würze,
f. ,
gewürz, aroma. im mhd., wohl kaum weit vor 1300,
von dem plural des starken fem. wurz (
s. d.)
abgeleitet in der weise, dasz der plural als kollektiver singular mit spezieller bedeutung gebraucht wird. einen gelegentlich gebrauchten eigenen plural scheint würze
erst in frühnhd. zeit zu entwickeln (
s. unter 1 a
β). würze
wird stark flektiert. schwache formen begegnen nur vereinzelt: würtzen (
dat. sing.) Braunschweig
chir. (1539) 42
b; würzen (
nom. pl.) Freiligrath
ges. dicht. (1871) 1, 135. würze
ist ein wort der hd. schriftsprache, die mundarten kennen es kaum (
aber vgl. unter 3). 11)
spezerei, gewürz, aromatischer duft, aroma; vgl. condimentum wortze, wúrcz (
obd. 14.
jh.) Diefenbach
gl. 140
b;
sal wircz alder salcz (
obd. 14.
jh.)
ebda 324
b;
species worcz (
md. 15.
jh.), wort (
nd. 15.
jh.)
ebda 545
b; worte
species, aroma (1445)
bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 773
a;
aromata, species, condimentum würz (
und gewürz) Stieler
stammb. (1691) 2587. 1@aa)
überwiegend als kollektive bezeichnung von gewürzstoffen. im mhd. ist eine beziehung auf aromatische stoffe hier und da möglicherweise mitgegeben, aber eine differenzierung des wortgebrauchs, wie sie sich im nhd. abzeichnet (
s.b),
besteht nicht. der gebrauch des wortes in dieser bedeutung geht seit dem ende des 18.
jhs. spürbar zurück und stirbt schlieszlich aus: 1@a@aα)
sing. gebrauch ist die regel: si (
die königin von Saba) quam mit knechten genuc. manic soumer vor ir truc richeite vil, als ir gezam. genuc si ires goldes nam und darzu edele wurze
passional 267, 97
Köpke; daz ein snider ... oder waz antwerkmannes er waz, eime herren hiesche ... daz er ime schuldig waz von koufende würtze oder duch (
Straszburg 14.
jh.)
städtechron. 8, 123; wiltu wrste ausz vischen machen, so schppe sy vnd hack sy klein. stosz sy in einem mOersser, thuo wrtz vnd saltz dar zuo, fül die dermer
kuchenmaistrey (1493) a 5
b; du (
der gerechte) zeuchst mit Oele zum kOenige, vnd hast mancherley wrtze, vnd sendest deine botschafft in die ferne, vnd bist genidriget bis zur hellen
Jes. 57, 9; saltz, die edelste vnnd beste wrtz Kirchhof
militaris discipl. (1602) 31; sein bestes essen ist milch, eyer, honig, schmaltz, für spargen jszt er kraut, an statt der würtze saltz Opitz
teutsche poemata 30
ndr.; ich esse die einfältigsten speisen, ohne alle würze Gellert
s. schr. 10 (1839) 56; (
der bauer) kaufte in der stadt die nesteln für seine kleider ..., würze für seinen sauern wein G. Freytag
ges. w. (1886) 20, 106.
vereinzelt noch: die tunke wird ... mit noch etwas salz, paprika und 18 bis 20 tropfen würze abgeschmeckt, über das zurechtgeschnittene fleisch gegeben
daheim 71 (1935/36)
nr. 6, 70
a. 1@a@bβ)
der plural begegnet, der kollektiven bedeutung des wortes gemäsz, sehr selten; wo er im mhd. zu begegnen scheint, ist wohl meist anzunehmen, dasz es sich um den alten plural von wurz,
f. in dessen bedeutung 1 b
handelt: so du wilt einen vasten krapfen machen, so nim nüzze, und stoz sie in einem mörser ... und snide sie drin würfeleht und menge sie mit würtzen, wellerley sie sin (14.
jh.)
