weinkauf,
m. mhd. wînkouf
mhd. wb. 1, 867
b; Lexer 3, 908; Haltaus 1 (1758) 2057
f.; Scherz-Oberlin 2 (1784) 1972
f., mhd. nd. wînkôp Schiller-Lübben 5, 728
f., mnl. wijncoop Verdam 693
a,
nnl. wijnkoop,
dän. viinkjøb. AA.
entspr. den versch. bed. von kauf (
th. 5. 315
ff.)
ist w.
stets möglich als '
preis des weins', '
handel mit wein', '
einkauf von wein': wînkouf ûf dem lande oder ûf dem markt zu Würzburg
polizeigesetzb. bischofs Otto
v. Wolfskehl (
Würzb. 1343) § 4
Ruland; darumb tuon wir in den satz chunt, das sich unser puriger darnach rihten mit irem weinchauffe
stadtrecht v. München 287
Auer; die köngischen taler künftig in weinkauf umb anderthalb und zweinzig batzen nemmen zu lassen
Würtemb. landtagsakten 2, 2, 344 (1603); darnach sich in wein-kauff und -verkauff zu richten Hohberg
georg. cur. 1 (1682) 130.
diese niemals häufigen gebrauchsweisen in den wbb. von Schwan 2 (1783) 1023; Adelung; Campe; Heinsius.
der fast nur hier gangbare plur. bedeutet '
weingeschäfte': die weinkäufe im Rheingau werden meistenteils durch vermittelung des kommissionärs zustande gebracht E. Kayser
weinbau (1906) 37. BB.
fest geworden ist weinkauf
wie lei(t)kauf (
th. 6, 693. 739)
in der bed. '
trunk oder schmaus'
zu bestätigung oder feier eines kauf- oder tauschgeschäfts (
bes. um liegenschaften und vieh),
eines vertrags oder verlöbnisses. hier steht es als wort des südwestens, westens und nordens dem wenig jüngeren, wesentlich bair.-östr. und ostmd. leitkauf
gegenüber. die begriffsbestimmungen sind (
wie bei rechtswörtern gern)
schon früh gut: weinkauff, nummi bibales, sumtus vini in contrahendo negotio consumti Th. Haym
jur. lex. (1738) 1328;
ausführlicher Jacobsson 8 (1795) 172
a. B@11)
in umschreibungen erscheint die sache seit 1218: ostendi hanc scippinam et sicut moris est galedam vini ibi biberunt omnes, ut testimonium et recordationem facte rei perhiberentur
urk. v. Churwalden schweiz. geschichtforscher 1, 488; ad confirmationem igitur omnium premissorum fratres vinum testimoniale dederunt sollempniter
urk. v. kloster Eberbach 1243
bei F. J. Bodmann
rheing. alterth. 2 (1819) 662; sus sluoger si im in die hant. nâch guotem wîne wart gesant: den trunken si Stricker
Amis 2135
Lambel; du (
der wein) machest stæte manigen kouf
weinschwelg 121.
das wort selbst scheint nicht vor 1256
aufzutreten, zuerst in Hessen und Westfalen: villanis in Hole, qui wînkouf biberunt, vulgare jus, quod lantsidelenrecht dicitur, faciet H. B. Wenck
hess. landesgesch. 3
nr. 141; (
bei einem verzicht) presentes fuerunt testes, qui ob evidenciam premissorum biberunt vinum, quod vulgariter dicitur wînkôp
westf. urk.-b. 3
nr. 920 (1272).
landschaftlich ist es bis heute weit verbreitet: wîchauf
schweiz. id. 3, 167;
els. winkauf Martin - Lienhart 1, 426;
schwäb. weikaof, -gof H. Fischer 6, 619
f.; fränk. winkoff Schmeller 2, 927;
oberhess. wenngoff, -guff Crecelius 901;
thür. wînkef Hertel 256;
wald. wînkaup Bauer-Collitz 112;
altmärk. wînkôp Danneil 247. B@22)
die rechtsgeschichtliche auffassung des weinkaufs
ist umstritten: H. Brunner
d. rechtsgesch. 2 (1892) 392; Eug. Huber
schweiz. priv.-recht 4 (1893) 833. 850
f.; Amira
gött. gel. anz. 1896, 205; J. Grimm
rechtsalt. 1 (1899) 264; R. Schröder
lb. d. d. rechtsgesch.6 (1922) 92. 326. 396. B@2@aa)
einhellig geht man von der arrha
aus, die den kauf festigt und unwiderruflich macht. sofern sie der empfänger zu frommen zwecken verwendet, wird sie zum gottespfennig,
wenn er sie mit freunden vertrinkt, zum weinkauf.
