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wurzeln

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wurzeln vb.

Bd. 30, Sp. 2374
wurzeln, vb. , seit Notker (s. u. 2 a α; b β) bezeugte ôn-bildung zu wurzel, f. das wort ist hochsprachlich allgemein verbreitet, mundartlich heute jedoch im wesentlichen auf den md. und nd. raum beschränkt und auch hier nur in seiner eigentlichen bedeutung (1) gebräuchlich. aber umgelautetes würzeln, in spezieller bedeutung, auch obd. (s. 5). 11) eigentlicher gebrauch. 1@aa) wurzeln treiben, schlagen oder fassen. 1@a@aα) wurzeln treiben, in absolutem gebrauch: und von dem somen des landis nam er (der adler, in einer gleichnisrede) und legete das in di erde zu somen, das is veste wurczilte obir vil wazzirs (ut firmaret radicem, Ez. 17, 5) Claus Cranc prophetenübers. 201 Ziesemer; ein heimlich schweiffende krafft ... streckt sich erstlich in sproslein, darnach in blAetter, blust vnd samen, vnnd folgendt wurtzelt es wider Martin Ruland lex. alchemiae (1612) 157; ein junges propff, wird weder wurtzeln noch keimen, wenn es nicht fleissig gewartet ... wird discourse d. mahlern (1721) 2, 177; farrenkräuter, die sich fortpflanzen, indem sie die spitzen des laubes zur erde neigen, wurzeln und von da neue wedel treiben Goethe-jahrb. 5, 161 Geiger; der frühling kam, und aller orten wurzelten, grünten die gebrochnen reiser F. Bach ged. (1900) 65. speziell: wurzelnd, radicans, heiszt der stamm, der aus einer nicht mit erde oder mit wasser umgebnen stelle wurzelfasern hervortreibt Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 331; man führet auch in diesem monat ... mist in den wein-berg, schneidet die wurtzlende reben ab, und umstellet sie mit reb-stecken Hohberg georg. cur. 3 (1715) 259b; die ranken-sprossen ... die ältere terminologie definirte sie als nebenstengel, welche neben dem hauptstengel dicht über dem wurzelknoten entspringen und sich platt an die erde legen und hier fortkriechen: die einen (ranken, sarmenta) bei jeder blattbildung wurzelnd, wie erdbeeren, die andern (sprossen, stolones) erst am ende Ratzeburg standortsgewächse (1859) 13. 1@a@bβ) wurzeln fassen, sich mit seinen wurzeln festsetzen, auch mit dem nebensinn 'sich ausbreiten'; in absolutem gebrauch oder mit adverbialer ortsbestimmung in intralokaler oder translokaler beziehung: den gartten, wie ir vns gebüten, wend wir dermasz hacken, rüten, kein vnkrut gar drinn wurtzlen lon schweiz. schauspiele d. 16. jhs. 3, 298 Bächtold; das kOernlein auff den felsen gesAeet, bringt nicht frchte, weil es nicht wurtzeln kan Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 326; die kraft des pflanzenlebens, die in den rizen der zusammengefugten steine ... gesträuch wurzeln und erwachsen läszt Niebuhr m. gesch. (1811) 3, 280; er wurzelte fest in den erdboden und nahm sich ein beispiel an den alten bäumen um ihn her, die dasselbe seit mehr als hundert jahren gethan Holtei erz. schr. (1861) 21, 25. älter gern um sich wurzeln: dz kOernlin der weinpOere wurtzelt vmb sich Johann v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 33; weil er (die eiche) seine wurtzeln nicht eben nach proportion seiner stärcke, wie das linden oder buchene, weit um sich wurtzelt, sondern durch die hertz-wurtzel die meiste krafft und geilung erhält Göchhausen notabilia venatoris (1741) 166. tief wurzeln: ia ein iunger zwig mag man leichtlich vszziehen, wan es ein grosser baum wirt vnd tieff wurtzlet, so mag man es nit me vszbringen Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 86a; dasz die saamen tiefer wurzeln, nahrhafte säfte an sich ziehn ... konnten Miller predigten f. landvolk (1776) 3, 30. 