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zerfallen

mhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zerfallen verb.

Bd. 31, Sp. 672
zerfallen, verb. , ahd. za-, zifallan (Graff 3, 462), as. tefallan, mhd. ze-, zervallen, mnd. to-, mnld. tevallen; Maaler 514d; Stieler 424; Frisch 1, 245a; Adelung2 4, 1687; Campe 5, 842a. II. intransitiv. I@11) im eigentlichen sinne auseinanderfallen, a) von gegenständen, deren zusammenhalt durch einen fall oder einsturz zerstört wird, die in stücke fallen, einstürzen, z. b. α) häuser: (das haus auf dem sande) wirðid teworpan than, tefallen (tefellit C) an them flode Heliand M 1823; Rolandslied 6942 W.; Jes. Sirach 22, 19; wenn es (das haus) nicht ein hauszvater hat, der es im beulichen wesen erhelt, so zerfellets balde Luther 28, 538 W.; Göthe 5, 219 W.; die mhle ist zerfallen volkslied. d. Deutsch. 1, 138 Erlach; in dieser anwendung reich bezeugt; zum unterschiede von verfallen, wobei das haus noch in seinen mauern steht und nur zum theil einsturz eingetreten ist, drückt z. die auflösung in trümmer aus; ferner z. holzgefäsze, deren reifen sich lösen: wie ein gefAesz, davon die reiffen gesprungen, zerfAellet J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 288; H. Sachs 5, 184 K.; zerbrechliche gegenstände z., wenn sie zu boden fallen, s. H. Sachs 9, 500 K. (auch unt. II 1); vergängliche gegenstände z. in staub, namentlich wenn sie berührt werden: (kleid,) dasz gleichesfals melstaub z., so man es angetastet gehabt J. Prätorius abenth. glückstopf 66; Göthe 35, 212 W.; auf dem kirchenboden ... z. wurmzerfressen die alten ... schnitzwerke H. Allmers marschenb. 1/2, 160; beim kochen: wan ... das hun dermaszen gesotten hat, das es fast z. will Sebiz feldb. 1, 470; (die) karpfen drohten zu z. Cl. Viebig schlaf. heer 1, 198; sodann gestein, mineral, das sich durch physikalische oder chemische einwirkung auflöst: andere schtten den wein auf ungelOeschten kalck, ist denn wasser darunter, so zerfellt der kalk M. Herr feldb. 102b; J. Liebig hdb. d. chemie 416; von anderen substanzen: auf welchen (den klippen) es (das meer) mit einem wilden gebrülle zerfällt disc. d. mahlern 2, 3; die säure ... zerfällt beim erwärmen Muspratt chemie 1, 24 St.-K.; die erde und die ganze kosmische schöpfung: wanne iz got wolle,thaz worolt al zifalle Otfrid IV 7, 48; Hiob 14, 18; (kometen,) welche ... in asche z. Lohenstein Arm. 1, 114b; β) körper, die αα) im sturze zerbrechen, in stücke auseinanderfallen: er muste auf hundert stck z. sein, wann er sich hette in die gefahr wollen geben herunterzusteigen J. Sinapius silvula venatoria (1678) 119; gewöhnlich jedoch von einem fall, durch den der körper wohl zerschlagen, aber nicht zertheilt wird: fiell eim ein geisz do ber ab, do ich gefallen was, die zerfiell zuo todt Th. Platter 8; noch weiter gemildert von beschädigung der glieder durch fall, wobei wohl in der regel deren bruch eintritt: blutstropffen ausz zerstosznen und z-en glidern zu treiben Gäbelkover artzneyb. 2, 283; schön anschaulich von dem gelöst niederfallenden haupthaar: die notzwungen jungfrau soll mit zerfallnem haar ... ir schmach anzeigen rechtsalt.4 2, 191; ββ) durch krankheit in auflösung gerathen: ist zu besorgen, er sey die blasz im arsz z. Jac. Frey gartenges. 118 B.; so ... durch schrecken ... und andern dergleichen zufAellen die samen (im mutterschosze) zerfielen und zerstOeret wrden, dadurch sie zusammenwallen und -flieszen J. Ruoff hebammenb. 111; gedenken der glhenden zAehre, die unsere zerfallnen (eingefallnen) wangen zerfriszt maler Müller w. 2, 171; ich zerfalle ganz, schmachte hin Klinger w. 1, 29; vereinzelt vom herzen: ach zerfalle, altes herz Jean Paul Hesp. 1, 275; Tit. 3, 127; recht geläufig von körpern, welche nach dem tode in ihre bestandtheile zerfallen, wobei oft die noch lebende person als subject gesetzt wird: wer aber verkerets weges ist, wird auf einmal zufallen (concidet, d. h. wird sterben) spr. Sal. 28, 18; wann längst ich zerfallen M. Greif ged.5 84; soll zu asche mir zerfallen dieser glieder götterpracht? Göthe 1, 229 W.; b) unkörperliches und abstractes, α) sinnliche eigenschaften wie gesundheit, schönheit: wie ihr gestalt so sehr verendert, ihr schOenheit so gar z. und vergangen J. Steinbach lauff menschl. lebens (1606) 46; Heinse s. w. 10, 172 Sch.; meine gesundheit zerfAellt S. v. Laroche frl. v. Sternheim 2, 148; β) staatliche und politische gebilde und einrichtungen: das das grosz Babylonien (d. h. Rom) zerfall und vergee U. v. Hutten op. 1, 386 B.; Luther 19, 193 W.; Pauli schimpf 20 Ö.; z. und zerfahren war ihr ... staat Alexis ruhe 4, 178; die ... vereinigung zerfällt Nitzsch deutsche stud. 86; ähnlich von einem testament, das rechtlich unwirksam wird: weiter zerfallet ein testament mayntzisches landrecht (1755) XIII § 9; vgl. auch noch z. in der bedeutung verfallen, ablaufen: der abgelebte Andreas, dessen rechnung mit der natur vielleicht übermorgen z. ist Schiller 3, 94 G.; γ) unternehmungen, geschäfte: so musz das werck von im selbs zufallen Luther 10, 3, 19 W.; 19, 302 W.; aufrur zerspalt bald und zerfallt Fischart bibl. hist. 304 K.; seine sachen (affaires) sind sehr z., stehen schlimm Schwan n. dict. 2, 1098a; δ) seelische und ästhetische gebilde: damit das ... fast z-e vertrauen wider aufgerichtet ... werden mOechte P. Ensz fama austriaca (1627) 148b; war es ein wunder, dasz ... der geist der truppe zerfiel? Hindenburg aus m. leben 368; zerfallen sehen wir in diesen tagen die alte feste form Schiller 12, 7 (Wall. prol. 70) G.; I@22) in besonderem sinne in theile auseinanderfallen, a) bei der urtheilfindung sich parteien, kein einheitliches urtheil zustandebringen: H. Fischer 6, 1130; schweiz. id. 1, 758; dasz das urtheil zerfiele, also dasz der halbtheil der urtheilsprecher ein urtheil fellete und der ander halbtheil ein ander urtheil rottweilsche hofgerichtsordnung (1564) 1a; dieweyl sie ... in der urtheil gleych sich teilten und zerfielen Stumpf Schweizerchron. 