vortrefflich,
adj. (
früher oft vortreflich
geschrieben),
für älteres fürtrefflich,
s. dieses teil 4, 1, 1,
sp. 915;
es begegnet aber früher als zu ende des 15.
jh., wie dort angegeben wird, s. Lexer 3, 616; Jelinek 913 (14.
jh.);
ein f. vürtreflîche
begegnet schon im 12.
jh. d. hohe lied 70, 8
J. Haupt; mnd. vördrepelick Schiller-Lübben 5, 344
a;
mnld. in hochdt. form: voertreffelijc Verwijs-Verdam 9, 1113.
über das aufkommen von vortrefflich
neben fürtrefflich
und die stellungnahme der lexikographen s. teil 4, 1, 1
a. a. o. fürtrefflich
hält sich bis in das 19.
jh. hinein und kann als etwas gesuchter ausdruck wohl auch heute noch gebraucht werden. in die formen fürtreffen-, fürtreffentlich, fürtreffig, fürtreffiglich
scheint vor-
nicht eingedrungen zu sein; eine ältere form ist vortreffelich: der Lateiner leget es jeden vortreffelichen sachen bey, was berühmt und bekant ist Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 47. —
nicht erst in der zweiten hälfte des 17.
jh., wie teil 4, 1, 1,
sp. 915
bemerkt wird, tritt vortrefflich
hervor, es begegnet vereinzelt schon im 16.
jh.; eccellente, singulare herrlich, sonderlich, vortrefflich Hulsius (1618) 2, 136
a; für-
sive vortrefflich
idem sunt Stieler 2298; trefflich, vortrefflich (fürtrefflich) Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
a;
admirable wundersam, vortrefflich Wächtler (1714) 31;
singular absonderlich, allein, ungemein, vortrefflich Spannutius (1720) 442;
galant artig, zierlich, vortrefflich 260;
perfect vollkommen, vortrefflich Belemnon
curiös. bauernlex. (1728) 136; für-
et vortrefflich,
praestans, excellens Steinbach 2, 865; vortrefflich,
praepollens, egregius, eximius Frisch 2, 383
b; vortrefflich Adelung; Campe; vortrefflich (
nicht fürtrefflich) Braun
dt. orthogr.- gramm. wb. (1793) 294
a. —
da das wort von vortreffen
abgeleitet ist, sollte der hauptton auf vor-
liegen, er ist aber im norddt. auf die zweite silbe verschoben, wie bei vorzüglich, absonderlich. —
die eigentliche bedeutung des adj. ist '
übertreffend',
die vorstellung des vergleichs mit anderen tritt aber zurück wie bei vorzüglich,
so dasz einfach eine vollkommenheit der eigenschaften, des wesens bezeichnet wird. deutlicher aber, als Adelung
anzunehmen geneigt ist, scheidet das sprachgefühl trefflich
und vortrefflich
und empfindet vortrefflich
als das stärkere wort. dasz vortrefflich
besonders '
von einem höheren grade innerer vollkommenheit'
gebraucht werde, '
die mehr den augen des geistes sichtbar ist',
wie Campe
bemerkt, gilt nur, wenn das wort zu allgemeiner charakterisierung auf personen bezogen wird; im übrigen aber spricht man auch von vortrefflichem wein, vortrefflicher mehlspeise. 11)
auszerordentlich oft auf personen in dem eben angegebenen sinne bezogen, die sich durch innere vorzüge hervorheben. in der folgenden stelle wird aber hervorragende soziale stellung bezeichnet: eyner ausz den vortrefflichsten, die auch von edlem küniglichem geschlecht geborn H. v. Cronberg
schr. 140
ndr.; in dieser bedeutung kommt vortrefflich
später nicht mehr vor. zu beachten ist, dasz das adj. als attribut von personen abgeschwächt werden kann, so dasz es mehr oder minder zu einem zeichen höflicher anerkennung herabsinkt. 1@aa)
in allgemeiner anwendung ein vortrefflicher mann Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
a;
