werkeltag,
m.,
dies profestus; formvariante von werktag (
mhd. wërctac),
die im mndl. (werkeldach)
und mhd. (
md., s. u.)
als nebenform aufkommt, im mnd. jedoch als alleinige form (werkeldach)
bezeugt ist, vermutlich mustern wie mndl.-mnd. bedel-dach '
bet-tag' (
zum vb. bedelen)
folgend, obgleich weder im mndl.-mnd., noch im mhd. (
md.)
ein verbum werkeln
nachweisbar ist (
weitere fälle bei Schönfeld
hist. gramm. van het nederl. [
51954] 181).
mundartlich ist, wie zu erwarten, werkeltag
für die östlichen dialekte des niederländischen (
s. Verwijs-Verdam 9, 2, 2264),
das nordfries. (
s. Jensen 692; Möller 298)
sowie den nd. raum bezeugt (warkeldag
für das ostfries., schlesw.-holst., oldenburg., kalenberg-stadthannoversche, mecklenburg. sowie samländische; werkeldag
für Aachen, Köln, Cronenberg, Elberfeld, Barmen sowie Westfalen, Waldeck und Berlin),
darüber hinaus nur vereinzelt für das md. (wärgeldagh Christa
Trier 216; wärkeltach Jecht
Mansfeld 121; werkeltag Anton
Oberlausitz 6, 5),
nicht jedoch für das obd., das werkeln
als vb. kennt (
s. dort),
aber werktag
bevorzugt (
hierzu auch Kretschmer
wortgeogr. 583
ff.). —
die frühesten hd. zeugnisse finden sich in md. quellen: di mitelinge begeren und wunschen, des wil ich weren, der werkeltage ane haz, nicht durch di erbeit, wizzet daz, sunder durch lon, des sy beiten und ir werk dor uf bereiten (1338)
buch Hiob 5387
Karsten; allis das oppfer daz ... czu heiligen cziten adir czu werkeltagen adir sust in andirre wize gegebin adir geoppfert wirt ... das sal den armen luyten vnd dem spital czu hlfe komen (
um 1400)
zus. z. Erfurt. statuten, bei Walch
verm. beytr. z. d. dt. recht 2 (1772) 53; auch szal eyn iglicher wirgker alle ... werg lasszen und nicht ehir wider underlegen, dann nach uszgange des sontags ader andern heiligen tags, nemlich uff den wergkeltag fruhe, wann man zur fruhemessze luthet (1475)
thalordnung des erzbischofs v. Magdeburg, bei M. Spittendorff
denkw. d. Hallischen rathsmeisters 133
Opel (
vgl.: dt. stadtr. d. mtas. [1852] 173
Gengler); vnnd der selb sabbat ist nü vnsz ynn den sontag vorwandellt, vnnd die andernn tage heysszenn werckel tage, der sontag heist ruge tag odder feyrtag odder heylig tag (1520) Luther 9, 268
W. u. ö. (
vgl. 6, 229; 17, 2, 69
und 47, 830); da aber die prediger ... nicht zeit hetten, den catechismum auff den sonntag zupredigen, so sol es auff einen werckeltag geschehen
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 39; weil ... nach den langen sechs werckeltagen der ewige siebende vnnd ruhtag anbrechen wird Mathesius
Sarepta (
Nürnberg 1571) 174
b; man der fest- und feyertag schier mehr ... macht als der werckeltag Dannhawer
catech. (1657) 1, 513; er feirt die werkeltag' und ziehet auf die jagd, wan uns ein festtag heisst den gottesdienst besuchen (
druck v. 1700) J. Grob
epigr. 216
lit. ver.; so noch bei neueren —
nord- wie süddt. —
schriftstellern, wenngleich werktag
die normalform der nhd. schriftspr. geworden ist und werkeltag
schon bei Adelung
mit der bemerkung '
im gemeinen leben' (5 [1786] 185)
abgetan wird: ist es jemahls erhOert worden, dasz die thiere einen unterschied zwischen feyer- und werckel-tagen beobachten? Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 250; mit bitte mich an feyer-, sonn- und werckeltagen immer mit gleicher gunst und neigung zu erfreuen (23. 3. 1816) Göthe IV 26, 304
W. u. ö. (
vgl. I 16, 293; 21, 80; 35, 31; 39, 128; 43, 2, 214); auch find' ich am sonntage viel schönere gesichter als an den sechs werkeltagen, die alles im schmutz vermummen Jean Paul
w. 1, 328
Hempel; zur zeit, wo ich die werkeltage in der ... Franziskanerklosterschule ... zubrachte Heine
s. w. 7, 479
E.; ich trete in protestantischem lande nicht gern an werkeltagen in solch ein heiliges gebäude (1860) W. Raabe
s. w. I 3, 379
Klemm; der sohn eines schuhflickers, der mir an werkeltagen bei meinem räuber- und soldatenspiel die vortrefflichsten dienste leistete Storm
s. w. 2 (1920) 9; ... dasz man die sorgen der werkeltage am besten trifft, wenn man sie mit humor behandelt L. Thoma
ges. w. 2, 10; es ist ein werkeltag Werfel
Bernadette (1948) 395.
