AUFBINDEN vb. mhd. ûfbinden,
mnd. upbinden. 1
etwas selten jmdn. auf jmdm. oder einer sache plazieren u. festbinden. a
eigentl.: ⟨u1185⟩ sînen helm er ûf bant / überz houbet alsô blôz Hartmann
Erec 3067 ATB. ⟨u1200/10⟩ mit helmen ûf gebunden / sehzec ritter Wolfram
Parzival 7181,12 L./H. 1491 sind den pfaͤlen die sterckern joch uff zuͦ binden Oesterreicher
Columella 1,248 LV. 1573
(absolut:) das jederman .. auffgebunden und sich zum auffbruch gerüstet hette
in: Frauenholz
heerwesen (1935)2,2,103. ⟨1774⟩ angespannt! .. koffer aufgebunden! Bode
Schandi (1776)7,37. 1807 wo er ihn selbst gefangen auf sein pferd aufbindet Görres
3,211 Sch. 1962
(refl.:) Hilde hat sich das .. kopftuch .. aufgebunden
M. W. Schulz
wir 241. —
redensartl. jmdm. etwas, einen bären aufbinden
jmdm. etwas weismachen: ⟨1538⟩ das Bonifa
(tius) .. allen christē zuͦ glauben auffbindt, .. das der roͤmisch bischoff hoͤher .. sey Franck
arch (1539), vorr. 4b. 1647 haben sich die .. herren einen .. haufen erdichteter zoten lassen aufbinden Rist
dicht. 61 G./G. 1720 wann sie einen angeführt, oder wie man zu sagen pflegt, einen beeren auffgebunden haben Helbig
in: predigtmärlein barockzeit 368 M.-R. u1780 daß sie uns .. eine .. lüge aufbindet
journal Tiefurt 116 H. ⟨1849⟩ wer hat dir solche märchen aufgebunden? Nestroy
5,394 B./R. 1997 die liebenswerte dreistigkeit, mit der einem ein bär nach dem anderen aufgebunden wird
süddt. ztg. (19.2.)13. b
übertr., jmdm. etwas auferlegen, aufbürden: ⟨A14.jh.⟩ darzu den armen sy auf pant / vil manig grosse arbeit Heinrich v. Burgus
5998 DTM. 1521 binden sy jren jungern auff, mer dann sy ertragen moͤgen Oekolampadius
beicht C 3a. 1545 das er im zu erzüchen .. uffgebunden wurde
in: DRW 1,852. 1612 wann vnser præceptor .. vns .. buß auffbindet Albertinus
tummel-platz 224. ⟨v1709⟩ hat gott den schwachen weibsbildern nicht wollen eine so harte reis
(nach Jerusalem) aufbinden Abraham a
s. Clara
etwas (1699) 2,628. ⟨1867⟩ den
(einen reaktionär) will man uns als schiedsrichter aufbinden! Spielhagen
s. rom. (1895)7,565. —
redensartl. sich, jmdm. eine rute aufbinden
sich, jmdm. etwas unangenehmes aufbürden: 1612 da man frembde
(söldner) braucht, weist man denselben den weeg in das landt und bindt ihm offt selbst einen rueten auff. es erfört offtmals der feind die haimblichkeiten, durch mancherley frembde zusammengeflickhte nationen, so baldt oder eher als sie in das werckh khommen
in: Frauenholz
heerwesen (1935)3,2,85. 1760 ich habe sie
(anrede) von einem hauskreutz entledigt und meinem alten vater und mir eine ruthe aufgebunden
(mit einem schwierigen bruder) Hamann
brw. 2,47 Z./H. 1932 daß man sich mit den eingemeindungen eine schwere rute aufgebunden hatte Reger
hähnchen 546. c
ellipt., herzuleiten von a,
vgl. oben 1573, ‘
streit anfangen’
(s. a. anbinden 3 a
): hs.15.jh. sie .. hat .. uff gebunden / in zorn gen mir
mhd. minnereden II 15,72 DTM. ⟨v1510⟩ das du
(sohn) darumb nicht stracks mitt ..