buch v. guter speise 20
lit. ver.; vor der vnterhandlung (
Fuggers mit dem könig) waren alle wurtze bessers kauffs, hernach aber haben sie die selbigen gesteygert nach yhrem wolgefallen Agricola 750
teut. sprichw. (1534) R 1
a; darumb einem jungen knaben dienlicher und bequemer ist, ein einfAeltig, gut, gesundt, verdAewlich essen oder zwey, dann zwentzig mit allerley wrtzen und specerey gepfeffert Lorichius
pädag. principum (1595) 9; ... so macht man gifft mit scheinbarn wrtzen ssse Lohenstein
Agrippina (1701) 75; sieh, der schiffer kehrt mit gold aus des südens heiszen zonen; edle würzen sind der sold, die den kühnen zug belohnen Freiligrath
ges. dicht. (1871) 1, 135. 1@a@gγ) zur würze, als würze.
selten in der beziehung auf das gewürz selbst: (
zwiebeln) werden mehr als würzen denn als nahrungsmittel benutzt Muspratt
chemie (1888) 6, 180.
sonst in mehr verbaler auffassung. '
zum zweck des würzens, zum gebrauch als gewürz': am allermeisten aber bedienet er (
der bär) sich (
hinsichtlich seiner nahrung) gleichsam zu seiner würtze der ameissen Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 41; gott habe einem jeden land das nothwendige verliehen, es sei nun zur nahrung, zur würze, zur arzenei, man brauche sich deszhalb nicht an fremde länder zu wenden Göthe I 25, 1, 51
W.; salz bereiten die Polynesier nicht, benutzen aber seewasser zur würze ihrer fisch- und fleischspeisen Ratzel
völkerkunde (1885) 2, 165; nicht zum selbständigen genusz sondern als würze von speisen fehlt bekanntlich in unseren gärten niemals der schnittlauch Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 288. 1@a@dδ)
in attributiver verbindung von bestimmten gewürzen. neue würze
myrtus pimenta L. Holl
pflanzennamen 258
b: denn da beide schüsseln fleisch täglich einerlei sose hatten ... und die sose jedesmal aus wasser, gebrantem mehl, und etwas neuer würze bestand, ... so asz fast nie ein schüler seine portion auf Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 85; neue deutsche würze
nigella sativa L. Holl
pflanzennamen 336
a; Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 5, 631
a. 1@bb)
aus pflanzenprodukten gewonnener aromatischer stoff, der als räucherwerk, einbalsamierungsmittel u. dgl. verwendet wird. häufiger im plural. von a (
sieh dort für die mhd. zeit)
deutlich geschieden erst im nhd., aber nur bis ins 18.
jh. hinein bezeugt: liebe braut, deine brste sind lieblicher denn wein, vnd der geruch deiner salben vbertrifft alle würtze
hohelied 4, 10; nun ist ein gewonhayt in Behem, das sie der verstorbnen künig leybe mit kOestlichen wurtzen balsamiert acht tag, ehe sie jn begraben Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 227
a; (
die kranke) hat auch geklaget, der mund thete ihr wehe, welchen die weiber also mit wrtz und essig gerieben hatten Prätorius
anthrop. Pluton. (1666) 2, 130; wozu dienet es doch, ... den körper (
die leiche) mit myrrhen und aromatischen würzen zu erfüllen, wenn er eingesalzen werden soll
anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 841
Gottsched. die ungebräuchlich gewordene bedeutung miszverstehend und in die nähe von ebenfalls schon ungebräuchlichem wurz 1 b
gerückt, in der entsprechung zu gr. φάρμακον: denn auch dorthin steurt im hurtigen schif Odysseus, würze des männermords zu erkundigen, dasz er mit solcher sich die ehernen pfeile vergiftete (
Odyssee 1, 262) Voss
Homers w. (1793) 3, 15 (
die fassung von 1781
hat: säfte); schneid aus dem schenkel den pfeil, und rein mit laulichem wasser spüle das schwärzliche blut; auch lege mir lindernde würz auf, heilsame, welche du selbst von Achilleus, sagt man, gelernt (
Ilias 11, 829) Voss
Homers w. (
21802) 1, 300 (
die erste fassung von 1793
hat: salb). 1@cc)
würziger geruch, geschmack, aroma. seit dem ende des 18.
