gelze,
f. verschnittne oder junge sau. 11)
junge sau: ahd. gelza
sucula (
neben galza) Graff 4, 198,
sucula gelze, junge sû Nyerup
symb. 275,
bei Dief. 564
a s. v. succula mhd. gelce,
aus dem 15.
jahrh. gelcz,
castrare gelczen uszsniden 105
b (
vgl. u. gelzenleichter).
nd. gelte,
im 17.
jh. aus dem nordwesten: du hast jo dar en witte hangorde (
weisze hangöhrige) gelte gahn, de schlachte mit en paar höner (
zum schmause).
nd. bauernkom. h. von Jellinghaus 277,
d. h. ein spanferkel, in einem westnd. voc. des 15.
jh. geelte
nefrendus Dief. 377
c,
sucula 564
a (porci amisso nomine lactentis dicuntur nefrendes
Fest. 163,
die nicht mehr saugen, im 15.
jh. nefrendus, nefrendes u. ä. spanverken
u. ä. Dief. 377
c).
ebenso nordengl. yelte,
a young sow Halliwell 945
b,
in andrer mundart yilt
a female pig 947
a,
wie altengl. ʒelte
scrofa Stratm. 259,
aber auch gilt (yilt),
young sow 236,
ags. gilte
scrofa, suilla Ettm. 425,
altn. gylta
und gyltr
f. sau Fritzner 226
b, Möbius 155,
a young sow Vigfusson 221
b.
nhd. eine junge gelze,
sus novella Stieler 642,
jetzt noch in Thüringen gelze
junges weibliches schwein (
z. b. in Arnstadt),
in Franken gälz
f. Schmeller 2, 46,
henneb. Reinw. 1, 39, Vilmar
kurhess. id. 123,
auch gelzle
n. und unterschieden von gelze (
s. 2) Fromm. 4, 313. 22)
verschnittene sau Stieler (
s. 3,
a),
noch im Henneb. gelze (
der verschnittene eber bargel) Fromm. 4, 313,
vergl. 7, 274,
auf dem Westerwald gelz, gilz
f. Kehrein 158;
auf der Eifel gels
f. Schmitz 225
a, Fromm. 6, 14,
in Aachen gils
f. (
der verschnittene eber bärg) Müller
u. Weitz 69,
auch in Limburg Schuerm. 156
b (-s
für -z);
altclevisch gylte,
porca castrata, eunucha Teuth. 107
b,
nl. ghelte, ghelubde seughe,
sus castrata, porcetra Kil. 148
b,
ostfries. gelte Stürenburg 68
a,
oldenb. gelt Fromm. 3, 498,
im 17.
jh. westnd.: me kan ouk so nich henne loupen ast eine gesneddene gelte.
nd. bauernkom. 185.
neben gelze
übrigens galze (
s. d.),
wie ahd. galza,
mhd. im Speiergau bezeugt, jetzt schweiz. galz,
verschnittnes mutterschwein, mhd. aber auch sucula, wie ahd. 33)
zur geschichte und entstehung des wortes. 3@aa)
der anscheinende widerspruch der beiden bedeutungen löst sich darin, dasz das verschneiden an den jungen thieren vorgenommen wird, um sie zur mast fähiger zu machen, denn »
die schlachtschweine müssen geschnitten seyn, wenn das fleisch und speck wohl gerathen soll, es kan solches noch bey der muttermilch geschehen, da sie es eher vergessen«,
aber auch »
die eber können, wenn sie vier jahr gedienet, die mutterschweine ein jahr später geschnitten werden«
öcon. lex. 2247.
aus der verwendung der schweine blosz zum mästen und schlachten begreift sich dann, dasz die benennung sich auch zum begriff schwein überhaupt erweiterte, zwar nicht hd., aber nd., wenn in jenem voc. geelte
nefrendus auch als porca domestica erscheint Dief. 377
b,
nl. gelte
auch als porca schlechtweg Junius
nom. 39
b,
sogar erstreckt auf das mutterschwein, scrofa, wie schon altengl. und ags. unter 1
und altn. z. b. in gyltr ok gríss,
sau und ferkel Möbius 155.
die erweiterte bedeutung spiegelt sich auch im lat. worte, wenn im 15.
