1ERSTERBEN vb. ahd. irsterban,
mhd. ersterben.
as. āsterƀan,
mnd. ersterven
; mnl. ersterven
; ae. āsteorfan,
me. asterven.
präfixbildung zu sterben
st. vb. 1
sterben, umkommen, das leben verlieren. hauptgebrauch bis ins 17. jh.: ⟨790/802⟩ ibu chortar miniv in kankanne tuam arabeittan, ersterbant alliv einemv tage
(si gregos meos in ambulando fecero laborare, moriuntur cvncti vna die) benediktinerregel 276,22 S. 863/71 wio er
(Christus) selbo druag thaz kruzi, tho er thulta thaz wizi,/ joh irstarp thare in thes cruces altare Otfrid
II 9,80 E. ⟨v1022⟩ uuanda dû der bist, temo daz chunt ketân ist, unde in-gestuncôt ist, mit manigfaltero lêro, daz menniskôn sêlâ ersterben nemugen Notker
1,1,96 ATB. hs.n1163
(Christus,) nu uerlich mir, daz mir sin ein teil uon dinen genaden moͮze werden, daz ihc des ewigen todes nieht ersterben
gebete einer frau 376 D. ⟨u1235⟩ ich wil mit ritterlîcher wer/ ûf disem velde ersterben/ odr wernden prîs erwerben Rudolf v. Ems
Alexander 21171 LV. ⟨1301/19⟩ ob im ein solhe swære,/ schade unde smæhe/ daran geschæhe,/ er möht vor leid ersterben Ottokar
öst. reimchr. 63743 MGH. ⟨1484⟩ sy stonden ym an seiten
(die diener ihrem herren) und gaben da mit zuͦversteen, das sy bereit werent ym zedienen, auch mit ym zuͦ ersterben und zeleben
Tristrant 38 LV. 1540
(daß) bei menschen gedechtnus solch gemeine teurung aller dinge nie so urpletzig sich ereugt. darumb und daz die armut und der gemeine man nit hungers ersterb und umbkumme, .. haben ir chf. g. aus not und erbarmen der armen leut solh verbot .. ausgehen lassen
kurmärk. ständeakten 1,147 F. 1699 er
(der sterbende vater) seuffzte: daß sein geist frey seines kerckers würde/ und daß im frieden er, wie Simeon, erstürb
d. schles. Helicons ged. 579. 1736 so bald man bedenket, was die übermässige hitze auf dem erdboden anrichte. muß nicht vor grosser hitze das erdreich verschmachten; .. menschen und viehe aber vor mangel der nahrung ersterben Hanow
merkwürdigkeiten (1737)115. 1822 an den stellen wo die kanonade hingewirkt, erblickte man großen jammer: die menschen lagen unbegraben, und die schwer verwundeten thiere
(pferde) konnten nicht ersterben Goethe
I 33,80 W. –
in ergebenheits- und höflichkeitsformeln wie in jmds. dienst, (als) jmds. diener, freund ersterben;
bes. briefstil des 18. jhs.: ⟨v1255⟩ læt mîn frouwe ir friunt verderben?/ ich muoz in ir dienste ersterben,/ sî enwende senden pîn
liederdichter 426 K.hs. 15.jh. ich wil hie frauen huld erwerben/ und auch in irem dinst ersterben
fastnachtsp 1,267 LV. 1663 ich ersterbe der herren bereitwilligst- und verpflichtester diener! Gryphius
lustsp. 125 LV. ⟨1749⟩ ich ersterbe dein getreuer freund und bruder Winckelmann
(briefschluß) Winckelmann
br. 1,89 R. 1813 ich .. ersterbe euerer kaiserl: hochheit! treu gehorsamst unterthst: knecht
(NN) qu. dt. volkskde. 2,22 G./M. –
jünger in wendungen wie in demut, vor höflichkeit ersterben ‘
sich devot, übertrieben höflich verhalten’; in berührung mit 2 b: ⟨1876⟩ er ergreife .. die .. gelegenheit, dem erlauchten .. gönner aller wissenschaft, die gesammelte frucht eines arbeitsamen langen lebens in demut ersterbend anzubieten C.
