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Alaun

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Alaun

Bd. 1, Sp. 256
Alaun (lat. Alumen, Kalialaun) Al23SO4, K2SO4+24H2O, Doppelsalz von schwefelsaurem Kali und schwefelsaurer Tonerde, findet sich als Verwitterungsprodukt auf Alaunschiefer und in vulkanischen Gegenden auf Kali und Tonerde haltenden Gesteinen. auf die dem Boden entströmende schweflige Säure eingewirkt hat; aller im Handel befindliche A. ist aber künstlich dargestellt. Manche verwitterte Lava liefert beim Auslaugen sofort eine Alaunlösung (Neapolitanischer A.). Alunit oder Alaunstein, der mit Quarz den Alaunfels bildet, besteht aus einer Verbindung von A. mit Tonerdehydrat und gibt nach dem Erhitzen beim Auslaugen mit Wasser eine Alaunlösung, die nach dem Verdampfen (durch Eisenoxyd) rötlich gefärbte würfelförmige Kristalle (Römischer A. von Tolfa) liefert. Wichtiger sind der Alaunschiefer und die Alaunerde. Ersterer ist ein von Schwefelkies durchdrungener kohlehaltiger Tonschiefer, die Alaunerde ein mit Schwefelkies und Bitumen gemengter Ton. Man läßt diese Erze 2–3 Jahre in Haufen verwittern, wobei sich aus dem Schwefelkies freie Schwefelsäure und schwefelsaures Eisenoxydul bilden. Letzteres verwandelt sich an der Luft großenteils in basisch schwefelsaures Eisenoxyd, wobei abermals Schwefelsäure frei wird. Die freie Schwefelsäure zersetzt den Ton (kieselsaure Tonerde) und bildet schwefelsaure Tonerde. Reicht die Verwitterung nicht aus, so röstet man die Erze, um schwefelsaure Tonerde zu bilden. Auch benutzt man aus Zinkröstöfen entweichende schweflige Säure zum Aufschließen von Alaunschiefer. Die vorbereiteten Alaunerze werden ausgelaugt, worauf man die Lauge, die schwefelsaure Tonerde und schwefelsaures Eisenoxydul enthält, verdampft. Sehr eisenreiche Laugen geben zunächst Kristalle von Eisenvitriol, und daher sind viele Alaunwerke zugleich Vitriolwerke. Beim Verdampfen scheidet sich basisch schwefelsaures Eisenoxyd (Vitriolschmant) ab, das auf rote Farbe verarbeitet wird. Die vom Vitriol getrennte Mutterlauge oder die ursprüngliche eisenarme, nur durch Absetzen geklärte Lauge versetzt man mit schwefelsaurem Kali oder mit Chlorkalium, wobei sich Eisenchlorür und schwefelsaures Kali bilden. Letzteres verbindet sich mit der schwefelsauren Tonerde zu A., der aus der umgerührten Lauge als Alaunmehl sich abscheidet. Dies wird auf Zentrifugalmaschinen ausgewaschen und zur vollständigen Reinigung von Eisen umkristallisiert. Häufig wird A. aus Ton dargestellt, den man glüht und mit heißer Schwefelsäure behandelt. Das Produkt, aus schwefelsaurer Tonerde und Kieselsäure bestehend, wird ausgelaugt, die Lauge mit schwefelsaurem Kali versetzt etc. Aus Kryolith und Bauxit stellt man Tonerdenatron und aus diesem durch Behandeln mit Kohlensäure reine Tonerde dar, die in Schwefelsäure gelöst wird etc. Kalialaun enthält 9,95 Proz. Kali, 10,83 Proz. Tonerde, 33,71 Proz. Schwefelsäure und 45,51 Proz. Wasser; er bildet große, oktaedrische, farblose Kristalle (s. Abbild.) vom spez. Gew. 1. 924, schmeckt süßlich zusammenziehend, reagiert sauer, wird an der Luft trübe durch Aufnahme von Ammoniak (nicht durch Wasserverlust), ist unlöslich in Alkohol, während 100 Teile Wasser lösen 350@@break A. schmilzt bei 92° in seinem Kristallwasser und wird bei 100° wasserfrei. Bei schnellem Erhitzen bläht er sich stark auf und hinterläßt porösen gebrannten A., der sich sehr langsam in 30 Teilen Wasser löst. Erhitzt man ihn stärker, so zerfällt er in schweflige Säure, Sauerstoff, Tonerde und schwefelsaures Kali. Weil der A. sauer reagiert, zersetzt er viele Ultramarinsorten. Versetzt man Alaunlösung mit Kalilauge, bis Tonerde sich dauernd ausscheidet, so entsteht neutraler A.: K2SO4, Al23SO4, Al2O6H6. Aus der Lösung dieses Salzes fällt bei 40° unlöslicher A.: K2SO4, Al23SO4, 2Al2O6H6, der einen künstlichen Alunit darstellt. Aus Alaunlösung mit wenig »neutralem A.« kristallisiert bei gewöhnlicher Temperatur normaler A. in Würfeln (kubischer A., Würfelalaun), bei höherer Temperatur aber oktaedrischer A. Glüht man A. mit Zucker und läßt das Präparat in einem verschlossenen Gefäß erkalten, so entzündet es sich, sobald es an die Luft kommt. Ammoniakalaun Al23SO4, (NH4)2SO4+24H2O findet sich selten in der Natur; man bereitet ihn wie Kalialaun, versetzt aber die Lösung der schwefelsauren Tonerde mit schwefelsaurem Ammoniak. Er enthält 3,89 Proz. Ammoniak, 11,9 Proz. Tonerde, 36,1 Proz. Schwefelsäure, 48,11 Proz. Wasser, verhält sich wie Kalialaun, hinterläßt beim Glühen aber reine Tonerde. Sein spezifisches Gewicht ist 1,626, er schmilzt bei 94°, 100 Teile Wasser lösen 350@@break Beim Erhitzen mit pulverigem gelöschten Kalk entwickelt er Ammoniak. Natronalaun ist leicht löslich, wird aus schwefelsaurer Tonerde und Natriumsulfat dargestellt und verwittert an der Luft. A. dient zur Bereitung von Farben und Farblacken, in der Färberei zur Darstellung von Rotbeize aus Bleizucker, in der Weißgerberei, zum Leimen des Papiers, zum Färben der Goldwaren, zu schwer verbrennlichen Anstrichen, zum Härten des Gipfes, zum Klären von Wasser und Talg, als Zusatz zu Brot, um schlechtes Mehl verwendbar zu machen, als fäulniswidriges Mittel, zum Aufbewahren von Fellen, Häuten, in der Medizin als adstringierendes Mittel, als gebrannter A. zum Beizen, als blutstillendes Mittel und als Zahnpulver. Wo bei der Verwendung des Alauns nur sein Tonerdegehalt in Betracht kommt, ist er ersetzbar durch schwefelsaure Tonerde (konzentrierter A., s. d.), doch kristallisiert A. leicht und ist deshalb leichter rein zu erhalten. Deutschland produziert jährlich etwa 84,000, Österreich 31,000 Ztr., die Gesamtproduktion mag sich auf 200,000 Ztr. beziffern. A. war den Alten nicht bekannt, das Alumen des Plinius war Eisenvitriol und enthielt höchstens schwefelsaure Tonerde. Geber aber kannte A. aus Rocca in Mesopotamien, und im 13. Jahrh. bestanden bei Smyrna und im Neapolitanischen Alaunsiedereien, die Alaunfels verarbeiteten. Im 15. Jahrh. gründeten Genuesen Alaunwerke auf Ischia, und in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. wurde bei Schwemsal A. fabriziert. Libavius und Agricola beschrieben die Darstellung des Alauns aus Alaunschiefer und gaben an, daß man die Lauge mit gefaultem (ammoniakhaltigem) Urin versetzte (also Ammoniakalaun fabrizierte). Die chemische Natur des Alauns wurde 1797 durch Chaptal und Vauquelin festgestellt. Vgl. Seger, Die technische Verwertung Schwefelkies führender Schiefer und Tone der Stein- und Braunkohlenformation (Neuwied 1869).
6450 Zeichen · 88 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Alāun

