Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Bai f.
Bai f.
Bai f. ‘weite Meeresbucht’. Die in der 1. Hälfte des 17. Jhs. durch Reiseberichte ins Hd. gelangende Bezeichnung geht über gleichbed. nl. baai, älter baeye (teilweise wohl auch über das Nd., vgl. mnd. santbaie ‘Bucht mit sandigem Grund’, 15. Jh.) auf mfrz. baye, baie ‘Bucht’ (frz. baie) zurück, das aus gleichbed. span. bahía (älter baya, vaya), port. baía (älter bahia) entlehnt ist. Die iberoroman. Bezeichnung ihrerseits beruht wahrscheinlich auf dem im Frz. seit dem 14. Jh. belegten Namen la Baie, la Baye (ital. izula baya bereits um 1300) der heutigen Insel Noirmoutier vor der für den mittelalterlichen Seehandel (besonders als Ausfuhrhafen für Salz) wichtigen Bucht von Bourgneuf südlich von Nantes (vgl. mnd. Baye, Baie ‘Bucht von Bourgneuf’, 14. Jh., ferner mnd. bayesolt, baisolt, mnl. bayesout, verkürzt mnd. mnl. baye ‘aus dieser Bucht stammendes Seesalz’). Der geographischen Benennung mfrz. la Baie liegt kirchenlat. abbatia (s. Abtei) zugrunde, da sich an der nördlichen Spitze dieser Insel seit dem 7. Jh. eine Abtei befand; vgl. in: Vox Romanica 26 (1967) 249 ff. Zu früheren Herleitungsversuchen, die mit Hinweis auf spätlat. baia ‘Hafen’ (Isidor v. Sevilla, 7. Jh.) von einer bask.-iber. Vorstufe ausgingen oder einen Zusammenhang mit afrz. baer, beer ‘offenstehen’ herstellen, vgl. FEW 1, 205, ⁶52 und 1, 367 f. Die im Dt. des 18. Jhs. häufige Schreibung Bay läßt wohl Einfluß von (ebenfalls aus dem Frz. übernommenem) engl. bay ‘Bucht’ erkennen.