unkräftig;
adj. adv. ,
gth. von kräftig.
ahd. unkreftîg,
mhd. unkreftec,
ags. uncræftig,
an. úkröptugr, -ligr,
as. unkraftag,
mnd. unkreftig, -krechtich,
mnl. oncrachtich,
nl. onkrachtig. ohnkräftig
neben u.
im 16./17.
jh., von Kramer (1702) 2, 104
c verworfen. unkrefftigklich Frisius, Maaler, Dentzler,
veraltet. mhd. unkrefteclîche. unkräft (1575) Staub - Tobler 3, 789
wie ohnmächt
neben ohnmächtig.
vgl.kraftlos, schwach, ungewaltig, unmächtig. 11)
gth. v. kräftig 1,
physisch: a) da ward der track gar unkreftig
heil. leben winterteil (1471) 150
a (
veraltet mit erläuterndem gen.: so erlammet desz ein mensch und würt u. seiner glider Keisersberg
evangelibuch 149
c); ich war nunmehro weit unkräfftiger als eine fliege
insel Felsenburg 2, 394; den unkräftigen greis Zschokke 25, 291; ein kleiner mann, nicht u. gebaut Gutzkow
zauberer 5, 166; u. werden
von kräften kommen Bettine
dies buch 1, 63; zum streit u. Rückert 12, 218;
die n. spr. neigt dazu, u.
auf leblose dinge einzuschränken; Weigand
syn. 3, 678. wer ist je so unkräfftiger natur Fischart
ehzuchtb. 219, 21
H.; im unkräftigen alter Hoffmann v. Fallersleben 7, 314; '
arm, gering' (
veraltet): das unkrefftig, dri haller wert stetlin Wittenberg Dietenberger
vermanung (1523) g 3
a.
wie unkraft 1
medicinisch (
veraltet): schweyssbaden ... machet unkrefftig zuo fleyschlicher begirt Ryff
sp. der gesundheit 93
a;
besinnungslos b. d. liebe 392
b;
substantiviert Francisci
lusthaus (1676) 1443;
zeugungsunfähig Kramer (1700) 1, 841
a; Olearius
verm. reisebeschr. 318; u. zum ehestande Stieler 1022; infirm, u., schwach Spanutius 292; der unkrefftigen versuchung seines leibs Alexius Bresnicer
regiment wieder die pestilentz (1552) A z
b. b) unkräftige, dünne, matte striche
u. dgl. c) kleinere und unkrefftigere frücht Parac. 1, 916 A, kräuter Sebiz
feldb. 24, lufft Parac. 2, 502, Hohberg
georg. 3, 5
b, wasser Herr
feldb. 32
b, strahlen (
übertragen) Thümmel
reise 2, 175, gewicht Rivius
Vitruv 638, Wieland I 1, 227; u. verhallen G. Freytag 11, 241. d) ie schwecher und unkrefftiger .. das brot darvon werden muosz Ryff
sp. d. gesundheit 49
b; weine Chr. Fr. Schulz
reise eines Livländers 6, 301, fleisch Parac. 2, 312 A, Gengenbach 415
G., Oken
naturg. 6, 263.
mit einschlag von 2 e (
vgl. kräftig 6): samen Ryff
anatomi G 1
b, salz Schade
sat. 3, 22, Hippel
lebensl. 1, 327;
ignavus succus unkrefftig, schwach, das kein tucht nit hat Frisius 644
a; alter, verlegener, unkräfftiger, selbstverfälschter dinge
der apotheker Moscherosch
ges. 644; Hohberg
georg. 1, 207; verdorbene waaren nennet man alle diejenigen, welche verdorret, .. schimmlich und unkräfftig seyn Marperger
kaufm. magazin 1299; Schedel
waarenlex. 1, 110; gift Frisius 625
b, arznei Rollenhagen
froschm. E 8
a, abführungsmittel Bode
Montaigne [] 1, 222, pflanzen
allgem. d. bibl. 11, 230; medicinisch u. Oken
naturg. 2, 384
u. s. w. 22)
gth. v. kräftig 2: a) wenn ich unkrefftig bin, so bin ich am krefftigsten (
cum infirmor, tunc potens sum 2. Cor. 12, 10) Luther 10, 146, 5
W.; ein unkräftiger mann in der hand des gebietenden weibes Herder 29, 651; Olearius
rosenthal 103; Lafayette spielte den humanern und darum unkräftigern Luther Laube 8, 98. ein schwaches und unkräfftiges gemüth Lehman
florileg. 3, 454; die unkräftige individualität Hegel I 7, 272, kriegsmacht Ranke 8, 16, regungen 28, 475, leben G. Freytag 14, 120, vielseitigkeit Nietzsche 1, 503
u. s. w.; u. wühlen Herder 15, 384. die hoffnungsbaue machten endlich den gewerkenbeutel matt und u.