1@bb) seine wurzeln an einem ort haben, verwurzelt sein: der zeder baum, der haupt und gipffel hatt im himmel, dessen fsse im abgrund wurtzelten Lohenstein Ibrahim sultan (1679) 112; ausraufen magst du das bunte moos wohl, der rinde schmuck, nicht aber den baum; zu tief wurzelt er Platen w. 1, 249 Hempel; nach fingerdicken, in den ritzen des gesteins wurzelnden legföhren-stämmchen haschend Barth Kalkalpen (1874) 319; in dem alten gemäuer wurzelten weiszstämmige birken, schlinggewächse hingen daran Karl Bröger d. ferienmühle (1936) 29. 1@cc) transitiv, ein gewächs an einem ort verwurzeln, es wurzeln fassen lassen: der ist wie ein baum am wasser gepflantzt, und am bach gewurtzelt Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 234; was in den boden diese bäume wurzelt, wer verstehts? was diese lüfte kaum vernehmbar lispeln, wer verstehts? Platen w. 1, 430 Hempel. 22) sehr oft auf persönliche, geistige, seelische verhältnisse übertragen; in gleichen syntaktischen konstruktionen wie unter 1. 2@aa) sich festsetzen, ausbreiten. 2@a@aα) sich an einem ort festsetzen, verankern, dort heimisch werden, grund finden: uuanda ih an gote uuolta uuurzellon, pe diu pin ih pirig poum (ps. 51, 10) Notker 2, 201, 9 Piper; die rede ich in dîn herze grabe: wil si dar inne wurzeln niht, als einem vogel der ê zît von neste fliuget dir geschiht Winsbeke 50, 8 Haupt; diser gebreste (dasz der mensch in allem nur das seine sucht) hat so tief gewurzelt das alle die winkel des menschen dis ze mole vol sint dise irdensche ding ze sehende Tauler pred. 360, 3 Vetter; so fahet die weltlich liebe wider in jm an tzuo wurtzlen Keisersberg predigen teütsch (1508) 34b; darumb ... die art vnd weis zureden, so erstlich in die kinder wurtzelt, schwerlich mag abgewehnet werden J. Barth weiberspiegel (1565) a 2b; wollte aber auch jemand gegen die erfahrung behaupten, dasz gewisse zeichen vorhanden, dadurch einer wissen könne, ob sein glaube rechtschaffen und zulänglich, der musz ja auch gewisse zeichen statuiren, dabey einer wissen könnte, ob sein glaube bereits gewurzelt, und er folglich auserwählet Leibniz dt. schr. (1838) 2, 243; wenn also in einem solchen hirtenstamm alte eindrücke vom gott der natur ..., von sittlichkeit und unschuld herrschten, so wurzelten sie tief in diese häusliche freie lebensart, und fanden da ihre stäte Herder 12, 29 S.; (der heimkehrende) war ein fremder in dieser umgebung. wie konnte ein mensch hier wurzeln? Berlin, das war ein haufen steine Polenz Grabenhäger (1898) 2, 66; auch das leben des mannes war zu einer innerlichen ruhe und zum wurzeln gekommen W. v. Scholz erz. (1924) 161. auch: es ist besser die kinder sehen den vAetern vnd mttern in die hende, vnnd bitten sie, denn das die eltern den kindern inn die hende sehen, vnnd von jhnen bitten sollen. die liebe wurzelt unter sich. weib vnnd kind ist lieber, denn vater vnnd mutter Mathesius Syrach (1586) 2, 69a. 2@a@bβ) mit dem nebensinn 'sich kräftigen, gedeihen, wuchern, sich ausbreiten'. besonders im älteren nhd.: es ist leider zu besorgen, dasz do ungelauben sei enzundt, dar an sich manch mensch hab versundt und noch vil weiter wurzel (15. jh.) hist. volkslieder 2, 118 Liliencron; also wirds auch gehen dem weibe, die jren man verlesst, vnd einen erben von einem andern krieget ... ire kinder werden nicht wurtzeln, vnd jre zweige werden nicht frucht bringen Sirach 23, 35; diese schedliche hantirung nimpt auch sonst in Teutschland sehr uberhand, und wurtzlet allenthalben gewaltig Quadt v. Kinckelbach teutscher nation herligkeitt (1609) 103; wann die prediger snd und laster strafen, so kOennen die chrislichen tugenden desto besser bey den pfarr-kindern wurtzeln und wachsen Feinler d. gewissenh. priester (1694) 110. nahezu 'entstehen': zeitungen und klubbs wurzeln und wuchern wechselseitig zusammen Jean Paul w. 48, 232 Hempel. 2@bb) seinen ort haben, seine existenz von einem ort herleiten. 