BRÜCHIG adj. mhd. brüchic.
mnd. brkich;
mnl. brokich,
nnl. breukig.
abl. von bruch m. älter vereinzelt auch ohne umlaut bruchig. 1
gegen etwas (z. b. gesetze, verträge) verstoßend, etwas nicht einhaltend; eines vergehens schuldig. häufig an etwas, jmdm. brüchig sein, werden: 1278 vnd bræchen wir di suͦne, .. so wæren wir brvͤchich vnd wæren graven Minharten der pene gevallen als vor geschriben ist
corp. altdt. originalurk. 1,330 W. ⟨u1350/77⟩ er sprech leicht: ‘../ die an der ee was worden pruchig ..’ Teichner
610,143 DTM. ⟨1468⟩ da sagt man, graff Ulrich von Öttingen .. wer prüchig worden an dem marggraffen und an dem reich Zink
in: (Augsb.) chr. dt. städte 5,272. ⟨1538⟩ nun ehr
(der mensch) aber an gott brüchig ist worden, soll der tod der sünd sold sein Franck
arch (1539)153a. 1592 es soll kein ehegemal dem andern brüchig werden
schles. kirchenordn. 70 J./Sch. 1645 die poeten .. welche fremde wörter einmischen, werden an der majestät unserer sprache brüchig Harsdörffer
gesprächsp. (1641)5,32. 1677 das redliche weibsbild, so ihm
(ihrem mann) dennoch getreu blieb, ohnangesehn er in seiner ehelichen treu gegen ihr brüchig geworden, schrieb einen andern brief Francisci
trauer‐saal 3,192. 1718 es muß kein müller dem andern seine mühl=gäste auf einigerley weise abspenstig machen, bey einer harten straffe, so einer brüchig hierinnen befunden wird Rohr
staats‐klugheit 1216. 2
brüche, risse aufweisend; schadhaft, mangelhaft: ⟨2.h14.jh.⟩ sein wort di warn warhaft gantz,/ nicht pruchig, fein und da pey glantz,/ vor allem valsch geleutert Suchenwirt
3,62 P. 1484 fürbass soll kein kneht me one billich ursach von sinem meister gon, umb das ime etwan ein bruͤchig werk für kompt
strassb. tucherzunft 96 Sch. 1505 so auch ain abgestoßner wein brüchig oder sunst abfellig .. würdet, derselbig wein soll füro in unser stat nit verkauft, sunder hinweck gefürt werden
bayer. rechtsqu. 2,512 ak. 1569 der stier .. lieff vngestuͤmmiglich mit der stirn an einen bruͤchigen baum, vnd fiel ein ast daruon auff deß koͤnigs haupt, schlug jm ein toͤdliche wunden
theatrvm diabolorum 310b. 1610 die brüchigen
(menschen, die an einem bruch leiden) (sollen) endist geheylet werden, wann man dieselben .. durch einen zerspaltnen lärchenbaum .. schieben thut Guarinonius
grewel 124. 1669 in menschlichen sachen nichts so wohl ausgemacht und vollkommen ist, daß es durch und mit der zeit nicht brüchig und mangelhafftig werden .. solte Horn
kaͤyserthumb 1/2,7. 1706 hier und da in dem Schweitzerland kan wahr genommen werden, daß diejenige felsen= und bergseite, so gegen abend sihet, brüchiger ist und eher abreisset, als eine andere Scheuchzer
natur‐gesch. 1,1,83. ⟨1793⟩
(der) baurath
(muß) den vorwerksriß .. genau untersuchen, ob er zu diesem behuf
(revision) noch brauchbar, und nicht etwa schon zu alt und brüchig ist
provinzialrechte preuß. staat 3,2,2,333 S. 1824 an diesen stellen ist der drath so brüchig, als ob er widerholt bei galvanisch‐chemischen zersetzungsversuchen zum poldrathe benutzt worden wäre
in: arch. naturlehre 1,76 K. ⟨1870⟩
(die) sofas und sessel .. standen an wänden, die eine uralte, brüchige ledertapete bedeckte Marlitt
Gisela (Stuttg. o. j.)38. ⟨1937⟩ die äußerste peripherie Berlins wies eine menge brüchiger existenzen auf G. Hauptmann
ausgew. prosa 3,580 M. ⟨1970⟩ die kleiderschränke und die gardinen schienen aus dem gleichen grau gewordenen und brüchigen material zu bestehen Andersch
peripherie (1973)241. 2005 der kitt im
(tennis)team wirkt brüchig, wieder einmal flackern dissonanzen Romandie contra Deutschschweiz auf
n. zürch. ztg. (26.1.)39a. –
jünger geläufig brüchige stimme
stimme mit ungleichmäßigem, schwachem oder heiserem klang: 1889 aber das mit dem knirps
(ein tenor) und der brüchigen stimme, das ist doch übertrieben!
grenzboten 48,233. 1909 wie sie uns dummen jungen ‘Emilia Galotti’ vorlasen, mit ihrer brüchigen, leidenden, aber aus tiefstem verständnis machthabenden stimme Dehmel
ausgew. br. 2(1923)179. ⟨v1965⟩ diese stimme hat noch keiner bei Warschoks gehört, diese brüchige stimme, ein paar silben nur noch wie gehaucht, röchelnd Bobrowski
claviere (1966)90. 2005 als er über seine eindrücke von Jad Vaschem berichtet, stockt seine stimme und wird brüchig
süddt. ztg. (4.2.)3e. 3
zerbrechlich, bruchempfindlich; nicht fest: u1500 tzyn starck richend knyrschigk vnd bruchigk ist also dz es auch alle metal darvnder es gemengt wirt vnartig vnd bruchigk macht Rülein
bergbüchl. 107 faks. ⟨1575⟩ an .. ungeschmeidigen silbern im giessen viel abgeht, auch die muͤnz ungeschmeidig, und bruͤchig wird
corp. ivr. metallici 229 W. 1619 ein schaur in sommers‐zeit vergossen/ ein eiß an haissem sonnenschein/ ein glaß also brüchig als rein/ ein wasser über nacht verflossen Weckherlin
in: dt. lit. 3,835 K. ⟨1682⟩ das zinn ist sonst gern brüchig, daher es auch andere metall ungeschmeidig und zur arbeit unbequem machet Hohberg
georgica (1687)1,113a. 1713 es schreibet ein gewisser autor, .. das holtz
(der eichen von Sumatra) .. wäre gantz poros, brüchig und nicht feste Carlowitz
baum‐zucht 424. 1795 sieh die schuldigen, die der Klotho faden/ murrend lästern, er sei zu zart, zu brüchig;/ und vom brüchigen faden spannen segel/ sie an den mastbaum Herder
27,71 S. 1827 das buchenholz .. ist dem wurmfraß ausgesetzt, .. leicht brüchig, wenn es völlig ausgetrocknet ist Chamisso
gewächse 430. 1872
(Camillo sagte,) diese papyruskohle sei so brüchig, daß sie bei jeder berührung in asche zerfalle
in: Justi
Winckelmann (1866)2,1,177. 1910 die knochen werden spröde und brüchig Major
sorgenkind 319. 1993 diese
(seeigelstacheln) sind äußerst brüchig und besitzen widerhaken
salzb. nachrichten (31.7.), IdS‐arch. 2013 in flüssigem stickstoff getaucht und dadurch tiefgefroren, wurde die rose brüchig wie glas
Rhein‐ztg. (18.10.), IdS‐arch.Luther