wetteifern,
vb. ,
einander überbieten wollen. seit dem 17.
jh. bezeugt, doch begegnet noch im 18.
jh. die präpositionale wendung: doch haben sich ... sonderlich in Meiszen gute dichter gefunden, die mit jenen um die wette geeifert
neuer büchersaal (1745) 1, 239.
die zusammenrückung ist zunächst noch unfest: ohne deren (
d. weisheit) einflüsse noch ... kein held mit den unsterblichen wett geeifert hat Wieland
w. I 3, 52
akad.; wettgeeifert wurd ohn' ende, wer sie (
die knospen) mehr und schöner fände J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 220.
dagegen vgl.: hatten sie beide verschiednemal um die anführerstelle im kriege gewetteifert Meissner
skizzen (1778) 2, 173; hatten die ... leute ... gewetteifert O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 2, 379; Meinecke
Boyen (1896) 2, 32. 11)
gegeneinander streben, sich den rang streitig machen, rivalisieren, z. t. mit abschätzigem nebensinn (
vgl. wetteifer 1): und weil, auch in andren sachen, einer wider den andren wetteiferte, erwuchs endlich hasz und feindschaft daraus Valvasor
herzogth. Crain (1689) 2, 185; es ist gegen die wahrheit der geschichte, wenn man den bösartigen, widersinnigen character zusammengedrängter menschen, wetteifernder künstler, ... neidiger gelehrten zu allgemeinen eigenschaften des menschlichen geschlechts macht Herder 13, 321
S.; sie wetteiferten um den vorzug, die werkzeuge seiner schändlichsten leidenschaften, seiner ungerechtesten befehle zu sein Wieland
s. w. (1794) 7, 66; alle darstellung seiner eigenen person oder seiner kunst mit geschmack setzt einen gesellschaftlichen zustand ... voraus, der nicht immer gesellig, ... sondern im anfange gemeiniglich barbarisch, ungesellig und blos wetteifernd ist Kant
w. (1839) 10, 262; alles wetteifern um öffentliche ämter und ehrenstellen werde ihm (
dem wahren weisen) ... nicht einmal im traume bekannt Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 153; überall wetteiferte die macht der innern localen antriebe mit der autorität der reichsgewalten Ranke
s. w. (1867) 1, 223. 22)
in der kunstkritik; mit e. vorbild
u. dgl. wetteifern '
es zu erreichen und zu übertreffen streben'
; nur im 18.
u. 19.
jh. geläufig: der mit ihm im ernste wetteifern und nicht blos nachahmen wolte Meissner
Alcibiades (1781) 2, 5; es herrschte darin ... ein air de grandeur, welches einen mit stiller ehrfurcht erfüllte, und mit den schönheiten der griechischen architectur wetteiferte Bode
Thomas Jones (1786) 1, 28; obwohl
M. durch ein gemählde mit den alten zu wetteifern wagte, in statuen würde ers unterlassen haben Herder 22, 268
S.; so sehe ich nicht, warum nicht ein künftiger deutscher geschichtschreiber mit einem Livius ... wetteifern könne
br., d. neueste litt. betr. 20 (1764) 17; wie oft bearbeiteten alte künstler eine bekannte darstellung und wetteiferten in gleicher oder gröszerer meisterschaft mit ihrem vorgänger Göthe I 48, 43
W. 33)
sich bemühen, einander im streben, in leistung und vorbildlichem verhalten zu übertreffen (
vgl. wetteifer 3): so weteiferten sie untereinander ... ihren vater ... zu unterstützen
neue schausp. (1771) 12, 16; sowohl Wilhelmine als die junge Mariane wetteiferten, der kleinen Charlotte die beste erziehung zu geben Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 18; der wetteifert ja wohl, auch Phöbus gesang zu besiegen Voss
Virgil (1799) 1, 56; es erschienen, da die Ptolemäer und die könige von Pergamus in vergröszerung ihrer bibliotheken wetteiferten, unterschobene schriften aller art Winckelmann
s. w. (1825) 7, 202; er wird sogleich den übrigen mitgliedern des ordens vorgestellt, und alle wetteifern, wer es dem andern an gefälligkeit, freundschaftsbezeugungen und geschenken zuvorthun könne J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 98; zum symbol eines wie Hatem und Suleika in liebe und dichtung wetteifernden paares Göthe I 4, 81
W.; aber bald wetteiferten wir darin, die schiffe verschiedener völker aus dem bloszen bau ohne hülfe der flagge zu erkennen Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 67; zwei postwägen, ... die einander an schnelligkeit zu übertreffen wetteiferten A. v. Arnim
s. w. (1853) 2, 305; wir wetteiferten mit einander, solche drachen in den verschiedensten formen zu machen Kerner
bilderbuch (1849) 9; hier kehrte sich ihr streit um und sie wetteiferten, sich ergeben zu zeigen Ranke
s. w. (1867) 35, 131. 44)
in wettbewerb treten, konkurrieren, sich messen, vergleichen (
lassen);
meist in verbindungen wie wetteifern können, mögen, wollen.