2@b@aα) einen festen ort haben, an einem ort bestand haben, gefestigt sein. schon in älterer sprache, aber erst seit dem 18. jh. häufig gebraucht: Genelun in mittin gestunt — truobe was ime sin muot — mit lachenten ougen. sines herzen tougen newesse si nieman innen: da wurzilt der tiuel inne pfaffe Konrad Rolandslied 2858 Wesle; all unzucht und muotwillen in im würzlet, das zuo sorgen ist, er werd nimmer davon ablassen Wickram w. 2, 20 lit. ver.; disz was sein (eines verstorbenen) mund gesagt, was seine hand geschrieben, das wurzelt noch in uns, und bleibet unvertrieben Hoffmannswaldau heldenbr. (1680) begräbnisged. 6; meine furcht vor Banko wurzelt nicht blos oben auf Bürger s. w. 298b Bohtz; sie ist im grunde gutmütig, etwas hasz ist zwar in ihr, aber er wurzelt nicht tief (1841) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 475 Schulte-K.; der rechte, echte, feste und treue mensch musz irgendwo wurzeln, nicht anders wie ein baum Rosegger schr. (1895) I 1, 116; der parteitag eine kultische handlung, der nationalsozialismus eine religion — und ich will mir weismachen, er wurzele nur flach und locker? Klemperer l. t. i. (1949) 40. 2@b@bβ) α nahestehend, sich auf etwas gründen, von einem ort her seinen anfang, seine kraft und seine eigenart nehmen. meist in der verbindung wurzeln in, seltener auf. in älterer sprache nur sporadisch, seit dem späten 18. jh. sehr dicht bezeugt: sô chad ih aber fone dero redo unde fone anderên, redôn, aber des sindes keuuurzellotên, daz unchiuskiu tât turh sih uuênege machôt (de aliis causis, ea radice nitentibus) Notker I 264, 22 Piper; mus der glaub erstmals dein grundtfest sein, darauff mustu bawen vnd wurtzeln, auff die grundtfest mus der samen geworffen werden in: flugschr. a. d. ersten jahren d. reform. 3, 209 Clemen; in hoffart alle snde wurtzln Gilhusius grammatica (1597) 4, 128; und üppigkeit, und ungerechtigkeit, trägheit, unwürde — alle wurzeln sie in schnöder eigenliebe Herder 27, 335 S.; die ganze welt der reflexion ruht und wurzelt auf der anschaulichen welt Schopenhauer w. 1, 109 Gr.; so suchten sich über diesen im geiste des achtzehnten jahrhunderts wurzelnden partheien neue zu begründen Gutzkow ges. w. (1872) 8, 389; denn der bourgeois, wie ich ihn auffasse, wurzelt nicht eigentlich oder wenigstens nicht ausschlieszlich im geldsack Fontane ges. w. (1920) II 2, 19; in wirklichkeit gehen nicht nur die ansichten der zeitalter und völker, geschweige denn die einzelner, in ihnen wurzelnder philosophischer systeme auseinander N. Hartmann ethik (21935) 36; die konstruktion des arischen menschen wurzelt in der philologie und nicht in der naturwissenschaft Klemperer l. t. i. (1949) 149. 2@cc) transitiv, meist passivisch, etwas befestigen, fest gründen. seit dem ende des 18. jhs. seltener werdend: sehent fúr úch das ir gewurzelt und gefundiert werdent in der minne Tauler pred. 367, 9 Vetter; gesell, du bist auch mir gewortzelt in myn hertz, recht als des goldes ertz sich zeuget gein der sunnen meister Altswert 255, 17 lit. ver.; die sorg disser welt erwürget das gottes wort, es sei gehOert, gelesen oder geblossen, das er es nicht wurtzelt in dem gemüt Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) L 2a; daher bleibts noch tieff ins hertz gewurtzelt, das der mensch daher das leben suche, da der gewisse tod ist Luther 32, 547 W.; so trennet sie (die eheleute) kain vnfall mehr, diweil die lib ist gewurtzelt sehr vnd so erstarkt, das sie ausstehet alles wetter, wa her es gehet Fischart w. 3, 129 Hauffen; wann jhr dann ausz gewurtzleter schlimmer gewonheit stäts thut fluchen und schwören Abr. a s. Clara reimb dich (1702) 237; gehörte nicht auch allein jenes erste, stille, ewige baum- und patriarchenleben dazu, um die menschheit in ersten neigungen, sitten und einrichtungen zu wurzeln und zu gründen Herder 5, 479 S.; eine so tief gewurzelte herrschaft geht nicht unter mit dem tode des herrn Mommsen m. gesch. 