BETAGEN vb. zu tagen
1DWB 11,1,1,62 f. mhd. betagen,
mnd. bedā
gen. mod. gebrauch unter B 2. A
trans. 1 ‘
jmdn., etwas (mit tages-, sonnenlicht) bescheinen, erleuchten’ ,
jünger übertr. ‘jmdn. aufklären, (jmdm.) etwas erhellen, offenbaren’: ⟨n1180⟩ ich wânde, ez solde sîn / des liehten mânen schî
n. / dô tagt
e ez. / owê, / sol aber er iemer mê / den morgen hie betagen? Heinrich v. Morungen
38143,31 MF. ⟨u1250⟩ dû Cristes muoter, reiniu magt, / du erliuhtest vinster naht, als si mit sunnen sî betagt Reinmar v. Zweter
21,5 R. ⟨u1300⟩ Marie, / dú edelst und dú rainst magt / die dú sunne ie betag
d. saelden hort 1166 DTM. ⟨1314⟩ der aller schoͤnsten magt / die hiut hat der tag betagt Johann v. Würzburg
6858 DTM. u1460 des morghens to vijf uren sint greve Hans .. unde .. vijfhundert reysigen .. in Mens gestegen unde sint bedaget
(‘vom tagesanbruch überrascht worden’) eer se alle inkomen sint
(Mainz) chr. dt. städte 18,1,96. 1514 das durch solich form gar luter betagt ist, wie die Iuden den herren .. von einem richter zuͦ dem andern gefürt vnd geschleifft Mennel
passion E 2a. 1514 nuͦn haben ir noch nit gehoͤrt / an welchen enden sich entport / hat dyser bundtschuͦch vnd vffruͦr / vnd wie ain bur den andern schwuͦr / darumb so wil ich vch betagen / vnd yetzo von dem selben sagen
in: Gengenbach
398 G. 1514 die iunger deten eine fragen, / das Christus innen wolt betagen, / wo doch wer der selbig pfadt / durch den man in den himmel gadt Murner
1,2,99 Sch. 2 ‘
jmdn., etwas werden lassen, jmdn. gebären’: ⟨u1200⟩ der reinen süezen maget, / von der uns ist der sun betaget Walther
lieder 41,4,2 M. 1331 das got von der reinen mait / were in di werld betait Tilo v. Kulm
1912 DTM. 1473/8 von all weiplichen menschen auf erd nie ward so schöne frucht betaget
in: frnhd. wb. 3,2031. 3 ‘
jmdn. (zu einem bestimmten tag) bestellen, vorladen, vor gericht zitieren, anklagen’,
vereinzelt ‘eine klage vor gericht bringen’
(vgl. tag ‘
gerichtstag, termin’ 1DWB 11,1,1,45 f.): ⟨u1200⟩ wie Etzele hete betaget / vil vürsten lobelîche / heim in siniu rîche
nibelungenklage C 186 B. 1299
(die klage) dem Meyssower enpfolhen wart ze betagen vnd ze slichten zwisshen vns paidenthalben
corp. altdt. originalurk. 4,469 W. 1397 dann uns ist gesagt worden, daz unser herre der kunig komen sulle gen Eger, dahin er etlich fursten und herren zu seinen gnaden ze kumen betagt hab
Frankf. reichscorr. 1,45 J. 1463 nachdem .. irrunge .. gewest sind zwuschin .. Hansen vonn Erffa .. und unser stadt .., haben wir sie beyderseyd uff hudt fur uns betagt
thür. geschichtsqu. 9,69. 1485 an her Jo. Waldman: her Sifrid von Griessen erclage sich, das diser knecht Hanns Brack von Nüfren für die eydtgnossen eins vermeinten frävels halb betaget werde, über das die sach in sinen nidern gerichten ergangen
qu. schweiz. gesch., n. f. II 1,265. 1531 will aber ainer ain guͦt verkaufen, soll er daß dem abt vor anbieten, und so ain guͦt anspruch wurd, so soll der abt dieselben vir sich betagen oder sein amptleut und soll ain gericht besizen Knebel
chr. Kaish. 143 LV. A17.jh. den gannzen ausschusß .. auf den sontag oculi nacher Ynnsprugg zubetägen Brandis
landeshauptleute (1850)516. ⟨v1660⟩ seele, sag in deinen plagen, / was wilt du zur antwort sagen, / wann dich Christus wird betagen Czepko
geistl. schr. 356 M. 1731 einen betagen oder vertagen ist einem eine zeit setzen, da man sich wieder einstellen solle
in: Berlichingen
lebensbeschr. 76 L. ⟨1782/7⟩ die junge fürstin betagte ihre ritterschaft und stände zu einem gemeinsamen landgericht Musäus
volksmärchen 2,54 M. 4 ‘
etwas anberaumen, (terminlich) festsetzen, jmdm. etwas zusprechen’: ⟨u1300⟩ nu wart zeimal
(!) betaget / ein hochzit den heiden
