ERWEHREN vb. ahd. irweren,
mhd. erwern, erweren.
mnd. erwēren;
ae. āwerian.
präfixbildung zu wehren
vb. das verb tritt in seiner gesamten bezeugungsdauer, jünger ausschließlich mit genitivischem objekt auf. daneben sind dativ- und präpositionalobjekte bezeugt. der reflexive gebrauch überwiegt. jünger wird erwehren
nur stilistisch gehoben verwendet. 1
sich, jmdn. gegen einen angreifer, gegen gewalt kämpfend verteidigen: A9.jh.
defendantur eruuerit uuerden
ahd. gl. 2,236,23 S./S. ⟨v1022⟩ vnde fone dîen dîe mih hazent lôsta er mih uuanda sîe mir oberôren uuâren unde ih mih in iruueren nemahta Notker
3,1,81 ATB. ⟨u1120/30⟩ gotes riteren waren si wilde,/ si heten uil grozze schar, uon got chomen si dare./ nieman mohte sich erweren
milst. exodus 139,14 D. ⟨u1280⟩ er quam geriten in ir lant/ .. mit sô starker herescraft/ daz sich diu frouwe tugenthaft/ mit nihte kunde sîn erwern Konrad v. Würzburg
schwanritter 3163 Sch. 1348/50 ist aber, daz in der wirt und sin helfer hin wider schlahent und sich sin erwerend, die frevelnt damit nit
nördlinger stadtrechte 24 M. ⟨u1444⟩ do slugen die Sachsen auff die Pehem, vnd die Pehem derwerten sich ir
Dalimil 287b J. 1519 ich zwing allein all fürsten, herren,/ myns gwalts kan sich kein man erweren Murner
5,93 Sch. 1612 es lag sonst auch ein ander reichstadt nicht weit davon, hies Campodunum, deutsch Kempten, die thet sich zu den von Augusta, wolten sich mit einander der Beyern erwehren Megiser
chr. Khärndten 1,337. 1762 es hatte 6= und 12pfündige canons bey sich, womit sie sich sonderlich der feindlichen cavallerie erwehrten Carsted
atzendorfer chr. 417 S. 1842 so wurden bereits ende des jahres 1837 in Bengalen schiffe ausgerüstet, die man clippers nannte, und die zum schmuggelhandel gemacht waren; denn sie führten geschütz, um sich allenfalls der chinesischen regierungsschiffe erwehren zu können Bacherer
duft 166. 1920 als ich mich seiner nicht anders erwehren konnte, ergriff ich einen runden kieselstein und schlug ihn damit vor den kopf Winnig
frührot 32. 1979 wie soll sich Südostasien dieser invasion erwehren?
zeit 26,1. –
sich seiner haut erwehren u. ä. phraseolog.: ⟨1740⟩ ich weiß sie durch meine griffe so artig aneinander zu ketten, daß sie nur brauchen sorge zu tragen, wie sie sich von einander lösen mögen, .. ohne zu fürchten, daß selbige .. sich ihrer wolle erwehren mögen Lindenborn
Diogenes (1742)1,716. 1954 es erscheint mir wichtig, .. sich seiner haut zu erwehren, ohne sich zu verbrennen Mönnich
land 281. 1979 nun, zeigte sich die dame Arminia
(fußballmannschaft) auf der einen seite recht zartfühlend, so vermochte sie sich auf der anderen durchaus ihrer haut zu erwehren
gött. tagebl. 42, sport. 2
etwas verhindern. a
abweisen, behindern: ⟨1060/5⟩ ‘nû tuon wir ouch einen man nâch unserem bilidi getân,/ der .. nâch uns gebiete,/ deme sich daz wîte mere nieht irwere/ daz er dar inne neme al des in gezeme
wiener genesis 90 S. hs.E12.jh. der stein was niht so herte/ daz er sih des erwerte priester Wernher
D 4233 W.⟨z.j. 1422/3⟩ ir harnasch was so wol gehert,/ daß er sich schüz und würf erwert
lieder Württembergs 6 S./ M. 1576 wann nuhn der diemandt deß feürs eigenschafft hette .., moͤcht er sich des feürs nicht erwehren Thurneysser
confirmatio 18a. 1830 sie
(wahrheit) läßt sich nicht abweisen von dem widerstrebenden; wie ein alles auflösendes flüssiges durchdringt sie, wie spröde es ihrer sich erwehren mag, schnell seine verschlossene masse Görres