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Alāun , des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein zusammen ziehendes Erdsalz, welches aus Verbindung der Vitriol…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Alaun

    Goethe-Wörterbuch

    Alaun Farblosen Erden, besonders dem A., kann jede specificirte Farbe leicht mitgetheilt werden N1,233,24 FlD 585 N5 2 ,…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Alaun

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Alaun , eine Verbindung von Thonerde, Kali, Schwefelsäure und Wasser. Wird aus dem Alaunschiefer, einer von Schwefelkies…

  4. modern
    Dialekt
    Alaun

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Alaun Band 1, Spalte 1,252f.

  5. Sprichwörter
    Alaun

    Wander (Sprichwörter)

    Alaun Alaun für Zucker essen. Einen Tadel für Lob annehmen; etwas Scharfes, Bitteres für Beweis der Güte ansehen. [Zusät…

  6. Spezial
    Alaun

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Alaun m. (-s) ‹chim› malau (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit alaun

64 Bildungen · 59 Erstglied · 4 Zweitglied · 1 Ableitungen

alaun‑ als Erstglied (30 von 59)

ALAUNADER

DWB2

alaun·ader

ALAUNADER f. alaunhaltige erzader, vgl. alaunflöz : 1612 ( kompositum? ) das ( heil ) wasser hette eine zusamenzihende tugend und kraft wege…

Alaunartig

Adelung

alaun·artig

Alaunartig , -er, -ste, adj. et adv. etwas von dem Alaune an sich habend, nach Alaun schmeckend. Allaunartiges Wasser. Alaunartige Erde.

Alaunbad

Campe

alaun·bad

Das Alaunbad , des — es, Mz. die — bäder, ein Bad in Alaunwasser.

Alaunbereiter

Campe

alaun·bereiter

Der Alaunbereiter , des — s, d. Mz. w. d. Ez. der den Alaun bereitet, siedet; der Alaunsieder.