jhs., die ungebräuchlich werdenden bedeutungen a
und b
fortsetzend: saugt aus wein der klee sein leben, wohlgeruch und honigsaft? — kraut und blumen, selbst die reben danken dir, o Nais, leben, würze, süszigkeit und kraft Bürger
s. w. 27
b Bohtz; diese eigentümliche würze, meint er, habe das veilchen von jeher an keinem orte der welt ausgehaucht als hier, wo sich sein duft mit den frühen gefühlen einer reinen liebe vermischte Mörike
w. 2, 275
Maync; (
der wein) ist kühlend und nicht ohne würze, erwiderte der kantor G. Keller
ges. w. (1889) 6, 32; in dem unmittelbar vom gletscherwasser genährten see gedeihen sie (
die forellen) zu einer würze und schmackhaftigkeit, die unerreicht bleibt Scheffel
ges. w. (1907) 3, 100; der müller ... reckte sich und atmete erleichtert die würze des morgens P. Dörfler
d. lampe d. tör. jungfrau (1930) 64. 22)
in übertragener bedeutung bezeichnet würze
dasjenige, was eine sache belebt, sie interessant, ansprechend oder überhaupt erst vertretbar macht. im 16.
jh. zögernd einsetzend, nach der mitte des 18.
jhs. überaus häufig. 2@aa)
bis zur mitte des 18.
jhs. nur und noch bis ins 19.
jh. hinein oft unter bewahrung der bildvorstellung der würzenden speisezutat: man eine meinung ..., wan die sol erklert vnd dem volck fürgetragen werden, erst mit viel würtze bestrawe Barth
weiberspiegel (1565) C 1
a; o! ihr meine gedancken! ihr seyd die jenige wrtze, welche mein fleisch vor der zeit verzehren Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 199; eine würze von unzucht und religionsspötterey ist reichlich über das ganze (
Voltaires '
Candide') ausgeschüttet Haller
tageb. (1787) 1, 186; schwermuth, kummer, sorgen, leiden sehe ich als würze an, die den geschmack an wahrer lebensfreude erhöhen sollen J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 233; die schwester Margaretha gab eine andere würze, das spiel der phantasie und des witzigen geistes Laube
ges. schr. (1875) 4, 76.
sprichwörtlich: der hunger ist die best würz Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 75
a u. ö., bis ins 19.
jh. hinein: zufriedenheit ist unser koch! und hunger unsre würze! Kotzebue
s. dram. w. (1827) 4, 12. 2@bb)
nach der mitte des 18.
jhs. ist die übertragene bedeutung häufiger aus der bildvorstellung gelöst, sie ist seitdem die herrschende bedeutung des wortes: die drolligste laune, der schnurrigste witz, die schalkischste satire, lassen uns vor lachen kaum zu uns selbst kommen; und die naive bauernsprache giebt allem eine ganz eigene würze Lessing 9, 299
L.-M.; laszt uns nachdenken, auf welche art und weise wir dieser unterhaltung ... etwas mehr würze geben können Tieck
schr. (1828) 4, 104; persönlich war Engels ein reizender, liebenswürdiger mensch, der es mit Martin Luthers parole hielt, dasz wein, weib und gesang des lebens würze seien Bebel
aus m. leben (1946) 3, 143; soll ich dir sagen, was die schönheit ist? die würze dieses lebens, weiter nichts! Weigand
d. renaissance (1903) 3, 68; wenn man die komik ein klein biszchen unanständig gestalten kann, dann wirkt sie durch solche würze doppelt Klemperer
l. t. i. (1949) 97.
