kennzeichnung von Naturell, Lebensart, Betragen bestimmter Personen od Figuren (auch in speziellen Funktionen, Rollen), Gruppen, Kreise, Nationen (bes der Franzosen); auch als Ergebnis von Erziehung u Bildung; mehrf idVbdg ‘g. und gefällig’, neben ‘frei(mütig), freundlich, tätig, gesprächig, angenehm’ ua; gelegentl iSv gewandt, sicher im Auftreten  Kraus, Director unserer Zeichenschule, vielleicht der heiterste Mann, immer gleich, immer g. und gefällig GWB36,389,7 TuJ 1807 Plp  [Wieland] Nach seiner Genesung g. wie vorher, nahm er Theil an den herkömmlichen Unterhaltungen des umgänglichen Hof- und Stadtlebens GWB36,342,27 Zu brüderlAndenkWielands 1813  er [Schelling] scheint, als Führer von ein paar jungen Edelleuten selbst gefälliger und g-er geworden zu seyn als diejenigen zu seyn pflegen die sich, in der Einsamkeit, aus Büchern und durch eigenes Nachdenken, cultiviren GWBB13,189,10 Voigt [20.6.98]  dabei war er [der Arzt] äußerst g. und thätig, und hatte .. eine besondere Neigung, mit allen Landgeistlichen Freundschaft zu stiften. Jedem, an dem er eine nützliche Beschäftigung kannte, suchte er .. beizustehen GWB22,242,14 Lj V 16  Bei der g-en Natur der Franzosen mußten die Frauen bald ein großes Übergewicht in der Societät erhalten, indem sie .. durch einen gewissen allgemeinen Ton des Anstandes und der Duldung einer Zusammenkunft von bedeutenden Menschen Haltung und Dauer zu geben wissen GWB45,213,11 RamNeffeAnm GWB35,123,9 TuJ 1802 GWB52,140,16 ThS V 7 GWB21,158,22 Lj II 4 GWB27,258,23 DuW 9 in Vbdgn wie ‘g-e Eigenschaften, Talente, g-es Betragen’; auch bezogen auf innere Bedürfnisse, Antriebe: ‘g-er Sinn, g-e Regungen, Wünsche’ ua  Durchlaucht der Herzog schätzen ihn [FSVoigt] sehr .. Was dieses alles außer den wissenschaftlichen auch noch für sittliche und g-e Eigenschaften voraussetze werden Sie selbst ermessen GWBB24,330 JFHSchlosser 15.10.13 K  Ich besuchte .. ihre [der herrnhutischen Gemeinde] Versammlungen, und bei meinem g-en Sinn war es mir unendlich angenehm, das von andern zu vernehmen und andern mitzutheilen, was ich nur bisher in und mit mir selbst ausgearbeitet hatte GWB22,324,19 Lj VI SchöneSeele GWB36,345,5 Zu brüderlAndenkWielands 1813 GWBB43,227,13 Marianne 3.1.28 GWBB4,175,21 JFFritsch [13.2.80 Korr B30,255] als situativ gesteuerte Verhaltensweise; adv in Vbdgn wie ‘sich g. benehmen, zeigen, unterhalten, (eine Zeit) g. zubringen’  ich wußte daß ich [G] in einen frommen sittlichen Kreis [um die Fürstin Gallitzin] hereintrat und betrug mich darnach. Von jener Seite benahm man sich g., klug und nicht beschränkend GWB33,230,12 Camp  auch gedencke mich diesen Winter nach Euern Wünschen einzurichten, um ihn bequemer, g-er und hoffentlich besser als den vorigen zuzubringen GWBB29,273,2 August 28.8.18 Tasso 1803 GWB251,170,2 Wj III 8 bezogen auf personifizierte Natur  Nach der Ebne dringt sein Lauf | .. Bäche schmiegen | Sich g. an [Sich gefällig an Var; Sich gesellschaftlich an ihn weitere Var] GWB2,54 Mahomets Gesang 29   c als werthaltiger (sozialethischer) Begriff; bes in Reflexion elementarer