3 (1854) 422; ich kann ja noch immer den husaren nicht aus meinem herzen herauspredigen. er ist zu fest gewurzelt in einer groszen zeit Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 15. 2@dd) in einem seltenen, vor allem frühnhd. gebrauch bedeutet wurzeln in verbindung mit bestimmten präpositionalen ausdrücken 'abstammen von ..., sich forterben': alle mentschen vss Adam gewurtzelt ... sint Riederer rhetoric (1493) n 3b; vnd sagen nun füro von demselben Bavare, was der für kind gelassen habe, vnd wie derselben kindt für vnd für gewurtzelt haben, bisz auff disen heutigen tag (1501) chron. u. stamm d. pfalzgr. bei Rhein a 2b Leidinger; dann so du dieses indianischen feigenbaumes grund vnd boden betrachtest, so wAechst er eben an dem orte landes, da der erst mensch im paradys gewesen: nAemlich in der mitte desselben: von dannen in alle lande vOelcker vnd leute von den ersten menschen solten wurtzelen vnd fortgepflantzt werden Spangenberg anmtiger weiszh. lustgarten (1621) 759. 33) auf konkrete vorgänge, verhaltensweisen u. dgl. übertragen. 3@aa) sich in, an oder auf etwas heften, an einem ort verharren. in älterer sprache vergleichend oder in deutlicher bildvorstellung vom eigentlichen gebrauch her: sô mag daz schef weder für sich noch hinder sich, reht als ob ez dâ gruntvest hab und dâ gewurzelt sei Konrad v. Megenberg buch d. natur 251, 12 Pf.; wie mOecht ichs erbeytten, so sein vnseliger same in meinem leib gewurtzelt het, das ich solt werden ein muter eins kinds von eym eeprecher Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 15 Herrmann; strelstu im schon oben ab vnd luogst nit, was er dunden hab, so die wurtzel noch da stat, der grindt bald wider gewurtzlet hat Murner narrenbeschwörung 151 ndr. jünger von der eigentlichen bedeutung weitgehend gelöst: des kriegers lanze steht, und wurzelt in das land Ramler lyr. ged. (1772) 330; alle augen wurzelten auf mir, niemant wollte bescheid geben Schiller 2, 125 G.; ich war in die erde gewurzelt, die weisze marmorfrau stand am andern ende der wiese, und hatte den knaben im arm Brentano Godwi (1801) 1, 289; da wurzelte mein auge in das gras, es schwärmte in dem laub der bäume Tieck schr. (1828) 6, 16; es wurzelt im gestein des schiffes kiel, nicht mehr der flut zum raube Geibel ges. schr. (1883) 2, 90; die füsze wurzelten dem mädchen an dem boden, und wie es erschrak, das bewies die rechte, die schnell nach dem hochklopfenden herzen fuhr Anzengruber ges. w. (1890) 3, 126. 3@bb) fest an einem ort stehen: Giglio risz ... den degen aus der scheide und das gefecht hub an ... fest in dem boden wurzelten die linken füsze, während die rechten bald stampfend ausschritten zum kühnen anfall, bald sich zurückzogen in die verteidigende stellung E. T. A. Hoffmann s. w. 11, 92 Gr.; auf der terrasse ... stand nur noch das runde tischchen mit der marmorplatte, weil sein fusz fest in der erde wurzelte Spielhagen s. w. (1877) 2, 303. mehr 'von einem ort ausgehen, sich auf etwas gründen': nach allem diesem dürfen wir kühnlich behaupten, dasz der grosze elephantenzahn gleichfalls in der obern kinnlade wurzele Göthe II 7, 199 W.; und wenn ihm die vielen hellen fenster des obern stockes ein freies, luftiges ansehen verliehen, so zeigten doch die ungeheuren grundmauern und strebepfeiler ..., dasz es auf festem grunde wurzele W. Hauff s. w. (1890) 1, 183; vom westufer des Rappensees hinauf nach dem sattel, auf welchem die östliche wand des Rappenköpfle wurzelt Barth Kalkalpen (1874) 225. 3@cc) transitiv. etwas an einem ort befestigen, an eine stelle heften: ih grîfen an den vollemunt unde sterke mînen funt mit dem êrsten sinne, der under unde inne sô gewurzelet ist: wird mir state unde frist, ih gezûhe ûz im einen zô den fullesteinen sô manigis sinnis volleist, daz mir sin unde geist gemût werden beide ê ih dâr abe scheide Pilatus, vorr. 23 in: zeitschr. f. dt. philol. 