verwünschen,
vb. ,
einen bösen wunsch über jemand (
etwas)
aussprechen; verfluchen (
s. o.)
nahestehend, jedoch nicht von gleicher schärfe und gerade in der abgeschwächten bedeutung, so als ausdruck starker miszbilligung, sehr verbreitet; mundartl. auch im sinne von '
wünschen'
bezeugt (
s. 1).
literarisch seit dem späten 16.
jh., lexikalisch seit dem 17.
jh. belegt: verwüntschen
execrari, imprecari Reyher
thes. (1668) 3523; mis-, verwünschen
exsecrari, male precari Stieler
stammb. (1691) 2498; verwünschen
maledire, it. esecrare, detestare, valere, imprecare ogni male Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1405
a; einen verfluchen und verwünschen
maledire, detestare e esecrare uno ebda; verwünschet,
praes. ich verwünsche
devoveo, mala precor. er verwünscht es
hoc tristissimis omnibus persequitur; eines andern rathschläge verwünschen
alterius consilia exsecrari Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 1050.
in ostmd. (
schles.)
und schwäb. maa. führt verwünschen
ein eigenes leben (
s. 1).
die übrigen dialekte (
Bayern, Elsasz, Luxemburg, Waldeck, Mansfeld, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Pommern)
kennen das wort unter einflusz der schriftsprache in der regel als interjektion (
s. u. 4 a). 11)
im sinne von 'wünschen';
die literarischen belege sind vornehmlich schlesisch: wir ... verwünschen ihnen gancz treulichen, das solche (
überbringung einer abschrift) ... viel fruchten möge (1618)
acta publica 1, 62
P.; da geht er selber hin, verwünschet, dasz ihn gott auch ferner also treibe, zu leben, wie er heischt, und bei gesundem leibe gesundes herze sei Opitz
ausgew. dicht. 147
T.; indesz verwünschen wir zur seelgen friedensruh der frommen seelen glükk Scherffer
ged. (1652) 338; zu welcher von ihm wohl verdienten erhöhung ich ihm, was er selbst begehren mag, von hertzen verwünsche Gryphius
lustsp. 108
P. reflexiv: das sie (
die stände) nemlich nicht ihres verderbens begierig, sondern mit ihnen viel lieber in christlicher liebe und einigkeit zu leben sich verwünschten (1618)
acta publica 1, 164
P.; o du auserwehltes höhlgen! wie verwünsch ich mich hinein, dasz mein kleines armes seelgen ewig möge in dir sein
anh. z. gesangb. d. brüdergem. (1741)
nr. 1864; wie sich ein waldmann verwünschen mag, jagen zu wollen bis an jenen hag, so verwünsche ich mich ins heilands herze Zinzendorf
περὶ ἑαυτοῦ (
um 1746) 106. —
im schwäb. begegnet vereinzelt: i wünsch euch alles was i nu
r verwensch ka
als neujahrswunsch s. Fischer 2, 419
a.
zu der dort als verbreitet bezeichneten wendung das ist verwünscht recht
vgl. unten 4
d. 22)
einen bösen wunsch über jemanden (
etwas)
aussprechen bzw. hegen. 2@aa)
mit persönlichem objekt: je mehr Clawert das weib zu versünen vermeinet, je erger und hefftiger sie ihn schalt und verwunschet Krüger
Clawerts werckl. hist. 29
ndr.; die menschen werden noch auff dem miste sterben müssen, weil sie ihre eigene mutter so verwünschen Chr. Reuter
Schelmuffsky 111
ndr.; wie machen sie's in Frankreich, wenn die liebhaber untreu sind? man verwünscht sie Göthe I 11, 56 (
Clavigo)
W.; fluchwürdig schicksal des soldaten! wo er hinkommt, flieht man vor ihm, wo er weggeht, verwünscht man ihn! Schiller 12, 119
G. (
Piccolomini 2, 7); dich wird einst Rom für diese that verwünschen Collin
Regulus 76.
reflexiv: ich verwünschte mich, warf mich auf den boden Göthe I 25, 136
W.; an diesem gedanken allein könnte ich wahnsinnig werden und mich und mein leben verwünschen (1809) Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 461.