sinngemäsz stehen die versch. ausdrücke nebeneinander: so we so deme anderen gift des hileghen gheystes penninch up enen koop oder up en lovede, dat is also stede alse he hebbe den litkop (1348: winkop) gegheven
a. lüb. recht 306
Hach; haben meine herren die ... erbrhenten zu Noeten ... acquirirt, darfur ime zallen lassen 320 ½ thl. ... gotzheller 10 a.; weinkauff 3 g. 18 a.
urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 191
Scheins (1617); arra/ein weinkouff oder pfant oder ein gotzpfenning
gemma gemm. (
Straszb. 1508) b 4
d; arra, arrhabo / gadesgelt, wynkop, hafftpenning, pandtschillinck Chyträus (
Rostock 1594) 462. B@2@bb)
es liegt im wesen des w.,
dasz er dem käufer verloren geht, falls er vom kauf zurücktritt: so weinkauff oder ein gotzheller ... auff den kauff gegeben were: will dann der kauffer abtretten, soll er verlieszen den auszgegeben w. oder gotzheller
d. stat Worms reformation (1513) 57
a;
entspr. vollst. slg. d. württ. gesetze 4, 297 (1567);
württ. zehendordn. (1650) G.
er wird bei gericht hinterlegt, wenn ein dritter das rechtsgeschäft anficht: (
ein heimkehrender erbe, der sein gut verkauft findet, soll) den w. hinter das recht legen und solches darnach rechtlich ... austragen
weisth. 3, 551 (
Lohr 1552).
tritt der verkäufer zurück, so wird der käufer durch bes. gesetz vor schaden bewahrt: doch das sy dem B. allen costen mit dem wynkouff, werchen und anderm ... widerumb bezalind
Höngger meiergerichtsurt. 54, 31
Stutz; der verköuffer ... (
soll) dem käuffer den w. oder die empfangene arrham doppelt herauszzugeben und zuerstatten verbunden sein
bad. landrecht (1622) 4, 8. B@2@cc)
bei gröszeren käufen wird der betrag des w.
ausdrücklich festgelegt, so zuerst im fruchthandel: item in junio (1426) emfangen 13 leste terwen (
weizen) ... hieruff ungeld (
spesen): winkouff 2 schilling 2 pfennig, toll 3 schilling
handelsrechn. d. d. ordens 487
Sattler; (
ausgaben:) x schillinge als Ludewig zu zweyn malen gen Frideberg nach dem habern (
bei einem haferkauf für die stadt) verczerte. item vj schillinge gab er davon zu winkeuffe
Frankfurts reichskorr. 2, 52
Janssen. entspr. beim viehhandel: da wards (
das pferd) von etlichen beschritten, bedrabt, besehn und auch beritten. zum schlafftrunck handeltens von sachen, wie sie den weinkauff wolten machen Waldis
Esopus 2, 89
Kurz, beim kauf von liegenschaften: wo dan mir decretirt worden, dasz ich dem
M. alsz khäuffer seine ausgegebenen 180 fl. nebst dem weinkhauff erlegen solle, ich dan possession im Gaiszbach von der spitelbühnd habe oder nemmen solle
F. C. v. Grimmelshausen (1711)
zs. f. bücherfr. 1910, 68.
die summen sind unter umständen beträchtlich: de wynkopp schal syn twe hundert gulden
urk. Oldenburg 1486
bei Schiller-Lübben 5, 729
a.
seit dem 17.
jahrh. werden sie in hundertsätzen des preises ausgedrückt: w. der accinszen musz ieder pfachter von iedem hondert einen zahlen
urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 307
Scheins (1665); wir können uns 10 pro cent zum weinkaufe von dem neuen käufer bedingen J. Möser
patr. phant. 2, 100.
die entwicklung im kleinverkehr führt w.
in die nähe des trinkgelds: 30 hll. umb 3 masz wins dem floszer zu winkauf, der latten bracht K. Bücher
Frankf. berufswb. 45
b (1413);
entspr. Bluntschli
staats- und rechtsgesch. v. Zürich 2 (1839) 269
f. B@33)
die sprachliche bed. von w.