Voraussetzungen, Verhaltensregeln u Zwecke (Vertrauen, Toleranz, Solidarität, gegenseitige Förderung ua); mehrf ‘g-e Pflicht(en), Tugenden’  [Ansprache des Freundes in ‘munterer Gesellschaft’:] wenn nun gleich die lieben Gepaarten hier die Mehrzahl ausmachen, so gebe ich ihnen doch zu bedenken, ob es nicht eben g-e Pflicht sei, für alle zu sorgen? Warum vereinigen wir uns zahlreich, als um an einander wechselseitig Theil zu nehmen? .. Er fuhr darauf immer lebhafter und lustiger fort, die g-en Tugenden den zärtlichen Empfindungen gegenüberzustellen. “Diese .. können uns niemals fehlen .. jeder wird darin leicht ohne Übung ein Meister; aber jene müssen wir aufsuchen, wir müssen uns um sie bemühen .. ” GWB27,29,19 u 30,2 DuW 6  [die Baronesse:] Aber, Kinder, in Gesellschaft laßt uns nicht vergessen, wie viel wir .. um g. zu sein, von unsern Eigenheiten aufopfern mußten, und daß jeder .. um g. zu sein, wenigstens äußerlich sich wird beherrschen müssen .. Überhaupt .. weiß ich nicht, wie wir geworden sind, wohin auf einmal jede g-e Bildung verschwunden ist. Wie sehr hütete man sich sonst in der Gesellschaft irgend etwas zu berühren, was einem oder dem andern unangenehm sein konnte! GWB18,114,13u15u25 Unterhaltungen  [Antonio zu Leonore:] Verwöhnt ihn [Tasso] nur .. | Laßt seine Selbstigkeit für Liebe gelten, | Beleidigt alle Freunde, die sich euch | Mit treuer Seele widmen .. zerstöret ganz | Den schönen Kreis g-en Vertrauns! Tasso 2109  so sei es uns erlaubt hinzuzufügen, daß es .. dem freien Bürger .. gar wohl anstehe, an sich selbst g-e Tugenden auszubilden GWB341,118,3 KuARheinMain GWB21,205,1 Lj II 11~GWB52,63,5 ThS IV 12 GWBB35,112,4 Auersperg 26.9.21 K GWB7,141,11 DivNot GWB251,285,14 Wj III 15   3 in (größerer) Gesellschaft stattfindend, den menschlichen Umgang fördernd, der Beziehungspflege, dem angenehmen Zeitvertreib dienend, unterhaltsam, vergnüglich   a gemeinsam unternommen, in einem gesellschaftlichen Rahmen veranstaltet  α von Ausflügen, Jagden, Feiern, Festessen usw  die schöne Gegend blieb für eine so muntere Gesellschaft nicht unbenutzt; Wasserfahrten stellte man häufig an, weil diese die g-sten von allen Lustpartien sind GWB27,28,9 DuW 6  Herr [AW] v. Schlegel hat mir von einem anmuthigen g-en Feste zu Godesberg ein freundliches poetisches Zeugniß [Gedicht ‘Zu Goethe’s Geburtsfeier am 28sten August’] übersendet GWBB46,77,11 Adele Schopenhauer 5.9.29  Den ersten Tag gaben meine Kinder ihr [Frau von Wahl] ein g-es Gastmahl, dem Frau Gräfin Henckel, von Frorieps zu vieren und sonst gute Leute beywohnten und wo es .. ganz munter zugegangen ist GWBB46,53,15 Zelter 20.8.29 GWB27,37,1 DuW 6 GWBN6,231,16 PflanzenkultWeim GWBN6,99,24 BotanStudien [1831]  β in zusammenfassenden Ausdrücken wie ‘g-e Zusammenkünfte, Vereine, Lustbarkeiten, Zerstreuungen’  Bis in sein funfzigstes Jahr hatte er [der Handelsmann] sich .. emsig fortbeschäftigt, und ihm war von den g- en Vergnügungen wenig bekannt worden, mit welchen ruhige Bürger ihr Leben zu würzen verstehen GWB18,160,21 Unterhaltungen GWB28,346,17 DuW 15 