8, 273; humidum radicale gewurtzelt füchtigkeit (15. jh.) Diefenbach gl. 281c; ebda 282a s. v. humor radicalis; dief gewurtzelte wartzen Ruland lex. alchem. (1612) 223; nur der donner des himmels kann sie (die fliehenden) mit schrecken am boden wurzeln Klinger theater (1786) 1, 45; (er) nahm mit gesenkter stirn einen anlauf zum weitereilen, blieb dann aber doch wieder an die stelle gewurzelt stehen Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 15. 44) reflexiver gebrauch in übertragener bedeutung des wortes im sinne von 2 und 3, sich festsetzen, ausbreiten, an etwas heften: widder die keczerie ..., die sich bie Wenczelszlao, dem konige, sym bruder, gewortzelt unde hart begriffen hatten (15. jh.) H. Cammermeister chron. 54 Reiche; vnghorsamkeit det nie kein guot wo es sich wurtzelt in ein stat der policy gar bald gat Gengenbach 23 Goedeke; und das, so durch das schwerdt der Wilhelm hat erkriegt, soll unter Friederich sich wurtzeln und berasen Besser schr. (1732) 1, 22; unwillig ihr zu folgen fasztest du mit beiden armen meinen hals, und wurzeltest dich tief in meine brust Göthe I 11, 24 W.; nichts schien mir geeignet diese stille zu unterbrechen, die immer tiefer und tiefer sich wurzelte Bettine d. Günderode (1840) 1, 318; da wurzelt sich ein turm im stein Paul Ernst kaiserbuch 3, 2 (1928) 157. 55) soviel wie auswurzeln, mit den wurzeln, ganz und gar ausreiszen. zum eigentlichen gebrauch vgl. euellere wortzeln (md. 1414) Diefenbach gl. 212b; geten o. wurtzeln (Nürnberg 1482) ebda; eradicare wurczlen (obd. 1466) ebda 154b; (15. jh.; Ausgburg 1512) ebda 207b; wurtzeln, wurtzeln suchen oder graben chercher des racines Hulsius-Ravellus dict. (1616) 423a. mundartlich im obd.: würzeln 'wurzeln ausgraben, suchen' Schmeller-Fr. bair. 2, 1015; würzlen wurzeln ausziehen Fischer schwäb. 6, 1006. hierher ein spezieller gebrauch in der jägersprache: der dachs wurzelt Heppe wohlred. jäger (1763) 339b; Brehm tierl. 1, 641 P.-L. 'der dachs sticht, gräbt nahrung aus der erde'. sonst übertragen, in verbindung mit präpositionalem ausdruck, wurzeln aus: krtzlich der Salomo forddert, das wir gantz unnd gar alle bitterkeit auszm gemt wortzeln sollen Menius ausleg. Philipps Melanchton über d. sprüch Salomo (1526) 61b; ich erkenne dieses laster als eines der schändlichsten, wurzle mirs aus dem herzen lieber himmlischer vater Schiller 1, 58 G. 66) mundartlich gebundener sondergebrauch. 6@aa) angestrengt arbeiten, sich körperlich abmühen; vgl. Jecht Mansfeld 125b; Woeste westf. 329a; Köppen Dortmund 67; Sallmann Estland (1880) 113. 6@bb) vielleicht zu a stimmend: wurzeln 'wird in einigen gegenden vom schnellen laufen der hasen, hernach auch von jedem schnellen laufen gebraucht' Heynatz antibarb. 2 (1797) 656; ein alter mann ... hastete drüben den abhang hinunter und wurzelte nun eilfertig in der richtung des bachlaufes im hohen grase davon Ina Seidel Lennacker (1938) 154. 6@cc) schelten, vorwürfe machen; vgl. Kindleben stud.-lex. (1899) 219; Anton Oberlausitz 6, 6; 7; es entstunden ... wichtige debaten: der exprofessor wurzelte den arzt nach herzenslust Musäus physiogn. reisen (1778) 1, 87. prügeln; vgl. Crecelius oberhess. 927; Hertel Thür. 261; Albrecht Leipzig 238b; Schütze holst. id. 4, 375; Mensing schlesw.-holst. 5, 693.
18463 Zeichen · 291 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wurzelnswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    wurzeln , wurzelen swv. BMZ würzeln Wack. pr. s. 280,20. Mgb. 353,30 —: intr. wurzel fassen, wurzeln. w. und grüenen Hb.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wurzeln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wurzeln , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Wurzeln bekommen, sich vermittelst der Wurzeln in der Erde be…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wurzeln

