lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gelze

ahd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
11 in 10 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
10
Verweise raus
17

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gelze f.

Bd. 5, Sp. 3119
gelze, f. verschnittne oder junge sau. 11) junge sau: ahd. gelza sucula (neben galza) Graff 4, 198, sucula gelze, junge sû Nyerup symb. 275, bei Dief. 564a s. v. succula mhd. gelce, aus dem 15. jahrh. gelcz, castrare gelczen uszsniden 105b (vgl. u. gelzenleichter). nd. gelte, im 17. jh. aus dem nordwesten: du hast jo dar en witte hangorde (weisze hangöhrige) gelte gahn, de schlachte mit en paar höner (zum schmause). nd. bauernkom. h. von Jellinghaus 277, d. h. ein spanferkel, in einem westnd. voc. des 15. jh. geelte nefrendus Dief. 377c, sucula 564a (porci amisso nomine lactentis dicuntur nefrendes Fest. 163, die nicht mehr saugen, im 15. jh. nefrendus, nefrendes u. ä. spanverken u. ä. Dief. 377c). ebenso nordengl. yelte, a young sow Halliwell 945b, in andrer mundart yilt a female pig 947a, wie altengl. ʒelte scrofa Stratm. 259, aber auch gilt (yilt), young sow 236, ags. gilte scrofa, suilla Ettm. 425, altn. gylta und gyltr f. sau Fritzner 226b, Möbius 155, a young sow Vigfusson 221b. nhd. eine junge gelze, sus novella Stieler 642, jetzt noch in Thüringen gelze junges weibliches schwein (z. b. in Arnstadt), in Franken gälz f. Schmeller 2, 46, henneb. Reinw. 1, 39, Vilmar kurhess. id. 123, auch gelzle n. und unterschieden von gelze (s. 2) Fromm. 4, 313. 22) verschnittene sau Stieler (s. 3, a), noch im Henneb. gelze (der verschnittene eber bargel) Fromm. 4, 313, vergl. 7, 274, auf dem Westerwald gelz, gilz f. Kehrein 158; auf der Eifel gels f. Schmitz 225a, Fromm. 6, 14, in Aachen gils f. (der verschnittene eber bärg) Müller u. Weitz 69, auch in Limburg Schuerm. 156b (-s für -z); altclevisch gylte, porca castrata, eunucha Teuth. 107b, nl. ghelte, ghelubde seughe, sus castrata, porcetra Kil. 148b, ostfries. gelte Stürenburg 68a, oldenb. gelt Fromm. 3, 498, im 17. jh. westnd.: me kan ouk so nich henne loupen ast eine gesneddene gelte. nd. bauernkom. 185. neben gelze übrigens galze (s. d.), wie ahd. galza, mhd. im Speiergau bezeugt, jetzt schweiz. galz, verschnittnes mutterschwein, mhd. aber auch sucula, wie ahd. 33) zur geschichte und entstehung des wortes. 3@aa) der anscheinende widerspruch der beiden bedeutungen löst sich darin, dasz das verschneiden an den jungen thieren vorgenommen wird, um sie zur mast fähiger zu machen, denn »die schlachtschweine müssen geschnitten seyn, wenn das fleisch und speck wohl gerathen soll, es kan solches noch bey der muttermilch geschehen, da sie es eher vergessen«, aber auch »die eber können, wenn sie vier jahr gedienet, die mutterschweine ein jahr später geschnitten werden« öcon. lex. 2247. aus der verwendung der schweine blosz zum mästen und schlachten begreift sich dann, dasz die benennung sich auch zum begriff schwein überhaupt erweiterte, zwar nicht hd., aber nd., wenn in jenem voc. geelte nefrendus auch als porca domestica erscheint Dief. 377b, nl. gelte auch als porca schlechtweg Junius nom. 39b, sogar erstreckt auf das mutterschwein, scrofa, wie schon altengl. und ags. unter 1 und altn. z. b. in gyltr ok gríss, sau und ferkel Möbius 155. die erweiterte bedeutung spiegelt sich auch im lat. worte, wenn im 15. jh. nefrandus als porcus castratus