fahen ,
capere, goth. fahan faifah,
ahd. fâhan fîo fie,
mhd. vâhen vie,
alts. fâhan,
ags. fôn,
engl. ganz erloschen, mnl. vaen,
nnl. vaan,
fries. fân,
altn. fâ feck,
schw. f fick,
dän. faae fik.
der nasalform goth. also noch keine spur, es gilt weder faggan
noch ein subst. faggs.
ahd. aber zeigt sich, neben dem praes. fâhan,
zwar das praet. fie,
selten pl. fiegun,
gewöhnlich fiang
pl. fiangun,
part. gifangan.
das mhd. vâhen,
gekürzt vân,
praet. vie
und vienc,
pl. nur viengen,
part. gevangen
stehen fast ebenso; nhd. beginnt fangen
auch ins praes. vorzudringen, obgleich fahen
fortbesteht. Luther
gibt dem praes. noch überall in der bibel fahen,
nur Col. 2, 20
und 2
Macc. 12, 35
hat sich fangen
eingeschlichen, doch im praet. sg. das fie
aufgehört, nur fieng
und fiengen
sind üblich. heute klingen uns fahen,
anfahen, empfahen, umfahen
edel und feierlich gegen die herschenden fangen, anfangen, empfangen, umfangen.
nicht anders erscheint neben ags. fôn
das praet. feng, fengon,
alts. neben fâhan fêng fêngun,
fries. neben fân feng fengon,
nl. neben vân vieng viengen.
den nord. sprachen konnte der nasallaut erst in den pl. praet. und das part. einschreiten, praes. und sg. praet. hielten sich frei davon, altn. fâ feck fengo fenginn,
schw. f fick fingo fngen,
dän. faae fik (
für sg. und pl.) faaet.
in feck, fick, fik
erscheint die ten. härter als die goth. asp. in faifah,
welche im ahd. fîo fie
völlig abfiel, nur dasz im pl. älterer denkmäler noch fiegun
ausbricht. die genäselten formen ergeben sämtlich ng (
strengahd. nk),
auslautend und im anprall an t
wird auch nhd. fahen
zu fach
und fächt = væt.
erwägt man alle verschiedenheiten, so folgt, dasz fahen
die ältere gestalt des verbums war, fangen
die jüngere. beide steigen aber schon auf in urverwandten sprachen. sp. 1218,
bei untersuchung der wurzel von fach
wurde zu fahan, fâhan
das skr. pax,
amplecti, capere, gr. πήγνυμι,
πέπηγα,
ἐπάγην,
lat. pango pepigi, paciscor, pactus sum
gestellt. pax, pacisci, fahan
sind nach der regel verschoben und goth. ahd. h
neben lat. ten. für ch
eingetreten, wie jener imp. vâch
und das subst. fach,
ags. fäc
bestätigen; auch im nord. feck, fick
deutet ten. auf ältere asp. zum nasallaut bekennen sich πήγνυμι, pango, compingo,
halten ihn aber vom praet. pepigi, compegi
fern, während er umgedreht bei uns vorzugsweise dem praet. zu theil wurde. ähnlichem verhalt begegnen wir bei hahan, gehen
und stehen
neben hangen, gangen, standen,
doch mit oft abweichender entwicklung. Das allermerkwürdigste wäre eine kaum zu verkennende nahe berührung zwischen fahen, heben
und haben,
welchen lat. pangere, capere
und habere
zur seite steht. von haben = habere
ausführlicher zu reden musz auf dies wort selbst verspart bleiben. capere
ist aber förmlich unser heben,
goth. hafjan,
der bedeutung nach unser fahen,
wie sehr sich die begriffe des hebens und nehmens verwandt liegen, denn der aufhebende nimmt und der nehmende faszt oder fängt, beginn ist sowol anheben als anfang. durch diesen einklang ihres gehalts wird man auf die vermutung geleitet, dasz die wörter selbst auch éiner wurzel angehören, was sich nur aus lautumstellung erklären liesze. cap
ist umgestelltes pac
und fah
umgestelltes haf (
vgl.pecus faihu, pecto
und capillus, fahs
sp. 1225).
