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zwitzern

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwitzern vb.

Bd. 32, Sp. 1426
zwitzern, vb. , zwitschern; flimmern, glitzern; schnell bewegen. ursprünglich nur von akustischen erscheinungen im sinne von 'zwitschern', daher onomatopoetische bildung, vgl. ahd. zwizzirôn, zwizzerôn; mhd. zwitzern; mengl. engl. to twitter Murray 10, 1, 544a. Kluge etym. wb. (1951) 916a führt das wort zurück auf westgerm. *twitt(w)irôn und erschlieszt eine reduplizierende bildung mit der germ. grundform *twi-twiz-ôn. den stammvokal e zeigt mnl. quetteren Verwijs-Verdam 6, 900 und nl. kwetteren wb. d. nederl. taal 8, 1, 775, die zwar auch als schallnachahmungen anzusehen sind, doch in ihrer bildung zugleich von nl. kwettelen, quedelen 'schwatzen, plaudern', kweelen 'pfeifen, singen' beeinfluszt sein mögen, s. Franck-v. Wijk 363 und Falk-Torp 1, 606, der in kwetelen eine intensivbildung zu germ. *kweþan vermutet (vgl. auch 1zwittern, sp. 1422). vgl. weitern. kvidre, schw. kvittra, norw. kvitra, s. Falk-Torp a. a. o.; Hellquist 3557; Torp 353. mhd. zwitzern geht teilweise in nhd. zwitschern (s. d. und vgl. u. 1) über, bleibt aber auch nhd. mundartlich und hochsprachlich in unveränderter form bestehen. in der grundbedeutung bezeichnet das wort schallnachahmend feine zischelnde und zirpende töne, bes. laute und gesang der vögel. 11) schallnachahmend für einen akustischen vorgang; vgl. zwitzern 'dem gehör nach, einen subtilen laut von sich geben' Frisch wb. (1741) 2, 489. in neuerer zeit zu zwitschern (s. d.) weiterentwickelt; die form zwitzern hält sich im bair. und alem.: Schmeller-Fr. 2, 1186; Fischer schwäb. 6, 1474; Martin-Lienhart elsäss. 2, 929. 1@aa) im sinne der grundbedeutung für den vogellaut: pipant ciuizeront ahd. gl. 2, 18, 7 St.-S. (vgl. ... ipant zuizeron gl. zu Aldhelm in: zs. f. dt. altert. 64, 78); zwitzern als die vogel garrire voc. teuth. (1482) 996b; garrire schwetzen, zwitzern wie die vögel Hulsius (1618) 2, 170a; zwitzern ist auch das geschrey der jungen vöglein, das gegicker der vöglein, gickern Güntzel haubtschl. (1648) 929b; zwitzern wie eine schwalbe Kramer t.-ital. 2 (1702) 694c; das zwitschern oder zwitzern der vögel Rädlein (1711) 1126a; man hört die vögel zwitzern Schwan nouv. dict. 2 (1784) 1150b. meist für die hohen und feinen töne kleiner vögel, vgl. zwitzern wie die jungen vögel fringultire Weismann lex. (1698) 2, 472b; 'vom singen kleiner vögel' Frisch wb. (1741) 2, 489. daher vornehmlich für die laute von nachtigall, sperling und schwalbe als den volkstümlichsten vögeln, sowie für das unbestimmbare durcheinander mehrerer vogelstimmen. der uneinheitliche und unrhythmische charakter der laute bestimmt den vorstellungsgehalt des wortes, der auch im nicht akustischen bereiche (vgl. u. 2 und 3) die bedeutung beherrscht: in uuálde uuile er (der vogel) zuizerôn (Boethius: siluas dulci voce susurrat) Notker 1, 138, 27 P.; tihtens het ich mich verloubet von der zît her, sît mîn houbet maniger leie dœne gewan: sieden, diezen, siusen, singen, zwitzern, grellen, snurren, klingen Hugo v. Trimberg d. renner 5 Ehrismann; die luft erfreue dich, darin ... deine flügling' (vögel) oft mit zwizerendem singen ... ein danck- und loblied bringen! Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch (1647) 24; darauff vil edler vögel schwebten, die nach gesang zusamen strebten. da zwitzert manches zünglin klein, vnd stiesz herausz die notten rein (1553) C. Scheit frölich heimfart 9 Strauch; die vogel sungen, das es zwitzert (1556) Wickram w. 4, 241 lit. ver.; in desz fieng an die nachtigal zu gällen jhrn zwitzrenden schall Fischart w. 1, 435 Hauffen; ein süsz erklingende hell zwitzerende stimm der angenähmen nachtigall die verliebte Cariteam ... erweckete theatrum amoris (1626) 2; das zwitzern der canarien Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 356; die zwitzrende vögel einander ... zulocken Schupp schr. (1663) 926; etliche (ähneln) den schwalben, die zwar in den häusern tzwitzern; aber sie besudeln das hausz, da sie gebauet Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 632; die winterscheuen schwalben zwizern wieder allenthalben Grob dichter. versuchgabe (1678) 101; so bald sich gar frühe nur ein vögelein hören läst, oder ein sperling zwitzert, so ist's um meinen schlaff geschehen Qvirsfeld geistl. myrrhengarten (1717) 934; die bächlein glitzerten, die vöglein zwitzerten Robe neue lieder u. mährchen (1840) 29; klettre auf einen kastanienbaum ..., mach' deine nachtigall ... schlag' und zwitzere und kümmere dich um nichts, bis ich dich rufe Göthe I 38, 139 W.; da ich meine gefangene vögel zwitzern hörte Klinger theater (1786) 4, 304; man hatte kartaunen rasseln und prasseln, vöglein zwitzern und tiriliren ... hören Gervinus dt. dicht. (1853) 3, 288. bildlich im vergleich: dieses wird dich wie einen spatzen zwitzeren machen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 5 (1645) 237; diese narren aber zitzern und zwitzern in keinem vogelnest, sondern in dem strobel-nest in der perruquen Abr. a s. Clara narrenfest (1751) 3, 2; Lutherus singt vns allen vor, nach gottes wort führt den tenor. wir singen nach und zwitzern mit, gott wil solch stimm verachten nit Nic. Selneccer bei E. E. Koch gesch. d. kirchenlieds 32, 209. 1@bb) weit verbreitet im sprichwort: wie die alten sungen, so zwitzeren die jungen Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 130b. ausgehend von der bleibenden form des vogellautes ist der sprichwörtliche sinn: die jugend handelt nach vorbild und beispiel der älteren generation; vgl. weiter: schöne weise klugreden (1548) 62a; am vatter kent man gemeiniglich die kinder vnd am herrn das gesind, vnd wie die alten sungen, so zwitzern die jungen Mathesius Sarepta (1571) 11a; Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) a 1a; Eyering proverb. copia (1601) 3, 558; Lehmann floril. polit. (1662) 3, 118; Schmelzl verlorn sohn 11b; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1502a; Prätorius abenth. glückstopf (1669) 457; Spanutius (1720) 496; Nürnberger wb. (1713) 6; Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 34a. das sprichwort bleibt mit der form zwitschern (s. d.) bis in die neueste zeit lebendig. 1@cc) auffällig sind in frühen vocabularien glossierungen lateinischer lemmata, die sich auf die deutung des vogelflugs und -gesanges beziehen: aurictor weyssag durch der vogelgesangk oder zwytzern voc. theut. (Nürnberg 1482) nn 7a. abweichend davon steht in demselben glossar: auspicari wegeln, zwytzern als von vogele ansehen vnd ausz irem ansehen kunfftige ding sagen ebda nn 4b, wo zwitzern neben wegeln ('wackeln, schwanken') als ein verb der bewegung verstanden werden kann und unmittelbar zur interpretation von 'auspicare' dient. entsprechend steht im gleichen glossar: augur vogeltzwitzer; augurare vogeltzwitzern ll 7b. vergleichbar aus anderen glossaren sind: augurium vogelgesang (15. jh.) Diefenbach gl. 60c; augurium vogelgeschrei (15. jh., md.) ebda; auspicium quitteln als de fegel (15. jh., md.) ebda 63a. zu quitteln vgl. garrire quittern, quitteln, quedelen u. ähnl. Diefenbach 257c. 1@dd) von hohen und feinen tönen überhaupt; verhältnismäszig selten, so dasz nicht mit sicherheit entschieden werden kann, ob es