735b; 749b; b) weit beliebter und noch gebräuchlich im sinne von zwiespältig, uneins werden, sich entzweien: ich höre ..., dasz ihr gänzlich z. seyd Bürger br. 2, 261 Str.; die z-e freundschaft A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 50; Schiller 8, 373 G.; diese construction auch von H. Fischer 6, 1130 belegt, gewöhnlicher aber begegnet nach dem muster von streiten, kämpfen, sich zanken die construction z. mit, bei reciprokem verhältnis auch z. unter einander: Augustus zerfAellt aufs neue mit dem Antonius Lohenstein Arm. 1, 962; Jean Paul 7/10, 250 H.; u. a.; jetzt war er ganz mit sich z. Tieck schr. 4, 165; mit gott und welt z. Hebbel II 2, 258 W.; auch in der mundart: Jos. Blumer nordwestböhm. mda. 96a; selten refl.: mein kOenig mit seinem bruder ... sich zerfiele A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 1102; ob nicht ... die regenten selbst untereinander z. G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. 11b; Ranke s. w. 25, 21; vereinzelt: das ... volk ... wird ... in blutigen krieg z. Klinger w. 3, 23 ; vgl. unt. d α; c) durch erbgang auseinanderfallen: da zerfielen seine land an seine zwo schwestern Stumpf Schweizerchron. 690a; 420b; wie meine besitzungen ... unter sie (die kinder) z. ... würden Göthe 22, 353 W.; d) mit angabe der neuen bestandtheile, α) sich auflösen, sich spalten: der zeitpunkt ..., wo die ... bürger ... in partheyen zerfielen Klinger w. 8, 247; wird eine ehe durch scheidung aufgehoben, so zerfällt das eheliche vermögen ... in das eigengut des mannes und das eigengut der frau schweiz. civilgesetzb. art. 154; in berührung mit unterchlorigsauren salzen ... zerfällt der salmiak in freien stickstoff, wasser und chlormetall Muspratt chemie 1, 892 St.-K.; bes. geläufig in staub z. (vgl. ob. 1 a; b β): alszbald man den risen und baum angegriffen, sein sie in staub und gemlle z. volksb. Aimon a 3a; wenn der leib in staub zerfallen, lebt der grosze name noch Schiller 11, 393 G.; ebenso in nichts z., wobei die abstractheit des subjects beachtung verdient: denn alles musz in nichts zerfallen, wenn es im sein beharren will Göthe 3, 81 W.; auch zu: illusionen ..., die ... zu nichts z. Bettine frühlingskranz 411; vgl.zu asche z. ob. 1 a β; β) sich gliedern, sich zerlegen lassen: in zween theile ... hAette ... das werk des herrn H. z. mssen br. d. n. litt. betr. 14, 222; Afrika zerfällt in zwei ... hälften Ritter erdk. 1, 62; alle menschen z. ... in sclaven und freie Nietzsche w. 2, 261; u. a.; e) nach dem zerfall in sich zusammensinken: alles (zinnen und mauern der stadt) zerfällt in sich selbst Jac. Grimm im briefw. mit W. Grimm 270; die macht der regierung (war) völlig in sich z. Ranke päpste 2, 71; f) von einer schwangeren frau entbunden werden: seine liebste wird bald z. Kramer teutsch-it. 1, 333a; si is zrfoln sie hat entbunden Jos. Blumer nordwestböhm. mda. 96a; bei Schmeller-Fr. 1, 704 zutreffend als eine scherzwendung bezeichnet; I@33) verbalnomina, a) das adjectivisch gebrauchte participium α) präsentis: ich stütze mich auf mauern, morsch, zerfallend A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 97; von zerfallendem umgeben 1, 133; β) perfecti: die z. htten Davids Amos 9, 11; das z. gemeuer H. Sachs 3, 326 K.; wie zerrissen und zerrüttet im sinne von innerlich haltlos: trost an z-e Lavater phys. fragm. (1778) 4, 213; geläufig jedoch erst seit der literaturperiode des jungen Deutschland: eine z-e stimmung Gutzkow ritt. v. geiste 7, 38; sogar: eine matte, z-e aufführung (eines schauspiels) Holtei erz. schr. 36, 85; sonst ist das adj. particip in allen oben mitgetheilten fällen möglich, vgl. z. b. ob. 2 b; zu 1 a β: alt, z., bleich und unkenntlich Tieck schr. 6, 155; zu 2 b: fühlte sich z-er denn je mit sich selbst v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 227; b) subst. infinitiv: sein (des zuckers) z. in kohlensäure und weingeist J. Liebig chem. br. 151; u. a.; einen ausmachen zum zfalln (zum zerbersten, so dasz er bersten möchte?) jem. tüchtig ausschelten Schmeller-Fr. 1, 704. IIII. transitiv seit der nhd. zeit in anpassung an verben wie zerschlagen, zerbrechen 1) mit dem verletzten gliede als object: so hatt er auch den kopff und angesicht übel ... z. Wickram 3, 52 B.; H. Sachs 9, 500 K.; das maul z.: S. Artomedes christl. auszleg. (1609) 1, 114; den fusz z.: Neukirch anfangsgr. d. teutsch. poesie 151; H. Fischer 6, 1130; vorstellbar ist als object auch etwa der gegenstand, auf den man fällt, vgl. so: dasz er den ast also z. hat grillenvertr. 222; jünger in vb. mit sich: er hat sich das gesicht ganz z. Stieler 424; Adelung; 2) unbestimmter erscheint sich als object: warff sich ausz durch ein fenster des palasts, zerfiel sich und starb zuhandt legend d. heil. vatters Francisci (1512) P 4b; und zerfal dich in dausendt stück H. Sachs 13, 359 K.-G.; S. Franck chron. Germ. 281b; erneut bei Jac. Grimm Reinh. fuchs vorr. 292. —
10735 Zeichen · 363 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zerfallenred. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    zerfallen , red. V. Vw.: s. zervallen

