[]zahnen,
zähnen,
verb. zu zahn. 11)
zähne bekommen, ahd. (er) zanta,
dentes ei orti sunt Graff 5, 685,
präteritum einer ja-
bildung, deren eigentlicher sinn ist: zähne hervorbringen, nhd. zänen, zän herausz lassen,
dentire Dasypodius,
dentes emittere Calepin (1570) 411, Stieler 2596, zähnen,
dentire Schottel 1446,
daneben das zanen, zanwachsen,
dentitio Maaler 512
b, zahnen, zähne bekommen,
dentire Frisch 2, 463
c, Adelung, Campe,
heute in diesem sinne allein schriftgemäsz, auch mundartlich so Hügel 192
b, Seiler 323
a, Martin-Lienhart 2, 906
a, Follmann 553
a, Meisinger 209
a, Hertel
thür. sprachsch. 262,
nd. tānen Bauer-Collitz 103
a: das kind beginnet zu zänen,
dentes puero nasci incipiunt Stieler 2596; da wir eine krankengeschichte jener unglücklich zahnenden person erwarten können Göthe IV 13, 118, 5
Weim.; so launisch, wie ein kind das zahnt IV 1, 170, 3.
von thieren: derselbe hat lehrreiche beobachtungen über die verschiedenen arten elephanten und ihr zahnen angestellt Oken 7, 1167.
das zahnen der kinder galt in der älteren medizin und gilt volksmäszig noch heute als ursache mancher krankheiten, daher nähere bestimmungen gleich den folgenden: wenn er nicht etwa über die brust zahnt Görres
br. 1, 249;
els. dis kind zahnt durchs brüstel,
bei luftröhrenentzündung, durch die glieder,
bei gliederschmerzen, durichs büchel,
bei durchfall, was als günstig erscheint Martin-Lienhart 2, 906
a.
mittel zur erleichterung des zahnens: eschen von den gebranten hundszänen ... mit butter die bilderen gesalbet, macht one schmertzen zanen Gesner
thierb. (1563) 88
a; die wolffs zäne eynem kleynen kinde angebunden ... befördern trefflich das zanen Sebiz 261; excellenz sind's gewesen, der vor fünfzig jahren einer lebendigen maus den kopf abgebissen haben, den Julie G. im ledernen säckel am halse tragen sollte, damit sie leichter 'zahnen' möchte Holtei
erz. schr. 38, 102,
vgl. myth. (1835)
anhg. xc, 581
und Germ. 20, 349, 15 (
Niederösterreich); man soll einem kinde mit dem wasser, aus welchem ein kreuzschnabel getrunken hat, die sog. zahnpillen (
das zahnfleisch) einreiben, damit dasselbe leichter zahne Blaas in der
Germ. 20, 352, 58 (
Wien). zahnen
in wortspielen: disz waren sein eingefaszte und angehenckte wolffszän zum zanen und zännen (
s. dies unten)
Garg. 197
neudr.; man hält die zeit, da die mädchen anfangen zu zehnen (13, 14
jahre alt werden), ... für gefährlicher als die, da sie anfangen zu zahnen Lichtenberg
Hogarth. kupferst. 2, 11.
bildlich: sie nennen daher gern denker ungläubige und heterodoxe wölfe, deren zähne glätten und zahnen helfen J. Paul 11/14, 278
Hempel; Sterne ist am unglücklichen vermehren der satiren schuld, bei dessen erscheinung alle kinder unserer schönen geister zu zahnen anfingen
grönld. proc. 6.
der inf. substantiviert, das zänen, herfürwachsung der zänen Calepin (1570) 411, das zahnen,
dentitio Frisch 2, 463
c, das zahnen der kinder Nemnigh
lex. nosol.: es ist ein sehr hübscher aufsatz über das schwere zahnen der kinder darinn Göthe IV 11, 182, 2
Weim.; zu den seltensten fällen gehört das sogenannte dritte zahnen Sömmerring 2, 95; jetzt leidet er etwas am zahnen L. Schücking
an A. v. Droste in den briefen beider 344; sie läszt ... dir sagen, der husten des jungen und die bräuneartigen zufälle Mariechens hingen lediglich mit dem zahnen zusammen Bismarck
br. a. s. brt. 184.
bildlich: schienen gedachte ich zu produziren für etwanige gefährliche brüche zwischen fürst und volk; ächtenglische zahnperlen oder wolfszähne, vor dem zahnen desselben,
d. h. vor den wahlen anzuwenden Gaudy 8, 167. 22)
mit zähnen versehen. als verbum finitum naturgemäsz kaum anders als in bezug auf zahnähnliches, nach zahn II, 2,
d und f: ein rad, einen kamm zahnen Adelung, zähnen Campe.
