gäten ,
nebenform zu jäten (
s. d.),
mit g-
für ursprüngliches j-
in derselben weise wie bei gären (
s. d.). 11, 1@aa)
die g-
form schon ahd. in ûʒgëtan
eradicare, rhein. ûʒargëdan (
s. unter d),
part. gigëtan,
s. Graff 1, 595;
im 15.
jh. auch praet. gat
für mhd. jat (
s. 3,
c). 1@bb)
später, mit bewahrung der kürze durch verdoppelung des cons. getten, auszgetten (jetten)
vellere Dief. 609
b,
runcare 503
c,
evellere 212
b,
sarire 513
a,
im 16.
jh. bei Dasyp. getten
runcare 340
d, die dorn auszgetten 211
d,
im 17.
bei Henisch 1588 getten, jetten,
noch im 18.
jh. auch gätten Frisch 1, 485
a. 1@cc)
dagegen 'geten
vel jeten,
vellere sicut ortulane (
die gärtnerinnen)
vellant (
so)
herbas malas de bonis'
voc. inc. teut. i 5
b,
evellere geten oder wurzeln Dief. 212
b;
im 16.
jh.: wens nu aufgehet, wird sich unkraut .. so viel finden, das getens .. gnug sein wird. Luther 3, 437
b (
aber auch ausgetten 8, 299
a); viel der armen hausgenoszen müssen teglich frönen, im garten graben, geten ... Mathesius
Syr. 2, 29
a;
vgl. unter ausgäten.
noch im 17.
jahrh. bei Schottel 1325 geten, jeden,
s.getete
unter 2,
a. 1@dd)
in rhein. vocc., wie schon in ahd. zeit unter a, geden Dief. 207
b. 212
b. 503
c. 513
a. 609
b, gheden, wyeden onkruyt uyt
Teuth. 101
a,
wie vorhin gedeisen, gedecrût,
s. auch gede
unter gäter; ich ghed,
runco. Alberus; wollen wir der tugende acker gäden.
Renner Frankf. 1549
bl. 35.
Auch nd. einzeln: runcare, weiden, gheden. Dief.
n. gl. 322
a;
evellere, geden dat unnutte crut ut dem garden. 158
a,
noch jetzt z. b. göttingisch gëen,
auch geien, jeien Schamb. 60
b. 94
a,
während es im allgemeinen nicht nd. ist, es heiszt da wêden, weiden,
nl. wieden (
alts. wiod
unkraut, vergl. jät
unter gätekraut);
doch auch fläm. geden, geën, geien Schuermans 142
b. 1@ee)
das ä,
das die richtige aussprache des mhd. ë
darstellt, einzeln schon im 16.
jh., wie gäden
schon unter d. z. b.: S. Petrus fragte eine, so im felde
gätete, wo der weg hinaus gienge? da reckete sie (
gebückt bleibend) das bein auf, dort hienaus sagte sie. Mathesius
Syr. 1, 143
a.
dann im 17.
jahrh. gäten (
neben jäten) Stieler 880, Ludwig 694,
gestützt durch eine falsche ableitung, die noch Frisch 1, 485
a für gätten
als grund angibt. 22, 2@aa)
die schwache beugung hat nhd. über die ursprünglich starke den sieg davon getragen: als einsmahls ein gärtner .. das unkraut getete.
Lokman 15; dasz nicht mürrisch der mann (
der pastorin) abkanzele, wenn sie am sonntag kegelten, korn einfuhren und heu, mit gesange den brautflachs gäteten, und sich im grünen ein tanz um den fiedeler anhub. Voss
idyllen 1801
s. 136 (
das ständchen v. 76); man gätet hier sehr fleiszig. Göthe 28, 157. 2@bb)
im part. praet. dagegen, wie gewöhnlich, hat die starke form gedauert, landschaftlich bis jetzt: mit einem dünnen kurzen würzlein, darumb es desto leichter aus der wisen gejetten mag werden. Bock
kräut. 200; ieklich hait ij dage uns den olen (
d. h. mohn) gegeden.
einnahmeverz. des klosters Marienborn in der Wetterau vom j. 1465.
noch jetzt wetter. gegeare,
d. i. hd. gegäten,
das in Leipzig u. a. noch gehört wird. 33)
der bedeutung wegen ist folgendes zu bemerken. 3@aa) gegätet
oder gegäten
wird sowol das beet o. ä. als das unkraut o. ä., von letzterm lieber deutlich ausgäten (
s. d.),
das aber doch auch von dem gilt was man auszupft, ausbricht. das erste z. b.: zwiebel gäten (
das zwiebelbeet), flächs gäten,
vgl. vom mohn unter 2,
b. s. auch begäten,
wo aber die stellen mit begaten
fern zu halten sind, s. darüber unter gatten. 3@bb)
aber nicht nur kraut u. dergl. wird ursprünglich gegäten, sondern z. b. auch ein baum oder die äste die man ihm ausbricht, um den andern luft zu machen, s. unter erjeten aus Frisius 429
a. 3@cc)
und selbst von gutem oder dem besten, das man wählend ausbricht, galt das wort ursprünglich: herr Frawenlob die rosen gat so gar mit klugen sinnen. Hagen
s minnes. 4, 888
a; wild du die rosen geten, so soltu gan die rechten pan (
im rosengarten), die blumen nit zudreten. 888
b.
daher mhd. ûʒerjeten,
wie sonst ûʒerwelt,
auserlesen, das beste von allem (
wb. 1, 538
b, 39), ûʒ erjëten
auswählen: hie hât ein juncfrou mich gebeten, zuo eime kempfen ûʒ ergeten. Hagen
s heldenb. 2, 122,
Berl. held. 5, 9
b;
so noch im 15.
jh. unter ergeten
von der tänzerin die einer hat gepeten
und ergeten.