unendlich oft: eines so vortrefflichen mannes freundschafft Harsdörffer
t. secretar. (1656) 1, A a 6
a; vieler hoher, vortreflicher und gelahrter männer Schottel
t. haubtspr. (1663) 14; Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 8; der vortrefflichste mann Lessing 2, 302
M.; Zimmermann
von d. nationalstolze (1758) 93; Klopstock
gelehrtenrepubl. (1774) 41; Schiller 14, 193
G.; Immermann 1, 116
B. — da es am ende doch auch ganz vortreffliche menschen gibt Göthe IV 38, 13
W.; es sind ganz vortreffliche menschen G. Keller (1889) 8, 351. — es seynd vortreffliche leute Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
a; vortreffliche leut Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) e 1
a; Gilhusius
gramm. (1597) 20; Opitz
poeterei 11
ndr.; v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 289; v. Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 5. —
und so in den mannigfaltigsten verbindungen: dasz er einem vortrefflichen fräulein auffwarte A. Gryphius
Horrib. 55
ndr.; viel vortreffliches frauenzimmer Moscherosch
ges. (1650) 2, 271; o mein abwesender vortrefflicher vater Lessing 2, 362
M.; ein so vortreffliches kind Göthe 23, 88
W.; der teufel selbst ist im ganzen ein ganz vortrefflicher kerl Chamisso (1836) 5, 229. —
ironisch: (
ich liesz) jenen vortrefflichen unerträglichen dahin fahren Göthe IV 27, 221
W. 1@bb)
vollkommen in bestimmter lebensstellung, beruf, kunst u. s. w.: ein vortrefflicher, unvergleichlicher mahler Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 13
a; Plato, der vortreffliche ... philosophus Happel
akadem. roman (1690) 718; mit so vortreflichen poeten Bodmer
abhandl. von d. wunderbaren (1740) 4 (
vorrede); sie haben die körperliche beredsamkeit bey ihren vortreflichen komödianten zu lernen gelegenheit gehabt Lessing 8, 28
M.; gute reuter und zugleich vortrefliche pfeilschützen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 129; diese grosze reise des berühmtesten und vortrefflichsten seefahrers G. Forster (1843) 4, 51; ein vortrefflicher künstler Göthe 47, 249
W.; von unsern vier vortrefflichen bassethornisten E. T. A. Hoffmann (1900) 10, 25; (
vorträge) von einem vortrefflichen lehrer gehalten G. Keller (1889) 3, 13. — und wird auch eine vortreffliche gattin sein Bauernfeld
ges. schr. (1871) 1, 6. 1@cc)
schon wenn das adj. mit einem namen verbunden wird, kann seine stärke mehr oder minder abgeschwächt werden, es erscheint wie ein pflichtgemäszes zeichen der anerkennung: (
des) vortrefflichen manns Lazari Spenglers Nigrinus
von zäuberern, hexen (1592) 47; der vortreffliche geschichtschreiber Thucydides Rätel
des Curäi chron. v. Schlesien (1607) i; der hochgelährte und vortreffliche herr Conrad Gesner Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) a 1
a; des weitberühmten und vortrefflichen Daniel Caspar von Lohenstein Ziegler
d. asiat. Banise (1689) xii; der vortrefliche Horatz Neukirch
ged. (1744) 284
anm.; den vortrefflichen erzbischof Fenelon Cramer
d. nord. aufseher (1758) 50; zwey exemplare der dissertation des vortrefflichsten Hermanns Göthe IV 29, 45
W.; unser vortreflicher Phädon A. G. Meissner
Alcibiades (1781) 1, 165. 1@dd)
diesen mehr konventionellen charakter zeigt das adj. besonders in der anrede: und nun, mein alter vortrefflicher freund, was machen sie? Lessing 18, 217
