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Branntwein

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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10 in 9 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Branntwein

Bd. 3, Sp. 326
Branntwein, aus gegornen Flüssigkeiten durch Destillation gewonnenes alkoholisches Getränk, besteht im wesentlichen aus einem Gemisch von Wasser und Alkohol (25–50 Volumprozenten) und wird oft unter strenger Einhaltung alter Brennereimethoden hergestellt, um einen durch Herkommen und Gewohnheit beliebten Geschmack, der wesentlich auf einen Gehalt an gewissen Fuselölen zurückzuführen ist, zu erreichen. So bereitet man in Deutschland Kornbranntwein aus Weizen- und Gerstenmalzmaische, in Belgien Genever aus Roggenmaische, in England Whisky aus Gerstenmaische und in Nordamerika, Ungarn und andern Ländern aus Maismaische. Der meiste B. aber wird aus hochgradigem Spiritus durch Verdünnen mit Wasser gewonnen, und zwar liefert 80–82proz. Spiritus ein fuseliges Produkt, während 90–94. Spiritus das Material zu den feinern Branntweinen, den Likören (s. d.) etc., gibt. Einfacher B. enthält in der Regel 25–30, Doppelbranntwein 30–36 Volumprozent Alkohol. Neben stärkemehlhaltigen Rohmaterialien (Getreide, Kartoffeln etc.) verarbeitet man auch Äpfel und Birnen in der Normandie und in Württemberg neben Obstwein auf B. Aus Wald- oder Vogelkirschen erhält man Kirschbranntwein (Kirschgeist) in Dalmatien, in der Schweiz und in den württembergischen Alpentälern, der von einem Zusatz zerstoßener Kirschkerne bei der Gärung einen angenehmen Geschmack nach bittern Mandeln erhält. Zwetschen und Pflaumen liefern den Zwetschen- und Pflaumenbranntwein (Kätsch, in Ungarn Sliwowitza, Slibowitz, in Slawonien Raky, Racky). Er wird auch in Deutschland, besonders in Franken, gebrannt und hat einen lieblichen reinen Geruch und Geschmack. Heidelbeeren werden auf dem Schwarzwald auf B. verarbeitet, ebenso Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Holunderbeeren, in Böhmen Vogelbeeren, in Ungarn Wacholderbeeren und in der Provence Feigen, in Südeuropa Maulbeeren, Johannisbrot, Kaktusfeigen. Wein liefert bei der Destillation Kognak, Armagnak etc., gegorner Zuckerrohrsaft Tafia, gegorne Zuckerrohrmelasse Rum, gegorner Palmensaft Arrak und gegorne Milch Arka oder Arsa der Kirgisen. Die Geschichte des Branntweins beginnt mit der Erfindung der Destillation durch die Araber. Im 14. Jahrh. soll ein glückliches Weinjahr die Veranlassung zur Darstellung größerer Branntweinmengen in Modena gewesen sein. Man benutzte damals den B. hauptsächlich als Arznei gegen Pest und andre Infektionskrankheiten. In Irland scheint B. früh zur Stärkung des Mutes angewendet worden zu sein. Im 15. Jahrh. war das Branntweintrinken in Deutschland schon allgemein verbreitet, und wahrscheinlich lernte man damals B. aus Kornfrüchten bereiten. Michael Savonarola (gest. 1431) verfaßte eine ausführliche Schrift über den B. und lehrte die Prüfung des Branntweins auf den Gehalt an Alkohol. 1543 wurde in Altbayern eine Verbrauchsabgabe auf den B. gelegt. In Schweden wurde B. zu Ende des 16. Jahrh. allgemeines Getränk, und in Rußland war man damals dem B. schon so ergeben wie heutzutage. In Spanien und Italien war der B. als Acqua vite oder Acqua de vite, Wasser der Weinrebe, bekannt, und in den Klöstern wurde dann wohl der B. als Arzneimittel Aqua vitae, Lebenselixier, genannt. Kartoffelbranntwein wird zuerst 1682 in einem Buche von Bacher erwähnt, und die erste Kartoffelbrennerei soll 1750 zu Monsheim in der Pfalz errichtet worden sein. Im 17. Jahrh. kamen auch die Branntweine aus Baumfrüchten, Beeren und Zerealien immer allgemeiner in Gebrauch. Sehr förderlich für die Ausbreitung des Branntweins in Deutschland war der Dreißigjährige Krieg. Es wurden gegen den B. verschiedene Verbote erlassen, denen sämtlich die Ansicht zu Grunde lag, derselbe sei ein Gift. An manchen Orten war man dem Getreidebranntwein sehr abgeneigt, ja in Schwaben hielt man es für Sünde, aus Getreide B. zu erzeugen. Keine Flüssigkeit wurde in dem Maße verdammt, gegen keine mit solchem Eifer aufgetreten wie gegen den B.; dieser galt für die Ursache der meisten Verbrechen und Laster, er war ein Trank der Hölle, eine Erfindung des Teufels; Mäßigkeitsgesellschaften, kirchliche Missionsvereine, Traktätchen, Erbauungsschriften etc. bekämpften ihn. Die Neigung, namentlich des ärmern, schlecht genährten Mannes, B. zu trinken, läßt sich aber auf bestimmte physiologische Verhältnisse zurückführen (s. Alkohol), und deshalb haben alle oben genannten Bemühungen sehr wenig, der steigende Wohlstand, die daraus folgende bessere Ernährung und namentlich die immer mehr um sich greifende Gewohnheit, Bier zu trinken, sehr viel zur Beseitigung des Mißbrauchs, der mit dem B. getrieben wird, beigetragen. S. auch Mäßigkeitsbestrebungen und Trunksucht. Vgl. Sell, Über B. (Berl. 1888).
4648 Zeichen · 67 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Branntwein