F. Meyer
10,126 Z./Z. 1952 dieses land
(China) steckte voller gegensätze, .. man erstarb vor höflichkeit und klügelte die raffiniertesten strafen aus Krbek
unendl. 96. 2
absterben, zugrundegehen, vergehen. bis ins 16. jh. selten, seit dem 18. jh. hauptgebrauch (unter a, b
). a
die lebenskraft, lebensfunktionen verlieren, verdorren, vertrocknen, unfruchtbar, starr werden. oft im part. prät.: u830 nibi thaz corn thinkiles fallenti in erda tót uuirdit, thaz selba eino uuonet: ob iz erstirbit, managan uuahsmon bringit
(nisi granum frumenti cadens in terram mortuum fuerit, ipsum solum manet, si autem mortuum fuerit, multum fructum affert, Joh. 12,24) Tatian 2139,3 S. ⟨v1022⟩ fone diu ist diu erda fol truhtenes knâdon. granum sinapis irstarb, dannan cham multus fructus in tota terra
(zu ps. 118,64) Notker
3,3,897 ATB. ⟨12.jh.⟩ und als er
(Christus) durch uns starp, daz allez unser leit und unser sunde alsô ersterbe an uns
altdt. pred. 86 J. ⟨1282⟩ in der zeit
(im winter) wirt gelenget die naht und gekürtzet der tag .. was gruenet, das erstirbet das merer taile; die tierlein erherttent als die stein in dem ertrich Hiltgart v. Hürnheim
79 DTM. ⟨2.h14.jh.⟩ und her umb sprichet unser herre: ‘es sy danne daz daz weissenkorn valle in daz ertrich und ersterbe, so mag es nit fruht bringen; aber erstirbet es, so bringet es vil fruht’
b. v. geistl. armuth 106 D. 1491 ob aber der geschnitten taill des stames
(der weinrebe) erdorret ist durch inblawsungen der sunen, .. so gebúrtt sich zuͦ rainigen mit dem karsch, was da tod oder erstorben ist Oesterreicher
Columella 1,262 LV. 1522 er
(Abraham) ward nicht schwach ym glawben, nam auch nicht gewar, seynes eygen leybes, wilcher schon erstorben war, weyl er fast hundertierig war, auch nicht des erstorben leybs der Sara. denn er zweyffelt nicht an der verheyssung gottis
(Röm. 4,19) Luther
bibel 7,42 W. 1603 darauff denn die huf
(des pferdes) dieweil sie, wie gesagt, keine nahrung haben, also verhärten, außtrücknen, vnd gleichsam ersterben müssen Uffenbach
anatomia 2,282. 1767 man nimmt dazu
(zum pflanzen der hecke) keine alten stämme .. die alten ersterben leicht, oder geben lücken Münchhausen
hausvater (1764)3,1,115. ⟨1838⟩ aber sie, mein herr, werden das nie begreifen und ewig die morschen, stagnirenden exkremente abgethaner und erstorbner weltauswickelungsperioden .. in sich contensiren Sallet
s. schr. 3,128 P. ⟨1921⟩ ein reiher fliegt schwerfällig auf und lässt sich auf einem erstorbenen baume nieder Schweitzer
wasser (1925)23. 1954 wie geschichtswissenschaft mehr kampf gegen das vergessen ist als eroberung neuen landes, so bedarf die vergangenheit, um nicht zum stoff zu ersterben, des belebenden hauchs der jeweiligen gegenwart Heimpel
mensch 186. –
verderben, faulen: ⟨1545⟩ wirt etwan das fleysch vnder der haut zermurschet oder gequetscht .., welche schedigung scheutzliche masen gibt des gerunnenen oder geliferten bluͦts, welches sich zwischen fell vnd fleysch setzt vnd etwan daselbst erstirbt Ryff
chirurgei (1559)1/5,94a. ⟨1674⟩ so ist auch das
(von einem vergifteten geschoß) verwundete fleisch bleich und bleyfarbig, und läst sich ansehen, als wenn es gar ersterben wolte Bürger
candidatus (1692)300. 1716 die ochsen=zungen einzusaltzen geschiehet auf folgende weise: man saltzet sie vor ihrem ersterben gantz frisch Marperger
küch- u. keller-dict. 855b. b
schwinden, erlöschen, allmählich vergehen, aufhören: hs.E12.jh. do muse erbleichen danne/ div schone v̄ div gute froͮe Anne./ ir liehtiv varwe uerdarp,/ al ir froͮde erstarp priester Wernher
D 498 W. ⟨u1230/40⟩ unz dem dritten gesellen/ allez sîn ellen gesweich./ .. geselle Ruolant, sprach er,/ .. wir müezen uns nû scheiden/ der werltlîchen geselleschaft./ mir ist erstorben diu kraft,/ der tôt hât mich gevangen Stricker
Karl 7528 B.hs. 1350/7 daz der arge winter künde ersterben,/ der uns selwet loup gras vîol klê
liederdichter 284 K. hs.u1470 du lege an dich der êren kleit/ in dîner blüenden jugende./ sô maht du frôlîch rîlîch lop erwerben,/ des lobes wort mac an dir niht ersterben
