vortrefflichkeit,
f. ,
vom vorhergehenden adj. abgeleitet und dessen sinn folgend, vgl. fürtrefflichkeit
teil 4, 1, 1,
sp. 918,
wo auch über das aufkommen von vor-
neben fürtrefflichkeit
in den nhd. wörterbüchern und die verdrängung der älteren form gehandelt wird. vortrefflichkeit
kann übrigens schon aus dem frühen 16.
jh. belegt werden (
s. unter 1).
superiorità Hulsius (1618) 2, 404
a; vortreffligkeit,
splendor Reyher
thesaur. (1686) o 3
a; für-
sive vortrefflichkeit Stieler 2299;
ebenso Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1123
c; Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 2010;
praestantz die vortreflichkeit Spannutius (1720) 380; für-, vortrefflichkeit Steinbach 2, 865; vortrefflichkeit Frisch 2, 383
b; Adelung; Campe. 11)
das f. bezeichnet ursprünglich ein übertreffen, s. vortreffen: in allen sinnen hat er ein vortreflikeit vor andern heiligen
d. buch geistlicher gnaden (1503) 9
b;
nachwirken dieser bedeutung: und ob zwar so wol der mann als das weibe zu göttlichem ebenbild erschaffen, so scheinet doch, es habe das weib noch einigen vorzug und vortrefflichkeit von der natur empfangen Hohberg
georg. curios. (1682) 1, 186. 22)
diese vorstellung schwindet dann mehr und mehr, so dasz nur die vollkommenheit bezeichnet wird. Klopstock
hat eine ode die vortrefflichkeit
gedichtet: auf! schon tönet ihr schritt, naht die vortrefflichkeit in der halle
oden 2, 52
M.-P. 2@aa)
auf personen bezogen (
vgl. vortrefflich 1): die beschreibung unser vortreffligkeit A. Gryphius
Horribil. 3
ndr.; wie Simplicius durch hohe reden seine vortrefflichkeit zu erkennen gibt Grimmelshausen
Simpl. 1, 21
Keller; die anwesende erkenneten hieraus seine vortreflichkeit Bucholtz
Herkuliskus (1665) 8; möchte doch der Tien deine vortrefflichkeit mit einem gemahle belohnen A. v. Haller
Usong (1771) 32; das bild seines wesens und seiner vortrefflichkeit weicht nicht von mir Göthe 42, 2, 7
W.; die groszen, schaarenweisen freudenthränen, die mir deiner vortrefflichkeit halber aus den augen laufen Tieck (1828) 10, 144; er war mir mit seiner vortrefflichkeit bisweilen lästig Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 170. 2@bb)
ebenso von unpersönlichem (
vgl. vortrefflich 3): Selenissa achtet weder meines standes, noch seiner (
des standes) vortreffligkeit A. Gryphius
Horribil. 40
ndr.; was arme leute treiben, das will selten vortrefflichkeit gewinnen Möser (1842) 1, 113; die ältesten gesänge der Hellenen, welche sich kraft ihrer vortrefflichkeit wirklich erhalten haben Fr. Schlegel (1846) 3, 9; augen, die deine (
der rose) vortrefflichkeit sehen, müssen, vor anmut erstaunt, gestehen, dasz dich ein göttlicher finger gemacht Brockes
ird. vergnügen in gott (1721) 2, 146. 2@cc)
grad, stufe u. ä. der vortrefflichkeit: in was für einen stand der vortreflichkeit auch unsere teutsche haubtsprache gesetzet und nebenst anderen erhaben sein kan Schottel
t. haubtspr. (1663) 74; (
wenn) von den graden der vortrefflichkeit die rede ist Dusch
verm. sat. schr. (1758) 46; auf einen hohen grad der vortrefflichkeit Göthe II 5, 1, 13
W.; W. v. Humboldt
ges. schr. 6, 3
akad.-ausg.; einen gewissen grad von vortrefflichkeit Schelling (1856) I 3, 55. 2@dd)
näher bestimmende epitheta: die maske einer Meduse ... von merkwürdiger vortrefflichkeit Göthe IV 46, 256
W.; eine ungeordnete, ja unverstandene vortrefflichkeit Caroline 1, 385
Waitz; bald ersticken diese rohen horden jene klassische vortrefflichkeit Platen 1, 448
R.; (
ironisch:) indesz die moderne vortrefflichkeit faullenzt auf ledernen kissen Strachwitz
ged. (1850) 320; zeichen einer besondern vortrefflichkeit
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 3, 486; Lessing 10, 179
M.; Zachariä
