zwitzern,
vb. ,
zwitschern; flimmern, glitzern; schnell bewegen. ursprünglich nur von akustischen erscheinungen im sinne von '
zwitschern',
daher onomatopoetische bildung, vgl. ahd. zwizzirôn, zwizzerôn;
mhd. zwitzern;
mengl. engl. to twitter Murray 10, 1, 544
a. Kluge
etym. wb. (1951) 916
a führt das wort zurück auf westgerm. *twitt(w)irôn
und erschlieszt eine reduplizierende bildung mit der germ. grundform *twi-twiz-ô
n. den stammvokal e
zeigt mnl. quetteren Verwijs-Verdam 6, 900
und nl. kwetteren
wb. d. nederl. taal 8, 1, 775,
die zwar auch als schallnachahmungen anzusehen sind, doch in ihrer bildung zugleich von nl. kwettelen, quedelen '
schwatzen, plaudern', kweelen '
pfeifen, singen'
beeinfluszt sein mögen, s. Franck-v. Wijk 363
und Falk-Torp 1, 606,
der in kwetelen
eine intensivbildung zu germ. *kweþan
vermutet (
vgl. auch 1zwittern,
sp. 1422).
vgl. weiter dän. kvidre,
schw. kvittra,
norw. kvitra,
s. Falk-Torp
a. a. o.; Hellquist
3557; Torp 353.
mhd. zwitzern
geht teilweise in nhd. zwitschern (
s. d. und vgl. u. 1)
über, bleibt aber auch nhd. mundartlich und hochsprachlich in unveränderter form bestehen. in der grundbedeutung bezeichnet das wort schallnachahmend feine zischelnde und zirpende töne, bes. laute und gesang der vögel. 11)
schallnachahmend für einen akustischen vorgang; vgl. zwitzern '
dem gehör nach, einen subtilen laut von sich geben' Frisch
wb. (1741) 2, 489.
in neuerer zeit zu zwitschern (
s. d.)
weiterentwickelt; die form zwitzern
hält sich im bair. und alem.: Schmeller-Fr. 2, 1186; Fischer
schwäb. 6, 1474; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 929. 1@aa)
im sinne der grundbedeutung für den vogellaut: pipant ciuizeront
ahd. gl. 2, 18, 7
St.-S. (
vgl. ... ipant zuizeron
gl. zu Aldhelm in: zs. f. dt. altert. 64, 78); zwitzern als die vogel
garrire voc. teuth. (1482) 996
b;
garrire schwetzen, zwitzern wie die vögel Hulsius (1618) 2, 170
a; zwitzern
ist auch das geschrey der jungen vöglein, das gegicker der vöglein, gickern Güntzel
haubtschl. (1648) 929
b; zwitzern wie eine schwalbe Kramer
t.-ital. 2 (1702) 694
c; das zwitschern oder zwitzern der vögel Rädlein (1711) 1126
a; man hört die vögel zwitzern Schwan
nouv. dict. 2 (1784) 1150
b.
meist für die hohen und feinen töne kleiner vögel, vgl. zwitzern wie die jungen vögel
fringultire Weismann
lex. (1698) 2, 472
b; '
vom singen kleiner vögel' Frisch
wb. (1741) 2, 489.
