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verwünschen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verwünschen vb.

Bd. 25, Sp. 2381
verwünschen, vb. , einen bösen wunsch über jemand (etwas) aussprechen; verfluchen (s. o.) nahestehend, jedoch nicht von gleicher schärfe und gerade in der abgeschwächten bedeutung, so als ausdruck starker miszbilligung, sehr verbreitet; mundartl. auch im sinne von 'wünschen' bezeugt (s. 1). literarisch seit dem späten 16. jh., lexikalisch seit dem 17. jh. belegt: verwüntschen execrari, imprecari Reyher thes. (1668) 3523; mis-, verwünschen exsecrari, male precari Stieler stammb. (1691) 2498; verwünschen maledire, it. esecrare, detestare, valere, imprecare ogni male Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1405a; einen verfluchen und verwünschen maledire, detestare e esecrare uno ebda; verwünschet, praes. ich verwünsche devoveo, mala precor. er verwünscht es hoc tristissimis omnibus persequitur; eines andern rathschläge verwünschen alterius consilia exsecrari Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1050. in ostmd. (schles.) und schwäb. maa. führt verwünschen ein eigenes leben (s. 1). die übrigen dialekte (Bayern, Elsasz, Luxemburg, Waldeck, Mansfeld, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Pommern) kennen das wort unter einflusz der schriftsprache in der regel als interjektion (s. u. 4 a). 11) im sinne von 'wünschen'; die literarischen belege sind vornehmlich schlesisch: wir ... verwünschen ihnen gancz treulichen, das solche (überbringung einer abschrift) ... viel fruchten möge (1618) acta publica 1, 62 P.; da geht er selber hin, verwünschet, dasz ihn gott auch ferner also treibe, zu leben, wie er heischt, und bei gesundem leibe gesundes herze sei Opitz ausgew. dicht. 147 T.; indesz verwünschen wir zur seelgen friedensruh der frommen seelen glükk Scherffer ged. (1652) 338; zu welcher von ihm wohl verdienten erhöhung ich ihm, was er selbst begehren mag, von hertzen verwünsche Gryphius lustsp. 108 P. reflexiv: das sie (die stände) nemlich nicht ihres verderbens begierig, sondern mit ihnen viel lieber in christlicher liebe und einigkeit zu leben sich verwünschten (1618) acta publica 1, 164 P.; o du auserwehltes höhlgen! wie verwünsch ich mich hinein, dasz mein kleines armes seelgen ewig möge in dir sein anh. z. gesangb. d. brüdergem. (1741) nr. 1864; wie sich ein waldmann verwünschen mag, jagen zu wollen bis an jenen hag, so verwünsche ich mich ins heilands herze Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (um 1746) 106. — im schwäb. begegnet vereinzelt: i wünsch euch alles was i nur verwensch ka als neujahrswunsch s. Fischer 2, 419a. zu der dort als verbreitet bezeichneten wendung das ist verwünscht recht vgl. unten 4 d. 22) einen bösen wunsch über jemanden (etwas) aussprechen bzw. hegen. 2@aa) mit persönlichem objekt: je mehr Clawert das weib zu versünen vermeinet, je erger und hefftiger sie ihn schalt und verwunschet Krüger Clawerts werckl. hist. 29 ndr.; die menschen werden noch auff dem miste sterben müssen, weil sie ihre eigene mutter so verwünschen Chr. Reuter Schelmuffsky 111 ndr.; wie machen sie's in Frankreich, wenn die liebhaber untreu sind? man verwünscht sie Göthe I 11, 56 (Clavigo) W.; fluchwürdig schicksal des soldaten! wo er hinkommt, flieht man vor ihm, wo er weggeht, verwünscht man ihn! Schiller 12, 119 G. (Piccolomini 2, 7); dich wird einst Rom für diese that verwünschen Collin Regulus 76. reflexiv: ich verwünschte mich, warf mich auf den boden Göthe I 25, 136 W.; an diesem gedanken allein könnte ich wahnsinnig werden und mich und mein leben verwünschen (1809) Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 461. redensartlich: sich dem teufel verwünschen Kramer teutsch-ital. 2 1702) 1405; da er nun den schwur und wunsch offt widerholte, sich dem teuffel zu verwünschen Nigrinus von zäuberern (1592) 7. 