verloben,
verb. geloben, durch gelöbnis verpflichten, mhd. verloben,
mnd. vorloven,
ahd. nicht nachgewiesen. zusammensetzung mit loben,
welches zunächst zwar laudare heiszt, aber doch auch als geloben,
vovere sich findet, durch die bedeutungen '
den vorzug geben, auswählen'
vermittelt (
s. th. 6, 1082),
besonders auch mnd. Schiller-Lübben 2, 736
b.
somit haben die composita mit ge
oder ver
die bedeutung des einfachen zeitwortes nicht geändert, sie haben eine bedeutung desselben weiter entwickelt, die alsdann im simplex, weil durch die zusammensetzungen deutlicher vertreten, ausstarb. devovere, verloben,
nd. verloven Dief. 178
b;
voveo, ich verlobe Dasyp. 264
b; verloben,
mit nammen geloben, ein gelübd thun mit auszgetruckten worten. Maaler 424
b. 11)
geloben. derjenige und dasjenige, zu dessen gunsten das gelöbnis stattfindet, meist im dat. oder mit der präpos. für, zu
beigefügt: ego frater N. promitto vobis obedientiam, ich brueder
N. verlob euch gehorsam. Schm. 1, 1416
Frommann (
v. 1525); dasz diese seine gefehrten ihr leben vor ihren fürsten verloben muszten. Lohenstein
Armin. 1, 944; gleich als seien wir in dem bund des tauffs gar nicht eingegangen und verlobt. S. Franck
Erasm. lob d. thorh. 59
b; wunderbar und ahnungsvoll geht durch jene schöne welt noch ein anderer schrecklicher zug, dasz alles was geweiht, was verlobt war, sterben muszte. Göthe 24, 215; dergleich so opffert auch besunder freywillige opffer darunter eins ieden tags zu seiner zeit, und was ihr sonst verloben seit dem herren zu thun in gemein. H. Sachs 4, 1, 39a (15, 165, 20
Keller-Götze); hat sie dem Plautus nicht verlobet eh und krone? Lohenstein 12, 375; denn was die kühnste flamme bricht, so wild sie durch die adern tobt: es löscht die fromme liebe nicht, die leib und leben hat verlobt. A. v. Droste-Hülshof
ged. 413.
mit folgendem infinitiv: wenn euch euer furst oder sein befelhhaber gebeuth, yr sollet hie oder dohyn nyt gehen zu horen das wort gotts adder verloben nicht mehr dohyn zu gehen, solt yr keynerley weyse verloben. Förstemann
neues urkundenb. 236 (
v. j. 1524); herr, in warheyt, ich hab verlobt, niemer keyn schuoch .. zu tragen.
Aimon bog. 2; welche verlobt haben zu fasten, mögen durch mein dispensierung sich bekröpffen. Fischart
groszm. 34.
mitunter reflexiv: vil menschen um krankheit und anderer betrübnusz willen sich zu ihm verlobten.
Boccaccio 1, 8
a; die regierung auffgeben und sich in eine gloriwürdige, andächtige brüderschafft verloben und die zeit seines lebens darinnen zubringen.
eselkönig 330; doctor Faustus hatte wol jmmerdar eine rew im hertzen .. dasz er sich seiner seelen seligkeit begeben, und dem teuffel also umb das zeitliche zu eigen verlobt hatt.
volksb. von dr. Faust 23
neudr.; dr. Faustus antwortet jhm kürtzlich, er habe sein versprechen nicht geleystet, wie er sich gegen ihm verlobt. 26; dagegen aber ich mich hinwider gegen ihme verspröche und verlobe. 20; die Catten, ... welche an den Römern sich auf gleiche art, wie sie es ihren blutsfreunden mitgespielt hatten, zu rächen sich verlobten. Lohenstein
Armin. 1, 1056; da aber die kirche, zu der sich der büszer verlobt, nicht in dem brief angezeigt war ... muszte der grimm des burschen sich auf eine andere gelegenheit vertrösten. Heyse
Meraner nov. 379.
part. prät.: denn du wirst schwanger werden und einen sohn gebähren, dem kein schermesser sol auffs heubt komen, denn der knab wird ein verlobter gottes sein und er wird anfahen, Israel zu erlösen aus der Philister hand.
richter 13, 5; für eyn verlobten schulregent die auff seine art die jugend wendt. Fischart
ged. 2, 258, 623; herr, lasz kein urtheil fällen auf die verblendte schaar, vor welch ich dir mein blut hingeb' und den für kirch und reich verlobten muth. A. Gryphius 1, 334 (2, 463
Palm). 22)
besonders (mit) einem, jemand verloben,
zur ehe versprechen: anno dom. 1466 ... do worden Eilgin, Conrat von Hulzhusin .. dochter und ich, Bernhard Rohrbach, zu der heiligen ee zusamen verlobt und gab uns zusamen Johan von Hulzhusen des egenanten Conrats bruoder. Froning
Frankf. chron. 175, 27; ja ich bin dir wol öffentlich verlobt und beigelegt, aber mich zwinget jtzt mein gewissen, das ich mich zuvor mit einem andern verlobt habe. Luther 5, 245
b.