(den alten eltern) vffbindest vn̄ gleich in dem harnisch seiest Geiler
euangelia (1517)195b. ⟨1626⟩ damit ich nicht .. vmb ein jedes geringes ding .. mit jhm
(nachbarn) bald auffbinde vnd zu vnfried gerathe Zinkgref
sprüch (1628)1,138. 1680 wie ungebärdig, trozig .. sich .. knecht, mägd .. gegen ihren vorgesezten .. erzeigen, um einer heillosen liederlichen red willen gleich ufzubinden, wiedersezen, den dienst zu quittiren
württ. ländl. rechtsqu. 1,480 W. 2
etwas herunterhängendes hochnehmen u. festbinden, etwas hochbinden: ⟨n1190⟩ ir segel sie
(die Griechen) vf būdē Herbort
4172 F. ⟨n1227⟩ diu
(frau) ir .. hâr ûf gebunden hât Walther
111,18 K. 1449/50 paurn .. mit aufpunden henden, daz sie mit dem leib swebten
(folter), (Nürnb.) chr. dt. städte 2,267. 1512
(narr,) der den huͦnern die schwentz vffbindt Murner
2,270 Sch. 1588 man .. solls
(die kranken pferde) auffbinden das sie nit mißt .. auffnaschen Seutter
roßartzney 13. ⟨1754⟩ sie band .. die ranken auf, die herunterhiengen Geszner
(1767)1,237. 1851 ihre .. zöpfe zu einer sonderbaren .. tracht aufgebunden Gutzkow
ritter (1850) 5,256. ⟨1968⟩ die haare zu zwei neckischen zöpfchen aufgebunden Grün
Pospischiel (1970)105. 1993 die reben a(ufbinden)
Duden, wb. dt. spr. 1,277b. 3
etwas (zu)gebundenes öffnen lösen, selten von personen: ⟨u1195⟩ und ersach si .. / nacket und gebunden. / .. die maget er wider ûf bant Hartmann
Heinrich 91280 ATB. ⟨u1305⟩ ich
(gast) will iz
(mitgeführtes gepäck) uch vor also vil verzollen; wold ir
(zöllner) mir des nicht gelouben, so bindet iz uf
freib. stadtrecht 237 E. ⟨M14.jh.⟩ lose uf die stricke der bosheit, bynt uf die nydircynden knoten
(Jes. 58,6: solve fasciculos deprimentes) Cranc
69 Z. 1497 am dryttenn tag ich die wund wider vff band, dz pluͦt louffen kam Brunschwig
cirurgia 136a faks. 1510 wolt er sy
(briefe) nit vffbinden noch leßen, sunder warff sy all in ein feür Geiler
paradiß 146c. 1598 binde .. den sack auff Colerus
oecon. 4, K 2b. ⟨1794⟩ der beichtvater hiess ihm die augen aufbinden Hippel
(1827)9,275. ⟨1869⟩ als ich den .. kühen die halsketten aufband Felder
1,293 S. 1973 als ich .. den .. lederknoten .. aufband Kumpf
leute 24. 4
garben, stroh u. dgl. aufnehmen u. zusammenbinden: ⟨1252/5⟩ als wart .. / diz korn ûf gebunden / unde wart gevuret în Heinrich v. Krolewiz
3044 L. ⟨1567⟩ die leüt ruͦben außzogen vnnd auffbunden zuͦ klein büscheln Nas
warhait 2(1570)115b. 1598 das kleine stroh, das in den scheunen zusammen geharcket vnd auffgebunden wird Colerus
oecon. 4, Cc 4a. 1789 wenn man garben anfähet aufzubinden, man gern die zehente .. viel .. lockerer, als die andern macht
württ. ländl. rechtsqu. 2,552 W. 1933 er, der knecht und die beiden leute schnitten
(das getreide) frau, magd und Ernst banden auf Schröer
bauernenkel 212.Grimm