sich um einen eigenen verwendungsbereich oder nur um mehr oder weniger bildliche anwendung der bedeutung von a handelt, vgl. vibrisso ich zwitzere mit der stimm, ich bewege die stymm schnelligklich im gesang Dasypodius (1536) 252b; so zwitzerten die geygen fein gar lieblich mit den stimmenlein (1598) J. Frischlin Hohenzollerische hochzeit 48 Birlinger, während beim folgenden beleg bildlicher vergleich vermutet werden darf: ein discantist, mit schönem hall, sang warlich wie fraw nachtigall. mit schöner stimm zwizert so fein, welche war hell vnd also klein, das sie sie die andre alle ziert (1598) J. Frischlin Hohenzollerische hochzeit 63 Birlinger. vom laut der mäuse: wie zwitzern die meuse in der scheunen S. Artomedes christl. auszlegung (1609) 1, 362; das tigerthier, das pander und alle dergleichen vierfüssige thier sich für dem zwitzern der mäuse entsetzen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 8 (1649) 488; sonsten können seine (des löwen) grosse ohrenröhren, den scharffen schrei des haanen und das zwitzern der mäuse nicht wol vertragen ders., geschichtspiegel (1654) 31. noch heute mundartlich: die mäuse zwitzern Crecelius oberhess. wb. 941. vereinzelt: gleichsam die hewschrecken im sommer vff vnsern hauptern zwitzerten Frölich Joannis Stobei spruchrede (1550) 176; zwizern der grille Fulda wurzelwörter (1776) 290. 'flüstern, tuscheln': swer nu kan zwitzern wider zwieren, velschlich truffieren und partieren und mit zwein zungen snîden kan, den heizet man einen wîsen man Hugo v. Trimberg d. renner 21 833 Ehrismann; heimlich mit einem oder einer zwitzern far pissi pissi in segreto con uno-una Kramer t.-ital. 2 (1702) 1502a. wohl bildlich-ironisch, in hohen tönen jammern: 'in fein pfeifender stimme singen oder sich hören lassen, z. b. jetzt ist er im unglück, jetzt zwitzert er' Crecelius oberhess. wb. 941. 22) unter verlust des akustischen moments erhält sich nur der unbestimmte, unrhythmische charakter der bedeutung, und zwitzern bezeichnet eine zuckende, unruhige bewegung; vgl. mico zwitzern, item schnelligklich auff ainander bewegen Serranus dict. (1540) p 6a; celeriter moveor zwitzern, behend sich bewegen Frisch wb. (1741) 2, 489c; sich schnell bewegen, sich bunt durcheinander bewegen, durch einander laufen Campe 5 (1811) 977a; mundartlich noch in neuester zeit, vgl. unten. 2@aa) mit den augen zwitzern, sowohl als bewegung der augen als auch eine bewegung der ganzen augenpartie 'blinzeln, zwinkern'. lexikalisch durchgängig und reich verzeichnet, so dasz umgangssprachliche verbreitung des ausdrucks angenommen werden darf: connivere blintzlen, die augen auf vnd zuothuon, yemerdar mit den augen zwitzeren Frisius dict. (1556) 300b; nictare zwitzern mit den augen nomencl. lat.-germ. (1634) 118; Calvisius (1666) 58; Reyher thes. (1668) 1, 1356; zwitzernde augen oculi palpitantes Stieler stammb. (1691) 2664; zwizern an den augen zitternde bewegungen leiden, oder (aus einem einfältigen hochmuth) annehmen Westenrieder gloss. (1816) 696. noch heute in obd. maa.: mit den augen blinzeln Vilmar Kurhessen 475; zwitzeren blinzeln, zwinkern Fischer schwäb. 6, 1474; blinzeln Martin-Lienhart elsäss. 2, 929; Seiler Basel 330b; Weber ma. d. Zürcher oberl. 