M.; o, meine vortreflichste Sophie, rief Jones Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786) 6, 474; (
wann wird) die zeit kommen, mein vortrefflicher herr Wieland
Lucian (1788) 1, 58; da ist eins zu bedauern, meine vortrefflichen damen Göthe 17, 18
W.; ich komme sie zu trösten, vortreffliches fräulein Bäuerle
kom. theater (1820) 5, 56; (
briefanreden:) vortrefflicher Görres
bei Görres
br. (1858) 3, 23; vortrefflichster schatz
br. von u. an Herwegh (1896) 35; wohlan, vortrefflichs paar, vermähle blut und muth J. Chr. Günther
ged. (1735) 776;
so auch alleinstehend: sie glauben gar nicht, vortrefflicher, wie ... E. T. A. Hoffmann (1900) 10, 83
Gr.; um unsre schwache menschheit hoch zu ehren, stiegst du, vortrefliche, zur erde nieder Herder 16, 307
S.; in deinen armen selbst, vortreffliche Zemire, fühlt ich den stillen zug, den ich jetzt heftger spühre Cronegk
schr. (1766) 2, 13. 1@ee)
auf teilvorstellungen bezogen: durch soviele vortreffliche köpffe Chr. v. Wolff
ged. von d. menschen thun u. lassen (1720) 156; dasz Frischlin ein vortreflicher kopf war Schubart
ged. (1825) 2, 307; hineingesehen habe ich, gesehen ein vortreffliches genie, beym ersten blick Gleim
briefw. 1, 14
Körte; ich habe es heute gelesen und den guten charakter, das vortrefliche herz auch hier gefunden Caroline 1, 7
Waitz; Klinger (1809) 1, 41; Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 8; das erbfräulein ist hübsch, wohlerzogen, hat einen vortrefflichen charakter
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 98; das vortreflichste theil meines gemüthes liegt tief im busen versteckt Götz
verm. ged. (1785) 2, 19; schönheit
für schöne person: weil Agalante so harthertzig, wünsche ich mir eine vortreffliche schönheit
schausp. engl. comöd. 123
Cr. 22)
von tieren: er könnte den heutigen morgen kaum erwarten, um diese vortrefflichen hunde zu probieren Ayrenhoff (1814) 3, 21. 33)
auf unpersönliches bezogen: 3@aa)
gegenständliches oder mindestens sinnlich wahrnehmbares: eine vortreffliche gestalt (
länge); von vortrefflicher schönheit; trefflichen, vortrefflichen wein Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
b; das erste und vortrefflichste metall ist gold Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, f 1
a; ein muster einer vortrefflichen hausapotheck Grimmelshausen
Simpl. 3, 339
Keller; vortrefliche mühlen Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 261; die vortreffliche gestalt der überirdischen princessin Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 292; eine vortreffliche klare haut Chr. Reuter
ehrl. frau zu Plissine 28
ndr.; ein dutzend groszer hähne von vortrefflichem gefieder G. Forster (1843) 1, 302; sie hat ... den vortrefflichsten wuchs Hölty
ged. 216
Halm; vortrefflicher salat Göthe 8, 13
W.; ja du bist es, bist es, schöne vortreffliche gegend maler Müller (1811) 1, 350; vortreffliches bauholz Klinger (1809) 9, 110; gut freund mit ihm und seiner vortrefflichen küche Brentano (1852) 5, 113; ich konnte mich nicht satt sehen an der vortrefflichen struktur dieser hutschachtel Holtei
erz. schr. (1861) 1, 34; eine wand voll vortrefflicher jagdgewehre G. Keller (1889) 1, 21; und jeder gab dem andern ein vortrefflich gastgeschenk (
οἱ δὲ καὶ ἀλλήλοισι πόρον ξεινήια καλά Il. 6, 218) Bürger 171
b Bohtz. 3@bb)
von bildwerken: ein vortreffliches gemäl Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