redensartlich: sich dem teufel verwünschen Kramer
teutsch-ital. 2 1702) 1405; da er nun den schwur und wunsch offt widerholte, sich dem teuffel zu verwünschen Nigrinus
von zäuberern (1592) 7. 2@bb)
mit sachlichem objekt: wenn ich gleich selbst ... manchmal gern ins theater gehe, so möchte ich es doch oft verwünschen Göthe I 21, 7
W.; hierauf verwünschten die einwohner das gold br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 43.
von abstraktem: o! diese staatskunst, wie verwünsch ich sie! Schiller 12, 197
G. (
Piccolomini 5, 3); und ich verwünsche die kunst, wenn sie die ohren betäubt Hegner
ges. schr. (1828) 5 189; er ... verwünschte innerlich die convenienz, die ihm den zwang auferlegte, verletzende scherze scherzhaft hinzunehmen Holtei
erz. schr. (1861) 7, 177; (
der kaiser) verwünschte die sogenannte aufklärung, die ihn und sein volk an den rand des abgrunds gebracht Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 205.
von vorgängen: tausendfach war ihm sein verlust ersetzt, und eben der sturm, den er verwünschte, bereicherte ihn
briefe, d. neueste litt. betr. 2, 375
Nicolai; sie verwünschte den unangenehmen zufall, dasz ihr mann nun doch erfahren hatte, was man ihm verbergen wollte Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 4, 408; so lebhaft die russischen generale vor kurzem erst den preussischen krieg verwünscht hatten Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 322. 2@cc)
von der eigenen eigenschaft und verhaltensweise: diesen augenblick verwünschte ich beynahe mein mitleidendes herz S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 284; sie würden sich auf der welt ganz allein glauben, sie würden bald ihre natur, die sie von allen menschen trennt, verwünschen Göthe I 40, 240
W.; er ... verwünschte seine unschlüssigkeit, die ihn verhindert, eine erklärung herbeizuführen Moltke
schr. u. denkw. (1892) 1, 84.
ebenso von eigener handlung, die man rückblickend miszbilligt und verurteilt: drum hab ich auch schon offt so vieler jahre frucht, mein gantzes tichtewerck verwünschet und verflucht Hofmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 7, 52; das unternehmen hat oft ganz widerwärtig gestockt, und ich habe es oft im stillen verwünscht Göthe
gespräche 8, 23
Bied.; da erhoben die männer ein allgemeines geschrei und verwünschten jeden bissen, den sie, von frauenlist hintergangen, im gasthofe genossen hatten Langbein
s. schr. (1835) 31, 144; (
er) verwünschte die schwachheit, die er gehabt hatte, sich so sehr von ihm einnehmen ... zu lassen Wieland
Agathon (1766) 2, 133;
daher häufig sich der bedeutung '
bereuen'
nähernd: wäre er (
der vorfall) wirklich niederträchtig und unwürdig von seiten Ulysses, ... müszten wir in der folge verwünschen, ihn in dieser situation gekannt zu haben Herder 3, 218
S.; wie oft möchte ich es verwünschen, dasz ich auch einmal so glücklich seyn wollen als andere menschen! Lessing 18, 284
L.-M.; ich ... verwünschte tausendmal in einer minute, dasz ich es mir als vergünstigung erbeten, die kleine reise mitmachen zu dürfen Holtei
erz. schr. (1861) 2, 160. 33)
vielfach im sinne von '
wegwünschen'
verstanden und auch so ausdrücklich erklärt: verwünschen
schlieszt ein, was in fluchen
nicht liegt, dasz der gegenstand weg, fern hin gewünscht wird Maasz-Eberhard
synonymik (1818) 2, 124; verwünschen
soviel als weg wünschen, wünschen, dasz es nicht da sei oder dagewesen sei Krünitz
öcon. encycl. 219 (1854) 355; man heiszt alsdann diese dinge verwünschte dinge, weil man sie gern weit weg wünschte Gottsched
beob. (1758) 387; wünschen darf man zu einem buch, aber man musz nicht zum wegwünschen genöthigt sein, aus welchem wort das verwünschen entstanden ist Göthe
gespräche 8, 356
Bied. nicht selten legt der zusammenhang die bedeutung '
wegwünschen'
nahe: wie würde ich mich freuen, wenn sie ihre ganze wut an mir auslassen, und mich voller verzweiflung, ich weisz nicht wohin, verwünschen müszten! Lessing 2, 103
L.-M.; er sah seine mutter allein aus dem hofraume fahren und verwünschte im stillen die gäste, die ihn zurück hielten Holtei
erz. schr. (1861) 21, 84; der ring, den wir so sehr bewundern, wird vielleicht von den bewohnern Saturns verwünscht, weil er ihnen das wenige sonnenlicht ... raubt Schubert
verm. schr. (1823) 4, 70; Gordon, der ... die mit allerhand rotem blattwerk zwischen ihm und Cécile stehende vase zu verwünschen begann Fontane
ges. w. (1905) I 4, 249; Line ... verwünschte die alte hexe, neben der sie das kreuzfeuer so vieler augen aushalten muszte
ebda I 6, 378.
