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wässerig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wässerig adj.

Bd. 27, Sp. 2424
wässerig, adj. wasserhaltig, wasserähnlich, ahd. waʒʒirig (waʒʒirige Steinmeyer-Sievers gl. 1, 558, 58), mhd. waʒʒeric, mnd. waterich, ndl. waterig, engl. watery. die umlautlose form ist noch bis ins 18. jahrh. belegt: Ortolff v. Bayrlandt 49a. Heyden Plinius (1565) 431. Guarinonius (1610) 595. Pomay (1709) 337b. Mendelssohn, briefe die neueste lit. betr. 21, 141. doch schon ahd. auch mit umlaut (weʒʒirgǒ Steinmeyer gl. 1, 558, 57), mhd. bei Megenberg (neben waʒʒerig), ferner wässerig Tristrant 19, 2 Pfaff, wesserig bei Luther, H. Sachs, Alberus, schwankend wässrig S. Münster cosmogr. 626 neben wasserig 13, wässerig Sebiz feldbau (1579) 13 neben wasserig 11. 399. der umlaut ist schon im 16. jahrh. die regel. auch der ausfall des vocals der mittelsilbe findet sich schon bei Megenberg: wäʒriger 116, 36 neben wäʒeriger 376, 16, auch wäʒrig 351, 32, wäszrigen Steinhöwel Äsop 206 usw. der ausfall ist jetzt das gewöhnliche, besonders in den flectirten formen, die schrift hält aber den vocal meist fest. wässerig und wässericht sind in ihrem gebrauch zusammen behandelt; Campe, auch Heyne, unterscheiden wässericht 'dem wasser ähnlich' und wässerig 'wasser enthaltend', doch zeigt sich keine deutliche bevorzugung des einen vor dem andern für bestimmte bedeutungsschattirungen. 11) 'wasserhaltig' und daran anschlieszende bedeutungen. 1@aa) von wasser durchdrungen, durchschnitten, damit gefüllt oder vermischt; stärker als feucht: vergrabs ... in ein feuchten keller, der doch nicht wässerig sey Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 194. 1@a@aα) von festen körpern gesagt (vgl. auch ε). 1@a@a@11)) vom erdboden. 1@a@a@1@aα)) von wasser durchtränkt: wasserig erttrich, labina. voc. theut. nn 2a; wasserachtig väld Maaler 486a; wässerichte wege Ludwig 2395; ht dich, das du kainen wäszrigen oder fast füchten aker seyest Steinhöwel Äsop 206 Österley; an morastigen und wässerichten orten v. Fleming der teutsche soldat (1726) 270; fyolke wechset lise nach siner arte wise. waʒʒeric ist ir bodim. poet. bearbeitung des buches Daniel 1713 Hübner. 1@a@a@1@bβ)) von wasser durchflossen, wesserig, fluminosus Alberus dict. (1540) Zz 1a; ein wässerige matten oder wisen, riguum pratum Frisius (1556) 1162b: lägert man sich ... in eim schönen, wässerigen wysental quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 772 Baumann; du hast mir ein mittagsland gegeben. gib mir auch ein wesserigs (wasserbrunnen Kautzsch) richter 1, 15; höre der herden dank, der sich aus wäszrigten thälern, von grasiger trift, vom hügel erhebt. Denis lieder Sineds (1772) 233. 1@a@a@1@gγ)) mit wasser gefüllt: czu der kunst ..., darmite sy meynen unsere wasserigen berkwerck czu weldigen urkundenbuch der st. Freiberg 2, 43, 26 (1379) Ermisch; ein sehr groszer und wässeriger erdfall, welchen die daran gräntzende einwohner insgemein den see oder das seeloch nennen Behrens Hercynia curiosa (1712) 84; (man trifft den vogel) an den freien wasserlachen und wässerichten fuhrten Naumann vögel Deutschlands 8, 91; man trockne sumpf und lachen, ein linder regen wird sie wieder wäszricht machen. v. Lohenstein Cleop. 46, 458. wasserreich: hat die statt den groszen und wasserichten flusz Erymanthum Xylander Polybius (1574) 247. 1@a@a@22)) von anderem: sehr wäszrige schneeflocken, die aber schon aufgelöst waren, ehe sie den boden berührten Ritter erdkunde 17, 1353; ein tiefes, gefährliches versinken in dem wässerigen schnee Stifter (1901 ff.) 2, 242. ein weysz wesseriger apffel voc. theut. y 2a; wässerige frucht Rondeau; eine wässerichte birne v. Platen tageb. 