vel porcellus adhuc lactans (spanferkel) erscheint Dief. nov. gl. 262b, wo nach den masc. formen selbst der eber eingeschlossen scheint, wie Stieler 642 wirklich angibt: etiam porca castrata et majalis, it. vervex castratus galzen, gelzen et gölzen vocantur. nordfries. gâlt verschnittner eber Johansen 102a. 3@bb) so besonders im nordischen, wo überhaupt das wort die vollste entwickelung zeigt. da heiszt auch der verschnittene eber altn. galti, göltr m., nochn. schwed. galt, der unverschnittene schwed. fargalt (wie einfach far, farg u. ä. Rietz 131a, vergl. farch), norw. aber auch einfach galt Aasen 206a, wie schon altn. göltr porcus, sive castratus sive non Egilsson 260a, die zweite bedeutung kann doch nur übertragung sein, wie bei der sau unter a und aus demselben grunde;n. galt ist auch verschnittnes schwein überhaupt, galtgriis verschnittnes ferkel. daneben schwed. gylta f. verschnittne sau und junge sau so lange sie noch nicht geferkelt hat, aber auch eine jährige die zum ersten mal ferkelt,n. gylt dagegen verschnittnes schwein überhaupt (auch vom eber) und ferkel überhaupt (norw. gylt m. ferkel Aasen 253a), in mundarten aber noch junge geschnittene sau und junge sau die zum ersten mal trächtig geht oder geferkelt hat Molbech 185, auch z. b. auf Bornholm gjylta Adler pröve 44; vgl. altn. gylta unter 1. übrigens auch in England neben gilt, yilt u. ähnl. (s. 1) northumbr. galt a boar pig Halliwell 390b, gleich dem nord. galt, schottisch aber galt a young sow when castrated Jamieson 1, 453b, doch auch gilt 459b, daneben gaut (d. i. galt), diesz aber auch a hog, a sow 462a, vgl. altengl. galte Stratm. 231, galte swyne nefrendus prompt. parv. 185, gewiss schon ags. neben gilte auch galte wie ahd. galza. 3@cc) aus dem durcheinander der bedeutung blickt als ursprünglicher begriffskern doch heraus das fernbleiben des thiers vom ferkeln, natürlich oder künstlich, womit es besser fleisch und speck entwickelte. man musz das früh bemerkt haben, gewiss zuerst an einer sau die zufällig ohne junge blieb, und lernte dann die der wirtschaft dienliche unfruchtbarkeit künstlich herstellen. damit stellt sich aber das wort sachlich und lautlich zu dem adj. gelt, galt von kühen, schafen, ziegen, die unfruchtbar bleiben, nur mit besondrer ausbildung in anwendung auf die schweine, bei denen die erscheinung überhaupt eine andere bedeutung gewann, da bei jenen die unfruchtbarkeit zugleich ein ausbleiben der milch, also einen verlust bedeutet, bei diesen aber einen gewinn fürs haus. der begriff von gelt, wie bei kühen, zeigt sich auch noch mnd. bei gelte, wenn zur bereitung einer salbe u. a. vorgeschrieben wird ghelten smer, de nicht ghevarkent had Sch. u. L. 2, 49a, 19; der zusatz, der für eine junge sau (s. 1) unmöglich, für eine geschnittene (2) unnötig wäre, musz wol noch eine sau meinen, die durch zufall unfruchtbar blieb und damit zur gelte wurde. auch zur erstreckung des ausdrucks auf noch andere thiere zeigen sich ansätze in rhein. gilt mannus Nyerup symb. 272, also wallach (engl. gelding, franz. guilledin, vergl. norw. gjelk hier a. e.) und in nl. gelt von fischen, z. b. geltharing, geltsnoek, männlicher, milchener häring, hecht, eigentlich der nicht laicht, wie geltvarken männliches schwein, besonders merkwürdig aber gelte zaden, same, saat ohne frucht, also wie das hd. adj. gelte (s. d. 2, e) von feld und baum und selbst noch als adj. (es wäre hd. gelz), vergl. nl. dial. gelde biggen, verschnittene schweinchen Halbertsma lex. fris. 149. 