besonders dann, wenn die örtlichkeit angegeben wird, in die man etwas verwünscht: und verwünscht den Aristoteles in den abgrund der hölle Rabener
s. schr. (1777) 1, 227; das ist jene alte ewige nacht, jenes fürchterliche dunkel, in welches der fluchende Hiob seinen geburtstag verwünschet Herder 6, 5
S. 44)
das part. prät., vor allem in adjekt. gebrauch. 4@aa)
prädikativ in der verwünschungsformel: verwünscht seyn überhaupt alle eroberungskriege Herder 17, 55
S.; verwünscht sind seine wohltaten und seine art Lessing 2, 111
L.-M.; verwünscht! dreymal verwünscht sey diese reise! Schiller 12, 93
G.; ha! verwünscht will ich seyn, wenn ich diese weibsbrust schone! Gerrstenbeg
Ugolino 261
H.; verwünscht die schwätzerin, die träumerin! maler Müller
w. (1811) 1, 67; kommst du doch? dasz du verwünscht seist!
dt. volksbücher 1, 32
Simrock. als interjektion: verwünscht! er ist entwischt Schiller 14, 280
G.; verwünscht! diess ist der einzige umstand, mit dem ich nicht fertig werden kann Klinger
w. (1809) 3, 127; verwünscht, das konnte nett werden Karl Bröger
d. unbekannte soldat (1917) 88. 4@bb)
als adjektivisches epitheton, mit verflucht
gleichsinnig: o erde! schlinge nur verwünschte scepter ein, die der zerschlagnen welt zu hart und eisern seyn Pietsch
schr. 116
B.; wer vor dir steht, und welch verwünschtes haupt du nährst und schützest, ein entsetzen faszte dein groszes herz mit seltnem schauder an Göthe I 10, 14
W. (
Iphigenie v. 268); die österreichische macht total pulverisiert, alle korps der armee vernichtet, drei erzherzöge tot auf dem platz! ein verwünschtes schicksal! H. v. Kleist
w. 4, 84
E. Schmidt; die schlacht begann, deren andenken ... bis in die spätesten tage Roms verwünscht blieb Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 266. 4@cc)
im allgemeinen jedoch weit weniger scharf als verflucht,
darum auch in der umgangssprache weithin gebräuchlich. 4@c@aα)
neben persönlichen begriffen: wenn ich nur den verwünschten Johann finden könnte
dt. schaubühne (1740) 4, 471
Gottsched; wer pocht? ey der verwünschte schneider macht mich fast durch sein mahnen toll Lessing 1, 112
L.-M.; verwünschter junge! was das für augen sind! Göthe I 13, 2, 300
W.; dann soll gott dir gnädig sein, du verwünschter junge! Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 17; wenn die verwünschten Franzosen nur geschlagen werden! Bauernfeld
ges. schr. (1871) 5, 97.
häufig zeigt der substantivische begriff die bedeutungsrichtung an: du verwünschter kerl mit deinem einfalle!