GWB36,51,3 TuJ 1809  γ in metonym Bezügen von (Tages-, Jahres-)Zeiten u Örtlichkeiten  Überdieß spielte sie [Melusine] herrlich die Laute und sang dazu, und alle g-en Nächte mußten durch ihr Talent gekrönt werden GWB251,146,16 Wj III 6  meine alte Parkspielerei zu geschlängelten Wegen und g-en Räumen GWB35,93,28 TuJ 1801 GWB36,180,17 TuJ 1820 GWBB20,228,16 Cotta [2.12.08] K   b bei gesellschaftlichen Zusammenkünften praktiziert, üblich, zur allgemeinen Ermunterung, Erheiterung bestimmt  α von Spielen, Liedern, Tänzen, musikalischen, theatralischen, literarischen Darbietungen ua; mehrf ‘g-e Scherze’, meist für entsprechende Zweckdichtungen; ‘g-e Unterhaltung’ häufig generalisierend  [Kreis um Friederike] man .. wollte mit g-en Spielen die Stunde des Mittagessens erwarten .. Spiele ohne Pfänder, und Pfänderlösungen ohne Küsse GWB28,14,18 DuW 11  [AW] Schlegels Sonette und dessen Bund der Kirche mit den Künsten .. Sie wurden als Muster zu g-en, ja leidenschaftlichen Recitationen und Declamationen hervorgehoben GWB36,388,7 TuJ 1807 Plp  Das Chaos, Wochenblatt, Manuscript für Freunde. G-e Scherze einer geistreichen weimarischen Gesellschaft, wie aus dem Inhalt .. zu ersehen ist GWBB47,103,10 Carlyle 14.6.30  Professor von Seelus. Erklärte mir seine Art Blätter zu skelettiren und andere Kunststücke zu g-er technischer Unterhaltung GWBTgb 19.7.31  [Plan eines Bades in Berka] G-e Unterhaltung a) Musik. b) Hazardspiel?? GWBN13,324,18 SchwefelwasserBerka Schema 13.11.12 GWB29,161,3 DuW 19 GWB47,301,18 ÜbDilettantism Schema 1799 [G/Schiller] GWBB26,106,15 Knebel 21.10.15 GWBB25,151,10 Leonhard 14.1.15 K Beilage ‘G-e Lieder’: Titel einer Gedicht-Gruppe in der Ausg.l.H. GWB1,105 Titel GWB421,109,7 Anz:Ausg.l.H.  β bezogen auf die im Zusammensein, im Miteinander erzeugte Stimmungslage; in Vbdgn wie ‘g-e Freude (n), Erheiterung, g-es Vergnügen’  Auch in größerer Gesellschaft erwies er [HPSchlosser] sich angenehm und unterhaltend .. Er verschmähte nicht .. durch geistreiche lateinische Gedichte die g-en Freuden zu vermehren GWB28,94,3 DuW 12  Mein humoristischer Reisegefährte [FAWolf] erlaubte gern, daß mein vierzehnjähriger Sohn August Theil an dieser Fahrt [nach Helmstedt] nehmen durfte, und dieses gerieth zur besten g-en Erheiterung .. wobei sich denn wohl mitunter die wörtlichen Neckereien in Kitzeln und Balgen zu allgemeiner Heiterkeit .. zu steigern pflegten GWB35,206,11 TuJ 1805   4 das (kultivierte) gesellschaftliche Leben, die soziale Verbundenheit, die (bessere) Gesellschaft betreffend, prägend, ausmachend; häufig in übergreifenden Vbdgn wie ‘g-es Leben, g-e Verhältnisse, Verbindungen, Zustände, Welt’   a zur Kennzeichnung einer spezifischen Qualität od Sphäre des sozialen u geistig-kulturellen Lebens; auch subst ‘das G-e’; in Affinität bes zu ‘sittlich’, abgesetzt gegen ‘ökonomisch, wissenschaftlich, religiös’ ua; in späten autobiogr Äußerungen (Tgb, Br) häufig enger auf das soziokulturelle Umfeld (G-s) bezogen, mehrf iUz ‘häuslich’, einmal ‘g-e Außenwelt’  In einer ansehnlichen Stadt geboren und erzogen, in Städten