ungesellig,
adj. adv. ,
gth. v. gesellig.
mhd. ungesellich, ungesellelich
var. zu ungeselleclich
renner 9216 (
vgl. gesellich);
mnl. ongesellich, -sellijc;
nl. ongezellig;
lux. 316
a.
wenn die dürftigkeit der belege (
es steht für die ältere zeit auszer der rennerstelle nur ein beleg aus Carbachs
Liv. zu gebote)
nicht täuscht, wird u.
literarisch erst in der 2.
hälfte des '
artigen' 18.
jhs. gangbar, doch wohl unter einflusz der westl. cultursprachen; mnl. ongesellich, -ijc
sollte lat. non socialis, insociabilis
wiedergeben. das fehlen in den meisten ma. stimmt dazu. die wbb. verzeichnen es aber seit Frisius
reichlich und die durchbildung der bedd. spricht für eigene entwicklung (
s. gesellich, gesellig).
ältere bildungen wie ungeselliglich, -sellisch, -sellsam, -sellt (
s. diese)
hätten den gebrauch von ungesellig
wenig hindern können, eher etwa der üble anklang an ungeselle (Röthe
zu Reinmar 183, 8). 11)
gth. v. gesellig 1,
ohne gesellen, freund, seines gleichen, ohne gemeinsamkeit mit diesen, unvereinbar, abgesondert, vgl. ungeheuer adj. 1,
mhd. gesellelôs, ungesellet: Platen
unter gesellig 1; J.
u. W. Grimm
br. 99;
vgl. ungesellt; der mensch ... ist nicht zum ungeselligen zustande gemacht Reimarus
wahrh. 512;
von pilzen dazu sind sie zu u. Roszmäszler
wald 31;
insociabilis u., das man nit zesamen binden mag oder vereinbaren Frisius 709
a; die zwey widersprechendsten, ungeselligsten dinge Klinger 12, 150; bei uns wohnen sie (
schöne körper und schöne seelen) durch verschiedene stückwerke abgesondert und ungesellig Göthe
gespr. 1, 150; Treitschke
aufs. 1, 79. solitarius, ein ungeselliger Kinderling. 22)
gth. v. gesellig 2,
unfreundlich: Hugo v. Trimberg
renn. 9216;
undeutlich und in 4
verflieszend wer das nicht thäte (
sich mit feinden nicht versöhnte), sollte als ein mann von ungeselliger und wilder seele angesehen seyn Stolberg 8, 315; wäre ich denn ungesellig gegen euch? Kotzebue 3, 84.
nl. wb. 10, 1684 b 2. 33)
dem lebensgenusz, geselliger lebensfreude abgeneigt, ohne tadelnden beisinn, sonst gesellig 3
entsprechend: freudlos in der freude fülle, ungesellig und allein, wandelte Kassandra Schiller 11, 369;
von Docen eine einsame, wenn auch nicht ungesellige natur Scherer
kl. schr. 1, 80. 44)
gth. v. gesellig 4,
ungeneigt zu umgang und verkehr, menschenscheu; invenustus, unholdsälig, unfründhold, ungsellig, häszlich, unlieblich Frisius 729;
dissociabilis, unfügsamlich 431
a;
morosus Stieler 2006; incompatible Spanutius 288; insociabel, unerträglich Kinderling, Campe; Pansner 73
a;
mnl. wb. 5, 680;
nl. 10, 1684 a 1.
oft von 2
nicht zu scheiden: die senatores waren jnen nit alleyn ungewegen als den feinden, sondern auch auff die, als wider eyn ungezempt und ungesellig volck, seer erzürnt Carbach
Liv. 331
r; dieser unbrauchbaren und ungeselligen gelehrten A. v. Haller
tageb. s. beob. 1, 13; denn auszer diesem ist er der ungeselligste mann auf der welt Gleim
br. 1, 78
Körte; Schiller 6, 268: Rückert 8, 53; dasz er sich .. eben heute .. so u. (
nicht aufgelegt zu geselligem umgang) fühle Holtei
erz. schr. 26, 73; die morgenfrühe läszt u. Auerbach 5, 12. er ist ... ungeselliger als der mäusebussard Naumann
vögel 1, 363. 55)
gth. v. gesellig 5,
dem geselligen umgange unangemessen, dabei verpönt, der geselligkeit widerstrebend, menschenfeindlich, unwirthlich, öde, unbehaglich (
nl. wb. 10, 1684 a 2): einer von natur nicht ungeselligen gemütsart Gottschedin
br. 3, 7 (
vgl. 3); wörter Gottsched
d. neueste 4, 372; geist Schiller 12, 273; flug 13, 17
nach 1
zurückweisend; afterreden ... das ungeselligste sittliche übel Lichtenberg
nachl. 62, 2; unarten Göthe 33, 97
W.; dazu vgl. 6; sprache
F. Schlegel
Athen. 2, 36; im steifen, ungeselligen Göttingen Forster 8, 24; klösterlichkeit Laube 5, 180; o donner, rolle du nicht von ungeselligen bergen Zachariä 3, 92;
bei regen bietet das dorf einen öden, ungeselligen anblick Meyr
a. d. Ries 2, 413;
im nl. von unbehaglichem zimmer. der wahren geselligkeit und deren erfordernissen widerstrebend: an ungeselligen tafeln Giseke 115
Gärtner; ungesellige geselligkeit Kant 4, 297; J. Schopenhauer
reise d. d. s. Frankreich 1, 34; den geselligen ton ..., der möglichen falls so u. ausfallen könnte, dasz Droste-Hülshoff
br. a. L. Schücking 87. 66)
gth. v. gesellig 6,
der gesellschaft (
societé)
und ihren lebensbedingungen, ihrem zwang, wie ihrer gemüthlichkeit u. dgl. widerstrebend, unsocial: dahingegen der eigendünkel u. macht und die nationen den geraden weg zur barbarey zurück führet
allg. d. bibl. 1, 2, 15; grundsätze Chr. W. Dohrn
bürgerl. verb. d. juden 1, 16; den ungesell'gen wilden Schiller
glocke 312; Forster 2, 131; dasz der preuszische offizier ... u. (
exclusiv) sei Freytag 15, 316.
auch ungeselliger völkergeister Hegel 2, 522.
vgl. ungesellschaftlich. 77)
gth. v. gesellig 7,
nicht gemeinsam, nicht für die gemeinsamkeit bestimmt: die menge der geselligen vergnügen ist unbegränzt, indesz die anzahl der ungeselligen (
nur wortspielerisch gs. v. gesellig) sehr umschränkt ist J. A. Eberhardt
Amyntor (1782) 135; das einsame ungesellige lesen Schlegel
Europa 2, 80: die weinlieder unserer minnesänger scheinen zu u. J. Grimm
kl. schr. 3, 47. —