15,266 Sch. b
(jmdm.) etwas verwehren verbieten: ⟨1130/50⟩ er hîz sû alsô wesen gereit,/ daz sî dî berge vingen/ dâ dî engen wege durch gingen/ hin ze Jeru- salêm,/ swâ sî dî mohten verstên,/ daz man in
(Holofernes) daz erwerte/ swâ sî der mohten haben dechein geverte
jüng. Judith 467 ATB. ⟨u1160⟩ da ne mochten iz die winde irweren/ noch die unde in den mere,/ sie ne uluzzen ../ .. unze an sente Egidien lant
trierer Aegidius 1509 B. 1296 damit wellen wir erweren, daz nieman mit in spil und irre lernuͦnge dester vleizziger werden
samml. pädagog. schr. 12,2 I. hs.u1350 Dorothea, daz kan nymant irwern,/ wir wullen vns vz dem vnrechten gelouben keren/ vn̄ wullen gelouben an dynen heren Ihesum Crist
dorotheasp. 199 Sch. 15.jh. wile man doch spielen nit wol erweren kann, so sint unsere herren meister und rat überein kommen, .. das man ein husz haben soll darinne man spielen mag, und niergent anders
straßb. zunft-verordn. 482 B. 1556 dises zancks kamend die kaͤmerling vn̄ diener beyderseyts .. bald mit feüsten zuͦsamen vnd hettend die sach mit dem schwaͤrt in der kirchen außgemacht, wo das hertzog Otho von Beyern nit erweert hette Stumpf
Heinrych IV. 7b. 1769 ich will sie den löwen vorwerfen; – (höhnisch) wenn Vinder es nicht erwehret Bodmer
schausp. (1768)2,96. c
etwas abwenden, sich schützen vor etwas: ⟨u1187/9⟩ ez leit der vischære/ von armuot grôze swære/ .. des wart sînem lîbe dicke wê,/ wande er sich alsus nerte,/ sîniu kint erwerte/ dem bitterem hunger alle tage/ níuwán mit sînem bejage Hartmann
Gregorius 1206 N. ⟨1215/6⟩ daz reht habe wir uns gemacht/ mit unsers gewaltes kraft/ und mugen uns erwern niht/ des unrehts daz uns geschiht Thomasin
4067 R. ⟨u1340⟩ daz sag ich uch: daz wilde mer/ mocht sich mit nihte des erwer,/ ob sie einen vinger dar ein stieße,/ ez gewunne an suße den genieß
minneburg 1922 DTM. ⟨1444⟩ wann etlich guͦt rytter prunczten in geschir unnd truncken iren eygen haren, damitt sy sich des durstes mochten erweren
volks- u. schwankb. 2,67 DLE. 1593 woher abr sol ich mich ernehrn/ vnd mich hungers vnd dursts erwehrn./ weil all das mein mir ist entwendt Glaser
phasma E7a. 1783 nach den begriffen des wahren judentums sind alle bewohner der erde zur glückseligkeit berufen, und die mittel derselben so ausgebreitet, als die menschheit selbst, so milde ausgespendet, als die mittel sich des hungers und anderer naturbedürfnisse zu erwehren Mendelssohn
Jerusalem 2,41. –
sich auf dem rechtsweg schützen, verteidigen: ⟨u1280/5⟩ do er lebete vf sinem guͦte. daz sol er geben er mvͥge sich danne zerehte erweren
schwabenspiegel 195a L. ⟨1456⟩ unde er muß darczu antwerten addir sich der antwert met rechte irweren
schöffenspruchsamml. Pössneck 1,39 G. 1570 damit wir sambt denjenigen, so den stedten zugethan und vorwandt, bei solchem partheischen und vordechtigem gerichte des unrechten und zunottigen gewaldts auf einen oder den andern wegk uns wie zu beschützen undt zu erwehren haben
cod. dipl. Silesiae 27,218. d
sich gegen ein übermaß, gegen lästiges schützen: 1597 arme leute, beneben jhren kindern in der stadt vmbher, den leuten in die heuser lauffen, daß man sich jhrer kaum erwehren kan Bökel
pestordn. 31a. 1669 was hunger bey einem jungen gesunden menschen für eine grosse plage sey, und sonderlich wenn das ungezieffer in den kleidern darzu kompt, daß man sich dessen nicht erwehren kan Iversen
in: Andersen /I.