jh. nefrandus
als porcus castratus vel porcellus adhuc lactans (
spanferkel)
erscheint Dief.
nov. gl. 262
b,
wo nach den masc. formen selbst der eber eingeschlossen scheint, wie Stieler 642
wirklich angibt: etiam porca castrata et majalis, it. vervex castratus galzen, gelzen
et gölzen
vocantur. nordfries. gâlt
verschnittner eber Johansen 102
a. 3@bb)
so besonders im nordischen, wo überhaupt das wort die vollste entwickelung zeigt. da heiszt auch der verschnittene eber altn. galti, göltr
m., noch dän. schwed. galt,
der unverschnittene schwed. fargalt (
wie einfach far, farg
u. ä. Rietz 131
a,
vergl. farch),
norw. aber auch einfach galt Aasen 206
a,
wie schon altn. göltr
porcus, sive castratus sive non Egilsson 260
a,
die zweite bedeutung kann doch nur übertragung sein, wie bei der sau unter a und aus demselben grunde; dän. galt
ist auch verschnittnes schwein überhaupt, galtgriis
verschnittnes ferkel. daneben schwed. gylta
f. verschnittne sau und junge sau so lange sie noch nicht geferkelt hat, aber auch eine jährige die zum ersten mal ferkelt, dän. gylt
dagegen verschnittnes schwein überhaupt (
auch vom eber)
und ferkel überhaupt (
norw. gylt
m. ferkel Aasen 253
a),
in mundarten aber noch junge geschnittene sau und junge sau die zum ersten mal trächtig geht oder geferkelt hat Molbech 185,
auch z. b. auf Bornholm gjylta Adler
pröve 44;
vgl. altn. gylta
unter 1.
übrigens auch in England neben gilt, yilt
u. ähnl. (
s. 1)
northumbr. galt
a boar pig Halliwell 390
b,
gleich dem nord. galt,
schottisch aber galt
a young sow when castrated Jamieson 1, 453
b,
doch auch gilt 459
b,
daneben gaut (
d. i. galt),
diesz aber auch a hog, a sow 462
a,
vgl. altengl. galte Stratm. 231, galte swyne
nefrendus prompt. parv. 185,
gewiss schon ags. neben gilte
auch galte
wie ahd. galza. 3@cc)
aus dem durcheinander der bedeutung blickt als ursprünglicher begriffskern doch heraus das fernbleiben des thiers vom ferkeln, natürlich oder künstlich, womit es besser fleisch und speck entwickelte. man musz das früh bemerkt haben, gewiss zuerst an einer sau die zufällig ohne junge blieb, und lernte dann die der wirtschaft dienliche unfruchtbarkeit künstlich herstellen. damit stellt sich aber das wort sachlich und lautlich zu dem adj. gelt, galt
von kühen, schafen, ziegen, die unfruchtbar bleiben, nur mit besondrer ausbildung in anwendung auf die schweine, bei denen die erscheinung überhaupt eine andere bedeutung gewann, da bei jenen die unfruchtbarkeit zugleich ein ausbleiben der milch, also einen verlust bedeutet, bei diesen aber einen gewinn fürs haus. der begriff von gelt,
wie bei kühen, zeigt sich auch noch mnd. bei gelte,
wenn zur bereitung einer salbe u. a. vorgeschrieben wird ghelten smer, de nicht ghevarkent had Sch.
u. L. 2, 49
a, 19;
der zusatz, der für eine junge sau (
s. 1)
unmöglich, für eine geschnittene (2)
unnötig wäre, musz wol noch eine sau meinen, die durch zufall unfruchtbar blieb und damit zur gelte
wurde. auch zur erstreckung des ausdrucks auf noch andere thiere zeigen sich ansätze in rhein. gilt
mannus Nyerup
symb. 272,
also wallach (
engl. gelding,
franz. guilledin,
vergl. norw. gjelk
hier a. e.)