alle einen solchen wandel vermittelnden vorgänge müssen aber in tiefe urzeit zurück verlegt werden, sie ermöglichten, dasz in einer und derselben sprache beide erscheinungen nebeneinander festgehalten wurden, lassen auch einzelne daraus hervorgegangne störungen der lautverschiebung wol begreifen. die reduplicationen faifah, pepigi,
πέπηγα sehen wir auf gleicher linie, während die blosz ablautenden cepi
und bôf
eine ältere reduplication ahnen lassen, die geschwunden ist. capere
und hafjan
würden hiernach einmal dem pangere
und fahan
vorausgegangen sein, unserm fahen
wohnt der sinn von capere ein. bedeutungen des heutigen fahens (
lauter praesensformen), 11) menschen fahen: welche du mit deinem schwert und bogen fehest, die schlahe.
2 kön. 6, 22; er fehet die weisen in irer listigkeit.
Hiob 5, 13; noch fehet man in mit seinen eigen augen. 40, 19; ir seid ausgangen, mit schwerten und mit stangen, mich zu fahen (
goth. greipan mik).
Matth. 26, 55.
Marc. 14, 48; fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du menschen fahen (
goth. fram himma nu mannê siud nutans).
Luc. 5, 10; noch kam es darzu, dasz es dem vatter kund ward, der denn sobald verschuf den ritter in still zu fahen.
buch d. l. 235, 3; sobald der könig sein hinwegscheiden würde vernemmen, würde er ihm eilends nachhangen und ihn unterstehen zu fahen. 257, 1; dis ward der pfleger inne, schicket hin sie zu fahen. Henneberger
preusz. landt. 343; man fahe die beiden andern und thue ihnen ebenso, riefen einige. Wieland 8, 178; alle diese liebeswaffen leg ich an, sie zu fahn. Gotter 3, 520; du hast alle anstalten gemacht, die übrigen, welche bezeichnet sind, zu fahen. Göthe 8, 250; Reineke fuchs sei schuldig des todes! so soll man ihn fahen, soll ihn binden und hängen an seinem halse. 40, 62; zornig sagt es der könig und liesz im augenblick beide fahen, binden und schlieszen. 40, 92; es ist des kaisers will und ordonnanz, den Friedland, lebend oder todt, zu fahen. Schiller 397
a; dasz mich der landvogt fahen liesz und binden. 540
b; er wollte nicht, dasz einer von dem häszlichen zwergvolke mich, das kind des himmels fahe. Rückert 165; fahen läszt er einen zwerg, den er bettelnd auf dem markt erblickte. Platen 325
a. 22) wild fahen: so nim nu deinen zeug, köcher und bogen und gehe aufs feld, und fahe mir ein wildbret.
1 Mos. 27, 3; und welcher mensch, der ein thier oder vogel fehet auf der jaget, das man isset, der sol des selben blut vergieszen und mit erden zuscharren.
3 Mos. 17, 11; fahet uns die füchse, die kleinen füchse, die die weinberge verderben.
hohelied 2, 15; gottlose, die den leuten stellen und fallen zurichten sie zu fahen, wie die vogeler thun mit kloben.
Jer. 5, 26; ein falsch herz ist wie ein lockvogel auf dem kloben und lauret wie er dich fahen müge.
Sir. 11, 31; abermal ist gleich das himelreich einem netze, das ins meer geworfen ist, damit man allerlei gattung fehet.
Matth. 13, 47; den leuten fah das schädlich wild. Schwarzenberg 138, 2; die spinne, die sich in ein garn oder webe wirkt, dasz sie damit die fliegen fahen möchte.
buch d. l. 289, 3; man facht sie (
die fische) mit garnen. Forer 1
a; solche fisch fächt man im frühling. 58
b; und dachte wie ein wild für seine küch er fahe. Logau 2, 64, 57. 33) sich fahen lassen: der fuchs läszt sich nicht leicht fahen; wie das sacrament kompt, fellt, so ists gottes sacrament und leszt sich fahen mit dem glauben. Luther 1, 415
b. 44) ich wil an ewr küssen (
ad pulvillos vestros), damit ir die seelen fahet und vertröstet und wil sie von ewren armen wegreiszen und die seelen, so ir fahet und vertröstet, los machen.
