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flocke

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

flocke m. f.

Bd. 3, Sp. 1809
flocke, m. f. lanugo, ahd. floccho (Graff 3, 763), mhd. vlocke (wb. 3, 345), nnl. vlok pl. vlokken, altn. flôki, schw. flocka f.n. flokke, engl. flock neben flake. dem sinn wie den buchstaben nach leicht auf fliegen zurückgehend, denn die flocken aller art fliegen in der luft und ck schiene zu nehmen wie in flücke, volatilis. bedenklich macht nur die zustimmung des unverschobnen lat. floccus, welches ganz absteht von volare, und das gegen fliuga sich sträubende einfache k des altn. flôki, dazu mit voranstehendem langem vocal. dem lit. pukas ist l ausgefallen, wie unserm vogel, was sich am verwandten lit. plaukas für haar, und am lett. plaukas bestätigt, sie könnten aber beide, gleich dem böhm. flok, lehnwörter sein. wie socke dem soccus, wäre flocke dem floccus analog nachgebildet und der anklang an fliegen dem sprachgefühl willkommen gewesen, warum aber sollte sich g und ck in fliegen, flocke nicht gerade so verhalten wie in smiegen und smoccho, schmiegen und schmocke, neigen und nicken? es musz also offen bleiben, dasz flocke ein urdeutsches wort und im lat. floccus der überrest eines verbums enthalten sei, das unserm fliegen entsprochen habe, wiewol auch flectere und plectere in betracht kommen. daneben mag das altn. flockr, engl. flock cohors, caterva erwogen werden, das sich vielleicht mit folk populus berührt, denn die vorstellung der menge flieszt aus dem zusammenwehen oder schneien. fehlten uns doch nicht alle diese wörter fliegen, flocke und volk im gothischen! ahd. und mhd. war das männliche geschlecht entschieden, während nhd. das weibliche vorwiegt, doch begegnet auch der flocke oder mit falschem nom. flocken. meistens nur der pl. 11) zunächst floccus nivalis, der schnee fliegt gleich federn in der luft (mythol. 246. 607): mhd. dô sach man ûf dëm recken sam snêwes flocken swinde. Gudr. 503, 3; do began ëʒ sêre snîwen, dëm was als von blîwen die vlocken alle wæren. krone 16046; nhd. es reiset von hellen flocken der schnee auf jener art. Hätzl. 87b; geleich als die schneeplocken (l. flocken) grosz im kalten winter fallen blosz. Spreng Il. 261a; als wann zu kalter winterszeit umbfliegen die schneeflocken weit. 452a; es schneiet das glück bei uns mit groszen flocken. Philand. 2, 665; wenn es dreht und flocken schloszt, dasz wir fast nicht ohne grauen für das kalte fenster schauen. Fleming 218; das fenster zeigt mir gleich den wirbel in dem schnee, die flocken kommen uns zu segnen aus der höh. Günther 413; wie dichtwimmelnde flocken des schnees von Zeus sich ergieszen. Il. 19, 357; wie im winter der schnee im dichten gewimmel der flocken fällt zu erde herab. 12, 278 (Uschner); dich loben flocken, die das grüne haar des düstern tannenhains versilbern. Hölty lob der gotth.; da kam der schadenfroh im merz mit neuem frost und flocken. Schmidt v. W. 71; da wurde von den flocken des januars umstürmt, mit jubelndem frohlocken der schneemann aufgethürmt. Matthisson 23; schlaft wol und euch begrabe mit sanften flocken gott, damit kein gierger rabe mit euch hier treibe spott! Rückert 197; o mutter, wie stürmen die flocken vom himmel, es wird uns in schnee noch begraben. 209; wann die flocken wieder flistern, wohnt er unter den philistern. Schwabs schlittenlied: wann der frost gemach entflohen, der die leichte flocke streut. Platen 6. s. federflocke, schneeflocke, winterflocke. 22) flocke von wolle, haar, seide, distel und andern flockigen blumen: pfül mit flocken gefüllet, culcitra lanea. Golii onomast. 1582 sp. 327; das einer ihn die händ öfnet und mit dem heraus gelasznen bluot ein flocken dunkt (färbt, sp. 320). Frank weltb. 187b; wollsäcke in einem groszen gewölb, welche alle mit flocken und scherwollen (tuchschererwolle) angefüllet waren, mit diesen flocken handierte der kaufmann allein und hatte benebens keine andere waar mehr. fr. Simpl. 2, 137; flocken der blumen; flocken lesen, faseln (sp. 1338); wir sahen den alten weibersommer in schönen langen weiszen fäden und flocken durch die luft ziehen. Weisze kinderfr. 5, 73; bruder, hier um deine brust wirf dies fell voll bunter flocken! Fr. Müller 2, 347; denn was uns furchtbar macht und hochgesinnt, ist nicht der pflugstier, nicht die goldne saat, die weisze flocke nicht der lämmerherde. Freytag Fabier 39. s. distelflocke, seidenflocke, wollenflocke und flockwolle. 33) flocke an schleier und putz der frauen. in einer Speierer kleiderordnung von 1356: der vrowen sol deheine kein schappel dragen oder deheinen sleiger, genant kruseler, der me habe umbe gewunden danne vier vach, also daʒ dieselben vach alle, an den flocken daran, von der stirnen uber sich uf nit höher sint oder sin söllent danne eins twerchvingers hoch (oben sp. 1220). anz. des germ. mus. 1856 s. 175; ein netz von bunten schnüren, flocken und quasten. Göthe 21, 26. 44) flocke f. mönchskutte (Schm. 1, 585), fr. froc, mlat. flocus und frocus, vestis monastica. Ducange 3, 323. 419. vgl. flockenstol. 55) flocke an spiesz und anderm kriegsgeräth: wie der hunnisch könig Cacan Gisulfs fraw mit spiesz und flocken hat gespisset und verkeihelt (verkeilt). Garg. 61b (bei Paulus diac. 4, 38 palum in medio campo configi praecipiens, Romildam in ejus acumine inseri mandavit); ein klöppel klingt nur hohl, doch wilt du sieger sein, so schraube, wie Eugen, petard und flocken ein. Günther 471, vielleicht ist hier flocke mit pflock vermischt, s. flocken 2. 66) bildlich: die hofnung des ungöttlichen oder eines solchen seellosen menschen ist gleich der flocken, die von dem winde hin und her getriben oder gewäget wirt. Keisersberg selenpar. 111a; o glück, wem bist du ähnlich? flocken, die nichts sind, sobald man sie hält. Burmann ged. ohne r. 44; volk, dem er heil, wie flocken gibt. Lessing 1, 100; und der himmel wie glas und die wolken wie flocken von purpur. Platen 258; in den vergoldeten vögeln, die wie Aurorens flocken umher schwammen. J. P. flegelj. 1, 103.
5922 Zeichen · 118 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    flockesw. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    flocke , sw. M. Vw.: s. vlocke