poet. schr. (1763) 8, 86. — innere vortrefflichkeit Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 107; Fr. L. Jahn 1, 283
E. — der glaube an seine (
Jesus) menschliche vortrefflichkeit D. Fr. Strausz (1876) 6, 33; den glauben an menschliche vortreflichkeit zu stehlen Schiller 5, 1, 162
G. das gefühl hoher vortreflichkeit Sturz (1779) 1, 50; Fr. Schlegel (1846) 6, 72; W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 119
akad.-ausg.; Mörike 3, 9
Göschen. — (
das schöne) stellvertreter einer höheren vortrefflichkeit Solger
vorles. über ästhetik (1829) 361; zwey persische gedichte ... von der höchsten vortrefflichkeit Göthe III 9, 285
W. 2@ee)
unendlich oft mit abhängigem genit.: von der weiber vortrefflichkeit und der männer mängel Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 183; der hirsch wegen vortrefflichkeit seiner hörner Moscherosch
ges. (1650) 2, 321; die vortrefflichkeit der armuth Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 77; Homers vortrefflichkeit in dieser kunst Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 29; wer die vortreflichkeit eines kunstwerks fühlet Herder 22, 96
S.; brachten nachricht von der vortrefflichkeit des landes Göthe 7, 167
W.; das sich nun die obersten der fremden armee selbst von der vortrefflichkeit des preuszischen exercitiums überzeugt hätten Immermann 18, 54
B.; das gesicht leuchtet von der vortrefflichkeit seines mittagstisches Gutzkow (1872) 8, 73. 2@ff)
mit sinnverwandten oder sinnergänzenden subst. verbunden: dero eigenen preisz und vortrefflichkeit
theatrum amoris (1626) 6; eine sonderbare klugheit und vortrefflichkeit Grimmelshausen
Simpl. 4, 566
Keller; vortrefflichkeit und tugenden Prätorius
anthropodem. pluton. (1666) 1, 323; vortrefflichkeit und würde Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 101; werth und vortrefflichkeit Herder 3, 9
S.; vortrefflichkeit und geistligkeit (
der musik) Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 39; harmonie, wahrheit, ordnung, schönheit, vortreflichkeit Schiller 4, 41
G.; eure angeborne vortrefflichkeit und zartheit E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 418; ihre gute andauernde führung und vortrefflichkeit G. Keller (1889) 4, 246; doch wer mag nur der farben unterscheid, erhöhung und vortrefflichkeit nach ihrem rechten werth beschreiben? Triller
poet. betracht. (1750) 1, 14. 2@gg)
plural für die gesamtheit oder einzelne vortreffliche eigenschaften: eines liebhabers von sonderbaren vortrefflichkeiten würdig A. Gryphius
Horrib. 54
ndr.; alle heldenverrichtungen und vortreflichkeiten Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 234; die schmeicheleyen und unwahrheiten, die man uns ... von unsern vortrefflichkeiten vorsagt
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 44; wir verliehen dem David vortreflichkeiten Herder 24, 144
S.; wie kan es möglich seyn, einen solchen schatz von allen vortrefflichkeiten zu sehen und sich nicht zu verlieben? Stranitzky
ollapatrida 247
Wiener ndr.; Shakespears vortrefflichkeiten Ayrenhoff (1814) 2, 94; geistige vortrefflichkeiten, die vom schöpfer gleichfalls stammen Brockes
ird. vergnügen in gott (1721) 4, 22. 33)
als titulatur in älterer sprache: eminentz, die hoheit, vortrefflichkeit ('
ist der cardinäle ihr titul') Spannutius (1720) 237; daher hat man das ehrenwort groszer minister, excellenz, im deutschen nicht besser als durch vortrefflichkeit auszudrücken gewuszt Gottsched
beob. (1758) 369;
von einer frau: weil er (
ein kaiser) nun kein anders mittel weisz, sich zu retten, als vermittelst einer heurath mit eurer vortrefflichkeit Stranitzky
ollapatrida 359
Wiener ndr. 44)
hierzu als gelegenheitsbildung: ihr cultursturmläufer und
vortrefflichkeitsschnüffler fremder lappen K. edler v. Putlitz
klagelieder u. br. (1817) 127.