daher vornehmlich für die laute von nachtigall, sperling und schwalbe als den volkstümlichsten vögeln, sowie für das unbestimmbare durcheinander mehrerer vogelstimmen. der uneinheitliche und unrhythmische charakter der laute bestimmt den vorstellungsgehalt des wortes, der auch im nicht akustischen bereiche (
vgl. u. 2
und 3)
die bedeutung beherrscht: in uuálde uuile er (
der vogel) zuizerôn (
Boethius: siluas dulci voce susurrat) Notker 1, 138, 27
P.; tihtens het ich mich verloubet von der zît her, sît mîn houbet maniger leie dœne gewan: sieden, diezen, siusen, singen, zwitzern, grellen, snurren, klingen Hugo v. Trimberg
d. renner 5
Ehrismann; die luft erfreue dich, darin ... deine flügling' (
vögel) oft mit zwizerendem singen ... ein danck- und loblied bringen! Rompler v. Löwenhalt
1. gebüsch (1647) 24; darauff vil edler vögel schwebten, die nach gesang zusamen strebten. da zwitzert manches zünglin klein, vnd stiesz herausz die notten rein (1553) C. Scheit
frölich heimfart 9
Strauch; die vogel sungen, das es zwitzert (1556) Wickram
w. 4, 241
lit. ver.; in desz fieng an die nachtigal zu gällen jhrn zwitzrenden schall Fischart
w. 1, 435
Hauffen; ein süsz erklingende hell zwitzerende stimm der angenähmen nachtigall die verliebte Cariteam ... erweckete
theatrum amoris (1626) 2; das zwitzern der canarien Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 356; die zwitzrende vögel einander ... zulocken Schupp
schr. (1663) 926; etliche (
ähneln) den schwalben, die zwar in den häusern tzwitzern; aber sie besudeln das hausz, da sie gebauet Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 632; die winterscheuen schwalben zwizern wieder allenthalben Grob
dichter. versuchgabe (1678) 101; so bald sich gar frühe nur ein vögelein hören läst, oder ein sperling zwitzert, so ist's um meinen schlaff geschehen Qvirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 934; die bächlein glitzerten, die vöglein zwitzerten Robe
neue lieder u. mährchen (1840) 29; klettre auf einen kastanienbaum ..., mach' deine nachtigall ... schlag' und zwitzere und kümmere dich um nichts, bis ich dich rufe Göthe I 38, 139
W.; da ich meine gefangene vögel zwitzern hörte Klinger
theater (1786) 4, 304; man hatte kartaunen rasseln und prasseln, vöglein zwitzern und tiriliren ... hören Gervinus
dt. dicht. (1853) 3, 288.
bildlich im vergleich: dieses wird dich wie einen spatzen zwitzeren machen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 5 (1645) 237; diese narren aber zitzern und zwitzern in keinem vogelnest, sondern in dem strobel-nest in der perruquen Abr. a
s. Clara
narrenfest (1751) 3, 2; Lutherus singt vns allen vor, nach gottes wort führt den tenor. wir singen nach und zwitzern mit, gott wil solch stimm verachten nit Nic. Selneccer
bei E. E. Koch
gesch. d. kirchenlieds 32, 209. 1@bb)
weit verbreitet im sprichwort: wie die alten sungen, so zwitzeren die jungen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 130
b.
ausgehend von der bleibenden form des vogellautes ist der sprichwörtliche sinn: die jugend handelt nach vorbild und beispiel der älteren generation; vgl. weiter: schöne weise klugreden (1548) 62
a; am vatter kent man gemeiniglich die kinder vnd am herrn das gesind, vnd wie die alten sungen, so zwitzern die jungen Mathesius
Sarepta (1571) 11
a; Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) a 1
a; Eyering
proverb. copia (1601) 3, 558; Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 118; Schmelzl
verlorn sohn 11
b; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1502
a; Prätorius
abenth. glückstopf (1669) 457; Spanutius (1720) 496;
Nürnberger wb. (1713) 6; Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 34
a.
das sprichwort bleibt mit der form zwitschern (
s. d.)
bis in die neueste zeit lebendig. 1@cc)
auffällig sind in frühen vocabularien glossierungen lateinischer lemmata, die sich auf die deutung des vogelflugs und -gesanges beziehen: aurictor weyssag durch der vogelgesangk oder zwytzern
voc. theut. (
Nürnberg 1482) nn 7
a.
abweichend davon steht in demselben glossar: auspicari wegeln, zwytzern als von vogele ansehen vnd ausz irem ansehen kunfftige ding sagen
ebda nn 4
b,
wo zwitzern
neben wegeln ('
wackeln, schwanken')
als ein verb der bewegung verstanden werden kann und unmittelbar zur interpretation von '
auspicare'
dient. entsprechend steht im gleichen glossar: augur vogeltzwitzer;
augurare vogeltzwitzern ll 7
b.
vergleichbar aus anderen glossaren sind: augurium vogelgesang (15.
jh.) Diefenbach
gl. 60
c;
augurium vogelgeschrei (15.
jh., md.)
ebda; auspicium quitteln als de fegel (15.
jh., md.)
ebda 63
a.
