unvermögen,
n.,
mangel des vermögens (
s. vermögen 1)
und sein gs.; ohne plural. zu den formen s. vermögen,
mögen.
nl. onvermogen;
schwed. oförmga.
mhd. unvermügen Tauler
pred. 251, 12
V., sonst unvermügelîcheit, -mügentheit,
ebenso mnl. onvermogelijchheit, -mogentheit.
vgl. unvermögenheit, -möglichkeit. a)
nichtkönnen, unfähigkeit, mangel an befähigung: das gelubd schleuszt ausz den fall des unvormogens Luther 10, 1, 1, 695
W.; die wolwissenheit meines unvermögens S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn 40; bey aller der manckfaltigkeit unserer kräfte ..., vermögens und unvermögens Butschky
Pathmos 8; bewusztsein des eigenen unvermögens J. G. Forster 3, 498; maler Müller 2, 274; wie die deutsche litteratur sich aus dem u. plötzlich zur höchsten höhe schwingt Scherer
lit.-gesch. 20. geistiges, künstlerisches u. Schopenhauer 3, 369
Gr.; H. Brunn
kl. schr. 2, 188. ausz u. Xylander
Polybius (1574) 418. u. zu Kant 3, 31
ak. ausg.; Göthe
gespräche 6, 354
B.; bgb. 275, 2.
m. gen. des subjects: ihres verstandes u. Harsdörfer
gesprechspiele 1, K 5
b; u. der natur, nachahmer Scheibe
crit. musicus 1018; Gerstenberg
schlesw. literaturbr. (
lit. denkm. 30) 258.
m. gen. der nähern bestimmung, worauf sich das u.
bezieht: das u. der befolgung der idee Kant 7, 342
H.; des ausdrucks, vollbringens Bräker 2, 202; Göthe 41, 1, 59
W. m. inf. und zu: zeige dessen u. an, eine festung ... zu erhalten Kirchhof
militaris disciplina 196; Chr. Wolff
gedanken v. gott (1720) 124; Jean Paul
Titan 5, 132; ein u., sich anders zu geben, als sie war O. Ludwig 1, 174.
es folgt ein abhängiger satz mit dasz: nun bekenne ich zwar gern mein u., dasz ich wünschen möchte, mit seinen lobserhebungen verschont zu seyn Chr. Weise
polit. redner (1677) 172.
mit abh. satz: da muszte A. sein u. bekennen, er könte ihnen das nicht geben Herberger
Jesus Sirach 492
b.
für die unfähige person: dem u. die larve abreiszen
F. Schlegel
d. museum 2, 260.
von sachen untauglichkeit: seine (
des Ikarus) flügel, deren u. er ... hätte bedenken sollen Neumark
palmbaum (1668) 78;
des mistes Hohberg
georgica 2, 18; aus u. seiner thränendrüsen Jean Paul 7/10, 180
H.; das u. des oberkiefers Göthe II 8, 275
W. b)
von körperlichen zuständen: ob es von euers leibs unvermugen geschehen ist kurfürst Johann
bei Luther 32, xvii
W.; du sihest wol mein alter und u.
b. d. liebe (1587) 335
b; mein unvermögen weisz, dasz ich kein Atlas bin J. Chr. Günther (1735) 780;
insbes. impotenz Kinderling, Campe; Nemnich
lex. nosolog. (1801) 17
c; Höfler
krankheitsnamenb. 418
b: ich endlich ausz unvermügen der narrenpossen gantz überdrüszig ward Grimmelshausen
Simplic. 307
Kögel; Archenholz
England u. Italien 1, 1, 109; Varnhagen v. Ense
tageb. 3, 289;
rechtsalt. 1
4, 613; ein sperling auf dem nächsten baume, voll buhlerischer brunst und schalkheit, schalt dieses paars (
turteltauben) verliebte ruhe für schläfrigkeit, frost, unvermögen J.
N. Götz (1785) 3, 114. c)
im geistlichen sinne: angesehen unser unvermügen und blödikeit Keisersberg
granatapfel (1510) H 3
d; auf das die verstockte blindheit sich erkennen müste und ir eigen unvermügen und nichtigkeit zum guten müste fülen Luther
vorr. auf d. a. testament 7, 310
B.; 10, 3, 345
W.; 23, 542
W.; H. Sachs 5, 113, 6
K.; M. Weisze
bei Ph. Wackernagel
kirchenlied 3, 231; Zinzendorf
Socrates (1732) 65;
gedichte (1766) 266; ist das innige gefühl eigenen unvermögens gebet? Fr. v. Baader 11. 206; H. Laube 5, 117. d)
mangel an geldmitteln, an wohlhabenheit; zahlungsunfähigkeit: das die armen unvermügens halb nit rechtlos gelassen werden sollen
tirol. weisth. 4, 635, 38; yemand seines armuts und unvermögens selbs spottet J. Agricola
sprichw. (1534) Q 7
a; das er schier alle versetzte ambte, schlossere und stete wider ablost und den stifte aus dem unvermogen herfur rucket L. Fries
würzb. chron. 355; Schweinichen
denkwürdigk. 80
Ö.; der ... feld- und durchzuge, über welchem ... das land ... zu einem betrübten u. gebracht were Micrälius
Pommerland (1640) 5, 299; ein cavalier, der unvermögens wegen ohne einen diener zu reisen genöthiget wird, ist sehr übel daran W. B. v. Tschirnhausz 133; sie müssen es lediglich meinem u. zurechnen, wenn ich dieses mal nicht mehr als beygehende 25 th. senden kann Lessing 17, 361
M.; Schiller
briefe 1, 210
J.; Iffland 2, 280; viele (
hatten) ... aus u. ... die zahlung verweigert Ranke
s. w. 15, 196; im unvermögensfalle Gaudy 5, 77;
hwb. d. staatswiss. 3
2, 69.
ähnlich: eine neue gefahr erwuchs der offenbarwerdung ihres unvermögens (
man bestellte eine 2.
flasche wein, sie hatte aber nur eine) G. Keller 8, 31. —