verwünschung,
f. ,
wie das verbum seit dem späten 16.
jh. belegt. lexikalisch: ver-wünschung,
f. maledittione, esecratione, detestatione Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1405
a. 11)
zu verwünschen 1
im sinne eines verstärkten wunsches, nur im östl. md. (
schles.)
bezeugt: e. kay. maytt. seind unsere unterthänigste gehorsambste dienste nebens treuhercziger verwünschung langes lebens und bestendiger leibesgesundheit befristung und alles kayser- und königlichen wolstandes iederzeit zuvorn (1618)
acta publica 1, 60
P.; sambt verwünschung von got dem almächtigen aller erspriesz- vnd gedeylichen wolfart (1618)
ebda 1, 81; wird der mutter solches
mit verwüntschung tausenterlei segens rühmlich nachgesaget Wisäus
sieben gespräche (1625) 286; nebenst verwündschung unsterblicher glückseligkeit Gryphius
horribil. 22
ndr. 22)
als magisch-religiöse handlung, ohne dasz die gewünschte wirkung deutlich zum ausdruck kommt, vgl. 'von verwandlungen unterscheiden verwünschungen sich darin, dasz sie nicht umgestalten, vielmehr die natürliche form der dinge festbannen und nur in andre lage versetzen; wiewohl der sprachgebrauch auch das verwandelte verwünscht nennt' J. Grimm
dt. mythol. (1876) 2, 794: es soll das bildt oder menschlein gestellt werden an einen gewissen ort, mit zugethan etlichen flüchen und verwünschungen Nigrinus
von zäuberern (1592) 95; was er getahn hette, darzu wäre er kraft seiner selbst eigenen verwündschung gezwungen worden A. H. Bucholtz
Herkuliskus (1665) 669; (
einen roman), der nicht durch und durch mit beschweerungen, verwünschungen, riesen und anderem solchem zeuge angefüllet ist Bodmer
crit. poet. schr. (1741) 2, 127; erhöhe deine furcht mit allem schauderhaften magischer kräfte, verwünschungen, zaubereien, beschwörungen und nächtlicher unthaten Herder 6, 10
S.; vor ihrem ende spricht sie eine verwünschung aus, der aber Kullervo eine andere schnell entgegensetzt J. Grimm
kl. schr. 2 (1865) 94; im ehemaligen amtshause zu Vorderburg ward einstmals jemand durch verwünschung in einen hund verwandelt Reiser
sagen d. Allgäus (1894) 1, 284. 33)
als fluch, verfluchung: man sol sich enthalten von grewlicher verwünschung vnd verschwerung Nigrinus
von zäuberern (1592) 2; auf diesen fluch und verwünschung des vaters blieb der knabe ... stehen Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 2, 291; es ist wahr, mein andächtiger leser, dasz Christus und mit ihm viel andere heiligen sich der fluch-gebette und verwünschungen bedienet haben. damit du dich nun recht darein finden mögest, so nehme folgenden unterricht an J. D. Frisch
harpfe Davids (1719) 1005; verwünschungen und segenssprüche ihrer weissager Herder 12, 157
S.; insonderheit gelten die gebete, und verwünschungen der einsiedler und weisen (
bei den Indern) als unwiderrufliche aussprüche des schicksals
ebda 16, 97; welche verwünschungen müssen sich auf mein haupt häufen!
theater d. Deutschen (1768) 1, 253; nun darf ich nichts von dir fürchten, als einen verweis mit lächeln, kein stummes trauren, keine, durch die stärkere gewalt der väterlichen liebe erstickte verwünschungen Lessing 2, 361
L.-M.; ich rufe die verwünschungen zurück, die ich im blinden wahnsinn der verzweiflung auf dein geliebtes haupt herunterrief Schiller 14, 121
G. (
braut v. Messina v. 2676); verwünschungen stürmten über ihre lippen, gegen Rom Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 2, 368; wo sind deine schwüre? deine verwünschungen? unglücklicher! Hippel
lebensläufe (1778) 2, 593; unter verwünschung des ganzen menschlichen geschlechts Klinger
w. 3 (1815) 216; da erzürnte sie und rief laut eine verwünschung des kindes aus J. Grimm
kl. schr. (1864) 1, 102; (
die götter) machten seinen segensspruch fertig und seine verwünschung wirksam G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 210; nun ergosz sich aber seine zunge in verwünschungen gegen die schändlichen räuber, die ihn ... überfallen W. Alexis
hosen (1846) 1, 296; (
er) spricht unwillkürlich den fluch über ihr haupt, und des himmels donner bekräftigen seine verwünschung Immermann
w. 19, 144
Hempel. 44)
von heftigen äuszerungen, in denen sich unwille, erregung, zorn, hasz drohend entlädt. das objekt, gegen das sich die verwünschung richtet, folgt seltener im genitiv, in der regel durch präpositionalen anschlusz: eine gute ruthe (
richtet bei kindern) mehr aus als grausame flüche und verwünschungen Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 775; Belair wurde unter den ärgsten verwünschungen des volkes gerädert Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 382; (
dann) endigt der held in gerechtem eifer mit vorwürfen und verwünschungen Göthe I 51, 141
W.; kaum waren diese ... verwünschungen über die zunge Thümmel
reise (1791) 9, 76; nun drangen die verwünschungen des erwachenden vaters, des gefesselten bruders in die ohren Abdallahs Klinger
w. 7 (1816) 159; Althäa ... überhäufte ihn mit tausend verwünschungen und bereitete ihm selbst den tod Winckelmann
s. w. (1825) 8, 29; das fürchterliche geheul, die verwünschungen (
der fieberkranken) (1833) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 121
Sch.-K.; das lager erscholl von verwünschungen gegen den Muley Ranke
s. w. (1867) 4, 13; neulich ritt er an unserer thür vorüber, die nachbarin nannte seinen namen und sprach eine verwünschung dazu G. Freytag
ges. w. 2 (1886) 235; hinter den fenstern der hütten (
wurden) verwünschungen laut, die sich jedoch niemals hervorwagten G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 11; schwerter klirrten, verwünschungen flogen gegen das haupt des ketzers A. Sperl
söhne d. herrn Budiwoj (1927) 411; mit einer verwünschung schleuderte sie den rasch durch die finger rinnenden leichten sand weit von sich ab Clara Viebig
die vor d. toren (1949) 108.