dt. schaubühne (1740) 1, 259
Gottsched; verwünschtes volk der weiber! Schiller 14, 350
G.; das verwünschte pack! Lessing 2, 18, 26
L.-M.; das weisst du nicht, verwünschter galgenstrick, und bist ein bote? H. v. Kleist
w. 2, 417
E. Schmidt; he! der büttel! schmeisst sie heraus dort, die verwünschte vettel!
ebda 1, 387. 4@c@bβ)
neben unpersönlichen, vor allem sachlichen begriffen. hier gewinnt verwünscht
den weitesten anwendungsbereich, weil es art und grad der missbilligung offen läszt. dabei kann es sowohl ein allgemeines urteil über einen zustand zum ausdruck bringen als auch auf einen vorgang, eine situation, sei es der gegenwart oder der vergangenheit, zielen. verwünscht
umfaszt die ganze skala der bezeichnungen unerfreulich, miszlich, ärgerlich, leidig usw., übertrifft sie jedoch in der intensität: hierauf las sie mir ... die verwünschten reime vor Schwabe
belust. 1 (1741) 409; meines letzten reims verwünschte dunkelheit Gottsched
ged. 1 (1751) 420; meine antwort war freilich einigermaszen im eifer geschrieben: das verwünschte quodlibet hatte mich im ernst böse gemacht L. A. Gottsched
br. 1 (1771) 60
Runkel; in diesem verwünschten lande Gellert
s. schr. (1839) 4, 316; der verwünschte dialekt Herder 20, 104
S.; o das verwünschte wort: classisch!
ders., 1, 412; das leidige, verwünschte geld! Lessing 3, 44
L.-M.; das verwünschte dorf! ich kann's unmöglich wieder gewohnt werden
ders., 2, 186; das verwünschte puppenspiel Göthe I 21, 8
W.; der verwünschte besuch, den sie euch nach dem Hamlet abgestattet hatte
ebda 23, 228; verwünschte eifersucht Schiller 1, 339
G.; ein zufall, ein verwünschter, hat um beide perücken mich gebracht H. v. Kleist
w. 1, 346
E. Schmidt; verwünschter lauf der welt! Cronegk
schr. (1771) 1, 354; gefangen! 's ist doch ein verwünschtes wort! Körner
w. 3, 249
Hempel; wenn nur die verwünschte thüre schlösse! Raupach
dram. w. kom. gattung (1829) 4, 69; ich (
kann) verwünschten jetzigen flanell nicht weiter tragen Beethoven
s. br. 4, 267
Kal.; schrecklich ist gewirthschaftet worden in den letzten verwünschten jahren
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 133; wohin führen sie mich? er erwiderte mit verwünschter gelassenheit: zur gruft
ebda 4, 254; das verwünschte wetter
ebda 6, 285; (
ich fuhr) mit den füszen in einen verwünschten sack, dasz ich sie nicht ausstrecken konnte G. Keller
ges. w. (1889) 1, 297; wenn nur erst der verwünschte 13te (
Freytags 70.
geburtstag) vorüber wäre (1886) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 71; doch offen, bester, ich sage dir, du hast eine ganz verwünschte manier Mörike
w. 1, 246
Göschen. im sinne von '
fatal, verhängnisvoll': (
Lucas:) unser alter herr Lysimon ist da. (
Burlin:) das wäre ein verwünschter streich!
slg. v. schauspielen (1764) 2, 32
a; der verwünschte zufall von krankheit, der mir vorigen frühjahr zustiesz Heinse
s. w. 9, 410
Sch.; der verwünschte einfall, ihn so früh aus den händen zu geben Klinger
w. (1809) 1, 116; verwünschter auftrag, murmelte er, schändliche aufgabe! Holtei
erz. schr. (1861) 24, 112; es war eine zu verwünschte angelegenheit Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 174.
gelegentlich auch ohne jeden abwertenden nebensinn wie '
verteufelt': wir wollen ihnen (
den Nazarenern) keine zeit lassen. ich habe einige verwünschte einfälle, von denen ich mir viel wirkung verspreche Göthe IV 28, 170
W.; wer denkt, dasz das verwünschte blitzmädle solche kraft hat O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 311; sie (
die Heiterethei) hat verwünschte reden, wenn sie anfängt
ebda 2, 131.