2@bb) mit sachlichem objekt: wenn ich gleich selbst ... manchmal gern ins theater gehe, so möchte ich es doch oft verwünschen Göthe I 21, 7 W.; hierauf verwünschten die einwohner das gold br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 43. von abstraktem: o! diese staatskunst, wie verwünsch ich sie! Schiller 12, 197 G. (Piccolomini 5, 3); und ich verwünsche die kunst, wenn sie die ohren betäubt Hegner ges. schr. (1828) 5 189; er ... verwünschte innerlich die convenienz, die ihm den zwang auferlegte, verletzende scherze scherzhaft hinzunehmen Holtei erz. schr. (1861) 7, 177; (der kaiser) verwünschte die sogenannte aufklärung, die ihn und sein volk an den rand des abgrunds gebracht Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 205. von vorgängen: tausendfach war ihm sein verlust ersetzt, und eben der sturm, den er verwünschte, bereicherte ihn briefe, d. neueste litt. betr. 2, 375 Nicolai; sie verwünschte den unangenehmen zufall, dasz ihr mann nun doch erfahren hatte, was man ihm verbergen wollte Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 408; so lebhaft die russischen generale vor kurzem erst den preussischen krieg verwünscht hatten Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 322. 2@cc) von der eigenen eigenschaft und verhaltensweise: diesen augenblick verwünschte ich beynahe mein mitleidendes herz S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 284; sie würden sich auf der welt ganz allein glauben, sie würden bald ihre natur, die sie von allen menschen trennt, verwünschen Göthe I 40, 240 W.; er ... verwünschte seine unschlüssigkeit, die ihn verhindert, eine erklärung herbeizuführen Moltke schr. u. denkw. (1892) 1, 84. ebenso von eigener handlung, die man rückblickend miszbilligt und verurteilt: drum hab ich auch schon offt so vieler jahre frucht, mein gantzes tichtewerck verwünschet und verflucht Hofmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 7, 52; das unternehmen hat oft ganz widerwärtig gestockt, und ich habe es oft im stillen verwünscht Göthe gespräche 8, 23 Bied.; da erhoben die männer ein allgemeines geschrei und verwünschten jeden bissen, den sie, von frauenlist hintergangen, im gasthofe genossen hatten Langbein s. schr. (1835) 31, 144; (er) verwünschte die schwachheit, die er gehabt hatte, sich so sehr von ihm einnehmen ... zu lassen Wieland Agathon (1766) 2, 133; daher häufig sich der bedeutung 'bereuen' nähernd: wäre er (der vorfall) wirklich niederträchtig und unwürdig von seiten Ulysses, ... müszten wir in der folge verwünschen, ihn in dieser situation gekannt zu haben Herder 3, 218 S.; wie oft möchte ich es verwünschen, dasz ich auch einmal so glücklich seyn wollen als andere menschen! Lessing 18, 284 L.-M.; ich ... verwünschte tausendmal in einer minute, dasz ich es mir als vergünstigung erbeten, die kleine reise mitmachen zu dürfen Holtei erz. schr. (1861) 2, 160. 33) vielfach im sinne von 'wegwünschen' verstanden und auch so ausdrücklich erklärt: verwünschen schlieszt ein, was in fluchen nicht liegt, dasz der gegenstand weg, fern hin gewünscht wird Maasz-Eberhard synonymik (1818) 2, 124; verwünschen soviel als weg wünschen, wünschen, dasz es nicht da sei oder dagewesen sei Krünitz öcon. encycl. 219 (1854) 355; man heiszt alsdann diese dinge verwünschte dinge, weil man sie gern weit weg wünschte Gottsched beob. (1758) 387; wünschen darf man zu einem buch, aber man musz nicht zum wegwünschen genöthigt sein, aus welchem wort das verwünschen entstanden ist Göthe gespräche 8, 356 Bied. nicht selten legt der zusammenhang die bedeutung 'wegwünschen' nahe: wie würde ich mich freuen, wenn sie ihre ganze wut an mir auslassen, und mich voller verzweiflung, ich weisz nicht wohin, verwünschen müszten! Lessing 2, 103 L.