wird bestimmt durch sinn und schicksal der beiden worthälften. B@3@aa)
kauf in w.
bedeutet (
wie auch in hand-, leit-, markt-, reu-
und unterkauf,
s. d.) '
kaufmittel, preis',
das hat vor R. Hildebrand (
th. 5, 319)
schon Phillips
richtig gesehen: gel. anz. hgg. von mitgl. der bair. akad. 1844
nr. 76
sp. 611.
gelehrte, die vor ihm von der heute gangbarsten bed. des wortes kauf
ausgingen, muszten sich (
wie Westenrieder 1816, 661)
wundern, dasz es nicht vielmehr kaufwein
heisze (
das in alem. chaufwîn
thatsächlich vorhanden ist). Mone
zs. f. gesch. d. Oberrh. 19 (1866) 269
wollte von mlat. vinicopium
ausgehen, das er irrig aus vini copiam facere
herleitete, während es aus wînkôp
gebildet ist. B@3@bb)
dasz wein zum w.
getrunken wird, ist selten ausdrücklich bezeugt: sehs schilling heller ze winkouf umb ein viertel wins
monum. hohenbergica 492 (1360).
im alten weinland versteht es sich von selbst und tritt höchstens in begrenzenden bestimmungen zutage: sol man mit namen nit mer winkoufs machen uff baid sitten danne vier mosz wins ungeverlich
zs. f. gesch. d. Oberrh. 15, 144 (
Wimpfen 1404);
entspr. weisth. 3, 772 (
Bacharach 1498),
oder wo ein bes. guter wein vereinbart wird: wöllend wir ein trunck malfasier thuon, darbey einen w. beschlieszen Wickram 2, 245
Bolte. im bierland wird kaum je wein genannt: mwestf. wînkôp '
wein, der bei verkäufen getrunken wird' Woeste 325.
hier tritt, wie mnd. bêrkôp Schiller-Lübben 1, 248
f. und wînkopesbêr 5, 729
bezeugen, bier neben den wein: 3 mark gegeven her
M., do he dede de wynkope, vor wyn und beer
staatsbürgerl. mag. hgg. v. Falck 9, 463 (1471),
oder ersetzt ihn ganz: do geve wy em 1
gr. tho bere tho wynkOepe
brem. jahrb. 2, 273;
entspr. Westphalen
mon. inedita 1 (1739) 2032
f. zum trunk tritt schon 1339
der schmaus: wen wer den winkope doeit, schal men de tafeln decken unde geven veer richte
brem. jahrb. 2, 503 (1339); pro vinicopio solle h. burgemeister ... iedem herrn des rhatts 1 q. guten virren weins und 1 weiszbrot uffm rhattshausz hergeben
urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 441 (1683)
Scheins. seltsam eine als trockener w.
bezeichnete sachleistung: ahnstatt truckenen w. solle ein new gut gebünn uf den speicher machen laszen und einen guten yseren stubenoffen kauffen; fur naszen w. den herren eine gute portion weins
das. 1, 442 (1683). B@3@cc)
wesentlich für den w.
ist, dasz dabei die zeugen unentgeltlich mittrinken: (
wilde leute sitzen beim wein, einer verkauft dem teufel seine seele:) ich gibe siu dir umbe ein pfunt. dô sprach er: sô wil ich siu haben, und zalte ime die pfennige und gap in den wînkouf. und dô sie getrunken ...
Germ. 3, 412.
darum halten ländliche kreise nam. beim viehhandel daran fest: die bawern kommen auch zuhauff und halten gern ein weinkauff eins ochsen halben, der zeucht wol, bisz das sie werden vol und tol Er. Alberus
praec. mor. (1562) D 2
b; sie fanden schon viele leute, die am freitrunk des weinkaufs teilnehmen wollten B. Auerbach 2, 135; schwinnswînkef Hertel
Salz. (1893) 50.
es ist der einzige anlasz, bei dem auch der enthaltsame einmal zu einem trunk kommt: (
ein weib) verhiesz kein wein zuo trincken, es wer dan das sie etwas het kaufft oder verkaufft, so wolt sie den w. zuo trincken uszgenumen haben Pauli
schimpf u. ernst 191
Bolte. so wird der w.