Ez. 13, 20; neige dich den letzten hauch zu saugen und im fluge meinen geist zu fahn. Bürger 100
b. 55) die stadt, burg fahen,
urbem, arcem capere, occupare, einnehmen: nun wird er fahn die weitgedehnte stadt. Bürger 149
b.
heute auch blosz nehmen,
fr. prendre la ville. 66)
ehmals sagte man eines hand
oder hände fahen,
was heute fassen, ergreifen, halten
heiszt: mhd. sô wolder dar gâhen und ir die hende vâhen, daʒ si sich nien slüege mê.
Iw. 1342; als ër vil gërne hin vür zuo ir wolte gâhen und ir die hende vâhen. 1482.
ebenso die füsze, wie noch bisz das ich damit fach dein füsz. Schwarzenberg 123, 1. 77) den ball fahen,
pilam excipere. in Fischarts
spielverzeichnis unter 69 : nu fah den ball ehe er fall. 88) den harn fahen,
urinam redditam excipere: deckt ihn zu gar warm und laszt ihn fahen einen harm. H. Sachs II. 4, 7
c. 99) ram fahen,
sorde se maculare: wer sich an alte kessel reibt, der fähet gerne ram.
Hildebrandslied; so soll sich ire hohe kunst an den alten kessel reiben und den rechten ram fahen. Luther 8, 5
b; ich meine, er solt anlaufen und ram fahen. 8, 59
a. Stieler 1512
nimmt ram fahen
abstract für spe sua falli. 1010) fahen,
in se recipere, annehmen, aufnehmen: ist aber das verbrunnene gut kupferig, so ist es desto besser, so mustu ihm kupfer zusetzen, dann es wird der abgezogene zeug schmeidiger davon und fecht das blei das silber und gold lieber in sich, als allein aus dem unartigen zin. Erker
beschr. der erzt. 34
b. 1111) gedanken, lehre, wahrheit fahen: nein, solche gedanken fehet er nicht aus dem exempel. Luther 5, 70
b; das ein mensch die zarte warheit fehet und preiset.
br. 2, 162; wer meine lere mit rechtem herzen fehet. 2, 243. 1212) was wir fahen, haben wir nit, und was wir nit fahen, haben wir. Müglein
röm. gesch. 135
b. 1313)
steht kein acc. dabei, so wird die bedeutung intransitiv, z. b. der zunder fäht nicht,
will den funken nicht aufnehmen; die pflanze fäht nicht,
will nicht wurzeln, bekleiben; denn meine rede fehet nicht unter euch,
sermo meus non capit in vobis (
goth. vaurd mein ni gamôt in izvis).
Joh. 8, 37; daher kompt es, das auch gots wort nit bei ihr (
der welt) fähet. Frank
paradoxa 2
a; ein jeder stern fähet nach seiner kraft und art von der sonne. Jac. Böhmes
Aurora, Stuttg. 1825
s. 108; der lebendige geist fähet in der süszen qualität.
s. 118.
besonders merke man fahen
in der eigentlichen bedeutung des fahens, umfahens, ohne beigesetzten casus, der sich leicht hinzudenken läszt: und ging nit fur (
ergieng nicht) eincher kus noch einch wort umbsunst oder unvergolten, jetzt facht er, dann facht sie. Wyle
transl. 72, 33. Wolfram
hat den acc. dazu: ër bat die küneginne rîch in küssen unde vâhen zir.
Parz. 47, 1.
vgl.anfahen, befahen,
empfahen, umfahen,
hauptsächlich aber fangen,
dessen praeterita schon frühe zu fahen
gehörten.