bei ihm auch im sinne von '
närrisch': es war verwünscht, dasz Apollonius sich glauben machen liesz, Fritz Nettenmair sei eifersüchtig! ... es war noch nichts verwünschteres auf der welt passiert, als das! ... er lachte nun über die frau, die so verwünscht sei, ihm zornig vorzuhalten, dasz er sie von der gnade des verhaszten abhängig gemacht hatte 1, 256. 4@c@gγ)
vereinzelt und zwar gebunden an den Wiener raum begegnet die form verwunschen: hier (
nach überreichung des arrestbefehls) schwieg unser oft verwunschene(r) profos (1781)
d. hausball 3
Wiener ndr.; heut hat die flatterhaftigkeit einen sehr sanften schlaf; die verwunschene person Nestroy
ges. w. (1890) 10, 144; schau, dass dich der ochsenzehn arm macht. (
Bertha) es kann nicht g'schehn — ich bitt dich, Jaromir — es ist ein verwunschner ochsenzehn — mit dem hat jedes weib in meiner familie — wie ich vernommen — von ihrem mann die schönsten prügel bekommen Meisl
theatr. quodlibet (1820) 4, 224. 4@dd)
adverbial, als steigerungsadverbium. vgl. die parallelentwicklung bei verdammt, verflucht, verteufelt: wär der gedank nicht so verwünscht gescheit, man wär versucht, ihn herzlich dumm zu nennen Schiller 12, 124
G. (
Piccolomini 2, 7);
im anschlusz daran wohl: Drusus erklärung (
war) ... so verwünscht gescheit, dasz sie beinahe herzlich albern war Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 121; sonst aber habe ich verwünscht wenig lust zur alterthumskunde (1873) Müllenhoff in:
briefw. 246
Leitzm. daher auch: er hätte verwünscht keine lust, korn zu messen und lämmer auszuzählen
qu. aus d. j. 1935; ich wäre verwünscht gerne einmal nach dort (
London), um euch (
Marx und Engels) persönlich kennenzulernen Bebel
a. meinem leben (1946) 3, 134. 55)
in neuerer zeit mit resultativer bedeutung einen verwünschen
ihm mit erfolg etwas böses anwünschen, einen zauber über ihn verhängen. 5@aa)
durch göttliche oder magische kraft verzaubern, verwandeln: wie etwan Thisbe also über dem entleibten Pyramum die weisze maulbeerfrucht mit ihrem verwünschen in schwartze versetzete Prätorius
winterfl. d. sommervögel (1678) 51; nach dem verbrechen hat gott die beyden bäume verwünschet Bodmer
Noah (1752) 177; (
ein see,) welcher in alten zeiten verwünschet worden und von feyen und wassernixen bewohnt wird Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 346; ich glaube doch, solch dunkelkluges volk hat gaben zum verwünschen Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 151; da verwünscht der zwerg den ring W. Grimm
heldensage (1867) 392.
mit lokaler ergänzung: darauff (
auf den berg) soll eine schöne jungfrau vor zeiten verbannet und verwündschet seyn Prätorius
glückstopf (1669) 506; o wäre der Tartarus nicht eure wohnung, dasz ich euch hin verwünschen könnte! Göthe I 17, 48
W.; als möchte jeder den nachbar wenigstens nach Helgoland oder in die Pyrenäen verwünschen (1869) Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 1.
in einen andern zustand versetzen: wie ihn der prinz sah, verwünschte er ihn gleich in einen pudel br. Grimm
kinder- u. hausmärchen 1, 352; wie sie sich den ring (
einen zauberring) verschafft und sich zu vornehmen, schönen, jungen leuten gemacht, den graf Gockel und seine familie aber in arme bettler verwünscht hätten Brentano
ges. schr. (1852) 5, 174. zu etwas verwünschen: eine königstochter, zur kröte verwünscht J. Grimm
kl. schr. 2 (1865) 277. 5@bb)
das part. prät. verwünscht
und verwunschen:
die form verwünscht
im sinne von verzaubert überwiegt seit dem 18.
