wässerig,
adj. wasserhaltig, wasserähnlich, ahd. waʒʒirig (waʒʒirige Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 558, 58),
mhd. waʒʒeric,
mnd. waterich,
ndl. waterig,
engl. watery.
die umlautlose form ist noch bis ins 18.
jahrh. belegt: Ortolff v. Bayrlandt 49
a. Heyden
Plinius (1565) 431. Guarinonius (1610) 595. Pomay (1709) 337
b. Mendelssohn,
briefe die neueste lit. betr. 21, 141.
doch schon ahd. auch mit umlaut (weʒʒirgǒ Steinmeyer
gl. 1, 558, 57),
mhd. bei Megenberg (
neben waʒʒerig),
ferner wässerig
Tristrant 19, 2
Pfaff, wesserig
bei Luther, H. Sachs, Alberus,
schwankend wässrig S. Münster
cosmogr. 626
neben wasserig 13, wässerig Sebiz
feldbau (1579) 13
neben wasserig 11. 399.
der umlaut ist schon im 16.
jahrh. die regel. auch der ausfall des vocals der mittelsilbe findet sich schon bei Megenberg: wäʒriger 116, 36
neben wäʒeriger 376, 16,
auch wäʒrig 351, 32, wäszrigen Steinhöwel
Äsop 206
usw. der ausfall ist jetzt das gewöhnliche, besonders in den flectirten formen, die schrift hält aber den vocal meist fest. wässerig
und wässericht
sind in ihrem gebrauch zusammen behandelt; Campe,
auch Heyne,
unterscheiden wässericht '
dem wasser ähnlich'
und wässerig '
wasser enthaltend',
doch zeigt sich keine deutliche bevorzugung des einen vor dem andern für bestimmte bedeutungsschattirungen. 11) '
wasserhaltig'
und daran anschlieszende bedeutungen. 1@aa)
von wasser durchdrungen, durchschnitten, damit gefüllt oder vermischt; stärker als feucht: vergrabs ... in ein feuchten keller, der doch nicht wässerig sey Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 194. 1@a@aα)
von festen körpern gesagt (
vgl. auch ε). 1@a@a@11))
vom erdboden. 1@a@a@1@aα))
von wasser durchtränkt: wasserig erttrich,
labina. voc. theut. nn 2
a; wasserachtig väld Maaler 486
a; wässerichte wege Ludwig 2395; ht dich, das du kainen wäszrigen oder fast füchten aker seyest Steinhöwel
Äsop 206
Österley; an morastigen und wässerichten orten v. Fleming
der teutsche soldat (1726) 270; fyolke wechset lise nach siner arte wise. waʒʒeric ist ir bodim.
poet. bearbeitung des buches Daniel 1713
Hübner. 1@a@a@1@bβ))
von wasser durchflossen, wesserig,
fluminosus Alberus
dict. (1540) Zz 1
a; ein wässerige matten oder wisen,
riguum pratum Frisius (1556) 1162
b: lägert man sich ... in eim schönen, wässerigen wysental
quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 772
Baumann; du hast mir ein mittagsland gegeben. gib mir auch ein wesserigs (wasserbrunnen Kautzsch)
richter 1, 15; höre der herden dank, der sich aus wäszrigten thälern, von grasiger trift, vom hügel erhebt. Denis
lieder Sineds (1772) 233. 1@a@a@1@gγ))
mit wasser gefüllt: czu der kunst ..., darmite sy meynen unsere wasserigen berkwerck czu weldigen
urkundenbuch der st. Freiberg 2, 43, 26 (1379)
Ermisch; ein sehr groszer und wässeriger erdfall, welchen die daran gräntzende einwohner insgemein den see oder das seeloch nennen Behrens
Hercynia curiosa (1712) 84; (
man trifft den vogel) an den freien wasserlachen und wässerichten fuhrten Naumann
vögel Deutschlands 8, 91; man trockne sumpf und lachen, ein linder regen wird sie wieder wäszricht machen. v. Lohenstein
Cleop. 46, 458.