auch hier in präpositionaler verbindung wie unter 1 a
γ: in ihren kreis wollten die unsterblichen den sohn des staubes nicht ziehen; sie gaben ihm nur dieses wunderbare ahnen und träumen als würze zum leben Klinger
w. (1809) 12, 107; so nehm ich an, dasz es mit der (
kriegsgefahr) nicht so ernst aussieht, wie die gewöhnlichen leute hier sich zur würze vorstellen (1913) Rilke
br. (1933) 287
inselverlag. vereinzelt auch im plural: der religiöse norden von Tibet musz solcher freuden und würzen des lebens entbehren Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 255. 33)
im brauverfahren die flüssige lösung des malzextraktes, die zu bier vergoren wird. 3@aa)
in diesem sachbereich wird zunächst das von würze
zu unterscheidende wirz,
f. verwendet; vgl. Heyne
dt. hausaltert. 2 (1901) 340
ff. —
das im dt. der i-
deklination angeschlossene wort ist ursprünglich s-
stamm. ahd. mhd. wirz;
mnd. wert,
nd. wert, wört, wērt;
nordfries. (
Wiedingharde) wyrt,
n.; ags. wyrt,
ne. wort;
dän. urt;
an. virtr,
norw. vyrter,
n. Torp
nynorsk. et. ordb. 874.
gelegentlich gebuchtes as. wirtia, wirtea (Holthausen
ae. etym. wb. [1934] 412; Walde-Pokorny 1, 288)
ist nicht nachzuweisen. schwed. vört '
malzextrakt zur bierbereitung' (
seit 1539)
ist wahrscheinlich entlehnt aus gleichbedeutendem mnd. wert (
s. unter α).
das zugrunde liegende germ. *wirtiz (
daraus entlehnt finn. vierre '
würze',
s. zuletzt Fromm
zs. f. dt. altert. 88, 303)
ist etymologisch unklar (E. Schröder
in: Hoops
reallex. 1, 280),
es wird meist als ablautsform zu *wurt-
in dt. wurz, wurzel, würze
gestellt. vgl. die literatur oben unter wurz. 3@a@aα) wirz
bezeichnet speziell den im zusammenhang mit der bierbereitung hergestellten malzaufgusz in glossen und vokabularien seit dem 11.
jh., z. b.: brasicia i. wirz (11.
jh.)
ahd. gl. 3, 295, 41
St.-S.; (11./13.
jh.)
ebda 3, 267, 36; (12.
jh.)
ebda 3, 616, 59;
briseca wirz (11./12.
jh.)
ebda 3, 495, 8;
braxiuium wirtz, wyrtze, wúrtz
u. ä. (
obd. 15.
jh.); wercz, werthsz (
md. 15.
jh.); wert, werte (
nd. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 81
b;
ders., nov. gl. 59
a;
risia gruut
ł weert (
nd. 1420);
risum wircz (
hd. 15.
jh.)
ders., gloss. 499
a;
mnd. wert Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 689
f. literarisch: by der wegen stont eyn kettel myt heter wert dar dat kynt rokelose in voll myt synen ganssen lyue
legende d. stiftung v. Freckenhorst bei Dorow
denkm. alter spr. u. kunst 1, 1, 37; denn wenn man bier brewet, so geusset man erstlich wasser ynn die pfannen, wenn das heysz worden ist, so geusset manns auff das maltz, darnach leszt man es durchlauffen, vnd geuszt dye wertz wider ynn die pfannen, und leszt es kochenn mitt dem hopffen Agricola
sprüchw. (1529) 2, 151.
im hinblick auf die im einzelnen brauprozesz verarbeitete menge malzaufgusz: (
ein bürger wird vom rat) gefragt, wer ietzundt brewen thate, respondit, bmr Becker habe 5 mlt. maltz vnd mache in zweyen wirtzen 18 thonnen biers (1661)
urkundl. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel (1894) 1, 269. 3@a@bβ)
unabhängig von der bierbereitung '
süsze, aromatische flüssigkeit, saft',
allgemein oder im speziellen zusammenhang mit der metbereitung: ptisane (
vulg. ptisanas)
sucus prirorum (
l. pirorum)
ł uuirz (11.