Alaunbêrgwêrk

Adelung

alaun·bergwerk

Das Alaunbêrgwêrk , des -es, plur. die -e, ein Ort, wo gediegener Alaun, oder doch Alaunerz auf bergmännische Art gewonnen wird.

Alaunblumen

Adelung

alaun·blumen

Die Alaunblumen , sing. inus. bey den Alaunsiedern, das weiße Salz, welches an den Alaunerzen, wenn sie lange genug gewittert haben, ausschl…

Alaunbruch

Adelung

alaun·bruch

Der Alaunbruch , des -es, plur. die -brüche, ein Ort, wo Alaun oder alaunhaltige Steine gebrochen werden.

alaunen

DWB

alaunen , mit alaun bereiten, leder, papier u. s. w. mhd. alûnen durchgerben, prügeln. Ben. 1, 27 a , in Hagens wb. zu Trist. 327 misverstan…

alaunen

FWB

1. ›etw. in Alaun tauchen, etw. mit Alaun behandeln‹; speziell: ›etw. mit Alaun gerben‹; 2. ›jn. durchgerben, prügeln‹; Ütr. zu 1.

Alaunêrz

Adelung

alaun·erz

Das Alaunêrz , des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein jedes Mineral, aus welchem Alaun gesotten werden kann.

Alaunfabrikation

GWB

alaun·fabrikation

Alaunfabrikation Ein so zufälliges Ereigniß, denn man weiß nicht wie diese Strecke [ bei Dudweiler ] sich entzündete, gewährt der Alaunfabri…

Alaunfáß

Adelung

alaun·fass

Das Alaunfáß , des -sses, plur. die -fässer, in den Alaunwerken, ein Faß, in welchem die Sode zu Alaun-Krystallen anschießet.

alaunfletz

DWB

alaun·fletz

alaunfletz , n. stratum, area aluminis: nun gibt die erfarung, das wildbeder gemeinklich vom kalchstein oder bleischeblichten gengen oder al…

ALAUNFLÖZ

DWB2

alaun·floez

ALAUNFLÖZ n. , m. alaunhaltiges flöz, vgl. alaunader : 1562 das wildbeder gemeincklich vom kalchstein, oder bleyschweblichten gengen oder al…

Alaungärber

Adelung

alaun·gaerber

Der Alaungärber , des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gärber, welche das Leder auf Ungarische Art mit Alaun und Talg zubereiten, und von de…

Alaungar

Adelung

alaun·gar

Alaungar , adj. et adv. bey den Lederbereitern, so viel als weißgar, weil diese Gare mit Alaun und Salz hervor gebracht wird. Alaungares Led…

Alaungeist

Adelung

alaun·geist

Der Alaungeist , des -es, plur. inus. in der Chymie, ein aus dem Alaune destillirter Vitriolgeist.

Alaungerber

Campe

alaun·gerber

Der Alaungerber , des — s, d. Mz. w. d. Ez. ein Gerber, welcher das Leder mit Alaun und Talg zubereitet.

Alaunhaltig

Adelung

alaun·haltig

Alaunhaltig , -er, -ste, adv. et adv. Alaun in sich enthaltend. Alaunhaltige Erde, alaunhaltiges Holz, alaunhaltiges Wasser.

Alaunhaufen

Adelung

alaun·haufen

Der Alaunhaufen , des -s, plur. ut nom. sing. in den Alaunhütten, das auf einen Haufen geschüttete Alaunerz, welches zur Hervorbringung des …

Alaunholz

Adelung

alaun·holz

Das Alaunholz , des -es, plur. inusit. 1) Ein Nahme, welchen man alaunhaltigen Steinkohlen beyzulegen pfleget, weil sie einem halb zerstörte…

Alaunhütte

Adelung

alaun·huette

Die Alaunhütte , plur. die -n, das Gebäude auf einem Alaunwerke, in welchem die Alaunlauge gemacht und eingesotten wird. In weiterer Bedeutu…

Alaunicht

Campe

alaun·icht

Alaunicht , adj. u. adv. dem Alaun ähnlich, an Geschmack  Ein alaunichter Geschmack.

alaun als Zweitglied (4 von 4)

federalaun

DWB

feder·alaun

federalaun , m. alumen plumosum, bei Frisius 1329 b und Maaler 129 b gekürzt fäderlun.

haaralaun

DWB

haar·alaun

haaralaun , n. auch federalaun, alaun in feinen haar- oder federförmigen crystallen. Nemnich.

zuckeralaun

DWB

zucker·alaun

zuckeralaun , m. , alaun mit zucker und eiweisz in form kleiner zuckerhüte hergestellt Wirsung arzneib. (1588) reg.; Jacobsson 8, 281 b ; Ad…

Ableitungen von alaun (1 von 1)

Alaune

Meyers

Alaune , Doppelsalze, die analog dem gewöhnlichen Alaun Al 2 3SO 4 , K 2 SO 4 +24H 2 O zusammengesetzt sind und dieselbe Kristallform haben.…