bei zeitangaben findet sich nicht selten ein adverbieller genitiv (werkeltags): des werkeldaghes schal id wesen de leste misse in der kerken (1379)
urk.-b. d. st. Lübeck 4, 392; des werckeltags trug er ein grawlechtes kleid vom besten tuch Bastel v.
d. Sohle
don Kichotte (1648) 14; ich ... seh wie er ... weder werkeltags noch sonntags eine minute nachläszt Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 182; die angesehenste bürgerstochter, die am sonntag auf dem schützenhof tanzt ..., fährt werkeltags ... das futter heim O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 28;
oder akkusativ: doch werkeltag und sonntag leider zieh' ich den alten flauszrock an! J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 163; mein ehrwürdiger vater ... arbeitete ... tag ein und tag aus, sonntag und werkeltag, bis die finger nicht mehr die feder halten konnten Goltz
b. d. kindheit (1847) 218; die glücklichen wesen, ... welche mit der unerträglichsten, selbstzufriedenen emsigkeit die werkel- und schmutztage hindurch fuseln und schlampen (8. 7. 1843) G. Keller
br. u. tageb. 2 (1916) 103
Erm.; er (
der porzellanarbeiter) zählt sechsunddreiszig jahre, darunter dreiundzwanzig in weiszem staube, der ihm jeden werkeltag antlitz und kleid mit bleichem totenglanz überdeckt G. Freytag
ges. w. 16 (1887) 232.
metaphorisch und in dichterisch belebter darstellung auch: wer die augen und die ohren werkeltage halten lAest und die zunge feiren heisset, thut gewisz das allerbest (1678) J. Grob
epigr. 109
lit. ver.; so sei's nun in des lebens werkeltag aus meiner nordisch heil'gen nacht geschritten! (1809
an Fichte, nach vollendung der Nibelungentrilogie, der held des nordens) Fouqué
w. 2, 206
Ziesemer; da wandeln die sonntagskinder anderer völker ... sie säen nicht, sie spinnen nicht ... in dem lande aber zwischen den Vogesen und der Weichsel herrscht ein ewiger werkeltag, dampft es immerfort wie frischgepflügter acker (1865/67) W. Raabe
s. w. II 1, 384
Klemm; durch die fabrikstadt schlich der werkeltag Arno Holz
in: mod. dichtercharaktere (1885) 143
Arent-C.-H.; zum erstenmal sah ein werkeltag, dasz auf des schreibpults leder verstaubt und still das hauptbuch lag
qu. a. d. j. 1927;
selbst wendungen wie der werkeltag des 17. jhs.
begegnen vereinzelt: inzwischen (
nach der zeit Shakespeares) hatte der werkeltag des 17. jahrhunderts begonnen; ungeheure kämpfe zerrütteten staat und kirche (
in England) Treitschke
hist. aufs. (1886) 1, 4.
andererseits —
mit zurücktreten des gegensatzes zu sonn-, feier-, festtag
und besonderem bezug auf werke(l)n —
auch vereinzelt im sinne von '
arbeitsreicher tag': früh kriegs comm. nachher conseil, war ein werckeltag (25. 2. 1779) Göthe III 1, 80
W.