wasserreich: hat die statt den groszen und wasserichten flusz Erymanthum Xylander
Polybius (1574) 247. 1@a@a@22))
von anderem: sehr wäszrige schneeflocken, die aber schon aufgelöst waren, ehe sie den boden berührten Ritter
erdkunde 17, 1353; ein tiefes, gefährliches versinken in dem wässerigen schnee Stifter (1901
ff.) 2, 242. ein weysz wesseriger apffel
voc. theut. y 2
a; wässerige frucht Rondeau; eine wässerichte birne v. Platen
tageb. 1, 211; die kalte, stumpfe und wässerige pflanzenwelt des nordens Hehn
Italien 38. ist das die speis alzu hais und alzu wasserig ist Ortolff von Bayrlandt 49
a; im wässerigen, zu schnell gebackenen brote trennte sich krume von rinde Göthe 33, 92
Weim. ausg. 1@a@bβ)
von flüssigem (
vgl. auch ε).
von getränken, '
wasserhaltig, dünn',
auch '
verwässert': eʒ ist dreier lai wein. der êrsten lai ist wäʒrig und dünn, der ander erdisch und dick K. v. Megenberg 351, 32; dann im Tyroll keine wässerige, sonder mehr weinige ... wein wachsen Guarinonius
grewel der verwüstung 636; ein wässeriger, oder mit wasser getauffter, wein Ludwig 2345; ein ander wirt den gesten sein seczt auf ein schwachen, kraftlosen, wesrigen wein. H. Sachs
fabeln 3, 187, 13
Götze-Drescher; wäszrigte milch Zedler 21, 141; das elende frühstück von cichorienkaffee und wäszriger milch
fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. 2, 137.
in der chemie '
wasserhaltig, mit wasser verdünnt': wässerige salzsäure Liebig
handb. der chemie 1, 51. '
durch wasserzusatz bewirkt': wässeriger auszug
allg. d. bibliothek 4, i, 213. Liebig
chem. briefe 175, wässerige auflösung Oken 1, 34, lösung Muspratt 3, 393. 1@a@gγ)
von luft, dunst, nebel u. ä.: dâ ist der luft wäʒʒrig und fäuht K. v. Megenberg 99, 36; so vind wir in den luften waʒʒerig dnst
deutsche sphaera 10, 21
Matthaei; Freystadt vermischt sich mit keinen wässerigen und feuchten dunsten Rätel
Curäi chronica des herzogt. Schlesien (1607) 304; durch ... würckung der sonnen, so die irdischen wasserigen feuchte dämpff ... ausztreibt Sebiz
feldbau (1579) 399; dieser ring (
um die erde) bestand ohne zweifel aus wäszrichten dünsten Kant 8, 311. 1@a@dδ)
vom wetter, von der zeit '
regnerisch': so würt der winter im anfang kalt, wässerig Herr
feldbau (1551) 23
b; bey trockenem und wäszrichtem wetter v. Lohenstein
Arminius 2, 858
a; die vorhin trüben und wässerichten tage 1, 652
a; eine rede — zweifelsohne so kalt wie er selber, und so wäszricht, wie ein regentag A. G. Meiszner
Alcibiades 1, 118; ein trüber, wässerigt-nebliger octobermorgen Hebbel
tagebücher 1, 380; die bäche mit betulptem, buntem bord, vom wäss'rigen (
spongy) april verzieret.
Shakespeare, sturm 4, 1. 1@a@eε)
von theilen des menschlichen und thierischen körpers und von krankheiten. 1@a@e@11)) wässerige augen,
voller thränen (
vgl.wasser II E 1
e); wasserächtige oder überschieszende augen Frisius (1556) 636
b: dîe hochsten keyserynn sie bat mit wasserigen augen.
herzog Ernst 5415
Hagen; mit wässerigen und betrübten augen
buch der liebe (1587) 81
b.
als krankhafter zustand: daʒ ist den wäʒrigen augen guot und den kranken augen K. v. Megenberg 350, 26; ein bewehrt augenwasser, für röte und wässerige augen Gäbelkover
artzneybuch 1, 92; das runde wohlrasirte gesicht hochgeröthet, die kleinen augen entzündet und wässerig Rosegger
schelm a. d. Alpen 2, 168.
dann auch vom blick: der schneider ... hob die schweren augenlider halb empor, um einen wässerigen blick umher zu werfen Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 33.