zu quitteln
vgl. garrire quittern, quitteln, quedelen
u. ähnl. Diefenbach 257
c. 1@dd)
von hohen und feinen tönen überhaupt; verhältnismäszig selten, so dasz nicht mit sicherheit entschieden werden kann, ob es sich um einen eigenen verwendungsbereich oder nur um mehr oder weniger bildliche anwendung der bedeutung von a
handelt, vgl. vibrisso ich zwitzere mit der stimm, ich bewege die stymm schnelligklich im gesang Dasypodius (1536) 252
b; so zwitzerten die geygen fein gar lieblich mit den stimmenlein (1598) J. Frischlin
Hohenzollerische hochzeit 48
Birlinger, während beim folgenden beleg bildlicher vergleich vermutet werden darf: ein discantist, mit schönem hall, sang warlich wie fraw nachtigall. mit schöner stimm zwizert so fein, welche war hell vnd also klein, das sie sie die andre alle ziert (1598) J. Frischlin
Hohenzollerische hochzeit 63
Birlinger. vom laut der mäuse: wie zwitzern die meuse in der scheunen S. Artomedes
christl. auszlegung (1609) 1, 362; das tigerthier, das pander und alle dergleichen vierfüssige thier sich für dem zwitzern der mäuse entsetzen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 8 (1649) 488; sonsten können seine (
des löwen) grosse ohrenröhren, den scharffen schrei des haanen und das zwitzern der mäuse nicht wol vertragen
ders., geschichtspiegel (1654) 31.
noch heute mundartlich: die mäuse zwitzern Crecelius
oberhess. wb. 941.
vereinzelt: gleichsam die hewschrecken im sommer vff vnsern hauptern zwitzerten Frölich
Joannis Stobei spruchrede (1550) 176; zwizern der grille Fulda
wurzelwörter (1776) 290. '
flüstern, tuscheln': swer nu kan zwitzern wider zwieren, velschlich truffieren und partieren und mit zwein zungen snîden kan, den heizet man einen wîsen man Hugo v. Trimberg
d. renner 21 833
Ehrismann; heimlich mit einem oder einer zwitzern
far pissi pissi in segreto con uno-una Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1502
a.
wohl bildlich-ironisch, in hohen tönen jammern: '
in fein pfeifender stimme singen oder sich hören lassen, z. b. jetzt ist er im unglück, jetzt zwitzert er' Crecelius
oberhess. wb. 941. 22)
unter verlust des akustischen moments erhält sich nur der unbestimmte, unrhythmische charakter der bedeutung, und zwitzern
bezeichnet eine zuckende, unruhige bewegung; vgl. mico zwitzern,
item schnelligklich auff ainander bewegen Serranus
dict. (1540) p 6
a;
celeriter moveor zwitzern, behend sich bewegen Frisch
wb. (1741) 2, 489
c;
sich schnell bewegen, sich bunt durcheinander bewegen, durch einander laufen Campe 5 (1811) 977
a;
mundartlich noch in neuester zeit, vgl. unten. 2@aa) mit den augen zwitzern,
sowohl als bewegung der augen als auch eine bewegung der ganzen augenpartie '
blinzeln, zwinkern'.
lexikalisch durchgängig und reich verzeichnet, so dasz umgangssprachliche verbreitung des ausdrucks angenommen werden darf:
connivere blintzlen, die augen auf vnd zuothuon, yemerdar mit den augen zwitzeren Frisius
dict. (1556) 300
b;
nictare zwitzern mit den augen
nomencl. lat.-germ. (1634) 118; Calvisius (1666) 58; Reyher
thes. (1668) 1, 1356; zwitzernde augen
oculi palpitantes Stieler
stammb. (1691) 2664; zwizern
an den augen zitternde bewegungen leiden, oder (
aus einem einfältigen hochmuth)
annehmen Westenrieder
gloss. (1816) 696.
noch heute in obd. maa.: mit den augen blinzeln Vilmar
Kurhessen 475; zwitzere
n blinzeln, zwinkern Fischer
schwäb. 6, 1474;
blinzeln Martin-Lienhart
elsäss. 2, 929; Seiler
Basel 330
b; Weber
ma. d. Zürcher oberl. 118; Hunziker
Aargau 316; Schmeller-Fr.