3@dd) freilich stehen hd. gelze und gelte, nl. gelte und geld, ags. gilte und gelde, engl. yelte und geld u. s. w. zugleich scharf von einander ab, jenes sonst nur subst., dieses nur adj. und mit verschiedener lautstufe im auslaut. aber die ursprüngliche einheit beider kann dadurch nicht aufgehoben sein, und wie in jenem nl. gelte zaden auch das subst. sich noch als adj. verrät, so erscheint die verschiedenheit der lautstufe ausgeglichen oder noch nicht entwickelt, zugleich das adj. mit der besondern bedeutung, die es bei den schweinen gewann, in jenem nl. gelde biggen, altn. geldr verschnitten, norw. gjeldbukk verschnittner bock u. ä. (s.gelt 3, e), dazu altn. gelda verschneiden (hochd. gelzen), offenbar eigentlich unfruchtbar machen; s. auch md. gelten, hd. gältvieh unter gelzen. die fortschiebung der lautstufe entsprechend der fortschiebung der bedeutung auf eine andere stufe ist eine bedeutsame erscheinung, die sich mehr finden musz. das ursprüngliche vocalverhältnis hat dabei die verschobene form begleitet, denn wie beim adj. nebeneinander stehn gelt und oberd. galt, so beim subst. gelze und schweiz. galze (s. 2 a. e.), schon ahd. gelza und galza, auch engl. noch yelt und galt, sicher schon ags. (s. 1 und 3, b). und auch in der für das adj. ermittelten ursprünglichen bedeutung verhext stellt sich die einheit dar, indem auch sonst das verschneiden mit worten benannt wird, die eigentlich zaubern, hexen bedeuten, wie Halbertsma lex. fris. 467 fg. nachweist, z. b. nrh. boeten, toveren, auguriari, incantare und castrare, lubben, uytwerpen, uytsnyden Teuth. 37 (nd. bouten castrare Dief. n. gl. 78b), diesz lubben aber, auch nd. nl. verschneiden (s. mnd. wb. 2, 741a), hochd. lüppen, ist eigentlich mit zauberkräutern und säften umgehn (auch von ärzten), s.lüppen 2. beide künste wurden einst von denselben leuten geübt (wie noch z. b. bei den Finnen) und unter dem begriff wunderbarer oder zauberkunst zusammengefaszt, gewiss auch die zweite noch lange mit zauberspruch und sang begleitet. so musz goth. gilþa sichel fern bleiben, wie schon Diefenbach goth. wb. 2, 404 daran zweifelte. 3@ee) das subst. zeigt doch auch im vocal eine eigne entwickelung. wenn beim adj. gelte neben galt als umlautform erschien, zeigt sich hier ablaut in engl. schott. gilt, yilt und galt, ags. gilte und gewiss auch galte, galt, auch rhein. noch gilz, gils neben gelz, gels (s. 2), altrhein. gilt mannus (3, c), vergl. clev. gylte unter 2. anderseits nord. neben galti, galt vom eber gyltr, gylta von der sau (s. b), aber auch gilta und gulta f. porca, s. Egilsson 241a. 277b. eine spur der dritten ablautform auch hd. zeigt wol schweiz. golz neben galz verschnittnes mutterschwein Stalder 1, 418 (vgl.golzen unter gelzen verschneiden), wie eine solche doch auch beim adj. sich verrät inn. gold unfruchtbar; auch hd. gelze möchte nach dem henneb. gälz (s. 1) nicht umlaut, sondern brechung aus i haben, wie jenes golz aus u. merkwürdig übrigens nordisch eine nebenform, norw. gjelk und jalk, verschnittner hengst (dazu gjelka, jalka castrieren) Aasen 219a, altn. jalkr Fritzner 332a, das doch auch irgendwie hergehören wird (vgl. gilt wallach unter c). das subst. musz sich sehr früh vom adj. getrennt und seinen eignen weg angetreten haben.
10041 Zeichen · 286 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    gelze