118; Hunziker Aargau 316; Schmeller-Fr. bair. 2, 1186. literarisch verhältnismäszig selten und kaum über das 17. jh. hinaus bezeugt; wahrscheinlich von dem in dieser zeit aufkommenden zwinkern (s. d.) verdrängt: vil habens von natur, das sye für vnd für mit den augen nicken vnd zwitzeren Eppendorff Plinius (1543) 206; wo auch ... hefftige wehtagen sich erheben vnd zufallen mit frost, schaudern, grossen hitzen vnd häuptwehen, zwitzern der augen, sind alles zeichen eines todten kinds vnd schwerlicher geburt Ruoff hebammenb. (1580) 125; sie (die augen) eröffnen durch ihr strengin, niderschlagen, schiessen, zwitzeren, wincken und andern bewegungen, freud, leid, zorn, ernst und andere auffwallungen desz hertzens Wirsung artzneyb. (1588) 70d; welche augen aber im gegentheil gantz und gar nicht zwincken oder zwitzeren, die werden bei dem Aristotele für starcke unnd unüberwindtliche gehalten Porta physiognomy (1601) 503; solche auspicia oblativa waren vnter andern vibrata salitio oculi, wenn einen die augen zwitzerten Prätorius glückstopf (1669) 207; so oft er mich zur tür hereinkommen sah, zwitzerte er schon mit seinen kleinen äuglein und stellte mir schmunzelnd und schweigend ein glas hin, ehe ich selbst nur eine silbe hatte verlauten lassen Hansjakob ausgew. schr. (1910) 2, 132. 2@bb) für eine schnelle, zuckende muskelbewegung; allgemein auf den umkreis des gesichtes beschränkt: zwitzern als die natern mit den zungen thund Pinicianus prompt. (1516) Q 7a; wirst du aufhören zu zwitzern, du böse schlang (sagte ein Deutscher zu e. ausgeschnittenen zunge) Dannhawer in: Alemannia 13, 56; zwitzerende zung vibrans lingua Aler dict. (1727) 2, 2295b; zwitzern mit der stirnen vibrissare Dasypodius dict. (1536) 467a; mit den oren zwitzeren, oder die oren offt vnd dick recken vnd bewegen Frisius dict. (1556) 145a; das zwizeren der zähn Abraham a s. Clara Judas (1686) 1, 87; zwitzern mit den augbrauwern Frisch wb. (1741) 2, 489b; zwitzern mit den leffzen ebda; der neue bauer sah Uli auch an, und seltsam zwitzerte es ihm um den mund und in den augen Gotthelf ges. schr. (1855) 3, 416. vereinzelt vom unregelmäszigen pulsschlag: der pulsz ist starck, aber langsam vnnd zwitzerend Wirsung artzneyb. (1597) 143b. in heutiger ma. erscheint die bedeutung gelegentlich für eine zitternde, unrhythmische bewegung überhaupt: der schmetterling zwitzert mit den flügeln Vilmar Kurhessen 475 (vgl. zwitzvogel 'schmetterling', unten sp. 1432); flattern Martin-Lienhart elsäss. 2, 929. vgl. auch oben 1 c. vereinzelt allgemein für bewegungen aus unruhe und affekt: zwitzere und zwatzere unruhige bewegungen (durch erregungen hervorgerufen) machen Schön Saarbrücken 236; zwitzere eifern ebda; zwitzere aufbrausen Autenrieth pfälz. id. 157. 2@cc) einen gegenstand ruckartig bewegen, schütteln: vibrare gladium vel hastam erschütteln, vel zytteren machen, scherffen, zwitzern, gletten, wetzen Melber vocab. predicant. (1482) Ee 6a; zwitzernder degen gladius vibrans Stieler stammb. (1691) 2664; deine ruhte dienet dem pferd deinen willen zu bedeuten und selbes zu straffen; zuweilen auch mit derselben zwitzeren, es aufzumunteren Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 5 (1645) Qq 2a, vgl. unten 3 e. 33) das moment der unruhigen, raschen bewegung wird übertragen auf lichtstrahlen und lichterscheinungen. vom zucken des lichts bzw. von den das auge treffenden lichtreflexen, 'glitzern, funkeln'. mico ich glitze, scheyne, zwitzere Dasypodius dict. (1536) 133a; splendere gleissen, scheynen, glitzen, glantzen, glasten, zwitzern (1550) Schöpper synonyma 31b Sch.-K.; micare glitzeren, zwitzeren, scheynen, glantzen Frisius dict. (1556) 820b; zwitzeren micare Ruland dict. (1586) 948; geneisten, zwitzeren alsz ob geneist darvon führen Calepinus XI ling. (1598) 1309a; zwitzern, glitzern ist glintzern, glantz desz fewers von sich geben, schimmern, flämmlein machen Güntzel haubtschl. (1648) 929b; zwitzern, glitzern, gläntzen, schimmern Duez dict. (1664) 2, 743b; zwitzeren coruscare, micare Dentzler clavis ling. lat. (1686) 2, 370a. in dieser bedeutung kaum über das 18. jh. hinaus bezeugt. 