passional 413,50 K. 1383 wetet, dat wi boden unde breve hebben ghesant dem rade unde ghemanet laten umme ses lodige mark, dy uns bedaghet weren uppe sunte Mathias daghe
urkb. Goslar 5,225 B./H. 1494
(es ist) iglichen kinde .. ein bette bedagt unde die halbe kost
brand. schöppenstuhlsakten 1,38 S. 1559 nachvolgent hab ich begert die 6000 fl, so itzo uff das neujar bedagt, darzu noch 6000 fl uff wexsel
urkb. mansfeld saigerhandel 525 M. 1568 mit erleggung
(‘zahlung’) ihrer betagten
(‘fälligen’) zinsen zu rechten zeiten
kurmärk. ständeakten 2,573 F. ⟨1647⟩ auch werden aus dieser pricas allen außländern, so in ihr. zaarische maiest. hoff und krieges diensten begriffen, ihre monatliche wie auch jahres-besoldung, so allezeit umb weihenachten betaget, richtig außgezahlet Olearius
reisebeschr (1696)136a. ⟨1682⟩ diese raittungen
(‘bezahlungen’) .. sollen von der vogt-obrigkeit .. nicht an andere ort ihres gefallens betagt, sondern bey .. lang-hergebrachten gebrauch jederzeit gelassen und geschützet werden Hohberg
georgica (1687)1,61b. ⟨1723⟩ ist die forderung noch nicht betaget
(‘fällig’), so klaget er auch nicht vor der zeit Döhler
mausefallen (1724)89. 1896 wird eine betagte verbindlichkeit vorzeitig erfüllt, so ist die rückforderung ausgeschlossen
bürgerl. gesetzb. 235. 5 ‘
jmdn., einen gefangenen, (einstweilen gegen bürgschaft) freigeben’: 1449 auch sullen alle gefangen auf baiden tailen inner eins monatz, des nechsten nach dato diß briefs, ungeverlich betagt werden
(Nürnb.) chr. dt. städte 2,166. 1525 Michell Heil und Pauls Rab .. haben sich irer verhandlung halb ausfluchtig gemacht, sind zu Masfelt in der henbergischen art gefenklich eingelegt und uf burgschaft wider aussgelassen und betagt worden
chr. Bamb. 2,261 Ch. 1768 dise
(abgesandten) kamen .. zu Urach zusammen und verabschiedeten, daß die gefangene bis zu austrag der sache betagt werden Sattler
Würtenb. graven 4,1,207. B
intrans. 1 ‘
erscheinen, zu tage treten, ans licht kommen, jmdm. zuteil werden’: ⟨v1190⟩ swaz got an fröiden lât betagen, / dazn kan er mir an ir niet mêren Friedrich v. Hausen
3044,31 MF. ⟨u1217⟩ wie moht der tôt an dir betagn? Wolfram
Willehalm 5101,30 L. ⟨1314⟩ daz nie prislicher magt / in dirre welte nie betagt Johann v. Würzburg
2148 DTM. ⟨u1320⟩ do die czeit do betagt
(‘herankommt’), / man gab im ein edle magt
märterb. 18331 DTM. ⟨14.jh.⟩ dem werden ritter unverzagtt / was vor unfüge nie betagtt
göttweiger trojanerkrieg 21512 DTM. 1522
(hierher?) wan sie dan kumen alle zamen, / so hat ir keiner eer noch namen, / vnd sein so eerlich nit betagt, / das einer seinen namen sagt Murner
9,231 Sch. 2
zuerst ‘die tage, die zeit verbringen’,
dann ‘im lebensalter fortschreiten, alt werden’ ⟨u1285⟩ daʒ dû wîplîchiu cleider tragest / und bî den frouwen hie betagest Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 14858 LV. ⟨u1350/77⟩ es schadet
mi
n / der mit eren wiͤrt erslagen / denn mit schanden hie betagen Teichner
44,18 DTM. ⟨1463⟩ want wer niet da benachtet, sall auch niet da bedagen und wer niet da bewintert, sall auch niet da besommern
weist. 2,666 G. ⟨1548⟩ wer in vnwissenheit betagt, / von jugent auff nach gott nit fragt, / der ist dennoch nit gut zu lern, / zum guten schwerlich zu bekern Waldis
Esopus 2,220 K. 1653 gesundheit. .. die angeneme und schöne gestalt wird durch mässigkeit sehr alt. bey niedlichen kräfftē beständig betagt, mit keinerley schmertzen im hertzen geplagt Harsdörffer
trichter (1647)3,233. 1721 da gott ihn Oestreichs glanz im allerhöchsten schein, / und unser heyl ließ sehn, hernach mit ehr’ und jahren / betagt, wie Simeon, in frieden aufwerts fahren Heräus
ged. 156. — betagt