1, 211; die kalte, stumpfe und wässerige pflanzenwelt des nordens Hehn Italien 38. ist das die speis alzu hais und alzu wasserig ist Ortolff von Bayrlandt 49a; im wässerigen, zu schnell gebackenen brote trennte sich krume von rinde Göthe 33, 92 Weim. ausg. 1@a@bβ) von flüssigem (vgl. auch ε). von getränken, 'wasserhaltig, dünn', auch 'verwässert': eʒ ist dreier lai wein. der êrsten lai ist wäʒrig und dünn, der ander erdisch und dick K. v. Megenberg 351, 32; dann im Tyroll keine wässerige, sonder mehr weinige ... wein wachsen Guarinonius grewel der verwüstung 636; ein wässeriger, oder mit wasser getauffter, wein Ludwig 2345; ein ander wirt den gesten sein seczt auf ein schwachen, kraftlosen, wesrigen wein. H. Sachs fabeln 3, 187, 13 Götze-Drescher; wäszrigte milch Zedler 21, 141; das elende frühstück von cichorienkaffee und wäszriger milch fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 2, 137. in der chemie 'wasserhaltig, mit wasser verdünnt': wässerige salzsäure Liebig handb. der chemie 1, 51. 'durch wasserzusatz bewirkt': wässeriger auszug allg. d. bibliothek 4, i, 213. Liebig chem. briefe 175, wässerige auflösung Oken 1, 34, lösung Muspratt 3, 393. 1@a@gγ) von luft, dunst, nebel u. ä.: dâ ist der luft wäʒʒrig und fäuht K. v. Megenberg 99, 36; so vind wir in den luften waʒʒerig dnst deutsche sphaera 10, 21 Matthaei; Freystadt vermischt sich mit keinen wässerigen und feuchten dunsten Rätel Curäi chronica des herzogt. Schlesien (1607) 304; durch ... würckung der sonnen, so die irdischen wasserigen feuchte dämpff ... ausztreibt Sebiz feldbau (1579) 399; dieser ring (um die erde) bestand ohne zweifel aus wäszrichten dünsten Kant 8, 311. 1@a@dδ) vom wetter, von der zeit 'regnerisch': so würt der winter im anfang kalt, wässerig Herr feldbau (1551) 23b; bey trockenem und wäszrichtem wetter v. Lohenstein Arminius 2, 858a; die vorhin trüben und wässerichten tage 1, 652a; eine rede — zweifelsohne so kalt wie er selber, und so wäszricht, wie ein regentag A. G. Meiszner Alcibiades 1, 118; ein trüber, wässerigt-nebliger octobermorgen Hebbel tagebücher 1, 380; die bäche mit betulptem, buntem bord, vom wäss'rigen (spongy) april verzieret. Shakespeare, sturm 4, 1. 1@a@eε) von theilen des menschlichen und thierischen körpers und von krankheiten. 1@a@e@11)) wässerige augen, voller thränen (vgl.wasser II E 1 e); wasserächtige oder überschieszende augen Frisius (1556) 636b: dîe hochsten keyserynn sie bat mit wasserigen augen. herzog Ernst 5415 Hagen; mit wässerigen und betrübten augen buch der liebe (1587) 81b. als krankhafter zustand: daʒ ist den wäʒrigen augen guot und den kranken augen K. v. Megenberg 350, 26; ein bewehrt augenwasser, für röte und wässerige augen Gäbelkover artzneybuch 1, 92; das runde wohlrasirte gesicht hochgeröthet, die kleinen augen entzündet und wässerig Rosegger schelm a. d. Alpen 2, 168. dann auch vom blick: der schneider ... hob die schweren augenlider halb empor, um einen wässerigen blick umher zu werfen Raabe Abu Telfan (1870) 2, 33. von anderem unter weinen geschehendem: nach dem ihn seine mutter noch hundert mahl geküszt hatte, nahmen sie wiewol einen wäszrichten abschied v. Lohenstein Arminius 2, 1142b. 1@a@e@22)) einem wird der mund wässerig, einem den mund, das maul, auch die zähne wässerig machen, zunächst 'voll speichel' (s.wasser II E 1 d und wässern): (ein schmied, der) früchte mit brachte, und darmit den Bojen und Deutschen die zähne sehr wäszricht machte v. Lohenstein Arminius 1, 733b; (Caraffa) machte sich über die confituren und den wein her, ... nachdem ihm das maul zuvor lange wässerich gemacht worden Kuhnau musik. quacksalber 128 neudr.; Richard ... hat ihnen 's maul wässerig gemacht nach den dasigen citronen v. Holtei schriften 23, 68. dann übertragen 'begierig werden, machen': 1@a@e@2@aα)) o was ist das schönes! ich spühre dasz mir das maul ganz wässerig wird sammlung v. schauspielen (Wien 1764 ff.) bd. 5, d. theater s. 87. 