Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
burne swstM.
1.1 allgemein
1.2 sprudelnde, fließende Quelle, Quellbach, Fluss
1.3 gefasste Wasserquelle, ‘Brunnen, Zisterne’
2 ‘Quellwasser, frisches Wasser’
3 ‘Quelle, Ursprung’ (meist allegorisch von Gott, Christus, dem Heiligen Geist, Maria etc.)
4 ‘Harn’
1 ‘Quelle, Brunnen’ 1.1 allgemein: er irbeizta bî einem brunnen Gen 965; er [Adler] gahet zeinem brunne, / er badet sich dar inne Hochz 589; da bi ist ein burc, heizet Garama. da inne ist ein burne Lucid 35,13; kalt und vil reine / ist der selbe brunne: / in rüeret regen noch sunne, / nochn trüebent in die winde. / des schirmet im ein linde Iw 569; ein beckîn, / dâ sol wazzer inne sîn / eines quellegen brunnen Volmar 681; von den wunderleichen prunnen [Kapitelüberschrift] BdN 482,2 1.2 sprudelnde, fließende Quelle, Quellbach, Fluss: von den brunnen, / die in paradyse springent VEzzo 89; VMos 6,2; ähnl. Lucid 19,5; dâr môste wir scowen / manigen edelen brunnen, / der ûz den walde quam gerunnen / lûtir unde vil kalt SAlex 5185; ein brunne ûzem velse schôz Parz 508,17; den schilt er leite nider, aldâ der brunne vlôz NibB 978,2; dâ vlôz ein fonteine, / ein vrischer küeler brunne, / durchlûter als diu sunne Tr 16739; daz bechelîn, / daz von dem brunnen dâ gât ebd. 14433; des küllen brunnen bach GTroj 2019; ains brunnen fluss ebd. 9819; der brunnen ursprinc truckent niht RvEBarl 6171; die päch fliessen ab den pergenn, die prünnenn über sich wallent HvHürnh 37,5. – übertr. auf das strömende Blut: der slac sanc in die siten linge [linke Seite] , / lunge, miltz do uz im viel, / dar nach ain brunne bluͦtes wiel / uz hertz und uz adern WhvÖst 8402 1.3 gefasste Wasserquelle, ‘Brunnen, Zisterne’: der brunne was gemeine bedecket mit eineme steine Gen 1267; vmme den bvrnen was iz also getan, / so ein aymer begonde in gan, / daz der ander vz gie ReinFu K,933; einen brunnen graben Lucid 38,11; LvRegSyon 3422; der [ wurm ] irdranc alli di brunni, / di dir in der burch warin; / di cisternin wurdin leri LobSal 60; in der alten ê geschriben stat: ‘hat ain man ain cysternen, der sol si bedeken; tuͦt er des nit, vallet sines nach geburen rint dar in oder sin schâf, er sol es gelten’, won er sinen brunnen nit wol bedakte PrGeorg 3,33 (vgl. Ex 21,33f.); das [ gevæze ] gesenkit in eynen born odir in eyne cysterne Pelzb 132,29; mitten in den [l. dem ] prunne stet, / da der prunne auff get, / ain ziborne [Ziborium, Hostienkelch] von golde HvNstAp 12973 2 ‘Quellwasser, frisches Wasser’ swel sieche dez burnen getrinket, der wirt gesunt Lucid 38,2; den brunnen schepfen AvaLJ 66,4; der künec Artûs nam in die hant / daz becke [...], / und schuof ez vollez brunnen Iw 2531; daz man si mit dem brunnen vil dicke dâ vergôz NibB 1066,3; dy stede begizen myt fryszen bornnen OvBaierl 22,25; giuz ûf den stein [...] des brunnen ein teil Iw 595; dô er den râm von im sô gar / getwuoc mit einem brunnen Parz 186,3; du solt ris nemen vnd suͤde ez in eime brunnen BvgSp 5; der guͦten mete machen wil, der werme reinen brunnen ebd. 14; daz ir gote niht kunnen / win machen uz dem brunnen Rennew 18042. – von geweihtem Wasser: der pabis segenete den brunnen TrSilv 291; Lucid 120,7; dise heiden woͤllen gar taufen sich; / [...] gip her den brunnen und ein buͦch! Rennew 8771; uon deme babise Urbane / wart er siner sunde ane / in deme toufliche brunne Litan 1080; also versuochest du [Maria] si gar / diu din tugent widerbar / in des toufes brunnen KvWGS 1071; WhvÖst 15909. – bildl. (vgl. auch Pos. 3): do getrank er des vil heiligen brvnnen der gotheit Spec 28,10; Christ, der ein brunne ist des êwigin guͦtis. der des brunnin getrinchit, den gedurstet nimmir mêre ebd. 41,15; so wil ich bittin dich [Gott] dastu / begiezest mine sinne nu / mit dem brunnin dinir wisheit RvEWchr 69; dyn hertze moesses nemen vromen / dat du des bornes drincken salt / die [= der ] alre suͤesden [Gen.Pl. von süezeden stF.] hait gewalt MinneR 497 43; (für Tränen:) die trahene dar in runnen, von ir herze spranch der brunne AvaLJ 174,3. 82,5 3 ‘Quelle, Ursprung’ (meist allegorisch von Gott, Christus, dem Heiligen Geist, Maria etc.): herre got, himlischer vater, dv bist ein lebentiger brvnne allez gvͤtes, von dem vns alle gnade flivzzet DvAPatern 3; uwer sele hat gedurstet nach gote, dem lebeden brunnen HlReg 23,2; er [Gott] ist ain ursprung und ain brunne aller tugend von dem sint aller hailigen tugend geflossen PrGeorg 43,27; loͮfen zvͦ dem lebintigim brunnen, dem heiligim Crist Spec 9,23; Jhesus der gnaden bronne HvNstGZ 4521; wande dv [der Heilige Geist] heizis wistumis brunne, / ein sluzil der irbarmunge Litan 139; der hailig gaist ist ôch in der sele als ain brunne. der kuͤle brunne der loͤschet den durstigen PrGeorg 58,30; sancta Maria. / brunne besigelter, / garte beslozzener MarldM 64; Spec 93,19; Maria, stella maris, / [...] burne des paradises, / dan uns du genade uz gefloz MarldA 231; PrGeorg 48,29; der [Antichrist] ist ein uater aller ubermoͮte, ein brunne alles unrehtes Spec 112,8. – Apolle und die Camênen, / der ôren niun Sirênen, / [...] die gebent ir sinne brunnen / sô volleclîche manegem man Tr 4876; mîner sælden meiewunne, / tuo genâd an mir nu schîn, / sô daz mir belîbe / stæt der fröiden brunne SM:Ro 3: 3,10; daz ez [Herz] ain prunn und ain ursprinch ist der kreften aller andern glider BdN 26,1; si [Sonne] ist ain prunn oder ain ursprinch der hitz ebd. 58,19 4 ‘Harn’ daz muoz ich an dem brunnen sehen, / sô kan ich dar nâch reht spehen, / wie ich iu dar nâch erzen sol, / daz sich ich an dem brunnen wol EnikWchr 14899. 14902; HvNstAp 1946; daz sibend [Zeichen der Schwangerschaft] ist, daz diu frawe irn prunnen ze stunden niht wol gehaben mag BdN 38,33; sich sînes brunnen benemen ‘sich seines Harns entledigen’ ebd. 108,18
MWB 1 1048,56; Bearbeiter: Tao