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unsäglich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unsäglich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1299
unsäglich, adj. adv. , gth. des durch rückbildung gewonnenen säglich; älter als unsagbar und unaussprechlich, wie dieses in geistlicher literatur (Notker) nach inenarrabilis, indicibilis, ineffabilis, nefandus gebildet. ahd. unsagelih; mhd. unsagelich, -segelich, -lîchen; mnd. unseggelik; mnl. onseggelijc, -like, nl. onzeglijk; n. usigelig; schwed. osäglig. vgl. ungesäglich, -aussäglich, -ausredlich, -aussprechlich, unnennlich; unsagbar u. s. w. II. die umlautlose form unsaglich ist in n. spr. selten geworden und klingt heute gewählt, leicht geziert. Frisius, Wiederhold, Campe, Staub-Tobler 6, 422. I@11) wie unaussprechlich A I 1, unsagbar 1, was nicht gesagt oder ausgesprochen werden kann (unsäglich wäre hier nicht möglich): und klingts (mein lied) auch oft behaglich wie widerschein vom glück, das schwerste bleibt unsaglich im herzen stumm zurück Kl. Groth ges. werke 4, 309. I@22) unaussprechlich A I 4, unsagbar 3 entsprechend; mit der neigung zu steigern: es ist u., was der teuffel mit der alleosi sucht Luther 26, 319 W.; es ist u. und nicht auszzurechnen F. Agricola ketzerbrunn (1583) 63; der unsaglich schatz Eberlin v. Günzburg 3, 152 ndr.; ain grosz unsaglich gelt Aventin 5, 259, 24; vgl. die festen verbindungen mit grosz unter unsäglich; in schier unsaglicher menge A. G. Meiszner Alcibiades 3, 281. I@33) unaussprechlich A I 5, unsagbar 4 entsprechend: gros und unsagelich sind deine gerichte weisheit 17, 1; die sprachkritik des 18. jhs. (Adelung, Teller) verlangte hier unaussprechlich; heute veraltet. I@44) wie unaussprechlich A II, unsagbar 5: zu unsaglichem verterben Luther 6, 297; 8, 677 W.; mit unsaglichem hasz und neyd a. d. adel 43 ndr.; Stumpf chronik 429a; unsagliche mühe Bräker 1, 266; Göthe gespräche 5, 165 B.; A. v. Sternberg erinnerungsblätter 6, 156; jener unsaglichen geduld und liebe Gutzkow zauberer 5, 334; qual M. Meyr a. d. Ries 2, 40. I@55) wie unaussprechlich B, unsagbar 6: u. viel Fischart bienenkorb 20a; etwas u. erhabenes Bodmer v. d. wunderbaren 363. I@66) superl. (vgl. unaussprechlich C): mit der unsaglichsten liebe A. G. Meiszner skizzen 1, 82. auch das unsagliche für unsagbare wäre möglich. IIII. das umgelautete unsäglich ist bei weitem häufiger und reicher durchgebildet. II@11) unsägliche fenknuss (17. jh.) gefangenschaft, die man nicht melden kann, als rechtlicher entschuldigungsgrund des ausbleibens beim taiding, österr. weist. 1, 32, 41; 425a; wie unsaglich 1: sie sagen unsägliche dinge und thun allerhand unthunliche thaten Baggesen 3, 352; das dunkele und unsägliche aussprechen J. Grimm altd. wälder 2, 19; das unsägliche sagen Grillparzer 3, 85. unüblich. II@22) unaussprechlich A I 2 entsprechend: der unsägelîche got Laubacher Barlaam 6565; diser kere ist ... unwortlich, unsäglich und unbegreiflich Tauler serm. (1508) 74b; veraltet. II@33) wie unaussprechlich A I 3: einer unsäglichen (an bed. 5 reichend) metaphysik Hegel 7, 1, 101. unüblich. II@44) unsaglich 2, unsagbar 3 entsprechend: so vil, das es unsäglich ist, davon zu sagen Hartlieb Alexanderb. (1476) 27a; meist kürzer: das es u. ist Keisersberg postill 3, 83a; Mangold marckschiff d 2; u. müste das erstaunen seyn, wenn ... Herder 22, 266; was die für schaden thun, ist u. Kirchhof milit. disciplina 45; es ist u., wie Göthe IV 8, 311 W. so sey auch des menschen gemuot ... unsäglicher künsten wissent A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) m 4b; weite Fortunatus 82 ndr.; ein unsäglich guot S. Franck chron. Germ. (1538) 126b; summ Fischart nachtrab 3420; Schiller 9, 304; Br. Grimm sagen 2, 56; unseglicher viler (vgl. unzählig und u., u. und grosz, grosz u. s. u.) müsigen Fischart pod. trostb. 