begeisten 9 Belege, nur im Spätwerk nach 1800 a (jdn) mit (göttl) Geist durchdringen, in den Zustand der Begeisterung (iS des Inspiriertseins) versetzen1), als Einwirkung einer höheren Macht Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen, | Entschlüssen, rascher That sogleich gefunden! | Wenn Liebe je den Liebenden begeistet, | Ward es an mir auf’s lieblichste geleistet; | Und zwar durch sie! — Wie lag ein innres Bangen | Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere: | .. Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle, | .. Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden | Mehr als Vernunft beseliget .. | Vergleich’ ich wohl der Liebe heitern Frieden | In Gegenwart des allgeliebten Wesens GWB3,23 TrilogLeid:Elegie 65 Laßt euch einen Gott b., | Euch beschränket nur mein Sagen. | Was ihr könnt, ihr werdet’s leisten, | Aber müßt mich nur nicht fragen GWB2,277 DenGuten 1 b geistig stimulieren u dadurch mit Leben erfüllen (durch wiss Ideen u deren Kommunikation), auch refl; einmal PartPräs im Symbolzshg vom Salz als Sinnbild belebender Kräfte [mBez auf den ‘Essay sur la force animale et sur le principe de mouvement volontaire’ des frz Uhrmachers Breguet] ist es merkwürdig, wie von Jahrhundert zu Jahrhundert sich alles mehr begeistet und belebt, eins ins andre greift und keins ohne das andre bleiben will. Von Spinoza, der das Ganze aus Gedanke und Ausdehnung bildet, bis zu diesem Freunde, der es durch Bewegung und Willen hervorbringt, welche hübsche Filiation und Steigerung der Denkweisen würde sich aufzeichnen lassen GWBB22,269,10 Reinhard 13.2.12 Genoß ich die schönsten Augenblicke meines Lebens zu gleicher Zeit, als ich der Metamorphose der Pflanzen nachforschte, als mir die Stufenfolge derselben klar geworden, begeistete mir diese Vorstellung den Aufenthalt von Neapel und Sizilien GWBN11,13,5 GlücklEreign Doch wäre ganz vergeblich aller Götter Gunst, | .. Wenn jener Gabe Wohlthat uns Natur versagt, | Die erst mit Anmuth würzet, was die Nothdurft heischt. | .. also bleibt bei’m Tafelfest | Zuletzt des Salzes Krume, die man prüfend streut, | Ein trefflich Sinnbild dessen was b-d wirkt, | Geselligkeit belebet, Freund und Freund bewährt GWB131,175 ProlHalle 1811 Vs 86 c unorgan Stoffe mit Geist erfüllen u dadurch beleben, beseelen, im Bereich der Alchimie speziell iZshg mit der Naturlehre des Paracelsus u seiner Nachfolger von dem flüchtigen Grundelement Mercurius in seinem Wesen als allgemeiner Welt- u Lebensgeist2) Paracelsus ließ zwar noch vier Elemente gelten, jedes war aber wieder aus dreien zusammengesetzt, aus Sal, Sulphur und Mercurius .. Mit diesen drei Uranfängen scheint er dasjenige ausdrücken zu wollen, was man in der Folge alkalische Grundlagen, säuernde Wirksamkeiten, und b-e Vereinigungsmittel genannt hat GWBN3,206,11 FlH IV [im Anschluß an das Studium versch pansoph u alchimist Schriften in der neuplaton Tradition] Indeßen beschäftigte mich die Bearbeitung solcher gestaltlosen Vorstellungen einige Zeit lang indem ich sie, durch eine Art mathematischer Symbolik, nach Weise meiner Vorgänger zu versinnlichen strebte und die unorganischen Wesen, mit denen ich mich mehr alchymisch als chymisch beschäftigte, dadurch zu b. trachtete GWB27,396,8 DuW Plp im Zshg mit mytholog Vorstellungen als Erscheinen der Gottheit im irdisch-stoffl Gewand [Beschreibung eines Gemäldes der Danae, die Zeus im Goldregen empfängt] Eine .. weibliche Gestalt liegt .. auf einem .. Ruhebette .. in der Höhe, zieht .. eine Wolke heran, welche auf ihrem Wege Goldstücke spendet, deren einen Theil die alte Wärterin andächtig in einem Becken auffängt .. zu den Füßen der Schönen tritt ein Genius heran, er hat auch ein paar begeistete [< begeisterte K] Goldstücke aufgefangen und scheint sie dem Örtchen näher bringen zu wollen, wohin sie sich eigentlich sehnen GWBB49,2,5 Zelter 8.7.31 d einmal PartPrät präd iSv geisthaltig, von Duft- u Geschmacksstoffen [Danksagung an Hzg August v Gotha, der G in Karlsbad versch Parfüms, Gewürze, Tabake uä schenkte] Alldort empfangen uns begeistet | Geschmacksgerüche; wer erdreistet | Des Doppelpaares hohen Preis? | Doch Kutt’ und Purpur sind ergötzlich, | Gerüche, Schmäcke überschätzlich | Dem, der sich deine Gnade weiß3) GWB4,258 MystErwiderg 7 → GWBkraftbegeistet vgl GWBanhauchen GWBbegeistern GWBbeleben GWBbeseelen 1) Obwohl in den beiden Belegen ‘begeisten’ der Bedeutung von ‘begeistern’ (iSv 1 a u c) sehr nahe kommt, verwendet G doch wohl bewußt in diesen Texten das ältere ‘begeisten’. In dem Kontext der Elegie wird vor allem die religiöse Komponente dieses Wortes aktualisiert (vgl auch Vs 79ff); zugleich drückt ‘begeisten’ eine “hellere, abgeklärtere Begeisterung” aus, was auch in dem Epigramm-Beleg (2,277) zum Tragen kommt. Vgl Staiger, Goethe,Ged, 1949, 2,382 2) Die alchimist Naturlehre beruht auf der Vorstellung, daß “zwischen allen Dingen eine wesenhafte Einheit besteht.” Sie haben ihren Ursprung in dem Mercurius od allgemeinen Welt- u Lebensgeist, der auch als Archeus bzw Spiritus mundi volatilis incorporeus bezeichnet wird u “die Ursache aller Zusammensetzung u Vermehrung ist.” (vgl Anm zu DuW in HA 49,716—721). Zu den Schriften in der Nachfolge des Paracelsus, auf die G in der Textstelle der FlH anspielt, u die er in dem Plp zu DuW als seine ‘Vorgänger’ bezeichnet, gehören ua Wellings ‘Opus mago-cabbalisticum et theosophicum’ von 1735 u die ‘Aurea catena Homeri’ von 1723. Vgl hierzu HKopp, Die Alchemie, 2, 1886,208ff u 239—246, u RChZimmermann, Das Weltbild des jg G, 1, 1969,182f 3) Zur Deutung dieses Gedichts vgl die Anmerkungen von RFischer-Lamberg in: GOETHE 16, 1954,343f u Wahl 2,334 Anm zu G-s Br v 31.7.08Dorothea Weiss-Schäfer D. W.-S.