von anderem unter weinen geschehendem: nach dem ihn seine mutter noch hundert mahl geküszt hatte, nahmen sie wiewol einen wäszrichten abschied v. Lohenstein
Arminius 2, 1142
b. 1@a@e@22)) einem wird der mund wässerig, einem den mund, das maul,
auch die zähne wässerig machen,
zunächst '
voll speichel' (
s.wasser II E 1
d und wässern): (
ein schmied, der) früchte mit brachte, und darmit den Bojen und Deutschen die zähne sehr wäszricht machte v. Lohenstein
Arminius 1, 733
b; (
Caraffa) machte sich über die confituren und den wein her, ... nachdem ihm das maul zuvor lange wässerich gemacht worden Kuhnau
musik. quacksalber 128
neudr.; Richard ... hat ihnen 's maul wässerig gemacht nach den dasigen citronen v. Holtei
schriften 23, 68.
dann übertragen '
begierig werden, machen': 1@a@e@2@aα)) o was ist das schönes! ich spühre dasz mir das maul ganz wässerig wird
sammlung v. schauspielen (
Wien 1764
ff.)
bd. 5,
d. theater s. 87. 1@a@e@2@bβ)) welches (
beilager) ich nur darum nicht beschreib, dasz ich dem leser das maul nicht wässerig mache Zend. a Zendoriis
winternächte 609. mit, zu,
besonders nach etwas: er wiese sie jenem nur von ferne, und machte ihm das maul ein wenig damit wässericht
mägde-tröster 3; (
das) machet ja schon ziemlich einem das maul darzu wässerig Prätorius
winterflucht 53; sie (
die republiken) machen ihren nachbarn das maul nach gleicher freiheit wässerig Leibnitz
deutsche schriften 1, 243
Guhrauer; (
ich) machte allen gästen nach den süszen gütern das maul wässerig Heinse 4, 97
Schüddekopf. 1@a@e@2@gγ)) aber ich wuste wol, dasz die (
kostbaren) kleider ... ihm nur angeliehen waren, mir die zähne wässerig zu machen
Simpl. 2, 102, 5
Kurz; die keule wird zur spindel, das eisen selbst zu flachs, wenn seine (
des Hercules) brust erwacht, und ihm die Omphale die zähne wäszrig macht. Günther 1063. 1@a@e@33)) wässeriges gehirn,
bildlich '
denkschwaches': der deklamator fordert an sein gehirn bilder und starke gedanken — da es nun zu wässerigt dazu war, sie aufzufassen, so ... Klinger 11, 188; jene bunte iris von wahrheit, die sich von einigen sonnenstralen gegen über auf das düstre wolkichte, wäszrichte gehirn der sogenannten philosophen mahlet Herder 5, 456
Suphan. 1@a@e@44))
von körpersäften, besonders vom blut und vom harn: flegma, wassericht blut Diefenbach
gl. 239
b;
pituitosus, wässerigs geblts Frisius (1556) 1007; das phlegma führt einen trägen langsamen puls, das blut ist wässericht und schleimicht Schiller 1, 164; (
er hat, da) nur wässeriges blut aus der wunde flieszet, ihn als todt aufgegeben Herder 19, 82. der harn ist am anfang vast gelb und dann wasserecht Brunschwig
liber pestientialis 7
a; ist der harn wässericht v. Hohberg
Georgica (1715) 3, 217
a. 1@a@e@55)) wässerige krankheiten: daher auch die Marsinger ... ihre schafe damit von allen wäszrichten kranckheiten befreyen v. Lohenstein
Arminius 2, 199
a; daʒ himeltrôr hât die kraft, daʒ eʒ die flüʒʒ verstênd macht, die wäʒrig sint (
flegma) K. v. Megenberg 89, 20; wasserige rur oder die scheysz,
dyarria. voc. theut. (1482) nn 2
b; wässerigte ruhr Zedler 52, 511; die wasserechtige geschwulst der schenckel Tabernaemontanus (1664) 560; wässeriger aderbruch Zedler 52, 509. 1@bb)
zuweilen zeigt sich die bedeutung '
aus wasser bestehend': die schifleut gebrauchen sich des wassers für ainen spiegel ... darumb söllen wir unsz bengen lon mit disem wässerigen spiegel Keisersberg
schiff der penitentz 51
b; das den ersten tag erschaffen seynd die hymel, ain wesseriger last
Melanchthon, anzeigung in etliche cap. 1.
b. Mos. deutsch (1523) 5; wäszrige niederschläge und wolkenzerstreuung A. v. Humboldt
kosmos 3, 511 (
vgl. auch oben a γ); er führt eins mein weiblein beym wäszrigen see.