bair. 2, 1186.
literarisch verhältnismäszig selten und kaum über das 17.
jh. hinaus bezeugt; wahrscheinlich von dem in dieser zeit aufkommenden zwinkern (
s. d.)
verdrängt: vil habens von natur, das sye für vnd für mit den augen nicken vnd zwitzeren Eppendorff
Plinius (1543) 206; wo auch ... hefftige wehtagen sich erheben vnd zufallen mit frost, schaudern, grossen hitzen vnd häuptwehen, zwitzern der augen, sind alles zeichen eines todten kinds vnd schwerlicher geburt Ruoff
hebammenb. (1580) 125; sie (
die augen) eröffnen durch ihr strengin, niderschlagen, schiessen, zwitzeren, wincken und andern bewegungen, freud, leid, zorn, ernst und andere auffwallungen desz hertzens Wirsung
artzneyb. (1588) 70
d; welche augen aber im gegentheil gantz und gar nicht zwincken oder zwitzeren, die werden bei dem Aristotele für starcke unnd unüberwindtliche gehalten Porta
physiognomy (1601) 503; solche auspicia oblativa waren vnter andern vibrata salitio oculi, wenn einen die augen zwitzerten Prätorius
glückstopf (1669) 207; so oft er mich zur tür hereinkommen sah, zwitzerte er schon mit seinen kleinen äuglein und stellte mir schmunzelnd und schweigend ein glas hin, ehe ich selbst nur eine silbe hatte verlauten lassen Hansjakob
ausgew. schr. (1910) 2, 132. 2@bb)
für eine schnelle, zuckende muskelbewegung; allgemein auf den umkreis des gesichtes beschränkt: zwitzern als die natern mit den zungen thund Pinicianus
prompt. (1516) Q 7
a; wirst du aufhören zu zwitzern, du böse schlang (
sagte ein Deutscher zu e. ausgeschnittenen zunge) Dannhawer in:
Alemannia 13, 56; zwitzerende zung
vibrans lingua Aler
dict. (1727) 2, 2295
b; zwitzern mit der stirnen
vibrissare Dasypodius
dict. (1536) 467
a; mit den oren zwitzeren, oder die oren offt vnd dick recken vnd bewegen Frisius
dict. (1556) 145
a; das zwizeren der zähn Abraham a
s. Clara
Judas (1686) 1, 87; zwitzern mit den augbrauwern Frisch
wb. (1741) 2, 489
b; zwitzern mit den leffzen
ebda; der neue bauer sah Uli auch an, und seltsam zwitzerte es ihm um den mund und in den augen Gotthelf
ges. schr. (1855) 3, 416.
vereinzelt vom unregelmäszigen pulsschlag: der pulsz ist starck, aber langsam vnnd zwitzerend Wirsung
artzneyb. (1597) 143
b.
in heutiger ma. erscheint die bedeutung gelegentlich für eine zitternde, unrhythmische bewegung überhaupt: der schmetterling zwitzert mit den flügeln Vilmar
Kurhessen 475 (
vgl. zwitzvogel '
schmetterling',
unten sp. 1432); flattern Martin-Lienhart
elsäss. 2, 929.
vgl. auch oben 1 c.
vereinzelt allgemein für bewegungen aus unruhe und affekt: zwitzere und zwatzere
unruhige bewegungen (
durch erregungen hervorgerufen)
machen Schön
Saarbrücken 236; zwitzere
eifern ebda; zwitzere
aufbrausen Autenrieth
pfälz. id. 157. 2@cc)
einen gegenstand ruckartig bewegen, schütteln: vibrare gladium vel hastam erschütteln,
vel zytteren machen, scherffen, zwitzern, gletten, wetzen Melber
vocab. predicant. (1482) Ee 6
a; zwitzernder degen
gladius vibrans Stieler
stammb. (1691) 2664; deine ruhte dienet dem pferd deinen willen zu bedeuten und selbes zu straffen; zuweilen auch mit derselben zwitzeren, es aufzumunteren Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 5 (1645) Qq 2
a,
vgl. unten 3 e. 33)
das moment der unruhigen, raschen bewegung wird übertragen auf lichtstrahlen und lichterscheinungen. vom zucken des lichts bzw. von den das auge treffenden lichtreflexen, '
glitzern, funkeln'.
