fächeln ,
ventilare, regt sich noch nicht ahd. mhd., auch haben die schwestersprachen nichts ähnliches, aus der volksmundart ist höchstens anzuführen das zerfächeln
des Berner oberlandes für auseinander fallen, zersplittern (Stald. 1, 348),
was zerwehen bedeuten könnte. die andern composita anfächeln, auffächeln, befächeln, erfächeln, zufächeln
gehn auch nicht weit zurück und weichen bald in feckeln,
bald in wecheln,
wozu sich poln. wachlować
fächeln und wachlanz
fächer stellen läszt, vgl. den eigennamen Wachler.
böhm. gilt fochrugi, fochrovati
für fächern, fächeln. wecheln
beglaubigt Diefenbach 611
a und des Mathesius aufwecheln.
selbst bangeln, banklen (1, 1104)
wäre zu bedenken, kaum lat. focillare, refocillare,
aufbächeln. vgl. auch fachen und wehen.
unsern dichtern muste das einfache wort willkommen sein, zeigt sich aber erst im 17
jh., häufiger in des 18
zweiter hälfte. 11)
intr. o liebster, was bedeut das ungewohnte röcheln? die furcht der heiszen brust? der matten lungen fecheln? Fleming 144; fächelnde westwinde schwärmen um ihn und kühlen die wangen. Zachariä
tagesz. 37 (2, 33); der mittag, begleitet von fächelnden stunden, eröfnet sein füllhorn, mit blumen umwunden, und gieszt es auf alles verschwenderisch aus.
dessen gedichte 1761
s. 539; immer kann der west nicht fächeln, auch der nord musz einmal wehn, will man sehn den himmel lächeln, musz man ihn auch weinen sehn. Burmann
ged. 44; der kannte nie der liebe lust und schmerz, der nie erfuhr, wie süsz ihr athem fächelt. Bürger 69
a; mich labt der weste fächeln am hainquell. Matthisson 124; vor meines liedes fächeln scheint ihm die welt zu lächeln. Rückert 199; blumen, die ich mit thränen der sehnenden liebe geträumet, die ich sprossen gemacht, fächelnd mit hauchen des wehs. 266; so frug ich bange zweifelnd und empfand im wind das fächeln schon der todeshand, und fühlt es kühler schon im herzen flieszen. Lenau
n. ged. 95; ein fächelnder abendwind. J. P.
Hesp. 4, 47; er wuste nicht, wofür er das ding zu nehmen habe, das unsichtbar an der feuermauer auf und nieder hobelte und so verdächtig um ihn fächelte.
papierdrache 2, 41. 22)
tr. anwehen, heranwehen, der verliebte himmel lächelt in die gleicherwärmte luft, welche gleichsam küsse fächelt auf der schwangern erden kluft. Fleming 363; ein bunter thor, der tändelnd uns umflattert und unterdes er sich im spiegel selbst belächelt, studierte seufzerchen mit schaler anmut fächelt (
früher röchelt). Wieland 9, 19; lose kleine amoretten, die ihre rege glut mit goldnen schwingen fächeln. 9, 293; fächelt denn auch so schön wie hier in ihrer lilienbrust die wollust selbst den geist der jugendlust? 10, 182; süsze liebe! morgenrosen athmen reiner nicht den duft, sanfter, ihnen liebzukosen, fächelt zefir nicht die luft. Boie
in Voss
musenalm. 1789
s. 101; lieblich fächeln euch sanfte, kühle weste. Weisze
kom. opern 1, 3; wenn du den mittag fühlest, gedrückt von heiszem sonnenstral, 'brichst du gesträuch und kühlest mich fächelnd allemal'. 1, 140; sanft und lieblich ist der west, thal und aue lächelt, wann er an der Flora fest ihre kinder fächelt. 3, 120; Dorchen sinkt halb in ohnmacht, Kunz läuft zu ihr, kniet neben ihr hin, nimmt ihre hand, fächelt sie mit dem hute und thut alles sie wieder zu sich zu bringen. Weisze
die jubelhochzeit s. 172; bei welchem actus der häuslichen jurisdiction sie selbst mit dem kehrbesen den verabschiedeten ehegespan zur thür hinaus fächelte. Musäus
volksm. 650; labe dich indessen an dieser luft, die jetzt noch so wollüstig deine reizbare haut fächelt. Klinger 7, 140; unsichtbare hände fächeln ihn (
den menschen), wenn er brennt und tragen himmelsblumen vor ihm zur stärkung vorüber. J. P.
papierdr. 2, 171; verflucht sei die luft, die dich fächelt. Schiller 151
b; die rose spricht: sein muth ist ungeraubt dem zefir, meinem diener, der mit witze mir kühlung gegen deinen brand zu fächeln, und dafür zu verdienen weisz mein lächeln. Rückert 402. 33)
refl. Lisette schweigt, und lächelt, wie eine dame thut, die sich gelassen fächelt. Zachariä; so schmachtet er am bach, wo sich die musen fächeln, ein zweiter Tantalus. Gotter 1, 335.