3@aa) für das unruhige, blitzende flackern von lichtquellen (im gegensatz zum ruhigen, leuchtenden strahlen); bei flammen und funken, vgl. caprae saltantes zwyzerendes feuwer Frischlin (1586) 7b; Emmelius nomencl. quadr. (1592) 28; das geneisten vnd zwitzeren Calepinus XI ling. (1598) 1309a s. v. scintillatio; das liecht zwitzert mir in die augen Duez dict. (1664) 2, 743b; das liecht zwitzert candela coruscat, micat Calvisius (1666) 54: ein zeychen des kreütz ... mit feürigem schein gezwitzert hatt C. Hedio chron. Germ. (1530) 4a; vnnd so im bogen (regenbogen) oder hafen funcklin zwitzeren, versehe man sich rägenwetters M. Herr feldbau (1551) 15a; denn man sahe in der hellen roten wolcken fewerfuncken durch einander fahren und zwitzern Spangenberg mansfeld. chron. (1592) 491b; wann es (d. salpeterlösung) zwitzert oder flammet, so geusz es durch ein zwifach leinen thuch in ein schön geschirr Fronsperger kriegsb. 2 (1573) 220a. bildlich: in welchen worten beides klärlich auszgedruckt wirdt, dasz in der natur des menschen, wie verkert und abtrünnig sie auch jmmer worden ist, noch etliche füncklin zwitzern Calvin inst. christ. religionis (1572) 169. verbreitet von den lichtstrahlen der gestirne: nym war die grösse vnd vnzallicheit der sternen, wie die so lustlich so schön lüchten, wie sie zwytzeren, vnd wie sie so grosz sint Keisersberg bilgersch. (1512) 121b; darumb das er sein zwitzerenden sonnen glantz vnd das tagliecht vber gerecht vnd vngerecht gleich auszbreitet Hedio Tertullian von der gedult (1546) b 2b; der zwitzerend sonnenscheyn vnnd glantz Frisius dict. (1556) 644b; dazumal (am frühen morgen) fieng die sonn an herfür zuzwitzern (1561) Amadis 1, 367 Keller; der himmel von den glantzenden sternen zwitzert (1556) Wickram w. 2, 235 lit. ver.; das gantze corpus dess cometen zwitzert vnd beweget sich ... grausam Stumpf Schweizerchron. (1606) 763b; wie dann dieser (stern) auch den fixis stellis nicht gar gleich und zwitzerend, sondern dunckeler und nicht zwitzerend, auch ohne stralen gewesen H. Röslin hist. discurs (1609) B 2b; so zwizrend umb und umb diser des tags planet, voll majestet mit liecht und lust das hertz erquickend, herfür scheinet (1648) Weckherlin ged. 2, 55 lit. ver.; das gantze zwitzerd heer des himmels Schottel haubtspr. (1663) 823; die unzahlbaren zwitzernden stern A. a s. Clara w. 4, 381 Strigl; nichts desto weniger aber (aus der rotation der gestirne) kan das zwitsern und fünckern daraus nicht entstehen Francisci d. eröffn. lusthaus (1676) 1152; und das zwitzert (am nächtlichen himmel) alles so durch einander, als läg's in einem blutigen meere Göthe I 8, 142 W. noch mundartlich: der stern zwitzert Schmeller-Fr. bair. 2, 1186; Vilmar Kurhessen 475; Crecelius oberhess. wb. 941. im bilde: zerstrewet hin und her mehr schöne blumen lachen uns an, und zwitzern recht, als ob durch ihren schein, den sternen gleich, die erd nu solt ein himmel sein (1648) Weckherlin ged. 2, 372 lit. ver.; wir wollen geschweigen der holdseligen ... schönheit der wiesen, da ... allerhand-färbige blümlein, wie die zwitzernden sternlein herfür scheinen Hohberg georg. cur. (1682) 2, 254a. das unruhige flackern der himmelskörper gab der vorstellung raum, dasz dem zwitzern eine ständige bewegung zugrunde liegen müsse; 'sich funkelnd bewegen': disz alles gieng feintlich (als legs in blutstreymigem fliessendem gewässer) durch einander zwitzern vnd sich arbeiten Seb. Franck chron. zeytb. (1531) 242a; vgl. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 430a, und Megiser annales Carinthiae (1612) 1353; ausz dem zwitzerenden schiessen der sternen Thurneisser von probierung d. harnen (1576) f 9d; die übrigen sternen ... sind ... in unaufhörlicher arbeit desz zwitzerns ... begriffen S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 3. vereinzelt im sinne von 'gläntzen, leuchten': als aber ein solicher scheyn vnd glantz ausz dem gebenedeyten angesicht Christi zwitzert Emser verantwort. auf d. ketzer. buch (1522) B 1b. 3@bb) 'blitzen, wetterleuchten', vgl. micat ignibus aether der himel zwitzeret, blitzet schnel vff einandern Dasypodius dict. (1536) 133a; crebris micat ignibus aether glitzeret, zwitzeret, mit häfftigen blitzgen Frisius dict. (1556) 644b; zwitzern oder wetterleuchten fulgurare Duez dict. (1663) 2, 743b; Hulsius-Ravellus (1616) 444a; Rädlein (1711) 1126a; Campe (1811) 977a. 3@cc) vom funkeln der augen; tremulo fulgore micantes oculi zwitzerend Frisius dict. (1556) 591b; sbalenare, lampeggiare, brillare, sfavillare, aminiccare etc. co gli occhi mit den augen blitzen, zwitzern, fippern Kramer t.-ital. 1 (1700) 42c: diese schlang hat scharfe zwitzernde feurige augen, wie brennende facklen Gesner-Carron schlangenbuch (1589) l 2b; von helfenbein ein glate stirn, ein hell-zwitzerendes gestirn, ein mund ... hand und wangen, ... machen, das euch stehts meine sehl, Anna, als eine göttin ehret (1619) Weckherlin ged. 1, 227 lit. ver.; welches noch grösserer schad wäre vor die funcklende augen, die von schwärtze klärer zwitzern, als der rusz vor meines knans ofenloch, welcher so schröcklich gläntzete Grimmelshausen Simpl. 118 Scholte; Fillis mit schnellester eyl zwitzern die strahlen der augen-krystallen (1656) Venus-gärtlein 32 ndr. 3@dd) 'flimmern' in obd. maa., tswitsəræ flimmern, von heiszer luft Clausz Uri 160; an jedem wilchli zwitzeret's (beim sonnenaufgang) Friedli Bärndütsch 5 (1922) 117; zittern, flimmern Schmeller-Fr. bair. 2, 1186; zwizzeren 'flimmern, aufleuchten' Halter Hagenau-Straszburg 197; tswitsere flimmern vom schnee, flimmern von der hitze Meisinger Rappenau (1906) 216b; dswidsərε flimmern Beck Markgräfler ma. 150. in formelhafter unpersönlicher verbindung: es zwitzerte ihm vor den augen Gotthelf ges. schr. 13 (1857) 289; vgl. zwizere einen flimmernden schein vor augen haben, wirbeln, kraus werden Seiler Basel 330b; er hett mer ais g'haue, 's hett mer zwizered for den auge ebda; ech mud mech scheng, dàs me's orndlich vr dn auwen zwizerd Hertel Thür. 268. 3@ee) vielfach von lichtreflexen, die durch eigene bewegungen des reflektierenden gegenstands bzw. durch bewegungen des betrachtenden auges den eindruck des blitzens und glitzerns hervorrufen, vgl. zwitzeren, glantzen, glitzeren wie gold, scheynen, ein glantz gäben wie gold Frisius dict. (1556) 1171a; zwitzeren, glantzen wie gold rutilare, coruscare, micare Maaler teutsch spraach (1561) 535b; die blancken waffen, degen zwitzern in der sonne Kramer t.-ital. 2 (1702) 1501c: der tempel, der da zwitzeret von gold Keisersberg (1510) bei Anton Birlinger zur kirchenspr. (1869) 25, 57; darein sprang auch mit süssem fall ein brünlin lauter wie cristall, sein silbers strömlin zwitzert rein, gekrümmt vber die klaren stein (1553) C. Scheit fröliche heimfart 107 Strauch; daran (an dem chorrock) auch viel edelgestein, so ein grosses liecht und zwitzern von sich gaben, versetzt gewesen Feyerabendt ungar. chron. (1581) 102a; rings herumb mit diamantischen spitzen als flammen funckelend vnd zwitzerend besetzt Fischart Garg. 182 ndr.; als mit einem gantz schön lasur-farben umbhang, mit zwitzerendem gold stern-weisz reichlich gesticket, hat mit den himmeln rund den weltweitten umbgang dein (gott) maysterliche hand bedöcket und geschmücket (1641) Weckherlin ged. 1, 367 lit. ver.; geknüpft mit ketten-bändern schaut' ich jenen kranz, der schulter schmiegten sie zwitzernd, glimmernd gern sich an Göthe I 50, 326 W.; wie gold soll alles zwitzre Hertz ged. (1846) 178. auch: der thau zwitzert in der sunn bei Ch. Schmidt Straszburg 122b. im sinne von 'blank, sauber sein' in der mundartlichen redensart: in dem hus glitzert und zwitzert alles Martin-Lienhart elsäss. 