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vortrefflich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vortrefflich adj.

Bd. 26, Sp. 1775
vortrefflich, adj. (früher oft vortreflich geschrieben), für älteres fürtrefflich, s. dieses teil 4, 1, 1, sp. 915; es begegnet aber früher als zu ende des 15. jh., wie dort angegeben wird, s. Lexer 3, 616; Jelinek 913 (14. jh.); ein f. vürtreflîche begegnet schon im 12. jh. d. hohe lied 70, 8 J. Haupt; mnd. vördrepelick Schiller-Lübben 5, 344a; mnld. in hochdt. form: voertreffelijc Verwijs-Verdam 9, 1113. über das aufkommen von vortrefflich neben fürtrefflich und die stellungnahme der lexikographen s. teil 4, 1, 1 a. a. o. fürtrefflich hält sich bis in das 19. jh. hinein und kann als etwas gesuchter ausdruck wohl auch heute noch gebraucht werden. in die formen fürtreffen-, fürtreffentlich, fürtreffig, fürtreffiglich scheint vor- nicht eingedrungen zu sein; eine ältere form ist vortreffelich: der Lateiner leget es jeden vortreffelichen sachen bey, was berühmt und bekant ist Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 47. — nicht erst in der zweiten hälfte des 17. jh., wie teil 4, 1, 1, sp. 915 bemerkt wird, tritt vortrefflich hervor, es begegnet vereinzelt schon im 16. jh.; eccellente, singulare herrlich, sonderlich, vortrefflich Hulsius (1618) 2, 136a; für- sive vortrefflich idem sunt Stieler 2298; trefflich, vortrefflich (fürtrefflich) Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123a; admirable wundersam, vortrefflich Wächtler (1714) 31; singular absonderlich, allein, ungemein, vortrefflich Spannutius (1720) 442; galant artig, zierlich, vortrefflich 260; perfect vollkommen, vortrefflich Belemnon curiös. bauernlex. (1728) 136; für- et vortrefflich, praestans, excellens Steinbach 2, 865; vortrefflich, praepollens, egregius, eximius Frisch 2, 383b; vortrefflich Adelung; Campe; vortrefflich (nicht fürtrefflich) Braun dt. orthogr.- gramm. wb. (1793) 294a. — da das wort von vortreffen abgeleitet ist, sollte der hauptton auf vor- liegen, er ist aber im norddt. auf die zweite silbe verschoben, wie bei vorzüglich, absonderlich. — die eigentliche bedeutung des adj. ist 'übertreffend', die vorstellung des vergleichs mit anderen tritt aber zurück wie bei vorzüglich, so dasz einfach eine vollkommenheit der eigenschaften, des wesens bezeichnet wird. deutlicher aber, als Adelung anzunehmen geneigt ist, scheidet das sprachgefühl trefflich und vortrefflich und empfindet vortrefflich als das stärkere wort. dasz vortrefflich besonders 'von einem höheren grade innerer vollkommenheit' gebraucht werde, 'die mehr den augen des geistes sichtbar ist', wie Campe bemerkt, gilt nur, wenn das wort zu allgemeiner charakterisierung auf personen bezogen wird; im übrigen aber spricht man auch von vortrefflichem wein, vortrefflicher mehlspeise. 11) auszerordentlich oft auf personen in dem eben angegebenen sinne bezogen, die sich durch innere vorzüge hervorheben. in der folgenden stelle wird aber hervorragende soziale stellung bezeichnet: eyner ausz den vortrefflichsten, die auch von edlem küniglichem geschlecht geborn H. v. Cronberg schr. 140 ndr.; in dieser bedeutung kommt vortrefflich später nicht mehr vor. zu beachten ist, dasz das adj. als attribut von personen abgeschwächt werden kann, so dasz es mehr oder minder zu einem zeichen höflicher anerkennung herabsinkt. 