gebildet, bezog sich meine Thätigkeit auf das G-e, Sittliche und in Gefolg dessen auf das was man damals die schöne Litteratur nannte GWBN13,38,24 Morph Plp  Dem Deutschen fehlt, woran seine Lage Ursache seyn mag, durchaus der Trieb, die Lust, das Bedürfniß, sich im g-en Leben zu bilden, wogegen der Franzos ganz allein von und für die Gesellschaft existirt, daher denn auch was er schriftlich äußert gewiß immer von dem größten Einflusse gekrönt wird GWBB43,367,7 Varnhagen [8.11.27] K  Ottilie, erzählend von den gestrigen Aufführungen bey Schwendlers, von sonstig G-em, dem nächsten Maskenaufzug und dergleichen .. Abends Oberbaudirector Coudray, von Geschäfts- und g-en Zuständen GWBTgb 24.1.30  daß ich an meinen dichterischen und wissenschaftlichen und sonstigen geistigen Arbeiten noch gar manches zu ergänzen .. habe .. auch noch gegen die g-e Außenwelt mich gewissen Verhältnissen nicht ganz entziehen kann GWBB48,55,25 GAChKestner 27.12.30 GWBB21,101,1 Cotta [1.10.09] K GWB33,241,3 Camp GWBB27,380 Frankf Freunde 10.6.16 ‘das g-e Leben’ personifiziert, als Informationsquelle (iUz Zeitungslektüre) GWBB47,43,21 Zelter 29.4.30 ‘Epochen g-er Bildung’: Titel eines vierstufigen Entwurfs zur kulturhistorischen Entfaltung der ‘Kreise gebildeter Menschen’ GWB412,361,1 Epoch gesellgBildg3)   b bezogen auf Personen (kreise)  α die gute, vornehme Gesellschaft darstellend, weltgewandt, tonangebend, hochgestellt; mehrf neben ‘hoch’; vereinzelt Großschr  Die g-en Persönlichkeiten in Karlsbad .. die Herzogin von Kurland .. Frau von der Recke .. bildeten höchst erfreulich eine herkömmliche Mitte der dortigen Zustände GWB36,31,19 TuJ 1808  Sonderung der Charaktere war ein Hauptgrundsatz griechischer bildender Kunst, Vertheilung der Eigenschaften in einem hohen g-en Kreis, er sei göttlich oder menschlich GWB491,81,22 Philostrat  [aus Ilmenau:] Deshalb ich auch schließlich .. mich an Hohen und G-en Orten bestens zu empfehlen bitte GWBB49,52,4 Kanzl Müller 29.8.31 GWB32,54,7 ItR GWBB41,51,4 Blumenbach 3.6.26 K GWB36,14,20 TuJ 1807  β ‘die G-en’ iSv die Kulturbeflissenen, iUz ‘die Andächtigen’ u ‘die frei sich Ergötzenden’ GWBB41,62,15 Klee [17.]6.26 K   5 (gesamt-)gesellschaftlich, sozial, öffentlich, politisch  [Unterhaltung zw G u Riemer] bey Gelegenheit des Paria, über die in jedem g-em Zustande sich bildende Absonderung der auf mannigfaltige Weise beschäftigten Menschen GWBTgb 1.3.24  Subordination und Urbanität sind nothwendige Stützen der öffentlichen g-en Ordnung GWB40,479,4 Monatschr 1794/954)  [Diderot] der, wie Rousseau, von dem g-en Leben einen Ekelbegriff verbreitete, eine stille Einleitung zu jenen ungeheuern Weltveränderungen GWB28,65,3 DuW 11 GWB35,168,26 TuJ 1804 GWBTgb 5.12.07 uö(selten) Georg Objartel G.O.
17151 Zeichen · 183 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gesêllig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gesêllig , -er, -ste, adj. et adv. geneigt mit andern in Verbindung zu leben, zum Umgange, zur Gesellschaft geneigt. Ein…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gesellig

