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zille

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zille f.

Bd. 31, Sp. 1273
zille, zülle, f., langes, schmales schiff, kahn; s. zülle, f., t. 16, 525. dieses lehnwort aus den slaw. dialekten des Donauraums weist einen älteren dreifachen vokalstand auf: -ü- in zúlla cymba ahd. gloss. 2, 325, 53, in mhd. reimen wie zullen: erfullen Ottokar reimchron. 14 650; zullen: hullen 10374; zulle: fulle Hugo v. Langenstein Martina 542 Keller; füllen: züllen Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österr. 1704 Regel; in zülle, züllen Seifrid Helblinc 5, 595 Seem.; (15. jahrh.) österr. weist. 1, 88; 3, 700; 7, 924; (16. jahrh.) 8, 330; Oswald v. Wolkenstein 116, 34 Schatz; -u- in Heinrich v. Neustadt Apollonius 6464 Singer (s. unt.); (15. jahrh.) österr. weist. 1, 86; 8, 339; 8, 342 und den zahlreichen schreibformen mit -u- bei Schmeller-Fr. 2, 1115; -i- seit dem 15. jahrh., reicher im 16. jahrh. in den belegen ebda. es schwindet bald, da sich -ill- in -üll- wandelt; auch -u- geht zugrunde, so dasz das bair.-österr. in jüngerer zeit nur noch züllen (mda. züln, zuin) kennt. die schwache flexion bezeugen der dat. sg. züllen bei Neidhart s. 193 Haupt-Wiessner und bei S. Bl. v. Herberstein 116 Karajan; der akk. sg. züllen (15. jahrh.) Lori baier. bergrecht 31. den beginn der vokallängung bei vokalisierung des -ll- deuten an die schreibungen zühlen akk. sg. (ende 15. jahrh.) ebda 42 und zile, zielen bei Schmeller-Fr. 2, 1115. weniger daher als aus vorgefaszter etymologie mag die fehlerhafte wortform zeile bei Leibniz herrühren: naves longae, quarum in Danubio usus est, adhuc zeilen vocantur a longitudine scilicet sua bei Frisch 2, 470b; sie spukt bei diesem, bei Fulda idiot. 599; bei Krünitz 241, 220 (für 120); bei v. Schmid schwäb. 549; auch Adelung2 4, 1715 führt sie noch an: zille ein nur im oberdeutschen übliches wort, einen kahn oder kleines fahrzeug auf flüssen zu bezeichnen, so wie zeile in Österreich und Baiern eine art langer Donauschiffe bedeutet, wovon es das diminutivum zu seyn scheinet; vgl. Nicolai reise d. Deutschland 2, 413; Stieler ordnet zille unter zeile 2617. -k tritt auf in zülk cymba in einem glossar bei Mone anz. 6, 343; Diefenbach gloss. 119a. grösze und gestalt werden deutlich aus folgenden belegen; die herstellung aus einem baum ist das ursprüngliche: zull ein klein schifflein, scapa et levis navicula de una tantum arbore facta voc. theut. (Nürnberg Zeninger 1482) qq 2a; die zillen, so sie brauchen, werden gemacht aus einembaum, welcher in die 80 schuch lang ist Lev. Hulsius schiffahrten (1598) zs. f. dt. phil. 13, 444; als kleines fahrzeug erkennbar: wir suln daz velt vüllen hiute mit den scharn, daz man mit den züllen ûf dem bluote müeze varn rabenschlacht 747 (heldenbuch 2, 289 v. d. Hagen); es was ein solche forcht in das volk komen (wie man von wasser oder sintflut saget), das vill mechtig bürger hie und anders wo züllen in iren heusern hetten (Regensburg mitte 16. jh.) chron. dt. st. 15, 56; ain grosz schiff ist besser dann ain klaine zulle Frölich Stobaei scharpfsinn. sprüche (1551) 329; der vischer in seiner zillen Alber Ignatius Loiola (1591) 322; in den wörterbüchern bis in die gegenwart als kleines fahrzeug im Donaubereich gebucht, vgl.: zum überfahren ist ein kleiner zillen gut, wenn nicht viel leute darin sind Klein 2, 246; zille, zülle, zilln, f., kleiner nachen, kahn Lexer kärnt. 265; Adelung2 4, 1715 (s. ob.); zille ein kahn, kleines fahrzeug auf flüssen Campe 5 (1811) 867b; als fischerboot gebraucht: zillen zum fischen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 139; das nachtschiffen, da sie bey der nacht an den flüssen auf zillen fahren ebda 1, 498a; als fährboot: mit der rede si giengen an die zullen und fuoren über den phlûm Ottokar reimchron. 14 650; die Baiern ... fuhren mit zillen und flöszen über das wasser Aventin bair. chron. 4, 1, 538 Lexer; unterdessen ... fuhr ich ... in einer zille beim rothen thurne über in die stadt Z. Allert tageb. (1627) 55 Krebs; als begleitboot: scaphę: parvę naviculę quę maiores naves consecuntur (rennschiflin oder zille) Pinicianus (1516) K 5a; cymba nachschifflein, cillen auff der Donaw Frischlin (1586) 270b; als kleines beiboot: Appolonius der weygant vuor mit zullen (von einem gröszeren schiff) an daz lant Heinrich v. Neustadt Apollonius 6464 Singer; und darnach schickt der schiffman knecht auff ein tzillen zu dem perg, das sie schauten, wer auff dem perg wer Schiltberger reiseb. 