vereinzelt in verbindung mit dem dat.: selbst vor Achilleus nicht, dem zerschmetterer, möcht er weichen, im stillstehenden kampf; denn im lauf wetteifert ihm niemand Voss
Ilias (1821) 13, 325
in verbindung mit der präpos. mit: ich mag mit herrn D. nicht wetteifern; er hat so viel poetischen styl und sprache in seiner gewalt Herder 5, 174
S.; Hafis mit dir, mit dir allein will ich wetteifern! Göthe I 6, 39
W.; so finden wir, dasz ... wir zuletzt beim kunstgebrauch nur darin mit der natur wetteifern können, wenn wir die art, wie sie bei bildung ihrer werke verfährt, ihr wenigstens einigermassen abgelernt haben
ebda I 47, 15; welche andern Hellenen hätten wohl an geschicklichkeit, menge und tapferkeit mit ihnen wetteifern können? Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 145; er muszte sichs eingestehen, dasz er nicht wohlhabend genug sei, mit den kavalieren ... im aufwande zu wetteifern Holtei
erz. schr. (1861) 23, 79; an kostbarkeiten konnten die Römer mit den alexandrinischen schAezen nicht wetteifern wollen Niebuhr
röm. gesch. 3 (1843) 641; seit wir ... darauf verzichtet haben, schöpferisch mit jenen generationen zu wetteifern H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 36.
mit nennung des erstrebten zieles (wetteifern um): ... wir wollen in steter erwartung künftig wie vor, um den preis wetteifern J. H. Voss
Odyssee 2, 207
Bernays. 55)
mehr zur bezeichnung der intensität einer handlung, ohne dasz noch ein bewusztes streben deutlich wird (
vgl. 1wette C 4 b
β,
εε): wetteifernd höhnt mit herbem spotte den eingebrachten fang die rachbegierige rotte Schiller 6, 350
G.; und seinerseits wetteiferte Alba mit seinem könige in der grausamkeit
ebda 4, 101; frauen und mädchen wetteifern keck und ohne scheu über ihre nun einmal anerkannten zustände Göthe I 40, 267
W.; im ausgelassenen lachen wetteiferten die beiden jungen frauen miteinander Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 289. 66)
vom menschlichen verhalten her auf vorgänge in der natur, auf sachl. und abstrakte zusammenhänge übertragen: daher musz der erzählende theil eines epischen gedichts in der lebhaftigkeit und richtigkeit seiner schilderungen mit der mahlerey wetteifern
allg. dt. bibl. (1765) 4, 1, 198; sie kamen aus einem kühlen wald heraus, wo die grasemücken, amseln und nachtigallen in gesängen wetteiferten Miller
Siegwart (1777) 1, 13; tugend und grazien wetteiferten sich selbst zu übertreffen, und Franziska ward! Schiller 1, 45
G.; notenstich, titelblatt, sodann der allerherrlichste einband wetteifern mit einander die gabe stattlich zu vollenden Göthe IV 39, 231
W.; lasse ich mich täglich ... auf diese zinne bringen, welche mit allen schönen aussichten um Jena wetteifert
ebda 29, 42; er (
der roggen) wetteifert mit der gerste um die nord- und höhengrenze des getreidebaus überhaupt Hoops
waldbäume u. kulturpfl. (1905) 637.
beim vergleich bestimmter eigenschaften, beim abwägen einzelner vorzüge wird ebenfalls gern die vorstellung des wettstreits wachgerufen (
vgl. wettstreit 7, wettstreiten): eine junge rose wetteifert in ihren blonden haaren mit dem jungfräulichen incarnat ihrer wangen Pfeffel
pros. versuche (1810) 7, 186; plötzlich erschienen die nymphen des waldes und erhoben die hände, die mit jungen blättern wetteifern an weichheit und schöne J. G. Forster
s. schr. (1943) 9, 237; ein tafelgebirge, wetteifernd mit dem steinernen meere, wenn nicht an ausdehnung, so doch an öde und zerrissenheit Barth
Kalkalpen (1874) 72; ein gemälde, das diesen zierrath (
den schmuck d. orients) mit frischen ... farben ausdrückt, kann mit der natur wetteifern Herder 16, 75
S.; eine kleine goldene uhr, sehr zierlich gearbeitet und so flach, dass sie fast mit einer münze wetteifern konnte Stifter
s. w. 4, 1 (1911) 213; die anmuth ihres betragens schien mit der beblümten erde, und die unverwüstliche heiterkeit ihres antlitzes mit dem blauen himmel zu wetteifern Göthe I 28, 15
W.; ein höchst zusammengesetztes mit einem zweige wetteiferndes blatt wird entwickelt
ebda II 6, 34; es ist wahr, dass die schottische hauptstadt unbedingt an schönheit mit neapel wetteifern kann Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 228.