1@aa) in allgemeiner anwendung ein vortrefflicher mann Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123a; unendlich oft: eines so vortrefflichen mannes freundschafft Harsdörffer t. secretar. (1656) 1, A a 6a; vieler hoher, vortreflicher und gelahrter männer Schottel t. haubtspr. (1663) 14; Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 8; der vortrefflichste mann Lessing 2, 302 M.; Zimmermann von d. nationalstolze (1758) 93; Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 41; Schiller 14, 193 G.; Immermann 1, 116 B. — da es am ende doch auch ganz vortreffliche menschen gibt Göthe IV 38, 13 W.; es sind ganz vortreffliche menschen G. Keller (1889) 8, 351. — es seynd vortreffliche leute Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123a; vortreffliche leut Pape bettel- u. garteteuffel (1586) e 1a; Gilhusius gramm. (1597) 20; Opitz poeterei 11 ndr.; v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 289; v. Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 5. — und so in den mannigfaltigsten verbindungen: dasz er einem vortrefflichen fräulein auffwarte A. Gryphius Horrib. 55 ndr.; viel vortreffliches frauenzimmer Moscherosch ges. (1650) 2, 271; o mein abwesender vortrefflicher vater Lessing 2, 362 M.; ein so vortreffliches kind Göthe 23, 88 W.; der teufel selbst ist im ganzen ein ganz vortrefflicher kerl Chamisso (1836) 5, 229. — ironisch: (ich liesz) jenen vortrefflichen unerträglichen dahin fahren Göthe IV 27, 221 W. 1@bb) vollkommen in bestimmter lebensstellung, beruf, kunst u. s. w.: ein vortrefflicher, unvergleichlicher mahler Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 13a; Plato, der vortreffliche ... philosophus Happel akadem. roman (1690) 718; mit so vortreflichen poeten Bodmer abhandl. von d. wunderbaren (1740) 4 (vorrede); sie haben die körperliche beredsamkeit bey ihren vortreflichen komödianten zu lernen gelegenheit gehabt Lessing 8, 28 M.; gute reuter und zugleich vortrefliche pfeilschützen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 129; diese grosze reise des berühmtesten und vortrefflichsten seefahrers G. Forster (1843) 4, 51; ein vortrefflicher künstler Göthe 47, 249 W.; von unsern vier vortrefflichen bassethornisten E. T. A. Hoffmann (1900) 10, 25; (vorträge) von einem vortrefflichen lehrer gehalten G. Keller (1889) 3, 13. — und wird auch eine vortreffliche gattin sein Bauernfeld ges. schr. (1871) 1, 6. 1@cc) schon wenn das adj. mit einem namen verbunden wird, kann seine stärke mehr oder minder abgeschwächt werden, es erscheint wie ein pflichtgemäszes zeichen der anerkennung: (des) vortrefflichen manns Lazari Spenglers Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 47; der vortreffliche geschichtschreiber Thucydides Rätel des Curäi chron. v. Schlesien (1607) i; der hochgelährte und vortreffliche herr Conrad Gesner Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) a 1a; des weitberühmten und vortrefflichen Daniel Caspar von Lohenstein Ziegler d. asiat. Banise (1689) xii; der vortrefliche Horatz Neukirch ged. (1744) 284 anm.; den vortrefflichen erzbischof Fenelon Cramer d. nord. aufseher (1758) 50; zwey exemplare der dissertation des vortrefflichsten Hermanns Göthe IV 29, 45 W.; unser vortreflicher Phädon A. G. Meissner Alcibiades (1781) 1, 165. 1@dd) diesen mehr konventionellen charakter zeigt das adj. besonders in der anrede: und nun, mein alter vortrefflicher freund, was machen sie? Lessing 18, 217 M.; o, meine vortreflichste Sophie, rief Jones Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 6, 474; (wann wird) die zeit kommen, mein vortrefflicher herr Wieland Lucian (1788) 1, 58; da ist eins zu bedauern, meine vortrefflichen damen Göthe 17, 18 W.; ich komme sie zu trösten, vortreffliches fräulein Bäuerle kom. theater (1820) 5, 56; (briefanreden:) vortrefflicher Görres bei Görres br. (1858) 3, 23; vortrefflichster schatz br. von u. an Herwegh (1896) 35; wohlan, vortrefflichs paar, vermähle blut und muth J. Chr. Günther ged. (1735) 776; so auch alleinstehend: sie glauben gar nicht, vortrefflicher, wie ... E. T. A. Hoffmann (1900) 10, 83 Gr.; um unsre schwache menschheit hoch zu ehren, stiegst du, vortrefliche, zur erde nieder Herder 16, 307 S.; in deinen armen selbst, vortreffliche Zemire, fühlt ich den stillen zug, den ich jetzt heftger spühre Cronegk schr. (1766) 2, 13. 