2, 929b. im vergleich: wann seine (des hl. Chrisostomus) reden flackrent von einbrunst der liebe, vnd zwitzerend als das golde von dem glast der gezyerde Keisersberg pred. teütsch (1508) 127c; das spricht sant Gregorius, das die seelen nie werden zwitzern noch scheinen, sie haben dann vor in in das feuer götlicher liebe vnd gnad ders., brösamlin (1517) 2, 33a. in älterer sprache gelegentlich von helm oder schwert während der kampfbewegungen, so dasz die bedeutungen 'funkeln, blitzen' und 'vibrare' (s. oben 2 c) zusammenfallen, vgl. der degen zwitzert gladius vibratus nitet, fulget Stieler stammb. (1691) 2664; der zwitzerende degen le spade folgoranti, vibranti, micanti Kramer t.-ital. 2 (1702) 1501c; Jupiter liesse seine blitze zwitzern Giove faceva sguizzare, svibrare ò vibrava i suoi fulmini ebda: da sahe man manchen glitzigen vnd zwitzerenden helm Elisabeth v. Nassau-Saarbrücken Hugo Schapeler 39; die geyszlen knellen vnd zwitzeren die schwerter M. Herr sittl. zuchtbücher (1536) 117a (sonant flagella, gladius micat); es war ... ein zwitzernd, blitzend und dreuendes schwert Dannhawer catechism.-milch (1657) 1, 278; hier mit dergleichen schwerd, wie im irrdischen garten die heilig klinge thut zwitzrend die thür verwarten, haut er und sticht umb sich Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 454. hierher vermutlich auch: ein ... seil ... mit allerley vnnd vilerley farben fäderen besteckt vnd behenckt, ... die vom wind bewegt, zwitzern, wacken vnd sausen Forer Gesners thierb. (1563) 17.
23701 Zeichen · 445 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zwitzernswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    zwitzern swv. intr. zwitschern Renn. 8. 21683. Voc. 1482 ; zittern, flimmern Schm. Fr. 2, 1186 ; tr. etwas schwingen das…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwitzernv., ntr

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Zwitzern , v. ntr . mit haben . 1) Sich schnell bewegen, sich bunt durch einander bewegen, durch einander laufen. »Und d…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zwitzern

    Goethe-Wörterbuch

    zwitzern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    zwitzernschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    zwitzern schw. : 1. 'glänzen, funkeln', bes. vom Funkeln der Sterne in eisiger Nacht, zwitzere (dswidserə) [ZW-Gr'bundb …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwitzern

2 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

zwitzern als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von zwitzern (1 von 1)

verzwitzern

DWB

verzwitzern , vb. , zu zwitzern ( s. d. ). 1) wie zwitzern 2 a, mit den augen blinzeln: ( der adler ) setzt sie ( seine jungen ) gegen der s…

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APA
Cotta, M. (2026). „zwitzern". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zwitzern/dwb?formid=Z14183
MLA
Cotta, Marcel. „zwitzern". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zwitzern/dwb?formid=Z14183. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zwitzern". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zwitzern/dwb?formid=Z14183.
BibTeX
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