jh.) (
spr. 27, 22)
ahd. gl. 1, 540, 29
St.-S.; und (
Medea) gôz im (
Jason) in die wunden der tiuren arzenîe saf ... im wart diu snellekeit geboten. daz er spranc rehte alsam ein hirz. daz schuof der arzenîe wirz und daz edele tiure salp Konrad von Würzburg
trojan. krieg 10 798
Keller; dem honige fliegent mucken nâch, wefsen ist ze wirze gâch Hugo von Trimberg
d. renner 16 314
Ehrismann; der guten mete machen wil, der ... neme zwei maz wazzers und eine honiges ... und siede denne die selben wirtz ... und schume die wirtz mit einer vensterechten schüzzeln (
schüsselsieb), da der schume inne blibe und niht die wirtz (14.
jh.)
buch von guter speise 6
lit. ver. übertragen, von Maria: dû süeze zuckers trâmes wirz
Lohengrin 7654
Rückert. 3@a@gγ)
das wort ist in einigen md. und vor allem nd. mundarten erhalten geblieben: wirz '
bierwürze, malzextrakt' Waldbrühl
Rhingscher klaaf 219.
gewöhnlich bezeichnet es hier den malzaufgusz als ungegorenes bier, das selbst schon als getränk verwendung findet: wirz, wîerz Spiesz
Henneberg 284; Reinwald
Henneberg 2, 143; wört Dähnert
plattdt. wb. 555
b; würts Schumann
Lübeck 60; wert, wêrt Schambach
Göttingen 295
a; wart, wert Schütze
Holstein 4, 340; wërt Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 542
a.
möglicherweise wirkt hier und da nhd. würze (
s.c)
auf den mundartgebrauch oder auf die lexikographische buchung ein. 3@bb)
im 13.
jh. ist im anwendungsbereich von wirz
zweimal die form würze, wurze
bezeugt, und zwar augenscheinlich im sachzusammenhang mit der bierbereitung: swer malzes phligt, die wîle ez lît dur derren ûf dem slâte, der lobe mîn bier unz er besehe wie ime sîn wurz (
hss.: wuriz
A, wurze
C) gerâte (
unechter Spervogel)
minnesangs frühling 242, 24
Kraus; er (
ein ritter, dem eine frau für seine verlorene scheide eine andere gegeben hatte) wolt sîn mezzer in die scheide schieben; dô begunde sich diu klinge biegen her wider rehte gegen deme hefte: doch brâht er sî drin mit sîner krefte. schiere het er wider gezogen; ez habe ein swarziu krâ gelogen: wer solte des getrûwen? 'zieht wider: diu würze (wurze
C) ist noch niht gebrûwen'
Neidhart XLIV 24
Haupt-W. die form wurze
scheint die annahme einer bloszen lautvariante zu dem i-
stamm wirz
auszuschlieszen. aber auch die annahme einer umdeutung von wirz
im sinne von würze '
gewürz'
schon zu diesem frühen zeitpunkt (
anders unter c)
macht schwierigkeiten, da würze
sonst erst seit etwa 1300
bezeugt ist. auszerdem scheint der gebrauch des 13.
jhs. gar nicht von einer bedeutung '
gewürz'
auszugehen und sich somit von dem seit dem 16.
jh. im sinne von '
bierwürze'
bezeugten gebrauch (
unter c)
zu unterscheiden. 3@cc)
im 16.
jh. wird wirz,
das literarisch nicht über das 16.
