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verwünschung

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verwünschung f.

Bd. 25, Sp. 2387
verwünschung, f. , wie das verbum seit dem späten 16. jh. belegt. lexikalisch: ver-wünschung, f. maledittione, esecratione, detestatione Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1405a. 11) zu verwünschen 1 im sinne eines verstärkten wunsches, nur im östl. md. (schles.) bezeugt: e. kay. maytt. seind unsere unterthänigste gehorsambste dienste nebens treuhercziger verwünschung langes lebens und bestendiger leibesgesundheit befristung und alles kayser- und königlichen wolstandes iederzeit zuvorn (1618) acta publica 1, 60 P.; sambt verwünschung von got dem almächtigen aller erspriesz- vnd gedeylichen wolfart (1618) ebda 1, 81; wird der mutter solches mit verwüntschung tausenterlei segens rühmlich nachgesaget Wisäus sieben gespräche (1625) 286; nebenst verwündschung unsterblicher glückseligkeit Gryphius horribil. 22 ndr. 22) als magisch-religiöse handlung, ohne dasz die gewünschte wirkung deutlich zum ausdruck kommt, vgl. 'von verwandlungen unterscheiden verwünschungen sich darin, dasz sie nicht umgestalten, vielmehr die natürliche form der dinge festbannen und nur in andre lage versetzen; wiewohl der sprachgebrauch auch das verwandelte verwünscht nennt' J. Grimm dt. mythol. (1876) 2, 794: es soll das bildt oder menschlein gestellt werden an einen gewissen ort, mit zugethan etlichen flüchen und verwünschungen Nigrinus von zäuberern (1592) 95; was er getahn hette, darzu wäre er kraft seiner selbst eigenen verwündschung gezwungen worden A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 669; (einen roman), der nicht durch und durch mit beschweerungen, verwünschungen, riesen und anderem solchem zeuge angefüllet ist Bodmer crit. poet. schr. (1741) 2, 127; erhöhe deine furcht mit allem schauderhaften magischer kräfte, verwünschungen, zaubereien, beschwörungen und nächtlicher unthaten Herder 6, 10 S.; vor ihrem ende spricht sie eine verwünschung aus, der aber Kullervo eine andere schnell entgegensetzt J. Grimm kl. schr. 2 (1865) 94; im ehemaligen amtshause zu Vorderburg ward einstmals jemand durch verwünschung in einen hund verwandelt Reiser sagen d. Allgäus (1894) 1, 284. 33) als fluch, verfluchung: man sol sich enthalten von grewlicher verwünschung vnd verschwerung Nigrinus von zäuberern (1592) 2; auf diesen fluch und verwünschung des vaters blieb der knabe ... stehen Prätorius anthrop. pluton. (1666) 2, 291; es ist wahr, mein andächtiger leser, dasz Christus und mit ihm viel andere heiligen sich der fluch-gebette und verwünschungen bedienet haben. damit du dich nun recht darein finden mögest, so nehme folgenden unterricht an J. D. Frisch harpfe Davids (1719) 1005; verwünschungen und segenssprüche ihrer weissager Herder 12, 157 S.; insonderheit gelten die gebete, und verwünschungen der einsiedler und weisen (bei den Indern) als unwiderrufliche aussprüche des schicksals ebda 16, 97; welche verwünschungen müssen sich auf mein haupt häufen! theater d. Deutschen (1768) 1, 253; nun darf ich nichts von dir fürchten, als einen verweis mit lächeln, kein stummes trauren, keine, durch die stärkere gewalt der väterlichen liebe erstickte verwünschungen Lessing 2, 361 L.-M.; ich rufe die verwünschungen zurück, die ich im blinden wahnsinn der verzweiflung auf dein geliebtes haupt herunterrief Schiller 14, 121 G. (braut v. Messina v. 2676); verwünschungen stürmten über ihre lippen, gegen Rom Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 368; wo sind deine schwüre? deine verwünschungen? unglücklicher! Hippel lebensläufe (1778) 2, 593; unter verwünschung des ganzen menschlichen geschlechts Klinger w. 3 (1815) 216; da erzürnte sie und rief laut eine verwünschung des kindes aus J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 102; (die götter) machten seinen segensspruch fertig und seine verwünschung wirksam G. Freytag ges. w. 17 (1888) 210; nun ergosz sich aber seine zunge in verwünschungen gegen die schändlichen räuber, die ihn ... überfallen W. Alexis hosen (1846) 1, 296; (er) spricht unwillkürlich den fluch über ihr haupt, und des himmels donner bekräftigen seine verwünschung Immermann w. 19, 144 Hempel. 