unsterblichkeit,
f. ,
gth. der sterblichkeit,
ἀθανασία,
immortalitas. mhd. unsterbelîcheit;
mnd. unsterflicheit;
mnl. onsterfelijcheit;
nl. onsterfelijkheid.
zur wortgeschichte s. unsterblich,
zu den formen sterblichkeit.
in ä. spr. standen für den begriff immortalitas insbes. die bildungen an. údauðleikr,
m., ahd. untôtheit, untôdigî,
mhd. untôdeme, untœdemlîcheit, untœticheit, untœtlîcheit
zu gebote. vgl. nhd. ungestorbenheit. 11)
unsterblich 1
entsprechend, als nichtmetaphysische eigenschaft. a)
im versicherungswesen nichtsterben: so wird, wenn das absterben rascher, mit stärkerer intensität vor sich geht, als es der tafel entspricht, wenn also übersterblichkeit anhält, die todesfallversicherung ungünstig beeinfluszt sein ... gerade umgekehrte wirkungen würde u. äuszern E. Czuber
wahrscheinlichkeitsrechnung 2, 322; unsterblichkeitsgewinne Manes
versicherungslex. 914. b)
wie unsterblich 1 a: hatt er alsbaldt .. die unsterbligkeit verlohren Paracelsus (1616) 2, 675; unstärbligkeit wünschen Frisius 869
b;
mnl. wb. 5, 949; J. G. Schmidt
rockenphilosophie (1706) 2, 246;
der baum des lebens im paradiese ein gewächs physischer u. Herder 12, 17; des leibs u. Rückert 10, 510; äpfel der u. Fouqué
zauberring 1, 185, kost der u. J. H. Voss
antisymb. 2, 37, stein der u. Hufeland
kunst d. m. leben zu verlängern 17;
zusammensetzungen: unsterblichkeitstrank J. Grimm
mythol. 269, -wasser R. Köhler
kl. schr. 1, 367;
von thieren: vom adler .. wölcher denn nicht zur u. erneuwert wirt Heyden
Plinius (1565)
vorrede 3
b. c) unsterblich 1 c
entsprechend: dise (
kinder) sind ... des vattern ... immerwirigkeit und u.
Garg. 97
ndr.; es giebt eine gewisse u.
im königthum Dahlmann
gesch. v. Dänemark 3, 230; wie Goethe genosz er (
Michelangelo) im alter die u. seiner jugend H. Grimm
Michelangelo 1, 56.
von naturgegenständen: wodurch er gleichsam denn das pflantzenreich mit einer art unsterblichkeit beschencket Brockes
ird. vergnügen 4, 270; die blumen, die dem leben starben, die kränze der verblühten zeit bewahrt im zauber ihrer farben die sprache der unsterblichkeit (
dativ) Steigentesch
in F. Schlegels deutschem museum 1, 7;
athanasia u.,
tanacetum vulgare, unsterblichkeitskraut Schlechtendal-Hallier 29, 208; 206; einer von diesen forschern hat den humus als den keim der u. angesehen Wimmer
gesch. d. d. bodens 202. d) unsterblich 1 e
entsprechend, etwas erbeigenes: habe ich ... beschlossen ... diss ... buch der balley Francken ... zur ewigen gedechtnusz in unterthenigkeit als ein unsterbligkeit zu zu eignen Joachim Lochner im
vorwort (1573)
zu H. Sachs 18, 5, 30
G.; veraltet. 22)
wie unsterblich 2
als metaphysische eigenschaft oder solcher zustand. a)
allgemein: denn dis verwesliche mus anziehen das unverwesliche und dis sterbliche mus anziehen die unsterbligkeit
1. Cor. 15, 50; sich nunmehr in der u. befinden Kramer (1702) 2, 964
c; ich kann also gott, freiheit und u. ... nicht einmal annehmen, wenn ... Kant 3, 18, 34
ak. ausg.; u. beweisen Göthe 3, 109
W. als tochter gottes Pfeffel
poet. versuche (1812) 8, 6.
bilder für die u.
das ei J. Prätorius
philosophia colus (1662) 170,
die lotosblume Ritter
erdkunde 1, 711,
der phönix u. a. zusammensetzungen zahlreich; z. b. unsterblichkeitsargument D.
F. Strausz 6, 85, -behagen R. Wagner 3, 211, -drang Bettine
dies buch gehört d. könig 1, 38, -glaube Jean Paul 11/14, 436, -lehre
allg. d. bibl. 113, 536, -lehrer Gutzkow 12, 76, -läugner 7, 417, -lüge W. Jordan
schaum 215, die unsterblichkeitsgläubigsten D.