meist im part. praet., schon mhd. gezanet
und gezendet
neben der adjectivbildung gezan Lexer
mhd. hdwb. 1, 1000,
nhd. auch schon früh mit und ohne umlaut bezeugt. dem eigentlichen sinne von zahn
entsprechend: (
der königsvogel) hât ainen snabel wol gezendet Megenberg 185, 8; ein grabstein ..., auf welchem das bild des todes mit stark gezahnten kiefern ausgehauen war Storm
werke 7 (1899), 200;
[] so ist jeglicher mund (
eines thieres) geschickt die speise zu fassen, welche dem körper gebührt, es sei nun schwächlich und zahnlos oder mächtig der kiefer gezahnt Göthe 3, 89
Weim.; bildlich: ich bin ... ein abkömmling des sogenannten grammatischen hundes, des gezähnten humanisten Scioppius, deutsch Schoppe J. Paul
Tit. 1, 22.
häufiger in bezug auf zahnähnliches. von andern theilen des animalischen körpers: die hörner waren gezant als segen Hartlieb
Alexander 149
b; die krebs ... haben auch ein jederer zwen arm mit gezännten scheren Heyden
Plinius (1565) 372; unt wie eʒ (
ein thier) in den welden stæt' unbildet mit einem horne, daʒ eʒ treit. gelîch den sagen, in sîner stirne vorne ... gezanet ze beiden sîten scharf
minnes. 2, 379
a Hagen. in der botanik: denticulati pili, gezähnte haare, die auf einer seite wie mit kleinen zähnchen besetzt sind Dietrich
lex. d. gärtnerei u. botanik 3, 589;
mentha dentata, gezähnte münze ... die blätter sind ... am rande sägeförmig gezähnt 6, 104.
von theilen der unbelebten natur: kalksinter, in dem das abflieszende wasser sich weite, flache bassins bildet, deren ränder alle seltsam gezahnt ... erscheinen Ritter
erdkunde 3, 667; erhöhungen (
am sonnenrande): welche ... andere mit unbeweglichen, gezahnten, rothen flammen verglichen Humboldt
kosmos 3, 389.
in der baukunst, mit vorsprüngen, zinnen versehen: die vier thürmchen traten an den vier ecken des mauerwerks von werkstücken heraus, auch ein gezähnter gang zwischen ihnen war zur bessern vertheidigung hinaus gebaut Arnim
kronenw. 1, 11. 33)
ahd. zanôn,
mit den zähnen fassen, kauen, nagen, zerreiszen Graff 5, 685,
neben zenden (
*zandjan),
beiszen 686
und der gleichbedeutenden weiterbildung zanigôn
ebenda, mhd. frühnhd. zanen,
kauen Lexer
mhd. hdwb. 3, 1027; die fressind hüner und hanen, sinds nit gsoten, so müends (
müssen sie) dran zanen Liliencron
hist. volksl. 1, 553 (
nr. 121), 7 (
von 1468);
bildlich: ich mag nun nümmer an dir zanen
fastnsp. 844, 24
Keller. daneben zanegen Lexer
a. a. o. noch später mundartlich zanen, zanigen,
mit den zähnen nagen, kauen, reiszen Schmeller
2 2, 1126/27.
ebenso nd. tanen,
nagen Schiller-Lübben 4, 509
b,
etwas zähes kauen, durch die zähne ziehen, bildlich einen verkleinern Strodtmann 241. 44)
durch zähne, zahnartige vorsprünge einfügen, frühnhd.: und der ain (
bruch) ist nach dem sinn ainer segen in ainander gezent Braunschweig
chir. (1539) 102
a.
reflexiv, bildlich: das alt und nuw testament, dieselben zanent sich gantz ineinander Keisersberg
post. 3, 24
b bei Schmidt
els. wb. 434
b.
vgl. einzahnen, verzahnen. 55)
besondere technische gebrauchsarten, die sich wohl von 2)
aus entwickelt haben. 5@aa) eine figur zahnen,
bei den bildhauern, sie mit dem zahneisen (
vgl. zahneisen 2
oben)
bearbeiten Adelung, zähnen Campe. 5@bb)
in der heraldik ist gezahnt
oder gezähnelt (
vgl.zähneln
oben)
soviel als: mit sehr kleinen spitzen besetzt, getheilt, gespalten Querfurth
wb. d. heraldischen terminologie 54. 5@cc) gezahntes eisen,
bei den eisenarbeitern, kraus geschmiedetes (
vgl. zahneisen 4
oben) Adelung, das eisen zähnen.
vgl. dazu auch zainen. 66)
sieh weiter zannen, zännen
unten.