zur ausgiebigen zecherei und erwünschten causa bibendi: es dörffte einen zimlichen schmausz da setzen, vornemblich weil sie schon vier masz w. zum besten hatten Grimmelshausen 2, 416
Keller; darum hatte er die Sonne gekauft, sich beim weinkaufe der unbändigen trinklust hingegeben Auerbach
dorfgesch. 4, 274.
behörden schreiten ein: ist demnach unser ernstlicher bevelhe, das hinfuro sollich weinhandlunge vermitten und auch des worts w. nit gedacht werde
oberrhein. stadtr. 1, 1, 44 (
Wertheim vor 1528),
sittenrichter urtheilen ab: alsbald schluogen sy einandern den kauff zuo. do waren von stund an gesellen, die druncken den w., damit der tausch bestetigt ward, wie man dann im Elses ein sunderen bösen brauch hatt Wickram 3, 75
Bolte, zumal auf alem. boden: Moscherosch
insomn. cura (1643) 111
ndr.; H. J. Leu
eidgen. stadt- und landrecht 3 (1730) 384.
vereinzelt bleibt demgegenüber ein empfehlendes wort für den ehrwürdigen brauch: bei uns Deutschen war es ja so lange herkömmlich, dasz ein trunk jedes geschäft abschlosz, und es gab keine verlobung, keinen handel und kein pactum, das nicht ein w. begleitete Gervinus
hist. schr. 7 (1838) 175; es ist von je der brauch gewesen, dasz man w. macht bei einem guten handel Gotthelf 17, 250. B@44)
hier immer handelte es sich um kauf und verkauf. von dieser seiner häufigsten und sprachnothwendig ursprünglichen verwendung ist w.
übertragen auf miethe und verlöbnisz. B@4@aa)
beim abschlusz von mieths verhältnissen wird der arbeitnehmer durch den w.
zum empfänger einer gegenleistung, die ihn an seinen vertrag bindet: Eug. Huber
schweiz. privatr. 4 (1893) 833.
zurücktreten nach dem w.
wird als vertragsbruch geahndet: welh burger ... ainen knecht oder mägt dingot und den winkouf git, wölt denn der selb kneht ... ane urloub von ir herschaft gieng und den winkof wider gebe, so sol ... der selb knecht ... ain jar von der stat sin
württemb. gesch.-quellen 8, 75 (
Ulm vor 1376); wel ene knecht of maget wint, ende se die wynkop ontfangen, soe sind se schuldich to denen
fries. rechtsqu. 270 § 10
Richthofen. werden handwerker derart verpflichtet, so wird der w.
zum abgegrenzten trinkgeld: item Koken 1
gr. tho wyncope, do wy myt eme vordroghen umme den muschelenkallik tho vorende
brem. jahrb. 2, 277; dem meilre dat hospitaill zu maillen 9
m., zu winkouf 4
s. urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 145
Scheins, so wol stets in neuerer zeit: wienkoop heiszt (
in Ravensburg) jedes geld, das auf die hand gegeben wird, als bey mietung einer magd, eines hauses Klein
prov.-wb. 2 (1792) 232.
ein trunk bleibt der w.
zwischen bauherrn und gewerken: ich komme aus einem wirthshausz, da ich ihnen den w., von einem hausz das ich bawen lassen will, bezahlt habe Martin
parlement (1637) 167,
sowie zwischen meister, gesell und lehrling: wie er in nun het angenommen, des lohns halb uberein warn kommen, zum weinkauff gab er vier masz wein Waldis
Es. 2, 181
Kurz; wann einer ein lehrknecht dinget, sollen zween unpartheisch meister bei dem wein khauff sein, disem oberzelltenn allem zu gezeügnusz
württ. jahrb. 1875 II 204 (
Rottweil 1566).
auf nd. gebiet wird der w.
in seltsamer umkehr von dem arbeitnehmer gespendet: wan ein lehrjunge von einem meister angenomen wirt, soll er alsbalt der frawen einen gebürlichen winkauf nach altem gebrauch geben, womit also der eine an den andern verbunden Krumbholtz
gewerbe d. st. Münster 419 (1631); der wein- oder leihkauf, welchen das (
schiffs-) volk bei annehmung gegeben, wird ihnen jetzo wiederum geschenket Zorgdrager
grönl. fischerei (1723) 409;
entspr. J. Möser 1 (1774) 167.