1@a@e@2@bβ)) welches (beilager) ich nur darum nicht beschreib, dasz ich dem leser das maul nicht wässerig mache Zend. a Zendoriis winternächte 609. mit, zu, besonders nach etwas: er wiese sie jenem nur von ferne, und machte ihm das maul ein wenig damit wässericht mägde-tröster 3; (das) machet ja schon ziemlich einem das maul darzu wässerig Prätorius winterflucht 53; sie (die republiken) machen ihren nachbarn das maul nach gleicher freiheit wässerig Leibnitz deutsche schriften 1, 243 Guhrauer; (ich) machte allen gästen nach den süszen gütern das maul wässerig Heinse 4, 97 Schüddekopf. 1@a@e@2@gγ)) aber ich wuste wol, dasz die (kostbaren) kleider ... ihm nur angeliehen waren, mir die zähne wässerig zu machen Simpl. 2, 102, 5 Kurz; die keule wird zur spindel, das eisen selbst zu flachs, wenn seine (des Hercules) brust erwacht, und ihm die Omphale die zähne wäszrig macht. Günther 1063. 1@a@e@33)) wässeriges gehirn, bildlich 'denkschwaches': der deklamator fordert an sein gehirn bilder und starke gedanken — da es nun zu wässerigt dazu war, sie aufzufassen, so ... Klinger 11, 188; jene bunte iris von wahrheit, die sich von einigen sonnenstralen gegen über auf das düstre wolkichte, wäszrichte gehirn der sogenannten philosophen mahlet Herder 5, 456 Suphan. 1@a@e@44)) von körpersäften, besonders vom blut und vom harn: flegma, wassericht blut Diefenbach gl. 239b; pituitosus, wässerigs geblts Frisius (1556) 1007; das phlegma führt einen trägen langsamen puls, das blut ist wässericht und schleimicht Schiller 1, 164; (er hat, da) nur wässeriges blut aus der wunde flieszet, ihn als todt aufgegeben Herder 19, 82. der harn ist am anfang vast gelb und dann wasserecht Brunschwig liber pestientialis 7a; ist der harn wässericht v. Hohberg Georgica (1715) 3, 217a. 1@a@e@55)) wässerige krankheiten: daher auch die Marsinger ... ihre schafe damit von allen wäszrichten kranckheiten befreyen v. Lohenstein Arminius 2, 199a; daʒ himeltrôr hât die kraft, daʒ eʒ die flüʒʒ verstênd macht, die wäʒrig sint (flegma) K. v. Megenberg 89, 20; wasserige rur oder die scheysz, dyarria. voc. theut. (1482) nn 2b; wässerigte ruhr Zedler 52, 511; die wasserechtige geschwulst der schenckel Tabernaemontanus (1664) 560; wässeriger aderbruch Zedler 52, 509. 1@bb) zuweilen zeigt sich die bedeutung 'aus wasser bestehend': die schifleut gebrauchen sich des wassers für ainen spiegel ... darumb söllen wir unsz bengen lon mit disem wässerigen spiegel Keisersberg schiff der penitentz 51b; das den ersten tag erschaffen seynd die hymel, ain wesseriger last Melanchthon, anzeigung in etliche cap. 1. b. Mos. deutsch (1523) 5; wäszrige niederschläge und wolkenzerstreuung A. v. Humboldt kosmos 3, 511 (vgl. auch oben a γ); er führt eins mein weiblein beym wäszrigen see. Reinicke fuchs (1650) 371; in sein wäszrigtes reich zieht ihn (den fisch) Neptun bald hinab. Schiller 11, 109 (Xenien 89); nicht klag' ich, und mag ich nun scheitern, in wäszrigen tiefen vergehn. Tieck schriften 4, 334. 1@cc) neben 'wasserhaltig' auch 'von wasserähnlicher consistenz' Bischoff botan. terminologie 1, 105: nim ein new gelegtes ey ..., zerklopffs wol, bisz es wässerig würdt Gäbelkover artzneybuch 2, 136; weizen zwischen zween stein gelegt und hart damit ausgedruckt, das gibt ein wasserechtige feuchte Tabernaemontanus (1664) 601. 1@dd) im oder am wasser wachsend: die eckerkrewter wurden gekeret in dy wesserigen Koburgers bibel, weish. Salom. 19, 18; wäszrige kräuter, herbae aquaticae Steinbach 2, 949. wässeriger tod, tod im wasser: dort ist noch hoffnung, hier wäss'riger tod! v. Eichendorff (1864) 4, 231. 