ungeduldig,
adj. adv. ,
gegentheil von geduldig.
ahd. ungadultîg, undultîg;
ags. ungeþyldig, unþyldig;
mhd. ungedultic, -dic, undultec, unduldec, -ic;
mnd. unduldich;
mnl. ongeduldich, onduldich (onverduldich);
nl. ongeduldig (
dän. otalmodig;
schwed. otlig); ondildich (onfordildich) Dijkstra 2, 287
a; Martin-Lienhart 2, 680
b; Fischer 3, 150; ungedöllig,
feiner ungeduldig Schmidt
Westerw. 282; onggedöllech
lux. 315
a; Leihener 87
b; Kürsten
Buttelstedt 212; ungedüllig Schambach 243
a; Bauer-Collitz 108
a; Woeste
westf. 280
b; Danneil 231
b.
in den ma., wenn auch durch concurrenzwörter eingeengt, sicher sonst weit verbreitet. adj. unduld (
bed. 1 d
verbrecherisch)
d. texte des ma. 14, 30, 254, 4;
vgl. mnl. ongedoude (ongedout)
wb. 5, 536
und mhd. undilde Lexer 2, 1815;
nhd. undultig
gemma 1508
m 3 a 1 (untultig J. v. Watt 3, 37; unduldtig Sachs 3, 314, 20
Keller).
schriftsprachlich bis ins 17.
jh. (Henisch 764). ongetultig Knebel
chr. v. Kaisheim 25; ein ohnduldiger mann
act. publ. 6, 194
P. umgelautete formen schriftsprachlich im 16.
und 17.
jh. (ungedültig Luther
z. b. 30, 3, 478
Weim.; Sachs 19, 57, 1
Götze; ungedüldig Ringwaldt
warn. m 1
b;
engl. com. 1624 m 4
b). ungedultig
noch bei Göthe (
z. b. IV 1, 204, 23), Schiller (
z. b. 1, 286)
und später. im übrigen s. zur beurtheilung der formen das grundwort. vgl. ungeduldiglich,
geduldlos. II.
passiv. impatibilis, unerträglich: ungedultige arbeit lîden
mhd. wb. 1, 379
b; bringet dem menschen ungedultige, widerspennige zeit Thurneysser
m. alch. 105; wiewohl mich das gegenwertig jahr in ein ungedultig ellend getrieben Paracelsus 1, 356 B; als wär ihm gott den himmel schuldig für solche heuchelei unduldig Opel-Cohn 403; ich fühle eine ungeduldige last Lessing 6, 219. undultigklich
intoleranter, immodice Maaler 459
d.
veraltet. auch mnl. ongedoude
hatte pass. bed.; vgl. nl. onduldelijk.
zu II 4
zu ziehen: still hinter ihm ein schütz vom rosse steigt dess auge ungeduld'ge flammen sprühte Droste-Hülshoff
ged. (1879) 216. IIII.
activisch. II@11)
wie ungeduld 1. II@1@aa) und macht den (
christlichen namen) nicht zum schanddeckel ewres ungedultigen, unfridlichen, unchristlichen fürnehmens (
vgl.d) Luther 18, 314, 14
Weim.; Sachs 1, 432, 11
Keller; der gedultige (
sanftmüthige) treibt den ungedultigen (
ruhestörer) ausz dem land Lehman
flor. 3, 46; wenn man den schwern zu hart ausztruckt, so werden
die leut ungedultig (
vgl. 2) 1, 330.
immerhin nur schwach und undeutlich entwickelt. II@1@bb)
heftig, rasend, unruhig, miszmuthig, erbittert; vgl. ungeduld 1 b: darumb ward sye nie unmuottig noch ungedultig
heil. leben winterteil 74
a; dise menschen seind ungedultig (gruntzecht 369, 30
Vetter) und urtailig Tauler
serm. (1508) 146
a; ich sey stoltz, hoffertig, beyssig, ungedültig Luther 23, 33
Weim.; de aliquo furere unsinnig und undultig seyn von Frisius 596
a;
asper 125
a; worüber dann die königin auff ihren gemahl sehr ungedüldig war
engl. com. 21, 34
Creizenach (
vgl. die ganz andere bed. von u. auf
unter 4); aus ... ungedultiger liebs-regung Grimmelshausen 4, 871
Keller; ein ungedultiger ist wie ein unruh im uhrwerk Lehman
flor. 1, 265; weil die hoffart nur regieret unter den mächtigen ... der zorn unter den ungedultigen Butschky
Pathm. 159.
