verschwemmen,
verb. ,
gurgite haurire, dissipare in aqua. Stieler 1980.
guastare, dissipare d'innondatione. Kramer
deutschit. dict. (1702) 2, 714
a; ich
verschwämme, inundatione destruo; das wasser verschwämmte den graben. Steinbach 2, 550; verschwemmen,
advecto luto tegere, undarum vi rapere, diluviare. Frisch 2, 247
c; '
mit einem herbey geschwemmten hindernisse verstopfen': mit dem ostwinde wird der hafen verschwemmet; '
ingleichen, auf solche art bedecken': das pflaster ist mit sande verschwemmet. Adelung;
in mannigfacherer verwendung bei Campe (
s. die einzelnen folgenden abschnitte).
mhd. verswemmen
mhd. wb. 2, 2, 795
a;
s. oben schwemmen
th. 9,
sp. 2513
; das wort tritt im gebrauch des entwickelten neuhochd. allmählich zurück, besonders in der übertragnen anwendung. 11)
in eigentticher bedeutung, von wasserfluten, die etwas fortreiszen, dann etwas bedecken mit angeschwemmtem (
sand, schlamm),
seltner jetzt im sinne von überschwemmen. absorpti, verswemt (
fortgeführt, gerissen). Diefenbach
nov. gloss. 4
b; die wiesen sind mit sand und schlamm verschwemmt; der flusz verschwemmt durch den sand oder schlamm, welchen er mitführt, den hafen immer mehr. Campe;
das nächste von ihm angeführte beispiel entspricht dem jetzigen sprachgebrauch nicht mehr: der nordwind verschwemmt den hafen, '
läszt das durch den flusz in den hafen ergossene wasser nicht in gehöriger menge aus dem engen ausgange des hafens ausflieszen, so dasz es in demselben in die höhe steigt.'
überschwemmen, unter der flut bedecken: wyr wern als die eyn flut erseufft und uber die gros wasser leufft und mit gewallt verschwemmet. Wackernagel
kirchenl. 3, 17 (Luther 27, 2); derhalb er das grosz meer auffschwelt mit solcher groszer ungestümb und verschwembt das land umb und umb. H. Sachs 17, 432, 1
Keller-Götze; Virulenta, dein verstand ist wie ein seeländisch land, wann die gall es überdämmet, ist das ganze land verschwâmmet. Logau 3, 86, 52; aufgeschwollener strom, woher? wie kommest du hieher? und verschwemmest so stolz brausend dem wandrer den weg. Herder 26, 20
Suphan; wegreiszen, von überflutendem wasser: wie viel hält Kottwick itzt auf sein verschwemmtes haus, von welchem kaum die see sechs steine lassen bleiben? A. Gryphius 2, 94 (1698); vom benachbarten ufer sah ich erhabene ställe verschwemmt mit den herden. Voss
bei Campe; die schwemme kann den braven kutscher auch wohl verschwemmt haben. Lessing
3 2, 209 (
Minna von Barnhelm 3, 2);
durch wasser löschen: desz wassers zvil im löschtrog was, verschwampt jn all jr witze.
lied bei Grüneisen
N. Manuel 419.
in freier wendung: thörichte, dasz ihr da so wehklagt um eine der rosen; und zu tausenden werden sie doch unter Galliens wilden, von menschenblute beströmet, in dem elisischen feld verschwemt. Klopstock
oden 111, 38
Muncker. 22)
die übertragene anwendung schlieszt sich oft eng an die bildliche an: gott ist ein starcker strom der hinnihmt geist und sinn, ach das ich noch nicht gar von ihm verschwemmet bin. Scheffler
cherub. wandersm. 172
neudruck; will uns das unglücksmeer, und Rom die gantze welt ersäuffen und verschwemmen? Lohenstein
Sophonisbe 1, 83. eine fortwährende ebbe und fluth der leidenschaften, die alle häusliche tugenden verschwemmt und vertrübt. Musäus
phys. reisen 1, 92 (1788);
nachahmung einer bei Campe
citierten stelle aus Lavater; verschwemmen
bezeichnet hier zugleich auflösen, verwischen von form und bestand. durch die flut weggeführt, in die flut versunken: in daʒ tief abgründe der wiselosen gotheit in die siu versenket und verswemmet und vereinet werden. Suso
bei Wackernagel
leseb. 886, 10 (1839);
Grimm: wie herrlich die sonne dort untergeht.
R. Moor: (in den anblick verschwemmt) so stirbt ein held anbetungswürdig! Schiller
räuber 3, 2
trauerspiel (
schriften 2, 272);
vgl. verschwimmen.
in verschlimmerndem sinne, nach der wirkung des überflutenden wassers, auflösen, wässrig machen, formen verwischen, bestand trüben, das wesen verschwinden machen; so auch sinnlich: (
ein nebel,) der (wie ein blinder weisz) die formen zu ersäufen und zu verschwemmen pflegt. Wieland 21, 233 (
Klelia und Sinibald 3, 352); die farben verschwemmen, '
sie durch wasser etc. theils dünner, blasser machen, theils mit einander sanft verbinden, und unmerklich in einander übergehen machen'. Campe. die grundphysiognomie durch ebbe und flut der leidenschaften verschwemmt. Lavater
bei Campe; (
die sprache) wurde nicht verkünstelt, nicht verschwemmt und verdorben. Herder 11, 433
Suphan; übertragen: eine geistverschwemmende übersetzung.
beleg bei Campe; wo nun diese poesie durch die spätern und letzten bearbeitungen gefesselt, zerstückelt und verschwemmt ist. Uhland
schriften z. gesch. d. dichtung u. sage 1, 19; eine eigentümliche neigung, die natürlichen ursachen der dinge zu verschwemmen. Bismarck
reden 8, 109;
in besonderer wendung: wenn ich so sasz bei einem gelag, wo mancher sich berühmen mag, und die gesellen mir den flor der mägdlein laut gepriesen vor, mit vollem glas das lob verschwemmt (
mit starkem trunk das lob bekräftigt). Göthe
Faust I (14, 184
Weim. ausg.); 33)
geld und gut durchbringen, durch die kehle jagen: darnach verschwembt und verdempfft es (
das geld) ein anderer. Pauli
oben unter verdämpfen 3,
sp. 198.
anders, fortgleiten lassen und dem gemeinen nutzen entziehen: darmit merklich gelt und guot ussz tutschen landen in wellsche land verhandelt und verschwempt wirt.
quelle von 1507
bei Diefenbach-Wülcker 566. 44)
in anwendung auf einen besonderen fall: daher nie einiges gras um den baum zu leiden, oder sey was es wolle, um den baum herum zu zigeln, dasz die gute nahrung allein der frucht zufliesse, und nicht von den bastarden unnütz verschwemmet werde (
verbraucht, aufgesogen, verschwendet werde, also ähnlich wie unter 3). Hohberg
adl. landleben 1, 419
b (1682).