1@ee) auf teilvorstellungen bezogen: durch soviele vortreffliche köpffe Chr. v. Wolff ged. von d. menschen thun u. lassen (1720) 156; dasz Frischlin ein vortreflicher kopf war Schubart ged. (1825) 2, 307; hineingesehen habe ich, gesehen ein vortreffliches genie, beym ersten blick Gleim briefw. 1, 14 Körte; ich habe es heute gelesen und den guten charakter, das vortrefliche herz auch hier gefunden Caroline 1, 7 Waitz; Klinger (1809) 1, 41; Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 8; das erbfräulein ist hübsch, wohlerzogen, hat einen vortrefflichen charakter M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 98; das vortreflichste theil meines gemüthes liegt tief im busen versteckt Götz verm. ged. (1785) 2, 19; schönheit für schöne person: weil Agalante so harthertzig, wünsche ich mir eine vortreffliche schönheit schausp. engl. comöd. 123 Cr. 22) von tieren: er könnte den heutigen morgen kaum erwarten, um diese vortrefflichen hunde zu probieren Ayrenhoff (1814) 3, 21. 33) auf unpersönliches bezogen: 3@aa) gegenständliches oder mindestens sinnlich wahrnehmbares: eine vortreffliche gestalt (länge); von vortrefflicher schönheit; trefflichen, vortrefflichen wein Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123b; das erste und vortrefflichste metall ist gold Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, f 1a; ein muster einer vortrefflichen hausapotheck Grimmelshausen Simpl. 3, 339 Keller; vortrefliche mühlen Riemer d. polit. maulaffe (1679) 261; die vortreffliche gestalt der überirdischen princessin Ziegler d. asiat. Banise (1689) 292; eine vortreffliche klare haut Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine 28 ndr.; ein dutzend groszer hähne von vortrefflichem gefieder G. Forster (1843) 1, 302; sie hat ... den vortrefflichsten wuchs Hölty ged. 216 Halm; vortrefflicher salat Göthe 8, 13 W.; ja du bist es, bist es, schöne vortreffliche gegend maler Müller (1811) 1, 350; vortreffliches bauholz Klinger (1809) 9, 110; gut freund mit ihm und seiner vortrefflichen küche Brentano (1852) 5, 113; ich konnte mich nicht satt sehen an der vortrefflichen struktur dieser hutschachtel Holtei erz. schr. (1861) 1, 34; eine wand voll vortrefflicher jagdgewehre G. Keller (1889) 1, 21; und jeder gab dem andern ein vortrefflich gastgeschenk (οἱ δὲ καὶ ἀλλήλοισι πόρον ξεινήια καλά Il. 6, 218) Bürger 171b Bohtz. 3@bb) von bildwerken: ein vortreffliches gemäl Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123b; (ich fragte,) wer doch dieses vortreffliche bild wäre Moscherosch ges. (1650) 1, 118; Tischbein malte das vortrefliche stück von Hermanns trophäen Kretschmann (1784) 1, 26; da er einen so schönen becher und so ein vortreffliches becken von mir besitze Göthe 44, 53 W.; ein vortrefliches blat (kupferstich) Schiller 4, 185 G.; so manch vortreffliches gemäld, dem weiter nichts als nur die rede fehlt Triller poet. betracht. (1750) 1, 138. 3@cc) eine vortreffliche music Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123b; eine vortreffliche musik auf einem verstimmten klavier gespielt Athenäum (1798) 1, 33; das männchen (schwarzdrossel) hat einen lauten, vortrefflichen gesang Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 333. 