und in nl. gelt
von fischen, z. b. geltharing, geltsnoek,
männlicher, milchener häring, hecht, eigentlich der nicht laicht, wie geltvarken
männliches schwein, besonders merkwürdig aber gelte zaden,
same, saat ohne frucht, also wie das hd. adj. gelte (
s. d. 2,
e)
von feld und baum und selbst noch als adj. (
es wäre hd. gelz),
vergl. nl. dial. gelde biggen,
verschnittene schweinchen Halbertsma
lex. fris. 149. 3@dd)
freilich stehen hd. gelze
und gelte,
nl. gelte
und geld,
ags. gilte
und gelde,
engl. yelte
und geld
u. s. w. zugleich scharf von einander ab, jenes sonst nur subst., dieses nur adj. und mit verschiedener lautstufe im auslaut. aber die ursprüngliche einheit beider kann dadurch nicht aufgehoben sein, und wie in jenem nl. gelte zaden
auch das subst. sich noch als adj. verrät, so erscheint die verschiedenheit der lautstufe ausgeglichen oder noch nicht entwickelt, zugleich das adj. mit der besondern bedeutung, die es bei den schweinen gewann, in jenem nl. gelde biggen,
altn. geldr
verschnitten, norw. gjeldbukk
verschnittner bock u. ä. (
s.gelt 3,
e),
dazu altn. gelda
verschneiden (
hochd. gelzen),
offenbar eigentlich unfruchtbar machen; s. auch md. gelten,
hd. gältvieh
unter gelzen.
die fortschiebung der lautstufe entsprechend der fortschiebung der bedeutung auf eine andere stufe ist eine bedeutsame erscheinung, die sich mehr finden musz. das ursprüngliche vocalverhältnis hat dabei die verschobene form begleitet, denn wie beim adj. nebeneinander stehn gelt
und oberd. galt,
so beim subst. gelze
und schweiz. galze (
s. 2
a. e.),
schon ahd. gelza
und galza,
auch engl. noch yelt
und galt,
sicher schon ags. (
s. 1
und 3,
b).
und auch in der für das adj. ermittelten ursprünglichen bedeutung verhext stellt sich die einheit dar, indem auch sonst das verschneiden mit worten benannt wird, die eigentlich zaubern, hexen bedeuten, wie Halbertsma
lex. fris. 467
fg. nachweist, z. b. nrh. boeten,
toveren, auguriari, incantare und castrare, lubben, uytwerpen, uytsnyden Teuth. 37 (
nd. bouten
castrare Dief.
n. gl. 78
b),
diesz lubben
aber, auch nd. nl. verschneiden (
s. mnd. wb. 2, 741
a),
hochd. lüppen,
ist eigentlich mit zauberkräutern und säften umgehn (
auch von ärzten),
s.lüppen 2.
beide künste wurden einst von denselben leuten geübt (
wie noch z. b. bei den Finnen)
und unter dem begriff wunderbarer oder zauberkunst zusammengefaszt, gewiss auch die zweite noch lange mit zauberspruch und sang begleitet. so musz goth. gilþa
sichel fern bleiben, wie schon Diefenbach
goth. wb. 2, 404
daran zweifelte. 3@ee)
das subst. zeigt doch auch im vocal eine eigne entwickelung. wenn beim adj. gelte
neben galt
als umlautform erschien, zeigt sich hier ablaut in engl. schott. gilt, yilt
und galt,
ags. gilte
und gewiss auch galte, galt,
auch rhein. noch gilz, gils
neben gelz, gels (
s. 2),
altrhein. gilt
mannus (3,
c),
vergl. clev. gylte
unter 2.
anderseits nord. neben galti, galt
vom eber gyltr, gylta
von der sau (
s. b),
aber auch gilta
und gulta
f. porca, s. Egilsson 241
a. 277
b.
eine spur der dritten ablautform auch hd. zeigt wol schweiz. golz neben galz
verschnittnes mutterschwein Stalder 1, 418 (
vgl.golzen unter gelzen
verschneiden),
wie eine solche doch auch beim adj. sich verrät in dän. gold
unfruchtbar; auch hd. gelze
möchte nach dem henneb. gälz (
s. 1)
nicht umlaut, sondern brechung aus i
haben, wie jenes golz
aus u.
merkwürdig übrigens nordisch eine nebenform, norw. gjelk
und jalk,
verschnittner hengst (
dazu gjelka, jalka
castrieren) Aasen 219
a,
altn. jalkr Fritzner 332
a,
das doch auch irgendwie hergehören wird (
vgl. gilt
wallach unter c).
das subst. musz sich sehr früh vom adj. getrennt und seinen eignen weg angetreten haben.