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zerfallen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Zerfallen , verb. irregul. (S. Adelung Fallen .) 1. Activum, im Fallen zerschlagen. Sich den Kopf zerfallen. 2. Neutrum,…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zerfallen

    Goethe-Wörterbuch

    zerfallen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    zerfallen

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    zerfallen Band 1, Spalte 758 zerfallen 1,758

  5. Spezial
    zerfallen, inv

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    zerfallen , v in распадаться/распасться , гл на что-н.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zerfallen

3 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von zerfallen

zer- + fallen

zerfallen leitet sich vom Lemma fallen ab mit Präfix zer-.

Zerlegung von zerfallen 2 Komponenten

zer+fallen

zerfallen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zerfallen‑ als Erstglied (2 von 2)

zerfallenheit

DWB

zerfallen·heit

zerfallenheit , f. , neubildung zum partic. perf. zerfallen ( s. zerfallen I 3 a β ) in verschiedener bedeutung; 1) entzweiung, zwiespalt: z…

zerfallensein

DWB

zerfallen·sein

zerfallensein , n. : (das) z. ( spaltung ) unserer kirche Schleiermacher I 12, 382; (das) z. mit sich und der welt ( zwiespalt ) Grillparzer…

Ableitungen von zerfallen (1 von 1)

unzerfallen

DWB

unzerfallen , part. adj. , nicht zerfallen. uneigentlich. vgl. unverfallen : dennoch suchte die heimat hier ein ruhig unzerfallenes herz nur…