1@ee) wässerig wie feucht und nasz neben trocken, warm und kalt in der älteren naturlehre (s. Hildebrands ausführungen unter kalt 3). von gestirnen: so sich aber die Venus erhöht in eim wässerigen zeichen, das ist in fyschen Gengenbach 13, 153 (s. 202) Gödeke; 'aquea signa, wässerige zeichen, nennen die sterndeuter den krebs, den scorpion und die fische' Ch. Wolff mathem. lexicon (1716) 139; (die gottheit) läszt ihnen wäszrige bald dürre sterne leuchten. v. Lohenstein Arminius 2, 1349b. von irdischen dingen: wan alle dinc dî fon hitze smelzin und fon kaldime hart werdin, dî sint genzlîche fon waʒʒiriger nâtûre predigten von meister Eckart 20, 52, zeitschr. f. d. alt. 15, 416; war umb haiʒ wir ain erdisch dinch wäʒeriger nâtûr, daʒ ander feureiner nâtûr, daʒ dritt lüftig, daʒ vierd erdein? K. v. Megenberg 378, 16, vgl. 116, 36. 378, 24; daneben hörestu, das beyde die vogel und fisch aus wesseriger natur gemacht sind Luther 24, 46, 17 Weim. ausg. von einer bestimmten naturanlage des menschen, häufig in beziehung gesetzt zu wässerigem blut (s. oben a ε 4))): phlegmaticus, rotzig, koderig, oder wässeriger natur und art Frisius (1556) 1002; allerley geschlecht der menschen ..., welche feurig, lüftig, wessrig oder yrdischer natur sind Dürer von menschl. proportion T 3c; der wäszrige und bleierne phlegmatiker Novalis 3, 369 Minor. 22) wie wasser aussehend. 2@aa) wässeriger glanz, schein u. ä.: des mohnden wäszricht schein weisz ja nur thau zu zeugen. v. Lohenstein Ibrahim 64. adverbiell: jetzt geht der mond auf und scheint wässerig durchs dachfenster herein Rosegger nixnutzig volk 113; mancher (beschneite) busch sah aus ... wie lichte, wässerig glänzende korallen Stifter (1901 ff.) 2, 224. 2@bb) wellig gemustert (vgl.gewässert 3 b, wasser II C 3 b), ondé Rondeau: moiriren der bänder, den bändern ein flammiges oder wässeriges ansehen geben Jacobsson 3, 82b; der bänder pracht, die wäszricht auf euch ruht, erinnert euch: traut höfen gleich der fluth. E. v. Kleist 1, 46 (anm.) Sauer. 2@cc) wässerige farbe: (gott setzte zum gedächtnis an die sintflut) den regenbogen mit den zwo häuptfarben, der blawen wässerigen, und roten fewrigen farb D. Schaller theol. heroldt (1604) 10. auch wie durch wasser verdünnt aussehend: das blau des himmels ist matt und wässerig Gutzkow (1872 ff.) 7, 52. 33) wie wasser, nach wasser, wie wässerige speisen oder getränke schmeckend, allgemeiner nüchtern schmeckend, insipide, sans goût Rondeau, unschmackhaft Stalder 2, 437, fade: es schmeckt wässericht Ludwig 2395; (eine zweite sintflut, die) allen gartenfrüchten einen wässerichten geschmack giebt Abbt verm. werke 5, 142. 44) übertragene bedeutungen. 4@aa) 'kraftlos, weichlich, hinfällig' kann an verschiedene bedeutungen von wässerig und wasser anknüpfen. 4@a@aα) an die unscharfen formen wasserhaltiger fester körper, schwammig, verschwommen, der eigentlichen bedeutung noch nahe stehend: überhaupt haben männer und weiber (in Mailand) viel wässerichtes in ihrem contur und mienen, etwas aufgedunsenes volles ohne ächte kraft und stärke Heinse 7, 237 Schüddekopf. an die mangelnde festigkeit: ach was für ein hinfälliges, wässerig feuchtes wesen ist doch der mensch G. Keller 6, 347; welches sie nicht so bald merkte, als die wässerige weichheit ihres geschlechts das feuer ihres zorns löschte Bode gesch. des Thomas Jones 1, 162. 4@a@bβ) an die geringe wirkung, kraft verwässerter flüssigkeiten: der wesserige oder der falsche glaube verschwindet Luther 16, 234, 16 Weim. ausg.; ich fürchte seer, das unser vieler glaube auch wesserig sey, das wir nur mit dem maul viel davon reden 234, 33. 4@a@gγ) an das dahinflieszen, verflieszen des wassers: wie matt und wäszrig flieszt das leben, wie ohne stern und sonnenschein, wenn du (wein), der einzig leuchten kann, nicht zündest deine lichter an. Arndt ged. (1860) 327. 