3@dd) auszerordentlich oft von schriftlich niedergelegtem, briefen, abhandlungen, büchern, dann von der dichtung, wobei natürlich die vorstellung des schreibens und lesens zurücktreten kann; die vollkommenheit gilt von form und gedankeninhalt: sowohl mit vortrefflichen schrifften als treuen vermahnen Reinicke fuchs (1650) 342; die vortreflichsten lieder unserer Sappho Neukirch ged. (1744) 282 anm.; ich habe erst neulich eine sehr vortreffliche stelle über diese materie gelesen Lessing 8, 29 M.; sogleich der erste vortrefliche brief ... enthült die denkart des königs Herder 17, 41 S.; eine vortreffliche schilderei in den herrlichsten hexametern Bürger 176b Bohtz; in Göttingen, wo so viele vortreffliche sachen ... geschrieben werden Lichtenberg nachlasz (1899) 27; ein so vortreffliches, ja unschätzbares buch Göthe 7, 227 W.; die vortrefflichen scenen zwischen Golo und Genoveva Solger nachgel. schr. (1826) 1, 8. — von einem einzelnen worte: ein vortreffliches oder (ironisch) Lessing 14, 303 Petersen. 3@ee) unerschöpflich in beziehung auf abstrakta, freier in älterer sprache: vortrefflicher verstand, vortreffliches gedächtnis, vortreffliche gaben Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123a; daraus dann dieses autoris vortreffliches ingenium zu spüren Eyering proverb. copia (1601) 1, vorr. 7b; dasz so vortreffliche geschickligkeit in herren Peter Squentz vergraben A. Gryphius P. Squenz 19 ndr.; wie vortreffliche genade ... ist von gott gegeben Moscherosch insomnis cura parent. 135 ndr.; eine dame von hohem adel und vortrefflichen tugenden Grimmelshausen Simpl. 1, 180 Keller; (ihre) vortrefliche vollkommenheit Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) zuschrift 13; (das lob) vortrefflicher weiszheit Agyrtas grillenvertreiber (1670) 5; der vortreffliche nutz der schifffarth Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 39; die vortrefflichen absichten Lessing 18, 214 M.; Klopstocks manier, so ausmahlend, so vortreflich, empfindungen ganz ausströmen ... zu lassen Herder 5, 160 S.; ihre eigne vortreffliche einsicht Gellert (1839) 9, 121; da sie (rübchen) denn vortreffliche wirkung thun Göthe IV 19, 74 W.; vortreffliche plane! honete gewerbe Schiller 2, 41 G.; (junge leute) haben vortrefflichen appetit Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 60; mit vortreflichem sinn ordnete Rom sich ein gedenkfest an Herder 27, 253 S. 44) ebenso mannigfaltige anwendung in prädikativem gebrauch: was ist besser und vortrefflicher als dein eigen leben? pers. baumgarten (1690) s. 11 Olearius; die schreibart ist vortrefflich Bodmer samml. crit.-poet. schr. (1741) 1, 65; ein gedicht (soll) entweder vortrefflich sein oder gar nicht existiren Göthe 21, 126 W. — ausz welcher beiwonung er inen änlich zu sein oder vortrefflicher zuwerden ausz eiffer entzündet Fischart Garg. 272 ndr. — (eine verfassung, die) kein volk der erde je so vortreflich gehabt hat Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 6. — Gellerts briefe schienen mir vortrefflich Steffens was ich erlebte (1840) 1, 217; ganz vortrefflich scheint mir alles, was ihr sagt G. Keller (1889) 6, 53; wenn leuten, die nichts bessers wissen. diesz irdische vortrefflich scheint Stoppe Parnasz (1735) 37; (leute,) welche jedes buch, das die tugend anpreiszt, vortreflich finden Wieland Agathon (1766) 1, 197; die grundlagen der bundesverfassung fand er vortrefflich Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 3, 285. — under den vornembsten kriegsthaten, die man hoch und vortrefflich helt Reuter v. Speir kriegsordnung (1594) 85; sein bruder nach hohen äpfeln schielt, die er für ganz vortrefflich hielt Göthe 4, 152 W.; wenn sie sich das pferd nun immer besser und die chaussee immer vortrefflicher denken Grabbe 1, 378 Bl. 55) nähere bestimmung durch präpos.: wenn aber eines dauerhafter, das andere an grad vortrefflicher Leibniz dt. schr. (1838) 2, 40; an menschenliebe und leutseligkeit vortrefflich Gottsched beob. (1758) 368; an glantz vortrefflicher als die andern alle Bodmer samml. crit.