-M.; er sah seine mutter allein aus dem hofraume fahren und verwünschte im stillen die gäste, die ihn zurück hielten Holtei erz. schr. (1861) 21, 84; der ring, den wir so sehr bewundern, wird vielleicht von den bewohnern Saturns verwünscht, weil er ihnen das wenige sonnenlicht ... raubt Schubert verm. schr. (1823) 4, 70; Gordon, der ... die mit allerhand rotem blattwerk zwischen ihm und Cécile stehende vase zu verwünschen begann Fontane ges. w. (1905) I 4, 249; Line ... verwünschte die alte hexe, neben der sie das kreuzfeuer so vieler augen aushalten muszte ebda I 6, 378. besonders dann, wenn die örtlichkeit angegeben wird, in die man etwas verwünscht: und verwünscht den Aristoteles in den abgrund der hölle Rabener s. schr. (1777) 1, 227; das ist jene alte ewige nacht, jenes fürchterliche dunkel, in welches der fluchende Hiob seinen geburtstag verwünschet Herder 6, 5 S. 44) das part. prät., vor allem in adjekt. gebrauch. 4@aa) prädikativ in der verwünschungsformel: verwünscht seyn überhaupt alle eroberungskriege Herder 17, 55 S.; verwünscht sind seine wohltaten und seine art Lessing 2, 111 L.-M.; verwünscht! dreymal verwünscht sey diese reise! Schiller 12, 93 G.; ha! verwünscht will ich seyn, wenn ich diese weibsbrust schone! Gerrstenbeg Ugolino 261 H.; verwünscht die schwätzerin, die träumerin! maler Müller w. (1811) 1, 67; kommst du doch? dasz du verwünscht seist! dt. volksbücher 1, 32 Simrock. als interjektion: verwünscht! er ist entwischt Schiller 14, 280 G.; verwünscht! diess ist der einzige umstand, mit dem ich nicht fertig werden kann Klinger w. (1809) 3, 127; verwünscht, das konnte nett werden Karl Bröger d. unbekannte soldat (1917) 88. 4@bb) als adjektivisches epitheton, mit verflucht gleichsinnig: o erde! schlinge nur verwünschte scepter ein, die der zerschlagnen welt zu hart und eisern seyn Pietsch schr. 116 B.; wer vor dir steht, und welch verwünschtes haupt du nährst und schützest, ein entsetzen faszte dein groszes herz mit seltnem schauder an Göthe I 10, 14 W. (Iphigenie v. 268); die österreichische macht total pulverisiert, alle korps der armee vernichtet, drei erzherzöge tot auf dem platz! ein verwünschtes schicksal! H. v. Kleist w. 4, 84 E. Schmidt; die schlacht begann, deren andenken ... bis in die spätesten tage Roms verwünscht blieb Niebuhr m. gesch. (1811) 2, 266. 4@cc) im allgemeinen jedoch weit weniger scharf als verflucht, darum auch in der umgangssprache weithin gebräuchlich. 4@c@aα) neben persönlichen begriffen: wenn ich nur den verwünschten Johann finden könnte dt. schaubühne (1740) 4, 471 Gottsched; wer pocht? ey der verwünschte schneider macht mich fast durch sein mahnen toll Lessing 1, 112 L.-M.; verwünschter junge! was das für augen sind! Göthe I 13, 2, 300 W.; dann soll gott dir gnädig sein, du verwünschter junge! Holtei vierzig jahre (1843) 1, 17; wenn die verwünschten Franzosen nur geschlagen werden! Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 97. häufig zeigt der substantivische begriff die bedeutungsrichtung an: du verwünschter kerl mit deinem einfalle! dt. schaubühne (1740) 1, 259 Gottsched; verwünschtes volk der weiber! Schiller 14, 350 G.; das verwünschte pack! Lessing 2, 18, 26 L.-M.; das weisst du nicht, verwünschter galgenstrick, und bist ein bote? H. v. Kleist w. 2, 417 E. Schmidt; he! der büttel! schmeisst sie heraus dort, die verwünschte vettel! ebda 1, 387. 4@c@bβ) neben unpersönlichen, vor allem sachlichen begriffen. hier gewinnt verwünscht den weitesten anwendungsbereich, weil es art und grad der missbilligung offen läszt. dabei kann es sowohl ein allgemeines urteil über einen zustand zum ausdruck bringen als auch auf einen vorgang, eine situation, sei es der gegenwart oder der vergangenheit, zielen. verwünscht umfaszt die ganze skala der bezeichnungen unerfreulich, miszlich, ärgerlich, leidig usw., übertrifft sie jedoch in der intensität: hierauf las sie mir ... die verwünschten reime vor Schwabe belust. 1 (1741) 409; meines letzten reims verwünschte dunkelheit Gottsched ged. 1 (1751) 420; meine antwort war freilich einigermaszen im eifer geschrieben: das verwünschte quodlibet hatte mich im ernst böse gemacht L. A. Gottsched br. 1 (1771) 60 Runkel; in diesem verwünschten lande Gellert s. schr. (1839) 4, 316; der verwünschte dialekt Herder 20, 104 S.; o das verwünschte wort: classisch! ders., 1, 412; das leidige, verwünschte geld! Lessing 3, 44 L.