ERKIESEN vb. ahd. irkiosan,
mhd. erkiesen.
mnd. er- kêsen;
mnl. nnl. erkiesen.
präfixbildung zu kiesen
vb. überwiegend in formen des prät. bezeugt. das part. prät. älter gelegentlich auch erkosen, erkiest, erküssen.
jünger gehoben. 1
erwählen. a
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Tatian 2169,3 S. ⟨v1022⟩ vuanda dîn gnâda bezera ist, danne dîe lîba
(vitae) sîn alle, dîe misseliche in selben ir-choren habent Notker
3,2,404 ATB. hs.E12.jh. die sint guͦt vnd wolgeborn,/ zallen sælden erchorn priester Wernher
D 1982 W. 1262 die beide wir vnd vnser herre der bischof dar zvͦ erkosen hant
corp. altdt. originalurk 5,10 W. ⟨u1350⟩ einr was ze himelrîch erkorn,/ dâ vuort in hin ein engel guot Boner
edelstein 132 P. ⟨u1430⟩ die herzogin erkieset Mariam Rothe
Elisabeth (1728)2052. 1553 wie man ein rechtschaffen vnd gut ehegemahel erkiesen vnd erwelen sol Sarcerius
ehestand 57a. 1628 im trincken soll man ein klares, abgelegenes vnd wollgehöpfftes bier .. erkiesen Rottendorff
consilivm 176. ⟨1691⟩ es soll einer geraubten weibs=person frey stehen des raubers tod oder seine heyrath zu erkiesen Thomasius
vernunfft-lehre (1699)172. 1783 erkiese selber mir den mann,/ der, ganz für mich gebohren,/ niemals dem laster unterthan,/ sich tugend nur erkohren! Miller
ged. 254. ⟨v1829⟩ es blieb ihn nun nichts übrig, als diesen sonderbaren zufluchtsort zu seiner nachtherberge zu erkiesen Beyer
Listemann (1830)85. ⟨v1886⟩ sie hatten jetzt als ihr nächstes ziel Rom erkoren Scherr
gänge (1887)50. ⟨1923⟩ sie haben sich einen sonderbaren, einen ihrer wenig würdigen kavalier erkoren Klabund
rom. d. leidenschaft (1930)103. 1979 die union
(hatte) in der nacht zuvor Franz Josef Strauß zum kanzlerkandidaten erkoren
frankf. rundschau 152,3. b
jmdn. (in eine verantwortliche, hervorgehobene stellung) wählen; meist in rechtlichen zusammenhängen: ⟨u1130⟩ dvͦ wart ze Rome erchorn/ ein chunich, der wart genennet sus,/ Cesar Augustus priester Arnold
siebenzahl 643 P.-K. ⟨u1240/50⟩ dâ kom ein kappelân hér,/ dér wás ein Vranke als ich./ der erkôs únd erwelte mich/ z’einem bischof umbe daz Stricker
̂Amîs 21990 L. 1347 dar nach als sú drie burgermeister in der vorgenannten stat ze Colmer hant erwelt und erkosen
obrhein. stadtrechte III 3,1,104. 1400/15 do men zalete 1334 jor, do starp her Ruͦlman Swarber der meister: an des stat wart zuͦ meister erkorn sin bruͦder her Behtolt Swarber
(Straßb.) chr. dt. städte 9,780. 1477 anno 77 .. ward ich Anthoni Tucher in den rate genomen und erkorn Tucher
haushaltb 175 LV. 1564 erstlich sollen zu Rom nur drey zuͤnffte gewesen, vnd aus einer jeden zunfft einer zu diesem ampt erkoren sein Breither
de officiis B5b. 1625 nach dem ward zu bischoff erkorn/ Werner auch von Hapspurg geborn Kleinlawel
straßb. chr. 22. 1719 ihr werdet schwören einen eid zu gott dem allmächtigen, .. dem richter=amt des wechsel=gerichts, zu welchen ihr erkießt worden, nach eurem besten verstand aufrecht und redlich abzuwarten Wegelin
wechsel-recht 182. 1784 o warlich! du bist zu bedauern armes Berlin, wenn du dir einen solchen zum reformator erkieset hast
charakteristik Berl. 148. 1837 nicht lange darnach wurde Friedrich von Schwaben .. von den fürsten zu Frankfurt zum oberhaupte des reiches erkoren Havemann