44) von heftigen äuszerungen, in denen sich unwille, erregung, zorn, hasz drohend entlädt. das objekt, gegen das sich die verwünschung richtet, folgt seltener im genitiv, in der regel durch präpositionalen anschlusz: eine gute ruthe (richtet bei kindern) mehr aus als grausame flüche und verwünschungen Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 775; Belair wurde unter den ärgsten verwünschungen des volkes gerädert Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 382; (dann) endigt der held in gerechtem eifer mit vorwürfen und verwünschungen Göthe I 51, 141 W.; kaum waren diese ... verwünschungen über die zunge Thümmel reise (1791) 9, 76; nun drangen die verwünschungen des erwachenden vaters, des gefesselten bruders in die ohren Abdallahs Klinger w. 7 (1816) 159; Althäa ... überhäufte ihn mit tausend verwünschungen und bereitete ihm selbst den tod Winckelmann s. w. (1825) 8, 29; das fürchterliche geheul, die verwünschungen (der fieberkranken) (1833) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 121 Sch.-K.; das lager erscholl von verwünschungen gegen den Muley Ranke s. w. (1867) 4, 13; neulich ritt er an unserer thür vorüber, die nachbarin nannte seinen namen und sprach eine verwünschung dazu G. Freytag ges. w. 2 (1886) 235; hinter den fenstern der hütten (wurden) verwünschungen laut, die sich jedoch niemals hervorwagten G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 11; schwerter klirrten, verwünschungen flogen gegen das haupt des ketzers A. Sperl söhne d. herrn Budiwoj (1927) 411; mit einer verwünschung schleuderte sie den rasch durch die finger rinnenden leichten sand weit von sich ab Clara Viebig die vor d. toren (1949) 108. gern von der erregten menge: von den flüchen und verwünschungen des volkes begleitet E. M. Arndt schr. (1845) 1, 188; unter den verwünschungen des publikums Holtei erz. schr. (1861) 6, 46; unter den verwünschungen des volkes gab er seinen geist auf Ranke s. w. (1867) 38, 71; unter den verwünschungen des ihm nachfolgenden pöbels Justi Winckelmann (1866) 1, 38; häufig verbunden mit fluch oder in seiner nachbarschaft: ich habe einen haufen flüche und verwünschungen nachgeschiket Winckelmann s. w. (1825) 10, 324; zu den verwünschungen, welche weit und breit durch ganz Deutschland wider den kaiser erschallten, gesellten sich nunmehr auch die flüche Italiens Schiller 8, 140 G.; der hauptmann ... brach dann in eine flut von flüchen und verwünschungen aus ... über den wein, über diese welt Raabe s. w. I 4, 71; andere substantiva zeigen die abgeschwächte bedeutung: er that seinen mund nicht auf zu scheltworten und verwünschungen Miller pred. f. landvolk (1776) 2, 252; ein minorit ... sagte ihm die ärgerlichsten schimpfreden und verwünschungen ins angesicht Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1828) 4, 190; dessen gebrochenes deutsch von einer unerschöpflichen flut italienischer schimpfwörter und verwünschungen gegen die leute begleitet war Mörike w. 3, 76 Göschen; nichts als verwünschungen und schmähungen über die fast völlige enterbung (1880) G. Keller br. u. tageb. 3, 328 Ermat.; da musz man ... zwei stunden auf dem hofe nachexercieren ..., und dann (des unteroffiziers) verwünschungen und drohungen Fontane ges. w. (1905) I 6, 11; auch: klagen und verwünschungen waren zu spät Nicolai Nothanker (1773) 2, 104; der schmerz und die angst preszte ihnen entsetzliche verwünschungen und klagen aus Novalis schr. 4, 202 M.; dasz Sophokles Philoktet nicht blos ängstlich und beklemmt seufze, sondern klage, schreie, mit wilden verwünschungen das öde eiland schrecklich anfülle Herder 3, 13 S. mit charakteristischen adjektiven: mein gerechter schmerz erleichtre sich in wütender verwünschung Schiller 5, 37 G.; er wäre in wilde verwünschungen ausgebrochen, nur dass Undine ..., ganz leise bittend, sagte die jahreszeiten (1811) 1, 157 Fouqué; kein freudiger jauchzer, — wilde verwünschung begleitet die ankunft am langersehnten ziele Barth Kalkalpen (1874) 581. in häufig wiederkehrender bildlichkeit: dasz jede dieser erzählungen mit einer flut ungrischer verwünschungen endigte Fontane ges. w. (1905) I 4, 137; auch unterbrach ihn Spiegelglanz mit einem strom von verwünschungen A. v. Arnim s. w. 19 (1846) 288; dann aber brach ein solcher schwall von verwünschungen aus ihrem munde Immermann w. 5, 31 Hempel; Gregor von Heimburg, der ... sich selbst an dem fuss des Vaticans in tausend verwünschungen gegen die curie ergoss Ranke s. w. (1867) 1, 31. häufige verbalverbindungen in verwünschungen ausbrechen: Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 420; Musäus volksmärchen 1, 19 Hempel; Klinger w. 3 (1815) 103; verwünschungen ausstoszen A. W. Schlegel s. w. (1846) 9, 55; Stifter s. w. 3 (1911) 89; Mörike w. 1, 82 Göschen; Storm s. w. (1899) 1, 74; O. M. Graf unruhe (1948) 131. —
8771 Zeichen · 164 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    VerwünschungDie