44 lit. ver.; darzu noch weiter ein zimliche notturft zillen, kannen oder weidling, ausz oder in welchen von einem in das ander zu fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was grosz angehenckt, mit und fortgebracht Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 208; als rettungsboot: wo man ihme mit einer zillen ze hilff kommen (1738) bei Schöpf 829; die länge wird eigens hervorgehoben: die zille cymba, alveus, navigii genus celerius it. pristis, quod est oblongum et angustum navigium Stieler (1691) 2635; pistrix navigium oblongum et angustum ein langes und Aenges schiff, eine zille Corvinus fons lat. (1646) 632; die zille ein langes, schmales schiff Loritza id. Vienn. 147b; zill'n, zeile langer kahn, auf der Donau im gebrauch, sie erhalten ihren namen von den gegenständen, welche sie verführen, als wazzill'n (vom weizen), obstzill'n (vom obst), holzzill'n (vom holz) Hügel Wien. dial. 195a; sie dient auch zum personentransport fluszabwärts: ich wil gein Ôsterrîche an einer züllen swattgen hin Neidhart s. 193 Haupt-Wiessner; des kunigs sun, grâf Hartman, wolt gevaren sîn ze tal ûf dem Rîn ûf einer zullen bî der naht Ottokar reimchron. 18 839; ich wolt und wär ich auff dem Lech in ainer züllen gail Oswald v. Wolkenstein 116, 34 Schatz; da er gesehen, dasz man zu wasser fahren kundte, ... hat er sich in cyllen gesetzt, deren zu allem glck gleich viel vorhanden waren Werlichius augspurg. chron. (1595) 78; allgemein als lastschiff dienend, in älterer zeit besonders zum salztransport: käm ihm darüber ein wasser, so mag er das salz woll sezen auf sein naufahrt, und auf kein ander zühlen nit (ende 15. jahrh.) Lori baier. bergrecht (1764) 42; wann ein Salczpurger züllen mit prot, hefen herin gefürt wird, der sol damit zu Lauffen an der prukken ligen (1426) österr. weist. 1, 88; allda mans (das eisenerz) legt auf d'zillen, und bringts zum hämmern gar R. Köhler alte bergmannslieder 151; bildlich: reht als ein wites zulle diu vast ist uberladen mit kofschatz uffen schaden, also was sin ubirmuot beidu scharf und unguot mit leide besunken Hugo v. Langenstein Martina 542 Keller; angaben über die tragfähigkeit: es sol auch kain maister kain gröszere zullen fueren dan zu suben mutten (15. jahrh. niederösterr.) österr. weist. 8, 339; wann ain vertiger erst vertigt, der mag wol zwen asch mit salz naw fueren, wil er aber hinfür mer verting, so sol er ain züllen haben, als schefrecht ist (1426 Salzburg) 1, 87; ain iedew züllen die getragen mag zwen lr wëgen mit vier rossen (1450 niederösterr.) 7, 924; ain züllen die vierundzwainzig mann wol ertrag (1512 niederösterr.) 8, 330; ain gewöhnliche zülln, so 45 persohnen kan tragen (1611 Salzburg) 1, 171. die gegenwärtige verwendung der zülle ist t. 16, 526 beschrieben; auf der böhmischen Elbe und der Moldau wird sie 1871 von Weber Elbschiffahrt 141 bezeugt; seit den 80er jahren wird die zille als lastkahn von ansehnlicher grösze auf der mittleren Elbe, auf Spree, Havel und Oder erwähnt: zille, f., Elbschiff in Sachsen und Böhmen Mothes ill. baulex. (1881) 4, 510; die dem kohlenhändler J. B. in Werder bei Potsdam gehörige, mit 1100 d.-hektoliter braunkohlen beladene zille, geführt vom schiffshaupter W. Pfützner, wurde von dem aus ost wehenden wind auf das sogenannte Müglitzhorn bei Pirna verdrückt und dadurch zum festsitzen gebracht Leipz. tagebl. (19. märz 1887); den (sc. Landwehrkanal) zahlreiche schwerbeladene lastschiffe — 'zillen' nennt sie der Berliner — befahren Ebers gesch. m. lebens (1893) 2; und bewunderte die langen reihen von 'zillen', die mit torf, ziegelsteinen oder heu und stroh beladen waren Brugsch mein leben (1894) 8; frau Wolff: was Emil geladt hat, will ich wissen; a halben oder a ganzen kahn? Julius: i, immerzu doch, de janze zille Gerh. Hauptmann biberpelz (1893) 10; zille Spreekahn Brendicke Berl. wortschatz (1897) 195b; zille, f., groszer Elbkahn, besonders für kohlen Müller-Fr. 2, 705b; bildlich schelte des habgierigen: die armen liut mit fluochen die habent des gebeten mich, der guot dû allez züg an dich, dû bodemlôse zülle! Seifrid Helblinc 2, 595 Seemüller; des zuchtlosen weibes: wollestu weiplich zücht tragen, frauwe, so soltestu mir versagen; nu gewerestu mich durch dein fülle, du vil bodemlose zulle erz. a. altdt. handschr. 66, 27 Keller; dim.: das züllein H. Sachs 17, 332 Götze; das zllel (1581) Lori baier. bergrecht 321; 486b; ein lähres zillel J. Meichel creutzschuel (1630) 712; mit den zillelen (Bozen ende 18. jahrh.) bei Schöpf Tirol 829. unsicher, ob und wie dazugehörig: zille, zülle, f., holzknechthütte Unger-Khull steir. 652a. —zillen-, züllen- in zusammensetzungen:
9050 Zeichen · 170 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ZILLEswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    ZILLE in verzille swv. eʒ kan sich niht verzillen (: willen) es kann nicht fehlen des Ôsterliuten wirt ze muot: si grîfe…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zille