jh.: hinten ein verwünschtes zauberschlosz voll götter, ritter und riesen Herder 2, 113
S.; sie kamen vor dem äuszersten thor eines hauses an, welches einem verwünschten schlosse ähnlicher sah, als einem landhauss Wieland
Agathon (1766) 2, 334; in diesem artigen thiere stak ein verwünschter prinz Göthe I 22, 261
W.; bis die geweihte hand eines wundarztes den verwünschten prinzen erlöszt Schiller 2, 350
G.; mährchen von verwünschten prinzessinnen
ders., 3, 12; verzierungen ... aus alten verwünschten schlössern und rüstkammern Heinse
s. w. 7, 156
Sch.; das traurige märchen vom verwünschten prinzen ohne kopf Rabener
s. schr. (1777) 5, 64; ich musz als die hände überm kopf zusammenschlagen über so einen armen verwünschten prinzen, der ... zu marmelstein musz werden Bettine
dies buch geh. d. könig (1843) 1, 147; ick bidd di, dat du mi lewen lettst, ick bin keen rechte butt, ick bin een verwünscht prins br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 69; sie (
die ratten) seien noch von den alten klosterzeiten her und könnten gar verwünschte mönche sein Kerner
bilderbuch (1849) 162; es gibt auch verwünschte schätze! vor denen ein drache liegt Meisl
theatr. quodlibet (1820) 3, 137; denn ihr wiszt wohl, es war selbst nur ein armer verwünschter prinz Th. Storm
s. w. (1919) 3, 124.
die starke flexion des part. prät., die als gewunschen
in obd. und md. mundarten bezeugt ist, vgl. teil 4, 1, 4,
sp. 6794
und Fischer
schwäb. 6, 890,
wird bei verwünschen
zufrühest im Wiener lustspiel bezeugt; vgl. die formen oben unter 4 c
γ: meinen verwunschenen prinzessinnen (
vor 1764) Hafner
ges. schr. (1812) 3, 39; des angenehmen traums verwunschne phantaseyen, wie wiszt ihr uns im schlaf doch öfters zu erfreuen
ebda 1, 25; ich kam mir vor wie ein ... verwunschener prinz
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, 33; die sage ..., es sei irgendwo ein schwarzes zauberwasser in dem walde, ... um das eine verwunschene graue steinwand steht Stifter
s. w. 1 (1904) 267; der verwunschene prinz Gaudy
s. w. (1844) 2, 71;
ebenso Treitschke
hist. aufs. (1886) 1, 467; 2, 366;
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 310; 4, 169; Eichendorff
s. w. (1864) 3, 55; dieses verwunschene schlosz Immermann
w. 1, 119
Boxb.; ebenso bei M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 239; ich werde hier (
in London) verwunschen bleiben, bis eine deutsche prinzessin ... mich aus diesem zauberschlaf weckt Th. Fontane
ges. w. (1920) II 4, 128; wie hungrige wölfe, verwunschen und weisz in kreisenden rudeln trieb das eis Agnes Miegel
balladen u. lieder (1922) 14; erstarrten herzens, ... stand Knecht ..., entsetzten und doch unersättlichen blicks in den verwandelten und verwunschenen himmel schauend H. Hesse
d. glasperlenspiel (1943) 2, 280; verwunschen und verstört ist die welt durch den schlimmen wahn, sie sei von gott verlassen Bruno Wille
d. abendburg (1909) 296; das leben hier hinter der welt und von allem leben geschieden! als wären wir verwunschen, bäume zu werden Ina Seidel
Lennacker (1938) 577.
in jüngerer zeit gewinnt verwunschen
als selbständiges adjektiv, gelöst vom verbum, einen fest umgrenzten anwendungsbereich, so vor allem um die verträumte schönheit eines stillen, versponnenen, abgelegenen winkels zu charakterisieren: in jenem verwunschenen erdenwinkel Barth
Kalkalpen (1874) 462; drei ... häuschen, die totstill und verwunschen ... dalagen Fontane
ges. w. (1905) I 4, 328; das vom wein überwachsene gitter ..., die malvenkronen und die strauchspitzen des tiefer gelegenen gartens, alles märchenhaft und wie verwunschen
ebda 2, 382; hinter den kornsäcken war eine verwunschene welt (
für die kinder) H. Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 74; (
wir) stiegen täglich die morsche treppenfolge zu seinem verwunschenen stübchen hinauf Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 202; die alten ... häuser ..., wie sie abgezirkelt und reinlich ... diesen seltsamen platz begrenzten, der ja immer etwas verschollenes hatte, etwas von einer verwunschenen bühne El. Langgässer
d. unauslöschl. siegel (1946) 147;
anders: neuschaffen wort hat lächelnd verwunschenen sinn (
von Goethes hintergründigem stil) Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 96.