gesch. Braunschw. 1,82. 1927 zum ersten erzbischof wurde jener Adalbert aus dem kloster Weißenburg erkoren Hampe
herrschergestalten 117. 1976 Andreas Baader, der zum führer erkorene Mehnert
jugend 162. 2
wahrnehmen. a
erkennen, gewahren, sehen: ⟨v1022⟩ dîa gratiam nechondon die irchîesen, die faciem Moysi uelatam gesehen nemahton Notker
3,3,926 ATB. ⟨u1150⟩ alse er den grauen hate erchorn,/ duͦ rurht erz ros mit den sporn,/ zuͦ dem grauen er reiht Lamprecht
Alexander V (1923)1343 M. ⟨1264⟩ ir seht daz wol, wie gar lûter unde glanz diu sunne ist âne alle trüebeheit unde daz nieman niht dar inne erkiesen mac, wan daz sie lûtern liehten brehen hât
(bearbeitung) Berthold v. Regensburg
1,539 P./S. ⟨2.h14.jh.⟩ darnach in Krakawer lant/ vil untrew wart erchoren Suchenwirt
20,122 P. ⟨u1450⟩ es was ouch als fruo, das man kein spiess wafen noch harnisch erkiesen kond Fründ
chr. 68 K. 1521 dieweil wol lantleut vom adl vnnd ander hochgelert, erber person im lannd vorhanden wärn, so solt derselbigen ainer für ainen frembden erkiest sein
font. rer. austr. I 1,454. 1610 es lesset jhn
(Moses) gott das gelobte land von fernes ein wenig sehen, daß ers kan erkisen, aber in der wüsten muß er sterben, vnd sich an diesem schawen behelffen Herberger
Jerusalem 26. ⟨1704⟩ ja mein hertze will nicht glauben, ob es gleich die wahrheit ist;/ wenn es nicht das auge siehet, und auch die vernunfft erkiest Schmolck
flammen (1709)1,72. ⟨1778⟩ daß dein herz nicht übel wähle,/ was dein auge wohl erkor Bürger
1,14 W. b
erleiden, erfahren: ⟨1187/9⟩ vil wol man ir kos/ ir stiche unde ir slege Heinrich v. Veldeke
Eneide 8884 DTM. ⟨1240/50⟩ swaz sie hie shaden hant erkorn,/ des wirt sa vergezzen gar Ulrich v. Türheim
Rennewart 24242 DTM. 1331/6 sluog er Kein einen slag so gros,/ daz er vil nohe den tot erkos Wisse/Colin
183 Sch. ⟨1455/70⟩ ich hondertfalt lieber wolt erkiesen den bittern dott, dan solichs inn myne synne vnd hertzen ein stonde oder zyt komen solt
Pontus 69 TSM. u1520 sag, wen beherbergstu die nacht?/ von dem hab ich die hilff erkorn Folz
reimpaarsprüche 14,277 F. 1659 viel besser denn, den tod in höchster ehr erkohren,/ als schändlich und befleckt nur jahr auf jahr gezehlt/ und bis auf graue haar um eitel tand gequält Gryphius
trauersp. 589 LV. 3
ersinnen, erfinden, bereiten: hs.E12.jh. got selbe het im erchorn/ sin gedanche vnd sinen sin priester Wernher
D 264 W. ⟨u1240/50⟩ swer sô vil guotes noch verlür,/ swie grôze klage er drumbe erkür,/ er enmöhtez doch vol klagen niht Stricker
fabeln 23,198 ATB. ⟨1342/6⟩ nach Crist gebort ane var/ tusent vnd czwei vnde nunczig iar/ der kartuser orden/ wart von erst irkorn/ by Brumonem dem apt
Dalimil 234b J.hs. 1471 triu wirt oft durch das erkoren,/ das ich in hertzen lieb trag
liederb. Hätzlerin 117b H. 1545 ist ouch dar naich erschosen von frumen liten, das diu capel mit dem turn und pfriend ist uff gericht und gemacht worden
freib. diözesan-arch. 9(1875)202. 1640 du bist ja frey geboren,/ glück hat ein freyes maul zu reden dir erkoren Scherffer
Grobianer 171. 1704 es wird viel klugheit erfodert, dass man in allen sachen sich einen rechten zweck erkiese Wernicke
epigr. 358 P. 1804 welch grössres leid willst du mir noch erkiesen?
Ariosto, Roland 1,210.Peperkorn