4@bb) belegt seit dem 17., sehr gebräuchlich seit dem 18. jahrh., ist die bedeutung 'gehaltsarm, geistlos, flach, nichtssagend, weitschweifig' von geisteserzeugnissen, von der schreibart, dann auch vom redner, schriftsteller selbst; sie knüpft an 'dünnflüssig, unschmackhaft, fade' an. nur im wortspiel steht wässerig für 'flüssig, beweglich' im gegensatz zu trocken: monsieur de S., ein kleiner, geschmeidiger, wäszrichter geist in einem langen, steifen, trockenen körper Heine 5, 198 Elster. 4@b@aα) unsere edle muttersprache, welche ... uns gantz rein in der ersten milch gleichsam eingehäuffelt, nachmals aber durch fremdes wortgepräng wässerig und versaltzen worden Neumark neuspr. palmbaum 13; das weitschweifige und wasserige Mendelssohn, briefe die neueste lit. betr. 21, 141; wie lange wird man Popen in wässerichter prosa ... übersezzen? Herder 1, 217 Suphan; auf französische verse so viel fleisz zu wenden, bis in unserer sprache eben so wäszrig korrecte, eben so grammatikalisch kalte verse daraus werden Lessing 7, 87; eine gefolterte, wässerige, geschmacklose übersetzung Göthe 38, 334 Weim. ausg.; lecke, so will man, die form nur schönlich; ihr wäszrichter inhalt mache nicht wohl und nicht weh, schmecke nicht sauer noch süsz. Bürger 95a. von musik: seine symphonien sind wässerig Schubart ästhetik der tonkunst 267. in der bildenden kunst: die dinge sollen (in der malerei) in kraft und fülle der bestimmtheit existiren ...; wer das nicht fühlt, trägt aus seinen trägen sinnen das bleierne, verschleimte, wässerige auf sie über Vischer ästhetik 3, iii, 564. 4@b@bβ) so kam ihm des Racine art zu reden sehr matt und wäszricht vor neuer büchersaal (1745 ff.) 3, 400; darum sind seine schwärmereien nicht von der unterhaltenden, sondern von der wäszrichten und frostigen gattung Fr. Schlegel pros. jugendschriften 2, 98 Minor. 4@b@gγ) Kaniz war, bey allen seinen naturgaben, doch etwas zu wässericht und weitläuftig Haller gedichte10, vorrede 4b; seichte und wässerichte schriftsteller Adelung mag. f. d. d. sprache 2, 2, 23; der kampf mit dieser demokratenbande war doch amüsanter in der vorigen kammer, als jetzt mit diesen wäszrigen constitutionellen v. Bismarck briefe an s. braut u. gattin 173. 55) subst. wäszriger in der kundensprache 'handwerksbursche' Kluge rotwelsch 1, 433 (vgl.handwasser in gleicher bed. 481), 'alter handwerksbursche' Ostwald rinnsteinsprache 166, auch 'muttersöhnchen' 165.
17594 Zeichen · 296 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wässerig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wässerig , -er, -ste, adj. & adv. 1. Mit Wasser angefüllt, nur in der im gemeinen Leben üblichen figürlichen R. A. jeman…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wässerig

    Goethe-Wörterbuch

    wässerig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    wässerig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    wässerig см. RDWB1 wässrig

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit waesserig

4 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von waesserig 2 Analysen

waesser + -ig

waesserig leitet sich vom Lemma waesser ab mit Suffix -ig.

Alternativen: wass+-er+-ig

Zerlegung von waesserig 2 Komponenten

wasse+rig

waesserig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

waesserig‑ als Erstglied (2 von 2)

wässerigkeit

DWB

waesserig·keit

wässerigkeit , f. im 15., 16. jahrh. auch wasserigkeit Ortolff von Bayrlandt 73 c . voc. theut. ll 4 b . Ercker miner. ertzt (1580) 65 a , w…

Ableitungen von waesserig (2 von 2)

unwässerig

DWB

unwässerig , adj. , nicht wässerig ( s. d. 1); ags. unwæterig, engl. unwatery: die dürren unwässerigen stett Keisersberg postill 2, 54 b ; c…

wässerige

DWB

wässerige , f. wässerigkeit, nur bei Paracelsus auftretend: so nemmen sie das blut fur, dasselbig zu urtheilen: ein theil in der farben, ein…