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Die Verwünschung , Mz. — en . 1) Die Handlung, da man etwas verwünscht; ohne Mehrzahl. 2) Die Worte oder Ausdrücke, womi…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Verwünschung

    Goethe-Wörterbuch

    Verwünschung [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Verwünschungf.

    Mecklenburgisches Wb.

    Verwünschung f. Hexerei: früher is jo väl Verwünschung wäst Gü Rothsp .

  4. Spezial
    Verwünschung

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ver|wün|schung f. (-,-en) 1 maledisciun (-s) f. 2 strinët (-ëc) m. , incantejim (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verwuenschung

6 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verwuenschung 3 Analysen

ver- + wuenschung

verwuenschung leitet sich vom Lemma wuenschung ab mit Präfix ver-.

Alternativen: verwuenschen+-ung ver-+wunsch+-ung

verwuenschung‑ als Erstglied (6 von 6)

verwünschungsfluch

DWB

verwuenschung·s·fluch

verwünschungsfluch , m. : so oft der jahrestag wiederkehret, an welchem du mich des verwünschungsfluches entbandest Musäus volksmärchen 2, 8…

verwünschungsformel

DWB

verwuenschung·s·formel

-formel , f. : in altfranzösischen gedichten finde ich oft die verwünschungsformel: mal feu arde J. Grimm mythol. (1875) 1, 501 ; die sponsi…

verwünschungsgebet

DWB

verwuenschung·s·gebet

-gebet , n. : über der mutter fluch, die, erboszt von des bruders ermordung, viele verwünschungsgebet an die götter richtete Jordan Ilias 19…

verwünschungspsalm

DWB

verwuenschung·s·psalm

-psalm , m. : dasz es dem geist der religion gemäsz sey, gebete zu gebrauchen, als die ... verwünschungspsalmen sind allg. dt. bibl. (1765) …

verwünschungsrede

DWB

verwuenschung·s·rede

-rede , f. : es kunte frl. Eva Maria solche harte schelt- und verwünschungsrede nicht länger vertragen Bucholtz Herkuliskus (1665) 458 . —