-poet. schr. (1741) 1, 36. — in einer kunst, in der schönheit vortrefflich seyn Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123b; vortrefflich im geschmack Adelung; in der geheimen philosophia, in der magia und mehr andren verborgenen wissenschaften vortrefflich Valvasor d. ehre d. herzogth. Crain (1689) 1, 249; der eintzige lateinische poet, der in dieser gattung vortreflich gewesen ist Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 370; dasz Theokrit in seiner art vortreflich sey Geszner schr. (1772) 1, 8; wer in der musik vortrefflich werden will Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 6. — reich an gühteren, vortreflich von verstande Rist d. friedewünsch. Teutschland (1648) 57. — (hunde) zum niederziehen und würgen des sich stellenden wildes vortrefflich Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 10. 66) sehr oft erscheint das neutr. substantiviert: das vortreffliche, welches der gute geschmack allein besitzt, musz also auch in der musik eingeführet werden Scheibe d. crit. musicus (1745) 9; die liebhaber des vortreflichen Herder 15, 43 S.; gleichgültigkeit gegen das genossene vortreffliche G. Forster (1843) 6, 67; steht das gute, das vortreffliche nur wie ein festes unverrücktes ziel da Göthe 23, 244 W., oft bei ihm, z. b. 19, 21; 17, 28; 45, 19; 46, 55; IV 27, 244; 41, 116; 42, 105, 126; so wird man sich blosz mit dem vortrefflichen beschäftigen Athenäum (1798) 1, 145; erjagen will sie das vortreffliche Bettine d. Günderode (1840) 1, 49; das vortreffliche der form J. u. W. Grimm briefw. (1881) 9; vorausgesetzt, sie leisteten das überaus vortreffliche Gaudy (1844) 2, 125; ein edles beispiel alles vortrefflichen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 125; ward vortrefliches je so ganz entheiligt? Klopstock oden 2, 94 M.-P.; wer mag denn gleich vortreffliches hören? nur mittelmäszige sollten lehren Göthe 5, 1, 117 W. gesteigert: hierüber kann nichts vortreflichers gesagt werden Schiller 1, 153 G.; jedem gemeinesten hold, jedem vortreflichern feind Herder 26, 65 S.; die edelsten künste, die zu dem vortreflichsten geschickt mochten 22, 93; das vortrefflichste nach innen bezüglich zu leisten Göthe 46, 20 W.in adverbialer wendung: wo Lessing in seinem Laokoon am vortrefflichsten schreibt Herder 3, 9 S.; er empfing den langen und breiten Andreas auf das vortrefflichste Laube (1875) 8, 218. 77) in nicht faszbarer mannigfaltigkeit wird vortrefflich als adv. gebraucht. doch ist hier zu beachten, dasz die ältere sprache sich hier freier bewegt, indem sie das adv. mit verben verbindet, bei denen es jetzt kaum mehr stehen wird; auch vermeidet die neuere sprache vortrefflich vor dem adj. oder adv., während sie es gern mit dem part. prät. verbindet (vortrefflich beritten, aufgehoben u. s. w.). 7@aa) mit verbalformen verbunden: er geiget, singet, tantzet etc., sie malet, sticket etc. vortrefflich Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1123b; einen vortrefflich bewirthen Steinbach 2, 865; einige wendungen begegnen besonders häufig: vortrefflich spielen, sprechen, schreiben, kochen, darstellen, aufführen, durchführen, ausführen, sehen, hören, verstehen mit folgendem inf., einem vortrefflich stehen, zu gesichte stehen, sich befinden, es geht einem vortrefflich, sich benehmen, sich ausnehmen, sich vertragen, sich stehen mit jem., sich unterhalten, seine sache vortrefflich machen, paszen, geraten, schmecken, sich schmecken lassen, bekommen u. a. Adelung führt aber auch an: vortrefflich schwören, fluchen, trinken können. — einige beispiele besonderer anwendung: dieser sonst vortreflich gelehrte Benedictiner Hahn einl. zu d. t. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 2, 155; glaube mir, mein brüderchen, dasz du dich vortrefflich irrest Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 284; ich wollte das geschlecht der weiberfeinde vortrefflich fortpflanzen Lessing 2, 9 M.; sieht die schönheit davon vortrefflich ein Rabener w. (1777) 1, 148; seine abbildung gleicht dem original vortrefflich Klinger (1809) 3, 299; wohlwissend, wie vortrefflich es beisteht, denselben (den boden) zu behaupten Allmers marschenbuch 16. 