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Zille , plur. die -n, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, einen Kahn, oder kleines Fahrzeug auf Flüssen zu bezei…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zille

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Zille , in der Mark Brandenburg und auf Elbe, Oder und Weichsel leichtgebauter, flacher Frachtkahn.

  4. modern
    Dialekt
    Zillef.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Zille f. : ' alte, einfältige Frau ', Zille [ LA-Wey ].

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zille

21 Bildungen · 20 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

zille‑ als Erstglied (20 von 20)

Zillegaus

MeckWB

zille·gaus

Zillegaus Ziller- f. Gelbe Narzisse, narcissus pseudonarcissus: Zillegäus' Ha Mars ; Schw Pamp ; Pokr; Zillergös' Ha Witt .

Zillemann

RhWB

zille·mann

Zille-mann Emmerich m.: scherzh. für Geld ; dor häij (hast du) Z.

zillenbrett

DWB

zillen·brett

-brett , n. : ein zullnbret ( Heimburger handfeste von 1351) bei Senckenberg visiones diversae (1775) 268 ;

zillendienst

DWB

zillen·dienst

-dienst , m. : -i- abgabe des schiffers (1530 niederösterr. ) österr. weist. 8, 617;

zillenholz

DWB

zillen·holz

-holz , n. : -ü- holz für den bau von zillen (1581) Lori baier. bergrecht 312 ;

Ziller1

MeckWB

Ziller 1 m. wie Zill m. Ma Brud .

Ziller2

MeckWB

Ziller 2 m. 1. penis des Knaben Gü Kobr ; Ha Bahl ; Schw Pinn ; Sta Ratt ; Voigtsd; im Flohrätsel: dee böd' mi sinen Ziller an Wa. 2. Flügel…

Zillereer

MeckWB

Zillereer m. Zunge im Rätsel: 'n roden Zillereer Wo. V. 1, 276 a.

Zillerhahn

MeckWB

ziller·hahn

Zillerhahn m. wie Ziller 2 1 im obszönen Schäferreim: Dei bet em up den Zillerhahn Wo. Sa.

zillern

MeckWB

zillern in der Zs. hillerzillern ( s. hillepillern ).

Zillertal

Meyers

ziller·tal

Zillertal , 1) rechtes (südliches) Seitental des Unterinntales in Tirol und bedeutendstes Quertal der Ostalpen, wird vom Ziller , einem Nebe…

Zillertaler Alpen

Meyers

zillertal·er·alpen

Zillertaler Alpen , Gebirgskette der Zentralzone der Ostalpen in Tirol (s. Karte »Tirol«), vom Wipptal (westlich) bis zur Krimmler Ache, der…

Zillerthal

Herder

ziller·thal

Zillerthal , tyrol. Hauptthal, von der Ziller, einem Nebenflusse des Inn, durchflossen, 12 St. lang, mit 14000 E., die hauptsächlich von Vie…

zille als Zweitglied (1 von 1)

Marktzille

DRW

markt·zille

Marktzille, f., nur österr. belegt wie Marktschiff 1311 KlosterneubStiftUB. I 130 Faksimile haben wir die rechten hie: wemb wir unser marktz…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „zille". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zille/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „zille". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zille/dwb. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zille". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zille/dwb.
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