    Goethe-Wörterbuch

    wurzeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    wurzelnschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wurzeln schw. : 1. 'Wurzel schlagen', woʳz(e)le [PfId. 153], warzle [ Lambert Penns 174]; Zs.: einwurzeln . — 2. a. '(ei…

  5. Sprichwörter
    Wurzeln

    Wander (Sprichwörter)

    Wurzeln Was nicht tief wurzelt, wipfelt auch nicht hoch. – Altmann VI, 458.

  6. Spezial
    wurzeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wur|zeln vb.intr. fá (mëte) raisc.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wurzeln

20 Bildungen · 3 Erstglied · 13 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von wurzeln 2 Komponenten

wurz+eln

wurzeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wurzeln‑ als Erstglied (3 von 3)

wurzeln als Zweitglied (13 von 13)

anwurzeln

DWB

anwurzeln , radices agere, wurzel schlagen, nnl. aanwortelen: die pflanze, der baum wurzelt an ( die erde ), ist angewurzelt; der keim konnt…

auswurzeln

DWB

aus·wurzeln

auswurzeln , eradicare, entwurzeln, ahd. arwurzalôn, ûʒarwurzalôn, nnl. uitwortelen: so werde ich sie auswurzeln aus meinem lande. 2 chron. …

bewurzeln

DWB

bewurzeln , radices agere: das werden starke beume, die der wind stets treffen kan, dann durch die vielen anstösze werden sie feste gemacht,…

durchwurzeln

DWB

durch·wurzeln

durchwurzeln , die wurzel durch etwas treiben, mit der wurzel durchdringen. uneigentlich, eine das herz durchwurzelnde idee J. Paul 38, 14 .

einwurzeln

DWB

einwurz·eln

einwurzeln , radices agere, nnl. inwortelen. 1 1) der baum wurzelt ein, ist tief eingewurzelt, aber auch hat eingewurzelt, wurzel geschlagen…

entwurzeln

DWB

ent·wurzeln

entwurzeln , evellere, eradicare, nnl. ontwortelen. ahd. mit er: arwurzalôn ( Graff 1, 1052 ). der sturm wütete, eine hohe eiche brach entwu…

gewurzelen, gewurzeln

MWB

gewurzelen, gewurzeln swV. 1 ‘etw. entwurzeln, ausrupfen’ 2 ‘entsprießen’    1 ‘etw. entwurzeln, ausrupfen’ boser gedanken gewin / muge wir …

gewurzeln

DWB

gewurzeln , verstärktes wurzeln ( vgl. das folgende; s. unten gewurzen): wann eine itzliche pflantz suocht stetigkeit und füchtikeit des bod…

verwurzeln

DWB

ver·wurzeln

verwurzeln , vb. , zu wurzeln, vb.; meist mit perfektiv-intensivierender funktion der vorsilbe: einwurzeln, durchwurzeln, festwurzeln. mnd. …

în wurzeln

MWB

în wurzeln swV. ‘in etw. wurzeln’, hier Part.Prät. ‘tief verwurzelt’ daz wort waz ir [Eva] so geneme und [...] ir ingewurtzilt, daz si snell…

īnwurzeln

KöblerMhd

īnwurzeln , sw. V. Vw.: s. īnwurzelen

ūzwurzeln

KöblerMhd

ūzwurzeln , sw. V. Vw.: s. ūzwurzelen*

Ableitungen von wurzeln (4 von 4)

bewurzeln

DWB

bewurzeln , radices agere: das werden starke beume, die der wind stets treffen kan, dann durch die vielen anstösze werden sie feste gemacht,…

entwurzeln

DWB

entwurzeln , evellere, eradicare, nnl. ontwortelen. ahd. mit er: arwurzalôn ( Graff 1, 1052 ). der sturm wütete, eine hohe eiche brach entwu…

gewurzeln

DWB

gewurzeln , verstärktes wurzeln ( vgl. das folgende; s. unten gewurzen): wann eine itzliche pflantz suocht stetigkeit und füchtikeit des bod…

verwurzeln

DWB

verwurzeln , vb. , zu wurzeln, vb.; meist mit perfektiv-intensivierender funktion der vorsilbe: einwurzeln, durchwurzeln, festwurzeln. mnd. …

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Cotta, M. (2026). „wurzeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wurzeln/dwb
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Cotta, Marcel. „wurzeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wurzeln/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wurzeln". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wurzeln/dwb.
BibTeX
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