b; (
ich fragte,) wer doch dieses vortreffliche bild wäre Moscherosch
ges. (1650) 1, 118; Tischbein malte das vortrefliche stück von Hermanns trophäen Kretschmann (1784) 1, 26; da er einen so schönen becher und so ein vortreffliches becken von mir besitze Göthe 44, 53
W.; ein vortrefliches blat (
kupferstich) Schiller 4, 185
G.; so manch vortreffliches gemäld, dem weiter nichts als nur die rede fehlt Triller
poet. betracht. (1750) 1, 138. 3@cc) eine vortreffliche music Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
b; eine vortreffliche musik auf einem verstimmten klavier gespielt
Athenäum (1798) 1, 33; das männchen (
schwarzdrossel) hat einen lauten, vortrefflichen gesang Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 333. 3@dd)
auszerordentlich oft von schriftlich niedergelegtem, briefen, abhandlungen, büchern, dann von der dichtung, wobei natürlich die vorstellung des schreibens und lesens zurücktreten kann; die vollkommenheit gilt von form und gedankeninhalt: sowohl mit vortrefflichen schrifften als treuen vermahnen
Reinicke fuchs (1650) 342; die vortreflichsten lieder unserer Sappho Neukirch
ged. (1744) 282
anm.; ich habe erst neulich eine sehr vortreffliche stelle über diese materie gelesen Lessing 8, 29
M.; sogleich der erste vortrefliche brief ... enthült die denkart des königs Herder 17, 41
S.; eine vortreffliche schilderei in den herrlichsten hexametern Bürger 176
b Bohtz; in Göttingen, wo so viele vortreffliche sachen ... geschrieben werden Lichtenberg
nachlasz (1899) 27; ein so vortreffliches, ja unschätzbares buch Göthe 7, 227
W.; die vortrefflichen scenen zwischen Golo und Genoveva Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 8. —
von einem einzelnen worte: ein vortreffliches oder (
ironisch) Lessing 14, 303
Petersen. 3@ee)
unerschöpflich in beziehung auf abstrakta, freier in älterer sprache: vortrefflicher verstand, vortreffliches gedächtnis, vortreffliche gaben Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
a; daraus dann dieses autoris vortreffliches ingenium zu spüren Eyering
proverb. copia (1601) 1,
vorr. 7
b; dasz so vortreffliche geschickligkeit in herren Peter Squentz vergraben A. Gryphius
P. Squenz 19
ndr.; wie vortreffliche genade ... ist von gott gegeben Moscherosch
insomnis cura parent. 135
ndr.; eine dame von hohem adel und vortrefflichen tugenden Grimmelshausen
Simpl. 1, 180
Keller; (
ihre) vortrefliche vollkommenheit Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657)
zuschrift 13; (
das lob) vortrefflicher weiszheit Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 5; der vortreffliche nutz der schifffarth Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 39; die vortrefflichen absichten Lessing 18, 214
M.; Klopstocks manier, so ausmahlend, so vortreflich, empfindungen ganz ausströmen ... zu lassen Herder 5, 160
S.; ihre eigne vortreffliche einsicht Gellert (1839) 9, 121; da sie (
rübchen) denn vortreffliche wirkung thun Göthe IV 19, 74
W.; vortreffliche plane! honete gewerbe Schiller 2, 41
G.; (
junge leute) haben vortrefflichen appetit Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 60; mit vortreflichem sinn ordnete Rom sich ein gedenkfest an Herder 27, 253
S. 44)
ebenso mannigfaltige anwendung in prädikativem gebrauch: was ist besser und vortrefflicher als dein eigen leben?