sinngemäsz ist diese richtung des w.
bei freilassung von hörigen: dat wy hebben vryg gelaten unsen vulschuldighen eghenen knecht vor enen mogeliken wynekoep
Oldenburger urk. von 1481
bei Schiller-Lübben 5, 729.
tritt auch hier ablösung ein, so wird der w.
zur nachlaszabgabe beim tod des hörigen: der hauptmann ... zog ... bey der einführung des erben eine erkenntlichkeit, welche jetzt die auffahrt oder der w. genannt wird J. Möser
patr. phant. 2, 105;
entspr. 2, 112. B@4@bb)
aus der hauptbed. '
bestätigung eines vertrags durch trunk'
verengt ist die bed. '
verlöbnisz',
zuerst in Frankfurt a. M. 1526: hat eyn lutherischer prediger ... eyner witfrauen ... dochter zu der ee genommen und den winkauf mit danzen und springen gedrunken W. Königstein
tageb. 106,
gebucht zuerst in der Wetterau 1540: convivium ante nuptias / der herrlich weinkauff Alberus S 2
a.
nachmals greift der ausdruck weiter nach osten und süden: soll, ob er ... uxorirt hab, w. getrunken Amrhein
ref.-gesch. mitteilungen aus Würzburg 52 (1566); sponsalia, dona ante nuptias data / versprechen, handstreicher, winckauff Frischlin
nomencl. (1594) 346;
entspr. Dannhawer
cat.-milch 3, 289;
ped. schulfuchs (1673) 31.
hauptgebiet bleiben doch Frankfurt a. M.: zs. f. d. kulturgesch. 1 (1856) 65; Agyrtas
grillenvertr. (1670) 127; Estor
rechtsgelahrt. 3 (1767) 1422,
Rheingau: der tag der verlobung, die man ... auch handstreich oder w. nannte Riehl
nat.-gesch. d. volks 3, 239,
und Westerwald: zs. des vereins f. volksk. 13, 382.
von da in den wbb.: Kehrein
nass. 446; Crecelius
oberhess. 901; Bauer-Collitz 112. B@55)
übertragener gebrauch findet sich zuerst um 1295
am bad. Oberrhein, vom pakt mit sünde und teufel, der tod und höllenstrafe einbringt: angest grôʒ unde zitter mac wol der sünder haben: wîp, man, juncfrowen, knaben getrunkin hânt den wînkouf. eʒ ist ein gemein louf. ôwê daʒ ich in ie getrank, des ist mîn froude iemer crank. den wînkouf lieʒ ich gerne varn Hugo v. Langenstein
Mart. 318
Keller. entspr. ist das. 214, 101
und 275, 26
der tod der vertragsgegner, dem der sünder durch w.
unentrinnbar verfallen ist. nach Hugos vorbild braucht früh im 14.
jahrh. das gedicht v. d. lebens nichtigkeit (
Lassbergs lieders. 3, 574, 72) w.
vom verhältnisz zu sündenfall und erbsünde, doch auch noch im 16.
jahrh. von der todgeweihten menschheit: welcher aber klagt über ein menschen, das er gestorben sey, der klagt darüber, das er ein mensch gewesen ist: sy haben all ein w. getruncken
M. Herr
sittl. zuchtb. (1536) 126
a;
entspr. Waldis
Es. 1, 315
Kurz; Wickram 4, 152
Bolte. hier mündet der übertragene in sprichwörtlichen gebrauch, der in der formel: der w. ist getrunken (Brant
narrensch. 85, 17
Z.; Murner
schelmenz. 37, 35;
geuchm. v. 876)
das unentrinnbare, unwiderrufliche einer abrede herausstellt. werthvoll der redende beleg: est vulgatum proverbium (wir haben den w. getruncken) Geiler
serm. 112
a.
jüngere sprichwörter zahlreich: nirgends besser käuff es gibt, als wo man weinkäuff gibt Fischart
Garg. 395
ndr.; entspr. Lehman
flor. 3 (1662) 245; he verköpet ne im sacke un giət em dann vam wînkôp te drinken Woeste 325; kein handel ohne w. Borchardt-Wustmann (1895) 206; tau jedem koop hürt winkoop O. Weise
uns. mundarten (1910) 166.