diese bedeutung, die heute die bei weitem häufigste ist, zeigt sich schon im mhd.: despondere, ver-luben, -loben, vorloben Dief. 176
c;
desponsare, ver-loben, -laben
ebend.; maritare, vorloben 349
c;
despondere, verlouben
gl. nov. 131.
doch in Oberdeutschland wol nicht sehr verbreitet, da Dasypodius
und Maaler
sie nicht aufführen. dagegen bringt sie Stieler
als einzige: despondere, desponsare, promittere matrimonium 1172. Johanna, die er mit Andreas, dem sohne Conroberts von Ungarn, verlobte. Platen 364; der gute erzbischof verlobte sie. Herder 3, 219; also verlob' ich euch hier und segn' euch künftigen zeiten mit dem willen der eltern und mit dem zeugnisz des freundes. Göthe 40, 334; erkennst du, erwidert der alte, den schatz, erhebst du zur fürstin sie gerne; sie sey dir verlobet auf grünendem platz. 3, 4.
particip: wegen der verlobten Virginia. Lohenstein
Arm. 1, 771; zu lange weigert sie, zu sprödem widerstand durch meine glut gereizt, die mir verlobte hand. Gotter 2, 331; der verlobete jüngling. Voss
Luise 99.
subst.: diese (
auffassung) wich vollständig ab von dem alles zerfasernden und zerzupfenden wesen ihres verlobten. Gutzkow
lebensbilder 1, 166. 33)
reflexiv. heute ist besonders sich verloben
noch üblich, so auch schon in älterer zeit: das jre eltern nicht leiden würden, das sie sich heimlich verlobten .. warumb verlobten sich auch nicht heimlich die kinder von Israel. Luther 2, 42
b; sind nicht wider dis gebot, wenn sich ein tochter verlobt einem knaben wider vater und mutter willen? 2, 136; und vermanet da mit alle weibsbilder, das sie dem exempel Rebecce nach nicht selbs sich verloben, noch menner wehlen sollen. 5, 239; es ist offt geschehen, das für mich komen ... ein ehrlich par volcks, da eins oder alle beide sich vorhin heimlich mit andern verlobt hatten, da war jamer und not. 5, 239
b; weil nu der erste verlobte man die braut hat .. kan sie sich mit keinem andern hernach verloben, noch der breutgam mit einer andern. 5, 246
b; als wenn ein frommer gesell, ein armes junges, bettelisch, leibeigen meidlin aufferzöge zur künfftigen braut, und sich mit jr verlobte.
wider Hans Worst 26
neudruck. 44)
mitunter ist verloben
stärkung von loben
in der bedeutung laudare: o du seliger wechsel, wer mag dich verloben? Keiserberg
granatapfel E 411
b; und dahero gegen andern ihrer bescheidenheit wegen nicht genugsam verlobet werden kann. Schoch
studentenleben A 4; die fama steigt zu waagen, wil euer hohes lob bisz an die sternen tragen wo itzund Sennert steht, der sonnen-gleiche mann, den auch der bleiche neid nicht gnug verlooben kan. Fleming
ged. 63. 55) ver
in seiner ersten bedeutung '
hinweg'
hat dem zeitwort manchmal die bedeutung '
durch gelöbnis beseitigen'
gegeben, '
verschwören'.
diese bedeutung schon mhd vorkömmlich, z. b.: sölh trinken, daʒ gezæme dem keiser ze bieten, des wolte sich niht nieten der marcrâve, daʒ was verlobt: in dûhte, er hete dran getobt ob er iht æʒe mêr wan brôt und waʒʒer trunke. Wolfram
Willehalm 133, 30
Lachmann. nhd. und gibt uns aller erst das latein auff, ob ein man solle und möge ein man sein und ob das gelübde gelt, da er verlobet ein man zu sein. Luther 2, 217; denn ich kan gotte nicht das seine und seine gabe verloben, er habe mirs denn zuvor geben, oder sey gewis seiner zusage, das er mirs geben wölle. 2, 301; es ist umb der not willen zu thun, das ein mensch nicht zur keuschheit, sondern sich zu mehren geschaffen ist, welchs werck bei uns nicht stehet weder zu verloben noch zu verhindern. 2, 382
b; darumb stehets nicht in meinem willen, solchs zu verloben, denn es uns nicht müglich ist zu halten. 4, 12
b; was habe ich nu gelobt mit meiner keuschheit? ich habe die ehe verlobt. denn was auszer der ehe unkeuschheit ist ... das darff ich nicht im kloster verloben. 6, 29; ja eben mit solchem gebot habe ich keuschheit verlobt.
ebend.; ehestand wird wider gottes gebot verbotten und verlobt.
tischreden 113
b; wer es nit, das ichs verlobt het, so schlüg ich euch euer haupt ab.
Aimon bog. V; und wiewol ich sie (
meine neider) verlobt, dannocht soll ich jnen nit absteen.
bog. X; (
der fuchs sagte) dasz er verlobt, diesen tag solche speise zu essen. Kirchhof
wendunm. 4, 260
Österley.