webstuhl,
m. wie weberstuhl (
s. d.)
das gerät, an dem der weber sitzt; die form tritt ungefähr gleichzeitig mit weberstuhl
auf (
liciatorium, ein wepstuol
gemma von 1508
o 5
b),
ist aber im älteren nhd. ziemlich selten; in wörterbüchern erscheint zuerst 1702
bei Kramer
d.-ital. 1023
c webstul
neben weberstul, Ludwig
hat auszerdem noch webestuhl (
bei Adelung
fehlen beide formen);
in der 2.
hälfte des 18.
jahrh. tritt webstuhl
und webestuhl
häufiger auf, bis die erste form den sieg davon trägt, doch begegnet webestuhl
noch im 19.
jahrh. gelegentlich bei dichtern (Göthe, Schiller, Uhland, Rückert, Mörike, Geibel),
in prosa ist es jetzt ungewöhnlich (
z. b. Karmarsch-Heeren
3 10, 553);
auch ndl. weefstoel,
schwed. väfstol: das man auch denselben schwestern (
beguinen) ain zal webstül bestimme zu haben und nit darüber Reyscher
sammlung d. württemb. gesetze 12, 25 (1515); lange stainine webstl Schaidenraiszer
Odyssee (1537) 55
b; darnach wird der zettel an webstul angeschirret
Agricola bergwerckbuch durch Bech (1621) 11; solte er aber bösz garn am webstuhl haben
Schlettstadter stadtrechte 2, 1004 (1628)
Gény; in unübersehbarem unterirdischem geschosz waren webestühle ohne zahl Chamisso 4, 222; wo ein webstuhl steht, kann keine hobelbank stehen Immermann 2, 51
Hempel; auf, zum gemach hingehend, besorge du deine geschäfte, spindel und webestuhl. Voss
Odyssee5 1, 358; auch webstühle von stein sind drinnen gestrekt, wo die nymfen schöne gewand' aufziehn. 13, 107; wie wird die reiche Lydierinn den busen jammernd schlagen, und wird's der stolzen Phrygerinn am webestuhle klagen! Schiller 6, 191 (
Iphigenie in Aulis 3, 5); die still' in deinen kammern taugt dir nicht, und nicht des webstuhls einfach dumpfer gang. Fouqué
held des nordens 1, 141; ich möchte meine reben als winzer ziehn für mich, auf eignem webstuhl weben das kleid für mich und dich. Rückert
werke 1, 599; aber nun schweiget sie längst (
die Muse), die am winterkamin, bei der schnitzbank oder am webstuhl dichtendem volkswitz oft köstliche nahrung gereicht. Mörike 1, 120 (webestuhl 3, 120). der webstuhl saust, klappert, schnurrt, steht still, ruht: der webestuhl saust nicht mehr zu den fleiszaufmunternden liedern Klinger 4, 212; in den meisten dieser häuschen klapperte der webstuhl v. Polenz
der pfarrer von Breitendorf 229; in China spannen die seidenwürmer, in Schlesien schnurrten die webstühle Seidel
Leberecht Hühnchen 169; die webstühle stehen still Bettine
dies buch gehört dem könig 2, 539; der webstuhl ruht (
bei den groszen feldarbeiten) O. Ludwig 2, 28. am (
früher auch: auf dem) webstuhl sitzen, sich an den webstuhl setzen, an den webstuhl treten: sonder sie sasz auff dem webstuhl. Spreng
Ilias 313
b; Katherine ... sasz am webestuhl und webte den drell J. Möser
werke 1, 214; wenn er wieder an seinen webstuhl sasz (
sich setzte) und das schifflein und die fäden durch den zettel schosz Hebel 2, 251
Behaghel; habe mich an seinen webstuhl gesetzt und an dem rothen tuche fortgewebt Brentano 4, 104; dann tritt sie an den webestuhl und wirft mit reger hand dle spul'. Uhland
ged. (1898) 1, 275. etwas kommt vom webstuhl, etwas vom webstuhl bringen: bei der liebe hilft kein appretiren, wenn sie nicht schon glänzend vom webestuhl kömmt. Körner 3, 252 (
vetter a. Bremen 1); ungewalktes tuch, wie es vom webstuhl kommt (
loden) Karmarsch-Heeren
3 5, 625; allein so feines gold, so schöne seide ward zu Florenz vom webstuhl nie gebracht. Gries
Ariosts ras. Roland 1, 323.
übertragen vom gewebe der spinne: die spinn sprach nichts denn überaus: ich bin jetzt herr im gantzen hausz, schlag meinen webstul wo ich wil, stell überall der garn so viel, das ich mücken und leut drin fange. Eyering
prov. copia 1, 198.
von menschlicher geistes- und phantasiethätigkeit: im webestuhl der vorrede und mit den webeschiffchen werfend J. Paul
Quintus Fixlein 4; die breite erde war ein webstuhl rosenrother träume
flegelj. 4, 122; bis in den tiefsten grund, bis zu dem webstuhl des schaffenden geistes selbst, nachdringen Arndt
schriften 4, 304; schien es mir jetzt an der zeit, ... das nur erst grob angelegte gefäde meiner dichtung einmal ernstlich auf den webstuhl zu spannen H. Hesse
Peter Camenzind 242; und ist dies gedicht faden von seiner spule — oder gewirk von fremdem webestuhle? Rückert
werke 11, 267.
vom wirken der natur: sie (
natur) wars, die dem dichter vorarbeitete, und wenn mir der ausdruck erlaubt ist, in deren groszem webestuhl er wirket Herder 27, 195
Suphan. beliebt ist die vorstellung vom webstuhl der zeit: wenn liebe sich setzt an den webstuhl der zeit, so webt sie dem leben ein himmlisches kleid.
F. L. Stolberg 1, 276; in lebensnuthen, im thatensturm wall' ich auf und ab, webe hin und her! ... so schaff' ich am sausenden webstuhl der zeit, und wirke der gottheit lebendiges kleid. Göthe 14, ii, 32 (
Faust I, 508)
Weim. ausg.; ich stand am schnurrenden webstuhl der zeit wohl manches lange jahrtausend. Heine 1, 292
Elster; jahre kommen und vergehen — in dem webstuhl läuft geschäftig schnurrend hin und her die spule — was er webt, das weisz kein weber. 1, 444; es sitzt die zeit am groszen webestuhle. Geibel 1, 243.
von der geschichte: vor den völkern ... ist der grosze webstuhl der geschichte aufgestellt Görres 5, 12.
von der gottheit: jener unendlichen, unerschöpflichen liebe zu vertrauen, jener höchsten weisheit, die alle gestalten annimmt, und auch das, was uns thöricht scheint, auf ihren webestuhl einschlagen kann Tieck
novellen (1853) 8, 214.
vom leben: was in der woche am webstuhle des lebens keuchte, gibt sich am sonntag der freude und wo möglich dem lande hin Stifter 1, 100.
im els. kommt webstuel
auch für '
bett'
vor Martin-Lienhart 2, 593
b. —