pers. baumgarten (1690)
s. 11
Olearius; die schreibart ist vortrefflich Bodmer
samml. crit.-poet. schr. (1741) 1, 65; ein gedicht (
soll) entweder vortrefflich sein oder gar nicht existiren Göthe 21, 126
W. — ausz welcher beiwonung er inen änlich zu sein oder vortrefflicher zuwerden ausz eiffer entzündet Fischart
Garg. 272
ndr. — (
eine verfassung, die) kein volk der erde je so vortreflich gehabt hat Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 6. — Gellerts briefe schienen mir vortrefflich Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 217; ganz vortrefflich scheint mir alles, was ihr sagt G. Keller (1889) 6, 53; wenn leuten, die nichts bessers wissen. diesz irdische vortrefflich scheint Stoppe
Parnasz (1735) 37; (
leute,) welche jedes buch, das die tugend anpreiszt, vortreflich finden Wieland
Agathon (1766) 1, 197; die grundlagen der bundesverfassung fand er vortrefflich Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. 3, 285. — under den vornembsten kriegsthaten, die man hoch und vortrefflich helt Reuter v. Speir
kriegsordnung (1594) 85; sein bruder nach hohen äpfeln schielt, die er für ganz vortrefflich hielt Göthe 4, 152
W.; wenn sie sich das pferd nun immer besser und die chaussee immer vortrefflicher denken Grabbe 1, 378
Bl. 55)
nähere bestimmung durch präpos.: wenn aber eines dauerhafter, das andere an grad vortrefflicher Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 40; an menschenliebe und leutseligkeit vortrefflich Gottsched
beob. (1758) 368; an glantz vortrefflicher als die andern alle Bodmer
samml. crit.-poet. schr. (1741) 1, 36. — in einer kunst, in der schönheit vortrefflich seyn Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
b; vortrefflich im geschmack Adelung; in der geheimen philosophia, in der magia und mehr andren verborgenen wissenschaften vortrefflich Valvasor
d. ehre d. herzogth. Crain (1689) 1, 249; der eintzige lateinische poet, der in dieser gattung vortreflich gewesen ist Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 370; dasz Theokrit in seiner art vortreflich sey Geszner
schr. (1772) 1, 8; wer in der musik vortrefflich werden will Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 6. — reich an gühteren, vortreflich von verstande Rist
d. friedewünsch. Teutschland (1648) 57. — (
hunde) zum niederziehen und würgen des sich stellenden wildes vortrefflich Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 10. 66)
sehr oft erscheint das neutr. substantiviert: das vortreffliche, welches der gute geschmack allein besitzt, musz also auch in der musik eingeführet werden Scheibe
d. crit. musicus (1745) 9; die liebhaber des vortreflichen Herder 15, 43
S.; gleichgültigkeit gegen das genossene vortreffliche G. Forster (1843) 6, 67; steht das gute, das vortreffliche nur wie ein festes unverrücktes ziel da Göthe 23, 244
W., oft bei ihm, z. b. 19, 21; 17, 28; 45, 19; 46, 55; IV 27, 244; 41, 116; 42, 105, 126; so wird man sich blosz mit dem vortrefflichen beschäftigen
Athenäum (1798) 1, 145; erjagen will sie das vortreffliche Bettine
d. Günderode (1840) 1, 49; das vortreffliche der form J.