    Althochdeutsches Wörterbuch

    gelze Gl 3,718,10 s. gellita.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gëlzeswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    gëlze ( ahd. gelzôm Graff 4,178 ) swv. lasse eine stimme erschallen.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    GelzeDie

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    † Die Gelze , Mz. die — n , im O. D. ein geschnittenes, uufruchtbar gemachtes Schwein.

  4. modern
    Dialekt
    Gelzef.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Gelze f. : 1. 'weibliches Schwein', bes. 'das verschnittene weibliche Schwein', Gelz (gelds, selten -ę-) [verbr.]; Dim. …

Verweisungsnetz

31 Knoten, 25 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 20 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gelze

18 Bildungen · 15 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

gelze‑ als Erstglied (15 von 15)

Gelzenheiler

PfWB

gelzen·heiler

Gelzen-heiler m. : = Kastrierer , bes. vom Stierkastrierer, Gelze-, Gelsehääleʳ [südl. VPf], -heeleʳ [ SP-Berghs BZ-Billh GH-Sondh ], -haale…

gelzen I

RhWB

gelzen I = verschneiden s. gälzen;

gelzen II

RhWB

gelzen II = ranzig schmecken s. gelbzen;

gelzenleichter

DWB

gelzen·leichter

gelzenleichter , m. schweinschneider, um 1400 thüringisch gelzenlîchter J. Rothe ( s. die stelle u. gelzen), in Frankf. a. M. im j. 1445 Lex…

gelzenlîchter

LexerN

gelzen·lichter

gelzen-lîchter stm. sauschneider Dür. chr. ( s. Germ. 18,377. 20,37 ). Frankf. brgmstb. 1445 vig. Agnet. — vgl. Vilm. 123.

gelzenlîhter

MWB

gelzenlîhter stM. ‘Kastrierer von Schweinen’ Geltzinlichtirz hus in sant Anthoniez gaszen UrkFrankf 2,479 (a.1338); weitere Belege s. Berufe…

gelzenlīhter

KöblerMhd

gelzenlīhter , st. M. Vw.: s. gelzenlīhtære*

gelzenlīhtære

KöblerMhd

gelzenlīhtære , st. M. nhd. „Gelzenleichter“, Kastrierer von Schweinen Q.: Dür, Urk (1338) E.: s. gelzen, līhten W.: nhd. (ält.) Gelzenleich…

gelzenschneider

DWB

gelzen·schneider

gelzenschneider , m. schweinschneider: an einigen orten werden selbige gelzenschneider genennet. Klinger dorf- u. baurenrechte 3, 801 , z. b…

Gelzer N

Idiotikon

Gelzer N. Band 2, Spalte 296 Gelzer N. 2,296

Gelzer, Heinr

DWBQVZ

Gelzer, Heinr. *1813 Schaffhausen †1889 Eptingen, kanton Basel-land.

gelze als Zweitglied (2 von 2)

gevogelze

Lexer

ge-vogelze stn. s. v. a. gevügele Germ. 10,398.

gevögelze

KöblerMhd

gevögelze , st. N. Vw.: s. gevogelze

Ableitungen von gelze (1 von 1)

ergëlze

BMZ

ergëlze swv. lasse eine stimme erschallen. sô hœret man diu vogelîn ûʒ süeʒer stimm ergelzen Hätzl. 2,60,29.