wetteifer,
m. , '
das eifrige bestreben, es dem andern zuvor zu thun' Adelung 5 (1786) 191;
nur vereinzelt auch '
nacheifer, das bestreben, es ihm gleich zu thun'
ebda, vgl. dazu '
ämulation nacheiferung, wetteifer' Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 230
und wetteifern 2.
seit dem 17.
jh. nachweisbar, aber erst seit der zweiten hälfte des 18.
jhs. häufig gebraucht. 11)
im vorstellungsgehalt überwiegt die gegeneinander gerichtete bemühung, das rivalisierende streben; bisweilen auch abwertend in verbindung mit neid, ehrsucht, streit
u. dgl.: wider den neid oder wetteyfer (
gedruckt welteyfer) lasse er (
der minister) keine empfindlichkeit noch gegenwehr spühren Butschky
Pathmos (1677) 959; auch der wetteifer verschiedner provinzen gegen einander kann nicht anders, als diesen zweck (
die humanität) befördern Herder 17, 26
S.; der gegenseitige streit und wetteifer beider theile konnte zwar über die hauptgegenstände der uneinigkeit zu keinem fortschritte ... führen Fr. Schlegel
s. w. (1846) 2, 36; alle, die dasselbe geschäft treiben, sollen sich als eins ansehen, und das vollkommenste soll erstrebt werden ohne wetteifer und neid Schleiermacher
s. w. (1834) I 12, 479; und recht klar ist nur eines in ihr wegen der herrschaft des zornartigen, nämlich wetteifer und ehrsucht
ders., Plato (1804) 6, 411. 22)
zur bezeichnung eines emotionellen ergriffenseins: die kranzflechterin in Athen, Glycera, setzte den blumenmahler Pausias in wetteifer Herder 22, 135
S.; damals lebte zu Athen Themistocles, der mann, welchen als jüngling die marathonischen siegeszeichen vor wetteifer nicht schlafen liessen J. v. Müller
s. w. (1810) 1, 135; ein anderer ... Engländer ... ward ... zu einer art von wetteifer entzündet, der etwas höchst phantastisches an sich trägt Ranke
s. w. 14 (1875) 299; und nun bricht ein wetteifer aus, welche nation es der andern an grausamkeit zuvorthäte H. Grimm
Michelangelo (1890) 2, 17. 33)
von der bemühung, einander in der leistung, im eifer, im vorbildlichen verhalten u. dgl. zu überbieten; die vorstellung der rivalität ist noch deutlich, tritt jedoch allgemein gegenüber dem meist positiv gewerteten streben zurück: weil er (
Cyrus) wol wuste, dasz, wenn die leute in dem lobe und in der gnade keinen unterscheid verspühren, alsdenn gar kein tugendhaffter wetteifer (
gedr. welt-) unter ihnen glimme; wenn man aber einen fürtrefflichen mann fürtrefflich conditioniert sehe, so erwecke solches bey allen eine begier und lust zu tapfferem verhalten Francisci
lufftkreis (1680) 132; eine tochter des pfarrers ... wurde ihr zugegeben, ... einen wetteifer im lernen zu erregen S. v. la Roche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 66; er werde die ehre haben, ... ein assaut general oder wetteifer in der fechtkunst anzustellen Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 4, 622; die künstler munterten sich wechselweise durch einen rühmlichen wetteifer auf K. Ph. Moritz
reisen eines Deutschen in Italien (1786) 2, 173; es entstand, wie es denn zu gehen pflegt, eine art von wetteifer, und jeder suchte es dem andern zuvor zu thun in erzählung der unglaublichen dinge, die durch englische maschinen geleistet werden Schubert
verm. schr. (1823) 1, 217; du klettertest mir mit jugendlichem muthe voran, um mich in der kühnheit zu übertreffen, und mein wetteifer vermehrte sich mit deiner geschicklichkeit Tieck
schr. (1828) 6, 335; da werden sie den kampf der staaten in fortwährendem wetteifer fürs wohl der menschheit begriffen sehen Bettine
dies buch geh. d. könig (1843) 2, 336; auf der schule mag man in bestimmten fristen die kraft der schüler öffentlich versuchen, weil daraus edler wetteifer entspringt J. Grimm
kl. schr. (1864) 1, 238; während des langen schweren krieges um Schleswig thut sich ein wetteifer der aufopferung in allen ständen kund Dahlmann
gesch. v. Dännemark (1840) 3, 242; mut galt natürlich über alles: die kunst den kriegerischen wetteifer und den corpsgeist anzufachen, ... übte Cäsar mit unerreichter meisterschaft Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 361; wie man durch ein system von belohnungen etwa den wetteifer der schützen entzünden ... könne Meinecke
Boyen (1896) 1, 65. 44)
bei der darstellung wirtschaftlicher und soziologischer verhältnisse im sinne von '
konkurrenz, wettbewerb'
: concorrenza das mitwerben, die mitbewerbung, wetteifer, streit um vorzug Jagemann
it.-ted. (1803) 275; dadurch entstand ein für die künste und das handwerk heilsamer wetteifer
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 179; das schöne schauspiel eines friedlichen wetteifers, wie er dem handel angemessen ist, ... ward schon im jahre 1789 von der spanischen regierung gestört J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 62; an die stelle einer zunftlehre trat ... die freiheit der individuellen meinung und forschung, der rege wetteifer der kräfte und talente Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 2, 2, 433; was ihr noch an selbstständigkeit abgeht, wird sie (
die zeitung) im wetteifer mit den andern wohl noch zu erlangen wissen Görres
ges. schr. (1854) 2, 7; der wetteifer dicht an einander gedrängter städtischer märkte Nitzsch
dt. studien (1879) 182. 55)
das gemeinsam erstrebte ziel und die gemeinsame tätigkeit beherrschen den vorstellungsgehalt: ein volk unterrichtet das andere und zündet seinen wetteifer an; ... so bildet sich endlich langsamer oder schneller, der geist aller völker Sturz
schr. (1779) 2, 112; da verschwindet alle rücksicht auf unterschiede der meinungen, des ranges, des standes, ... tugend macht gleich und vereint zum friedlichsten wetteifer Herder 23, 60
S.; der freye, aber sittsame anstand seiner bedienten, die munterkeit, die genauigkeit, der wetteifer, womit sie ihre pflichten erfüllten Wieland
Agathon (1766) 2, 312; dieser rühmliche wetteifer liegt tief in seiner seele, und ist die folge eines gewissen gemeinschaftlichen gefühls, welches diesem stande eigen ist J. G. Forster
s. schr. (1843) 5, 116; dort finde man nicht nur die nötigen vorbilder für alle arten der kunstübung, sondern auch den lehrreichen wetteifer vieler mitstrebenden G. Keller
ges. w. 2 (1894) 99.