mico ich glitze, scheyne, zwitzere Dasypodius
dict. (1536) 133
a;
splendere gleissen, scheynen, glitzen, glantzen, glasten, zwitzern (1550) Schöpper
synonyma 31
b Sch.-K.; micare glitzeren, zwitzeren, scheynen, glantzen Frisius
dict. (1556) 820
b; zwitzeren
micare Ruland
dict. (1586) 948; geneisten, zwitzeren alsz ob geneist darvon führen Calepinus
XI ling. (1598) 1309
a; zwitzern, glitzern
ist glintzern, glantz desz fewers von sich geben, schimmern, flämmlein machen Güntzel
haubtschl. (1648) 929
b; zwitzern, glitzern, gläntzen, schimmern Duez
dict. (1664) 2, 743
b; zwitzeren
coruscare, micare Dentzler
clavis ling. lat. (1686) 2, 370
a.
in dieser bedeutung kaum über das 18.
jh. hinaus bezeugt. 3@aa)
für das unruhige, blitzende flackern von lichtquellen (
im gegensatz zum ruhigen, leuchtenden strahlen);
bei flammen und funken, vgl. caprae saltantes zwyzerendes feuwer Frischlin (1586) 7
b; Emmelius
nomencl. quadr. (1592) 28; das geneisten vnd zwitzeren Calepinus
XI ling. (1598) 1309
a s. v. scintillatio; das liecht zwitzert mir in die augen Duez
dict. (1664) 2, 743
b; das liecht zwitzert
candela coruscat, micat Calvisius (1666) 54: ein zeychen des kreütz ... mit feürigem schein gezwitzert hatt C. Hedio
chron. Germ. (1530) 4
a; vnnd so im bogen (
regenbogen) oder hafen funcklin zwitzeren, versehe man sich rägenwetters
M. Herr
feldbau (1551) 15
a; denn man sahe in der hellen roten wolcken fewerfuncken durch einander fahren und zwitzern Spangenberg
mansfeld. chron. (1592) 491
b; wann es (
d. salpeterlösung) zwitzert oder flammet, so geusz es durch ein zwifach leinen thuch in ein schön geschirr Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) 220
a.
bildlich: in welchen worten beides klärlich auszgedruckt wirdt, dasz in der natur des menschen, wie verkert und abtrünnig sie auch jmmer worden ist, noch etliche füncklin zwitzern
Calvin inst. christ. religionis (1572) 169.
verbreitet von den lichtstrahlen der gestirne: nym war die grösse vnd vnzallicheit der sternen, wie die so lustlich so schön lüchten, wie sie zwytzeren, vnd wie sie so grosz sint Keisersberg
bilgersch. (1512) 121
b; darumb das er sein zwitzerenden sonnen glantz vnd das tagliecht vber gerecht vnd vngerecht gleich auszbreitet Hedio
Tertullian von der gedult (1546) b 2
b; der zwitzerend sonnenscheyn vnnd glantz Frisius
dict. (1556) 644
b; dazumal (
am frühen morgen) fieng die sonn an herfür zuzwitzern (1561)
Amadis 1, 367
Keller; der himmel von den glantzenden sternen zwitzert (1556) Wickram
w. 2, 235
lit. ver.; das gantze corpus dess cometen zwitzert vnd beweget sich ... grausam Stumpf
Schweizerchron. (1606) 763
b; wie dann dieser (
stern) auch den fixis stellis nicht gar gleich und zwitzerend, sondern dunckeler und nicht zwitzerend, auch ohne stralen gewesen H. Röslin
hist. discurs (1609) B 2
b; so zwizrend umb und umb diser des tags planet, voll majestet mit liecht und lust das hertz erquickend, herfür scheinet (1648) Weckherlin
ged. 2, 55
lit. ver.; das gantze zwitzerd heer des himmels Schottel
haubtspr. (1663) 823; die unzahlbaren zwitzernden stern A. a
s. Clara
w. 4, 381
Strigl; nichts desto weniger aber (
aus der rotation der gestirne) kan das zwitsern und fünckern daraus nicht entstehen Francisci
d. eröffn. lusthaus (1676) 1152; und das zwitzert (
am nächtlichen himmel) alles so durch einander, als läg's in einem blutigen meere Göthe I 8, 142
W. noch mundartlich: der stern zwitzert Schmeller-Fr.
bair. 2, 1186; Vilmar
Kurhessen 475; Crecelius
oberhess. wb. 941.
