betagen ,
ein schönes, der mhd. sprache geläufiges wort, von mehrfacher bedeutung. 11)
diescere, tag werden, wie benahten
noctescere, wofür doch heute einfach tagen
und nachten
gesagt wird. 22)
senescere, alt werden, zu seinen tagen kommen: dann müssen wir dies kleid, ie länger wir betagen, mit noth und mühsal tragen. Tscherning.
s. betagt. 33)
illucescere, erscheinen, zu tage, an den tag kommen: den betaget ein sælic tac.
MS. 1, 199
b; wê, daʒ der tac ie betaget.
Geo. 4200; daʒ uns ie solt der tac betagen.
Ls. 2, 420; wie moht der tôt an dir betagn!
Wh. 101, 30; von der uns ist der sun betaget. Walth. 4, 1; daʒ an mir ist der prîs betaget.
Barl. 217, 24.
später noch von gefällen und zinsen, deren tag erscheint, die fällig werden, z. b. schatzung, die auf Michael betagt, zins der auf Johannis betagt. Gryphius
läszt Alecto sagen: sterbliche, solten wir schlummernde können eure gehäufete frevel vertragen, die uns zu richten und rechten betagen. 1, 439,
deren tag uns fällig wird. 44) betagen,
über nacht bleiben, bis an den tag, den tag erwarten: lât mich betagen!
Helmbr. 1733,
behaltet mich diese nacht; daʒ ich noch bî dir betagen müeʒe.
MS. 1, 16
b; der ritter sol niht hie betagen. 1, 18
a; diu sælde was bî im betaget.
Dietr. 274; wie dicke ich in sorgen doch des morgens bin betaget, sô eʒ alleʒ slief daʒ bî mir lac.
MS. 1, 65
b; tumber gouch, der dran betaget oder benahtet (
tag und nacht damit hinbringt)! Walther 10, 7;
s. die sp. 1464
unter benachten 1
angezognen stellen. nhd. das selb haus ouch nit destminder zuo allen nöten gar offen sein und bliben sol herrn Albrechten, doch das die seinen, so er mit im darin bringt im zu dienst, den burgfriden zuo halten schweren söllen, noch darin weder betagen noch benachten (
weder tag noch nacht bleiben), sie haben denn geschworen. Geszlers
rethorik 39
a.
ebenso, in etwas betagen,
in etwas alt werden, nach 2: denn die weis, darin man betagt, verleszt man nit. Waldis
Esop 4, 6 (218
a). 55)
transitiv, betagen,
erhellen, aufklären (
wie benachten 3
dunkel machen): gleichwie die sonne über die frommen und bösen täglich aufgehet und die mit den helleuchtenden strahlen betaget. Butschky
kanzelei 155; haiʒ dir die sach betagen (
erklären).
Cato 149, 150; wollte gott euch mehr betagen, glänztet ihr wie ich so helle. Göthe 5, 224. 66)
transitiv, alt machen, alt werden lassen: weil niemand, den die jar betagen, des alters unlust kan abtragen. Waldis
Esop 2, 55 (116
a). 77)
transitiv, vorladen, citare ad diem constitutum, einigemal auch capere, bestricken, gefangen legen: so hätten wir und unsre des glaubens mitverwandte uns, etlicher unsrer sachen halben, auf Nicolai schierst in die stadt Schmalkalden zusammen betagt. Melanchth. 2, 980; nuwlich hat e. k. mt. Adamen Cron und unsern burger Grunenfeld lassen betagen. Chmel
Maxim. s. 89 (
a. 1496); und nachdeme Schenk Friderich von Limburg ein redlicher herr war, so war ich des sinns, dasz ich ihne nicht wolt hinweg geführt, sondern wolt ihn in seine eigene behausung betagt haben. Götz von Berlich.
leben s. 105; alle die so vom landgrafen gefangen und gen Cassel beschaiden und betagt, ligen noch alda, bis in 80 personen. Schertlins
br. 44; dahin ward auch der luchs betagt, dem hasen wards auch angesagt. Waldis
Es. 4, 56 (272
a); wir ziehen auf den hochzeittag, da uns der fuchs thet hin betagen. Huldr. Wolgemut
Esop 110; verwirf die völker durch gerichte, betage sie vor dein gesichte. Opitz
ps. s. 25; wann die gemein einander wird betagen, wil ich dein lob zu preisen mit behagen geflissen sein.
s. 45; heisz aber mich nicht auch darneben dir vor gerichte rechnung geben, betage ja nicht deinen knecht.
s. 263; der götter groszer rath liesz dich hierumb betagen und für gerichte ziehn. 1, 93; euch aber hab ich auch durch boten jetzt betagt vor allen. 1, 169; (Moschkaw), das damals zwar nicht nein zu unsern sachen sagte, doch dasz es sich mit uns hierüber mehr betagte, ganz were mit uns eins, so wandten wir uns ümm, und holten über dis des herzogs klare stimm. Fleming 202; bald stillten unsern sinn die königliche jagten, bald der Armener wein, die oftmals uns betagten. 208; traute seel, was wirst du sagen, wenn der richter dich wird fragen, der die erde wil betagen? Gryphius 2, 257; man solte wider den herzog selbst durch urthel und recht verfahren und seinen geflüchteten sohn für den reichsrath betagen. Lohenst.
Arm. 1, 1077; dis ist der tag, auf den der tod mich hat betagt.
Agripp. 77, 95; die fürstin betagte ihre stände zu einem landgerichte. Musaeus 2, 129.
heute wenig im gebrauch, so häufig vertagen.
ein ganz anderes betagen
ist das sp. 1219
angeführte = bedagen.