51, 16 H.; deszgleichen unseglichens (unzähligen) geschmeysz Garg. 81 ndr.; unzähliche und unsägliche böse stücke Moscherosch gesichte (1650) 457; unsägliche, oft widersprechende bemerkungen Göthe 33, 30 W.; kleinigkeiten Solger nachgel. schr. 1, 95; seltener von personen: unsägliche (zahllose) commentatoren Herder 3, 326; eyttel kostlich unsegliche koesten und speysze Luther 29, 391, 11 W.; Hirschfeld gartenkunst (1779) 1, 222; anzal Xylander Polyb. 87; menge Nicolai reise 2, 492; schulden Gottsched d. neueste 3, 8; kunstschätze Göthe 32, 290, 12 W.; gefahren 44, 224, 2 W.; gegensatz Gervinus gesch. d. d. dicht. 3, 262; in n. spr. zu bed. 6/7 führend: mich überfiel eine gespensterfurcht, die u. war Holtei 40 jahre 1, 157; unsägliche verwirrung Göthe 19, 297 W.; ein unsägliches wirres durcheinander G. Freytag 10, 95. für die ä. spr. sind feste verbindungen mit grosz bezeichnend: mhd. wb. 2, 23b; N. v. Wyle transl. 76, 35 K.; heiligenleben, summerteil (1472) 29a; Scheurl briefbuch 2, 155; Frisius 252b; 388b; Xylander Plutarch. 255a; b. d. liebe 88a. II@55) unsaglich 3, unsagbar 4 entsprechend: unsägliche geheimnisse Göthe 17, 134 W.; und weiter hin wird's viel behäglicher, auf dieser schmalen strandeszunge der dunstkreis noch unsäglicher Faust 8270; unsäglicher reiz Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 198; vgl.dunkel und unsäglich J. Grimm altd. wälder 2, 19, undefinierbar u. ä. II@66) wie unsagbar 5, unsaglich 4, unaussprechlich A II 1 (von positiven und neutralen begriffen): von unsAeglicher gte ew. weisheit betb. (1518) c 1b, grösze S. Franck weltb. 17a, tugend Sebiz feldbau 412, freude Ph. Wackernagel kirchenlied 4, 862, veränderung Petreius historien und bericht (1620) 177, eifer Spee tugendb. 2b, nutzen Nicolai litbriefe 3, 9, glückseligkeit Göthe 19, 29 W., werth IV 7, 104 W., verlangen 46, 67 W., gefühl 19, 75 W., verstand gespräche 1, 108 B., geduld 8, 235 W.; 22, 186 W., fleisz IV 10, 327 W., leidenschaft III 1, 305 W., gewalt Tasso 3274, übung III 1, 91, 11 W. u. s. w. seltener prädicativ: meine freude war u. 26, 274 W.; der beifall war u. O. Jahn Mozart 1, 188. II@77) unaussprechlich A II 2 entsprechend, von negativen begriffen. a) nefando, unsäglich, schändlich Hulsius (1618) 2, 260b: so unsAeglichen, bOesen werken Steinhöwel ber. frauen 60; mörderey, hasz Luther 11, 265; 7, 263 W.; Nas antip. eins u. hundert 2, g 8a. in n. spr. wohl nur noch komisch (rollen unsäglichen tabaks Scheffel 3, 126) und als gefühlswort der umgangsspr. wie entsetzlich, scheuszlich, miserabel u. dgl. (unter unsäglichen chicanen Ruge briefwechsel 2, 231). vgl. 4. b) blosz steigernd: unseglichen schaden Luther 7, 403 W., hunger S. Franck sprichw. (1541) 2, 186b, durst Widmann Fausts leben 488 K., seufftzen Ayrer 2792, 13 K., jammer Chemnitz 2, 406, mühe Butschky Pathmos 12, verdrusz Göthe 8, 190 W., schmerz 11, 181 W., angst Novalis 1, 16 M., ekel Chamisso 1, 29, unbehagen Geibel 2, 135, verkehrtheit Görres briefe 3, 24, unheil Raabe hungerpastor 1, 62, schmutz Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 326; prädicativ: Rompler v. Löwenhalt erstes geb. 48; Henrici 3, 134; der schmutz war u. II@88) wie unaussprechlich A II 3: Charibdis, das unsäglich mörwunder Schaidenreiszer Odyssea (1537) 51b; ein unsäglicher stümper, schwätzer (wohl aus adverb. gebrauch u. schwatzen, stümpern