-M.; das verwünschte dorf! ich kann's unmöglich wieder gewohnt werden ders., 2, 186; das verwünschte puppenspiel Göthe I 21, 8 W.; der verwünschte besuch, den sie euch nach dem Hamlet abgestattet hatte ebda 23, 228; verwünschte eifersucht Schiller 1, 339 G.; ein zufall, ein verwünschter, hat um beide perücken mich gebracht H. v. Kleist w. 1, 346 E. Schmidt; verwünschter lauf der welt! Cronegk schr. (1771) 1, 354; gefangen! 's ist doch ein verwünschtes wort! Körner w. 3, 249 Hempel; wenn nur die verwünschte thüre schlösse! Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 4, 69; ich (kann) verwünschten jetzigen flanell nicht weiter tragen Beethoven s. br. 4, 267 Kal.; schrecklich ist gewirthschaftet worden in den letzten verwünschten jahren M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 133; wohin führen sie mich? er erwiderte mit verwünschter gelassenheit: zur gruft ebda 4, 254; das verwünschte wetter ebda 6, 285; (ich fuhr) mit den füszen in einen verwünschten sack, dasz ich sie nicht ausstrecken konnte G. Keller ges. w. (1889) 1, 297; wenn nur erst der verwünschte 13te (Freytags 70. geburtstag) vorüber wäre (1886) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 71; doch offen, bester, ich sage dir, du hast eine ganz verwünschte manier Mörike w. 1, 246 Göschen. im sinne von 'fatal, verhängnisvoll': (Lucas:) unser alter herr Lysimon ist da. (Burlin:) das wäre ein verwünschter streich! slg. v. schauspielen (1764) 2, 32a; der verwünschte zufall von krankheit, der mir vorigen frühjahr zustiesz Heinse s. w. 9, 410 Sch.; der verwünschte einfall, ihn so früh aus den händen zu geben Klinger w. (1809) 1, 116; verwünschter auftrag, murmelte er, schändliche aufgabe! Holtei erz. schr. (1861) 24, 112; es war eine zu verwünschte angelegenheit Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 174. gelegentlich auch ohne jeden abwertenden nebensinn wie 'verteufelt': wir wollen ihnen (den Nazarenern) keine zeit lassen. ich habe einige verwünschte einfälle, von denen ich mir viel wirkung verspreche Göthe IV 28, 170 W.; wer denkt, dasz das verwünschte blitzmädle solche kraft hat O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 311; sie (die Heiterethei) hat verwünschte reden, wenn sie anfängt ebda 2, 131. bei ihm auch im sinne von 'närrisch': es war verwünscht, dasz Apollonius sich glauben machen liesz, Fritz Nettenmair sei eifersüchtig! ... es war noch nichts verwünschteres auf der welt passiert, als das! ... er lachte nun über die frau, die so verwünscht sei, ihm zornig vorzuhalten, dasz er sie von der gnade des verhaszten abhängig gemacht hatte 1, 256. 4@c@gγ) vereinzelt und zwar gebunden an den Wiener raum begegnet die form verwunschen: hier (nach überreichung des arrestbefehls) schwieg unser oft verwunschene(r) profos (1781) d. hausball 3 Wiener ndr.; heut hat die flatterhaftigkeit einen sehr sanften schlaf; die verwunschene person Nestroy ges. w. (1890) 10, 144; schau, dass dich der ochsenzehn arm macht. (Bertha) es kann nicht g'schehn — ich bitt dich, Jaromir — es ist ein verwunschner ochsenzehn — mit dem hat jedes weib in meiner familie — wie ich vernommen — von ihrem mann die schönsten prügel bekommen Meisl theatr. quodlibet (1820) 4, 224. 4@dd) adverbial, als steigerungsadverbium. vgl. die parallelentwicklung bei verdammt, verflucht, verteufelt: wär der gedank nicht so verwünscht gescheit, man wär versucht, ihn herzlich dumm zu nennen Schiller 12, 124 G. (Piccolomini 2, 7); im anschlusz daran wohl: Drusus erklärung (war) ... so verwünscht gescheit, dasz sie beinahe herzlich albern war Mommsen m. gesch. 2 (1874) 121; sonst aber habe ich verwünscht wenig lust zur alterthumskunde (1873) Müllenhoff in: briefw. 