vermählen,
verb. zur ehe vereinigen, mhd. vermehelen,
mnd. vormalen; vermahelen, vermehelen,
desponsare Dief. 176
c, vermahelt
desponsatus nov. gl. 131
b.
zusammensetzung mit dem 6, 1455
nachgewiesenen mählen
verloben, dessen bedeutung durch zusatz von ver
nicht geändert wird. die bedeutung ist in späterer zeit (
in richtung '
versprechen zur hochzeit')
einseitig entwickelt. 11)
nhd. vermächlen, zur ee verheiszen,
despondere, connubere, destinare puellam Maaler 425
a; vermählen Stieler 1211; keyser Lotharii tochter, Hedwigis, ist dem graffen von Thüringen Ludwig mit dem bart vermahlet worden. Kirchhof
wendunm. 4, 169
Österley; derselbige (konig Latius) hat eine schöne tochter, mit namen Lavinia, welche Turno ... vermählet. 4, 40
Österley. mit dem dativ sich
dabei: da dachten sie, solt es nicht fehlen, sie würden sich die braut vermählen. Bechstein
d. mus. 1, 153 (16.
jh.).
manchmal fehlt sich
und ist aus den zusammensetzungen zu ergänzen: aber derselb unser oheim sol ynner 8 wochen noch uszgange der yeczgnanten zweyer jare nehstkunfftigen die benante unser mumen jungfrawn Annen nach cristlicher ordnung zu einer eelichen gemaheln nemen und vermeheln, als darzuo gehöret.
Weim. staatsarchiv 1442; hab ich Reynharten mein leiblich schwester vermähelt.
Aimon bogen i; die all vier sindt vermehlet woren trefflichen männern und haben geborn auch viel sön und auch töchterlein. H. Sachs 2, 3, 132 (8, 510
Keller); aber Dido, sein schwester zart, dem Sycheo vermehlet wart. 2, 3, 171 (8, 668
Keller); Horati sag, was soll das sein, das du erwürgst die geschweg mein, die meim veter vermehelt war? 2, 3, 5 (8, 20); sie liebten beyde sich, weil er sie zu vermählen vermeynt in redlichkeit sich wil es nicht verhehlen, hofft er, dasz er von dir sie noch erlangen wolt. Dietr. v.
d. Werder
Ariost 5, 64, 1; nun komme was liebet, nun komm es zu zweier verliebter verlobter vermählender feier. Rückert
ges. ged. 1, 475;
bildlich: führt jetzt die süszen reben an ulmenbäumen auf, dasz sie beysammen kleben, als ehelich vermählt. Opitz 1, 154; verstosz mich, wenn du wilst, zur höllen, die liebe, so mich dir vermählt, versüszt des feuers schmertzensquellen, das blos den bösen willen quält. Günther 16; mit seinem segen gab ihn (
den ring) mir mein vater ... und sprach: mein sohn, mit diesem ring vermähl ich dich der tugend. Gotter 2, 250; da ward ein rother leu, ein kühner freyer, im lauen bad, der lilie vermählt, und beide dann, mit offnem flammenfeuer aus einem brautgemach ins andere gequält. Göthe 12, 58. 22)
übertragen, vereinigen: wie gar zartlich vermahelt bist du got dem herren. Keisersberg
granatapfel a 3
b (1511); wann gott hatt dich gemacht ain vernünfftige creatur, nach seiner bildung und geleichhait, er hat dich jm vermähelt im glauben. f 4
c; man mus seine wohlfahrt nicht so schlechter dinge dem unbeständigen glükke anvertrauen, sondern die klugkeit mit dem glükke vermählen. Butschky
Pathmos 618; wie aber ihre himmlische schönheit mit einem vollkommenen verstande jederzeit vermählet war.
Banise 100; und wenn wir mit dieser kriecherey jenen chinesischen stolz vermählen, uns und das unsrige als das erste in aller welt loben. Herder
kunst u. lit. (1821) 12, 473; alles göttliche musz ja wohl der sittlichkeit so gut vermählend begegnen, als der wissenschaft und der kunst. J. Paul 36, 57; das nenne ich philosophie und so innig mit der kunst vermählt. Tieck 20, 39; und hier ist die andre hauptsache, der cognac ... willst du dies kalte gelée ohne cognac mit deinem innern vermählen, so wage ich nicht zu widersprechen. Freytag
handschr. 1, 363 (1883); vermählet spihl und stim anmuthiglich zusammen. Wekherlin 180; ob nu wol dises schöpfers hand das meer, die brunnen und das land zusamen schön und gut vermählet, so hat er doch ... 102; vermählet hat seine starke hand das meer und das land. 289; ihr lasset lehr und leben zugleich vermählet sein. Rist
Parnasz 347; dasz leier und schalmey die töne wohlgepaart vermähle. Hagedorn 3, 39; ob den gebrauch die agend' anordnete oder wir selber nach dem bedarf, vorsichtig dem heiligen schönes vermählend. Voss 3, 100 (1850); mich begleite jede wahrheit, die du schmeichelnd mir vermählt, zu dem urquell aller klarheit, wo kein reitz sich mehr verhehlt. Bürger 12; o liebe .. du wonnevoller rausch vermählter seelen. Wieland
Oberon 4, 41. 33)
reflexiv. in der ursprünglichen bedeutung: die sunn wolt sich uf ain zyt vermäheln, das was wider alle land und ward die gancz welt darum ungedultig. Steinhöwel
Äsop. 88
Österley; (
sie) hat sich mit einem andern mann mitt namen Cleophe vermähelt, welcher Mariam sein stiefftochter Joseph dem mann vertrauwet und vereelichet. S. Franck
chron. 126
b; zwar weisz ich einen bessern raht, wann ich mich je vermählen und auff dieser insul das menschliche geschlecht vermehren soll.
Simpl. 2, 229, 11; ein junger mensch, der sich vermäblen wollte und dem man manchen vorschlag that, bat einen greis um einen guten rath. Gellert 1, 133. 44)
übertragen: viele gehen mit diebesküssen und hertzen umb, die, eh man sichs versiehet, mit den würmen sich vermählen. Schuppius 560; ihre schönheit hatte sich mit dem erhabenen ausdruck des geistes und der innern anmuth so vermählt, dasz ... Klinger 8, 206; so wie sich feuer und stahl hier (
beim schmieden) vermählen. A. Gryphius (1698) 1, 439; kunst und tugend machet adel; adel machet auch das blut; wann sie beide sich vermählet, ist der adel noch so gut. Logau 3, 101, 11 (530
Eitner); ein buch, das weder neid noch zeit vertilgen wird, das sich vermählt der ewigkeit. Rist
Parnasz 795; frau mutter zwar, es läszt sich leicht vernünfftig schlieszen, wie unmuth, schmertz und zorn ihr hertze beiszen müssen, dasz eines kaysers kind, braut, schwester, mutter, frau, dem falle sich vermählt, enterbt vom purpur schau. Lohenstein
Agripp. 1, 2, 307; umarmt euch beide, meine trauten kinder, die schon so jung sich mit dem ruhm vermählt. Tieck 1, 413.