jh. hinaus bezeugt ist, mit dem lautähnlichen, im sinne von '
gewürz'
geläufigen würze
identifiziert. würze
bezeichnet nun auch, etwa im sinne von '
bierwürze',
prägnant an stelle von wirz
diejenige flüssigkeit, die im brauprozesz aus der mischung von geschrotenem malz und wasser, der maische, durch trennung von den maischerückständen gewonnen wird: so das pech im vasz zergangen, so geusz darein ein halb nossel würz und lasz es also umbrühren, so schmecket das bier nicht nach pech (1569)
haushaltung in vorwerken (1910) 33
Ermisch-W.; man ziehet aber von der gesottenen lautern wrtz zuvor bey 15 schapffen voll herab, das thut man hinber in den kessel und schttet den hopffen darein, und lAesset ihn also eine halbe stund oder lAenger rOesten Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 82; davon wird das maltz so milde, dasz man damit schreiben kan, wie mit kreiden; solche maltze geben eine gute wrtze Kellner
bierbraukunst (1690) 21; wird der wässerige auszug des gekeimten getreides (des malzes), die sogenannte würze in der bierbereitung, bis zum sieden erhitzt Liebig
chem. br. (1844) 175; chemische zusammensetzung der fertigen, zur gärung gelangenden würze ... es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, dasz je nach den rohmaterialien malz, hopfen, brauwasser und den zur herstellung der würze dienenden maisch- und sudverfahren die würzezusammensetzung erheblichen schwankungen unterliegen kann Lueers
d. wissensch. grundlagen v. mälzerei u. brauerei (1950) 516.
die in einem arbeitsgang gewonnene menge bierwürze: in anderen englischen brennereien begnügt man sich mit zwei würzen nicht, am zieht drei, vier und sogar fünf würzen, wodurch das auswaschen der treber allerdings noch vollständiger erreicht wird Muspratt
chemie (1888) 1, 566.
auch für den malzaufgusz als ungegorenes bier, das in diesem zustand selbst schon als getränk verwendet wird, für das sonst vor allem nd. formen von wirz
stehen (
s. unter a
γ): die hitzige wrtz vnd wein znden die hOell im leib an, dasz der teuffel mOecht drinnen verbrennen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 897; die unter dem namen a(
lkoholfreies) b(
ier) in den handel gebrachten getränke sind entweder sterilisierte und mit kohlensäure imprägnierte würze oder aber sie sind kunstprodukte, die unter dem zusatz von wenig würze ... aus gefärbter zuckerlösung hergestellt ... werden
ill. brauereilex. (1910) 81
b Delbrück. so als verhochdeutschung der dem verfasser offensichtlich ungeläufigen und in seinem genus verkannten form von wirz
verstanden: sowohl dieses (
sauerkraut) als das frische wort oder würze, diente zum präservativ gegen den schaarbock J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 371. 3@dd)
von c
her übertragen auf das blut: roth oder blutfarb (
als eine farbe des kartenspiels), ist wAesseriger art, vnnd zeiget erstlich an, dass offtmals einer bey dem spiel also geschlagen wirt, dass jhm die rothe wrtz vber die backen lauffet
theatrum diab. (1569) 511
a; da sich denn endtlich ... ein zanck erwachsen, dermassen, dasz sie einander nach den kOepffen geschmissen, dasz die rothe wrtze hernach gefolget Rivander
festchron. (1591) 1, 59
b; Prätorius
blockes-berges verrichtung (1668) 574. 44)
zusammensetzungen mit würze,
f. begegnen im mhd. in nur geringer anzahl, sie nehmen mit dem 16.
jh. sprunghaft zu. über gelegentliche deutung der würze-
zusammensetzungen von wurz 1 '
pflanze, kraut'
her sieh unter wurz 5.
in der kompositionsform überwiegt die fugenvokallose bildung weitaus; anders unter 5.
kompositionstypen. 11)
im hinblick auf aufbewahrung, vertrieb und gebrauch des gewürzes werden seit dem 15.
jh. bezeichnungen für personen, gegenstände, tätigkeiten gebildet. der typ ist besonders im 16./17.
jh. produktiv, im 19.
jh. begegnen seine bildungen nur noch vereinzelt: würzbank Megiser
annales Carinthiae (1612) 221,