246 Leitzm. daher auch: er hätte verwünscht keine lust, korn zu messen und lämmer auszuzählen qu. aus d. j. 1935; ich wäre verwünscht gerne einmal nach dort (London), um euch (Marx und Engels) persönlich kennenzulernen Bebel a. meinem leben (1946) 3, 134. 55) in neuerer zeit mit resultativer bedeutung einen verwünschen ihm mit erfolg etwas böses anwünschen, einen zauber über ihn verhängen. 5@aa) durch göttliche oder magische kraft verzaubern, verwandeln: wie etwan Thisbe also über dem entleibten Pyramum die weisze maulbeerfrucht mit ihrem verwünschen in schwartze versetzete Prätorius winterfl. d. sommervögel (1678) 51; nach dem verbrechen hat gott die beyden bäume verwünschet Bodmer Noah (1752) 177; (ein see,) welcher in alten zeiten verwünschet worden und von feyen und wassernixen bewohnt wird Zachariä poet. schr. (1763) 1, 346; ich glaube doch, solch dunkelkluges volk hat gaben zum verwünschen Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 1, 151; da verwünscht der zwerg den ring W. Grimm heldensage (1867) 392. mit lokaler ergänzung: darauff (auf den berg) soll eine schöne jungfrau vor zeiten verbannet und verwündschet seyn Prätorius glückstopf (1669) 506; o wäre der Tartarus nicht eure wohnung, dasz ich euch hin verwünschen könnte! Göthe I 17, 48 W.; als möchte jeder den nachbar wenigstens nach Helgoland oder in die Pyrenäen verwünschen (1869) Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 1. in einen andern zustand versetzen: wie ihn der prinz sah, verwünschte er ihn gleich in einen pudel br. Grimm kinder- u. hausmärchen 1, 352; wie sie sich den ring (einen zauberring) verschafft und sich zu vornehmen, schönen, jungen leuten gemacht, den graf Gockel und seine familie aber in arme bettler verwünscht hätten Brentano ges. schr. (1852) 5, 174. zu etwas verwünschen: eine königstochter, zur kröte verwünscht J. Grimm kl. schr. 2 (1865) 277. 5@bb) das part. prät. verwünscht und verwunschen: die form verwünscht im sinne von verzaubert überwiegt seit dem 18. jh.: hinten ein verwünschtes zauberschlosz voll götter, ritter und riesen Herder 2, 113 S.; sie kamen vor dem äuszersten thor eines hauses an, welches einem verwünschten schlosse ähnlicher sah, als einem landhauss Wieland Agathon (1766) 2, 334; in diesem artigen thiere stak ein verwünschter prinz Göthe I 22, 261 W.; bis die geweihte hand eines wundarztes den verwünschten prinzen erlöszt Schiller 2, 350 G.; mährchen von verwünschten prinzessinnen ders., 3, 12; verzierungen ... aus alten verwünschten schlössern und rüstkammern Heinse s. w. 7, 156 Sch.; das traurige märchen vom verwünschten prinzen ohne kopf Rabener s. schr. (1777) 5, 64; ich musz als die hände überm kopf zusammenschlagen über so einen armen verwünschten prinzen, der ... zu marmelstein musz werden Bettine dies buch geh. d. könig (1843) 1, 147; ick bidd di, dat du mi lewen lettst, ick bin keen rechte butt, ick bin een verwünscht prins br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 69; sie (die ratten) seien noch von den alten klosterzeiten her und könnten gar verwünschte mönche sein Kerner bilderbuch (1849) 162; es gibt auch verwünschte schätze! vor denen ein drache liegt Meisl theatr. quodlibet (1820) 3, 137; denn ihr wiszt wohl, es war selbst nur ein armer verwünschter prinz Th. Storm s. w. (1919) 3, 124. die starke flexion des part. prät., die als gewunschen in obd. und md. mundarten bezeugt ist, vgl. teil 4, 1, 4, sp. 6794 und Fischer schwäb. 6, 890, wird bei verwünschen zufrühest im Wiener lustspiel bezeugt; vgl. die formen oben unter 4 c γ: meinen verwunschenen prinzessinnen (vor 1764) Hafner ges. schr. (1812) 3, 39; des angenehmen traums verwunschne phantaseyen, wie wiszt ihr uns im schlaf doch öfters zu erfreuen ebda 1, 25; ich kam mir vor wie ein ... verwunschener prinz jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, 33; die sage ..., es sei irgendwo ein schwarzes zauberwasser in dem walde, ... um das eine verwunschene graue steinwand steht Stifter s. w. 1 (1904) 267; der verwunschene prinz Gaudy s. w. (1844) 2, 71; ebenso Treitschke