dann veraltet und mit 4
zusammenflieszend: ein u. setzer Schnabel
insel Felsenb. 9, 2
Ullrich; der gute mann sei u., ja empfindlich, dasz Göthe II 4, 294, 16
Weim.; J. war heftig, .. u. und vordringend Scherer
kl. schr. 1, 7; zeichen des feurigen, u. naturells Ludwig 5, 112.
böse, ärgerlich, verdrieszlich Schmidt
Westerw. 282. Pansner
schimpfwb. 73
a. II@1@cc) ungeduld 1 c, d, geduldig
pius entsprechend: der alt sophist nnd ungeduldig christ Stanberger
dialog. zw. e. prior, laienbruder u. bettler D 2 b; der undultig bruoder Nas
antip. 3, 42
b.
veraltet. II@1@dd)
wie ungeduld 1 e:
Cato ward desz siges (
gen. der ursache) so ungedultig (
gerieth darüber in solche verzweiflung), dasz er sich selber .. ertOetet Stainhöwel
ber. fr. 252; daz sie syn abwesen über die masz ungedultiglich (
aegerrime) getragen mocht 162; ungeduldig ertragen
bis in die gegenwart erhalten: die tapferen männer ... ertrugen u. den vorwurf Forster 6, 372; Moltke
ges. schr. 2, 183,
immer 4
einmischend; ungeduldig, von allem antheil an der regierung ausgeschlossen zu sein Ranke 14, 75; u.
unzufrieden sein
städtechr. 16, 162, 1868; werden Fronsperger 1, x 6
r; Göthe
Faust 4819 (
vgl. 4); da sich das volck ungedültig macht
4 Mos. 11, 1; die Römer ... waren über sich selbs undultig, das sie lasz in der sach gehandelt Carbach
Liv. 107
v; hungern und harren müssen macht ungedültig Faber
thes. 109
a.
nachklingend: du machst uns freude, wenn du freude hast, und du betrübst uns nur, wenn du sie fliehst; und wenn du uns auch ungeduldig machst, so ist es nur, dasz wir dir helfen möchten und, leider! sehn, dasz nicht zu helfen ist Göthe
Tasso 3241. II@22)
impatiens, ungeduld 2
entsprechend. II@2@aa)
mit bestimmungen; im gen.: als ich .. ungedultig sölicher straichen ... den gemelten hüter .. schluog
N. v. Wyle
transl. 260, 34
K.; der arbeit Franck
weltb. 43
a; Germania ist fruchtbarer beum u.
chr. Germ. 3
a; dess die Römer u. ... schwuoren Stumpf
chr. 76
b.
hier wäre wohl auch beim verständnis des sprichwortes anzuknüpfen: bottermöllech mecht den hönner (
hintern) onggedöllech (
stercoris impatientem reddit, führt ab; vgl. unbehebe
und unfriede III)
lux. 315
a.
obwohl die neuere sprache den gen. nicht ganz aufgegeben hat (das pferd, seiner freiheit u. Göthe 19, 77, 23
Weim.; die Preuszen waren der erniedrigung ... die ungedultigsten gewesen E.