meisterlieder kolmarer hs. 164,23 LV. 1588 wermuth bletter in die schuch gelegt, vnnd mit blossen fuͤssen darauff gangen, bringt lust zur speiß, vnd nimpt hinweg den erstorbenen vnnd gar verlornen appetit Tabernaemontanus
kreuterb. 1,9. ⟨1696⟩ nein, wertheste hoffmeisterin, so gute hoffnung ist bereits in mir erstorben; des glückes feindschafft zeiget sich zu hart wider mich Bohse
Doris (1699)133. 1780 der wind nahm nach und nach ab, und erstarb gegen mittag gänzlich Forster
reise (1778)2,382. ⟨1861⟩ Oswald wollte lachen über die tolle maskerade, aber als er einen blick in das gesicht des knaben warf, erstarb das lachen auf seinen lippen Spielhagen
s. w. (1872)1,105. 1973 er möchte zahlen, und da der preis ihm nicht genannt, sondern mit ersterbender stimme hingehaucht wird, knallt er .. seine markstücke auf den tisch Lenz
vorbild 419. c
gefühllos, taub, unempfindlich für etwas werden: hs. 14.jh. disiu mönschen sint ir selbers und aller untugent also ze grunde erstorben, das si kein untugent mugent würken
altdt. pred. 192 W. u1466 sein weip, die sagt im dise wort. sein hertz das erstarb inwendig: vnd ward gemachet als ein steine
1. dt. bibel 5,113 LV. ⟨v1510⟩ es sy denn, das du gantz in dir selber erstorben siest, vnd du got allein lebst, so würd der win goͤtlicher lieb vnd worer gedult niemer starck vnd krefftig in dir Geiler
bilgerschafft (1512)87b.1612⟨or. 1563⟩ wisse derowegen, daß du keine verwundte finger hart binden solt: dieweil sie von solch hartem binden gern ersterben Würtz
wundartzney 155. 1792 dein gefühl ist für jede sanftere empfindung erstorben Fessler
Aristides 1,64. 1874 an einem feuer versuchten wir uns die in der kälte fast erstorbenen hände zu erwärmen Aubel
polarsommer 265. 1929 für jede nicht ganz in ihren gefühlen erstorbene frau wird die erotik ein weg zur liebe sein Thiesz
erziehung 80. 3
aussterben. selten. a
nicht fortgepflanzt, fortgeführt werden: ⟨u1147⟩ so gewunnen Rômære/ nie nehainen so tiuren rihtære,/ noh ouh niemer mêr wirdet,/ unze mennisken kunne erstirbet
kaiserchr. 5994 MGH. ⟨E14.jh.⟩ item in diser zit da irstarp di gulden graschaf von Ditze ane manneserben Elhen
limb. chr. 78 MGH. ⟨1797⟩ als der jagellonische stamm erstarb, war kaiser Maximilian II. mit andern dingen im reich beschäftiget J. v. Müller
s. w. 3,394 M. 1888 die teller, vasen, uhren, bilder .. ahmen die technik des limusiner schmelzes des 16. jahrhunderts mit so großem geschicke und künstlerischer vollkommenheit nach, daß man in der that von der wiederbelebung eines lange erstorben gewesenen
(handwerks-)zweiges sprechen darf
b. d. erfindungen 8,275 R. b
menschenleer, unbewohnt werden: 1853 so ersterben diese touristenthäler im spätherbst ganz und die großen, eleganten gasthöfe stehen wie fremdlinge den winter über in der nachbarschaft der Alpen Tschudi
thierleben 12. 1956 allmählich breitete sich hier eine fast vollkommene stille aus. das lokal lag mit seinen beiden fronten an den erstorbenen straßen hell und leer da Doderer
dämonen 131. 4
durch todesfall an jmdn. fallen, vererbt werden. rechtlich: ⟨u1200⟩ Fuquinet he
(kaiser Karl) verle/ da Bertangen riche,/ also dede he werliche/ Elinande Potouwen,/ die van heren inde vrouwen/ inde van rechten erven zwaren/ Karle erstorven waren
Morant u. Galie 5378 DTM. E14.jh. alle dy in
(dem erblasser) denne geliche nahe besibbit sein, iz sy von uater odir von muter, dy nemen daz irstorbin erbe gelich
(zu gleichen teilen) blume v. Magdeb. 93 B. ⟨1421⟩ das clagete her
(ritter) seyme weibe .. unde liess sie vorstehin, das her das lieber vortragen wolde, das sie vonn eyme fromden manne erben gewonne heymelichen, denn das seyn gut uff lewte ersterben sulde, den her ys nicht gunde Rothe
düring. chr. 363 L. ⟨1574⟩ ein eigen ist solch gut in weichbilde, das ein man selber kaufft, mit seiner erarbeiten gute, vnd gelt, vnd nicht auff jn geerbet ist, ist von seinen eltern, vnd an jn erstorben Pölmann
handtb. (1576)K3a. 1606 wan und vom weme solche
(gerechtigkeiten und abgaben) uf sie erstorben und erbsweise kommen
bad. weist. I 1,75.Albrand/Peperkorn/Arbeitsstelle