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firlefanz

nhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

firlefanz m.

Bd. 3, Sp. 1672
firlefanz, m., von fanz wurde oben sp. 1320 und 1, 203 unter alefanz geredet, es musz einen frischen, lustigen kerl oder schalk, scurra, nebulo ausdrücken. noch dunkler zu liegen scheint der composition erster theil. wenn aus ags. feor procul sich ein weiteres adv. feorla, wie aus altn. âr mane ein ârla ableitet, dürfte auch beim goth. fairra an assimilation aus fairla gedacht werden, so dasz die zum grund liegende partikel fair sich nach zwei seiten hin in fairra = fairla und fairnis vetus erweitert hätte, woneben auch πόῤῥω aus πόρσω (sp. 1532) besteht. nicht anders wäre ahd. fër auf fërr, dies auf ein unerhörtes firlo, fërlo zurückzubringen. von fairla könnte im alterthum, das über unsre geschichte hinausreicht, ein nomen fairls, von firlo ein firl, firil, mit dem sinn von fremdling, alienigena, e longinquo advena entsprungen sein, auch fremdling stützt sich auf die partikel fram. in firlefanz entdeckten wir also ein synonym von alefanz und ein gleich altes. bei Weinhold 20b ist firl, ferl ein hurliger mensch, gefirle behende, das stimmt merkwürdig. kein ags. feorl neben feorla vermag ich aufzuweisen, doch das ähnliche feorlen longinquus aus Luc. 15, 13. auf diese noch unausgemachten deutungen folgt nun die reihe der zeugnisse für das wort selbst. warum sollte es nicht schon ahd. und mhd. gegolten haben? die denkmäler gehn daran vorüber, wie an vielen andern ausdrücken. der fremdling hatte einen neuen wunderlichen tanz ins land gebracht und die weise dazu, die bauern erhielten ihn am längsten, sein name blieb auf lanz und weise haften, wie man späterhin galliarden, französische und schottische tänze einführte. gar weidelîch trit si den firlefanzen. Wolkenstein s. 117, wofür MSH. 3, 307b in einem unechten Neidhart fulafranzen verschrieben steht. Fischart, der den alten druck des Neidhart vor augen hatte und aus diesem liede Garg. 165a.b stellen aushob, hat den firlefanz nicht aufgenommen. do pfeif er ir den firlefanz wol nach der dörfer site, do tanzten sie den hottostan, der edelman kam selber dran und wolt auch tanzen mite, ja mite. bergreien 117. Uhland 647; das lernt ich an eim abendtanz, da wir hielten den firlefanz. froschmeuseler Nn 6b; tanzen wir den firlefanz von Schwaben! sie sind nicht all an diesem reihn, die wir sollen haben. Weimar. jb. 3, 130; so ward een minsche noch mit velem eten plaget, mit supen aver macht, bet en de spelman jaget mit siner frölicheit. den kümpt de bruet inn danz, de brögam maket er en groten firlefanz. Lappenbergs Lauremberg s. 117; kumt Marten Dudebrok und bringt em enen dans, Hans Hohn de makt em dar een groten firlefans. s. 137. doch mit der zeit verdunkelte sich der bezug auf tanz und weise und das wort bezeichnete, wie alefanz, blosz etwas altfränkisches, läppisches oder geckenhaftes, eulenspieglisches: für seinen federposch trug er ein schöne, lange, hohe, ploe feder. diser firlefans lappet im lustig uber das recht or herab, wie den zimmerleuten die hanenfedern. Garg. 119a; Stieler 486 erklärt firlfanz gesticulatio, praestigiae; Estor meldet, dasz zu seiner zeit, in Hessen, wenn man dem gesinde vorhalte, es esse zu viel, die antwort folge: wenn ich heisz firlefanz und wär unter der nas ein gans; ihr firlefanze, flügelmännische riesen! Göthe 41, 325; ihr studium ist firlefanz. Gökingk 1, 28; die eitelkeit mit ihrem firlefanz. 3, 235; drum bitt ich, laszt den firlefanz das liebeln und das bängen. Hensler im musenalm. 1779 s. 74; hört ihr den schwäbischen wirbeltanz? lirum trallarum herbei! mag ein pedantischer firlefanz rufen sein ach und sein ei! Haugs walzerlied im musenalm. 1791 s. 9, wo der misverstand des worts, das gerade einen Schwabentanz ausdrückt, desto unglücklicher ist; ich habe den arzt so angeschnauzt, dasz er hinaus ist, der unerträgliche firlefanz. Geo. Forsters briefwechsel 2, 650; eine stelle Klopstocks 12, 406 ist schon 1, 204 ausgehoben; so wil ich heute mein testament aufsetzen, unterschreiben, besiegeln, kürz alles thun, was der juristische firlefanz mit sich bringt. Kotzebue dram. sp. 3, 314; es kam ganz spöttisch schlecht daher, sein dünnes kitteli war manchmal einen halben fusz und mehr zu kurz, denn das mädchen wuchs, vom übrigen firlefanz war keine rede und das meitschi plagte den vater nicht damit. Gotthelf erz. 4, 227. schon bei Henisch 1094, 3 steht fierilafanse laser medicum, asa foetida, teufelsdreck, was firlefanz sein soll.
4408 Zeichen · 61 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    FirlefanzDer

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Х Der Firlefanz , des — es , o. Mz . unbedeutende kleinliche Dinge, Spielereien, Kindereien. Das ist Firlefanz . Sich mi…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Firlefanz

    Goethe-Wörterbuch

    Firlefanz a Narretei, Unsinn [ Franz: ] Fern möcht’ ich hin, immer ferner bis ans Ende der Welt. [ Erster Knecht: ] Wo d…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Firlefanz

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Firlefanz (aus franz. virelai , Reigenlied; mittelhochdeutsch virlei , »Tanz«), ein lustiger, rascher Springtanz der Dor…

  4. modern
    Dialekt
    Firlefanz

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Firlefanz [Ferləfàns Hf. ] n. Albernheit, dummes Zeug, Ungehörigkeiten, überflüssige Verzierungen: dis is t alles F.! De…

  5. Sprichwörter
    Firlefanz

    Wander (Sprichwörter)

    Firlefanz 1. A ies a rechter Firlefanss. – Robinson, 911; Gomolcke, 119. 2. Er ist wie ein Firlefanz. – Eiselein, 670. V…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit firlefanz

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firlefanz‑ als Erstglied (7 von 7)

firlefanzen

DWB

firlefanzen , ineptire: wie solt ein arm man thun, der gern schreiben wolt und künd nichts? er musz je so firlefanzen und mit worten umbher …

firlefanzer

DWB

firlefanzer , m. nugator, gesticulator, der mit worten umher träumet. Luther. Stieler 486 .

firlefanzerei

DWB

firlefanz·e·rei

firlefanzerei , f. gesticulatio, praestigiae: es machte uns zwar, ohnfehlbar, ein böser geist, unterweges allerhand firlefanzereien vor. Fel…

Firlefanzerēy

Adelung

firlefanz·e·rey

Die Firlefanzerēy , plur. die -en, alberne Possen, unwitzige schnelle Einfälle, alberne Ausflüchte, in den gemeinen Sprecharten; fast wie Al…

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APA
Cotta, M. (2026). „firlefanz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/firlefanz/dwb?formid=F04549
MLA
Cotta, Marcel. „firlefanz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/firlefanz/dwb?formid=F04549. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „firlefanz". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/firlefanz/dwb?formid=F04549.
BibTeX
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