Reinicke fuchs (1650) 371; in sein wäszrigtes reich zieht ihn (
den fisch) Neptun bald hinab. Schiller 11, 109 (
Xenien 89); nicht klag' ich, und mag ich nun scheitern, in wäszrigen tiefen vergehn. Tieck
schriften 4, 334. 1@cc)
neben '
wasserhaltig'
auch '
von wasserähnlicher consistenz' Bischoff
botan. terminologie 1, 105: nim ein new gelegtes ey ..., zerklopffs wol, bisz es wässerig würdt Gäbelkover
artzneybuch 2, 136; weizen zwischen zween stein gelegt und hart damit ausgedruckt, das gibt ein wasserechtige feuchte Tabernaemontanus (1664) 601. 1@dd)
im oder am wasser wachsend: die eckerkrewter wurden gekeret in dy wesserigen Koburgers
bibel, weish. Salom. 19, 18; wäszrige kräuter,
herbae aquaticae Steinbach 2, 949. wässeriger tod,
tod im wasser: dort ist noch hoffnung, hier wäss'riger tod! v. Eichendorff (1864) 4, 231. 1@ee) wässerig
wie feucht
und nasz
neben trocken, warm
und kalt
in der älteren naturlehre (
s. Hildebrands
ausführungen unter kalt 3).
von gestirnen: so sich aber die Venus erhöht in eim wässerigen zeichen, das ist in fyschen Gengenbach 13, 153 (
s. 202)
Gödeke; '
aquea signa, wässerige zeichen,
nennen die sterndeuter den krebs, den scorpion und die fische' Ch. Wolff
mathem. lexicon (1716) 139; (
die gottheit) läszt ihnen wäszrige bald dürre sterne leuchten. v. Lohenstein
Arminius 2, 1349
b.
von irdischen dingen: wan alle dinc dî fon hitze smelzin und fon kaldime hart werdin, dî sint genzlîche fon waʒʒiriger nâtûre
predigten von meister Eckart 20, 52,
zeitschr. f. d. alt. 15, 416; war umb haiʒ wir ain erdisch dinch wäʒeriger nâtûr, daʒ ander feureiner nâtûr, daʒ dritt lüftig, daʒ vierd erdein? K. v. Megenberg 378, 16,
vgl. 116, 36. 378, 24; daneben hörestu, das beyde die vogel und fisch aus wesseriger natur gemacht sind Luther 24, 46, 17
Weim. ausg. von einer bestimmten naturanlage des menschen, häufig in beziehung gesetzt zu wässerigem blut (
s. oben a ε 4))):
phlegmaticus, rotzig, koderig, oder wässeriger natur und art Frisius (1556) 1002; allerley geschlecht der menschen ..., welche feurig, lüftig, wessrig oder yrdischer natur sind Dürer
von menschl. proportion T 3
c; der wäszrige und bleierne phlegmatiker Novalis 3, 369
Minor. 22)
wie wasser aussehend. 2@aa) wässeriger glanz, schein
u. ä.: des mohnden wäszricht schein weisz ja nur thau zu zeugen. v. Lohenstein
Ibrahim 64.
adverbiell: jetzt geht der mond auf und scheint wässerig durchs dachfenster herein Rosegger
nixnutzig volk 113; mancher (
beschneite) busch sah aus ... wie lichte, wässerig glänzende korallen Stifter (1901
ff.) 2, 224. 2@bb)
wellig gemustert (
vgl.gewässert 3
b, wasser II C 3
b),
ondé Rondeau: moiriren der bänder, den bändern ein flammiges oder wässeriges ansehen geben Jacobsson 3, 82
b; der bänder pracht, die wäszricht auf euch ruht, erinnert euch: traut höfen gleich der fluth. E. v. Kleist 1, 46 (
anm.)
Sauer. 2@cc) wässerige farbe: (
gott setzte zum gedächtnis an die sintflut) den regenbogen mit den zwo häuptfarben, der blawen wässerigen, und roten fewrigen farb D. Schaller
theol. heroldt (1604) 10.