im bilde: zerstrewet hin und her mehr schöne blumen lachen uns an, und zwitzern recht, als ob durch ihren schein, den sternen gleich, die erd nu solt ein himmel sein (1648) Weckherlin
ged. 2, 372
lit. ver.; wir wollen geschweigen der holdseligen ... schönheit der wiesen, da ... allerhand-färbige blümlein, wie die zwitzernden sternlein herfür scheinen Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 254
a.
das unruhige flackern der himmelskörper gab der vorstellung raum, dasz dem zwitzern eine ständige bewegung zugrunde liegen müsse; '
sich funkelnd bewegen': disz alles gieng feintlich (als legs in blutstreymigem fliessendem gewässer) durch einander zwitzern vnd sich arbeiten Seb. Franck
chron. zeytb. (1531) 242
a;
vgl. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 430
a,
und Megiser
annales Carinthiae (1612) 1353; ausz dem zwitzerenden schiessen der sternen Thurneisser
von probierung d. harnen (1576) f 9
d; die übrigen sternen ... sind ... in unaufhörlicher arbeit desz zwitzerns ... begriffen S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 3.
vereinzelt im sinne von '
gläntzen, leuchten': als aber ein solicher scheyn vnd glantz ausz dem gebenedeyten angesicht Christi zwitzert Emser
verantwort. auf d. ketzer. buch (1522) B 1
b. 3@bb) '
blitzen, wetterleuchten',
vgl. micat ignibus aether der himel zwitzeret, blitzet schnel vff einandern Dasypodius
dict. (1536) 133
a;
crebris micat ignibus aether glitzeret, zwitzeret, mit häfftigen blitzgen Frisius
dict. (1556) 644
b; zwitzern oder wetterleuchten
fulgurare Duez
dict. (1663) 2, 743
b; Hulsius-Ravellus (1616) 444
a; Rädlein (1711) 1126
a; Campe (1811) 977
a. 3@cc)
vom funkeln der augen; tremulo fulgore micantes oculi zwitzerend Frisius
dict. (1556) 591
b;
sbalenare, lampeggiare, brillare, sfavillare, aminiccare etc. co gli occhi mit den augen blitzen, zwitzern, fippern Kramer
t.-ital. 1 (1700) 42
c: diese schlang hat scharfe zwitzernde feurige augen, wie brennende facklen Gesner-Carron
schlangenbuch (1589) l 2
b; von helfenbein ein glate stirn, ein hell-zwitzerendes gestirn, ein mund ... hand und wangen, ... machen, das euch stehts meine sehl, Anna, als eine göttin ehret (1619) Weckherlin
ged. 1, 227
lit. ver.; welches noch grösserer schad wäre vor die funcklende augen, die von schwärtze klärer zwitzern, als der rusz vor meines knans ofenloch, welcher so schröcklich gläntzete Grimmelshausen
Simpl. 118
Scholte; Fillis mit schnellester eyl zwitzern die strahlen der augen-krystallen (1656)
Venus-gärtlein 32
ndr. 3@dd) '
flimmern'
in obd. maa., tswitsəræ
flimmern, von heiszer luft Clausz
Uri 160; an jedem wilchli zwitzeret's (
beim sonnenaufgang) Friedli
Bärndütsch 5 (1922) 117;
zittern, flimmern Schmeller-Fr.
bair. 2, 1186; zwizzeren '
flimmern, aufleuchten' Halter
Hagenau-Straszburg 197; tswitsere
flimmern vom schnee, flimmern von der hitze Meisinger
Rappenau (1906) 216
b; dswidsərε
flimmern Beck
Markgräfler ma. 150.