gebildet). II@99) wie unsagbar 6, unsaglich 5, unaussprechlich B: u. gros heiligenleben, summerteil (1472) 7a; J. v. Watt 2, 310; u. weit getreuer Grimmelshausen 4, 687, 8 Keller; unglaublich und u. schön Göthe IV 8, 185 W.; ganz u. begierig 22, 319 W.; u. natürlich Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 83; u. mehr Nietzsche 1, 491; das u. rohe Schopenhauer 1, 23. deser homeyster hait dese stat ... gar onseegelich seer (veraltet) gebessert pilgerfahrt d. ritters v. Harff 70; u. lieben Rabener 1, 231, stinken Klopstock gelehrtenrepublik 66, schnarchen Gries verl. Roland 2, 122; ich hatte mich auf dieser reise u. kennen lernen Göthe IV 8, 232 W.; sich u. ausbilden II 6, 433 W.; ich hatte in meinem leben u. gelesen 22, 339 W.; ich sehne mich u. ins wasser IV 27, 119 W.; sich u. vermehren Niebuhr m. gesch. 1, 446; sich u. fürchten Holtei 40 jahre 1, 5. II@1010) steigerungsformen (unaussprechlich C, unsaglich 6): comparativ Göthe Faust 8270 unter 5; die unsäglichste noth Caroline 2, 5 W.; hindernisse Pückler briefw. 2, 394; erstaunen Seidel vorstadtgesch. 149. II@1111) subst. (unaussprechlich D, unsaglich ende, unsagbar 7): nichts so unseglichs (nefandum) oder grausams Xylander Polyb. 61; Dänemark hatte unsägliches (bed. 7 b) gelitten Steffens was ich erlebte 10, 379. II@1212) der in ä. zeit (vgl. Stieler u. Adelung) besonders mangelhaft beobachtete gebrauch ist von Göthe und der ihm folgenden romantik stark erweitert. zur synonymik s. Weigand 3, 879; 'der grad der grösze, der durch unaussprechlich, unsagbar u. unsäglich angedeutet werden soll, ist im allgemeinen derselbe; doch steht unsäglich nicht so hoch als unaussprechlich u. unsagbar, die beide edler klingen. unausprechlich ist subjectiver als unsagbar u. unsäglich' Eberhard-Lyon 16851. superlativbildung ist bei unsagbar kaum nachzuweisen. zurückgreifen auf bed. 1 (unglaublich und unsäglich schön Göthe; jener unsaglichen geduld und liebe Gutzkow) erzielt eine treffliche vertiefung des blosz formalen steigerungsbegriffes.
9126 Zeichen · 262 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unsäglich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Unsäglich , -er, -ste, adj. et adv. was sich nicht sagen, d. i. nicht durch Worte ausdrücken und beschreiben lässet, als…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unsäglich

    Goethe-Wörterbuch

    unsäglich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unsäglich

    Rheinisches Wb.

    un-säglich Adj.: nach dem Nhd., bes. in den Städten.

  4. Spezial
    unsäglich

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    unsäglich см. RDWB1 unsagbar

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Wortbildung

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Ableitung von unsaeglich 3 Analysen

un- + saeglich

unsaeglich leitet sich vom Lemma saeglich ab mit Präfix un-.

Alternativen: unsaegen+-lich un-+sag+-lich

unsaeglich‑ als Erstglied (1 von 1)

unsäglichkeit

DWB

unsaeglich·keit

unsäglichkeit , f. : numerus innumerus, innumerabilitas, infinitas Stieler; Adelung, Campe ; die u. meiner freude, der unkosten Mozin. mnl. …

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APA
Cotta, M. (2026). „unsaeglich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unsaeglich/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „unsaeglich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unsaeglich/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unsaeglich". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unsaeglich/dwb.
BibTeX
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