7@bb) vor adj. (part. prät.) oder adv.: dasz ein lehrer vortrefflich in der philosophia erfahren seye Moscherosch insomnis cura parent. 37 ndr.; diese ruten seynd vortrefflich gut in den weinbergen Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 227; eine vortrefflich schöne stube Chr. Reuter Schelmuffsky 17 ndr. (vollst. ausg.); ein vortreflich kluger und tapferer seemann Schnabel Felsenburg (1749) 1, 15; vortreflich zufrieden bin ich Bräker schr. (1789) 1, 2; ein vortrefflich feines tuch Göthe 23, 90 W.; vortrefflich beritten M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 105; ich kan an andern orten vortreflich lose seyn Chr. Weise d. grünend. jugend überfl. ged. 36 ndr.; sie ist vortrefflich ungestalt Warnecke poet. versuch (1704) 21. dasz ich mir ... den canariensect vortreflich gut schmecken liesz Schnabel Felsenburg (1749) 1, 63; das französische wir läszt in dem munde eines schriftstellers ... vortreflich tapfer Lessing 7, 2 M.; ich weisz, dasz es dir vortrefflich wohl anstehen wird Stranitzky ollapatrida 28 Wiener ndr. 88) sehr oft alleinstehend als ausruf, nach dem zusammenhange auch ironisch: vortrefflich! in der hitze ihrer leidenschaften würde mir ein wort den hals gekostet haben Lessing 2, 270 M.; vortrefflich! nur ein edles herz ist im stande, sich zu freuen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 196 lit.-denkm.; vortrefflich, junger mann Lenz 1, 63 Tieck; ganz vortreflich Schiller kab. u. liebe 3, 1; herrlich — vortrefflich, lieber herr Zinnober! E. T. A. Hoffmann 5, 37 Gr.; zeig her das! ja! vortrefflich Müllner dramat. w. (1828) 5, 272; ironisch: o schön! vortrefflich! das sind wieder die mahlereyen deiner furcht (o proper stuff!) Schiller Macbeth 3, 8.
20243 Zeichen · 414 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vortrêfflich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Vortrêfflich , -er, -ste, adj. & adv. andere Dinge seiner Art an Güte und Vollkommenheit weit übertreffend, im hohen Gra…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vortrefflich

    Goethe-Wörterbuch

    vortrefflich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vortrefflich

    Mecklenburgisches Wb.

    vortrefflich in der Zs. unvortrefflich .

  4. Spezial
    vortrefflich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|treff|lich adj. ezelënt (-nc, -a), dër bun, demorvëia.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vortrefflich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von vortrefflich

vortreffen + -lich

vortrefflich leitet sich vom Lemma vortreffen ab mit Suffix -lich, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

vortrefflich‑ als Erstglied (1 von 1)

vortrefflichkeit

DWB

vortrefflich·keit

vortrefflichkeit , f. , vom vorhergehenden adj. abgeleitet und dessen sinn folgend, vgl. fürtrefflichkeit teil 4, 1, 1, sp. 918, wo auch übe…

Ableitungen von vortrefflich (1 von 1)

Unvortrefflich

Campe

Unvortrefflich , adj . u. adv . nicht vortrefflich. Davon die Unvortrefflichkeit , der Zustand eines Dinges da es unvortrefflich ist. »Die B…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „vortrefflich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vortrefflich/dwb?formid=V15856
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Cotta, Marcel. „vortrefflich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vortrefflich/dwb?formid=V15856. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vortrefflich". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vortrefflich/dwb?formid=V15856.
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