in formelhafter unpersönlicher verbindung: es zwitzerte ihm vor den augen Gotthelf
ges. schr. 13 (1857) 289;
vgl. zwizere
einen flimmernden schein vor augen haben, wirbeln, kraus werden Seiler
Basel 330
b; er hett mer ais g'haue, 's hett mer zwizered for den auge
ebda; ech mud mech scheng, dàs me's orndlich vr dn auwen zwizerd Hertel
Thür. 268. 3@ee)
vielfach von lichtreflexen, die durch eigene bewegungen des reflektierenden gegenstands bzw. durch bewegungen des betrachtenden auges den eindruck des blitzens und glitzerns hervorrufen, vgl. zwitzeren, glantzen, glitzeren wie gold, scheynen, ein glantz gäben wie gold Frisius
dict. (1556) 1171
a; zwitzeren, glantzen wie gold
rutilare, coruscare, micare Maaler
teutsch spraach (1561) 535
b; die blancken waffen, degen zwitzern in der sonne Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1501
c: der tempel, der da zwitzeret von gold Keisersberg (1510)
bei Anton Birlinger
zur kirchenspr. (1869) 25, 57; darein sprang auch mit süssem fall ein brünlin lauter wie cristall, sein silbers strömlin zwitzert rein, gekrümmt vber die klaren stein (1553) C. Scheit
fröliche heimfart 107
Strauch; daran (
an dem chorrock) auch viel edelgestein, so ein grosses liecht und zwitzern von sich gaben, versetzt gewesen Feyerabendt
ungar. chron. (1581) 102
a; rings herumb mit diamantischen spitzen als flammen funckelend vnd zwitzerend besetzt Fischart
Garg. 182
ndr.; als mit einem gantz schön lasur-farben umbhang, mit zwitzerendem gold stern-weisz reichlich gesticket, hat mit den himmeln rund den weltweitten umbgang dein (
gott) maysterliche hand bedöcket und geschmücket (1641) Weckherlin
ged. 1, 367
lit. ver.; geknüpft mit ketten-bändern schaut' ich jenen kranz, der schulter schmiegten sie zwitzernd, glimmernd gern sich an Göthe I 50, 326
W.; wie gold soll alles zwitzre Hertz
ged. (1846) 178.
auch: der thau zwitzert in der sunn
bei Ch. Schmidt
Straszburg 122
b.
im sinne von '
blank, sauber sein'
in der mundartlichen redensart: i
n dem hus glitzert un
d zwitzert alles Martin-Lienhart
elsäss. 2, 929
b.
im vergleich: wann seine (
des hl. Chrisostomus) reden flackrent von einbrunst der liebe, vnd zwitzerend als das golde von dem glast der gezyerde Keisersberg
pred. teütsch (1508) 127
c; das spricht sant Gregorius, das die seelen nie werden zwitzern noch scheinen, sie haben dann vor in in das feuer götlicher liebe vnd gnad
ders., brösamlin (1517) 2, 33
a.
in älterer sprache gelegentlich von helm oder schwert während der kampfbewegungen, so dasz die bedeutungen '
funkeln, blitzen'
und '
vibrare' (
s. oben 2 c)
zusammenfallen, vgl. der degen zwitzert
gladius vibratus nitet, fulget Stieler
stammb. (1691) 2664; der zwitzerende degen
le spade folgoranti, vibranti, micanti Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1501
c; Jupiter liesse seine blitze zwitzern
Giove faceva sguizzare, svibrare ò vibrava i suoi fulmini ebda: da sahe man manchen glitzigen vnd zwitzerenden helm Elisabeth v. Nassau-Saarbrücken
Hugo Schapeler 39; die geyszlen knellen vnd zwitzeren die schwerter
M. Herr
sittl. zuchtbücher (1536) 117
a (
sonant flagella, gladius micat); es war ... ein zwitzernd, blitzend und dreuendes schwert Dannhawer
catechism.-milch (1657) 1, 278; hier mit dergleichen schwerd, wie im irrdischen garten die heilig klinge thut zwitzrend die thür verwarten, haut er und sticht umb sich Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 454.
hierher vermutlich auch: ein ... seil ... mit allerley vnnd vilerley farben fäderen besteckt vnd behenckt, ... die vom wind bewegt, zwitzern, wacken vnd sausen Forer
Gesners thierb. (1563) 17.