auch wie durch wasser verdünnt aussehend: das blau des himmels ist matt und wässerig Gutzkow (1872
ff.) 7, 52. 33)
wie wasser, nach wasser, wie wässerige speisen oder getränke schmeckend, allgemeiner nüchtern schmeckend, insipide, sans goût Rondeau,
unschmackhaft Stalder 2, 437,
fade: es schmeckt wässericht Ludwig 2395; (
eine zweite sintflut, die) allen gartenfrüchten einen wässerichten geschmack giebt Abbt
verm. werke 5, 142. 44)
übertragene bedeutungen. 4@aa) '
kraftlos, weichlich, hinfällig'
kann an verschiedene bedeutungen von wässerig
und wasser
anknüpfen. 4@a@aα)
an die unscharfen formen wasserhaltiger fester körper, schwammig, verschwommen, der eigentlichen bedeutung noch nahe stehend: überhaupt haben männer und weiber (
in Mailand) viel wässerichtes in ihrem contur und mienen, etwas aufgedunsenes volles ohne ächte kraft und stärke Heinse 7, 237
Schüddekopf. an die mangelnde festigkeit: ach was für ein hinfälliges, wässerig feuchtes wesen ist doch der mensch G. Keller 6, 347; welches sie nicht so bald merkte, als die wässerige weichheit ihres geschlechts das feuer ihres zorns löschte Bode
gesch. des Thomas Jones 1, 162. 4@a@bβ)
an die geringe wirkung, kraft verwässerter flüssigkeiten: der wesserige oder der falsche glaube verschwindet Luther 16, 234, 16
Weim. ausg.; ich fürchte seer, das unser vieler glaube auch wesserig sey, das wir nur mit dem maul viel davon reden 234, 33. 4@a@gγ)
an das dahinflieszen, verflieszen des wassers: wie matt und wäszrig flieszt das leben, wie ohne stern und sonnenschein, wenn du (
wein), der einzig leuchten kann, nicht zündest deine lichter
an. Arndt
ged. (1860) 327. 4@bb)
belegt seit dem 17.,
sehr gebräuchlich seit dem 18.
jahrh., ist die bedeutung '
gehaltsarm, geistlos, flach, nichtssagend, weitschweifig'
von geisteserzeugnissen, von der schreibart, dann auch vom redner, schriftsteller selbst; sie knüpft an '
dünnflüssig, unschmackhaft, fade'
an. nur im wortspiel steht wässerig
für '
flüssig, beweglich'
im gegensatz zu trocken: monsieur de S., ein kleiner, geschmeidiger, wäszrichter geist in einem langen, steifen, trockenen körper Heine 5, 198
Elster. 4@b@aα) unsere edle muttersprache, welche ... uns gantz rein in der ersten milch gleichsam eingehäuffelt, nachmals aber durch fremdes wortgepräng wässerig und versaltzen worden Neumark
neuspr. palmbaum 13; das weitschweifige und wasserige Mendelssohn,
briefe die neueste lit. betr. 21, 141; wie lange wird man Popen in wässerichter prosa ... übersezzen? Herder 1, 217
Suphan; auf französische verse so viel fleisz zu wenden, bis in unserer sprache eben so wäszrig korrecte, eben so grammatikalisch kalte verse daraus werden Lessing 7, 87; eine gefolterte, wässerige, geschmacklose übersetzung Göthe 38, 334
Weim. ausg.; lecke, so will man, die form nur schönlich; ihr wäszrichter inhalt mache nicht wohl und nicht weh, schmecke nicht sauer noch süsz. Bürger 95
a.
von musik: seine symphonien sind wässerig Schubart
ästhetik der tonkunst 267.
in der bildenden kunst: die dinge sollen (
in der malerei) in kraft und fülle der bestimmtheit existiren ...; wer das nicht fühlt, trägt aus seinen trägen sinnen das bleierne, verschleimte, wässerige auf sie über Vischer
ästhetik 3, iii, 564. 4@b@bβ) so kam ihm des Racine art zu reden sehr matt und wäszricht vor
neuer büchersaal (1745
ff.) 3, 400; darum sind seine schwärmereien nicht von der unterhaltenden, sondern von der wäszrichten und frostigen gattung Fr. Schlegel
pros. jugendschriften 2, 98
Minor. 4@b@gγ) Kaniz war, bey allen seinen naturgaben, doch etwas zu wässericht und weitläuftig Haller
gedichte10,
vorrede 4
b; seichte und wässerichte schriftsteller Adelung
mag. f. d. d. sprache 2, 2, 23; der kampf mit dieser demokratenbande war doch amüsanter in der vorigen kammer, als jetzt mit diesen wäszrigen constitutionellen v. Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 173. 55)
subst. wäszriger
in der kundensprache '
handwerksbursche' Kluge
rotwelsch 1, 433 (
vgl.handwasser in gleicher bed. 481), '
alter handwerksbursche' Ostwald
rinnsteinsprache 166,
auch '
muttersöhnchen' 165.