hist. aufs. (1886) 1, 467; 2, 366; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 310; 4, 169; Eichendorff s. w. (1864) 3, 55; dieses verwunschene schlosz Immermann w. 1, 119 Boxb.; ebenso bei M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 239; ich werde hier (in London) verwunschen bleiben, bis eine deutsche prinzessin ... mich aus diesem zauberschlaf weckt Th. Fontane ges. w. (1920) II 4, 128; wie hungrige wölfe, verwunschen und weisz in kreisenden rudeln trieb das eis Agnes Miegel balladen u. lieder (1922) 14; erstarrten herzens, ... stand Knecht ..., entsetzten und doch unersättlichen blicks in den verwandelten und verwunschenen himmel schauend H. Hesse d. glasperlenspiel (1943) 2, 280; verwunschen und verstört ist die welt durch den schlimmen wahn, sie sei von gott verlassen Bruno Wille d. abendburg (1909) 296; das leben hier hinter der welt und von allem leben geschieden! als wären wir verwunschen, bäume zu werden Ina Seidel Lennacker (1938) 577. in jüngerer zeit gewinnt verwunschen als selbständiges adjektiv, gelöst vom verbum, einen fest umgrenzten anwendungsbereich, so vor allem um die verträumte schönheit eines stillen, versponnenen, abgelegenen winkels zu charakterisieren: in jenem verwunschenen erdenwinkel Barth Kalkalpen (1874) 462; drei ... häuschen, die totstill und verwunschen ... dalagen Fontane ges. w. (1905) I 4, 328; das vom wein überwachsene gitter ..., die malvenkronen und die strauchspitzen des tiefer gelegenen gartens, alles märchenhaft und wie verwunschen ebda 2, 382; hinter den kornsäcken war eine verwunschene welt (für die kinder) H. Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 74; (wir) stiegen täglich die morsche treppenfolge zu seinem verwunschenen stübchen hinauf Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 202; die alten ... häuser ..., wie sie abgezirkelt und reinlich ... diesen seltsamen platz begrenzten, der ja immer etwas verschollenes hatte, etwas von einer verwunschenen bühne El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 147; anders: neuschaffen wort hat lächelnd verwunschenen sinn (von Goethes hintergründigem stil) Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 96.
21513 Zeichen · 428 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verwünschen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Verwünschen , verb. regul. act. 1. In die Ferne, oder aus der Reihe der Dinge wünschen. Einen bösen Weg verwünschen. Aus…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verwünschen

    Goethe-Wörterbuch

    verwünschen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verwünschen

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verwünschen verwünschen, verzaubern, verhexen: jem. hett sick in 'n (dreibeinigen) Hasen verwünscht Wi NKlost ; 'n verwü…

  4. Spezial
    verwünschen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ver|wün|schen vb.tr. 1 (verfluchen) maledí (-dësc) 2 (verzaubern) striné (-na), incanté (-tëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verwuenschen

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Ableitung von verwuenschen

ver- + wuenschen

verwuenschen leitet sich vom Lemma wuenschen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verwuenschen 3 Komponenten

ver+(wu+n+schen)

verwuenschen setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — verwuenschen kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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APA
Cotta, M. (2026). „verwuenschen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verwuenschen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „verwuenschen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verwuenschen/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verwuenschen". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verwuenschen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_verwuenschen_2026,
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