F. Strausz 6, 21 (unsterblichkeitahndung Sonnenberg
bei Campe). b)
von gott, göttern, engeln, teufeln (unsterblich 2 a—c): ihme (
dem gottmenschen) ist fleisch und geist alles eins, darzu die sterblichkeit und u. J. Böhme 6, 90;
v. engeln Ringwaldt
christl. warnung c 1
a; die u. Satans; C. verhaiszt Ulyssi unsterblichait Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 21
a; J. H. Voss
Od. 89
B. c)
von menschen: H. Sachs
bei Ph. Wackernagel kirchenlied 3, 70; der mensch soll an u. glauben, er hat dazu ein recht, es ist seiner natur gemäsz Göthe
gespräche 7, 5
B.; für die gesamtheit der unsterblichen wesen Klopstock
Messias 1 (1799), 378. d) von ... unsterblikait der seelen Schaidenreiszer
Odyssea (1537)
vorr. 4
a; Göthe
gespr. 7, 5
B.; eine persönliche u. der seele Mommsen
röm. gesch. 2, 413. e) er ... verwandelt on unterlas uns, die seele ynn gerechtickeit, den leib ynn unsterblickeit (
glorificiert ihn) Luther 23, 255
W. f) die u. des stoffes Büchner
kraft u. stoff 17; Lange
gesch. d. materialismus 377. 33) unsterblich 3
entsprechend, vom nachruhm: also hoch haben si die arbeit gehalten, dasz si inn unsterbligkeit zuogemessen L. Zoleckhofer
vilvaltige beschreibung (1564) 70; Klopstock
oden 1, 86, 7
M.-P.; dreiundzwanzig jahre, und nichts für die unsterblichkeit gethan! Schiller 5, 203
G. (
Dom Karlos 2, 2).
zusammensetzungen häufig; z. b. unsterblichkeitsfieber A. E. Brachvogel
Friedemann Bach 1, 130, -kandidat O. Müller
Bürger 1, 20, -kolossalgedichte H. Heine 3, 358
E., -kranz Kretschmann 5, 368, -schwindel H. Leuthold
gedichte 172
Schurig, -späher (
Klopstock) Musäus
physiognom. reisen 2, 76, -tempel Jean Paul 32, 105
H. diese alle haben hernoch den nammen der unsterbligkeit uberkommen Parac. 2, 316 B
H.; den weg zur u. bahnen
theatrum amoris (1626) 304; jedem verdienst ist eine bahn zur u. aufgethan, zu der wahren u. meine ich, wo die that lebt Schiller 9, 99
G.; dem tempel der ehr, der tugend und unsterbligkeit Schupp
schr. (1663) 79; im hause der u. Opitz 3 (1690), 141; in das buch der u. versetzen Chemnitz
schwed. krieg 2, 4
vorr.; den kranz der u. Herder 27, 171;
die götter geben ihm den becher der u. zu trinken Heinse 3, 384
Sch.; (
von kardinälen) sich das roth der u. auflegen 3, 267
Sch.; einer eiteln unsterbligkeit des nachruhms Lohenstein
Arm. 1, 78
b; papierne u. Hippel
lebensläufe 1, 241, literarische Bremser 123, wenig beneidenswerthe D.
F. Strausz
Schubarts leben 1, xv.
concret (
vgl. unten 5): schöner preisz für euren schweisz in der feldschlacht, dasz ihr jetzt in gymnasien lebet und eure u. (
euer unsterbliches) in einem bücherriemen mühsam fortgeschleppt wird Schiller 2, 29 (
räuber 1, 2); mit dem durchgang durch die Peterskirche fing der ritter den schönen lauf durch die u. (
Roms unsterbliche herrlichkeiten) an Jean Paul 24, 80
R.; Napoleons sterbliche u. zu bergen Gutzkow 7, 191; eine u. im keim erdrücken Hebbel I 1, 63. 44)
die intensive bed. des adj. unsterblich (4)
kommt im subst. nur sehr undeutlich zur erscheinung: beseligend fluten elysische gluten ... unsterblichkeitswonnen und schöpfrische lust Hamerling 2, 56;
vgl. unsterblichkeitsgewisz Lenau 159
B. vieles bleibt begrifflich verschwommen: es hat edle freunde in der welt gegeben, und ich suchte mir einen für die u. (
ewigkeit?) Schiller 1, 60; wie deines leibs gliedmaszen unsterblichkeit ausdrücken Platen 2, 174. 55)
der plur. ist individuell; nach bed. 3: dahero bleibet ihm der kunst unsterblichkeiten und ein berühmter nahm Neumark
fortgepflanzter lustwald (1657)
ehrenverse 15; für kett und schmach, die ihr ihm lieszt bereiten, gibt euren namen er unsterblichkeiten A. Grün 3, 205; nun schauten mit allen ihren unsterblichkeiten die engel Klopstock
Messias 8, 247 (
mnl. wb. 5, 949,
bed. 2);
spottend: die jüngsten unsterblichkeiten (
berühmtheiten, bed. 3) Hebbel I 11, 282; wo die unsterblichkeiten durch kleine wochenblätter auf grauem löschpapier gemacht werden Gutzkow 7, 284. es giebt doch drei unsterblichkeiten (
arten der u.,
überirdische, unterirdische, ewigwirkende) Jean Paul
bei Campe.