u. W. Grimm
briefw. (1881) 9; vorausgesetzt, sie leisteten das überaus vortreffliche Gaudy (1844) 2, 125; ein edles beispiel alles vortrefflichen
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 125; ward vortrefliches je so ganz entheiligt? Klopstock
oden 2, 94
M.-P.; wer mag denn gleich vortreffliches hören? nur mittelmäszige sollten lehren Göthe 5, 1, 117
W. gesteigert: hierüber kann nichts vortreflichers gesagt werden Schiller 1, 153
G.; jedem gemeinesten hold, jedem vortreflichern feind Herder 26, 65
S.; die edelsten künste, die zu dem vortreflichsten geschickt mochten 22, 93; das vortrefflichste nach innen bezüglich zu leisten Göthe 46, 20
W. —
in adverbialer wendung: wo Lessing in seinem Laokoon am vortrefflichsten schreibt Herder 3, 9
S.; er empfing den langen und breiten Andreas auf das vortrefflichste Laube (1875) 8, 218. 77)
in nicht faszbarer mannigfaltigkeit wird vortrefflich
als adv. gebraucht. doch ist hier zu beachten, dasz die ältere sprache sich hier freier bewegt, indem sie das adv. mit verben verbindet, bei denen es jetzt kaum mehr stehen wird; auch vermeidet die neuere sprache vortrefflich
vor dem adj. oder adv., während sie es gern mit dem part. prät. verbindet (vortrefflich beritten, aufgehoben
u. s. w.). 7@aa)
mit verbalformen verbunden: er geiget, singet, tantzet
etc., sie malet, sticket
etc. vortrefflich Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
b; einen vortrefflich bewirthen Steinbach 2, 865;
einige wendungen begegnen besonders häufig: vortrefflich spielen, sprechen, schreiben, kochen, darstellen, aufführen, durchführen, ausführen, sehen, hören, verstehen
mit folgendem inf., einem vortrefflich stehen, zu gesichte stehen, sich befinden, es geht einem vortrefflich, sich benehmen, sich ausnehmen, sich vertragen, sich stehen mit jem., sich unterhalten, seine sache vortrefflich machen, paszen, geraten, schmecken, sich schmecken lassen, bekommen
u. a. Adelung
führt aber auch an: vortrefflich schwören, fluchen, trinken können. —
einige beispiele besonderer anwendung: dieser sonst vortreflich gelehrte Benedictiner Hahn
einl. zu d. t. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 2, 155; glaube mir, mein brüderchen, dasz du dich vortrefflich irrest Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 284; ich wollte das geschlecht der weiberfeinde vortrefflich fortpflanzen Lessing 2, 9
M.; sieht die schönheit davon vortrefflich ein Rabener
w. (1777) 1, 148; seine abbildung gleicht dem original vortrefflich Klinger (1809) 3, 299; wohlwissend, wie vortrefflich es beisteht, denselben (
den boden) zu behaupten Allmers
marschenbuch 16. 7@bb)
vor adj. (
part. prät.)
oder adv.: dasz ein lehrer vortrefflich in der philosophia erfahren seye Moscherosch
insomnis cura parent. 37
ndr.; diese ruten seynd vortrefflich gut in den weinbergen Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 227; eine vortrefflich schöne stube Chr. Reuter
Schelmuffsky 17
ndr. (
vollst. ausg.); ein vortreflich kluger und tapferer seemann Schnabel
Felsenburg (1749) 1, 15; vortreflich zufrieden bin ich Bräker
schr. (1789) 1, 2; ein vortrefflich feines tuch Göthe 23, 90
W.; vortrefflich beritten
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 105; ich kan an andern orten vortreflich lose seyn Chr. Weise
d. grünend. jugend überfl. ged. 36
ndr.; sie ist vortrefflich ungestalt Warnecke
poet. versuch (1704) 21. dasz ich mir ... den canariensect vortreflich gut schmecken liesz Schnabel
Felsenburg (1749) 1, 63; das französische wir läszt in dem munde eines schriftstellers ... vortreflich tapfer Lessing 7, 2
M.; ich weisz, dasz es dir vortrefflich wohl anstehen wird Stranitzky
ollapatrida 28
Wiener ndr. 88)
sehr oft alleinstehend als ausruf, nach dem zusammenhange auch ironisch: vortrefflich! in der hitze ihrer leidenschaften würde mir ein wort den hals gekostet haben Lessing 2, 270
M.; vortrefflich! nur ein edles herz ist im stande, sich zu freuen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 196
lit.-denkm.; vortrefflich, junger mann Lenz 1, 63
Tieck; ganz vortreflich Schiller
kab. u. liebe 3, 1; herrlich — vortrefflich, lieber herr Zinnober! E. T. A. Hoffmann 5, 37
Gr.; zeig her das! ja! vortrefflich Müllner
dramat. w. (1828) 5, 272;
ironisch: o schön! vortrefflich! das sind wieder die mahlereyen deiner furcht (
o proper stuff!) Schiller
Macbeth 3, 8.