M. Arndt 1, 330; Raumer
Hohenst. 4, 6
u. a.),
verzichtet sie doch wegen der zweideutigkeit des adj. (bereit und des kampfes u. Tieck
novellenkr. 3, 130)
mit recht im allgemeinen darauf. unüblich ist auch bei dieser bed. der inf. geworden: er war gantz geneigt eynzunemmen, aber u. auszzugeben Stumpf 96
b; fürsten ... u. seyn, die warheit zu hören Harsdörffer
gespr. 1, m 7
b; da ich ungedultig bin körperlich zu leiden Göthe IV 10, 266
Weim.; die verbindung mit dem inf. wird besser der bed. 4
vorbehalten (
s. u.).
wie ungeduld zum leiden (Eberlin v. Günzburg
und ungeduld 2 a): to deme dode unduldich
mnd. wb. 5, 41
a. II@2@bb)
intolerans, impotentissimus Maaler 459
d; undultig seyn, kein gedult mer haben
patientiam abrumpere ebd. vgl. ungeduld 2 b
und ungeduldig 4: wenn er so unduldig wer wie wyr, sprech er bald zu uns: gehe von myr Luther 17, 1, 458, 33
Weim.; seyt nicht ungeduldig mit uns Eberlin v. Günzburg 3, 219
neudr.; zum andern ist es (
das weib) ungedüldig und rachgirig Barth
weibersp. t 4
a; einem u. herrn dienen Stranitzky
ollap. 11, 30
neudr.; lehrer Göthe 20, 3
Weim.; pfleger Freytag 11, 235. II@2@cc)
besonders wie ungeduld 2 c: einen ungedultigen gedank Suso 440, 27
B.; aim ungedultigen ist die pein der schmertzen grösser A. v. Eybe
spiegel der sitten D 6
b; bey den ungeduldigen krancken Guarinonius 362; Bettine
Günderode 1, 357; werden Spee
tugendb. 68; sich verhalten
Rein. Fuchs (1650) 201; ungeduldige reden Miller
predigten 1, 6. II@33) ungeduld 3
entsprechend: nimm, wehrt'ste, meinen brief nicht ungeduldig an Weichmann
poesie der Nieders. 1, 177; Göthe IV 29, 158, 12
Weim.; hindernisse ... machen mich leicht u. Meinecke
Boyen 1, 130. II@44)
in der heutigen hauptbedeutung wie ungeduld 4: K. v. Megenberg
b. d. nat. 286, 6; der hunger ist ein ungedultiger harrer Franck
sprichw. (1541) 2, 165
b; die creditores sind verzweiffelt ungeduldig Henrici 1, 482; ich sehe, dasz sie zu u. sind Lessing 2, 12, 4; ich bin äuszerst u. Göthe 23, 171, 2
Weim.; du most nich glîk ungedüllig weren Schambach 243
a;
auch hd.; vgl. 2 b.
ungewöhnlich: so wird mir schon jetzt u., nur bald dahin zu kommen Mendelssohn-Bartholdy
reisebr. 154; worauf wir uns ungeduldigerweise freuen Holtei
erz. schr. 13, 193. man braucht dem ungeduldigen nur einen phlegmatischen ... an die seite zu stellen Ludwig 5, 434. u.
nach Wieland 2, 127;
auf Hippel
lebensl. 1, 8;
zu: zur straff Waldis
Es. 2, 276
Kurz; feile Wieland II 4, 259, 3; sie (
die Franzosen) sein geschwinde und weitschweiffend, ungeduldig zu langem nachsinnen Morhof
unterr. 1, 174.
mit inf. (
vgl.ungeduld 4): du bist .. wohl sehr u., deinen sohn wieder zu umarmen Lessing 2, 370, 27
u. allgemein. auch von sachen, von ungeduld zeugend oder dazu in beziehung stehend: worte Dannhawer
cat. 1, 55; sehnsucht Chr. Weise
klügsten leute 3; thränen Lohenstein
Arm. 2, 1111
b; lippen Wieland I 3, 27; fernglas Eschenburg
beisp. 5, 436; brief Miller
briefw. 1, 107; u. zeit (
zeit der ungeduld) Bettine
Göthes br. 2, 222.
übertragen: mit u. huf Hebbel 1, 87; der mond trat ungeduldig hinter die häuser Laube 8, 16. die ungeduldig-frühe blume Herder 29, 81; in u.-langen sätzen Fulda
n. ged. 24. edel-u. Stolberg 7, 207.
vom mangel an ausdauer: der u. schüler Göthe IV 42, 109
Weim. rastlos: durch deren ungeduldiges bilden 40, 266, 7
Weim. —