part.adj. ‘nicht mehr jung, vorgerückten alters, (sehr) alt’,
so noch in mod. spr.; älter auch ‘zu einem bestimmten alter, zu einer bestimmten reife gekommen’: ⟨u1240/50⟩ ich bin cristen und ir ein heiden, / ich bin jung und ir betaget Ulrich v. Türheim
Rennewart 24913 DTM. ⟨u1300⟩ nu was itzu die kintheit / getreten von der gotes maget. / si was in aldere betaget / uf vumfzen iar
passional 327,68 K. 1472/3 der fürste wie wol er eyn betaget man was Arigo
decameron 250 LV. 1485
(metonym.:) und wir denne in unnsern volkomen bedageten jarn, so es uns got gegeben hat, in mißheligkeit .. von diser erden solten schaiden
privatbr. d. ma. 1,269 S. 1572 daselbst da wohnten auff ein zeit / ein par sehr betagter ehleut, / die bey einander gwesen waren / wol in die fuͤnfftzig, sechtzig jaren Fischart
2,318 DNL. 1641 daß zwischen einem knaben, jüngling vnd einem alten betagten mann ist kein gleichheit zuhalten Manz
schutz 3,45. 1741 die alten betagten menschen gehen auf die letzte ganz eingebogen Justi
memoires 1,65. 1755 als meine erste frau also todt war, versucht ich es mit einer reichen und schon etwas betagten Lessing
2,8 L./M. 1851 der feldmarschall Courbière, hoch betagt wie er ist, füllt seinen wichtigen posten bei weitem nicht mehr aus Droysen
York 1,268. ⟨1873⟩ sie trug ein schwarzes, ziemlich betagtes sammetkleid, das ehemals einer weit stattlicheren primadonna gehört haben mochte Heyse
[1924] I 1,236. ⟨1948⟩ des dichters vater, Johann Kaspar, war von den elfen das zehnte, ein spätes kind betagter eltern Th. Mann
(1955)10,680. 2004 zwei schwestern kümmern sich in Bosnien um drogenabhängige jugendliche. andere besuchen betagte und alte
n. zürch. ztg. (17./18.4.)9d. 2012 zerknirscht kehre ich vom morgendlichen ausflug mit unserer betagten hündin zurück
das magazin 1,71a. 3 ‘
verweilen, warten, zögern’: ⟨u1250/80⟩ ‘.. ir hebt iuch balde für die tür!’ / ‘neinâ, herre, lât mich betagen!’ / sprach der blinde. ‘ich wil iu sagen / wie ich bin genennet; / durch got mich erkennet!’ Wernher
d. Gartenaere
41733 ATB. u1480 ob er noch leidet an sein wunden schmerzen, / das sol uns betruͤben unsre herzen. / darumb wel wir nit lenger betagen / und wellen nach der edlen salben fragen
egerer fronleichnamssp. 301 LV. 15.jh. ir herrn, wolt ir schweigen und betagen, / ich wolt euch hübsch obenteur sagen
fastnachtsp. 2,664 LV. 1537 verziehend mir, lieben und guoten fründ, wie ir dann hie versamlet sind, ich bitt, ir welt ein wenig b
e(tagen); ich .. will eüch sagen ein kurtz .. geschicht
in: schweiz. id. 12,1080. 4 ‘
sich versammeln, tagen, sich besprechen, beraten’: 1394 umb wein und umb kost die man uff dem huse verzart, unser herre der bischoff, .. der Püttrich, der Aunsorg und die andern, do sie sich betagten
(Augsb.) chr. dt. städte 4,191. 1461 nu vernemen wir, wie sich die lanndlewt verrer betëgen vnd meren, das sy in merer versteen zu einander komen
copeyb. Wienn 286 Z. 1594 vmb dieselbige zeit vnd hernach ist des raubens vnd plackens in Sachsen .. so gar viel gewesen, das anno 1385. etliche grosse herrn .. sich derenhalben zusammen betaget vnd sich mit einander vereiniget Spangenberg
adelspiegel (1591) 2,471a. 1655 daß denselben
(dem ausschuß) .. vollmacht und gewalt gegeben, .. sich bey zutragenden nothfällen zusammen zu betagen, alles reifflich zu erwegen Schneider
chr. 397. 1714 daß man nicht alleine die gräber der heiligen fleißig besucht und ihres endes sich erbaulich erinnert habe, um ihren glauben nachzufolgen, auch wohl in obschwebenden verfolgungen zu gleichen tode sich vorzubereiten. welches nicht alleine eintzelne persohnen thäten, sondern auch viele mit einander, so gar, daß man sich dahin betagte Büttner
Bruno 287.Arbeitsstelle