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    flockeM., F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    flocke , M., F. Vw.: s. vlocke (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Flocke

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    1. Die Flocke , plur. die -n, eine Art Fischernetze, S. Adelung Flake .

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Flocke

    Goethe-Wörterbuch

    Flocke a Schneeflocke, auch im (Sinn-)Bild Der Schnee .. Seine Stärke, nämlich die Größe der F-n, wird durch die Ausdrüc…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Flocke

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Flocke , Abzeichen der Haustiere, s. Abzeichen .

  6. modern
    Dialekt
    Flockef.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Flocke f. : wie schd., Flock (flǫg), Pl. Flocke [verbr.]. Zs. Hafer-, Kokos- , Schnee- , Wollflocke . Es macht heit dick…

  7. Sprichwörter
    Flocke

    Wander (Sprichwörter)

    Flocke 1. Die grossen Flocken holen (fressen) die kleinen. 2. Wenn die Flocken fliegen und die Nägel platzen, dann muss …

  8. Spezial
    Flocke

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Flo|cke f. (-,-n) 1 (kleiner Bausch) panjel (-jí) m. , floch (-oc) m. 2 (Schneeflocke) floch de nëi m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit flocke

60 Bildungen · 57 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

flocke‑ als Erstglied (30 von 57)

flockecht

DWB

flock·echt

flockecht , flockechtig , floccidus: folget nach eine weisze flockechtige wollen, gleich wie die flocken am hasenkol. Tabernaem. 327 .

Flocke II

RhWB

Flocke II = Heiderasen s. Flack;

Flockelbett

PfWB

 Flockel-bett , Flocken-bett n. : 'mit Abfallwolle gefüllte Bettdecke'. a. 1773: 1 Flockel Bettchen [SSp., v. d. Leyen Fasz. 100]. a. 1790:…

Flockelkissen

PfWB

Flockel-kissen n. : 'mit Abfallwolle gefülltes Kissen'. a. 1782: 2 feder und 1 flocken Kissen [ebd.]. Rhein. II 635 .

flockenartig

GWB

flocken·artig

flockenartig a vom Schnee Die Schneemassen, sobald sie solidesciren und aus einem staub- und flockenartigen Zustande in einen festen [ Eis ]…

Flockenbeutel

RhWB

flocken·beutel

Flocken-beutel -by·l. Aach m.: scherzh. üppige, lose Haarfrisur, Lockenkopf übermässig langer Haare.

flockengekräusel

DWB

flocken·gekraeusel

flockengekräusel , n. flocci velleris crispi: und darauf im herlichen flockengekräusel hielt ich fest die hände gedreht, ausdaurendes herzen…

flockengewand

DWB2

flocken·gewand

flockengewand n. kleidung aus minderwertiger wolle: z.j.1367 script. rer. lusat., n. f. 1,26.

Flockengewölk

Campe

flocken·gewoelk

◬ Das Flockengewölk , des — es , d. Mz . ungew. kleine, lockere, flockenähnliche Wolken. »Der Mond hing zwischen Flockengewölken .« Kosegart…

Flockenherde

GWB

flocken·herde

Flockenherde -ee- von Wolkenformen, im Vorstellungsbild der Schafherde Wolkenmasse .. von ihrem Gipfel löste sich manche leichte F. los N12,…

Flockenhoor

MeckWB

Flockenhoor n. lockiges Haar: das gespenstische Kalb, das man in Ro Thelk aus dem See fischte, hett Flockenhoor hatt Ro Sülze ; in der Sage …

flocken II

RhWB

flocken II -ǫ- Wend , Ottw-Hasborn , Merz , Saarbg , Trier schw.: et flockt es geht flott von statten. S. flucken, flutschen.

flocke als Zweitglied (3 von 3)

hārgepflocke

KöblerMhd

hārgepflocke , st. N. nhd. Haarpflücken, Haarherauspflücken Q.: Elis (um 1300) E.: s. hār, ge, pflücken W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 1183 (hâ…

scherflocke

DWB

scherf·locke

scherflocke , f. wollflocke, wie sie die tuchscherer von den tüchern scheren ( vgl. scherwolle ) Adelung : den hafen verlutier wol mit einem…

schneeflocke

DWB

schnee·flocke

schneeflocke , f. 1 1) flocke des schnees, mhd. snêvlocke: schneeflocke, floccus nivalis Frisch 2, 213 a ; wer wirds ( die nahrung ) ihnen (…