mittheilungen d. hist. ver. f. Steiermark 37, 181.
schwächlich, tatenlos: ein leeres, unkräftiges wohlgefallen de la Motte Guion
leben vorr. x 6
b; moral Zinzendorf
Berliner reden f. männer 268. b) wo mans (
das wort gottes) aber nicht treibet, so wirds bald vergessen und unkreftig Luther 17
1, 27, 31
W., lehre Zinkgref
apophthegm. (1628) a 5, wiederholungen J. A. Ebert
an Bürger 2, 446
Strodtmann; gleichwol werden die simplicia .. bedeutungsleer und u. Gerstenberg
litbr. 7, 48, 13
ndr. c) unsre nordische phantasie je kurzgespannter und unkräftiger, desto unruhiger regt sie ihre flügel Herder 22, 253; nicht unkräftige religiöse bedürfnisse
d. literaturzeitung 33, 851; das unkräftigste Nietzsche 5, 48. d) eine helle, flaue und unkräftige art Winckelmann 1, 266; farbenspiel Herder 15, 354; Solger
Erwin 1, 114; der schweizerhütte, welche zu matt und u. dasteht Göthe IV 27, 353
W. e)
irritus Frisius 735
b,
s. unbeschieszlich
sp. 341;
inanis Frisius 669
a: mönchischer und menschlicher trost unkrefftig Luther 16, 350
W.; Albertinus
Luc. königr. 59, 29
L.; mittel Schupf
schr. 420; J. J. Engel 2, 37; Hafner
lustsp. 2, 329; unkräftig zieht, wie schaaren der cicade, dein flehen durch die luft G. Freytag 3, 256 (
Fabier 5, 1);
vom zauber und zauberischen Wieland
Lucian 4, 209; Musäus
volksm. 1, 19; Kotzebue 27, 54; unkräftig ist allhier der wasser wunderkraft Weichmann
poesie d. Niedersachsen 4, 414 (
vgl. 1).
oft mit bed. 3
sich kreuzend (
vgl.unkraft 7): die leer Christi u. zu machen Zwingli
schr. 1, 256; Herder 17, 212; unkrefftiger schlusz Luther 16, 128
W.; Kant 8, 50; beweis Hulsius (1618) 2. 37
a; ein unkreftigs gebett Hedio
chron. 312
b; entschuldigung Schweinichen 161; und halten desz babstes bann für ein fulmen brutum und unkräfftigen donnerschlag Sandrub
kurzw. 39
ndr.; antiquare ... ein altes und altershalben unkräfftiges und untüchtiges ding verwerffen, abschaffen Corvini
fons 61; wenn die lange gewohnheit diesen argwohn nicht vorlängst u. gemacht hätte
vern. tadl. 1, 234; Nicolai
Noth. 1, 32; klagen u. machen Herder 24, 24; unkräftige schwüre der treue Gellert 3, 61; alle seine bitten und vorstellungen blieben u. Campe. f) das blosze erste anschauen ist viel zu unkräfftig, den wolff seine böse art zu nehmen J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 302; Lenz 3, 138
Tieck; A. W. Rehberg
kl. schr. 17;
vgl.zu allem guten u. Görres 3, 200. g) einem .. innerlich unkräftigen zustande Göthe II 6, 27 (
zur morphologie). 33)
gth. von kräftig 3
im rechtlich - geschäftlichen sinne (
veraltet): der gemelt alt brieff ward in der ablosung unkrefftig Riederer
rhetor. l 6
b; in kurtzen jaren sinð uff gestanden ... unkrefftige gesatz geber Eberlin v. Günzburg 1, 164
ndr., wo es darüber geschehe, so soll es uncreftig und unpündig sein
Nürnb. ref. (1564) 214
a; alle concilien zu ändern, bundlosz, unkräfftig, nichtig und von unwürden zu machen Fischart
binenk. 47
a; was er deszhalben vornehmen wird, soll alles null und nichtig und unkräfftig sein Menantes
n. briefe (1723) 602:
v. testament B. v. Chiemsee 88; Frischlin (1586) 238
b; Hulsius-Ravellus 379
b; Wiederhold 390
b; Stieler 1022;
ehe Ziegler
Banise 413,
zeugnis Thomasius
gedancken (1720) 2, 54,
amt Liscow
vorr. 44,
zusagen [] Möser 2, 123; es erklärte die austheilung der exemplare für u. und gesetzwidrig L. Meister
kurze geschichte (1789) 22.
adv.: u. confirmiert Opel-Cohn 284, verordnet Lohenstein
Arm. 2, 604
a. Sattler
phras. 285. infirmiren, u. machen Apini
gl. n. 289. beweis-, rechtsunkräftig (Fichte 6, 104).
mit unterscheidung von ungültig: um den ... ergangenen sentenz, wo nicht gleich ungültig, doch u. zu machen Stephani
lustsp. 178. —