    Goethe-Wörterbuch

    gesellig vereinzelt: synkopierte Formen (zB ‘gesell’ger’ Faust II 9097 ), attr unflekt (s Pkt 1c), Großschr (s Pkt 4b). …

  3. modern
    Dialekt
    gesellig

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    gesellig Band 7, Spalte 730 gesellig 7,730

  4. Sprichwörter
    Gesellig

    Wander (Sprichwörter)

    Gesellig 1. Gesellig ist selig. ( Schweiz. ) – Kirchhofer, 234. 2. Zu viel gesellig sein und gemein bringt Verachtung ei…

  5. Spezial
    gesellig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ge|sel|lig adj. 1 (die Gesellschaft liebend) sozial (-ai, -a), de compagnia 2 (unterhaltsam) devertënt (-nc, -a) 3 (ange…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gesellig

28 Bildungen · 25 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von gesellig 3 Analysen

ge- + sellig

gesellig leitet sich vom Lemma sellig ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+sell+-ig gesell+-ig

gesellig‑ als Erstglied (25 von 25)

geselligabgegrenzt

GWB

gesellig·abgegrenzt

gesellig-abgegrenzt Wir andern, wie alle unsre Lieder zeugen, verlangten eine gesellig-abgegränzte [< gesellige abgegränzte K ] Heiterkeit u…

geselliganständig

GWB

gesellig·anstaendig

gesellig-anständig Die thätigen Männer .. hatten .. die Kleider des Jünglings [ Felix ] schon so gut als getrocknet, um ihn bei’m Erwachen s…

geselligbelebt

GWB

gesellig·belebt

gesellig-belebt gesellschaftlich aktiv [ aus Karlsbad ] Mit der Fürstl. Schwarzenbergischen Familie und Grafen Bouqoy ist für mich der gesel…

geselligbewegt

GWB

gesellig·bewegt

gesellig-bewegt Les soirées d’artistes. Man sieht in ein gesellig bewegtes [geselliges lebhaftes 41 2 ,371,25 Üb:Livre des Cent-et-un ] Kuns…

geselligedel

GWB

gesellig·edel

gesellig-edel Und im Herzen wächst die Fülle | Der gesellig edlen Triebe, | Nährt sich Freundschaft, keimet Liebe 2,24 DtParnaß 24 Georg Obj…

geselligen

DWB

gesell·igen

geselligen , verb. gesellig machen, mnl. gheselligen, sociare Kilian : das gegenseitige bedürfnisz geselliget die menschen. Campe ; sich ges…

geselligen

FWB

1. ›etw. mystisch mit etw. vereinigen‹.; 2. ›jm. jn. zugesellen, der Pflege e. P. zuweisen‹.

geselligfestlich

GWB

gesellig·festlich

gesellig-festlich Die leichte Bewegung eines zierlichen Gestaltenpaars erinnert uns an die heitersten gesellig festlichen Stunden 49 1 ,327,…

geselligfrisch

GWB

gesellig·frisch

gesellig-frisch [ die Einsiedelei im Weim Park ] Wo sich Liebende verstanden, | Immer suchten, oft sich fanden | Zu gesellig frischem [gesel…

geselligfroh

GWB

gesellig·froh

gesellig-froh Zu gesellig frohem [gesellig frischem 4,143 Der’s gebaut 9 ] Leben 5 2 ,105 Var [ vgl gesellig-frisch ] Georg Objartel G.O.