reise-beschr. 143 O. 1793 der rückenstecher .. setzt sich in großer menge dem viehe auf den rücken, welches sich ihrer mit dem schwanze zu erwehren sucht Donndorff
thiergesch. 687. 1910 da ich jetzt so ein wenig in der öffentlichkeit ausgestellt bin, so kann ich mich oft kaum der bettler erwehren Thoma
aus 80 lebensjahren 2296 B. 1968 Ida, die immer muntere, die perfekte sekretärin, die sich so vorzüglich eignete, unbeschwerte laune zu verbreiten – ihrer hatte er sich gerade noch mit mühe erwehrt Fussenegger
pulvermühle 28. 3
etwas unterdrücken, nicht zulassen. überwiegend in der negation sich nicht erwehren können. a
etwas vermeiden, unterlassen sich verweigern: ⟨v1022⟩ sô sint sie aber bôse daz sie in selbên geduuingen nemugen noh sih eruueren âchusten Notker
1,3,259 ATB. ⟨1130/40⟩ er hete einen liben man. den hiz er sunters gan. der ne mahte sich des niht irwerigen
bücher Mosis 19 D. ⟨v1209⟩ Machmet dar ûffe saz;/ dâ bî man solde wizzen daz/ sich niht erwerte sîm gebot Wirnt
6574 K. ⟨1386⟩ spricht Crisostomus der guldin mund über Mathei euangelium wie vn̄ was tugent du mynnende sele dich fleissen soͤlt vnd wie du vntugent dich erweren magst Otto v. Passau
(1480)172b. hs. 15.jh. wer rechter site sich erwert,/ der selbe mit allen schanden vert
dt. facetus 223 Sch. 1586 ein paar denck ich noch zuernehrn/ schlagens
(der frauen) mich auch wol zuerwehrn./ vnd wenn dann ein kompt in die wochen/ so kan d ander jhr suppen kochen Göbel
fart D7b. 1756 daher kömmt es, daß die mächtigsten monarchien .. endlich ein raub für arme nationen werden, die sich der gefährlichen versuchung nicht erwehren können, jene unter sich zu bringen
Rousseau, ungleichheit 174. 1863 wenn man so etwas liest, kann man sich des geständnisses nicht erwehren, daß Deutschland noch ungemein der schule bedurfte
dt. zuschauer 3,52. –
den schlaf unterdrücken: ⟨1.h12.jh.⟩ man inkan sich des slafis nimir baz irwerin, danne bit unsanfda ligene unde bit fenjene
idsteiner sprüche 87 M. u1500 hirumbe so wurde he fol slaffs unde enkunde sich in dem chore dess slaffes nicht herwerin Gerstenberg
chr. 353 D. 1602 kan man sich aber deß schlaffs nicht erwehren, so soll man .. sich nicht gar zu bette legen, sonder auff dem sessel mit auffgerichtem kopff schlaffen Förter
badb. 2,71. ⟨1728⟩ ich kann mich bey einigen schriften der alten kaum des lachens enthalten, bey andern aber kaum des schlafes erwehren Gottsched
redekunst (1739)22. 1881 Raimund ging mir treulich an die hand, so lange er sich des schlafes erwehren konnte Ebner-E.
n. erz. 58. b
gefühle, stimmungen nicht zeigen, nicht aufkommen lassen: ⟨1315/23⟩ nach disen wortin ving si einen starken mut unde erwerte sich der zeere Köditz
hl. Ludwig 64 R. ⟨u1370⟩ vnd als Cyrillus wider kom czu im selber, do ward sein hercz ersüszet mit vnsprechenleichen frewden, also das er di ganczen nacht vor grosen frewden nicht mocht weynens sich erweren Johann v. Neumarkt
2,217 K. 1545 ich muͦß ein klein für thür heruß/ es ist so grosse klag im huß/ ich mag das klagen nit mer hoͤren/ ich moͤcht michs grynen nit erweren
gesch. Danielis Q2b. 1669 fiele ihr dan .. des Eliesers elender zustand ein, darinn sie ihn gestern gesehen, so kunte sie sich der thränen nicht erwehren Anton U. v. Braunschweig
Aramena 1,31. 1799 wir sind also zwar wegen des lebens meiner frau nicht mehr in sorgen, aber können uns der furcht nicht erwehren, daß ihr kopf leiden möchte Schiller
br. 6,104 J. 1812 auch dießmal hatte ich mich .. durch .. kleidungsstücke und durch die art die haare zu kämmen .. so wunderlich zugestutzt, daß mein freund unterwegs sich des lachens nicht erwehren konnte Goethe
I 27,348 W. 1919 mir erscheint der fall ein wenig tragikomisch. ich kann mich eines lächelns nicht ganz erwehren Iger
spartakustage 68. 1975 ich konnte mich des gefühls nicht erwehren, daß Korfanty die unwahrheit beschworen hatte Bienek
polka 2257. c
sich einer einsicht, notwendigkeit, einem problem verschließen: 1660 da haben ihr fürstl. gn. sich solches zu thun verwegert und erwehret, ohnangesehen, daß könig Franciscus solches gern gesehen hätte Schwelin
würt. chr. 216. 1702 also ist es demnach auch kein wunder, daß unsere matrone sich dieser alles auffreibenden und unhindertreiblichen nothwendigkeit nicht hat erwehren können Pritius
proben 183. 1836 wenn wir überdiess die ausnahmen von dem allgemeinen verhalten eben da eintreten sehen, wo auch die bodenarten dem wechsel unterworfen sind; so lässt es sich des urtheiles nicht erwehren, dass die geognostische unterlage den grund des verschiedenen charakters der genannten floren ausmache Unger
einfluss 115. 1881 ich fühlte mich von meiner aufgabe hauptsächlich deßhalb so schwer bedrückt, weil ich mich des zweifels nicht erwehren konnte: du bist vielleicht ungerecht Ebner-E.
n. erz. 26. 1972 man kann sich nicht der ‘frage erwehren, inwieweit sie (sc. die atomphysik) eine wahre theorie ist ..’
umwelt-revolte 161 W.Arbeitsstelle