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Branntwein , des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein aus Weinhefen oder Früchten und Gewächsen abgezogener Gei…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Branntwein

    Goethe-Wörterbuch

    Branntwein auch Bran(d)t-, Brand-, neben: Brannte-, Bran(d)te-, Brande- durch Gärung u Destillation gewonnenes alkohol P…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Branntwein

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Branntwein , geistige Flüssigkeit, welche aus allen vegetabilischen Stoffen, welche Zucker oder Stärkemehl enthalten (da…

  4. modern
    Dialekt
    Branntwein

    Rheinisches Wb.

    Brannt-wein brant-, meist brandə- ; [ Bitb brāntə- ; Wippf brāənə- ] m.: Schnaps. Der Br. geve den Freundschaftstrunk bi…

  5. Sprichwörter
    Branntwein

    Wander (Sprichwörter)

    Branntwein 1. Bramwîn is'n goden Sluck, Musik is lustig un dusend Dâler 'n gôden Sûpschilling, segt Witt. ( Mecklenburg.…

  6. Spezial
    Branntwein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Brannt|wein m. (-[e]s,-e) ega de vita f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit branntwein

106 Bildungen · 103 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

branntwein‑ als Erstglied (30 von 103)

Branntweinblase

GWB

branntwein·blase

Branntweinblase Brand- u Brannte- Gefäß zur Destillation des Branntweins 1) Döbereiner .. hat viele technische Einsicht .. so daß er sich au…

Branntweinbrigade

PfWB

branntwein·brigade

Branntwein-brigade f. : Bez. für Ausländer, die nach 1945 betrunken in den Anlagen von Kaislt herumlungerten, Branntweiⁿbrigad (brḁndwoiⁿbri…

Branntweinbruder

PfWB

branntwein·bruder

Branntwein-bruder m. : 'notorischer Branntweintrinker', -brureʳ [ NW-Frankeck ]. Syn. s. Trinker . Südhess. I 1068 . —

Branntweinfaß

PfWB

branntwein·fass

Branntwein-faß n. : wie schd., -faß [ WD-Niedkch RO-Obd ]. a. 1761: Frantz Graff steigt (steigert) ein Brantweinfäßgen [LeinGbl. 1911, S. 76…

Branntweinflasche

Wander

branntwein·flasche

Branntweinflasche Volle Branntweinflasche macht 'ne leere Tasche. Holl. : Zij loopen er altijd met de borrelflesch. ( Harrebomée, I, 82. )

Branntweinfrau

GWB

branntwein·frau

Branntweinfrau als Rolle, beispielhaft für vulgären Typ Furiose Geliebten sind meine Forcen im Schauspiel, | Und in der Comédie glänz’ ich a…

Branntweinfreund

GWB

branntwein·freund

Branntweinfreund im Hinblick auf den physiogn Ausdruck eines Trinkers unten benannte Vignetten der Physiognomik .. Brandwein Freund 1) B2,28…

branntwein als Zweitglied (3 von 3)

Franzbranntwein

Pfeifer_etym

franz·branntwein

Branntwein m. ‘durch Destillation gewonnenes alkoholisches Getränk’, hergestellt (seit dem 13. Jh.) aus Wein, dann auch aus Getreide oder Fr…

Kornbranntwein

Adelung

korn·branntwein

Der Kornbranntwein , des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, gemeiner, aus allerley Getreidearten destillirter Branntwein; zum Unterschied…

Pfirsichbranntwein

Adelung

pfirsich·branntwein

Der Pfirsichbranntwein , des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein über Pfirsichkerne abgezogener Branntwein, welchen man doch …