geselliggebildet

GWB

gesellig·gebildet

gesellig-gebildet [ Gedicht Eckermanns auf Ludwig I. von Bayern ] daß es nicht ein einzelner Mensch ist, der sich äußert, sondern daß hier d…

geselliggepeitscht

GWB

gesellig-gepeitscht zu gesellig 1b, im Bild, mBez auf Mitarbeit an dem von Ottilie redigierten Weim Wochenblatt ‘Das Chaos’ Alles dichtet ja…

gesellighäuslich

GWB

gesellig·haeuslich

gesellig-häuslich [ Lucidor: ] Der Fremde [ Antoni ] ist offenbar um Lucindens willen da, sie bezeigt ihm die schönsten, edelsten gesellig-h…

geselligheiter

GWB

gesellig·heiter

gesellig-heiter [ betr Ottiliens Sturz vom Pferd ] Der Fall war um desto härter, da sie gerade die Tage vorher munterer, mittheilender, gese…

geselligkeit

DWB

gesellig·keit

geselligkeit , f. , mhd. gesellecheit, gesellekeit, gesellikeit, mnd. gesellicheit, nl. gezelligheid. 1 1) das zusammensein als genossen ode…

geselligkeitstrieb

DWB

geselligkeit·s·trieb

geselligkeitstrieb , m. neigung zu geselligem umgang: der erkünstelte geselligkeitstrieb verwischet auch oft alle fähigkeit zum selbstumgang…

geselliglich

DWB

gesell·iglich

geselliglich , adj. , mhd. geselleclich, adv. geselleclîche, var. geselliclîchen Parz. 701, 16, geselliclîch 640, 19. 1 1) als gefolge, zur …

geselligmüßig

GWB

gesellig·muessig

gesellig-müßig Aus dem gesellig müsigen Carlsbad hätte ich in keine entgegengesetztere Existenz kommen können als in das einsam thätige Ilme…

geselligreich

GWB

gesellig·reich

gesellig-reich Zu gesellig reichem [gesellig frischem 4,143 Der’s gebaut 9 ] Leben 5 2 ,105 Var [ vgl gesellig-frisch ] Georg Objartel G.O.

Gesellig-Sittliche

GWB

Gesellig-Sittliche gesellschaftliches u kulturelles Leben Eine weitere Ausbildung hatte ich .. größeren Städten zu danken, und es ergibt sic…

geselligstill

GWB

gesellig·still

gesellig-still zu gesellig 1a am Hügel wo | Gesellig still der Ahnen würdige Reihe | Sich ernst und pruncklos in der Gruft gelagert 5 2 ,409…

geselligtäglich

GWB

gesellig·taeglich

gesellig-täglich Freund Meyer .. verließ mein Haus in Gefolg einer .. ehlichen Verbindung und nur ein fortgesetztes geselligs-tägliches Zusa…

geselligunge

MWB

geselligunge stF. ‘Gesamtheit, Vereinigung’ so sol er [der fremde Mönch] niht allein enpfangen werden zü der geselligung der sämenung [ cong…

geselligwandelbar

GWB

gesellig·wandelbar

gesellig-wandelbar zu gesellig 1a [ Gegend um Bürgel ] Ein .. Forstmann hatte .. rauhgestaltete Felspartien .. durch Brükken .. und sanfte P…

gesellig als Zweitglied (1 von 1)

ungesellig

DWB

ung·e·sellig

ungesellig , adj. adv. , gth. v. gesellig. mhd. ungesellich, ungesellelich var. zu ungeselleclich renner 9216 ( vgl. gesellich); mnl. ongese…

Ableitungen von gesellig (2 von 2)

ungesellig

DWB

ungesellig , adj. adv. , gth. v. gesellig. mhd. ungesellich, ungesellelich var. zu ungeselleclich renner 9216 ( vgl. gesellich); mnl. ongese…

ungeselliglich

DWB

ungeselliglich , adj. , von Stieler 2006 ungesellig gleichgestellt. mhd. ungeselleclich, ungeselleclîche. vgl. geselliglich. ungesellisch, a…