gern von der erregten menge: von den flüchen und verwünschungen des volkes begleitet E.
M. Arndt
schr. (1845) 1, 188; unter den verwünschungen des publikums Holtei
erz. schr. (1861) 6, 46; unter den verwünschungen des volkes gab er seinen geist auf Ranke
s. w. (1867) 38, 71; unter den verwünschungen des ihm nachfolgenden pöbels Justi
Winckelmann (1866) 1, 38;
häufig verbunden mit fluch
oder in seiner nachbarschaft: ich habe einen haufen flüche und verwünschungen nachgeschiket Winckelmann
s. w. (1825) 10, 324; zu den verwünschungen, welche weit und breit durch ganz Deutschland wider den kaiser erschallten, gesellten sich nunmehr auch die flüche Italiens Schiller 8, 140
G.; der hauptmann ... brach dann in eine flut von flüchen und verwünschungen aus ... über den wein, über diese welt Raabe
s. w. I 4, 71;
andere substantiva zeigen die abgeschwächte bedeutung: er that seinen mund nicht auf zu scheltworten und verwünschungen Miller
pred. f. landvolk (1776) 2, 252; ein minorit ... sagte ihm die ärgerlichsten schimpfreden und verwünschungen ins angesicht Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1828) 4, 190; dessen gebrochenes deutsch von einer unerschöpflichen flut italienischer schimpfwörter und verwünschungen gegen die leute begleitet war Mörike
w. 3, 76
Göschen; nichts als verwünschungen und schmähungen über die fast völlige enterbung (1880) G. Keller
br. u. tageb. 3, 328
Ermat.; da musz man ... zwei stunden auf dem hofe nachexercieren ..., und dann (
des unteroffiziers) verwünschungen und drohungen Fontane
ges. w. (1905) I 6, 11;
auch: klagen und verwünschungen waren zu spät Nicolai
Nothanker (1773) 2, 104; der schmerz und die angst preszte ihnen entsetzliche verwünschungen und klagen aus Novalis
schr. 4, 202
M.; dasz Sophokles Philoktet nicht blos ängstlich und beklemmt seufze, sondern klage, schreie, mit wilden verwünschungen das öde eiland schrecklich anfülle Herder 3, 13
S. mit charakteristischen adjektiven: mein gerechter schmerz erleichtre sich in wütender verwünschung Schiller 5, 37
G.; er wäre in wilde verwünschungen ausgebrochen, nur dass Undine ..., ganz leise bittend, sagte
die jahreszeiten (1811) 1, 157
Fouqué; kein freudiger jauchzer, — wilde verwünschung begleitet die ankunft am langersehnten ziele Barth
Kalkalpen (1874) 581.
in häufig wiederkehrender bildlichkeit: dasz jede dieser erzählungen mit einer flut ungrischer verwünschungen endigte Fontane
ges. w. (1905) I 4, 137; auch unterbrach ihn Spiegelglanz mit einem strom von verwünschungen A. v. Arnim
s. w. 19 (1846) 288; dann aber brach ein solcher schwall von verwünschungen aus ihrem munde Immermann
w. 5, 31
Hempel; Gregor von Heimburg, der ... sich selbst an dem fuss des Vaticans in tausend verwünschungen gegen die curie ergoss Ranke
s. w. (1867) 1, 31.
häufige verbalverbindungen in verwünschungen ausbrechen: Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 420; Musäus
volksmärchen 1, 19
Hempel; Klinger
w. 3 (1815) 103; verwünschungen ausstoszen A. W. Schlegel
s. w. (1846) 9, 55; Stifter
s. w. 3 (1911) 89; Mörike
w. 1, 82
Göschen; Storm
s. w. (1899) 1, 74; O.
M. Graf
unruhe (1948) 131. —